Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 14 (1.4.1904)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 1. April 1904 Nr. 14 Paris. Eine interessante Entscheidung ist am Mittwoch von dem Pariser Appellationsgerichtshofe getroffen worden. Es handelte sich um die Frage, ob eine österreichische Jüdin, die mit einem österreichischen Juden in Paris eine Zivilehe eingegangen ist, eine Scheidungsklage a n st r e n g e n kann. Die erste Instanz, das Pariser Zivilgericht, hatte das betreffende Ansuchen der Frau für zulässig erklärt, da die Tatsache der Zivilehe ohne religiöse Weihe einem Aus^reten aus der jüdischen Religionsgemeinschaft gleichzustellen sei und da die betreffenden Personen mithin die Bestimmungen des österreichischen Gesetzes für nicht katholische Ehen für sich in Anspruch nehmen, mithin auch die Scheidung verlangen könnten. Der Appellationsgerichtshof dagegen erkannte, daß eine Scheidung von der Frau nicht verlangt werden könne, weil die österreichische Gesetzgebung einen Religionstvechsel nur dann anerkannt, wenn die genau vorgeschriebenen Formalitäten erfüllt werden- Di><Zrau müsse demnach als österreichische Jüdin behandelt werden, der ein Ehescheidungsgesuch nicht zustehe. Dresden. Der antisemitische Pastor S e g n i tz mußte jünöst infolge eines Eheskandals, in den er verwickelt tvar, sein Amt an der Annenkirche niederlegen. Nunmehr hat ihm die Disziplinarbehörde die Qualifikation abgesp'vchen, je wieder ein geistliches Amt zu übernehmen. Bei der letzten Reichstagswahl hatte der saubere Pastor als antisemitisch-konservativer Kandidat sich um das Mandat Dresden-Altstadt beworben, mußte aber, eben um jenes Skandals willen, kurz vor dem Wahltag zurücktreten. Klerikale Erziehung. In Verona wurde auf Anordnung des Präfekten die klerikale Erziehungsanstalt Seghetti.geschlossen, weil in der von Nonnen geleiteten Mädchenschule anläßlich der Karnevalstage ein Theaterstück aufgeführt worden war, in dem ein österlicher Ritualmord vorkommt. Es handelt sich um eine literarisch ganz wertlose Komödie von Garaglicmo, die den Titel „Die falsche Bettlerin" trägt. Dieses Vorkommnis erregt, >vie man der „Voss. Ztg." schreibt, um so größeres Aufsehen, weil auch an staatlichen verlockt, in der großen Weichselstadt, ohne Freunde und Bekannte, ohne eine Kopeke irrt, da kann man erst verstehenwelch' ein großes und hohes Werk die neugegründete Gesellschaft verfolgt. Jetzt will ich einiges von Radomisel im Kiewer Gouvernement sprechen und zwar von der zionistischen Bewegung daselbst. Letztere hat hier recht viel Anhänger, lieber aas zionistische Programm referie.te Herr Dr. Zweifel, ein Mann mit hoher Bildung, der sich der zionistischen Sache ganz gewidwkt hat und diese mit wahrem Feuereifer vertritt. Die hiesigen Millionäre, Gebrüder H o r u st e i n, sehen diese Bewegung mit scheel, n Augen an. Ich glaube, es wäre gut, wenn man dre Wunderrabi bewegen könnte, an den Bestrebungen des Zionismus teilzunehmen. Jeder versteht ihn; nur die Rabbiner wollen ihn nicht verstehen. Die Juden im heutigen Jerusalem. Beobachtungen und Eindrücke von Duc-Querey. Autorisierte Uebersetzung aus' dem französischen Manuskript von Margarethe London. (Schluß.) In einem Winkel der Stadt haben sich auch die Askenasim hineingezwängt, von dem unwiderstehlichen Wunsche beseelt, sich nur ja in dev Nähe des Berges Moriah niederzulassen.' Dadurch hat sich nun eine Atzt! jüdischen Jahrmarkttreibens dort entwickelt. Durch «inj Gewirr unsauberer Gäßchen, die man vom alten Bazar aus erreicht, und in denen es von Trödlern, Geflügelhändlern, Gar- Mittelschulen angestellte