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Jüdisches Volksblatt · 1904-05-13 · 20 (13.5.1904) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
20 (13.5.1904)
Date
1904-05-13
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seile 6 Wien, Freitag JikHeehee VolkaMatt. 13. Mai 1904 Nr. 20 Tendcnzstücke, dem -reiaktigen Schauspiele „L'Exode" geantwortet, das am Freitag unter der Leitung Gemiers im Nouveau-Theatre zur ersten Aufführung gelangte und das trotz verschiedener lärmender Zwischenfälle im allgemeinen eine recht freundliche Aufnahme gefunden hat. Der junge Autor, der in markigen Zügen die leitenden Kreise der antisemitischen Bewegung in Frankreich kennzeichnet, verfällt in den seinen Altersgenossen gewöhnlich anhaftenden Fehler, die Handlung nur allzu oft durch lange Tiraden zu ersetzen, die auf der Bühne, wenn nicht vollständig ihren Zweck verfehlen, so doch auf die Dauer ermüden. Den Kernpunkt des Schauspiels, in das die Liebesgeschichte eines jungen Malers, Sohn des aus ehrgeizigen Gründen antisemitierenden Politikers Dumont und einer jungen Jüdin, Rachel Philippsohn, verwickelt ist, bildet die Schilderung der Metzeleien von Kischenew, die ein diesen entronnener russischer Jude in einer antisemitischen Volksversammlung in Paris liefert:. Diese Darstellung verfehlt umsoweniger den beabsichtigten Eindruck, als der gewandte Schauspieler Gemier dieser sein ganzes hohes Talent gewidmet hat. — Die eigentliche Tendenz des Stückes geht aus folgender Widmung hervor: „Den Besiegten von Bethar und Sepphoris, den verfolgten Söhnen Israels, den von der Kirche Gehetzten, von den Königinnen ausgebeuteten, von der Inquisition Verbrannten, den Opfern des Hasses und der Unwissenheit, den Märtyrern der Ghettos, dem Volke, das so viel gelitten hat, weil es nach dem zutreffenden Ausspruche Nathans von Etampes einen der Seinigen zum Gotte erheben ließ, dem Andenken Simions Ben Jokhais, des Dichters As Samuel des Treuen, der Philosophen Spinoza und Mendelssohn, der nach Amerika Verbannten und ihres Dichters Rosenfeld, der Opfer der Metzeleien von Algier und Kischenew, des Glasers Grineschfune und des Buchhalters Nissenzen, wollte ich dieses Stück widmen. Aber da Sie, mein lieber Gemier, ihr Phantom in großartigster Weise in „Un Juif Russe" aufgerichtet und ihre hundertjährige Klage hinaus in die Welt gegellt haben, so biete ich Ihrem schaffenden Genie „L'Exode" als Huldigung dar." Warschau. Auf Grund einer Mitteilung des Blattes „Hazcfirah" bringen die polnischen Blätter Warnungen vor dem Treiben amerikanischer Mädchenhändler, die in Galizien, Ungarn, Siebenbürgen und anderen Ländern herumreisen und Mädchen unter der Vorspiegelung zur Ueberfahrt nach Amerika zu bewegen suchen, in der Weltausstellung in St. Louis Stellungen als Verkäuferinnen, Kassiererinnen, Dienstmädchen, Schankmädchen lohnenden Verdienst zu finden. Nach den Berichten des genannten Blattes habe sich in St. Louis ein Konsortium gebildet, dem fast eine Million Mark zur Verfügung gestellt worden sei, um Agenten nach Europa zu senden, die Mädchen anwerben sollen, um diese Freudenhäusern in St. Louis zuzuführen. Philadelphia. Eine Millionen-Erbschaft ist, wie „Jewish Exponent" mitteilt, der hiesigen Gemeinde zugefallen. Der vor einigen Jahren verstorbene Mr. Lewis Elk in hat sein ganzes Vermögen seiner Frau mit der Bestimmung vermacht, daß dasselbe nach nach seinem Tode zugunsten einer Stiftung für mittellose emeritierte jüdische Lehrer verwendet werden soll. Frau Elkin ist nun vor kurzem gestorben und das Hinterbliebene Vermögen fiel dem Board of Education zu. Die Erbschaft beträgt 1 800 000 Dollar (nahezu 8 Millionen Mark) und die Zinsen des Kapitals reichen hin, um 200 Lehrern ein Jahreseinkommen von 