Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1904-05-06 · 19 (6.5.1904) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
19 (6.5.1904)
Date
1904-05-06
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2432763-2433023-2433042--2407-2436269
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 6. Mai 1904 Nr. 19 ,,2>er SBcfbattb bcr beutfitcn vZUdeu bezweckt die Vertretung aller von der Regierung als die zukünftigen freien Soldaten anerkannt - seit 16. März verhafteten Angeklagten zu 17 Tagen Gefängnis. — „ t 'O’töi'tt tni^^en^djcit Reiche gemeinsamen Interessen. Die Erivorden sind. In herrlichen Worten wandte sich der Großrabbiner Eine Marquise, die einen Sträfling heiratet, sieht man nicht alle orterung von prägen der Religion und des Kultus sowie der inneren au die, welche heute anwesend, und ermahnte sie, Ehre zu machen! Tage. Dieses seltene Weib existiert jedoch in der französische n ^erivaltung der Gemeinden ist nur insoweit statthaft, als es sich ihrem Führer, welcher noch im letzten Augenblicke seines herrlichen Hauptstadt und heißt Eleonore Corentin de Mrmoel, geboren um dw Abwehr von Angriffen handelt." Organe des Verbandes Lebens an sie gedacht, indem er letztwillig bestimmte, keine Kranzvor nunmehr -10 Jahren in Campos (Brasilien) als Tochter des stru me Hauptversammlung, die aus den Delegierten der Gemeinspenden ihm mitzugeben» sondern das Geld hierzu in die Kasse der Marquis de Kcrmoel. Sie >var bisher unvermählt. Ihr Bräutigam den, der verschiedenen Vorstände und hervorragenden Einzelpersonen Brigade fließen zu lassen. Und dann gedachte er der großen Verist der 07jährige Moses Goudchour, der zur Zeit eine 13monatlichc beiteht, und der Ausschuß, aus 27 Mitgliedern zusammengesetzt. Die dieuste, tvelche Oberst Goldschmidt sich um die zionistische Sache er- Strafe tvegcn Diebstahls abbüßt und bereits neun Verurteilungen «mm -w. : ....r cw,.. ' - — - -- aus ähnlichen Gründen auf dem Kerbholze hat. Der Sträfling wird, sobald er das Zentralgefängnis von Riorn verläßt, nach Guyana verschickt, seine Heirat findet vorher statt, da die Marquise den künftigen Gatten nach der Sträflingskolonic begleiten will. — Der Sohn des ehemaligen Hauptmanns Dreyfus, Pierre mit Vornamen, hat am vorvergangeneir Sabbat in der Synagoge der Rue la Vietoire in P a r i s seine Barmizivah gefeiert. — In dem „Rothschild"-Flügel des städtischen Krankenhauses in L o n d o n ist, wie alljährlich, an den beiden Pessachabenden ein feierlicher Seder abgchalten worden- Die Patienten, unter ihnen viele Kinder, folgten in großer Aufmerksamkeit der Vorlesung und dem Gottesdienst, den einer der älteren Kandidaten vorn Jcws College übernommen hatte. Rabbiner S. Lewn wohuw de ui Seder bei. — Lord WandSUorrh hat zum Andenken an seine verstorbenen Eltern, Baron und Baronin Stern, ein großes Gebäude für ein jüdisches Altersheim in L o u d o n geschenkt. — Eine jüdis ch e Kolonie lvird jetzt in A l a b a m a in dem an der Südbahn unweit Mobile gelegenen Orte Creole errichtet, in welcher einstweilen 300 Israeliten, die zumeist aus großen Städten dieses Landes kommen, als Farmer untergebracht werden. Eine große Anzahl russischer Israeliten