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Jüdisches Volksblatt · 1904-02-19 · 8 (19.2.1904) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
8 (19.2.1904)
Date
1904-02-19
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdische« VolksblaÜ. 19. Februar 1904 Nr. 8 Blattes wahrscheinlich, daß die zweihundert jüdischen Familien verurteilt werden, in kurzer Zeit zum Wa n der stab e zu greife». Ueher die Judenfrage. Herr Mate Cantacuziiio, ehemaliger Richter am Jassycr Appellationshofe, der soeben als junimistischer Deputierter in der Debatte über die Thronrede ein glänzendes politisches Debüt hatte, ist auch Professor des bürgerlichen Rechtes an der Jassy er Universität. Diese Tage las er vor seinen Hörern über den berüchtigten Artikel 7 der rumänischen Verfassung. Bei dieser Gelegenheit machte er folgende Bemerkungen über die Judenfrage: Die Verfassung bürgt dem Fremden für seine Person und seine Habe, dies bedeutet, daß sie ihm auch für seine Arbeit bürgt. j Die Verfassung erlaubt also den Fremden zu arbeiten unter der^ Bedingung, daß sie die öffentliche Ordnung nicht stören. Folglich ■ ist die landtv-irtschaftlicbe Arbeit den Fremden, sei es als Pächter, j fei es als Arbeiter, gestattet. Die Fremden dürfen auch jeden > Handel und jede Industrie treiben. Trotzdem hat man ans öko-! nomischen Gründen manches Tätigkeitsfeld den Fremden verschlossen,! so die Rechtsantvaltskarriere, die Apothckerkarriere usw. Ferner! müssen die Dorfschankwirte rumänische Bürger sein. Das Gesetz! vom Jahre 1881 gestattet der Negierung, dem Fremden einen he-! stimnrten Wohnort anzuweisen oder ihn überhaupt aus dem Lande! zu verweisen, wenn der Fremde das Land kompromittiert oder die * soziale Ordnung stört. Das Gesetz vom Jahre 1901 bestimmt sogar die Bedingungen, unter welchen ein Fremder sich im Lande niederlassen darf. Es fragt sich nun, ob der Staat im Rechte ist, eine Kategorie von Fremden auszuweiscn, die keinem anderen Staate untertan, aber auch nicht Rumänen, sondern „heimatlos" sind. Nach allen Rechtsgrundsätzen können diese Fremden nicht anSgetviescn werden. Erstens haben sie wenigstens das Recht ans den Schlitz ihres Wohnsitzes, wenn sie schon das Gesetz persönlich mißachtet. Und zweiteils ist die Ausweisung nicht das Recht eines einzigen Staates; einen Fremden ausweisen, heißt ihn in seine Heimat zurückschicken, wenn er aber keine solche Heimat hat, müssen wir ihn als ein vom Gesetze aufgedrängtes Element behalten. Bei der Stellung der Juden wäre es eigentlich logisch, das; nur die eigentlichen Rumänen Militärdienst leisten sollen. Durch eine wohltätige Anomalie befreit das Gesetz von der Militärpflicht nur jette Fremden, die Untertanen eines anderen Staates sind. Vom Standpunkte des Militärdienstes aus besteht aber kein jus sanguinis mehr. Die Verfügung, daß die heimatlosen Fremden Militärdienst leisten, ist eine gute, denn sie knüpft ein Band zlvischcn ihnen und dem Lande und stärkt ihre Stellung. Tie Juden, welche diese heimatlosen Fremden sind, bilden nicht, wie manche Politiker bei uns behaupten, eine nicht assimilationsfähige Rasse. Dies ist ein i Unsinn, weil kein