400 Dollar zu sichern. Es ist das die größte Summe, die ein amerikanischer Jude bis jetzt für wohltätige Zwecke hinterlassen hat. Berlin. Der soeben zur Ausgabe gelangte, die Jahre 1900 bis 1903 umfassende Geschäftsbericht des „E s r a" - V e r e i n e s, zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien, bietet abermals ein Bild gedeihlicher Entwicklung und segensreicher Wirksamkeit. Voran geht demselben eine interessante Darlegung über die nunmehr überwundene Krisis, welche die Kolonisation Palästinas während der letzten Jahren durchgemacht und die nachteilige Wirkung, welche dieselbe auf den empfindlichen Rückgang aller der Besiedlung des heiligen Landes Durch Juden geübt hat, indem in Frankreich und Amerika alle im Entstehen begriffenen Organisationen im Keime erstickt wurden, die Chowewe Zion- Vereine in England und der galizische ihre Tätigkeit einstellen mußten und selbst der russische Verein in seinen regelmäßigen Einnahmen wesentliche Einbuße erlitten hat. Dann heißt es weiter: „Der Verein „Esra" hat die Krisis im ganzen gut überstanden. Die 1897 begonnene Aufwärtsbewegung, durch welche seine regelmäßigen Einnahmen von 7062 Mark auf 16 032 Mark gestiegen sind, ist im Jahve 1900 zwar ins Stocken geraten, allein der nunmehr beginnende Rückgang hat bereits im Jahre 1902 mit der Mindereinnahme von 3000 Mark seinen Tiefstand erreicht und das nachfolgende Jahr weist schon wieder eine kleine Steigerung von 1400 Mark auf. Das Zentralkomitee hegt die zuversichtliche Erwartung, daß diese Mehreinnahme den Beginn eines neuen Aufschwungs bedeutet, durch den der Verein „Esra" seinem Ziele, bei der Kolonisation Palästinas eine maßgebende Rolle zu spielen, ein gutes Stück näher gebracht werden wird. Wir dürfen solche Hoffnungen umso mehr hegen, da die Situation in den Kolonien sich inzwischen wesentlich geklärt und als überaus erfreulich erwiesen hat. Der Palästinawein, auf dessen Ertrag 2500 Seelen angewiesen sind, hat sich inzwischen einen Ehrenplatz auf dem Weltmärkte erobert. Die Nachfrage überstieg 1902 de-xart das Angebot, daß die Kolonisten aufgefordert werden konnten, neue Weinberge anzulegen. Durch Ankäufe von großen Ländereien konnten die alten, mit der Zeit zu eng gewordenen Kolonien erweitert und stark evakuiert werden. Gleichzeitig sind fünf neue Kolonien begründet worden, die für Hunderte von Einwanderern Platz und Unterkunft haben. Der Getreidebau ernährt den fleißigen jüdischen Bauer reichlich, die 200 Hektar umfassenden Orangerien werfen jetzt schon reichen Ertrag ab, der neu eingeführte Tabakbau läßt sich sehr gut an und selbst der Obstbau, sowie die von den Kolonisten bisher törichterweise vernachlässigte Seidenzucht dürften demnächst eine neue Quelle guter Einnahmen werden. Der bekannte russische Agronom Ettinger, der im Sommer 1902 im Aufträge des Odessaer Komitees der Chowewe Zion sämtliche jüdische Kolonien Palästinas inspiziert hatte, faßte sein Urteil dahin zusammen, daß die Kolonisten jetzt schon ein weit höheres Jahreseinkommen haben, als die 32 000 jüdischen Bauern Südrutzlands, welche bekanntlich seir länger als einem Menschenalter auf sich selber angewiesen finb. Die Kommission, welche im September 1903 unter Leitung des bekannten Zionistenführers Mendel Ussischkin die jüdischen Kolonien besucht hat. war über die günstige Lage der Kolonisten freudig überrascht. Endlich hat auch das langjährige Mitglied unseres Zentralkomitees, Herr W. Bambus» der im Jänner 1904 zum drittenmale Palästina besucht hatte, die günstigen Urteile in allen Stücken bestätigt. Der Verein „Esra" war erfolgreich bemüht, durch rationelle Verwendung seiner Mittel mit möglichst wenig Geld möglichst vielen Juden in Palästina zu einer selbständigen, auf eigener Arbeit begründeten Existenz zu verhelfen. Noch sind diese Mittel viel zu gering, als daß wir im Heiligen Lande Großes leisten könnten; ein Blick auf die Vergangenheit unseres Vereines läßt uns jedoch hoffen, in nicht gar zu ferner Zukunft größeren Einfluß auf den Gang der Ereignisse in Palästina gewinnen zu können. Der Verein „Esra" hat für palästinensische Kolonisatiouszwecke verwenden können: von 1884 bis 1891 9077, 1892—1899 42 230. 