Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 22 (27.5.1904)
- Date
- 1904-05-27
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 22 Wien, Fr* Jüdisches Volksblatt. 27. Mai. i(JU4 Seite 7 < «bwskkiimjucä».*;ir .•.tw'ua.rw^ wir bitten unsere esrr, "iven v i unseren Inserenten zu decken, und sich dabei auf unser Blatt zu beziehen. -iva**ex*#*". .• Goethes Aufenthalt in $ uud fein Verkehr mit f t? er. - : Reisesaison vergesse man nicht, vorerst Me bestbekannte isiten-Firma Johann Scholz, Wien, 4. Bez,, Haupt- 0, zu besuchen. Obige Firma erzeugt nur erstklassige > zu den billigsten Preisen. •.?r : .fh'Ilcn, b, cucchaus f iti M.r.imkeu i’ ■ r g«'schi'!u'N. Ot’jciV'Dtncu!vni? U)n üi.w ■iulit hagci :!Mr tiv : hu .i .ans. fi. fvt Es gewährt ein ungemeines Vergnü Goethe in seiner Jugend, als Student in Judenfeind war. Was wir aus diversen L< dieses Thema zusammentragen können, soll Gellert wohnte bekanntlich in einer l nung in dem linken Seitengeäude des großer besuchte ihn Goethe als Studierender. „! sucht," erzählt er, „und war freundlich worden. Nicht große Gestalt, zierlich, c eher traurige Augen, eine sehr schöne m triebene Habichtnase, ein feiner Mund, m Gesichts: alles machte seine Gegenwart ac einige Mühe, zu ihm zu gelangen. S < <amu!" j.e . Priester, die ein Heiligtum bewachen! EinMm^ > und in seiner Stube war ein Greis; sein jüdisches Gesicht na u i. auf. Gellert sagte verlegen: „Das ist der Abraham Steinberg aus Brandenburgs); er liefert mir alte Bücher und Schriften!" Steinberg hatte große Kenntnisse alter Handschriften und besuchte Gellert jede Messe. Gellert war kein Judenfreund, aber mit einzelnen Israeliten hat er doch anständig verkehrt, d. y. er ist mit ihnen in Frieden ausgekommen. Steinberg hat auch nie ein Aufhebens davon gemacht, daß er beim Magister Gellert verkehrte und mit ihm einige Geschäfte gemacht! Ganz unrichtig wurde einmal in einer Abhandlung über „Gellert und die Juden" geschrieben: Ein jüdischer Antiquar, Steinberg aus Brandenburg, habe Gellert oft belässt, und mit wertlosen, gefälschten Schriften betrogen! — (Doch dies nur nebenbei.) — Goethe bewegte sich natürlich nur in gebildeten Kreisen; er speiste anfangs bei dem Arzt und Hoftat Ludwig3), Markt Nr. 8; so lange aber sein Landsmann, der berühmte Johann Georg Schlosser in Leipzig war, in einem kleinen Gasthause auf dem Brühl, dessen Wirt Schönkopf hieß. Mit der Tochter dieses Wirtes knüpfte Goethe ein Liebesverhältnis an. Anna Schönkopf wurde sein zweites Gretchen und gab wohl Anlaß zu den Worten: „Es küßt sich so süße die Lippe der zweiten, Als kaum sich die Lippe der ersten geküßt." Schönkopf selbst war ein durchaus liberaler Mann; in seiner Lokalität verkehrten zur Messenszeit viel Juden, deren Rechtlichkeit er rühmte, und mit denen mich Goethe undSchlosser Unterhaltungen anknüpften. Anna Schönkopf hatte einst zur Messe vom Juden Oppenheimer *) aus Frankfurt a. M. ein Paar wundervolle Ohrringe geschenkt erhalten. Selbst Goethe freute sich über das Pvachtgeschenk und rühmte die noble Gesinnung des alten Hebräers, mit dem er viele, sehr ernste Gespräche gehabt! Mer war auch damals Goethe? Ein junger Mensch, ein Student ohne alle Bedeutung! Wenn der „große Dichter" deshalb „mit einem Juden" freundlich getan hat, so will das weiter gar nichts sagen. Goethe machte mit allen berühmten Männern der damaligen Zeit in Leipzig Bekanntschaft. Wir erwähnen nur den Maler und Bildhauer Oeser, der während Goethes Aufenthalt in Leipzig unter anderem den berühmten Theatervorhang malte. Oeser war ein Freund der Judenemanzipation, welche in studentischen Kreisen keine Sympathien fand. Oeser sagt eben selbst von Goethe, daß er menschenfreundlich dachte und niemand