Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 37 (9.9.1904)
- Date
- 1904-09-09
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien, Freitag Ansland. Internationaler religionSgefchichtlicher Kongreß. Aus der Arbeit der Abteilungen sei mitgetetlt, daß nach einer von Prof. Curtiß, Chicago, eingereichten Arbeit die Urreligion der Semiten von der der Naturvölker nicht verschieden gewesen sei. Als Beweis soll der Baalsdienst im Alten Testament dienen, auch Hütten die Opfer ursprünglich nur der Begütigung der bösen Geister gedient. Bet einer Verhandlung über das Stadtbild des alten Babylon hält Prof. Himmel daran fest, daß der Beltempel nicht im südlichen Ruinenhügel zu suchen sei, wie die Letter der Berliner Ausgrabungen annehmen, sondern nördlich von dem nördlichen Hügel Kasr. Als Beweis führt er die nach Norden breiter werdende Prozessionsstratze an, sowie den Umstand, daß die an dieser Straße stehenden Löwenbilöer in einer nach Norden schreitenden Haltung öargestellt find. Das habe nur Sinn, wenn der Tempel und öamtt der Hauptteil der Stadt nördlich gelegen habe. In der letzten Plenarsitzung erörterte Prof. Dr. Sarasin die religiösen Vorstellungen der niedrigsten Menschenformen, die in Tropenwäldern gefunden werden, indem er sie an den Weödas auf Ceylon schilderte. Mit ihrem einfachen Leben, das von der Kultur anderer nur das angenommen hat, was zur Erhaltung des Daseins dient, sind sie ein normaler Stamm mit quantitativ geringer Intelligenz, die nicht produktiv, sondern nur in sehr! bescheidenem Maße rezeptiv tätig sind. Auch in ethischer Be-! Ziehung sind sie primitiv, aber nicht roh, achten auf ihr Eigentum, das sie zum Leben brauchen, kennen aber Diebstahl und Lüge nicht. Sie leben in Monogamie. Eine religiöse Anschauung von einem höchsten Wesen fehlt ganz, da sie vollkommen interesselos der Frage nach einem Schöpfer gegenüberstehen, ebenso der Aberglaube an Geister. Die einzige Spur von religiösem Denken ist eine dumpfe Vorstellung vom Fortleben der Seele an einem nahen Ort, der man Speise hinsetzt, sowie einige Bräuche, wie den Pfeiltanz, den sie aber nicht mehr zu deuten wissen. Die monotheistischen Strömungen innerhalb der babylonischen Religion findet Dr. Jeremias-Leipzig zuerst im grauen Altertum in einer Art geheimer Priesterreligion, die sich auf dem kosmographischen, die Existenz eines höchsten Gottes fordernden Weltsystem gründe. Als ein solcher Gott werde Sin genannt. In dem spätern Polytheismus komme diese Strömling auch beim Volke zum Ausdruck darin, daß der Stadtgott der höchste in der Stadt sei, dessen Hofstaat die andern Götter bilden, und der Reichsgott Marduk wiederum erhaben über alle andern sei, während die Wissenden alle Götter nur als Erscheinungsformen des einen Gottes Marduk angesehen hätten. Bei der Wertung der Bußpsalmen für diese Frage sei zu beachten, daß neben dem namenlosen Jlu (Gott) zugleich die Göttin genannt werde, wodurch der Ursprung alles Lebens in die Gottheit hineingelegt werde. Jedenfalls könne man nur von Strömungen, nicht aber von einem bewußten Monotheismus reden. Aber auch darauf komme es nicht so sehr an als auf die Qualität, die man ihm verleihe. Diese aber ist in ihrer Vollkommenheit in der israelitischen Religion angebahnt und im Christentum vollendet. Auf Grund neu entdeckter