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Jüdisches Volksblatt · 1904-07-08 · 28 (8.7.1904) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
28 (8.7.1904)
Date
1904-07-08
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt. 8. Juli 1904 Seite 7 Nr. 28 Wien, Freitag i MM* «m». wir bitten «nsere Leser, ihre« vedars bei unseren Inserenten zu -ecken, und sich dabei aus unser viatt zu beziehen. eHielt Herr v. Raaben die erste telephonische Meldung: die Krawalle hatten begonnen. Die Schilderungen der Verteidigungsschrift entbehren von da ab jedes chronologischen Zusammenhanges: alles wird so dargestellt, als wäre es gleich am Morgen geschehen. Unverzüglich, erzählt der Gouverneur, habe er das ihm zu Gebote gestandene Militär dorthin gesandt, wo Hilfe rwtig war; unverzüglich habe er das Oberhaupt der Garnison und die Kommandeure der einzelnen Kolonnen zu sich berufen. Mer das, was hier erzählt wird, ist nicht wahr. Nicht wahr ist es, daß er das bei ihm bereitgestandene Militär irgendwohin kommandiert; es ist vielmehr bis zum Wettd dageblieben und bewachte — den Gouverneur. Nicht währ ist es, daß er das Oberhaupt der Garnison zu sich berufen hat, zumal unverzüglich. Das wird Ihnen Generalleutnant Beckmann selbst bestätigen. Nach der Besprechung mit Beckmann hat v. Raaben wirklich einen Schritt zur Beilegung der Krawalle getan. Es war sein erster und einziger Schritt, wenn man von den Sorgen für Bäckereien, barmherzige Schwestern und Gefängnisse absehen soll. Er leistete sich nämlich zwei schriftliche Befehle, von denen der erste den Kommandeuren aller Regimenter zwischen 2 und 3 Uhr nachmittags zugestellt wurde, während der zweite um halb 4 Uhr nachmittags an Herrn Beckmann ging. Bis dahin waren in Kischenew der Greueltaten genug geschehen: Leichen lagen in Menge auf den Straßen, Bettfedern bedeckten die Wege, jüdisches Häb und Gut war vernichtet. Diese Befehle des Herrn von Raaben bilden einen Wendepunkt in der Geschichte seiner Leistungen am zweiten Tage der Krawalle: der Gouverneur, der bis dahin einfach untätig war, erklärte damit offiziell, daß jeder Gedanke eines Eingriffs in den Gang der Verhältnisse ihm ferne liegt und daß er das Verfüguugsrecht einem anderen übertrage. Bedarf es noch eines Beweises, daß der Inhalt dieses Schriftstückes in krassem Gegensätze zu den fundamentalen Pflichten eines Gouverneurs steht, wie diese durch das Gesetz vorgeschrieben sind? Darlehen auf Cose and at)dm Weichpapi ein gewähre ich in jedem Betrage zji billigsten Bedingungen. Die Rückzahlung solcher Darlehen kann nach Wunsch der Partei auf einmal oder - ' -'■■■ — auch in bequemen Monatsraten erfolgen. 1 — Auch bei Banken, Sparkassen oder Privaten verpfändete Lose und Wertpapiere löse ich aus und können selbe bei mir im Depöt bleiben oder verkauft werden. Auf Wunsch können dieselben Stücke auch sogleich gegen angenehme Monatsraten wieder rückgekauft werden, wobei der volle. Kaufpreis, .abzüglich einer Rate zur Verfügung des Besitzers der i-,, Lose steht und doch das volle Gewinnrecht gewahrt bleibt. Eduard Urban in Brünn Bankgeschäft, Grosser Platz Nr. 25, im eigenen Hause. Firmabestand seit-18£9.... . ,Solide Agenten werde’n überall angestellt. Der unsichtbare Regisseur. Vis um 3 Uhr hat Herr v. Raaben nichts getan und saß am Telephon; von 3 Uhr ab hat er wiederum