Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1903-12-25 · 52 (25.12.1903) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
52 (25.12.1903)
Date
1903-12-25
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2432763-2432970-2433022--2235-2436079
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Wien, Freitag 24. Dezember 1903 Seite 6 Jndisehe» TplkabtaM. Nr. 52 eine Vertretung der isr. Kultusgemcinde M.-Ostrau u. zw. der Präsident Herr Dr. Alois Hilf, die Herren Kultusräte Moriz Krasny, Dr. Emil Ikeick, Ignatz Reisz, Josef Weißlitz und Dr. Max Beer erschienen tvaren. Eingeleitet wurde derselbe durch das Ma-Tautvoh- Gebet, welches von einem Männerchore gesungen wurde und Herr Kmrtor David Meisel aus M.-Ostrau gleich beim Beginne der Solo Adonoj-Uhavti uns durch seit: wohlgeschultes sympathisches Organ überraschte, tvorauf nun das Zünden der Chanukalichter folgte. Nachdem der Chor das Moaus-zur gesungen hatte, bestieg Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Spira die Kanzel. Der Redner beginnt die Rede damit, daß der Vorstand frohen Herzens erschienen sei mrd ist es wirklich ein erfreulicher Anblick, daß eine Hand voll Juden durch ihre Opferwilligkeit so ein schönes Gotteshaus errichtet haben. Es war dies nur möglich, dah einige begeisterte Männer keine Mühe und Kosten scheuten, um das Werk zu schaffen; ferner sprach der Redner über die Bestimmungen des Gotteshauses in Verbindung mit dem Chanukafeste. Irr formvollendeter Weise schloß der tüchtige Redner seine Predigt mit dem Wunsche, cs möge stets eine wahre Chanuka, eine wahre Weihe von diesem Gotteshailse ausströmen. Sodann verrichtete Herr Kanwr David Meisel mit Chorbegleitung in überaus glänzender Weise das Maarif-Gebet und ist es umsomehr zu bewundern, daß Herr Kanwr Meisel trotz seines jugendlichen Alters das Kantorale-Fach so innc hat und durch die ausgezeichnete deutliche Vortragsweise, sowie seine schönen Stimmmittel alle Zuhörer erfreute. So schloß nun der herrliche Gottesdienst und erlauben wir uns noch auf diesem Wege Seiner Ehrwürden Herrn Nabb. Dr. I. Spira und Herrn Kantor David Meisel für ihr ausgezeichnetes Wirken, sowie für das Erscheinen der M.-Ostrauer Kulwsgemeinde-Vertretung unseren innigstenDank auszusprechen. Nach dem Gottesdienste, wo sich dann die Vertretung der Kultusgemeinde M.-Ostrau und sämtliche Herrn, im anschließendem Sitzungszimmer zusammcnfcmden, hielt der Präsident Herr Dr. Alois Hilf eine Ansprache, in welcher er das Wirken des Zabreher Bethausvereines und insbesondere das des Herrn Ignaz Goldberger, der durch unermüdlichen Fleiß an das Werk der Tempelrenovierung schritt mrd schloß mit dem Wurrsche, die Zabreher Judenschaft möge arrch fernerhin das Interesse für ihren Glauben bewahren wie bis nun. Nagy-Szombat (Tyrnau). Um 5 Uhr abcirds eröffnete der Präses des Vereines „Achdusz", Fabrikant Herr S. Diamant, mit einer Begrüßungsrede, in ivelcher er auf die Bedeutung der Makkabäer im Vergleiche zu den jetzigen Juden hinwies, die Feier, welche als ein besonderes Ereignis für Dirnau zu betrachten ist. Dem Vereine „Achdusz", der sich das Ziel setzte, die hiesige Judenschaft zionistisch gesinnt zu machen, gehört das Verdienst, daß sich diese Feier so prächtig gestaltete. Nachdem der Präses seine Rede, welche enthusiastisch ausgenommen wurde, geschlossen, übergab dieser dem Oberkantor Herrn H. Abrahamsohn die Funktion des Anzündens der Chanukalichter. Der Männerchor „Schir Zion" des Vereines „Achdusz" feierte mit dem vortrefflich zum Vortrage gebrachten „Moausz zur" sein erstes Debüt. Hoffentlich wird sich dieser unser Zweigverein weiter entwickeln und durch Pflege jüdischen Gesanges und jüdischer Musik zur Hebung des jüdischen Gefühles der Tyrnauer Juden beitragen. Nach Absingung des Chors