1900—1903 39 101 Mark. Außerdem stehen uns noch 12 900 Mark seit 1900 gemachte Ersparnisse zur Verfügung, so daß der Verein „Esra" in den letzten 4 Jahren 51 000 Mark für Kolonisationszwecke verwenden resp. zur Verfügung stellen konnte, gegen 51 300 Mark in den ersten 10 Jahren seines Bestehens. Dennoch können wir uns mit dem bisher erzielten Erfolge nicht zufrieden geben, da wir wohl wissen, wie unendlich tveit wir noch von unserem Ziele entfernt sind. Es gilt, hundertitausende heimatloser Juden in Palästina anzusiedeln l Die Aufgabe, die wir uns gestellt haben, wird ein edles Ziel für ganze Generationen bleiben. Nicht diesem Geschlechte allein liegt es ob, die ganze Arbeit zu vollenden, es ist aber auch nicht befugt, die Last gänzlich auf die Schultern künftiger Generationen abzuwälzen. Tue daher ein jeder seine Pflicht, damit kommende Geschlechter dankbar unser Andenken segnen. London. Das englische Unterhaus hat das Einwanderergesetz in der zweiten Lesung angenommen, einen dagegen gerichteten Antrag von Sir Charles Dilke mit großer Mehcheit verworfen. Dilke verlangte, daß man lieber durch Arberterschutzgesetze das Schwitzsystem abschaffe, anstatt die unter diesem System seufzenden Fremden in Zukunft einfach auszuschließen. Der Kernpunkt des Gesetzes ist damit bezeichnet, denn nicht gegen die einwandernden Prostituierten, Taschendiebe und Kranken richtet es sich in erster Linie, sondern gegen die armen jüdischen Arbeiter, die aus Rußland kommen und das Londoner Ostende bevölkern. Es wäre irrig, zu glauben, daß diese zu der vornehmen Liberalität des alten englischen Asylgedankens sicherlich im schärfsten Gegensätze stehende Maßregel nur von der Regierung uns nicht auch von weiten Kreisen in der liberalen Partei gewünscht würde. Das letztere ist gewiß der Fall und ebenso begründet war Wohl Dilkes Andeutung, daß in dem Gesetz der antisemitische Zug zum Vorschein komme. Es zeigt sich doch in neuester Zeit immer mehr, wie wenig die freiheitlichen Anschauungen, die man für untrennbar vom englischen Wesen hielt, die Farbe halten, sobald dafür Opfer zu bringen sind. Konnte doch ein Redner der Mehrheit, Herr Gordon, unter Bravorufen der Regierungspartei verlangen, daß man nicht immer von offener Türe schwatzen solle. „Die offene Türe ist eine sehr schöne Sache, so lange es jemandes anderen Türe istl" Von dem Minister des Innern, Herrn Akers- Douglas, wurde bestritten, daß die Bill sich gegen politisch Unterdrückte richte, die Traditionen des englischen Asylrechtes antasten wolle. Das liegt auch gewiß nicht in der Absicht der Regierung. Nur sind eben die politisch Verfolgten heute nicht mehr interessante Bombenwerfer mit dramatischer Vergangenheit und leidlichen Umgangsformen, sondern schmutzige und engbrüstige Paupers, die nichts wollen, als in Freiheit ein Stück Brot verdienen. Es ist unbestreitbar, daß in der niedrigen Lebenshaltung dieser Leute eine Gefahr für das Londoner Proletariat liegt; in der Stimmung weiter Volkskreise ist das Gesetz daher begründet. Nur darf man sich nicht darüber täuschen, daß es von den überlieferten Grundsätzen wieder einen opfert und eine neue Etappe auf dem Wege ist, auf dem jetzt Herr Chamberlain fährt. Dieser hat übrigens nachträglich in einem eben veröffentlichten Briefe die Einführung der Chinesen als Minenarbeiter in