Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 50 (9.12.1904)
- Date
- 1904-12-09
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Jüdische» Volksblatt m.m gaffen dicht gefüllt und biauf die Straße standen viele, die im Hause nicht mehr Platz fände«. Die israelitische K«ltuSge«einde war durch de« Prüside»ten Dr. Alfred Stern, de« Vizepräsidenten laiserl. Rat Hirsch »nd Baurat Stioßny, Dr. Markus Spitzer, Salo Landau und Salo Loh» sowie durch Herr« Winterberger vertreten. Die vörsekammer war repräsentiert durch den Präsidenten Vinzenz Miller Ritter von Aichholz mit seinem Stellvertreter Leopold von Liebe«, den landesfürstlichen Kommissär Hofrat Pöschl, den Generalsekretär Lick, dessen Stellvertreter Bideky und Sekretär Doktor Gchottlk, die Mitglieder des Börsenrate-, sämtliche Sensale, die hervorragendsten Kommissiouswarenhäxdler und den Präsidenten des Börsenvereines Bergstein. Um halb 10 Uhr stimmte Oderkantor Singer eine» Trauerpsalm an, worauf der Sarg nach der israelitische« Abteilung des Zentralfriedhofes gebracht wurde. Herr Salo Cohn sprach als Vorstandsmitglied de- Vereines für hilfsbedürftige Börsenbrsucher und dare« Witwen und Waisen. Im Sinne des Verblichenen wurde au der Börse eine Sammlung veranstaltet, dere« Ertrag a« Arme verteilt wurde. Wien. Der bekannte hebräische Schriftsteller M. Ch. Weißmann in Wien feiert demuächst sein fünfzigjähriges Schriftstellerjubiläum. DaS jüngste Werk des Jubilars: •ennm v'vsn nm, hat in Gelehrtenkreisen berechtigte Anerkennung gefunden und kann beim Autor bestellt werden. Czernowitz. R.-Abg. Landesausschuß Dr. Benno S1 r a u ch e r wurde zum korrespondierenden Mitglieds der Czernowitzer Handelskammer gewählt. Czernowitz. Rabbiner Weiß in Czernowitz feiert am 27. d. M. sein vierzigjähriges Amtsjubiläum. Rabbiner Weiß besitzt besonders unter den Orthodoxen seiner Gemeinde großen Einfluß. Der Jubilär ist Verfasser mehrerer Schriften in hebräischer und deutscher Sprache. Die Czernowitzer Kultusgemeinde beschloß, dem hochverdienten Seelsorger eine Reihe von Ehrungen zuteil werden zu lassen. Mit der Durchsührnng derselben wurde ein Komitee bestehend aus den Kultusräten Dr. Mayer, Ebner, Salomon Groll i ch und W a g s ch a l, betraut. Vermischte Nachrichleu. Israelitische KulinSgemeiude Wien. Oeffentliche Sitzung des Berirvlerkollegiums, Seitenstettengasse 4, II Stock, Samstag, 10. Dezember d I. ö Uhr nachmittags. Tagesordnung: Ernuttlung Und Verkündigung des Resultates der am 9. Dezember stattfindenden Wahlen. Die Familie Brodsky gegen die „Nowoje Wremja". Anläßlich des Todes des großen Philanthropen Lasar Brod - ky brachte die ,Nowoje Wremja^ unter dem Titel ,Der König der Juden" einen Schmähartikel, welcher von Jnvektioen und ehrenrührigen Berleumdunge» gegen den verstorbenen Brodsky strotzte. Die Hi«terbliebe»eu Brodskys haben nun gegen die ^Nowoje Wremja" die Verleumduogsklage angestrengt. Bemerkt sei noch, daß die österreichische antisemitische Preffe diese niederträchtigen Verleumdungen skrupellos «achgedruckt hat. Bus Italien. Bei den jüngsten Wahlen zum italienischen Parlament wurden 13 Juden gewählt und zwar: Artom (Castelnuova dt Garfagnana); Barzilai (Rom, 5. Wahlbezirk'; Caffuto .Lworno); Franchetti (Citta di Castello); Luzzalo Luigi (Albano); Luzzato Artur (Monkevarchi); Luzzato Richard (San