Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1903-11-20 · 47 (20.11.1903) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
47 (20.11.1903)
Date
1903-11-20
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2432763-2432970-2433017--2190-2436029
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 20. November 1903 Nr. 4G Stipendisten und 30 Ackerbaiizöglinge, die vom Verein nebst moralischer Fürsorge, B:kleid»v,t. AlimeutationSbeiträge und zum Teil auch Verpflcanng erda'ten. Ein jüdisches NalivnaNmus. Wie oft mich die Errichtung eines jüdischen??alio»aw.lnse-:- in Ezernolvitz angeregt und lnS inS kleinste Detail ösfeiulieti desveochen lnnede, viS jetzt ist die Angelegenbeit noch _ xiumcu uuh in ein ernsle^ Stadinu, getreten, lind ein solches National ban<> -rürde für die Organisation der Duden ganz treffliche Dienste lenren, da e-S einen Taminelpnnkt für die groste stalil der Vereine, abgebeii iriirde und geeignet wäre, die Pflege der Geselligteil, die für DrganisationSzlveeke nnningänglich notwendig ist, lvirtfain zu fordern, Falsäcylicb leisten die Nationalhänfer der anderen A'aiioualilälen unseres Landes in der Hinsicht diesen sehr wichtige Dienste, sin denselven nehinen die Führer mit dem^Volkc Fühlung, es loerden darin VolkSvlidnngStnrsc abgehalten, Turnhallen und Gesaiigskränzcbeii errichtet nsin. nsiv. ES ist nun tatsächlich beschämend, das; nur die Inden eines solchen HeiineS entbehren sollen. Die Rumänen, Rnthenen, Deutschen, Polen haben stndeu inaä-en ei; und Ausnahme und nicht hinaus. ihr NationalhanS. Aue die . kommen über schüchterne Versuche und Vorschläge ES wäre daruin hoeli an der steit, diese Frage ueuerli-.ü aber ernstlich in Erwägung zu ziehen, damit endlich auch ein jüdisches NalionatchauS errichtet lverde. Wir kommen auf dieses Kapitel tu einer der ■ nächsten Nummern noch zurück. Anertennung der jüdischen Rationalität. Wir haben seinerzeit iiber das Ergebnis der Aktion der jüdischnationalen Studentenschaft an fast allen Universitäten Oesterreichs behufs Anerkeunung der jüdischen Nationalität berichtet. Die Lemberger Sudenten wollen nun den Versuch neuerlich lvagen. Die dortigen jüdischen Universitätshörer veranstalten mn 3. November in der Aula der tlniversität eilte Versannnlnng lvcgen Anerkemtling der jüdischen?,'alionalitär^an der Lemberger Universität. Ein geringerer Teil der jüdischen Studenten erklärte, an dieser Versammlung nicht teilnehmen, zu wollen, da sie sich als »Polen jüdischer Konfession" mit den christlichen Polen eins fühlen. Jüdischer Volksverein. Gestern nachmittags wurde rn der israelitischen Volksschule die Monatsversammlung abgehalten. Abg. Dr. Strauch er referierte über die Vorgänge im Ländtage, und fanden seine trefflichen Ausführungen einmiltige stürmische Zustimmung. Es sprachen in der Versammlung die Herren Gemeinderäte Trichter, Krämer und Dr. Diamant, die alle dem öffentlichen Wirken Doktor Strauchers ungeteilte Anerkennung zollten. Mit einem solennen Dankesvotum für Dr, S t r a u ch e r schloß die schöne Versammlung. Anklage gegen einen Polizeikorporal. Wie dem „Naprzod" aus Stanislau berichtet wird, hatte sich dort am 16. d. vor dem Bezirksgerichte der Polizsikorporal Basel Grabowrecki