Transval genehmigt. Natürlich verweisen die Gegner des englischen Fremdengesetzes auf diese Chinesenbill; in Südafrika vertreibt man den englischen Arbeiter, weil er zu hohe Löhne verlangt und importiert den Kuli; in England vertreibt man den armen Juden, weil er zu billig arbeitet. Der Arbeiterabgeordnete John Burns machte sich den Spaß, der Behandlung der armen Juden vom Ostende die der reichen jüdischen Mineninteressenten von Parklane entgegenzustellen, „die seit fünf Jahren die Regierung von Dan nach Berseba schleifen." Hätte Krüger so ein Fremdengesetz gemacht, wie würde man da geschrien haben. England verliere rasch die Kennzeichen eines freien Volkes. Wvnn es sich einmal ganz und gar zu Rußland, der Türkei und Deutschland — die Zusammenstellung ist köstlich — gestellt haben werde, dann werde es Zeit sein, auszuwandern. Die Einwanderung in die Kapkolonie. Unter dem Einwanderungsgesetze wurden im Jahre 1903 962 unerwünschte Ausländer von der Einwanderung in die Kapkolonie ausgeschlossen. Die Einwanderer aus fremden Ländern bildeten den dritten Teil der gesamten Einwanderung, die anderen kamen aus England. Die „Palästina-Hmrdelsgesellschaft" in Hamburg, über deren Gründung wir unseren Lesern wiederholt berichteten, verspricht eine für die jüdischen Kolonien Palästinas sehr wichtige wirtschaftliche Organisation zu Werdern Das vorläufige Aktienkapital beträgt 160 000 Mark. Beteiligt sind an dem Unternehmen mehrere bedeutende deutsche Firmen, russische Juden usw. Der j ü d is ch e n N a t i o n a l b a n k, welche ebenfalls 12 500 Mark Aktien gezeichnet hat, wurde in der Verwaltung der neuen Gesellschaft Sitz und Stimme zugesichert. Von der russischen Grenze. Eine schwere Bluttat wurde, wie uns aus Lodz berichtet wird, dort am Oster-Dienstage begangen. Der Arbeiter Konstantin Drzazga hat die Abwesenheit des Kaufmanns Wolf Bulwa dazu benützt, in dessen Wohnung zu dringen und hier die Ehefrau Rosa Bulwa, deren Schwägerin, die 20jährige Schendla Bulwa und das Dienstmädchen Mariane Kaliska mit einem Eisenstück niederzuschlagen. Auf das Hilfegeschrei der Ehefrau eilten Leute herbei und es gelang, den Mordbuben zu verhaften. Bei der Polizei gab er an, daß er auch der Mörder der Frau Pauline Schmidt, die im vergangenen Jahre im Wäldchen „Grabina" ermordet aufgefunden wurde, sowie der in Lodz ermordeten Frau Leja Braun sei. Außerdem gestand er, auf der Straße von Lodz nach Pabinnice zwei jüdische Händler am Abend des 26. Dezember v. I. überfallen, ermordet und beraubt zu haben. Die Leichen habe er in einen Teich geworfen. Dieser wird nunmehr abgefischt werden, um die Wahrheit des grauenhaften Geständnisses zu konstatieren. Das Befinden der drei verletzten Frauen gibt zu ernsten Besorgnissen Anlaß. Rothschild oder Morgan.*) (Schluß.)' Je mehr der alte Druck gegen den Juden durch die allgemeine Kulturverfeinerung verschwindet, umso mehr entfaltet der Jude auch seine spezifische Kulturveranlaguug, die ihn dem Arier unter allen andern'Völkern unstreitig am n ä chst c ti b r i n g t. Nach unseren obigen Ausführungen ist dies sogar anthropologisch begründet. Ich will hier gar nicht voll den hervorragenden Männern sprechen, die die Juden auf allen Gebieten der K u li ft li n d Wissenschaft' in der Vergangenheit hervorgebracht haben und sie als spezifische Kulturrasse keuuzeichncu, ich spreche wieder nur von dem heutigen Judentum. Ganz besonders in Berlin und allen größeren Städten Deutschlands kann man beobachten, wie die Juden alle höheren Krlliurstätten besetzen und besonders auf den Gebieten der Kulist, im Theater und Konzertsaal ein Hanptkontingeut stellen, während sie in auffaklender Weise von den niederen Sunipfstätteu des Vergnügens rmd Lasters fernbleiben. Ich habe schon