wird in Bälde nach der Kolonie gebracht werden. — Andrew Carnegie, der bekannte amerikanische Millionär, hat der Jewish Educational Alliance in N e w - D o r k 25 000 Dollars geschenkt. Hauptversammlung soll regelmäßig alle zwei Jahre in einer Stadt rvorben, gedächte seiner Mitarbeit in der El-Arisch-Kommission, wie Deutschlands zusammentreten. Der Sitz des Ausschusses ist in er alle Beschwerden außeracht gelassen, um vielleicht das hohe Ziel Berlin, tfiinf Ausschußmitglieder müssen in Berlin oder in dessen bald zu erreichen, seinen Brüdern eine neue Heimat zu gründen. Vororten wohnhaft sein. Nach der Annahme der Statuten fand Mitten im Schaffen sei er aus seine Arbeit abberufen worden; die Wahl des Ausschusses statt. Die vouJustizrat Lilienthal vormögen die Witwe, seine Kinder und wir alle Trost empfinden, indem slspruch Ehre machen, nach welchem er sein Leben t strength to strcngth von Kraft zu Kraft. Lautlose ._ - - .. als der Rabbiner geendigt und der Chassan in cng- Reiches dem Ausschuß an. Aus unserer engeren Heimat wurde lischer Svrache das Gebet sprach, welches man hier als letztes dem Herr Dr. med. Avfel-Köln in den Ausschuß gewählt. Um halb 6 Toten nachruft und als er dann nach dem Olcnu das Kadisch be- -rr r.h,5c Tagesordnung erschöpft und Rechtsanwalt Horwitz gttlin, salutierten alle Soldaten und die Offiziere und sangen ,;eicluoß die Sitzung mit dem Wunsche, daß der neue Verband dem meinsam das Adon Olom. Hier feiste der Trompeter-Chor ein Judentum zum Segen, dem Vaterlande zur Ehre gereichen möge,! und blies mit vollem Orchester den Chopin'schen Trauermarsch. Tief mit cu.cm Hoch auf das deutsche Vaterland und das deutsche Judens ergriffen waren die Anwesenden, als dann zwei Offiziere mit Hierauf wurde noch Herrn Professor Philippson als dem , schwarzumyüllter Fahne den Almemor betraten und die „Last Post" Urheber der Idee und als dem Manne, der sich um das Zustande-; den letzten Gruß deni Verstorbenen nachriefen. Unter Absingen der kommen der Organisation die größten Verdienste erworben, beson-1 englischen Narionalhymne verließen die Anwesenden das Gotteshaus, derer ^ank ausgedrückt, in den die ganze Versammlung begeistert! w q «w s ~ c einstimmte. Das Zustandekommen des Verbandes wurde von allen? * Palastma-Hantzelsgesellfckiaft. Am 3 Marz d. I. fand m Anwesenden als ein für die Zukunft des deutschen Judentums hoch- K^urg die vorbereitende Sitzung zur Konstituierung der Pa bedeutsaines Ereignis gefeiert. lastma-Handelsgesellschaft statt. Die Initiative zu diesem Unter Zur Organisation der jüdischen Statistik. In Ausführung des Beschlusses der Plenarversaunnlung des „Vereines für jüdische Statistik" wurde ein Kuratorium zur Verwaltung der dem Verein Zufließenden Fonds gebildet. In der kon- W^xenden Sitzung des Kuratoriums wurde zum ersten Vorsitzen- «WSanitätsrat Dr. Maretzki, zum zweiten Vorsitzenden Geh. Sänitätsrat Dr. Blumenthal, zum Schatzmeister Herr Benno Braun gewählt. Als Mitglieder gehören dem Kuratorium in Berlin an: Prof. Dr. Martin Philippson, Justizrat Dr. Eugen Fuchs, Prof. Dr. Baginsky, Dr. Maximilian Horwitz, Sanitätsrat Dr. Pollack. Dr. Hirsch Hildesheimer, Rabb. Dr. Weisse, Justizrat