wegen Übertretung nach § 308 des Strafgesetzes, begangen durch Brrbrsitung gefährlicher und beunruhigender Gerüchte, zu verantworten, weil er mehreren Personen gegenüber sich folgendermaßen geäußert hatte: „Wir werden tief in jüdischem Blute waten; es wird noch schlimmer sein wie in Kischenew. Die jüdische Herrschaft wird bald ein Ende nehmen." Auf Grund der Zeugenaussagen wurde Polizeikorporal Grabowieekischuldig erkannt und zu zwei Tage» strengen Arrestes verurteilt. Ausland. . Camille Pissarro einer der hervorragendsten Vertreter des modernen französischen Impressionismus ist gestorben. Wie kaum ein zweiter verstand er es, seinen Landschaften und Straßenbildern eine intensive Stimmung aufzuprägen, und keine der seinen und feinsten Nuancen des Lichtwechsels während der verschiedenen Tageszeiten war seinem Pinsel versagt. Effekte, wie sie vor ihm nie erreicht worden, erzielte er durch seine subtile Pointilliertechvik, und wie ein Rausch von Licht geht es von seinen Werken aus. All' die zarten Töne der aussteigenden Sonne, das Purpurrot, das Schwefelgelb, das Violett, die braunen und blauen Tinten des sinkendeu Gestirns, das grelle blendende Leuchten des Mittags wußte er mit Meisterschaft auf die Leinwand zu zaubern. — Camille Pissarro war am 10. Juli 1830 als Sohn jüdischer Eltern auf der dänischen Antillen.Jnftl St. Thomas geboren. In Paris wurde er ein Schüler Corots, und unter dem Einfluß Millets wandte er sich dann dem Studium des Landlebens zu, schilderte er die Bauern bei ihrer Arbeit, irr ihren Verrichtungen. Zu jener Zeit trat Edouard Manet mit der neuen Schule des Impressionismus hervor; in Si sl ey. C lande M ott et und Pissarro fand er bald begeisterte Anhäng-r, I die.auf seinen Wegen wandelten und das von ihm Gelehrte! emsig weiter ausbauten und fortentwickelten. —, Mit dem greisen Pissarro sinkt ein Meister in der Darm-Un-g des bnntbcwegteu, farbenfrohen Pariser LG-m« ins G^b. Mommsen über den Antisemitismus. Im Jahre 1693 veröffentlichte die „Deutsche Zeitung" ein Interview, welches Hermann Bahr mit Mommseu hatte unio das dem grosten Historiker Aulast gab, seine Ansichten Uber den Antisemitismus zu änstern. Wir zitieren I ans dem Interview die markantesten. Stellen: »Sie täuschen sich,! wenn Sie glauben, dast man da überhaupt mit Vernunft etir-aS [ machen kann. Ich habe das früher auch gemeint, und stnmer und J immer wieder gegen die ungeheure Schmach protestiert, welche Anti-.' semitismns heisst. Aber es nützt nichts. Es ist alles umsonst. j Wäs ich Ihnen sagen könnte, was inan überhaupt in dieser Sache . sagen kann, das find doch immer nur Gründe, logische und sittliche Argumente. Darauf hört doch kein Antisemit. Tie hören nur auf den eigenen Hast und den eigenen Neid, auf die schändlichen Instinkte. Alles andere ist ihnen gleich, Gegen Vernunft, Recht und Sitte sind sie taub. Man kann nicht auf sie wirken. Was soll man auch einem sagen, der dem „Rektor aller Deutschen" (Ahlwardt) folgt? Ter ist nicht inehr zn retten, Gegen den Pöbel gibt es feilten Schutz, ob es nun der Pübel auf der Straße oder der, Pöbel im Salon ist, das macht leinen Unterschied: Kanaille bleibt Kanaille und der Antisemitismus ist die Gesinnung der Kanaille.! Er ist lute