Professoren in dem ge nannten Instituts kochen, Gewürzkrämern und rituellen Schlächtern wimmelt, &ÄÄ A“ Ä1ÄÄÄI k-mmt M-» m ben Sutifm dieser Händler, Ost haben sie zu haben. Es verlautet, daß eine Interpellation in der italienischen einen -gemeinsamen —ad>eu, so Zwar, daß man unter den Deputiertenkammer über den Vorfall eingebracht werden wird. Berlin. Freiherr von Hammerstein, der Freund Stöckers und einer der „Erfinder" des Antisemitismus, der bekannte frühere Chefredakteur der „Kreuzz-itung", der in dieser Stellung und als Reichstags- und Landtagsabgeordneter lange Jahre hindurch einen nicht zu unterschätzenden politischen Einfluß ausgeübt hat und dann wegen Unterschlagung und Wechselfälschung eine längere Zuchthausstrafe erlitt, ist. wie die „Kreuzzeitung" meldet, in der Nacht zum Mittwoch in Charlottenburg nachlangem schwerem Leiden au den Folgen einer Verkäsung der Arterien gestorben. Er hatte am 21. Februar sein 66. Lebensjahr vollendet. Die „Münchener Jugend" schreibt: Verhaltungsmaßregeln für die Kischenewer Juden. Der Gouverneur von Bessarabien hat best Vertretern der jüdischen Gemeinde vorgehalten, daß die jüdische Bevölkerung zu wenig Begeisterung für den Krieg gegen Japan cm den Tag lege. Da die russischen Juden anscheinend ihre Dankespflich^u gegen Rußlandnicht genügend kennen, dürfte ein kleiner Kodex für sie am Platze sein: In Friedenszeiten haben die Juden die Verpflichtung, den christlichen Kaufleuten keine Konkurrenz zu machen und alle einträglichen Hcmdelsgebiete zu meiden. Geschäfte, bei denen sie etwas verdienen, sollen sie überhaupt nicht machen. Alles öffentliche Aufsehen haben sie zu vermeiden; taucht zum Beispiel das Gerücht von einem Ritualmord auf, so haben sie im Interesse der öffentlichen Ruhe und des Friedens einen unter sich auszulosen und denselben mit der untertänigen Bitte um gütige Hinrichtung der Behörde zu übermitteln. Antisemitische Redakteure müssen auf der Straße gegrüßt werden. Die Juden haben ferner die moralische Verpflichtung, sich nicht zu vermehren, sondern allmählich auszusterben. Fügen sich die Juden diesen Bestimmungen, so werden sie als gleichberechtigte russische Unterranen leben können und dürfen des geneigten Wohlwollens der kirchlichen und weltlichen Behörden versichert sein. Helios. Bilder aus Rußland. Die Stadt Minsk ist eine der gewerbreichsten Städte des Nordwestens von Rußland. Man zählt dort 10 Eisenhütten, welche 4000 Arbeiter beschäftigen, von denen 2000 Juden sind. Die bedeutendsten Eisenhütten gehören Juden. In den Eisenhütten, in denen die Handarbeit durch die Maschinen ersetzt ist, sind fast alle Arbeiter Christen. Man hat auch gefunden, daß der Verdienst des jüdischen Arbeiters im allgemeinen unter demjenigen des christlichen Arbeiters steht. Mährend ersterer besonders in den Sagemühlen, den Kerzen- und Zündbolzfabriken beschäftigt, nur 3 bis 7 Rubel die Woche verdient, kann es letzterer zu einem Lohne von 15 Rubel bringen. Dasselbe ist der Fall bei der Arbeit der Frauen. Der Lohn der jüdischen Arbeiterinnen schwankt zwischen R. 1*20 und R. 2*50 die Woche, derjenige der christlichen Arbeiterinnen zwischen R. 1'20 und 3 Rubeln. In den Tabakfabriken, wo die Arbeiter fast alle Juden sind, beobachtet man den Sabbath. Die jüdischen Arbeiter in Minsk haben auch eine Schule zu ihrer Verfügung, die ihnen gestattet, sich technische Kenntnisse zu erwerben. Fünfzig Prozent unter ihnen können lesen. Der Talmud-Thora ist in dieser Stadt eine Werkstätte angegliedert, wo die Zöglinge das Schlofferhandwerk und Tischlerei erlernen können; aber diese Unterweisung ist sehr gering, daß