Dr. Max Fuchs. Der Vorstand des „V. f. j. St." ist im Kuratorium durch feinen Vorsitzenden Dr. Alfred Nossig vertreten. Als korrespondierende Mitglieder traten dem Kuratorium die namhaftesten jüdischen Notabeln in Deutschland und in anderen Ländern bei. Deutschland: Rechtsanwalt Dr. Blau-Frankfurt; Rabb. Dr. Frank-Köln; Dr. med. Apfel-Köln; Gustav Tuch-Hamburg; Landesgerichtsrat Wollstein-Breslau; Justizrat A. Ofner-München; Oberrabb. Dr. Werner-München; Geh. Hofrat Josephsthal-Nürncherg; Geh. Kommerzienrat Sonnenthal-Dessau. Frankreich: Narcisse Leven-Paris; Großrabbiner Zadoc Kahn-Paris; Salomon Reinach-Paris. England: Claude G. Montefiore-London; Marcus N. Adler-London; Rabb. Dr. M. Gaster-London; Frederic D. Mocatta- London; Sir George Faudel-Phillips-London; Leopold de Rothschild-London; Arthur E. Franklin-London; Sir Samuel Montagu- London; Israel Abrahams-London; Rabb. S. Singer-London; Herbert G. Lousada-London. Belgien: Konsul Franz M. Philippson--Brüssel. Schweden: Rabb. Dr. C. Koch-Göteborg. Dänemark: Dr. Simonsen-Kopenhagen. Holland: Prof. Dr. L. de Hartog-Amsterdam; Dr. F. S. van Nierap-Amsterdam; Dr. M. C. Paraira-Amsterdam; Dr. M. de Pinto-Haag; Dr. G. Polak Daniels-Rotterdam; S. van> de'-n Bergh jr.-Rotterdam; Prof. Dr. I. Oppenheim-Leiden. Oesterreich-Ungarn: Oberrabb. Dr. Güdemann- Wien; David v. Gutmann-Wien; Dr. Edmund Kohn-Wien; Dr. Alfred Stern-Wien; Reichsratsabg. Dr. Arnold Rapoport v. Porada-Wien; Baurat Wilh. Stiatzny-Wien; Reichsratsabg. Dr. Emil Byk-Lemberg; Reichsratsabg. Dr. Heinrich Kolischer-Wien; Samuel v. Horowitz-Lemberg; Direktor Moritz Lazarus-Lemberg; Landtagsabg. Dr. Natan Loewenstein-Lemberg; Prof. Dr. Josef Rosenblatt-Krakau; Dr. Jacob Horowitz-Krakau; Rabb. Dr. Kayserling-Budapest; Pros. ^Dr. M. Schächter-Budapest; Hofrat Dr. A. Neumann-Budapest Sigm. Kohner-But Deutsch-Budapest; Manfred v. Weisz-Budapest; Dr. Oscar Ham merschlag-Prag. Rußland: Wirkt. Staatsrat Baron Horace Ginsburg- Petersburg; Wirkl. Staatsrat Daniel Poliaköw-Petersburg; Rechtsanwalt Dr. Winawer-Petersburg; Prof. Dr. Mandelstamm-Kiew; Kommerzienrat Leo Brodzky-Kiew. Polen: Mich. Bergson-Warschau; Mat. Bersohn-Warschau; Stau. Natonson-Warschau; Kaz. Natanson-Warschau. Italien: Oberrabb. Prof. Dr. Margülies-Florenz; Prof. Dr. Nivante-Messina; Kammermitgl. Leone Romanin-Jacur- Padua; Vittore Rava, Sektionschef im Untere.-Minist., Rom. Rumänien: Dr. Adolf Stern-Bucarest; Rabb. Doktor Beck-Bucarest; Rabb. Dr. Niemirower-Jassh; A. Goldenthal-Jassy. Amerika: Julius Bien-New-Uork; Simon Roeder-New- Aork; Simon Wolfs-Washington; Oscar Strauß-Washington; Direktor Dr. S. Schechter-New-Dork; Sulzberger-Philadelphia; Dr. Joseph Jacobs-New-Aork; Dr. Cyrus Adler-Washington; Dr. Emil G. Hirsch-Chicago. S.