Volk der Welt längere Zeit unter einen: anderen! wohnen kann, ohne sich mit diesem zu assimilieren. Wer das Gegen-: teil behauptet, läßt sich von dem Antagonismus leiten, der zwischen! Juden und Christen aus Vorurteil herrscht. Der Haß, unter dem j sie zu leiden haben, die Verfolgungen, denen sie ausgesetzt sind, l haben die Juden nur widerstandsfähiger gemacht, aber nicht assimilationsunfähig. Tie Solidarität, die man bei ihnen bemerkt, ist das Ergebnis der Verfolgungen, denen sie ausgesetzr sind, und würde unter gleichen Umständen sich bei jeder anderen Menschcngruppe ausbilden. Wir müssen dahin wirken, daß der Antagonismus zwischen Juden und Christen verschwinde. Unser Interesse ist nicht, den Haß zu züchten, sondern im Gegenteil die Beziehungen zu den einheimischen Juden inniger zu gestalten. Der Ursprung dieses Hasses darf nicht bei uns gesucht werden, denn der Rumäne ist gutmütig, wofür ich bloß auf die guten Beziehungen zwischen Juden und Rumänen in den Städten und besonders auf dem Lande hinzuweisen brauche. Den Ursprung dieses Hasses wird man anderswo zu suchen haben. Wir müssen trachten, unsere nationale Tätigkeit in allen ihren Zweigen zu entwickeln, ohne aber die Juden zu mißachten, sondern indem wir die einheimischen unter ihnen, mit denen wir lange Zeit in Frieden gelebt haben, ebenfalls natinalisieren." Diese Vorlesung, die in die Oeffentlichkeit gedrungen ist, erregt begreifliches Aufsehen, da Herr Cantacuzino allgemein als künftiger Minister gilt. Die Lösung der Judenfrage. Bekanntlich erblicken bie Ultra-Assi m i lanten die Lösung der Juden frage in d er Taufe, wennmöglich, in der General taufe aller Inden. In Rußlandverfängt auch dieses Mittel nicht. Daselbst besteht nämlich die Pruxis, das Hinübersegeln in die allein seligmachend« Kirche, das mancher so gerne unbemerkt tun möchte, auf jedem amtlichen Aktenstück, das über den Getauften ausgefertigt wird, genau zu vermerken. Auf diese Weise kommt diese „peinliche" Bemerkung auch in die Pässe der Betreffenden. Eine Anzahl solcher neuer „Rechtsgläubigen" hat sich nun an, ö«ie kompetente Behörde mit dem Ersuchen gewendet, dieses Merkmal in Zukunft ans den Pässen verschwinden zu lassen. Der Senat, dem diese Angelegenheit zur Beurteilung vorlag, hat nun, nach Petersburger Zeitungsnachrichten, dieses Ansinnen zurückgewiesen und in den Pässen von getauften Juden werden auch in Zukunft beide Namen verzeichnet werden.: der ursprüngliche jüdische und der neue christliche Name. Die Witwen der Kaufleute erster Gilde. Wie aus Petersburg gemeldet wird, hat das Finanzministerium eine prinzipiell sehr wichtige Entscheidung getroffen. In einem konkreten Falle, vertraten die zuständigen Behörden nänilich den Standpunkt, daß die Witwen nnd Waisen nach verstorbenen jüdischen Kauflenten erster Gilde die Wohnrechte des v e r st o r b e u e n F a m i l i e n - Oberhauptes nicht erben, und demnach genau so zu behandeln wären, wie die Juden, welche diese Rechte nie besessen haben. Der Finanzminister entschied jedoch, daß die Rechte des Familienhauptes nach dessen Tode auf dessen Witwe und Waisen übergehen. Verbreitung der