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Jüdisches Volksblatt · 1904-12-09 · 50 (9.12.1904) · page 12

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
50 (9.12.1904)
Date
1904-12-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt Nr, 50 jahre. Vor der Entsendung kann der Anwärter im Kassen-, Kalkulator- und Registraturdienste der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes beschäftigt und nebenher dem Seminar für orientalische Sprachen zum Erlernen des Suaheli und zur Vervollständigung der Kenntnisse in der englischen Sprache überwiesen werden. Der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes bleibt es überlassen, diese Vorbildung auch in anderer Weise zu regeln, etwa durch Beschäftigung bei einer Mittel- oder ärarischen Behöroe, bei wirtschaftlichen Korporationen oder in kaufmännischen und industriellen Unternehmungen. Auch kann der Bewerber zum Besuch einer Handelsschule angehalten werden, .hieran schließt sich während zweier Dienstperioden — je zwei Jahre — eine Beschäftigung im Deutsch-Ostafrikarsischen Schutzgebiet, und zwar iw den Gouvernementsbureaus, bei einem Zollamt und bei den Bezirksämtern. Mit dieser Beschäftigung wird zunächst! eine theoretische Ausbildung verbunden, die aus Unterricht im Suaheli bei dem Lehrer der Schule, in Daressalam aber einer anderen geeigneten Persönlichkeit, daneben in Unterweisung in allgemeiner Landeskunde, Verwaltung und Hygiene bestehen soll. Am Schluffe der ersten Dienstperiode nniß sich der Anwärter einer Prüfung vor einer Kommission des Gouvernements und einer ärztlichen Untersuchung unterziehen. Vom Ausfälle dieser Prüfung und der Untersuchung hängt das Bleiben im Dienste ab. Eine Wiederholung der Prüfung nach sechs Monaten, um die sich der Aufenthalt im Schutzgebiete verlängert, ist zulässig. Die im Dienste bleibenden Anwärter können sich am Schluffe der zweiten Dienstperiode einer weiteren Prüfung unterziehen. Fällt diese befriedigend aus, so werden sie nach Berlin beurlaubt, wo ihnen am Seminar für Orientalische Sprachen und durch Vorlesungen über bürgerliches und Strafrecht und verwaltungsrechtliche Disziplinen während eines Zeitraumes von mindestens einem Jahre eine seminarische Ausbildung zu teil wird, eventuell verbunden mit einer praktischen Tätigkeit bei Gerichten. rum Schluffe dieser Ausbildungszeit ist eine Prüfung abzulegen, die sich! auch darauf erstrecken wird, inwieweit der,Pkrüfling die früher erworbenen Sprachkenntnisse durch privates Studium sich gewahrt hat. Während der Ausbildung in der Kolonialabteilung des Auswärtigen Ämtes erhält der Bewerber keinerlei Vergütung. Die türkischen Juden haben sich, so wird der „Hazefira" aus Konstantinopel berichtet, völlig ihrer mohammedanischen Umgebung assimiliert. Ohne schweren Kampf ist die Agilität und geistige Lebhaftigkeit der aus Spanien eingewanderten Juden allmählich dem türkischen Indifferentismus erlegen. Streng religiöse und freidenkerische Sephardim lieben abergläubische Märchen und tragen ihre Amuletts, die Frauen lassen ihre Wirtschaft durch Dienerinnen besorgen und verbringen die Zeit mit Rauchen und Kartenspielen. Da die türkische Sitte die Frau an das Haus gebannt hält, besorgt auch bei den Juden der Mann alle Einkäufe für Küche und Wirtschaft. Den cingewanderten aschkenasischen Juden aus Deutschland, Rußland und Rumänien gegenüber schließt sich die Sepharde ab. Das hat wohl auch darin seinen Grund, daß eine Anzahl der russischen Emigranten als Mädchenhändler und Verhandelte nach Konstantinopel kommen. Die Alliance Israölite Universelle für Rußland Das Zentralkomitee der Alliance Israelite Universelle beschloß in seiner Sitzung am 16. November d. I., an folgende Gemeinden, die infolge der jetzigen Verhältnisse in große Not versetzt wurden, Hilfsmittel zu senden: Nicolaieff (Gouv. Cherson) 