Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 24 (10.6.1904)
- Date
- 1904-06-10
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. H Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 10. Juni 1904* Seite 7 i wir bitten unsere Leser, ihre« vedars bei unseren Inserenten zu -ecken, und sich dabei aus unser Blatt zu beziehe«. I ge,, und törichten Nassenkrieg der Antisemiten und fuhr fort: „Der Antisemitismus, diese Lieblingsmaske der Reaktion, hat mich immer in Erstaunen versetzt. DiezwölfApostel waren doch Juden, und ich fragte mich, wie sie auf die Erde zurückkehrten. U»rd war tricht Jesus selbst ein Jude, wenigstens durch seine Mütter? Stellen Sie sich den heiligen Joseph vor, der, plötzlich erstanden, in eine Kirche eiutreten will, um das Bildnis seines Sohnes zu sehen. Wie verwundert würde er sein, wenn der Gnadenvolle ihm erzählte, dasz er zu der verdonnerten Rasse gehöre und nicht ferner das Recht habe, auf Erden zu erscheinen." Montreal. Ueber die neue jüdische Kolonie in der Nähe der Festung Qü' Appelle spricht sich der eben erschienene Bericht des Ca>radischen „Emigratiotl Departement" überaus günstig aus. Jur Jahre 1004 wird das Land Eigentum der Kolonisten werden, da die Ansiedler nach Ablauf von drei Jahren bei gutem Betragen das Besitzrecht auf ihren Boden beanspruchen dürfen. Die Bevölkerung voit One' Appelle zählt jetzt 200 Seelen und jede Familie besitzt 100 Acres Land, das so gut bestellt ist, daß es einen Verkaufswert von mindestens 0000 Mark hat. Ebenso gut geht es der „Hirsch-Kolonie". Der Auswanderungs-Agent der Canadischen Negierung Mr. Presto», ist der Ansicht, dah in der Provinz Qu' Appelle reichlich Nauru für zahlreiche jüdische Koloirien vorhanden ist. Die wirtschaftliche Bedeutung der Zudensrage in Rumänien. Ui. Schließlich spielen die Juden auch in dev Landwirtschaft keine geringe Rolle. Mau hat gegen manche in letzter Zeit daraus sogar einen Vorwurf -gemacht. Natürlich spielen die Juden diese Rolle nicht als landwirtschaftlichle Arbeiter. Hier wie auch anderwärts, hat man den Juden d>ie Möglichkeit geniomanen, sich dieser Arbeit zu widmen. Nicht Faulheit oder Unfähigkeit oder Schwäche sind die Ursachen davon, daß die Juiden, nicht Bauern geworden sind. _ Ihren Fleiß heben sogar ihre Rogner hervor; die Kraft dazu hätten sie gehabt, denn die landwirtschaftliche Arbeit ist nicht schwerer als die der Maurer, Schmiede, Schlosser und Steinarbeiter, die besonders in der Moldau zum größeren Teile von Juden ausgeübt wird-. Aber das Verbot, auf dem Lande zu wohnen, war und ist die Hauptursache, welche es der arbeitendenjüdischen Bevölkerung unmöglich gemacht hat, sichder Landwirtschaft zuzuwenden. Dagegen ist die Stellung der Juden a>ls Gutspächter, besonders in der Moldau, bemerkenswert. Sie bllden dort 36,86 pCt. der Gesamtzahl der Pächter und haben 46,67 pCt. des verpachteten Bodens in Pacht. Es handelt sich dabei selbstverständlichi um Großkapitalisten, die ein Geschäft nur mit Zustimmung der Gutsbesitzer, die ja bekanntlich nur Rumänen sein dürfen und die jene Klasse bilden, welche die politische Macht in Rumänien, besitzt, abschließen können. Einige slollchier Pächter werden beschuldigt, in ihren Händeln eine Menge großer Güter vereinigt zu haben, biszu 80. Diesliegt aber in der Natur der Verhältnisse, in der bestehenden wirtschaftlichen