landwirtschaftlichen Kenntnisse unter den russischen Inden. Ein reicher jüdischer Kaufmann in Petersburg, der in der Nähe voi» L o m s a ein größeres Gut besitzt, hat, um seinen Volksgenossen die Liebe zur Landwirtschaft einzuflößen, auf seinem Gute einige hundert jüdische Familien angesiedelt. Sämtliche Feldarbeiten des genannten Gutes werden jetzt z u r volle u Zufriedenheit des Gutsherren von Juden versehen. Die wohltätigen Folgen dieser Arbeit zeigen sich nun in der allmählich steigendenWohlhabenheit derArbeiter, sondern hauptsächlich darin, daß sie alle im Gegensätze zu ihren, in den Städten zusmnmengepfercht wohnenden Brüdern, sich viel gesünder und kräftiger entwickeln. Wie nun „Hazefirah" meldet, beschloß der großmütige Philanthrop, ermuntert durch die bereits erzielten Erfolge, den angesiedelten jüdischen Familien je ein Stück Boden zur eigenen Bearbeitung nnd Nutznießung zu überlassen. In dem Kartell-Konvent jüdischer Verbindungen (K. K.) sind zur Zeit zwei Alte Herren-Berbände — Viadrina-Breslau und Badenia-Heidelberg — und sechs studentische Korporationen — Sprebia-Berlin, Licnria-München, Fribnrgia-Freiburg lsuspendiert), Rheno-Silesia-Bonn, Bavaria-Heidelberg und Thnriiigia- Breslau — vertreten. Außerdem existieren zwei Stammtische mit K. K.-Tendenz, nämlich Jfacia in Straßbnrg und Viadrina in Darmstadt. Von den studentischen Korporationen tragen Sprevia, Licaria, Friburgia und Rheno-Silesia Farben, Bavaria und Thuringia sind schwarz. Alle K. K.-Verbiildu»»igen haben eigene Waffen. An Mitgliedern zählt der K. K. insgesamt 330; davon studieren noch 163. 79 Mitglieder dcS K. K. sind bereits als Aerzte, Anwälte oder in anderen Bernfeil selbständig tätig; die übrigen sind znm größten Teil Assistenzärzte oder Juristen im Vorbereitungsdienst. Die stärkste Aktibcnzahl haben Sprevia (31) und Licaria (32). Felix Dahn Uber getaufte Juden. Der Roman Felix Dahns „Weltuntergang", der im Jahre 1000 n. Chr. Geburt spielt, hat einige Szenen, in denei^anch die Juden eine Rolle spielen. Ein Jude namens Jsak, der Sohn edler jüdischer Eltern, war Christ geworden und hatte den Namen Renatus angenommen, er war aber einer der ärgste», Kornwucherer. Der Bischof tritt »nit fernem Begleiter in das Hans dieses Renatus und sagt: „Ich bin wenig vom Treibe», dieses Renatns erbailt." „Nei»nt ihn doch »licht Renatus, Jsak heißt der Jad." „Er »st getauft." Snpfo (so heißt der Diener des Bischofs) lachte. „Tauft ihn »»och eimnal; aufs ersteinal half's wenig; aber besser, laßt's ga»»z bleiben." „Weil» kann man wässern, »licht Blrit." „Ich verbiete dir, so von den» heiligen Sakrament zu spreche»»." „Verzeiht mir, Herr! Aber ist's nicht so? Der Glaube tvird danach — vielleicht, vielleicht auch nicht! — geändert. Aber das Geblüt? Da lob ich mir die »»»»getauften Inden, unter denen sind die Beste»»." „Du sprichst »»»»christlich, die Taufe bringt ihieen das Heil." „Ja, aber nur, wenn sie daran glmiben, wenn sie das Sakrament deshalb subchen. Wenn sie daran glaube»», lvcnn sie das ihres Volkes schämen und lieber mit den Christen die Juden placken »vollen, als sieh mit den Christen von den Jliden placken