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Jüdisches Volksblatt · 1904-12-23 · 52 (23.12.1904) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
52 (23.12.1904)
Date
1904-12-23
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 52 Jüdisches Volksblatt Seite 5 Deutschland und Oesterreich" (vornehmlich für die reifere Jugend), und Donnerstag den 29. Dezember 1604 von Herrn Dr. David Feuchtwang «Nascht, anläßlich des 800. Todestages". Vizepräsident kais. Nat Hirsch erstattet folgendes Referat: Der Voranschlag für das Jahr 1605, welcher Ihnen heute zur Beratung und Beschlußfassung vorliegt, steht unter dem Zeichen der anßerordentlichen Ausgaben. Ich werde mich daher im allgemeinen nur darauf beschränken, diese zu besprechen und behalte mir eventuelle nähere Ausführungen für die Spezialbezw. Generaldebatte vor. Die bedeutendste außerordentliche Ausgabe wird der Leopoldstädter Tempel erfordern. Wie Ihnen bekannt, hat sich teils auf Grund behördlichen Auftrages, teils als Folge der durch den Vorstand veranlaßten genauen Besichtigung des Tempels die Notwendigkeit ergeben, verschiedene Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Zur Deckung der voraussichtlichen Kosten dieser Arbeit ist ein Betrag von X 110 000.— in das Budget eingestellt. — Nach Vornahme dieser Adaptierungen sind nach Ausspruch der Sachverständigen konstruktive Arbeiten im Levpoldstüdter Tempel für Jahre hinaus nicht erforderlich ilnd sind weitere Ausgaben aus diesem Titel in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Weitere außerordentliche Ausgaben ergeben sich durch verschiedene Arbeiten sowie durch Anschaffung eines neuen Harmoniums für detl Tempel Innere Stadt, für welchen Zweck zusammen X 7000.— eingestellt sind. — Desgleichen ist für die Anschaffung eines neuen Harmoniums im Leopo'löstädter Tempel ein Betrag von X 4000.—, für verschiedene größere Arbeiten in den Gemeindebethäusern Fünfhaus und Währing ein Betrag von zusammen X 4000.— eingestellt. Der Zustand der Mikwah erfordert dringendst die Vornahme größerer Adaptierungen, für welchen Zweck nebst eitler Reserve von K 6000.— ein Betrag von X 6000.— veranschlagt ist. Für das Spital sind verschiedene Renovierungen und Neuherstellungen in Aussicht genommen und ist für diesen Zweck ein Betrag von X 13 660.— veranschlagt. Schließlich ist noch für die Herstellung einer Verbindungsstiege des Gemeindehauses mit dem Hause Seitenstettengasse 2 und für die Umgestaltung und Einrichtung der für Bnreauzwecke neu gemieteten Lokalitäten im Hause Seitenstcttengasse 2 ein Betrag von X 4500.—, für verschiedene Herstellungen und Renovierungen im Gemeindehause Währing ein Betrag von X 2000.— piMwiniert. Damit wären die bedeutendsten außerordentlichen Posten besprochen und es erübrigt nur, bezüglich der laufenden Gebarung einige Worte zu bemerken: Gelegentlich der Vorlage des Rechnungsabschlusses für das Jahr 1803 habe ich meiner Besorgnis Ausdruck gegeben, daß die Gemeinde den großen Anforderungen nicht gewachsen sein wird, welche die Erhaltung des nunmehr vollendeten Spitales stellt. Mit umso größerer Genugtuung erfüllt mich die Ihnen allen bekannte Tatsache, daß durch die hochherzige munifizente Spende des Herrn Baron Nathaniel Rothschild nunmehr ohne weitere Belastung des Gemeindebudgets das Spital in seinem vollen Umfange belegt werden kann. Ich kilüpse daran die Hoffnung, daß durch die Verwirklichung der geplanten Maßregeln in ökonomischer Beziehung es möglich sein werde, das