sie kaum Dienste leistet. Seit 1897 hat mau in Minsk Abendkurse eingerichtet. Wie man mir erzählte, waren im Jahrgang 1898—99 diese Kurse von 109 Arbeitern, von denen vier Fünftel Juden waren, besucht. Drei jüdische Aerzte, deren Namen mir entfallen sind, werden jetzt auch in MinSker christlichen Kreisen als Vorkämpfer für Recht und Gerechtigkeit sehr gefeiert. Ueberhaupt steht der te als Arzt «nd Mensch dem christlichen Kollegen in nichts , daS Volk bringt den jüdischen Aerzten das größte BertrtWen entgegen und füllt ihre Polikliniken und Ambulatorien «D auch die wenigen noch verbliebenen jüdischen Militärärzte genießen überall die Achtung und da- Vertrauen der Offiziere und der Soldaten in außerordentlich hohem Grade. Hj-r Hat sich vor einiger Zeit eine Gesellschaft gegründet, die einem schon längst empfundenen Bedürfnis entspricht. Diese G^ellschaft stellt sich zur Aufgabe, arme Juden während der ersten Tage nach ihrer Ankunft in Marsch»« zu beherbergen. DHselbe hat im jüdischen Viertel ein reinlich und -eschmackvoll eingerichtete- Han-, wo arme Glaubensgenossen Schuh und Oßvach finde». Wenn man fieht, in welch' trauriger Lage sich verschimmelte Lemwandplanien an> großen Haken in bun km Gemisch alte Stiefel, schmutzige Drödelkleider und Stricke Fleisch hängen' sicht, auf denen blauschillernde Fliegen emsig an der Arbeit sind. Hier bieten sich, innig vereint, alle Plagen des Orients. Die Hauptstraße ist nicht einmal drei Meter breit; man kann sie nur mühsam durchschlendern, drängt sich zwischen eineir scheußlichen Menschenmenge durch, von deren! Schreieu, Anrufen und Streitigkeiten manfast taub wird, und atmelti eine gräßliche, fade Fieberluft, die sich mit den! Ausdünstungen der unappetitlichen Kothaufen vermischt, die sich vor jedem eim zelnen Häufe auftürmen. Das klebrige, schmutzige Pflaster ist von Ochsenschädeln, ’ Hammelfüßen, Wirbelknochen, Schulterblättern, blutigen Harvtfetzen und oft auch von ganzen Tierrümpfen bedeckt, lauter köstliche Herrlichkeiten, die der Fleischer achtlos von der Bude auf die Straße geworfen hat. Dgdurch! werhen diese . Läden, die an beiden Seiten der Straße liegen, zu währen Infektionsherden',' die förmlich schlimme Krankheitskeime ausströmen. Typhus, Diphtherie und ansteckende Augenentzündungen herrschen daher mich regelmäßig hien denn in diesen Fleischbänken schwelgen die Mikroben zu Taufenden in den übelriechenden Lachen und dem grünlichen K!ck>. Bei alledem hätten die Bewohner dieser stinkenden Löcher sicher noch viel mehr von tätlichen Epidemien zu leiden, wenn nicht Hunderte von heißhungrigen, abgemagerten Hunden aus ewige Jagdbeute lüstern, die Straßen von jenen überflüssigen Abfällen befreiten und dadurch die Atmosphäre wenigstens einigermaßen reinigten. So erhebend für den frommen Juden, der nach Jerusalem auswandert, auch jener Gedanke sein mag, in der Nähe der heiligen Orte zu Haufen,, wo sich dereinst der Tempel Salomonis erhob, so stellte es sich' doch als unabweisbares Bedürfnis heraus, daß sich der Ueberschüß von Einwanderern außerhalb der Stadt, jenseits der Wälle, zusammenrottete. Schien es doch auf die Dauer unmöglich, für den übertriebnen Zulauf der Bevölkerung Platz zu schaffen. Die einzelnen Stämme mußten sich nun gen Norden und Nordosten ausbreiten, da Jerusalem nur nach dieser einen Seite hin offen ist; der tiefe Einischlnitt der Täler, der die Stadt umgibt, schneidet diese eben im Westen, Süden und Stldosten! durch hoho Felsspitzen ab. Merkwürdigerweise jedoch schließen sich aber seue Juden, die also nun aus den verschiedensten, Exilen nach der Vaterstadt zuruckgekehrt