lasse»». Ihr Volk verleugnen diese Abtrün»»igcn n»»d euch, Herr Bischof, lüge», sie vor, sie glauben; Untreue und Lüge aber bringt nicht Heil, sonder Schlliach." Büchrr-Einlnus. F. G i c s e b re ch t. „Die Grundznge der israelitische,, Neligionsgeschichte. Aus Natur und Geisteswclt." Sammlung wissenschaftlich gemeinverständlicher Darstellungen ans allen Gebieten des Wissens. Leipzig-Berlin. Verlag B. G. Teubner, 1904. Roczrrik Zydowski. Drnkiem A. Goldmann tve Lwotvie. _ „Altneuland", Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas. Organ der zioiiistischcn Kommission zur Erforschung Palästinas. Hcransgegeben von F. Oppenheimer, S. Soskil», O. Marburg. Inhalt: Kommission z»»r Erforschung Palästinas „Altnculand". Prof. Dr. O. Marburg: Palästina als Kolonisationsgebiet. H. Struck: Zwei Originalze lchnungen. A. Aaronsohn und Dr. S. Soskin: Die Rosinenstadt Es-Salt. Palästina nnd Nachbargebiete. Jüdische Kolo»»ien. Marktbericht. Wir heben ans dem Inhalte den Artikel Marburgs hervor, der folgendes schreibt: „Um »nit der Lage »n»d Ausdehnung Palästinas zu beginnen, so stellt es sich dar als ein znm größere»» Teile gebirgiges Land mit einer recht bedeutenden, vorgelagerten, äußerst fruchtbare»» Ebene, die, unter de»»» Namen Ebene Saro»» »n»d Sephela bekannt, eine Länge voi» 163 Kilometer bei einer durchschnittlichen Brciw von zirka 13 Kilometer anstveist. Nur dem nördlichsten Teil Palästinas fehlt diese vorgelagerte Ebene, dafür ziehen sich daselbst aber »nchrere Ebenen tief inZ Land hinein, von denen die Ebe»»e Jezreel und die Ebene Sebulon die bekanntesten und durch ihre Fruchtbarkeit die berühmtesten sind. Auch das vielfach plateauartige Gebirgsland enthält eine Reihe ziemlich breiter und fruchtbarer Täler »md wird in der Mitte durch eine geivalrige, tiefe Senke (Depressionsgebiet) durchzöge»», die irn Norden der» Merom- und Tiberiasee birgt, dem größeren Teil nach von der El-Ghor genannten Jordnnebene eil»ge»»ommen und im südlichster» Teil vor» dem fast 400 Meter nnter dem Mittelländischen Meer befindlichen toten Meer ausgefüllt wird. Während das westjordanische Gebirgsland n»»r 000-—900 Meter hoch ist und nur in einzelnen Gipfeln bis zu 1200 Meter ansteigt,'»st das Ostjordanland, d. h. das Gebirgsland von Mo ab, Gilead und das vulkanische Gebiet des Dscholan etwas höher und steigt im Tell-esch-Schecha bis zu fast 1300 Meter Höhe ai». Das ganze La»»d zieht sich,, »vie ein Blick ans die Landkarte zeigt, langgestreckt an der Ostscite des Mittelländischen Meeres hin, und »renn auch die Ausnützung dieses Vorteils durch die geri»»gen Ausbuchtu»»gcn des Meeres und d»»rch das dadurch bedingte Fehle»» natürlicher Häfen verringert »vird, so ließen sich doch wenigstens die beide»» Häsen Jaffa und Haifa unschwer in g»»tc Häfen vertvandeli». Aber auch wir müssen »ms der »reuen Zeit würdig zeigen, wir müssen be- »veisen,. »vas wir in de»» Kulturländern Europas und Amerikas gelernt haben, »vir »nüssen versuchen, auch ftir den Oricirt die richtigen Bahnen zu finden »n»d zwar >»icht in einfacher Uebertragung »mserer Metoden dorthin, tvo sie ohne Berücksichtigung der Eigel»heiten des