hielt Sr. Ehrwürden »err Rabb. Stein die Festrede, an welche sich die Deklamation des Gedichtes „Die Chanukalichter" von Morris Rosenfeld, vorgetragen von unserem wackeren Gesinnungsgenossen cand. jur. Hugo Matzner, schloß. Reicher Beifall war die Folge des großartigen Vortrages. Hierauf hielt Herr Eleazar Rokeach aus Palästina die Tendenzrede und behandelte besonders das Thema „Jüdische Renaissance". Klar und deutlich setzte er den 500 Zuhörern das Thema auseinander und kam zu dem Schluß, daß nur der Zionismus die Wiedergeburt des Judentums herbeiführen könne. Stürmischer, anhaltender Applaus begleitete die Ausführungen des Redners. Die Rede machte auf alle Anwesenden einen so mächtigen Eindruck, daß sich sofort 12 neue Mitglieder meldeten und weitere Neuanmeldungen zu erwarten sind. Der Verein, der farnn noch ein Jahr besteht, zählt schon 170 Mitglieder. Ein vom „Schir Zion" meisterhaft vorgetragener Schlußgesang beendete die solenne Feier, wie eine solche die Juden Tyrnaus hier noch nie gesehen haben. Für den Nationalfonds wurde eine Sammlung veranstaltet, die K. 40.60 ergab. Anstand. Das Urteil iw Kischenewer Prozeß. Kischenew, 18. Dezember. Um 5 Uhr nachmittags erklärte der Präsident die Plaidvyers als geschlossen; seitens des Gerichtshofes wurden 42 Fragen formuliert, die sich auf 37 Angeklagte beziehen. Die erste Frage beginnt: „Sind die Angeklagten schuldig, mit Vorbedacht, planmäßig und im Vereine mit anderen, noch nicht bekannten Tätern jüdische Häuser überfallen und geplündert zu haben?" Der Präsident erklärt nach Verlesung der Fragen, die Entscheidung werde'lange Zeit in Anspruch nehmen, da über jeden einzelnen der zahlreichen Angeklagten im besonderen geurteilt werden müsse. Kischeneiv, 21. Dezember. Heute abends 8 Uhr hat der Odessaer Gerichtshof in Anwesenheit des beßarabischen Gouverneurs Fürsten Urussow folgendes Urteil gefällt : Von den 37 Angeklagten wurden 25 für s ch u l d i g befunden, nach vorhergegangener Verabredung unter einander und mit anderen Personen, deren Schuld nicht konstatiert werden kanu, jüdisches Besitztum räuberisch überfallen zu haben. Von diesen 25 Angeklagten wurden zwei, gegen welche die Anklage auch auf Mord gelautet hatte, und zwar Girtschin, der Mörder des jungen B a r a n o w i t s ch, zu sieben Jahren, und M a r a t j u k, der Mörder Galanters, zu fünf Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Gegen zweiundzwanzig weitere Angeklagte wurde auf Einreihung in die Arrestanten-Kompagnie für ein bis zwei Jahre, gegen einen auf sechs Monate Gefängnishaft erkannt. Zwölf Angeklagte wurden freigesprochen. Die anhängig gemachten 48 Zivilklagen sind sämtlich unberücksichtigt gelassen worden. Die Gerichtskosten haben die Verurteilten zu tragen. Aus Kischenew wird berichtet: Es ist deutlich ein scharfer Umschlag in der Haltung sämtlicher Regierungsvertreter den Juden gegenüber bemerkbar. Von dem auffallenden und unfreiwilligen Umfalle des Gerichtsvorsitzenden ist irr den Berichten über den Prozeß bereits die Rede gelvesen. Diesmal handelt es sich um den neuen Gouverneur von Bessarabien, Fürsten Urussow. Am 8. Dezember hatte dieser eine Unterredung mit dem Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Dr. Mutschnik. Der Fürst war überaus freundlich und meinte, es müsse Frieden geschlossen werden. Er bat Mutschnik, die hervorragenderen Mitglieder der jüdischen Gemeinde zu bewegen, an dem üblichen Weihnachtsempfange mit ihren Damen teuzunehmen. .Mutschnik beztveiselte, ob besonders die Damen dazu zu bewegen seien. Nach drei Tagen brachte Mutschnik dem Fürsten einen negativen Bescheid und bemerkte dabei zu seiner Bertouuderung eine völlig veränderte Stirnmung beim Fürsten. Von Versöhnlichkeit war jetz! keine Rede mehr. Fürst Urussow hielt sich vielmehr