eine schauerliche Epidemie, wie die Cholera, man kann ihn iveder erklären noch heilen. Maie must geduldig ivarten, bis sich das Gift von selber austobt nrid feine Kraft verliert. Und das! kann doch jetzt nicht mehr, so ferne sein. Vielleicht kommt jetzt langsam die Wendling zur attmälstichen Vesscrnng, Vefreimig lind Gesundung. Vielleichi verschioindet der Wahn, der so biete Geister betört iiiid unsere Kultur mu hundert Jahre znrnckgeworsen hat. Aber alle Gründe nnd die besten Argumente helfen da nichts. Wer Gründen nitd Argliiiieiiteii zugäiiglich ist, der kann ja überhaupt lein Antisemit sein. Wer aber nur seinem wilden Hasse gegen Bildung, Freiheit imd Menschlichkeit folgt, den iverden Beweise nicht bekehren." Christliche nnd jüdische Kunst. In Odessa wurde jüngst ein „Külistlerbund'' gegründet, der in seine Statuten auch einen Punkt aufnahm, wonach als ordentliche Mitglieder nur Christen ausgenommen werden können. Jüdische Künstler und Artisten dürfen nur als Gäste eingeführt werden, doch haben solche Gäste denselben Beitrag!zu leisten, wie die ordentlichen Mitglieder. Die jüdischen Künstler werden hoffentlich von dieser liebenswürdigen Gast-! freundschaft ihrer christlichen Kollegen keinen Gebrauch machen. | Russische Dörfer für die Juden. Die „Witeb. Gubern. WiedonwsU" melden, daß mehrere Dörfer im Wuelsker Gouvernement an das Ministerium des Innern ein Gesuch richteten, in welchem sie bitten, zu Städten erhoben zu werden, damit Juden in ihrer Mitte wohnen dürfen. In dem Gesuche heißt es ausdrücklich, daß die Juden für die Entwickelung des in diesen Dörfern bestehenden Handels von großem Nutzen wären, während Handel und Gewerbe, für welche die Vorbedingungen vorhanden sind, nicht vorwärts kommen wollen. Statistische Daten über die jüdischen Arbeiter in Nusstaiid. Die „Neue Lodzcr Zeitung" schreibt: Aus Grund statistischer Daten stellt sich die Zahl der jüdischen Arbeiter tu den Fabriken Rußlands lute folgt: In den nordwestlichen Gouvernements auf 22 279, tu den südwestlichen ans 97)96, in den südlichen auf 2058. Die Zahl der jüdischen Fabriken beträgt in den nordwestlichen Gouvernements 71 Prozent, in den südwestlichen 33,9 Prozent nnd in den südlichen 23,9 Prozent. Tie Produktion dieser Fabriken beträgt im Vergleich mit der gesamten Produktion in den nordtvestlichen Gouvernements 47,6 Prozent, in den südlichen 27 Prozent und in den letzten Gouvernements 10 Prozent. Die Gesamtzahl der jüdischen Ackerbaukolonien beziffert sich auf 302, die Zahl der Kolonisten beträgt 68 969 Personen, die zusammen ein Areal von 100.107 Dcßjatin einnehmen. Die Kischerrewer Judenmetzeleien vor Gericht. Die gerichtlichen Verhandlungen über die Kischenewer Judenmetzeleien beginnen am 19. November. Die Gerichtskammer des Odessaer Bezirkes wird zu dem Zwecke nach Kischenew kommen und etwa sieben Wochen dort verbleiben. Die Angeklagten sind in mehrere Gruppen gestellt, von denen jede besonders abgeurteilt werden wird. Einen Gesamtprozeß über die Kisctzenewer! Vorgänge wird es nicht geben, ebensowenig einen Prozeß! wegen Aufruhrs oder Landfriedensbcuchcs. Die Auge-- klagten werden wegen individueller Verbrechen abge- \ urteilt werden. Durch diese.Taktik ist verhindert