Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 5 (29.1.1904)
- Date
- 1904-01-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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l Lrd«ttonr U/s. LeopoldsgaM 49. G»,,chft»»»e»r Sn «ochentagen »on 4 br» 5 ahr «achmtttaaa pUMnfti mtanuM, mtm n s WafOfitntpm mtem Betritt et oder not nM>t etfotjt« Mellung rtöttten mit nt» dringend. - Mlumfrrvte teerte* Nicht »wiiffleftelW. »ßdßfprrrafitt-LdUt» 947087. In bol «bonnanm» kan« man tkglich etutrelen. mttrr MrrwtrMrn« drr vom tüvittrrn Vom» trmfct rrvMttrr, PrrfseomMrsfto». 8nf««tte übernehmen die Firmen-. g. Dauneberg. vk. Duker» Haasrn. Hein * Vogler, fhibolf «offe. «. Oppel«, «. Pozionyi, «. Schalei n> Wien, ferner alle Simoneen-Lrpedittonen im ßlußland«. Gi»zeL.R«m«er 1» Wie» I« Heller. »dminNrsttonr U/S. LeopoldsgaNr 49. Telephou-Nr. 14733 Abou«e«e«t-preiS: TelePhoN'Nr 14798 3äe «ien ». Oefierreich.Nsgarn lammt Francozustellung. . . Sr. 8.- . . , 4.- 9.— «anztährig «rtg l»«i0 Für bnS gelammte Ausland sammt Francozustellung. «r 10 - . , 5.— ... 1 9.50 Mir«. SS. Jänner 1904 (18. Scheint 5664). VI. Jahrgang. Nichts gelernt, alles vergessen! Das politische Leben des Donaureiches scheint auch in dem eben begonnenen Jahre in den alten, ausgefahvenen Geleisen sich abspielen zu wollen. Auf die Politik keines einzigen Volkes dieser polyglotten Monarchie kann der Satz Anwendung finden: „Die Geschichte ist die Lehrmeister! n der Völker." Im Gegenteil: Die Politik ber Wortführer nahezu aller Nationalitäten Gesamtösterreichs ist eine derartige, daß man mit viel mehr Recht sagenmiusz, sie haben aus der ganzen Entwicklung unseres Berfasfnngslebens nichts gelernt, aber alles vergessen. Man, spricht nun allerdings wieder sehr viel von einer deutsch^tschechischen Verständigung, aber daran zu glanben, dazu gehört ein sehr großer Optimismus. Es ist wohl wahr und wird« allgemein anerkannt: Der dentschj-tfchechische Frieds ist eine Notwendigkeit für das Reich und alle seine Völker, die wirtschaftliche Not und, die Unfruchtbarkeit des ParlamMtarisMu-s dräugen zum Begraben der nationalen Streitaxt, aber die E x i st e n zb e d i n g u n g e n der ch a u v i n istis ch e n K'liquen zwingen diese ebenst' zur F o r t s e tz n n g des N a - tionalitätenhaders, wie die Herren Schneider und Gregoaig zur Betätigung des Radau - A n t i s e m it i s m u s. Die vernünftigen und! modemen nationalen! Politiker der Dentschjcn und, Tschechien sind leider nicht zahlreich' und überdies haben sie bisher nicht, zur Abschüttelung der beiderseitigen Chauvinisten sich anszurasfen vermocht,. sie wollen noch immer nicht radikal brechjen mit allen hegLmonWschen Bestrebungen, und historischen Traditionen der Vergangenheit und unter demi Banner der nat to nale n A n t o n o m i e ernstlich die Bahn der nationalen- Verständigung betreim. Auf tschechischer und auf deutscher Seite dominieren gleichnräßig noch inuner die „StaatsrMler", und speziell die aHüicittfcf)erti Bläter mit dem. „Alldeutschen Tagblatt" und dem „Scherer" an der Spitze strotzen von cf} a u b inistischer U e b e r h e! & m n g und antisemittscher Gemeinheit. Es ist daher umso unverständlicher, daß die a f f i - rn i l a t o r i s ch e rti Woirtstihrer der Judenschaft undder sogenannten, „Jndenpresse" immer nur den christlichstlzialen Anti fern itisnNks sehen, aber für den viel zügelloseren d e u -t s ch nati o n a l e n blind' sind, sie sogar denselben, zeitweise als „freisinnig" (!?) zu bezeichnen, belieben. Genau so „freisinnig" wie