für verpflichtet, mitzuteilen, daß die Haltung der Zivilvertreter tvähvend der Gerichtsverhandlung das Militär erbittert hätte, so daß er der Halung des Militärs im Falle einer neuen Judenhetze rächt sicher tvä»e. Ueberhaupt habe der Prozeß viel Unfrieden gestiftet. Es sei Las Schlimmste zu befürchten. Er körme die Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Ruhe nicht mehr übernehmen. Aus sicherer Quelle verlautet, daß der Chef der politischer, Polizei in Kischenew Sabarsirr einen ähnlichen Ausspruch getarr habe. Dah Urussows Sirmesänderuug spontan gekommen sei, erscheint ganz mrsgeschlossen. Eine andere aus Kischerrew kommende Meldung besagt, in Kischerrew werderr aus Airlaß des bevorstehenden Weihnachtsfestes neue Exzesse vorbereitet. Schon beginnt eine neue Panik arrszubrcchen. Als Gorwerneuc Fürst Urussow auf die Gefahr aufmerksam gemacht wurde, fragte er, was die Juden tun würden. Als die Antwort lautete: Sie lvürdcrr sich im äußersten Falle verteidigen, erwiderte der Fürst: Das Militär würde ihnen schtverlich zu Hilfe kommen. Der Stadtrat in RimeS hat beschlossen, der Straße Saint Bernard in Zukunft den Namen Bernard Lazare-Straße zu geben zur Erinnerung an unseren jüngst verstorbenen berühmten Glaubensgenossen. Der zweite ordentliche Parteitag der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands. Dieser Parteitag ist abgesehen davon, daß er von dem Anwachsen der Partei Zeugnis gab, deshalb bemerkenswert, weil, trotz aller Konzessionen, die der „Jüd. Bund" machte, n schließlich sich doch zum Austritte aus der allgemeinen sozialdemokratischen Organisation veranlaßt sah. Auf dem Parteitag waren folgende Organisationen vertreten: Ufa, Saratow, Moskau,' Petersburg, Kiew, Charkow, Ekaterinoslaw, Odessa, Krym, Nikolajew, Rostow, Baku, Tiflis, Batum, Tula, Twer; der sibirische Verband, der „Nordbund * und der Bergarbeiterbund; die Gruppen des „Südlichen Arbeiters", des Jüdischen Arbeiterbundes, des Verbandes der russischen Sozialdemokraten im Ausland, die Liga der russischen revolutionären Sozialdemokratie im Ausland, die Gruppe der „Jskra" und der „Befreiung der Arbeit". Außerdem wurde eine Reihe hervorragender Parteimänner zur Teilnahme am Partertag mit beratender Stimme eingeladen. Wichtig waren die Beratungen und Beschlüsse über das Verhältnis des Jüdischen Arbeiterbundes zur Gesamtpartei. Seit dem ersten Kongreß gehörte er nämlich dieser als autonome Organisation an und es hätte nun auf diesem zweiten Parteitage dieses Verhältnis einer Revision unterzogen .werden sollen, da der Bund, der unter den besonderen russischen Verhältnissen durch eigene Kraft zu einer in sich geschlossenen Arbeiterpartei herangewachsen war, sich durch die bloße Autonomie, noch mehr aber durch die immer stärker werdenden zentralistischen Bestrebungen, der russischen Genössest beengt fühlte und in ein föderatives Verhältnis zur Gesamtpartei treten wollte. Der'Parteitag lehnte jedoch die nationale Föderation, als im Prinzip für die Sozialdemokratie Rußlands schädlich, mit großer Stimmenmehrheit ab. Trotz dieser Ablehnung zeigte der Bund Entgegenkommen und stand von diesen Forderungen ab, dagegen verlangte er als einziger Vertreter des jüdischen Proletariats anerkannt zu werden und überall in Rußland, wo Juden wohnen, das Recht auf selbständige Organisation zu haben. Da auch das abgelehnt wurde, verließen die Delegierten des Bundes den Parteitag. Ebenso scheiterten die Einigungsversuche mit der einen Gruppe der polnischen Sozialdemokraten, mit der sogenannten „Sozialdemokratie des Königreichs Polen und Littauens". Wir hoffen, daß diese Haltung den „Bund" bestimmen wird, sich den bürgerlichen nationalen Elementen des jüdischen Volkes zu nähern, denn ein Klassenkampf innerhalb des Judentums angesichts der „Programme" auf Befehl einer hohen Regierung wäre mehr als Wahnsinn. Uever ein hübsches Stückchen russischer Willkür wird uns aus Minsk berichtet: Die jüdische Gemeinde in B o r i s o w, Minsker Gouvernement, besaß schon seit langer Zeit ein Krankenhaus, welches jedoch nicht mehr den hygienischen Anforderungen und den örtlichen Verhältnissen entsprach. Die Gemeinde beschloß daher ein neues, modernes Krankenhaus zu errichten. Nach großen Mühen wurden die hierzu nötigen 15.000 Rubel ausschließlich von Juden aufgebracht und als nach Verbrauch dieser Summe noch einiges Geld zur inneren Einrichtung des Hospilgls fehlte, brachten sie durch freiwillige Steuern — so schwer es ihnen auch fiel — auch diese Summe auf und., das langersehnte Krankenhaus stand fertig da. Nun ereignete sich der Zufall, daß das Armenspital der Stadtgemeinde einem Schadenfeuer zum Opfer siel und die Juden wurden aufgefordert, ihr neues Krankenhaus der Stadt provisorisch zu überlassen. Die Vorsteher des jüdischen Krankenhauses kamen diesem Wunsche nach, übersahen eS aber, die russischen Verhältnisse vergessend, die Bedingungen zugunsten jüdischer Kranker festzustellen. Dieser Fehler hat sich bitter gerächt, denn das Krankenhaus ist zwar seiner Bestimmung übergeben worden, aber jüdische Krake finden — keine Aufnahme. Dieses russische Kosackenstückel verspüren die Juden Borisows umsomehr, als jetzt in der Stadt eine epidemische Krankheit wütet und das städtische Hospital wird erst im Jahre —- 1906 fertiggestellt sein. Eine russische Lektion in einer jüdischen Schule. Der „Woschod" berichtet aus Kischenew: In der hiesigen jüdischen achtklassigen Mädchenschule hielt der Lehrer für russische Sprache und Literatur, Michael NikolajewitschOrlow, eine „Kapazität" auf pädagogischem Gebiete, seine Stunde ab. Es war gerade von HaramsinS „Vaterlandsliebe und Volksbewußtsein" die Rede. Nachdem der Kischenewer Pädagoge den Begriff des „Vaterlandes" definiert hatte, wandte er sich plötzlich an eine Schülerin mit der Frage: „Wer ist das Vaterland?" Als nun das Mädchen hierauf mit „Rußland" antwortete, wurde der Herr Lehrer wütend und brüllte außer sich vor Zorn: „Ihr seid Juden und Rußland ist nicht euer Vaterland! Alle ihr Juden seid j Fremdlinge, alle seid ihr Verräter und Feinde Rußlands. ' 85# der Juden sind Sozialisten — die Sozialisten sind! ein Uebel, ein Uebel bringt Schaden und was Schaden bringt, muß ausgerottet werden und die logischen Folgen davon sind — die Verfolgungen und Massacres." Wutschnaubend schloß dann der wackere Erzieyer seine Unterweisung mit dem logischen Ausrufe: „H aut s i e n ied e r, schlaget sie tot, diese Verräter Rußlands, sonst sind wir gezwungen, sie zu vertreiben und zu vertilgen." So hat ein russischer Volksbildnerin der jüdischen Schule aus der r u s s i s ch e n S ch u l e g e p l a u d e r t. Eine jüdisch-wissenschaftliche Stiftung. Wie aus Petersburg gemeldet wird, haben die Witwe und Sohn des verstorben Redakteurs von „Woschud", Adolf Landau bei der Petersburger jüdischen Bildungsgesellschaft „Mefizei Haskalah" den Betrag von 3000 Rubel mit der Verfügung hinterlegt, daß die Zinsen dieser Summe alle drei Jahre für ein Werk unter „die ökonomische, jüdische und kulturelle Lage der Juden in Rußland während des letzten Jahrhunderts" ausgegeben werden sollen. Das betreffende Werk mnß in russischer Sprach-übersetzt sein. Sollte über die obigen Fragen kein Werk eingereicht werden, so kann auch eine Arbeit über die „G e» schichte der Judenemanzipation im Auslande" prämiiert werden. Die erste Preisverteilung findet im Jahre 1906 statt. Der Verwaltung srat der jüdischen Kolonien in Rußland, hat in seiner jüngst stattgehabten Beratung für die Verwaltung des w e st l ich en Rayons der Kolonien pro 1904, zwanzigtausend