ü d a f r i k a: Rabb. Dr. Bender-Kapstadt. Die Liste der korrespondierenden Mitglieder ist noch nicht abgeschlossen und wird stetig ausgebaut werden. Im Einklänge mit der vom Vorstand des „V. f. j. St." der Plenarversammlung unterbreiteten Vorlage beschloß das .Kuratorium, ein Zentralbureau für jüdische Statistik als gemeinsame Schöpfung aller jüdischen Organisationen und Großgemeinden ins Leben zu rufen. Die diesbezügliche Aktion ist bereits in vollem Gange. Von den jüdischen Organisationen hat als erste der Zenträlverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens einen namhaften Beitrag für das zu errichtende Zentratbureau gezeichnet. Mehrere andere Organisationen haben das Kuratorium bereits verständigt, daß sie geneigt sind, an den Kosten des Zentalbureaus zu partizipieren. Es ist also begründete Aussicht vorhanden, daß in baldiger Zukunft ein Institut entstehen wird, welches die genaue Kenntnis der Verhältnisse aller Gruppen der jüdischen Bevölkerung vermitteln und damit zur rationellen Gestaltung sämtlicher jüdische,! Wohlfährtsaktionen, vor allem aber des jüdischen Auswanderungs- und Ansiedlungswesens wesentlich beitragen wird. Zu Ehren des Oberst Goldschmidt. Auf Sonntag den 10. April hatte die Jewish Lads Brigade in London einen Gottesdienst zu Ehren ihres leider so früh verstorbenen Führers Oberst Goldschmidt ansagen lassen. The Great Synagoge war dicht besetzt von der Elite Londons, welche nur mit besonders ausgegebenen Karten Zutritt hatte. Wenige M.nuten vor halb 6 Uhr betrat die Witwe mit ihren beiden Töchtern und ihrem kleinen Enkel, geleitet von zwei Offinehmen ging ursprünglich von Herrn W. Groß aus Palästina aus, dem es gelang, in Hamburg ein Komitee zur Gründung der Gesellschaft zusammenzubringen, an dem sich auch die „Kommission zur Erforschung Palästinas" durch ihr Mitglied Herrn Prof. Dr. O. Marburg beteiligte und die notwendigen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Angaben lieferte. Das Hamburger Komitee ging energisch an die Arbeit und gewann schon namhafte Zeichnungen für das Unternehmen. Unabhängig davon bemühte sich schon seit längerer Zeit eine Jnteressentengruppe mit Herrn Vogelsohn aus Lodz an der Spitze, ein ähnliches Unternehmen in Lodz ins Leben zu rufen. Die „Kommission zur Erforschung Palästinas" hielt es für äußerst wichtig, daß die gleiche Ziele verfolgenden Gruppen sich vereinigen und übernahm die Vorbereitung einer Fusion der in Hamburg und Lodz vereinigten Kapitalien. Ebenso veranlaßte sie die Beteiligung der Jüdischen Kolonialbank an diesem wichtigen Unternehmen. An der am 3. März stattgehabten konstituierenden Sitzung nahmen die Herren E. Liebermann (i. Fa. Frankfurter u. Liebermann), Alfred Cohn (i. Fa. I. C. Rosendahl u. Co.), Ernst Magnus (i. Fa. Magnus u. Friedmann) und Sally M. Mainz (in gleicher Firma), sämtlich in Hamburg, Herr H. Vogelsohn als Vertreter der Lodzer Gruppe, Herr Dr. Leopold Kahn als Vertreter der Jüdischen Kolonialbank in London, und die Herren Prof. Dr. O. Marburg und Dr. S. Soskin von der „Kommission zur Erforschung Palästinas" teil. In dieser Sitzung wurde das Kapital der Gesellschaft auf vorläufig 125 000 Mark bestimmt und die Gesellschaft als solche mit beschränkter Haftung beschlossen. Ebenso wurde die Höhe der Kapitalbeteiligung der einzelnen Gruppen (Hamburg, Lodz und Jüdische Kolonialbank) festgelegt, sowie die Zusammensetzung des aus sieben Mitgliedern bestehenden Aufsichtsrates in der Weise normiert, daß Hamburg mer, Lodz zwei in Deutschland lebende Mitglieder und die Jüdische Kolonialbank ein Mitglied in denselben zu entsenden