Originaltexte über den Mauichäismus in persischer Sprache führte Prof. Kehler-Greifswald aus, daß man es hier nicht mit einem gnostischen System, sondern mit einer monotheistischen Religion, entsprungen aus babylonischer Wurzel, zu tun habe, welche nicht nur im Abendlimöe, sondern vor allem in Turkestan und China weit verbrettet gewesen sei. Den Abschluß der Verhandlungen bttöete ein Vortrag von Dr. Kohlbach-Kaposvar, worin er den Einfluß der urspriinglich religiös indifferenten Kunst auf die Entwicklung der Kulte und Charakterisierung der Götter in Aegypten, Babylon und Hellas darzustellen suchte. Internationaler Philosopheukongreß. In G e n f wurde Sonntag den 4. ds. der zweite internationale Kongreß für Philosophie eröffnet. Vorträge in deutscher Sprache halten Professor Dr. Windelbanö-Heidelberg über „Die gegenwärtige Aufgabe der Logik und Erkenntnislehre in bezug auf Naturnnd Kulturwissenschaft", Professor Dr. Reinke-Kiel spricht über den „Neo-Vitalismus und die Bedeutung der Finalität in der Biologie", Professor Dr. B. Alexander-Budapest über „Die Einheit des Seelenlebens und seine verschiedenartigen Aeußerungen", Professor Dr. Cohen-Marburg über „Das Prinzip hes wissenschaftlichen Idealismus", Professor Iwan Gheorgow- Sofia' spricht über „Hie ersten Anfänge des sprachlichen Ausdruckes für das Selbstbewutztsein bei Kindern" und über „Die grammatische Entwicklung der Kindersprache", Professor Doktor Grotenfelt-Helsingfors behandelt das Thema „Die Maßstübe der geschichtlichen Wertschätzung", Dr. A. Levy-Hamburg spricht Üyer „Kant und die Gottesbeweise". Deutsche Mitglieder der ständigen internationalen Kommission sind die Herren Barth- Wpzig, Cantor-Heihelberg, Mach-Wien, Riehle-Hglle, Stein- Bern. Mitglieder der internationalen Kommission des Kongresses für Geschichte der Wissenschaften sind unter anderen stie Herren Professoren Benedikt-Wien, S. Günther-München Und Sndhvf-Tüsseldvrf. Die Pnei B'rith in Hamburg. Hie Einweihung des neuen Lvgenheims der Henry Jones-Loge lU. O. B. B.) in der Hartungsstraße fand an, 38. v, M. mittags in feierlicher Weise statt. Eine große Anzahl von Gästen, unter ihnen auch der Großmeister der Deutschen U. O. P. B.-Logen, Herr Justizrat Timmendorfer-Berlin, sowie Vertreter der Nachbarlogen, die Künstler, die an dem Bau des Hauses mitgearbeitet, u. a. auch der geniale Zeichner E. M. Lilten-München, hatten sich in den neuen Räumen zur Einweihungsfeier etngesunden. Auch der Vorstand der deutsch-israelitischen Gemeinde und andere Gemetudeinstitutivnen waren durch Deputationen vertreten. Eingeleitet wilrde die Feier durch ein Vorspiel auf dem Harmonium, dann folgte die Mozartsche Hymne „O Eintracht, holde Eintracht", die votl einem Männerchor unter Leitung 'betz Herrn Direktor D. Bett in stimmungsvoller Weise vvrgetragen wurde. Hierauf hielt der Vorsitzende der hiesigen Henry Jones- Lage, Herr Gustav Tuch, die Festrede, in der er zunächst auf die Entstehungsgeschichte des neuen Heims hinwies. Die Henry Jones-Loge hat sich im Laufe der Fahre immer mehr Jüdisches Volksblatt. 