Rubel präliminiert. Paris. Dem Brüsseler „Soir" wird cnis Paris gemeldet, es verlautet dort aus sicherer Quelle, daß sofort nach der Anordnung der Revision seines Prozesses seitens des Kassationshofes der Hauptmann Dreyfus, dessen Unschuld klar bewiesen ' werde, zum Schwadronschef befördert und einem Artillerie-Regiment, das in Südfrankreich Garnison hält, zugeteilt werden wirb: Aus diesem Anlaß stehe eine wichtige des Kriegsmimsters Andree zu gewärtigen. Den Nachweis der Unschuld vorausgesetzt, bedarf cs eigentlich keiner „sicheren Quelle", um diese Folge der Revision des Prozesses vorauszusagen. Die Kassierung Dreyfus'-. war.wie seine Verurteilung eine Folge der Annahme seiner Schuld; ertveist sich diese Annahme als falsch!,'so-fallen selbstverständlich auch ihre Folgen fort und unter ihnen die Ausstoßung aus pem Heere, und der Chargenverlnst. Dreyfus muß dann, mindestens ' mit dem Range reaktiviert werden, den er im Laufe regelmäßiger Beförderung inzwischen erreicht haben, würde, wenn er im Dienste geblieben.. wäre. Daß Dreyfus die Reaktivierung anuehnten wird, unterliegt nach seinen früheren Aeußerungen der Sehnsucht danach keinem Zlveifel, ebenso läßt sichaber voraussehen, daß er mit dem Wiedereintritt in die Armee bei der in den klerikalen, und nationalistischen Offizierskreisen gegen ihn herrschenden und durch eine unablässige Hetze genährten Auirnosität einer stürmischen Zukunft entgegengcht. Nom. Der friihere Kriegsminister General Ottolenghi -ist wieder zum kommandierenden General des ersten Armeekorps, in Turin ernannt. * Wiener Jüdische Toynbee-Halle, 30. Bez., Karajangasse 20. Samstag, 26. Dezember: Konzert. Sonntag, 27. DezemberuVor- ' lesung und Konzert. Montag, 28: Dezember: Dr. Josef Jerusalem: , Oesterreichische Versassungsgeschichte. Dienstag,. 20. '-Dezember: Diskussion. Mittwoch, 30. Dezember: Dozent Dr. Josef Pöllak: Hygiene. Donnerstag, 31. Dezember:'Dr. Stegm. Werner: Ein ' Jahr im Goluth. Freitag, 1. Januar: Bibclvorirag. Samstag, 2. Januar: Konzert. . Bücher-Emlaus. Ahron Marcus, Geschichte der jüdischen Traditio,rstehre. Vortrag, gehalten am 28. Oktober im Verein „Talmud Thora", Hamburg', Jungferustieg Nr. 40, Tucher-Haus. — Hamburg 1003, M. Leßmann, ABC-Straße 57. Ahron Marcus, Glauben »nd Wissen im Judentum. Vortrag, gehalten am 2. November im Jsrael.-wissenschaftlichen Verein zu Altona. — Hamburg 1903, M. Leßmann, ABC-Straße-57. 'Nach dem st e n o g r a p h i s ch e n Protokoll: Die Flondor-Affäre im Bukowinaer Landtage. — Verlag der „Bukowinaer Post". Mitteilungen ans dem Publikum. Ans der „Einsamkeit" von M. Sch er lag wurde das Lied „Sommernacht" von I. T e u t s ch e r in Musik gesetzt und -der Konzertsängerin Frau Prof. Franz gewidmet. Das Lied ist soeben in dem Musikverlag I. Bard u. Bruder, Wien, 1. Bez., Johannesg. 17, erschienen. Leicht verdauliches, Blut und Muskeln bildendes Nährprodukt, mit dem sich selbst der beste Kakao' nicht messen kan», ist der durch Fruchtsäure des Obstes, Eiweiß-Nährsalz uftv., Früchte- Hafer-Kakao. Dieser von der Finna Brüder Kunz erzeugte Kakao ist besonders für Länder und umgenschwache Personen bestens zu empfehlen. Näheres wolle man aus dem Inserat unseres Blattes ersehen. - Briefkasten. Eifriger Leser. Sie haben vollkommen Recht I Aus der Notig im „N. W. T." über den Grün Wald'scheu Antrag geht deutlich-' hervor, tvie viele Mühen es Dr. Bloch gekostet haben mag, um Grunwald ein. Plätzchen im „N. W. T." zu sichern. Zunächst mußte der Titel unverfänglich gemacht und das Wort „jüdisch" entfernt werden-. Ferner mußte die Kleinigkeit unterschlagen werden, dah Zw. Max Gr u n w a l d a u ch nebenbei Rabbi „ er ist. Und um den vor: der Wiener Israelitische,l Klkltusgemeinde vemn-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.