worden, daß die Organisation der Exzesse aufgedeckt wurde und i die Leiter und Regisseure, die hinter den Coulissen standen, | cm die Rampe gezogen werden. Die Untersuchungs-' richter haben von Anfang an die Anweisung erhalten, in diesem Sinne die Vorfälle zn untersllchcn. Daher hat auch, wie die Anklageschrift besagt, die Untersuchung eine „Organisation nicht entdecken können". Eine Teilnahme von Vertretern der gebildeten Stände hat die Untersuchung ebenfalls nicht entdecken tonnen. Es lucrbeit nur einfache Le icke auf der Anklagebank sitzen, bedanernswerte Geschöpfe, die sich zwar wie wilde, beutegierige Tiere benommen haben, aber dabei aufrichtig überzeugt waren, daß sie dadurch zugleich Gott und dem Zaren eine Osterfrellde bereiten. Rechtsanwalt Lehmakow aus Moskau, ein beredter Autisemiteuführer, ivird die Angeklagten verteidigen. Die gerichtlichen. Verhandlungen, werden unter Ausschluß der Oeffeutlichkeit geführt werden. - Es wird wohl nur daS Urteil bekanntgegeben werden. Unter den Angeklagten befinden sich nur Christen,' alle gegen die Inden wegen Mordes vorgebrachten Beschuldigungen hat die Prokuratur fallen gelassen. Dies hat '‘"f "r Mißlands einen Entrü- Stellnngspflichtigeil im Nordwestgebiete ergriffen worden. Dort werden jüdische Stellnngspflichtige unmittelbar uach threr Assentierung für verhaftet erklärt, nach dem Gefängnis überführt und dann auf dem Schub in die Garnisonen befördert, ivo sie ihre Dienstzeit zn verrichten haben. Eine christliche Deputation in Wilna, cholche für die Aufhebung dieser grausamen Maßnahme eintrat, wurde kompetentenortS abgewiesen. Bukarest. Das Ministerium des Inner» hat Frnqeboqeu int alle Gemeinden gerichtet, die bezwecken, von jedem Dorfe eine möglichst ausführliche Monographie zu erhalten. Im heutigen „Monitornl Oficinl" wird mm der bisherige Erfolg der Enquete hervorgchobcn nnd an jene Gemeinden, die noch nicht ihre Berichte! cingefandt haben, eine Anfmunternng gerichtet. Diesen Gemeinden wird als Muster die Monographie der Gemeinde Bogdnneschti im Bezirke Tutovn, welche der dortige Lehrer verfasst hat, empfohlen. Diese Monographie schliefst mit oer Aufzahlung der Maßregeln, die zn ergreifen wären, um deu Zustand der Gemeinde zu verbessern. Es werden nnfgeztthlt: Ban eines SchullokaleS, Versorgung der Wege nnd Strassen, Errichtung einer Sparkasse nnd schliesslich Vertreibung der Inden ans der (gemeinde, ginn ist es interessant, zn erfahren, was eigentlich die Juden verbrochen haben. Man schlagt in derselben.Monogrnphie nach und findet, dast in der erwähnte,r Gemeinde ein Jude wohnt, der Kurzwarcnhändler ist. — Warum tft nun dieser Punkt in die sozusagen Mnstermonoqraphie eingeschaltet worden? Doch wohl nicht, mu die Verfasser sämtlicher anderen Monographien zn veranlassen, ihn aufzunchmcn, damit man dann ein Argument gegen die Inden habe? Jedenfalls ist es bedauerlich, dast solche antisemitischen Tendenzen von den offiziösen Blättern sogar in das offizielle Organ des Staates übergcgangen ist. Jndcnhctzcii ans hohen Befehl. Von bent Gouverneur Don Orjvl erzählen die Zeitungen folgendes ans Grund eines authentischen Aktenmaterials beruhendes Geschichtchen: Vom Wunsche beseelt, sich durch besonderen Eifer hervorzntnn