manchen ruhmredigen Berliner bncmtf hingewiesen, daß das urwüchsige Berlillertum immer mehr verschwinde und daß die heutige Berliner K u l t u r in Wahrheit eine durch und durch j ü d i s ch e sei. Das läßt sich tu Berlin ad oeulum demonstrieren und ist allch infolge der ivirtschaftlicheu Macht der Juden ganz erklärlich. Das Familienleben des Juden steht heute noch imcublicf> höher als das des Christen, der Jude gibt bekanntermaßen für Erziehung mid Ausbildung seiner Kinder große Summen aus imb wenn wir cs ihm zum bitteren Vorwurf macheri, daß er sich an alle Siudienfäcber selbst auf den Universitäten heraudrängt, so koumlt eben auch darin sein Knlturstrebeu zum Ausdruck. Daß er sich die praktischell Fächer aussucht und besonders ben Adbvtäte»stand besetzt, *) Siehe Nr. 19 aus C. A. Friese: „Rothschild oder Morgan". Leipzig. Verlag Vogt. entspricht seiner praktischen Veranlagung. Kennzeichnend für ihre Ziele sowohl wie für ihre Befähigung ist die Tatsache, daß die Juden in Deutschland selbst die Presse zum großen Teile in die Hände bekommen haben und dadurch offenbar die mächtigste Waffe gegen alle Angriffe. Jeder denkende Mensch muß staunen über die beispiellose Lebensfähigkeit und Energie der jüdischen Rasse, für die es in der Weltgeschichte keine Parallele gibt. Keine Rasse ist mit solcher bestialischen Grausamkeit durch alle Jahrhunderte hindurch verfolgt und von Land zu Land gehetzt worden, wie die Juden. Ein Cyristenvolk hat das andere im Henkertum gegen die Juden abgelöst, und trotz der barbarischsten Unterdrückungsversuche steht heute der Jude mächtiger und gefahrdrohender denn je seinen Feinden gegenüber! Wollte man sich auf den Standpunkt des Fanatismus stellen, so könnte man sagen, endlich, endlich ist der Tag der Rache für den Juden gekommen, eine Rache wie sie nicht nachdrücklicher und empfindlicher geübt werden kann. Heute bei der gewaltigen Verschiebung der Machtverhältnisse, bei dem Ausbau der wirtschaftlichen Machtsphären steht der Jude inmitten seiner Feinde stark und mächtig, er verfügt über alle Reichtümer, hält die wichtigsten Fäden des wirtschaftlichen, ja selbst des wirtschaftlich-politischen Lebens in der Hand, von dem alten Drucke befreit, ist er zu staunenswerter Leistungsfähigkeit emporgeschnellt, er ist zum Gebenden geworden und sein alter Todfeind, der Christ, ist der Nehmende. Anstatt sich ängstlich zu verkriechen, wie in den vergangenen Jahrhunderten, kann er sich heute mit seinem Judentume brüsten und auf seine Rasse stolz sein. Für eine solche beispiellose Lebensfähigkeit, wie sie die Juden bekunden, kann es nur anthropologische Gründe geben, für ihre Erklärung können wir nur an die höhere Instanz der Natur appellieren. Daß unter den Juden die L ang köpfe sehr stark vertreten sind, ist eine bekannte Tatsache. Dies spricht wohl zunächst für ihre Leistungsfähigkeit, aber nicht für ihre Lebensfähigkeit. Die neuesten Forschungen haben den alten Streitereien über die Mischungen der Rassen und Völker ein Ende gemacht. Im Gegensatz zu den früheren Annahmen, daß die fortgesetzten Mischungen und die sogenannte Auffrischung des Blutes zur Lebensfähigkeit einer Rasse unbedingt notwendig sei, so das; man schließlich in einem allgemeinen Völkerbrei das Ideal der menschlichen Entwicklung bezw. die höchste Leistungsfähigkeit erblickte, wissen wir heute, daß die höchste Lebensfähigkeit nur auf der Reinerhaltung einer Rasse beruht. Nurdie eine Einschränkung ist zu machen, daß innerhalb ein und derselben Rasse die Inzucht zu vermeiden ist. Die Mischung zwischen einer höheren und niederen Rasse begünstigt keine von beiden. Es gibt im Gegenteil zahlreiche Beweise, daß die Mischlinge überhaupt die Keime der Entartung irr sich tragen und von beiden Eltern gewöhnlich