Daniele); Melli (Chomaechio); Morpurgo (Cividale del Frinli); Pavia (Soresina); Romanin- Jacur (Piave); Sorani (Scansano); Wollemborg (Cittadella). „Franks. Jsr. Fmbl." Dirnstverweigerung aureligiösen Gründe«. Wegen Gehorsamsverweigerung hatte sich der Musketier Johann Pillich vor dem Kriegsgericht in Insterburg zu verantworten. Der Angeklagte, der dem dortigen Infanterieregiment Nr. 45 zugeteilt war, bekennt sich zur Gemeinschaft der Adventzftsii und weigerte sich bisher hartnäckig, am Samstag Dienst zu tun; dies verbiete ihm seine Religion. Das Kriegsgericht verurteilte den Soldaten zu der geringsten zulässigen Strafe von sechs Wochen Gefängnis. Gleichzeitig beschloß das Kreisgericht einstimmig, für ihn ei« Gnadengesuch beim Kaiser zu befürworten. Wie es gemacht wird. Wie wir erfahren, hat der bei Gründung der Akademie für Medizin zu Köln zum Leiter -er inneren Abteilung ernannte Prof. Dr. Oskar Minkowski aus Nutzland sein Hemd — pardon seine Religion gewechselt. Er ist also jetzt strenggläubig als Christ, wie er es als Jude war. Oder es müßte ein sonderbarer Zufall sein, daß ihm im gegebenen Momente, in der Aussicht auf eine Professur, die jüdische Religion gegenüber dem christlichen Glauben minderwertig erschien. Es ist eben so eine Sache mit der plötzlichen Freiheit aus dem Ghetto heraus — bei weniger festen Charakteren. Humoristisches tzo« der Woche. Bon I a k b a t. Wie der Wahlfriede zustande ßam. Hab' ich mich da bei de« letzten Kultuswahle« wieder so giften müssen. Ich Hab' geschnen, wie gewöhnlich, da kommt mir fo ein Friedensmacher und schnauzt mich an: „Wawollen Sie eigentlich. Jakbat? Was fchrein Sie?" — Ich will, daß auch der „kleine Mann" imVorstand', was zu sagen haben soll, schrei ich. „Aber, lieber Jakbat, das ist doch schon längst der Fall. Ist doch sogar unser Präsident Dr. Alfred Stern der kleinste Mann und hat doch alles zu sagen." — Solche Witze in so ernster Zeit verbiet' ich mir, schrei ich. Ich meine den kleinen Mann, den „Nebbich", der überall zu wenig berücksichtigt wird. „Na hören Sie", sagt der Friedensmacher, „mehr Nebbichs, wie in unserem Kultu-vorstand sind, kann man doch nicht verlangen!" Ich war überzeugt und das Kompromiß war geschloffen. Stoßseufzer eines Misrachisten. I« den zionistischen Blättern werde ich immer „Gg" genannt. Seit demPreßburgerKongreffe weiß ich nicht mehr, was dieseS„Gg" zu bedeuten habe. Komme ich zu meinen orthodoxen Gesinnungsgenossen, sagen sie, es bedeute: „Goj gomer"; komme ich zu meinen zionistischen Gesinnungsgenossen, da heißt's, es bedeute einfach: Geh'! geh'! Auf eine» kommt's nicht an. Auch in Budapest waren jetzt Kultuswahleu. In einer Wählerversammlung sprachen mehrere »Führer der Gemeinde^, die sich schon bei Lebzeiten versichert haben, daß ihr Judentum nicht auf ihre Nachkommen vererbt werde. Da meldete sich auch der Redakteur des „Borssem Jankö" Dr. A g a i zum Worte mit der Bedeutung: „Wo so viele Goj im gesprochen haben, kommt's auf A Goj mehr nicht an!" Berichtigung Lieber Jakbat! Ich bitte um Aufnahme folgender Berichtigung: Es ist nicht wahr, daß die Notausgänge in dem Leopoldstädter Tempel zu deyl Zwecke hergestellt werden, damit das Publikum bei den Predigten des Dr. David sich nicht zu dem einen Ausgange zu drängen brauche. Wahr ist vielmehr, daß das Wiener Publikum über die Predigtlage