und dabei natürlich von der allgeiueiueu Politik seines Gönners, des Ministers Plehwe, inspiriert, kam der Gouverneur ans die gescheite Idee, in dem ihm unterstellten Gonbernemcnt ganz auf eigene Hand eine Jndenhetze zu inszenieren. Zwar liegt das Gouvernement Orjol angerhalb des den Inden angetviesenen Rayons und zählt nur wenige Juden, aber der Gouverneur kundschaftete doch einen Cr; ans, in dem verhältnismässig mehr Inden leben; die Eisenbahnstation Dnbroivka (Kreis Brjansk). Er heckte dann folgenden Erlas; ans: D e m S ch u l z c n d e s D o r fe s . . . . Der Herr Gouverneur befiehlt dir, dich mit deiner (gemeinde mn 6. August in der Station Dnbroivka einznfindcn, tun den Inden ihre Habe abznnehmen, sie zu verprügeln nnd Braiitivein zn trinken. . Der G o n b e r n c n r. Dieser Erlast wurde durch einen Hilfsbeamten des Gouverneurs in die amtliche Druckerei des Gouvernements znm Satze gegeben; in seinem Beisein wnrd-en zweihundert Exemplare davon auch sofort gedruckt. Ter Beamte nahm sie an sich und am anderen Tage fand man die Blätter in der ganzen Umgegend von Dnbroivka ansgcstrent. Der Plan kam aber nicht zur Ausführung, da die noch., zur rechten Zeit verwarnten Inden allesamt sofort Dnbroivka verliesten.... Arbeitszwang für jüdische Handwcrksschüler an jüdischen Feiertagen. Wie „Kieivljanin" ans Berditscheiv (Rnstland) meldet, wurde vor einigen Tagen hier eine Handiverkerschnle eröffnet. Am Tage vor der Eröffnung zirkulierte in der Stadt eine Kundmachung, in welcher die jüdischen Eltern aufmerksam gemacht ivnrden, dast jüdische Schüler nur in dem Falle Aufnahme in die Anstalt finden, wenn sich deren Ettern s ch r t f t l i ch b e rp f l i ch t e n, dast ihre Kinder a n S a b b a t e n n n d j n d i s ch e n Feiertagen samt l i ch e A r b e i t e n u n g e st ö r t b e r - r i ch t e n tv e r d e n. Diese Verordnung hat unter den Inden groste Bestürzung hervorgernfen nnd zunächst zur Folge gehabt, daß kein einziger jüdischer Schüler die Anstalt besucht. in der antisemitischen Presse stungs sturm hervo rqern fen. P o l i t i s ch e M v r d e. In Rischni-Rowgorod und Pittsk wurden zwei russische Polizeingcnten, denen die Ueberwachnng der zum Selbstschutz gebildeten jüdischen Vereine «ufgetragen war, ermordet. Die Getüteten-waren selbst Juden. Der Körper des Pinsker Agenten war von dreistig Dolchstichen durchbohrt. Bon den Mördern hat man bisher keine Spur. Die neuen Maßregeln gegen die russischen Juden. Die telegraphisch gemeldete, vom russischen; Atinister des Innern getroffene Verfügung, wonach es kranken Juden nunmehr verboten ivird, nach Moskau zll kommen, um in den dortigeil Kliniken Aufnahme zu suchen, ist auf daS Verlangen des Generalgouverneurs j von Moskau, Großfürsten Sergius, zurückzuführen. Irr r dein Erlasse, welchen Minister v. Plehive.an die Gvtlvernenre im Reiche gerichtet hat,. wird ausdrücklich ge- * sagt: „Se. kaiserliche Hoheit der Geueralgouverneur von Moskau hat das Ministerium des Innern allfgefordert, Maßnahmen zil ergreifen, um die Zureise von kranken Juden uacl) Moskau, welche eintreffen, um ein dortiges Spital oder eine dortige Klinik anfzusuchen, zu! verhinderil." Sämtliche Polizeichefs haben nun den! Juden bekanntgegeben, daß