Gemeindebudget zu entlasten. Es ist zu wiinschett, daß das Spital in dieser Beziehung unserer Versorgungsanstalt nachstrebe, deren Verwaltung dank der unermüdlichen Tätigkeit des Ehrendamenkomitees als eine mustergültige bezeichnet werden kann. Die laufenden Ausgaben bewegen sich im allgemeinen in den normalen Bahnen, welche allerdings in fast allen Zweigen der Verwaltung eine steigende Tendenz aufweisen. Ich resümiere: Der Voranschlag des Jahres 1806 schließt mit einem Defizit voll X 43 468.46 in der ordentlichen, mit eirrem Defizit von Kronen 166 460.— in der außerordentlichen Gebarung, zusammen X 212 958.46. Zur Deckung des durch die außerordentlichen Ausgaben hervvrgerufeuen Defizites von Kronen 169 460.— dürften aller Voraussicht nach die Ersparnisse aus den frühererl Jahren hinreichen. Was das trotz des geringelt Betrages, vom Standpunkte des Finanzreferenten bedenklichere Defizit der ordentlicherr Gebarung per X 43 498.46 betrifft, gebe ich der zuversichtlichen Erwartung Ausdruck, daß es durch weise Mäßigung in den Ausgaben, öitrch eilte möglichst ökonomische Gebarung in allen Zweigell der Gemeindefinanzen wird bewirkt werdell können, dieses Defizit gleichwie in den Vorjahrelt zu beseitigen. In diesem Sinne bitte ich llm Ihre werktätige Ullterstützung und empfehle Ihnen namens des Vertreterkollegiums die Atlnahme des vorliegenden Budgets. Kaiserlicher Rat Wilhelm P o l l a k, der sich durch die vielen Jahre seiner Mitgliedschaft in der Kultusgemeinde vorgenommen hat, bei der Budgetdebatte nichts mehr zu sprechen, weil es in delt meisten Füllen schlecht aufgefatzt wird und verhallt, Mlttz nach der Errviderullg, welche Herr Ritter von Golöschmidt den Worten des Herrn Kauöers zuteil werdell ließ, doch in die Debatte etngreifen. Der Kultusvorstand ist lticht dazu da, um das, was die Beamten in manchen Zweigen verschulden, zu decken, sondern vielmehr dazu, das Vorzügliche, was von unseren Beamten geleistet wird — und wir haben sehr viele Beamte, welche Vorztigltches leisten — wohlwollend anzuerkennen und dieselben zu fördern, Ungehörigketten jedoch unentwegt, die Oeffentlichkeit nicht scheuend, aufzudecken und einzndämmen, nicht erst abzuwarten, bis in der oder jener Wählerversammlung aus dem Kreise der Wähler selbst der Impuls dazu gegeben wird. Was der Obmann der dritten Sektion, Ritter v. Goldschmidt, in seiner Lobeshymne über die Tätigkeit dieser Sektion ausgesprochen habe, gehe dem Redner doch ein wenig gegen den Strich: Wir waren im ganzen sehr wenig versammelt, drei- bis viermal, und Anträge, die ich vor zwei und auch drei Jahren eingebracht habe, auf eine Reorganisation auf dem Gebiete des Beerdigungs- und Leichenwefens abzielenö, liegen — hoffentlich — noch in der Mappe des Herrn Obmannes oder vielleicht auf einem guten Ort. Es rvüre wohl besser gewesen, sich bezüglich dieser Sektion in bescheidenes Schweigen zu hüllen, als von glänzenden Nestrltaten zu sprechen. Wenn die Mitglieder der Kommission sich dari'lber beklagen, daß sie über Vorfälle in der Kommission, über wichtige Offertverhan'dlungen, Beamtenversetzungen u. dgl. — von Disziplinaruntersuchnngen gar nicht zu reden — nicht informiert sind, so sei das leicht begreiflich, da ja selbst der Redner als Obmannstellvertreter nichts darüber erfahre. Was jedoch den verehrten Herrn Vorredner Dr. Spitzer anbelangt, der die Erörterrmg prinzipieller Fragen im Kultusvorstanöe wünscht, so muß ich demselben diesbezüglich entschieden entgegentreten. Es war vorauszusehen, und