haben. Tiflis. Seil einigen Jahren droht den Juden der Stadt Kutais am Kaukasus eine ganz eigenartige Gefahr. Die Polizei möchte nämlich ihre Häuser zerstören, weil sie angeblich baufällig sind. Nachdem es den Juden mit Hilfe des in Rußland so wirksamen Bakschisch gelungen war, die Katastrophe immer wieder hinauszuschieben, verkündet jetzt der Polizeimeister von Kutais, daß zum Beginn des komuienden Herbstes die Niederreißung der Häuser unbedingt und unwiderruflich erfolgen soll. Die Wahl des Herbstes ist vermutlich aus besonderer Zuneigung des Herrn Polizeimeisters zu den Juden erfolgt. Ein Gesuch der jüdischen Gemeinde an den AMagistrat u,n Gewährung einer Unterstützung zum Häuserbau wurde abschlägig beschieden, da die Stadt für solche Zwecke kein Geld hat. oi.ee,i zu wenden und ihn zu bitten, die ihnen Herbst drohende Gefahr der Obdachlosigkeit abzuwenden. Es handelt sieh un, mehr als 100 Häuser. Nationalba«k-Fil!ale in New-Uork. Demnächst soll, wie wir erfahren, in New-Iork eine Filiale der Londoner „Jüdischen Kolonialbank" errichtet werden. Mit den Durchführungsarbeiten soll Mr. Co wen betraut werden, der zu diesem Behufs noch im Laufe dieses Mmiates nach Amerika entsendet wird. Die endgiltigen Beschlüsse sollen in einer in den nächsten Tagen in London stattfindenden Direktionsratssitzung, zu welcher auch Dr. Herzl in London eintreffen wird, gefaßt werden. Jüdischer (Grundbesitz in Russisch-Polen. Die „Gazetta Polska" veröffentlicht statistische Daten über den Grundbesitz der Juden in den zehn polnischen Gouvernements. Polen verfügt insgesamt über 11 207 000 Desjatin Bodenbesitz. Hiervon befinden sich, teils als Eigentum, teils als Pachtgut, 344 025 Desjatin, d. h. 3 Prozent, in den Händen von Juden. Von diesem Grundbesitz bilden 205 674 Desjatin Eigentum der Juden, lvährend 48 351 Desjatin von ihnen gepachtet wird. Dieser Grllndbesitz verteilt sich auf insgesamt 8828 Besitzer resp. Pächter. Hiervon sind 8301 Städter (Meschtscharn), 370 Kaufleute erster und zweiter Gilde, 17 Mitglieder der „Intelligenz" und 121 ausgediente Soldaten, welche das Recht haben, in Rußland Boden zu erwerben, resp. zu pachten. Von den 8250 Grundstücken, welche jüdisches Eigentum bilden, sind 8260 (43.8 Prozent) Wirtschaftshöfe, während die übrigen 4632 (56.2 Prozent, im Ausmuße von 078 Desjatin) nicht bewirtschaftet werden. Auf letzteren wurden Fabriken und Handelshäuser, insgesamt 1725, tvelche ebenfalls von Juden betrieben werden, errichtet. Bunte Nachrichten. In F i l e h n e, der Vaterstadt des verstorbeneu Philosophen Moritz Lazarus, wurde vor einigen Tagen eine Gedenktafel für Lazarus an seinem Geburtshause enthüllt. Die Tafel trägt folgende Inschrift: „In diesem Hause wurde am 16. September 1824 der Begründer der Völkerpsychologie, Professor Dr. phil. Moritz Lazarus geboren. Gestorben am 13. April 1003 zu j>?der Mensch ein Sonderwesen ist. Jedes .s Meran." — Der Gesetzentwurf betreffend die Regelung der Ver- Gesicht, und keinen läßt sie ans, der nicht den^ hältnisse der israelitischen Religivnsgemeinden Sachsens ist von ' " 1 " " r! 71 . der ersten sächsischen Kämmer in der Sitzung vom 7. ds., der auch der Kronprinz Friedrich