die Alldeutschen sind bie Allpolen. Dieselben' sind im selben Maße R n t h e n e nwie Judenfresser und, die Heevesfolge, welche ein Feuilleton. Mohammed und die Juden. Von Dr. Julius Reiner (Berlin). Der Begründer dies Islams, Mohammed) hatte während seines Lebens vielfache, teils freundliche, teils auch feindliche Beziehung,cn.zu üeu Juden. Irr der ersten Zeit seiner prophetischen Laufbahn, als er noch mit dein Widerstande der heidnischen Araberstänune, die seine göttliche Sendung stark bezweifelten, zu kämpfen.' hatte, beniühte er sich, die Gunst und Anerkennung, der Juden, zu erwerben. Bei jeder Gelegenheit berief er sich aus Abraham, Moses und die Propheten,, er bewunderte ihre Größe, achtete bis zu ei neue gewissen! G rade ih re Anschauungen und ga b sich für eiiven. Ikachfolger derselben aus, deu, Gott den heidnischen Arabern, sandte. Ursprünglich, so behauptete der Prophet, wären die Araber gleich, den Juden, mit denen sie stammverwandt sind, echte Gottesverehrer, der Glaube Abrahauis lba,r auch den Glaube der Ahnen: Mohammeds, uu,d erlstj nn Lause dev Zeit sollen die Araber ihren reinen Glauben vergessen, haben' nnddem, Heidentum verfallen sein. .Nach dem gegenwärtigen! Staude der historischen Forschung ist es höchst wahrscheinlich, daß sich bicfei Behauptung Mohammeds mit der Wahrheit deckt. Aus vielen einzelnen Angaben bei griechischen, und rönüschen, Historiographen und ans Erkühlungen! arabischer Chronisten!, die allerdings späteren! Datums sind, läßt sich ein Bild der ältesten Religion! der Araber en'tw'erfen,, das donr Monotheisuuls der jüdischen, Patriarchen ähnlich ist. Teil der g a l i z i s ch e n Juden unter deur Spotte des „Deutschen Volksblatt" den Allpolen leistet, zeigt, daß die assnnilatorisch^üdischen Politiker in allen Teilen Oesterreichs eine gleich, bornierte Politik kultivieren. _ Eine neue polnische Partei soll in Galizien entstehen und es find bereits in dieser Richtung vertrauliche Verhandlungen im> Zuge. Die Firma der neuen Parteiorganisation soll „demokratisch-national" sein. Um das Zusta ndekominen' d erselben bem ühen sich! ei n t g e jüngere Abgeordnete, denen' die Parteidisziplin des Polenklubs m Wiener Reichs rate zu unbeguetu ist und! die sich eben itu folge dieser Disziplin nicht zu den, leitenden Stellungen ausschwingen können', sondern sich' mit der Rolle einfacher Kbmilitonen begnügen müssen. Mau neltnt die Abgeordneten Dr. Glombinski und Dr. Grek, von denen der erstere Universitätsprofessor undder zweite Advo'kat in Lenrberg ist, als die Hauptsterne der keiinenden Partei-. Beide unterhalten, seit jeher intime Bezichungein mit der sogenannten allpolnischen Fraktion, welche jediochi ihren 5kredit im Laitde ziemlich! einigebüßt hat. Darum hat es den' Aiu schein, daß die projektierte' Parteibildung vornehmlich' das Ziel verfolge, die allpoluisch-en, Theorien untar» anderer Marke ins politisch>e Leben Galiziens einzuführen,. Auch gibt es einige Fahnenflüchtige ans den Reihien der konservativen Schlachia, w!elche sich! in die neue „nationaldemokratische" Armee einreiheu trollen. Das ganze Projekt wird von der polnischen Presse sehr kalt, von mehreren- Blätteirir aber geradezu feindlich ausgenom,men, denn matt besorgt nicht mit Unrecht, daßdlasselbe nur neue Verwirrung im öffentlichen Lebeln des Landes Hervorrufen werde. . Ebenso unklug ist das Verhalten der jüdischen Politiker zur „u n g a r i s ch e n F r o. g e". Weil infolge des gegenwärtigeu' Wahlgesetzes die nragyarische Minderheit im ungarischen Reichstage allein