die Reise kranker Juden nael) Moskau künftighin nur mit vorheriger Erlaubnis des! Moskauer Oberpolizeimeisters zilgelassen werden lvird. - DaS gegen, den Anfeilthalt kranker Juden in Palla ilnd, Umgebung erlassene Verbot tritt schau mit dem i. Immer 1904 in Kraft. Auch dieses Verbot ist auf die Wünsche! einiger Mitglieder der Zareufamilie zurückzuführeu, > welche in Palta und Umgebung Besitzllngeil haben unb dort den Winter zlizubringen pflegen. Eine noch ein* psindlichere Maßnahme ist jedoch gegen die jüdischen MitteUungen aus dem Publikum. Bei dem vom 27. bis 29. September d. I. stnttpefundenen zlveiten Friseurgeiwssenschaftstag, verbunden mit einer Ausstellung, wurde Herr Ernst .K raut Iv u r st, W i e u, 18. Bez.. Martiustruste 14, für feine äustest aeluugeueu p o r t r ä t ä h u l i eh e n B ü st e n des Königs Alepauder und der Köuigiu Drnga. m i t de r golden e u M e d a i l l e ciusgezeichuet. Wir verlreisen unseregeschätzten Leser auf das diesbezügliche Inserat. Elegante und dauerhafte Herhst- und Winterkleider für 7 fl. monatlich bekommt man am besten und billigsten bei Herrn Josef Abelcs, „Z u ur K l c i d e r k ü li i g",' Wien, 2. Bez., Dartviugasse 4. Näheres im Anküudiguugsteil unseres Blattes. Lemberg, beit 8. Oktober!903. Aufruf! Die Städte Zloczoiv und Mouasterzyska in Galizien und im September l. I. das Opfer einer verheerenden Feuersbrnnst geivorden. Viele Hunderte Häuser sind total niedergebrannc nnd Tausende der Inwohner sind obdachnnd brotlos geworden. Einst Ivohlhabende Familien verloren ihr gattzes Hab und Gut und sind jetzt auf die öffentliche Mildtätigkeit nnge'.vi 'sen. Viele Tansende Männer, Franen und Kinder lagern auf offener Straste nn'd leiden Hunger und Kälte. _ Die Not und das Elend sind nnbeschreiblich! Wohl hat sich ein lokales Rettultgskomitee zur 1 inderling. der angenblicklichen Not gebildet nnd auch in Leniberg wurde eine Sammlung eingeleitet, deren Ergebnis ein berhältniSinästig befriedigendes ist; allein alle diese HsifSlnittest als momentan auf Galizien angewiesen, sind viel zn spärlich, um die armeiy lmngernden Abbrändler nur mit dem täglichen Brot und der nötigen Kleideilig zn versehe». An einen Anfban der Häuser nnd an die Wiedererrichtung geirerblicher Epistenzea katm megesichts der inangelliden Mittet gar nicht gedacht Iverden. , . . Auch sind Geineiiideinstitiitiviien, wie daS jildistche Spital Nlld das AltersversorgnngShnns in Zloczow sowie die Synagoge in MonasterzySka zum Opfer der Flainiin'n gefalle». Die Mehrheit der Abgebrannten in diesen beiden Städten besteht anS Inden. Wir sehen »n-s daher veranlasst, an jüdische wohltätige Kwrporationeil und Verbände, sowie an alle. Glaube,lsgenossen zu appellieren nnd uns an die oft bewährte Opferwilligkeit edler Menschenfreunde mit der innigsten Bitte um Hilfe zn wenden! Schnelle Hilfe tut not! Jede Gabe möge der Allinäclstige tausendfach vergelten I Wir bitten, Ihre gütige Spende an die Adresse: „Israelitischer K >, l t n s g e m e i n d e - V o r st and L e in b e r g" zn richten. Für daö Hilfskomitee für die jüdischen Abbründler in Zloczow «„fr Monnsterziiöka. Der Vorsitzende: Dr. E m i l V y k.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.