August von Sachsen beiwohnte, init einer ziemlich untvesentlichen Aenderung des Paragraphen 6 mit allen zieren der Brigade, die Synagoge und der geistliche Führer der gegen eine Stimme zur Annahme gelangt. — Der Arbeiter Gustav Brigade, Rev. Francis Cohen begann mit dem Mincho-Gebet. Dann sang der Knabenckor der Garde den Psalm 16 in herrlicher Weise und gab die feierliche Stimmung als Unterlage für die groß angelegten Worte, welche Rev. Chief-Rabbi Dr. Adler dem Verstorbenen nachrief. Während er auf der einen Seite ein Bild des schönen Familienlebens entrollte, zeigte er, hinweisend auf 800 anwesende Knaben, mit den Schärpen und Mützen der Brigade angetan, die Er- Roth aus Galizien, ein geborener Jsraelite, ging, trotzdem er zur christlichen Kirche übergetreten ist, unter Verschivetgung dieses Umstandes darauf aus, die israelitischen Wandenlnterstütznngsvereine um Reiseunterstützung anzugehen imb sie so zu betrügen. Bei seiner Festnahme in F ü r t h wurden ihm über 100 Mark abge- »wmmen. Den dortigen israelitischen Waiideruriterstütznngsvereln betrog Roth im Februar d. I. um 4 Mirk und eine Fahrkarte nach richtung einer der Lebensaufgaben des Verstorbenen, die Errichtung' Gunzenhausen, einen Monat später spmch er schon wieder beim ge der Jewish Lads Brigade, die heute 3000 Soldaten auflveise und nannten Verein vor. Das dortige Schöffengericht verurteilte beti Das Gespenst unserer Zeit. Sozialer Roman von Heinrich Keller. Preis 5 Mark. Egon Fleische! & Co., Berlin. Diamantstadt. Von Hermann Heyermanns. Preis 5 Mk. Egon Fleische! & Co., Berlin. Ein Heyermanns mit allen seinen Vorzügen und Schwächen. Ein großes technisches Können, das aber oft in eine endlose Wortmalerei ausläuft, ohne dadurch dem Gegenstände näher zu kommen, als durch unwahr angewendeten Satz. Ferner die unleidliche Tendenz : Alles Elend dieser armen Leute koinmt von derOrthodoxie. Ja, um Gotteswillen, was würde das diesen armen Leuten helfen, wenn sie nicht orthodox wären. Deshalb würden sie ebenso Krisen heimsuchen. Schließlich läuft das ganze Pauacee darauf hinaus, durch einen Streik ihre Lage zu verbessern. Nur können wir wiederholen: Auch am Streiken hindert die Orthodoxie nicht. Und endlich: 5iommt wirklich alles Heil nur vom Streik? Und nicht vielmehr von der O r g a n i s a t i o n a n u n d f ü r s i ch? Und daran hindert doch die Tradition die Diamantschleifer nicht. Sie umerstützt sie nur darin. Die Parias. Erzählung aus dem Leben der russischen Juden. Von S. I u s ch k e w i t s ch. Autorisierte Uebersetzuug aus dem Russischen. Die Juden. Von E. T s ch i r i k o w. Schauspiel in vier Auf- , zugen. Deutsch von Georg Poloeski. Verlag von Dr. I. Marchlewski & Co., München, 1904. Verlag slcwischer und nordischer Literatur. Beide Werke sind auf dem blutgetränkten Boden der^ letzten russischen Judenverfolgungen entsprossen. Die „Parias" scheinen in Kischeuew, die „Juden" in Homel zu spielen. Beide Werke zeigen daher viele verwandte Züge. Künstlerisch scheint uns „Die Juden" höher zu sieben, ohne aber den „Parias" ihren Wert abzusprechen. „Die Juden" halten wir für sehr theaterwirksam. Wo ist aber ein jüdisches Theater, das jüdische Stücke