des Dr. David genau informiert ist, und für die Fremden genügt der eine Ausgang hinlänglich. Es ist ferner nicht wahr, daß da- Mitglied des Aktionskomitees Kultusvorsteher Architekt Oskar Marmorek sich um den Bau der NotauSgänge beworben hat. Wahr ist vielmehr, daß Herr Marmorek überhaupt keinen Nolausgang, sondern einen Noteingang angestrebt hat, und daß auch dieser ihm teuer zu stehen kommt. Hochachtungsvoll Dr. I. S. B. Richtiger. Winterantisemiten. In einer Sommerfrische spielten die Kinder der jüdischen Sommerpartei durch Wochen friedlich mit den Hausherrnkindern. Plötzlich fanden diese andere Spielgefährten und zogen sich von den früheren Kameraden zurück. „Wir spielen nicht mehr mit Juden!" sagten sie. Der beleidigte Vater stellte den Hausherrn zur Rede. „No wissen S', dös san halt no Kinder, die können si no net so verstell'n, wie wir Großen," sagte der gutmütige Hausherr. (Simplicissimus.) Zu den Nobilitierungen in Ungarn. Sie: Sag' mal, Davidleben, warum kratzt du dich jetzt in einemfort? Er: Weißt du, ich spür' es, wie mein Blut sich bläut, und das juckt so stark. (Borsszem Janko.) Vollswirtschastliches. Die Kapitalserhöhung der Ungarische« Kreditbank hat an der hiesigen wie an der Budapester Börse eine sehr freundliche Beurteilung gefunden, die auch in der Steigerung des Kurses ihren Ausdruck erhielt. Als ein trefflicher Gedanke erscheint die in Aussicht genommene Errichtung von Filialen in der Provinz, weil dadurch ein innigerer Kontakt im Bankverkehr der Hauptstadt mit den verschiedenen Gegenden des Landes hergestellt wird und weil ein großes hauptstädtisches Institut dadurch in die Lage kommt, die wirtschaftlichen Bestrebungen, die sich namentlich in den Provinzstädten kundgeben, durch itiMKtticibuM# Eingreifen tatkräftig zu fördern. Durch die K«pttalsvermehrung gelangt die Ungarische KrÄitbiMk zu eigenen Fonds im Betrage von ungefähr 64 Millionen und werden nunmehr die hiesige» großen Institute in bezug auf eigenes Kapttal und Reserven folgendermaßen rangiere«: Ungarische Hypothekenbank 70,8 Millionen, UMgartme Kreditbank 04 Millionen, Pester Ungarische Kommerzialbank 58,2 Millionen, Vaterländische Sparkasse 48 Millionen, Ungarische Eskompte- und Wechslerbauk 30,2 Millionen, Ungarische Agrar- und Rentenbank 24,7 Millionen, Bereinigte Hauptstädtische Sparkasse 21,4 Millionen, LandÄs- Zentral-Sparkasse 15,1 Millionen, Vaterländische Bank 11,5 Millionen Kronen. Türkische Anleihe. Zu den Verhandlungen über eine neue türkische Anleihe kann die „Franks. Ztg." berichten: Zwischen dem Bankhaus Emil Erlanger & Co. in London und dem türkischen Schatzamt fanden nach einer Meldung aus Konstantinopel Verhandlungen statt wegen Abschluß einer Anleihe von einer Million Wund, die i« Form von Schatzbvns emittiert werben soll. Die Schatzbons wären am 1. September 1908 rückzahlbar und mit halbjährigen, in London zahlbaren Zinsscheinen zu 6 Prozent versehen. Die Pfottte verpflichtet sich, bis zur Einlösung im Jahre 1906 keine anderen Tresorbons auszugeben, sie behätt sich jedoch das Recht vor, obige Bons gegen säbSmonatliche Kündigung vorher einzulösen. Die Firma Erlanger wird ermächtigt, vom Gesamtbetrag der Anleihe 500.000 Pfund zu negoztere« und nach Unterbringung derselben in einer bestimmten Frist innerhalb sieben Mormten baS Optionsrecht auf die zweite