Organisation Mmäniens. So lange nicht der Grundbesitz zerschlagen und in bäuerliche Besitzungen ausgelöst ist, wird das Pachtsystem! fortbestehen mit seinen Auswüchsen und vielleicht auch. Vorzügen!. Daraus kann jedenfallsden Juden kein Vorwurf gemacht werden. Im übrigen wird anerkannt, daß die jüdischen Gutspächter in der Moldau viel humaner -die Bauern behandeln, als es die ausschließlich griechischen und rrrrnäniWen, d. H-. aus Siebenbürgen stammenden Pächter der Wallachei tim. Darüber könnte vielleicht die Tatsache Aufklärung geben, daß in der Wallachei hie und da die verzweifelten Bauern sich gegen ihre Ausbeuter erheben, -während diesin der Moldau und besonders auf von Juden gepachteten Gütern, meines Wissens noch nicht vorgekommon ist. Alle die Tatsachen, die ich angeführt habe, zeigen, welche hervorragende wirtschaftliche Bedeutung die Judenfrage für Rumänien hat. Von antisemitischer! Seite werden diese.Zahlen angeführt, mn zubeweisen, daß Rumänien sich der 'Juden erwehren müsse. Ich glaube gezeigt zu haben, daß die natürliche Entwicklung in allen Berufen auch Rumänen in groß>er Zahl hineinbringt undsich langsam der Ausgleich der Verhältnisse vollzieht. Leider verfallen auch die Juden in -den Fehler aller, derjenigen, die sichin ' einer Verteidigungsstellung be-' finden, indem sie meinen, alle Vorwürfe, die ihre Gegner erheben, direkt znrückwoisen zu müssen. Wenn die Antisemiten mit Zahlen aufwarten, die beweisen, welch wichtige Rolle die Juden im wirtschaftlichen Leben Runräniens spielen, so wird das abgeleugnet und zurückgewiesen. Nein, die Juden sind ein bedeutender.' ökonomischer Faktor in Rumänien, und dann ist es nicht nur eine Forderung der Menschlichkeit, sondern geradezu eine Lebensforderung für den rumänischen Staat, die gar nicht so schwierige Frage der Judenemauzipation zn lösen. Es gehört dazu, nicht einmal Mut, sondern nur guter Wille. Der Antisemitismus, der heute in dem offiziösen Blätterwalde lobt, ist nicht einheimisches Produkt, er ist von siebenWvgischen Rumänen eingeschleppt und wird von ihnen geschürt nicht nur zum Schaden der Juden', sondern in! erster Linie zum Schaden der inländischen Rumänen. Mit der Judenemanzipatiou würde Rumänien jenen Gesetzeszyklus abschließen, dev von seinen großen Männern ün Jahre 1848 gefordert Imtrbe. Von einer Last befreit, welche auf dem Lande wie ein schwerer Alp drückt, würde es sicheren Schrittes der Zukunft entgegengehen können, die ihm alle ciufrichtigeu Patrioten, Christen wie Juden, wünschen. („Frkf. Ztg.") Darlehen auf Cose qt)d af)<ki*e Wei-lpapi'eise gewähre ich in jedem Betrage zu billigsten Bedingungen. Die Rückzahlung solcher Darlehen kann naeh Wunsch der Partei auf einmal oder -... ZZ auch in bequemen Monatsraten erfolgen. —— Auch bei Banken, Sparkassen oder Privaten verpfändete Lose und Wertpapiere löse ich aus und können selbe bei mir im Depöt bleiben oder verkauft werden. Auf Wunsch können dieselben Stücke auch sogleich gegen angenphme Monatsraten wieder rüokgekauft werden, wobei der volle Kaufpreis abzüglich einer Rate zur Verfügung des Besitzers der Lose steht und doch das volle Gewinnrecht gewahrt bleibt. Eduard Urban in Brünn Bankgeschäft, Grosser Platz Nr. 25, im eigenen Hause. Firmabestand seit 1869. — Solide Agenten werden überall an gestellt. 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