man muß dies auch anerkennen, daß durch die Wahl des Präsidenten Dr. Stern die politische Sette der Tätigkeit des Kultusvorstandes ausgezeichnet bestellt sein werde und daß der Präsident hinsichtlich der politischen Vorfälle in ihrer Beziehung zum jüdischen Kultus die Rechte des Judentums in exakter, versierter Weise, mit dem Elan und Feuereifer eines Jünglings wahrnehme. (?) Aber nach innen hat unter ihm ein drakonisches, s e l b st h e r r i s ch e s S y st e w Platz gegriffen, und es ist fraglich, ob dies der Ge - m e i n d e zum W o h l e gereiche. Der Redner fährt fort, indem er auf eine seit Jahren eingebrachte Beschwerde hfNweist und es tadelt, daß der jüdische Religionsunterricht auch an Sonntagen abgehalten wird, wodurch dem jüdischen Kinde der einzige schulfreie Tag, den es der Erholung widmen oder zu nützlicher körperlicher Uebung verwenden sollte, verkürzt wird, trotzdem gerade die Satzungen des Judentums so viel auf den Ruhetag halten. Ferner fordert er, daß wenigstens in den der Gemeinde unterstehenden Tempeln Gleichmäßigkeit in den Gebeten eingeführt werde, statt daß — um irgend jemandem zitm Absatz eines neu herausgegevenen Gebetbuches zu verhelfen — überall eine andere Reihenfolge bestehe und das an einen Tempel gewöhnte Kind keinen Bescheid im Gebetbuche wisse, wenn es in ein anderes Wiener Gotteshaus kommt. Schließlich erinnert Redner an seine vorjährigen Anregungen bezüglich der Ehescheidungen, daß auch aus diesem Titel der Gemeinde Einkünfte erwachsen könnten. Noch eimnal zum Worte gelangt, führt kais. Rat Pollak folgendes aus: Es ist ganz eigentümlich, daß cs gerade zwei Weinhändler sind, welche heute nebst Herrn Dr. Spitzer eine ziemlich, scharfe Sprache führen. Aber, meine Herren, im Wein liegt Wahrhett, und wenn wir Weinhändler hier das Wort ergreifen, so geschieht dies deshalb, weil uns das Wässern verboten ist und wir daher auch hier eine Verwässerung der Debatte nicht zulassen können. Redner stellt entschieden in Abrede, önß seine Worte irgend welche Agitationszwecke auf die Wühlerkreise verfolgen. Er stand und steht nicht vor einer Wiederwahl, und auch Herr Kauders hat keilt Interesse, jetzt eine Wahlrede zu halten,' außerdem ist es zwar gewiß eine Auszeichmlng, Kultllsvorstaltd zu sein und in einer so illustren Gesellschaft zu wirken, aber zu einer ganz vesonderell Auszeichrtung gestaltet sich die Wahl nach und nach nicht, wenn malt bedenkt, daß von 14 600 Wählern in der allgemeinen Kurie nur 1600 ihr Wahlrecht ansgeübt haben und voll der Klirie der Hochbesteuerten von 360 Wählern nur 100 an der Urne erschienen. Das Interesse an den Gewähltelt ist also sehr herabgedrückt und die mit der Wahl verbundene Ehre keine so mächtige. Jedenfalls aber glauben wir, unsere Pflicht hier derart auszufüllen, daß wir nicht erst eine Agitation nötig haben, um Stimmen zu bekommen. Es wäre nur gerecht und billig, wenn wenigstens die Antragsteller obligatorisch zu den Sitzungen des Vertreterkollegiums zugezogen würden, damit die Herren daselbst ihre Anträge vertreten können resp. über das Schicksal derselben Bescheid wissen. Seinen vorgebrachten Tadel betreffs des Vauamtes müsse Redner ausrcchthalten, da die Wirtschaft, die in diesem Amte herrschte, wie aus den Osfertverhandlungcn hervvrgeht, einfach Korruption ist. Ich habe mich nicht gescheut, wie die Herren wissen, dem Leiter dieses Amtes meine Meinung von Angesicht zu Angesicht zu erklären, da ich ebenso die vorzüglichen Leistungen unserer Beamten