Hälfte unter den gleichen Bedingungen. Tie Firma Erlanger betreibt seit einiger Zeit die Verlängerung der demnächsi ablaufenden Konzession der von Galata nach Pera führenden Tnunelbahn, an der sie Hauptbeteiligte fft. Rumänische Finanzen. Aus Bukarest wird uns geschrieben: Die schlechte Ernte beginnt bereits ihren Einfluß in empfindlicher Weise auf die Finanzen des Staategeltend zu machen. Die Einkassierungen des Staatsschatzes sind im Rückgang begriffen und betrugen in der Zeit vom 14. September bis 13. Oktober 23,78 Millionen Franken, um sieben Millionen weniger als im gleichen Monate des Vorjahres. In den ^ersten sechs Monaten des laufenden Budgetjahres^etruaen die Einkassierungen 134,09 Milliorren ^rannm, um 5,11 Millionen weniger als m dem gleichen Zeitraum des vorangegangMen Jahres. — Die Gesamtsumme per Wstrkassierungen für das am 13. April ru Ende gegangene Budgetjahr 1903 bis 1904, d^n Rechnungsabschluß am 13. d. erfolgte,- betrugen 246,81 Millionen Franken, um 31.6V Millionen Franken mehr als die in den Voranschlag des Budgets eingestellte Ziffer. Rusiifche Anleihe. Die russischen Blätter «gistrieren ohne Vorbehalt die Reuter-Relönng, wonach die Unterhandlungen bezüglich einer neuen russischen Anleihe in der Höhe von 1300 Millionen Franken abgeschlossen erscheinen. Die Emission soll im Monate Jänner des nächsten Jahres erfolgen. Beteiligt erscheinen die Bankhäuser Warf ch a it c r und Mendelssohn i« Berlin und diejenigen französischen Institute, welche auch an der letzten russischen Anleihe beteiligt waren. Ans dem Umstande, daß die Zensur diese Mitteilung anstandslos durchließ, glaubt man in Rußland folgern zu dürfen, daß die Meldung ans Wahrheit beruhe. 38. k. k. Staatslvttcrie. Am 15. Dezember d. I. findet die Ziehung der 30. k. k. StaMlotterte für Zivil-Wohltätigkeitszwecke statt. Der bteSmal besonders reich ansgestattete Spielplan enthält 18.435 (Gewinste in barem Gelde, darunter der Haupttreffer per 200.000 Kronen, ferner Treffer zu 40.000 Kronen, 20.000 Kronen, 10.000 Kronen ete. im Gesamtbeträge von mehr als einer halben Million Kronen. Das Reinerträgnis fließt zufolge Bestimmung des Kaisers öffentlichen Wohltätigteits-Jnstitttten zu. Lose zu 4 Kronen sind in Tabak-Trafiken, Wechselstuben u. s. w. erhältlich. Geschaftsnotize«. Der heutigen Nummer «nseres Blattes liegt ein Verlosungs-Kalender des Bankhauses Eduard Urban in Brünn bei. Wir empfehlen dieses Büchlein umso lieber der Aufmerksamkeit unserer Leser, als das Bankhaus Eduard Urban in Brünn mährend der ganzen Zeit seines 35jährigen Bestandes stets und in erster Linie die Interessen seiner Klienten zu wahren wußte und sich durch Golidttät und Gewissenhaftigkeit bei Ausführung der überwiesenen Geschäfte aus zeichnete. DaS Büchlein enthält das Wissenswerteste für Kapitalsten und solche, die es werben wollen und empsHlen wir dessen Inhalt zur gefl. Beachtung. Für Teppichliebhaber. Echt orientalische Teppiche, antike und neue, im Wege deS im Orient üblichen Tauschhandels erworben, werben jetzt dem Privatpublikum durch die Import- und Kommissionssirma Rudolf Garai bei Verhütung, der sonst durch spekulative Zwischenhändler bemerkstelligten Preisvertenerung direkt zugänglich gemacht, indem diese Firma in ihren Lokalitäten, 1. Bez., Wollzeile Nr. 10, einen Detailvetkans für diese Waren errichtet hat.