inaßgebend ist, die nichtm a g y a r i s ch! e Majorität aber politisch ntundtvt ist, wird intnter nur' an die Magyaren gedacht, wenn von Ungarn und 'der „ungarischeu Obstruktion" die Rede ist. Nun steht aber auch die ungarische Wahlreform auf der Ta'gesordniung und' wir rechnen es r ü ck h a l t l o s dein M i n i st e r i u m T i s z a a l s V e r bien ft au, daß cs dieselbe auf Anreguntz der Kossuth,isten anf die Tagesordnung gesetzt hat. Welche Motive das Ministerium T i s z -CB und die K o ff nt hi st c n dabei gekritei haben, ändert an der Tatsache nichts. Dieselbe bleibt auch dann eine erfreuliche, lvenn sie nicht a.ussällt, wie wir sie wi'mschten, weil die .Reformierung dies imgarischon Wahlgesetzes wohl nicht die Lösung der uttgarischen' Frage, nicht die Entwirrung des ungarischetr. Chaos'bedeutet, aber ein b edeutende r S ch r i t ti auf dein Wege dazu. Es ist höchst wahvscheinilich!, daß die Juden in Arabien schon seit König Davids Zeillen sich niedergelassen haben, und Professor Dozy hat sogar uachzuweiseu versucht, daß nach dev Zerftöruttg des ersten Tempels zahlreiche jüdische Flüchtlinge in Arabien, eine zlreite Heitnat gefunden hätten!. Wie beim aber auch sei, so viel steht fest, daß kurz vor dem, Auftreten Mohamtneds in Arabien zahlreiche jüdische Kolonieir rrnd sogar ein unabhängiges jüdisches Reich exWerteir. Diese jüdischen Kolonisteir, die von ihren palästinensischen Brüdern sich in dein ältesten Zeiten trennten, haben auch eine von thitien ganz verschiedene Eniwicklnug dn.rchgemach>t. Wemt auichj der Ztlsamttünthang mit dem Stantntlande unter König Salomo, der Handelsbeziehungen' zu> Arabien unterhielt, nicht zu leugnen, ist, so haben aber in der Folgezeit die jüdischen Niederlassn'NgcN' in Arabien! eine von ihren palästinensischen Brüdern durchaus uuabhängige Entlvicktung durchgemacht, die in religiöser Beziehung eine große Verschiedenheit zwischen den arabischen' und palästiu-eltsischelr J!udeir zur Folge hatte. lleb-er die ältesten! Einlvohner Arabiens' steht gegenwärti'g so viel fest, daß sie Amalekiter, ein ammäß scher Statnm. des biblischen Volkes- E b o m, waren. Ans diese folgtendann die Jndeir, welche sogar eine Zeitlang ein eigenes nnabhängiges Reich hier bildeten!, dessen letzter König F i t j a n n in der ersten Hälfte des 6. Jahrh.nnderts n. Ehr. vom Araberhänptling M a l i k b e n a l' A g l a in getötet wurde. Sehr interessant sind die kulturellen Aufgaben, die votiden Judgir m Arabien! erfülltwurden. Sie waren es, die den Arabernin M edin a den Ackerban- und die Gartenanlagen beibrachten, auch die Gold-schmiedekunst, die da'mals bei den- Jn-deningroßer Blüte stand, lernten die Mag man was immer gegen das- Ministerium Tis za einwenden, eines muß man doch zugesteheN', daß er derzeit der einzige Mann ist, welchjer sich der t chanvlntz tischen Strömung in Ungarn entgegenstellt und 'dies auch dadurch bewies, daß er es ausdrücklich ablehnte, einen solchen Wahlgesetzentwurf dem ungarischen' Reichstage vorzulegen, welcher die politische Entrechtung der nichtmagyarischen Nationalitäten bezweckte. Eine solche würde nnr die uichtmagparischenl .Nätionalikäten zn Schritten treiben, welche für Ungarn und die Gesamtmonarchie! die größten Gefahren heraufbeschwöre-n würden undauch für die Juden sehr böse Konsequenzen! hätten. Die Fremdensrage in England. London, Mitte Jänner. Je näher die Zeit, heranrückt, in welcher die Fremd'enfrage das -englische Parlament zu beschäftigen haben wird, desto größere Ditniensionennimmt auch die Diskussion