aufführt? Mit der Zersetzung der sozialen Verhältnisse in Rußland geht notwendigerweise auch eine Umgestaltung der Lebensbedrngungeu der jüdischen Bevölkerung vor sich. Bis in die neueste Zeit hinein waren die Inden vor allem Kleinkrämer und Handwerker, in den letzten Jahrzehnten aber hat Rußland -ein vieltausendköpfiges jüdisches Proletariat. I it s ch kewit "ch schildert nun das Leben dieser Mischen Proletarier, das qualvolle Ringen nach menschenwürdiger Existenz, den hoffnungsloseii Kampf gegen das Elend, einen Kampf, der hier noch kompliziert wird durch die Rassenfrage. Es liegt eine überwältigende Tragik darin, ivenn diese Verfolgten und Geächteten sich zu allgemeinen Humanitären Idealen emporringen und dann sehen müssen, wie der blinde Haß eines fanatisierten Pöbels sich gegen ihre Stammesgenossen richtet. Das Schlußkapitel der Erzählung schildert uns einen solchen Ausbruch des Rassenhasses mit furchtbarer Eindringlichkeit. — Es ist das Werk eines scharf beobachtenden und großzügigen .Künstlers, ein Buch, das mit Blut und Tränen geschrieben ist und den Leser in seinen Bann zwingt, aber gleichzeitig ist es im wahren Sinne des Wortes ein „menschliches Dokument". . , , t Das zweite Werk ist ein soziales Drama, die verfolgten, noch heute in einer Art Ghetto eingeschlossenen russischen Juden bilden das Milieu. Da sind die „Alten", die es gelernt haben sich zu ducken, unter den Schlägen sich krümmen und allen Verfolgungen zähen, jedoch rein passiven Widerstand entgegenzusetzen; ihnen gegenüber stehen die „Jungen", die alle Ungemach ihres Stammes mit glühen- Heimatland Israels, ... ~ , Verbrüderung, der sozialen Gerechtigkeit, den gemeinsarnen Karnpf aller Unterdrückten gegen das Unrecht. Dieser Zwiespalt der Meinungen zerstört selbst den Frieden in der Faimlie, läßt dramatische 5ionflikte entstehen. Dann bricht das Verhängnis hereili: der Pöbel richtet ein Blutbad unter den Jllde,i an. Aber während die entfesselten Bestien wüten, der Rassenhaß neue, furchtbare Opfer fordert. eilen die revolutiouären russischen Arbeiter den Verfolgten ^Dieser gewaltige Stoff tvird durch echt dramatische Mittel, die Tsehirrkotv zu Gebote stehen, zu erschütternder Wirkling gestaltet. Die stille Stadt. Roma>l von Richard H u l d s ch i n e r. Verlag von Egon F l e i s ch e l & ß o., Berlin W. 35. Preis 3 Mark. „Die stille Stadt" nennt Richard Hnldschiner sein neues Buch. Die stille Swdt ist ein kleiner Ort „da unten im Gebirge, ui dem "" Jedes Haus hat sein elgeries icht den Stempel einer geheimnisvollen Besonderheit mit sich davo>i trüge." — Das Glück wohnt nicht in ihren Mauern und ihre Stille ist Glicht' der Frieden der Hof, in dem das Weib begraben ist, das vielleicht das Glück gebracht hätte, ein Friedhof, den religiöser Fmlatismus in langem Haß gefüllt hat. ... .... „Resurreetnris" steht in goldenen Lettern über seiner Pforte. Aber tverdell wir ailferstehii? Werden wir Sieger bleiben? Oder ist unser Leben nur eine »immer eudeiide Jagd hinter der Sehusucht her, die uns vorauszielst „tvie Gott der Herr den Jliden in der Wüste, bei Tag die Wolke und des Nachts blutroter Feuerschein?"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.