9. September 1904- Nr, 37 und mehr entwickelt, die alten Räume wurden zu eng, und da trat man der Aufgabe näher, für alle mit der Loge in Verbindung stöheriöen Jnstttuttonen ein gemeinsames Heim zu errichten. Mit der Fertigstellung dieses Hauses ist die Aufgabe glänzend gelöst, nicht nur den eigentlichen Logenbrüdern, sondern auch den Jnstttuttonen, die unter unserer Mitwirkung entstanden sind, wte der Humanttäre Frauenverein, der Jugendbund, die Haushaltungsschule, die Arbeitsnachweise, die Kinderhorte usw. werden vom heutigen Tage an im neuen Lvgenhetm ihr Domizil haben, möge ihre Tätigkeit in diesem Hause sich immer segensvoller gestalten. Redner verbreitete sich dann in eingehender Weise über die Ziele und Bestrebungen der Loge und sprach dann dem Erbauer und allen denen, die an der Ausstattung des Häuses mitgewirkt, seinen Dank aus. Der Festredner schloß seine Ausführungen mit nachstehenden Worten: „Unter dem Schutze unserer geliebten Vaterstadt, der edlen Schirmerin von Recht und Treue, der freien und Hansestadt Hamburg, des ehrwürdigen und immer neu aufstrebenden Gliedes des starken Deutschen Reiches gelte auf alle Zeit die Arbeit der Henry Jones-Loge und der mit ihr verbundenen Institutionen dem Heile des Ordens der V. B., der Judcnhcit und der Menschheit." Nachdem dann von einem Damen- und Herrenchor der Psalm 150 vvrgetragen war, erfolgte nach einem Nachspiel auf dem Harmonium ein Nundgang durch das Gebäude. Der Bau ist auf dem ehemaligen Pfennigschen Grundstücke nach den Plänen und unter Leitung des hiesigen Architekten S. Engel ausgeführt und zeigt ty seinen Parterreräumlichketten zunächst den großen Lvgeusaal. Zum besonderen Schmucke gereichen dem Saal die > mtt Glasmalerei versehenen beiden großen Fenster,' sie sind ' nach einem Entwürfe von E. M. Lilien durch die hiesige Kunstanstalt von Gebr. Kuball ausgeführt und machen auf den Bc-! schauer einen vornehmen Eindruck. Von den Fenstern stellt das eine die „Freiheit" dar und zeigt die Gestalt des Propheten i Moses mit der Strahlenkrone auf dem Haupte. Oben befindet , sich ein Bibelvers aus Exodus, Kap. 6, Vers 0, das andere Fenster stellt die in der Gestalt des Patriarchen Hillel verkör- * perte Menschenliebe dar. Die übrigen Parterreräume dienen : Nestaurationszwecken. Vom Erdgeschoß führt eine Marmorl treppe nach dem großen Festsaal und am Podest der Treppe befindet sich ein buntes Glasfenster. Das ebenfalls nach einem Motiv von Lilien gearbeitete Fenster stammt auch aus dem Atelier der Gebr. Kuball. Der erste Stock wird von drei Sälen eingenommen, die neben der Veranstaltung von Vorträgen! auch für Festzwecke bestimmt sind. In der zweiten Etage befinden sich die Räume für das Gemeinschaftsheim, die anderen Institutionen sowie die Bibliotheken, während im Souterrain die Haushaltungsschule ihr Heim aufgeschlagen hat. Die ganze j Einrichtung des Hauses fand bei den Besuchern ungeteilte An- - erkennung. Das Gestühl des Vorstandes, ein kostbarer Gobelin usw., wurde vorl Logenbrüdern gespendet. j Die amerikanischen Juden für ihre russischen Brüder.! Trotz der schlimmen Erfahrungen, welche die amerikanischen Juden mit ihrer berühmt gewordenen Petition an den Zaren' vor einem Jahre gemacht haben, wird jetzt in Philadelphia schon wieder die Veranstallung einer solchen Petition geplant.! Am 31. Juli beschloß eine in der Wohnung des Chief Eäbbi von Philadelphia stattgehabte Versammlung, den Zaren in einer Massenpetition zu bitten, seinen jüdischen Untertanen die religiöse und politische Gleichberechtigung zu gewähren. Die