sind, nicht etwa eng zu, einer kompakten, Masse zusammen, wie es eigentlich nahe läge. Im! Gegenteil, sie sperren sich je nach ihrer Abstammung' voneiuander ab und Wachen eifersüchtig über die hohen, Zäune der Ungeselligkeit, die ihre unterschiedlichen Kästen voneinander trenn,e!n. So wird aus jeder Kolonie eine Art abgeschlossener Provinz, mit eigenen Negierrmgsformen, die ihre innere Notwendigkeit und äußere Gli ederung haben . Manchmal gewinnt man wirklich ganz originelle Eindrücke drwch diese neuen Vorstädte, die auf dem Wege nach Jaffa erstehen und sich längs der steinigen Felder hin,ziehen. Eines schonen Tages erschion dort unter anderem eine ganz besonders malerisch anssehende Karawane. Ihre flatternden, aus Kamelhaaren gewebten, mit grauen und braunen Bändern besetzten Wimpel ließen zuerst in ihnen eine Horde jener geheimnisvollen Rochaden vermuten, wie sie früher oft in der Bannmeile Jerusalems aufzutcmchen pflegten,. Ern. Dutzend Zelte mit zöbraartig gestreiften, drrrch unzählige Nägel und Hakenzerrifsenen Wänden, die Seiten durch schiefe Pflöcke gestützt, wurden eilig aufgeschlagen. Im Innern häuften sich bunte Teppichstücke, kupfernes .Küchengerät, Kleider und Putz, bemalte Trüben und Koffer, sowie grellfarbige, seidene.Kissen,. Koffer rrnd Trrchen mußten dazu dienen, die Zelte tu einzelne Mumie abzuteilen. An den Eingängen kauerten junge Weiber vor improvisierten Feuerstätten und speisten mit dürren Barimästen eine Mut, die kleine StÄnbarrikaden vor dom Mendwind schützten; da.rübev bvodeltOi dampfend und rauchend die der Jude befindet, der von falsch e» Hoffnungen nach WarschaulKochtöpfe. Greisinnen schlenderken nachlässig hm und her, kratzten sich in den wilden Haarsträhnen und wackekten> lüstern auf die Mahlzeit, mit den zahnlosen Kinnladen. Daneben eine Gruppe weißbärtiger Männer mit Turbans nach persicher Sitte; rechts davon kräftige Jünglinge mit Bronzeteint, die Hüften von buntscheckigem Bande umgürtct, mit. nackten Beinen' und orientalischen, an den Knien zusammengehaltenen Beinkleidern. Dazwischen Packesel mit schäbigem' Fell, die mit hängenden, Ohren unbeweglich auf ihren Beinen hockten und im Halbschlaf philosophisch ein eingebildetes Heubündel zu karren schienen. Bon einem Zelt zum anderen flattern Lumpen und Kleidungsstücke, die in der Sonne trocknen sollen: rote Kaftans, gelbe Blousen, grüne Tücher, rosenfarbene Tnnikas und Weiße Pluderhosen. Die Neugier läßt mich näher treten; ich biege von staubigen Pfade ab und komme quer über die Felder heran. Ich meinte schon, eine Gruppe jener Zigeuner aus der Wüste vor mir zu haben, die als wandelnde Eisenkrämer von Dorf zrr Dorf ziehen. Sofort wurde mir mein Irrtum klar. Was ich hier erblickte, waren ohne Zweifel Juden, wieder.Ncueingewanderte, die vom Tale des Euphrat, von Orfa, dein alten Edesse, einer Perle von Mesopotamien, kamen. In derselben Ausrüstung wie zu Moses Zeiten machten' diese Juden, getrieben' von einem unbefchreiblichm Instinkt, die gleiche lleberfahrt wie die alten Israeliten nach dem« Lande Kanaan. Als Gründe für ihr Auswandern gaben sie an, daß es für sie unmöglich geworden wäre, länger noch in ihrem Heimatslande zu wohnen. Nachdem es so lange ihren Vorfahren die eckste Mutter Erde gewesen, sei es nun unfruchtbar un!d unwirtlich bis zur Unerträglichkeit geworden. Möchte mau nicht glauben, in, der Nasse an sich! läge' schon die Sehnsucht nach Palästina, der geheimnisvolle Zug nach jenenr Lande, der immerhin einen der sympathischsten Triebe in den jahrhundertelangen Bestrebungen der Juden bedeutet? Ihr Instinkt hat diese letzten Einwanderer richtig