nur die schlechten Eigenschaften erben. Einer der hervorragendsten neueren Anthropologen A. H. Huth kommt auf Grund seiner weitgehenden Untersuchungen zu dem Schluß, daß Tugenden und Vorzüge weit mehr auf Seiten derjenigen Rassen sind, die sich reiu erhalten, und daß Mischlingsrassen meist nur die Fehler und Laster ihrer Erzeuger, aber nicht deren gute Seiten ausbilden. Zu demselben Ergebnis kommt auch Perier in seinem lehrreichen „Essai, sur les croisemeuts ethniques", daß nämlich ungeachtet einiger Ausnahmen die Rassenkreuzung eine Entartung der menschlichen Typen zur Wirkung hat. Man spricht zwar jetzt gleichfalls von einer Entartung des Judentums und glaubt, daß die moderne Aufklärung und die Zurückdrängung konfessioneller Unterschiede eine Aufsaugung der numerisch geradezu verschwindenden Rasse anbahncn würde. Eine gewisse Entartung ist nicht zu leugnen, sie ist-aber lediglich auf das Kontoder modernen Ueberarbeitung, des intensiven Konkurrenzkampfes zu sehen, was durch die Tatsache erwiesen ist, daß die Juden ein verhältnismäßig starkes Kontingent Neurastheniker und Zuckerkranker stellen. Ihr Nasseninstinkt bleibt aber durch alle Aufklärung und Modernisierung religiöser Begriffe ziemlich unangetastet. Der Juda bleibt vorläufig Jude, und selbst wenn ein getaufter Jude eine Christin heiratet, so ist letztere gewöhnlich gleichfalls eine getaufte Jüdin. Brief aas Krakau. (Das Plätzchen an der Sonne. — Die ehrlose Maklerschaft, des Polenklubs und sein Bakschisch. — Die Resolution das Danaergeschenk sür das. galizische Israel. — Die hebräische Sprache wird beliebt.) Das Losungswort aller bedrückten Individuen wie ganzer Völker ist und bleibt: Eroberung eines Plätzchens an der Sonne. Dieses Kraft- und Saftwort gebrauchte auch einer meiner Freunde aus dem assimilatorischen Lager, um mich einzufangen für seine Idee, dieses Plätzchen an der Seite der Polen zu erobern. Unversehens schlüpften wir in dieses unerquickliche politische Plätzchen voll Zwielicht und Dämmerschein. Dieses Plätzchen liegt in einem Breitegrade voll optischer Täuschung und kalorischer Unzuverläßlichkeit. Licht und Wärme, diese zwei Lebensnotwendigkeiten in der politisch und ökonomischen Lebenssphäre werde» von den Polen mit einer Konsequenz absorbiert, daß für uns Juden stets das Gegenteil in verschwenderischem Maße bereit steht. Dieses unumstößliche Gesetz soll jedermann geläufig genug sein, um» somehr einem Manne von der hohen Lebensstellung meines Freundes. Und doch meint er, gibt e» keinen anderen Ausweg als dem des festen Anschmiegen» an die große regierende Partei der Polen. „Ist es nicht traurig, wie die besten Kräfte unseres Volkes uns verloren gehen-, fragte ich. »Aber, meint mein Antipode, unser Volk hat nicht das rechte Zeug in sich, Volk zu sein — und opfert seine kostbarsten Rechte oft um ein Linsengericht, wirft die Wahl pur einige Gulden ab." „Das ist eben die Frucht der giftigen AuSsaat. Hak nicht die Assimilation unser BolkStum »ur einschreiben lasten auf den vier Wänden des Gotteshauses? Hat mau uns nicht das Judentum aus allen Poren herausgetrieben, um ja das Fremdnationale hineinzupressen. Diese Dressur verwischte den nackensteifen Bolkscharakter und beugte ihn unter das Joch der allmächtigen Schlachta. Wie tief werden wir noch sinken, so die Führer und Lehrer unseres Volkes nicht, und sei es mit eigener Lebensgefahr zum Rückzug aus diesem Irrweg und zum Einzug in das HauS Jakobs blasen werden." Natürlich konnte und durfte mein Gegner seinen Standpunkt nicht aufgeben. Eine Begebenheit charakterisiert die Verschiedenheit de- Standpunktes über die Frage des Sein oder Nichtsein Israels als Volk. Als im verflossenen Herbst Seine

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