Petition soll durch Vermittlung des amerikanischen Gesandten in Petersburg dem russischen Ministerium zur Wetterbeförderung an den Zaren übergeben werden. Die Petition soll nicht nur in ganz Amerika züt Unterschrift zirkulieren, sie , soll sogar über den Ozean wandern und in Frankreich, Deutschland, England und anderen europäischen Ländern unterschrieben werden. Die amerikanischen Juden sind doch unverbesserliche Optimisten. Die seit Kischenew gemachten Erfahrungen sollten sie doch endlich lehren, daß man mit bescheidenen Bittgesuchen beim Zaren Nikolaus nichts ansrichtet. Zar Nikolaus will nicht! Worms. I s r a e l it i s ch e R e l i g i o n s l e h r e r. Wir brachten im Frühjahre die Mitteilung, daß das Ministerium beabsichtige, die israelitischen . Religionslehrer in Hessen mtt den gleichen Rechten der Volksschullehrer definitiv anzustellen. In Oberhessen ist bereits der Anfang gemacht worden. Der Provinzialdirektor Dr. Breidert hielt mit den Kreisräten, den beiden Rabbinern und Vorständen größerer Gemeinden Sitzungen ab, in denen die verschiedenen Gemeinden in Vezirkssprengel eingeteilt wurden. Der erste israelitische Lehrer, der kürzlich definitiv anaestellt wurde, ist Lehrer Neumark in Altenstädt (Kr. Friedverg). Er hat in vier Gemeinden den Religionsunterricht zu erteilen, und zwar wöchentlich 20 Stunden. Auch in Rheinhessen und Starkenburg sollen öcnnlächst diese Verhandlungen stattfinden. Stuttgart. Einem Anträge des Stadtrabbinats Stuttgart entsprechend, sind seitens des Generalkommandos die Truppenteile des 13. (K. W.) Armeekorps angewiesen worben, die Mannschaften israelitischen Bekenntnisses, so weit dies der Dienst gestattet, an den hohen israelitischen Festtagen zu berücksichtigen. Die „tolerante" Kultusgemeinde. Alls das tolerante Entgegenkommen der Berliner jüdischen Gemeinde vermag das „Kleine Journal" ein ganz besonderes Loblied zu singen. Am vergangenen Samstag verschied Frau George Beer, die Witwe jenes einst vielgenannten Sportfreundes und hochangesehenen Finanzmannes, der sich allgemeiner Beliebtheit in der Berliner Gesellschaft erfreute und das ganz besondere Wohlwollen Kaiser Wilhelms des Ersten genoß. Dies fand dadurch auch Ausdruck, daß der Monarch Herrn Beer noch in späteren Jahren zum Reserveoffizier bet den Kürassieren ernannte. George Beer, der die alten Traditionen der Familie Meyerbeer stets hochgehalten, starb als JSraelit und fand in dem Meyerbeerschen Erbbegräbnis in der Schönhauser Allee seine letzte Ruhestätte. Seine Witwe trat, nach dem Tode des Mannes, wie das „Kleine Journal" ganz genau weiß, im wahrsten Sinne des Wortes „aus reinster Ueberzengnng" zum christlichen Glauben über, in dessen Betätigung sie ihr Leben und ihre reichen Mittel Werken der Nächstenliebe widmete. Die Bestattungsfrage der Verstorbenen' begegnete nun insofern Schwierigkeiten, als eine „evangelische Trauerfeter dem jüdischen Begräbnis vorangehen mußte". Diese Frage der Beisetzung einer Protestantin auf dem jüdischen Friedhöfe ist nun durch das „tolerante Entgegenkommerl" der jüdischen Gemeinde dahin gelöst worden, daß Oberhofprediger Dryander in der Wohnrrng am Krvnprinzenufer die Leiche einsegnete, die dann zwei Stunden später von den Friedhvfsbeamten nach jüdischem Ritus „eingesargt" und nach der Schönhauser Allee überführt