nichts getan, saß aber nicht mehr am Telephon. Innerhalb einer oder zwei Stunden versuchen die einzelnen Kommandeure, die ihnen übertragene Macht auszuüben, aber ohne Erfolg. Das Erscheinen einer Kolonne an einer Stelle verscheuchte nur das Gesindel anderswohin, wo eine andere oder noch gar keine auftreten sollte. Jeder Kommandeur mußte seine Position innehalten und während er nach einer Seite hin arbeitete, ging nach der anderen die Plünderung ungestört vor sich. Es war niemand da, der die, Aktion vereinigen sollte. Unter den Klagen der Gemordeten, dem Krachen der z n s a m m e n st ü r z e n d e n Häuser, dem Geheul des betrunkenen Gesindels bewegte sich die Kavallerie und Infanterie wie auf dem Paradeplatze, während der Regisseur dieses Schauspieles unsichtbar am T e l e p h o n saß. Die Bemühungen der einzelnen Kommandeure konnten nichts nützen, aber sie hatten gar Verschiedenes zu überwinden. Hauptimann Rau ch bezeugt, daß die Polizei ihn am Eingreifen geh iu - d e r t h a b e, w e i l ihr v o r g e s ch r i e b e n g e w e s e n s e i, keine strengen Maßregeln zu gebrauchen und niemand z u verhafte n. Vorgeschrieben l Von wem denn? Die Beamten. haben also nicht nur ihre Schuldigkeit nicht getan, sondern sie haben auch etwas vorgjeschricsben. Der Telephondrnht hat offenbar Konfusion gebracht, denn er Hai was anderes übertragen, als Herr v. Raaben, nach seiner Verteidigungsschrift zu urteilen, verordnet hat. Hätte v. Raaben um 7 Uhr früh, als er von den Inden um Hilfe angefleht wurde, oder um 10 Uhr als die erste telephonische Meldung einlief, seine Schuldigkeit getan, so wären, die gräßlichsten drei Stunden — von 12 bis 3 Uhr mittags — erspart geblieben. Wie viele Morde wären unterblieben I Zwei Stunden waren genug, das ist außer jedem Zweifel, denn der Beweis ist an derselben Stelle, zur selben Zeit und an denselben Menschen erbracht worden. Nun liegt Ihnen aber, meine Herren Senatoren, unter den Zivilklagen eine vor, die besondere Berücksichtigung verdient. Fischmann klagt auf Schadenersatz für seinen geplünderten Laden und berichtet, daß der Plünderung beigewohnt haben: der Bize'- gonverneur, der Polizeipräsident, der Korn. - m i s s ä r und sein A d j u n k t. Diese Behauptung ist jetzt durch das Urteil im Kriminalprozesse bestätigt worden. Man stand da, unterhielt sich über die kulturhistorischen Beweggründe der Ereignisse und ließ die Verbrecher plündern und dann V u h i g ihren Weg ziehe n. Ich fasse zusammen: Sie sehen, was die Angeklagten für die Juden hätten tun können und was sie getan haben. Ich habe nämlich folgendes bewiesen: 1. Hätte Herr v. Raaben und die übrigen ihre Pflicht am ersten Tage getan, so wäre es zu den Ereignissen am zweiten nicht gekommen. 2. Zmj Beruhigung waren im Kulminationspunkte zwei Stunden völlig genügend. Der Senat beschloß auf Antrag des ersten Staatsanwaltes die B e r w e r f u n g der Klage»!, weil der Senat in dieser Znsamnrcnsctzllng Zivilgericht sei unb als solches keine Möglichkeit habe, die Zweckmäßigkeit von Maß re ge kn zu p r ü f e n, welche die S t a a tS r ai s o »» einem höheren Beamte»» diktiere. 3srad.^äilchen-?mionai von Frau IDA EPSTEIN, Breslau II GARTENSTRASSE 67 Vorzügl. Verpflegung, gediegene wissenschaftliche, gesellschaftliche u. häusliche Ausbildung. 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