über die Frage selbst an. In meiner jüngsten Kovrespondenz habe ich schon darauf Hingewi esein, daß die Fremdenfrage, oder deutsch gesprochen, die Judenfrage auch in die Gerichtssäle in aller Form Eingaug> gefunden hat, und es mag für den UmsckMmg in England bozeichniend! sein, daß die Blätter mit Vorliebe Gerichtsverhandlungen registrieren, in welchen An jüdischer „Alien" der AngeklagLe ist, um, dann daraus je nach der Stellung des Blattes für oder gegen! die Fremdeneinwanderung Kapital zu schlagen. Es fohlt natürlich! auch nicht an Interviews und öffentlichen Rundfragen', denn dev Engländer geht in allen Dingeiu sehr exakt vor, er will die. Abgevrdnäen, die sich seinerzeit an der Debatte Leieiligen. sollen, mit genügendem Material ausrüsten. Ge-genwärtt'g zirkulieren in deN'hiesigen Blättern Auszüge aus einer Korrespondenz-, welch-e in der Fvemdenfrage zwischen Mr. I. E. Ncwport und« Mr. Chamberlain stattgefunden haben soll. Ain 11. Dezeinber schrieb Mr. Newport: „Jnsolange wir das Kapital und die Arbeit der Eingewanderten als fremdes Gut und fremdes Produkt betrachten werden, wird es um die Sache nicht besser stehen. Ich bin vielmehr der Ansicht, das; das „Hineinschleudern" fremden Kapitals nnd fremder Arbeit ebenso schuld sind an dem Ueberhandnehmen der Arbeitslosigkeit nnd der Armut -als das „Hineinschleudern" der überschüssigen Wertpapiere auf den Markt. Es fragt sich nun, ob ihre Politik auch irgend eine Formel voraussieht, durch welche diesem „Hineinschleudern" von fremder Arbeit und fremdem Kapital eine Grenze gesetzt ivird, was z. B. von B a l f o u r s Politik ^nicht behauptet werden kann,, da diese bloß daran denkt, die Einwanderung der besitzlosen Fremden einzuschränken." Araber vo-r/benfelbein!. Es herrjchße ein, gutes Elnverständuis zwischen! den. Juben und Arabenr, utubwir habensogar zahlreiche uud sichere B-elreise, daß sie uuteveinauder heiratetM-. Biiele Araber nahmen (das G e s e tz N o a h s an, was fr viel bodutet, daß sie sich, vom Götzendienst toßsagteni und sozllsagen! den Nährbodeu bildeten!, auf dom später Mohammed seine iuonokhei!st!ischen Bestrebungen zur Blüte brachte. Wie weilt die Verbrüderung der- Juden, miü den Arabern! ging, ist daraus zu erseheu-, daß sehr oft Juden mit heidnischen Arabern sich v-erbatideti!, m\i gegen eine jüdische Oase oder Kolonie -einen Feldzug zu, u-ntemehimn-, wodurch sie sich' gegenseitig sch-vächteni uind den Arabern zu ihrer Machtentfattntig vechalfen. Wir schon, auch in der Folgezeit (im 6. Jahrhnndert)', wie das jüdische Reich von, den Arabern, gänzlich' zerstört wird, nur einzelne zerstreut liegende jüdische Kolotiien haben ihre Unabhängigkeit beUwihrt undvon. -einer pakria-rchalischen- Regierung, gleich den anderen arabischen Stätnmen, sich reiten: lassen. Trotz der politischen Schwäche spielten die Juden in Arabien) als Mohmnimed au'ftrat, eine große Rlltlle. Wir kölm-en dasa:m besten: aus demi Verhalten des Propheten» selbst ersehen'. Er beinühte sich, die Guust der Inden zu eriverben-, um durch ihre Anerkennmig bei den- Arabern meh-v Gehör sich zu verschaifsen. Er leitete die Abkunft seiner stammverwandten- Araber von' Abraham her, um auf diese Weise eine gewiss« nähere B-eziehung zu: den Juden hcrzu.stellen. Er nahm sogar jüdische Sitten- und einen Tei-l des jüdischen Gesetzes an-, nur nur die AnerkenntMg der Jndeir, -die d-anti. auf die Araber rücklvirkensollten, zu -erwerben. Er berief sich^ nicht nnr bet jeder Gelegenheit anf die Schriften der Inden, sondern' er nabm> auchihren „Jom