wurde. Und was haben die Herren Gemeinderabbiner zn dieser „Toleranz" gesagt?? Kür Auswanderer «ach Kanada. Für Auswanderer, welche in K a n a d a sich ntederzulassen beabsichtigen, dürste eS von Interesse sein, zu erfahren, daß daselbst vor kurzem ein Gesetz in Kraft getreten ist, wonach Arbetter, von denen nachgewiesen wird, datzsieinAmerikaKontraktarbett e r w a r e n, resp. auf Arbeiten Kontrakte abgeschlossen haben,- rricht nach Kanada hereingelafsen, eventuell, wenn dieser Umstand später bekannt geworden, aus dem Lande gewiesen werden. Ein ühnltches Gesetz besteht bekanntlich in den Bereinigten Staaten von Amerika bereits fett mehreren Jahren. Statistisches Material über jüdische Auswanderer. Das Petersburger Zentralkomitee Jewish Colonizatton Association lIca) sammelt jetzt sämtliche auf die Auswanderung der Juden aus Rußland Bezug habenderr Daten. Das ganze Material wird dann in Form einer Broschüre herausgegeben werden. Das Studium erstreckt sich auf sämtliche Fragen der Auswanderung und legt besonderes Gewicht auf die Frage, welche Beschäftigungen die jüdischen Einwanderer in den einzelnen Lärrdern angenommen haben und auf welche Weise sie in der neuen Heimat ihr Leben fristen. Die Broschüre wirb in russischer und jüdischer Sprache erscheinen. ^Der „Fratnd" spricht bei dieser Gelegenheit die Hoffnung aus, daß dieser Schritt der „Jca" doch endlich zur Gründung eines- Emigrationsbureaus führen werde. Bodenankänfe der Jea in Palästina. Die Jca hat bekanntlich schon vor längerer Zett in Galt! eine große Fläche Boden erworberr. Wie uns mitgeteilt wird, dauern die Bodenkäufe der Jca noch immer fort. Der Bodenbesitz der Gesellschaft wird an junge arbeitslustige und arbeitsfähige Menschen verpachtet. Jeder Arbetter erhält nur so viel Boden, wie viel er selbst zu bearbeiten imstande ist. Die Pachtdauer ist im Vertrage genau fixiert. In der Regel macht ein solcher Bodenanteil 200 Dunam aus. Gleichzettig mtt dem>,Boden erhält der Pächter ein Darlehen von 2000 Francs. Mit dieser Summe bestreiten die Pächter die Einrichtungskosten. Die Abzahlung dieser Summe erfolgt in jährlichen Teilzahlungen. Ebenso haben die Pächter den Zehent und andere Auslagen ans Eigenem resp. aus dem Ertrage der Pachtung zu bestreiten. Achtung vor Mädchenhändlern! Als eine gefährliche Mätzchenhändlergesellschast hat sich die Familie Golda entpuppt, welche unter der Angabe, Flüchtige aus Kischenew zu fern, es verstanden hat, von verschiedenen jüdischen Hilfskomitees in Europa bedeutende Gelöunterstützungen zu erlangen. Dem Berliner Hilfskomitee, an welches sich diese Familie während ihrer Durchreise ebenfalls gewandt hatte, kam die Gesellschaft verdächtig vor und das Komttee benachrichtigte davon das deutsche Nationalkomitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels, weil sich in Begleitung der Golöaschen Eheleute drei junge Mädchen befanden. Diese behaupteten auf Befragen, daß sie Kinder resp. Schwiegertochter der Goldas wären, und da Nichts- Gegenteiliges zu beweisen war, mutzte man die Gesellschaft Weiterreisen lassen. Das deutsche Nationalkomitee benachrichtigte aber trotzdem die Association national Argentina, um dfe Goldas bei ihrem Eintreffen in Buenos Aires anhalten zu lassen. Nun hat das argentinische Komttee festgestellt, daß die Golda eine