anerkenne, als ich mir Vorbehalte, bei minder guten Tadelsworte auszusprechen. Und wenn dies in öffentlicher Sitzung besprochen wird, kanil cs gewiß keinerr Schaden bringen und wenn es die Wählerschaft scholl hört, weiß sie wenigstens, daß man auf dem gui vive ist. Redner verweist alrch auf die Grabausschmücknngen am Zentralfriedhofe, über deren konstatierte Unzulänglichkeit seitens der Parteien Klage geführt wird, und bedauert, daß der von ihm seinerzeit mitlrntcrstützte Antrag betreffs Ucbernahme der Grabausschmttckung in eigene Regie nicht durchgedrungen ist, obwohl dies zu einer Einnahmsquelle für die Gemeinde geworden und zur Befriedigung der Parteiell ausgefallen wäre. Was die Einwendung bezüglich seiner Anregung wegen der Taxell für Ehescheidungen betrifft, so könne sich Redner von seillern Standpunkt llicht äbbringen lassen. Wer sich den Luxus einer Ehescheidung leistet, der soll auch gewisse Taxen dafür bezahlen, die wenigstens zum Teil der Gemeinde zufließen sollen. Endlich erinnert Redner an ein ihm im Vorjahre vom Präsidium gegebenes Wort, daß zu den Ehescheidungen bei Gericht ein der deutschen Sprache vollkommen mächtiger Rabbiner delegiert wreden möge, was einem von Parteien und Advokaten seit Jahren gehegten Wunsche entspreche. Gereiusnachrichte«. Jüdische Abende. Vorträge aus der Ltteratur der ostjttörschen Volkssprache („Jargon"). Sonntag den 18. ö. M. fand im Festsaale des Hotel „Central", 2. Bez., Taborstraße 8, der 2. A b e n d statt, der ebenso gut besucht war und nicht minder anregend verlief als der erste. Zuerst sprach Herr Schriftsteller A. C o r a l n i k über „die Grundzüge der Entwicklung der „Jargonltteratur"." Seine irlteressanten Ausführungen ernteten reichlichen Beifall. Die Vorträge aus der jüdischen Literatur selbst — „Der Bojm" von A. Reisen, „A Kaasz vnn a jidene" von L. Perez, „Chanuko" und „Doß Tcppcl" von Scholem Alejchem — die von den Herren Sind, theol, CH. S ch a p i r a, Stud. med. P. S e i ö e r und Sind. me>ö. A. 20t arschvff mit gewohnter Meisterschaft vorgetragen wurden, fanden begeisterte Aufnahme. Zwei Programmueuerungen: Der Vortrag einer deutschen Uebersetzung aus dem Jüdischen („Der kranke Knabe" von L. Perez) und der Gesangsvortrag jüdischer Lieder wurden vom Publikum dankbarst ausgenommen. Der Vorleseude Herr O b e r n i k, der Sänger Herr M. Wagmann und die ihll auf dem Klaviere begleitende Dame, Frl. Irene Weiner, wurden durch starken Beifall ausgezeichnet. — Das allgelneillste Interesse erweckte die neu erschienene Monatsschrift „Jüdische Abende", die den einleitenden Vortrag des ersten Abends und Literaturstücke, die auf diesem verlesen wurden, sowie das Programm des zweiten Abends enthielten. Ueber diese neueste Publikation wird wohl noch in diesem Blatte gesprochen werden können. Jüdischer Turnverein Bielitz-Biala. (Voranzeige.) Samstag den 31. d. M. findet iit den Saallokalitüten des „Schwarzen Adler" das sechste Stiftungsfest des Vereines statt. Beginn präzise 8'/.- Uhr. Entree X 1,50 per Person. Familienkarten nur für Mitglieder (3 Personen) X 4,—. Jttdischnationaler Arbeiterverein, Wie«, 14. Bezirk, Ullmannstr. 31. (Kauerhof 4). Donnerstag den 8. ds. fand eine interne Makkabüerfeier unter überaus zahlreicher Beteiligung der Mitglieder sowie deren Angehörigen im Vereinslokale statt, welche eilten sehr würdigen Verlauf nahm. Um das Zustandekommen dieses Festes haben sich besonders die Herren Schreibstein und

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