Orientes meist nicht anwendbar sind, »»nsere Aufgabe ist es vielmehr, die Vermittler der Kultur für de»» Orient zu sei»», i»»dc»n »vir die Errungenschaften der westlichen Nation dem Orient mundgerecht zu machen versuchen, indem wir die nötige»» Modifikationen zu finden suchen, die durch die eigenartigen Bedingungen des Ostens erfordert »verden. Diese Arbeiten können »vir natürlich von E»»ropa aus m»r leite»» und unterstützen, zur tvirklichen Erprobung und Ausarbeitung müssen wir urrs im Orient selbst wirtschaftliche Stützpunkte zu schaffen suchen. Landwirtschaftliche und technische Versuchsstationen in Palästina, das ist unsere Losung für die »»ächste Zukunft, n»ehr wert als grosse Kolonien, hoc signo vinces. Leon Chat ne: „Lea Catholiques Francais et leurs difflcultes actuelles.“ Fünftes Tausend. Paris. A. S torck L Cie., 16, rue de Coiide. Ein aktuelles Büch in des Wortes buchstäblichem Sim»e. Es leistet bei der Beurteil»»»»»; des »»»»»»»»»ehr zum dritten-, male aufgelebten D r e y f n s - P r o z e s s e s außerordentliche Dienste. Der Verfasser, eii» bekairnter schrlftstelle rischer Kämpfer für Freiheit in modernem Sinne, richtet ii» seiirem neuesten Werke seinen Angriff nicht gegen den Katholizismus, sondern gegen jene Katholiken, welche durch ihre nach Auffassung des streng katholischen Autors — unkatholische Politik, den Katholizismus selbst in Mißkredit brachte»». Dieser Nachweis ist dem geistreichen Verfasser glänzend gelungen. Bei der Be»»rteil»»ng des Verhaltens der Führer der sogenannten katholischen Bewegung in Frankreich muß _ M. C Hain e naturgemäß a»»ch auf die Judenfrage im allgemeine»» und die Juden Frankreichs im besonderen zu spreche»» kommen. Können lvir auch seine Airsicht über das Wesen des modernen Judentums und seiner Bestrebung»'»» nicht in allen Punkten teilen, so ist doch nicht zu verkennen, daß er das Material, das ihm vorlag, »nit Wohtlvollen und Sachkenntnis behandelt. Das Buch, welches sehr viel schätzenswertes Material über die Ereignisse der letzter» Jahre in Frankreich enthält, kann zur Lektüre bestens empföhle»» werden. —b. —sz. Ewgesendet. Zio»»istische Organisationen der Bezirke 12—15, Einzelverein Zion, Fünfhaus. — Gesangverein „Schir Zion", Fünfhaus. — Zionistischer Frauenuub Mädchenberein. — Jüdischnationaler Arbeiterverein. Purim-Feier —- K o st ü m - K r ä n z ch e n 3. März 1004 Prachtsäte Hotel Saboy, Wien, 6. Bez., Mariahilferstraße 61. Kein Kostümswang. Saaleröffnu»»g 8 Uhr. Beginr» 6 Uhr. ^allmusik von der Kapelle des k. k. Jnfant.-Regimentes Nr. 60 Johann Freiherr von Appel. — Tanzarrangeme»»t: Max Pick. Exckutip-Komitee: Moritz Grniibanm, Wien. 13. Bez., He,rriettc,»platz Nr. 7 (Einzel- Vereil» „Zion", Fü>»fhans). — Minna Baad, Wien, 15. Bez., Neubangürtel Nr. 20 (Zionistischer Frauen- und Mädchcnpcrein). — Anna Pick, Wien, 13. Bez., Mariahilferstraße Nr. 140 (Zionistischer Franc'»»- »wb Mädchenperseii»). — Sigmund Zollschan, Wien, 1b. Bez., Tellgasse Nr. 12 (Gesangberein „Schir Zion", Fünfhaus). — Philipp Porgcs, Wien, 14. Bez., Würffelgasse Nr. 4 (Gesangverein „Schir Zion", Fünshans). — Samuel Bock, Wie»», 13. Bez., Auhofstraße