berüchtigte Müdchenhändlerin aus Odessa sei, und veranlaßt«: die sofortige Verhaftung des Ehepaares in der argentinischen Hanptstadt. Ein nunmehr von der Association national Argentina eingetroffenes Schreiben bestätigt, daß es tatsächlich gelungen ist, eine der gefährlichsten Mädchenhändlerbanden festzunebmen. Die Golda betreibt schon längere Zeit gemeinsam mit ihrem Manne und wahrscheinlich mtt mehreren Unteragenten einen Handel mtt jungen Mädchen, die sie zumeist aus -Rußland nach Argentinien exportiert und dort att öffentliche Häuser verkauft. Sv konnte festgestellt werden, daß sie bei ihrer vorletzten Reise von einem Besitzer eines verrufenen Hauses 1800 Mark für eine junge Russin, die sie dort ablieferte, erhalten hat. In Begleitung der Goldas befanden sich bei ihrer letzten Reise drei, junge Mädchen und ein Mann, die ebenso wie die Goldas mit gefälschten Pässen reisten. Das Gvldasche Ehepaar wurde sofort nach seiner Ankunft in Buenos Aires festgenommen und es stellte sich nunmehr heraus, daß die Verbrecher die drei Mädchen unter falschen Vorspiegelungen zu der Reise verführt und sie veranlaßt hatten, auf Befragen zu erklären, daß sie seine Töchter seien. Das eine Mädchen wurde nur dadurch zur Mitreise bewogen, daß der Begleiter der Goldas, ein Bildhauer, mtt ihm eine^Scheinehe einging. Nach Feststellung dieser Tatsache vor der Behörde in Buenos Aires. erklärte sich nunmehr der „Ehemann bereit, eine gesetzliche Ehe einzllgehen, und das Paar wurde in der dortigen russischen Synagoge getraut. Den beiden anderen Mädchen verschaffte das Komttee Stellungen, während die Goldas in Hast behalten wurden. Die Golda war bereits wegen mehrfachen Kindesmvrdes zu langjähriger Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt worden. Das entmenschte Weib hatte seine eigenen Milder getötet. Sir Marens Samnel vom Mikado ausgezeichnet. Aus London erhalten wir di? Mitteilung, daß der frühere Lvrdmayor von London, Sir Marcus Samuel, durch Vermittlung des japanischen Gesandten in England, Graf Hayashi, vom Mikado den Kommandeurorden zur ausgehenden Sonne erhalten hat. Die Finna Mqrens Samuel hat sich um Japan sehr verdient gemacht. Sie hat seinerzeit die erste japanische Gölüanleihe, dann später eine Anleihe zur Errichtung der Wasserwerke m\ Yokohama und eine zum Ausbau des Hafens von Osaka emittiert. Auch die Entwicklung von Formosa unter Japans Hexrschgft ist durch die Firma Marens Samuel lebhaft unterstützt worden. 1 Preisverteil,tng. Aus Petersburg wird berichtet: Der hiesige Bildungsverein „Mefizeh Haskalah" hat die L. R ose nt hal sch e Sttstnng im Betrage von 920 Rubel dem Schriftsteller B. Rainer aus Wifim für dessen Werk „Aügwath Zion wt-Jernscholajim" zugenrte lt. Die RosentM- Stistnng ist für das beste Werk über Mffche Literatur odsr Geschichte, oder anch über eine allgemein wissenschaftliche Frage bestimmt. Die Arbeit muß in russischer ober hebräischer Sprache .abgefatzt sein. Die nächste Preisausgabe findet am 1. September 10Q7 statt. Der Preis kann sowohl für ein Mqnufiript. wie anch fsir ejn nicht frlsher als drei Jahre vor dem Einreichungstermin in Druck gelegtes Buch bestimmt werden. Der Einreichungstermin geht am 1. März 1607 zü Ende. Berlin. In der Kvnjtzer Norhgngelegenhett, deren Aufklärung anscheinend aussichtslos ist, haben während