2000 Rubel, Sdunska-Wola (Gouv. Kalisch) 1000 Rubel, Brest-Litowsk (Gouv. Grodno) 1000 Rubel, Boguslaw (Gouv. Kiew) 1000 Rubel. Rach Schluß des Blattes. Die jüdischen Geschäftsreisenden in Rußland. Aus Petersburg wird offiziös gemeldet : Die bisher bestandene erhöhte Besteuerung jüdischer Handelsreisenden in Rußland wird, wie der Gehilfe des Finanzministers, Timiriasew, in der Gewerbesteuerkommission mitteilte, bald aufgehoben werden. Roosevelt über die Jude«. In New York erregt die Aeutzerung Roosevelts betreffend die Passage der Juden durch Rußland großes Interesse. Er sagte, es sei sehr schwierig, ftir die jüdischen Mitbürger von Rußland, Pässe und die Passage durch das russische Gebiet zu erlangen, Roosevelt bezeichnete das Verhalten der russischen Regierung in dieser Angelegenheit nicht nur als ungerecht, sondern auch als aufregend und fügte bei: „Für uns ist es schwierig, die Berechtigung dieser Handlungsweise vom russischen Standpunkte einzusehen." In , seiner ersten an den Kongreß gesandten Botschaft finden sich folgende die Juden betreffenden Stellen: In Betreff der Einwanderung und der Naturalisierung der Eingewanderten stellt die Botschaft den Grundsatz auf, daß die Frage, ob jemand ein guter Bürger der Vereinigten Staaten sei, weder mü dem Geburtsort noch mit dem Glauben des Betreffenden etwas zu tun Habe. Hierauf werden die auf diesem Gebiete erforderlichen Maßnahmen und Gesetze, in-» besondere die Notwendigkeit einer Revision der Naturalisierungsgesetze und derjenigen über die Verleihung der Staatsbürgerschaft erörtert. Die Vorgänge in Rußland streifend, heißt eS in ött Botschaft: Unsere recht- und freiheitsliebende Nation mußte ihrem Abscheu über die Judenmassakres in Kischenew oder über die grausamen Unterdrückungen der Armenier Ausdruck geben. Zur Frankfurter Kauf«««;. Die Beschlüsse' der Konferenz lauten: 1. Daß die einzelnen Länder Vorsorge treffen, damit die osteuropäische Auswanderung von Laird zu Land überwacht werde; 2. daß ein spezielles Bureau mit dem Sitze in Berlin für Jnformationszwecke gebildet wird. Die daselbst eingehenden Informationen werden den zuständigen Komitees zur Verfügung gestellt; die Organisationen behalten, das Recht der unmittelbaren Einziehung der Information. Das Bureau in Berlin wird seitens des „Hilfsvereines der deutschen Juden" und der „Großloge U. O. B. D." für Deutschland ins Leber: gerufen; 3. daß periodische Konferenzen zur Behandlung der östlichen Emigrationsfragen zusammentreten. Die Einberufung steht dem Vorsitzenden des Berliner Bureaus für Jnformationszwecke zu oder sie findet statt auf Antrag einer der großen jüdischen Wohlfahrtsorganisationen. Rach Annahme dieser Resolution, die fast einstimmig von der Versammlung gebilligt wurde, ging man zur Erörterung von Detailfragen, der Lage einzelner Länder und Städte über. Das Ergebnis dieser Debatten läßt sich kurz in folgender Weise zusammenfaffen: Da die Auswanderung infolge starker Ansammlungen in den Großstädten Englands und infolge der. vielfach traurigen Lage des jüdischen Proletariats in Amerika keine Aussicht auf eine Linderung der Not bietet, so erklärten sich die verschiedenen Organisationen bereit, zur Besserung der Lage der osteuropäischen Juden in deren Heimatländern nach allen Richtungen, insbesondere auch durch die Schaffung von Arbeitsgelegenheiten, entsprechend den Landesgesetzen helfend beizutragen. Der Vorsitzende Herr James Simon schloß mit Dankesworten die durchaus harmonisch verlaufene Versammlung, mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß die igjefaßten Beschlüsse! |$um Segen der Glaubensgenossen gereichen mögen. Auswanderung. Aeusserst billige Fahrpreise, nach allen . Weltteilen. ■——— : Auskunft gratis und franko. G. SCHYNS, ANTWERPEN rue Appelmans 1. WARENu. 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