Nr. 222 (Jüdisch-nationaler Arbeiterperein „Zion"), — David .tzasterlik, Wie»», 6. Bez., Wind»ni»hle»gasse Nr. 39 (Indisch-nationaler Arbeiterberein „Zion"). Gruppc'n-Ailineldungc'ir sind an die Ka»»zlei des Exekutiv- Komitecs: Samuel Bock, Wien, 13. Bez., Auhofstraße Nr. 222,. zu richten. Erklär,» ng. Unter Bezug auf ein Plakat, das einen Rabbii»er der orihodoxen^ Gemeiilde in Wie»» nennt, erkläre»» »vir, dc»s; es in Wien gesetzlich nur eine Kulürsgemeinde gibt. Die Orthodoxen erkennen nur die Autorität des jeweiligen Rabbiners der Adaß Jisrocl (Schiffschnl), derzeit Se. Ehrivürdcn Herrn Nabbii»er S. Fürst in riinelleii Dingen an, was iiicbr ausschlicßt, daß auch andere Herren Rabbi»»er orthodox si»»d. Bernhard Hofbauer, Oblnain» des „Vereins zur Wahrung der Interesse»» des orthodoxe»» Jndeiitnms in Wien und Niederösterreich." W i e n . 15. Feber 1904. Wie Alan in Wien die Satzungen des Jndcntums vertritt. Im Monat November 1903 vereinbarte Sr. Ehrivürden Herr Rabb. Maycrsohn mit de»» Mazzot-Bäckern Herren Monath und Kleiner, 14. Bez., Rauchfangkel)re»'gasse 20, diese Erzeugurrg unter seine Altfsicht zu stellen. Das Ergebnis dieser Besprechung war, daß noch im selben Monat ein Zirkular erschien, welches in alle»» Ecken Wiens verteilt und plakatiert wurde, daß Herr Rabb. M. M a y e r s 0 h n wieder ettvas noch nie Dagetvesenes errungen habe. Mit großen hebräischen Lettern, sich als jüdische Größe »md in deutscher Sprache sich als erster Assessor des Rabbinatskollegiums ncimcnb, und sich als polnisch orthodoxe»» Rabbi»»er darstellend, wurden z»» Tansenden diese laut schreiendei» Exemplare an alle Glä»»bige»» verteilt, worin jedem ans Herz gelegt wird, sich nur an obige Firr»»a zu we»»den, „denn nur hier »st die Garantie für echt da selbst die Erzeugung des Mehles nnter meiner strengen Aufsicht stehr". Wie ans den Wolke»» gefallen war ich nun, als ich eine Warilnng in der „Oesterreichischen Woche»»schr»ft" vo»n 5. ds. kt§,. deren Wortlaut für den ersten Moment unbegreiflich und fast rätselhaft erscheint. Die A»iiio»»ce lautet: „W a r >» u 1» g. Ich bitte dara»»f z»» achten, daß die in der Mazzott-Bäckerei Monath ltnb Kleiner unter meiner Arrfsicht erzeugte»» Mazzott und Tries mit meinen» Siegel versehen sein sollen, da ich n»rr für die gezeichnete Wäre die Bcrar»tivortm»g für das Kaschr»»ß übernehme. Rabb. Mayersohn." Aus dieser Warnung »st folgendes unverständlich. Herr Rabb. Mayersohw'einigte sich schon im Monat November 1903 mit den Mazzott-Bäcker»» p»»nkto der koscheren Erzeugirng. Wenn schon damals die np-upsr, bei Sr. Ehrwürden Herrn Rabb. Mayersohn zur Ei»»sicht auflagen, wozu gehört dann die Warnung, daß nur für die »nit Siegel gezeichnete»» Pockete die Verantwortung für das Kaschrnß über»»ommer» wird. Was geschah also u»»d wie wurde voi» Dezember 1903 bis 5. Februar 1904 erzeugt, denn aus der Warnung ist zu ersehen, daß in dieser Bäckerei auch Mazzott erzeugt Ivurden, die nicht mit dem Siegel Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Mayersvhi» versehen si»»d. Diese Angelc'gcmheit ist ganz einfach zu beleuchten. Die Herren Monath nnd Kleiner erzeugten