geleiteil', und zwar in eine Zone, in der sie ihre nächsten Glaubens- und Sittengenosfen, die Jemeniten und die Perser, bereits eingerichtet vorfinden'. Bon diesen unterscheiden sie sich vorteilhaft durch resolutes Auftreten und physische Stärke. Ihr Gesichtsoval ist regelmäßig, dev Mund bestimmt, die Nase vorspringend, aber fein geschnitten. Die Weiber tragen rotseidene Kopftücher und über ihren bunten', karrierten Kleidern kurze, wattierte, ringsum in Bogen ausgeschlagene Mäntelchen. Wohl sind die Wattemäntelchen und Kleider bereits ausgefranst/aber im ganzen verrät sich bei dem jüngeren Volke eine Neigung zur Sauberkeit und ein, Hang zur Koketterie. Jedes Zelt muß mehreren ganzen Familien zur Zuflucht dienen, inmitten dieses Biwaks unter freiem Himmel aber steht ein wackeliges Betpult, die bima (Erhöhung), oder der haham (der Weise), und davor ein alter, einäugiger Schriftgelehrter, der die Thora entrollt und »erklärt. Nun sind sie ganz eingelebt in Jerusalem-. Wovon aber existieren sie?! Sie leihen ihre kräftigen Arme für jämmerlichen Entgelt zweifelhaften und unsichieren kleinen Einnahmen, harten Arbeiten als Handlanger oder Lastträger, wenn nur am Ende des mühseligen Werkes ein Stück Brot winkt. Riesengroß ist denn auch das Elend unter ihnen, nicht einmal Trinkwasser haben sie, denn die benachbarten Cysternen sind ihnen verschlossen, und Wasser ist dort ein kostbares, seltenes Naß. Sie sind genötigt, von der Quelle des nächsten Dorfes» in Schläuchen!, die ein Mann schleppen muß, Trinkwasser herbeizuholen. Ungefähr vier Stunden haben diese Aermsten hin! und her zu marschieren, immer im unleidlich! heißen Sonnenbrand. Man muß dieses von endloser Dürre zerfressene Land kennen, um mitzuempfmden, wie Ijumcm so manche europäische Samariterin handelt, wenn sie den armen!, verdursteten Jrrden zu trinken gibt. Dieses ganze Viertel, dem das Elend dev armenj Juden ausschließlich seinen Stempel aufdrückü^zeigt sich, oft von arißeu her in unvergeßlich märchienhaftem Glanze. Die westlichen Hügel, in beten, Schutze die Spanier, die Jementtein und die Perser wohnen, haben Partien, die am helllichten Tage in herrlichen Farbenskalen prangen, die teils grell blendend, teils köstlich! durchsichtig wirken. Der Sonnemmtergang besonders hat blitzende Lichter, felnrige Reflexe, wie bei' einem' Brande, hie und da. anschwellende, dann aber wieder in sanfte Pastellfarben übergehende Töne. Trotz des Jammers, der diese armen Juden niederdrückt, heben sie dochj bewundernd ihre Blicke zu diesem in überirdischier Schöne strahlender Himmels lichte, desseir rm erreichte Naturkrast verschjwenderisch für die feenhafte Dekoration ihrer armseligen Hütten sorgt. In diesen Lustspiegelungel: schont der arme Blesitzlose kostbar ftuinlte Traumbilder, Paläste aus Rubineu.', Küsten, die wie Topase und Amethysten iu die Ferne strahlen, opalalrti'ges Meer, auf dem sich smaragdene Wellen kräuseln. Ins Reich der Träume führt dev Anblick dieser phautaslischeir Wolkeubildungeir diese armen Enterbten und zaubert ihnen beglückte Augenblicke fast überirdischen Genusses vor! („Berliner Tageblatt".) . MMeUimgen aus dem PudUkum. Wohin geh ich zu Pessach essen? Diese Frage werden sich schon viele junge ßeute vorgelegt haben, ohne eine Lösung zu finden. Zu Pessach speziell mnsi inan auch ein lvenig auf seine Tasche Rücksicht nehmen. Sehr gut und billig nach streng riwellen Vorschriften speist man bei M. B r o d, Privat-Nestanration, Wien, 2. Bez., Gr. Schiffgasse 11. Hrtefkaft««. Die große Frage. Das Feuilleton der vorigen Nunnner stcttnmt von dem bekannten Wiener Autor Heinrich Aork Steiner.