haßte, d. h. kein „Völkerfeind" war. Goethe bewohnte während seines Aufenthaltes in Leipzig in der „Feuerkugel" ein paar artige Zimmer, die in den Hof sahen, der wegen des Durchganges nicht unbelebt war. Neben Goethe wohnte der bekannte Buchhändler Fleischer, ebenfalls ein aufstrebender, liberaler Mann, Herausgeber des Taschenbuches „Minerva""), für welches Goethe eine Abhandlung über „Das Emporkommen der Juden" geschrieben haben soll. Es ist wegen dev Autorschaft dieses Artikels, der vor Jahren wieder auftauchte, viel gestritten. Aber niemand, so sehr er auch in die sogenannte Goethe-Literatur eingeweiht, hat tatsächlich behaupten können, Goethe habe den -Artikel nicht geschrieben! Der Aufsatz spricht sich lobend und anerkennend über das Geschick der Juden in der Mcnschenwelt aus! Wir, behaupten noch einmal, daß Goethe für Fleischers buchhändlerische Unternehmungen manches geschrieben hat und trotzdem der eigentliche Verfasser nicht bekannt wurde. Schon der Umstand allein, daß alle Leipziger Chronisten behaupten, Goethe habe mit Fleischer intim verkehrt, läßt die Annahme zu, daß auch der bekannte Artikel in der „Minerva": «Das Emporkommen der Völker in der Welt" wohl von Goethe sein kann, ja von uns wird dies heute noch behauptet! Daß Goethe früher oder später anderer Meinung über die Juden war, ändert nichts an der Tatsache.. Aridere große Männer haben ihre Meinung ebenfalls oft geändert — und nur festzustellen wäre, ob Fleischer senior fraglichen judeufreuudlichen Artikel in Leipzig von Goethe bekommen oder erst später Fleischer junior, denn der Artikel erschien 1802, als Goethe bereits 63 Jahre alt war. Es karm wohl sein, daß Fleischer jun. das Manuskript gefurrden — und zwar mit allen näheren Bestimmungen, so daß der Autor wohl bekannt war! — Ob die „Goethe-Forscher" s. Z. über die jüdischen Blätter, welche ben. Artikel abdruckten, herfielen oder nicht — so viel ist klar — Goethe war der Verfasser des Artikels doch; und er hat wahrscheinlich in späteren Jahren, durch besondere Umstände veranlaßt, seine Ansichten über die Inden geändert! Fest steht ebenfalls, daß Goethe in seiner Jugend als Student in Leipzig — nicht judenfeindlich war! Dies zum Nachtrag, da luir ben. Artikel s. Z. in der „Wiener Neuzeit" zuerst veröffentlichten und erst nach langen Jahren zur Abwehr die Feder ergreifen konnten. K. W. — Leipzig. Stuhlverstopfung mehr durch meine Muss-Kuchen;.. Stüdenten-Pensionat für Volks- und Gymnasialschfiler des Heinrich Gansei : Ung.-Hradisch (Mähren). ' Auch werden Studenten über die Ferien zum Landaufenthalt genommen. — Referenzen: Se. 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Als Trauzeugen fungierten die jüdische Knlinsvorstehersgattin Frau Atoritz N o t h ko p f und der jüdische Zahnarzt Gerö, welche auch alle Hebel in Bewegung setzten, daß die Täuflinge möglichst rasch in den Besitz der notwendigen Dokumente gelaugten und sowohl Taufe als Trauung ohne Hindernis vollzogen werden können. Ich übergebe diesen Sachverhalt der Oeffentlichkeit zur gebührenden Beurteilung. S a r a j e v o, 22. Mai 1l>04. Hochachtungsvoll S. B ö f) m. Mitteilungen «ns dem Publikum. Max Eisler erlaubt sich die höfliche Mitteilung zu machen, daß er am 10. Mai d. I. an der k. k. Universität Wien zum Doktor der Philosophie promoviert wurde. 1) Später^kaufte auch Goethe bei Steinberg. 2) Ein sehr liberaler Charakter. 8) Aus welcher Familie ist nicht festgestellt. 4) Das feinste, vornehm illustrierte Blatt mit bestem Inhalt. Georg Schicht, Aussig a. <E. Grösste Fabrik ihrer Art auf dem europäischen Festlande. FUr hervorragende Leistungen' prämiiert: PARIS - OLMÜTZ - WIEN VENEDIG - ST. 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