ohne Einwilligung des Herrn Rabb.M.Mayersoh»» ans cinei'.r gepolsterter»», »nit Leinwand überzogene»» Tisch die Mazzott, drohte ihiren Sr. Ehrw., da solcheErzenguirg laut jüdischer Voesch »ist nicht gestattet ist, mit der Entzichuilg der Aussicht n»»d Veröffentlichung in sämtlichen jüdischenZertniigen. Es blieb daher obbeiraiurtenHerren Bäckern »»ichts arideres übrig, als sich dern Willen Sr. Ehrw. z»l fügen nnd zu versuchen, die Mazzott auf einem mit Metall belegter» Tisch z»» erzcmge»». Bei der Arbeit aber erwies es sich, daß bei ihiren eine Erzeugung ans diese Weise eine Urrmöglichkeit ist. Jetzt stand Sr. Ehrw. Herr Rabb. Mayersohn ratlos da und dachte: Was tun? Die Aufsicht erteilte ich schon de»» Bäckern und dies ist auch schoi» überall publiziert, das läßt sich nicht inehr z»»rückziehen. Er blätterte daher in den Folianien, nicht aber int Talmud, sondern in seinem Verstairde nach, um einen goldenen Mittelweg zu finden. Urrd er fand ihn auch. Aber wie? Be» dem heutigen Zeitgeist u»,d Fortschritt kann »nan nnd m»»ß mm» sich ins Unvermeidliche fügen, dem» daß er auch dies versteht, beweist er damit, daß er den Mazzotibäckern erlaubte, ivas er früher verbot, auf einem gepolsterten, mit Le »»»wand überzogener» Tisch die Mazzott zu erzengei». W»»' fragen daher, z>» welchem Zwecke dient eigentlich die in der Wochenschrift erschienene Warirung? Sr. Ehrwürden Herr Rabb. Mayersohn ka»»>» vielleicht einige»» wenigen Jude»» in Wie,» Sa»»d in die Anger» stre»»e»», »»»s gcsetzestreuen J»»den aber nie. Unseres Erachie»»s inäre es schon höchste Zeit, dieser Spiegelfechterei ein Ende zu bereiten und der Wahrheit, so als früher beim Ehrw. Rabbinate der Wiener isr. Knltusgemei»»de, den Ei»»zug i>» Ehren halte»» zu lasser». Einer für alle. L. G. MMeilmrgen ans dem UndUlmm. Sell>stf«»hre»»des Pferd „Vorwärts". Das von der Wiener Fir,»»a L i n n e r & G c i c r, Wien, 17. Bez., Weidma»n»gasse 20, erfundene und patentierte Pferd „Vorivärts" hat bei der Messe in Leipzig Ivegen seines praktischen Wertes Aufsehen erregt. Hierüber schreibt das Berlitier internatior»ale Offerte»»blatt „Fachblatt für Kurz- »md Spielwnren-Jndrlstrie": „Das selbstfahrende Pfe»'ö „Bvr>värts", bei welche»»» bloß durch Scharikeln die Fortbervegrmg des Pferdes erzeirgt wird, verbi»»det bei völliger Sicherheit hygienische Vorzüge mit angenehllter Unterhaltung für Kinder »md hat viel Ankla»»g gefrurden. Kei,»o St»»l)lverstopf»»ng mehr! Dem Echt-Nürnbergor-Lebkuchen-Fabrikaniten H. Huß in Wien, 18. Bez., Lädenbirrg-; gaffe 46, ist es getungei», einen außerordentlich sclMackhaften Lebk»»che»» herzuftellen, durch dessen zeittveiliger» Ge »ruß ar» Stuhlverstopf»u»g Leidende, ob Kiirder oder Erwachse»»e, dabo»» sicher »uw^ schinerzlos befreit werden. Die Wirku»»g wird nicht!vie durch Purgier»»»ittc'l auf gewaltsame explosive Weise, so»»dern^ auf natü»'liche»>», mechai»ischen» Wege erzielt. Zur Probe iverden 1 Dutzend H»»h k u ch e »», um Kro»»e>» 3.— per Nachnahme versendet. Hriefkasten. Göding «nd andere. Anonyme persönliche Angriffe köniren wirnicht verösfe»»tlichen.

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