Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 42 (16.10.1903)
- Date
- 1903-10-16
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches Volksblatt 16. Oktober 1903 Nr. 42 Fton, Freitag 70 000 FrcS., bfy HilsSvereines der deutschen Juden von 5,000 Mk., der Wiener KnltuSgemeinde Nun 2000 Kr., des Bankiers Harry Seligmann in Frankfurt a. Bk. von 5,000 Mt-, des BaronS Elvert v. Rothschild von 2000 KT'. u. a. m. ermöglicht wurde. Am 4. August fand die feierliche Einweihung des neuen Schulgebäudes statt, daS aus dem Erdgeschoß und zwei Stockiverkcn besteht. Das Erdgeschoß; enthält einen großen, geivölbteu, auf Säulen ruhenden Kindcrsaat und fünf A'ebeuräume. Im ersten Stoekiverk befinden sich zu beiden Seiten eines hellen Korridors neben Direkrions- und Lchrcrziminer vier Klassenräume. Bon hier führt eine breite Treppe ginn zweiten Stoekiverk hinauf, tvo lveitere drei Klassenzimmer und der bereits erwähnte Sehulfaal sind. Dieser, der größte und schönste Schulsaal in Jerusalem, faßt zirka 400 Personen. Die Decke ist mit ornamentalen Verzierungen in geschmackvoller Anordnung versehen, daS Werk deS SkulpteurS der Alliance-Schule. Eine schöne Aussicht auf die <:tadt und die umgebenden Berge erfreut überall das Auge. Die hvgienische Einrichtung ist eine vorzügliche. Den Vorsitz der Festversammlung führte der österreichisch-ungarische Generalkonsul Pogatschar. Ein zahlreiches distingiertcs Publlkum, darunter der kaiserl. deutsche Konsul Dr. Schmidt, der englische Konsul Mr. John Dickson. Rabbi Chajim Cljaschar in Vertretung seines Vaters, des Oberrabbiiiers von Jerusalem, der Schuldirektor Ephraim Cohn, Vertreter der Gemeinden und Anstalten, Schuldirektoren und Lehrer, christliche und mohammedanische Notable» hatte sich cingefuudeu. Ansprachen der Herren Pogatschar, Dr. Schinidt, Eljaschar und Ephraim Cohn feierten das Andenken der Gründer der Schulen und ihrer Wohltäter und priesen die Schule als Pflanzstätte für Religion und Kultur. Zum Zeichen der Huldigung für Se. kais. und fön. Majestät, deren Negierung der Anstalt seit fast einem halben Jahrhundert ihren Schutz angedeihen läßt, tvurde die Voltshymne angeftinnut. (Orig.-Ber. des „Jüd. Volksbl.") Agram, Ende September. Kroaten wandern nach Amerika aus. Die Zahl der Auswanderer übersteigt das Hundert pro Woche. Das ist eine traurige Tatsache. Es wird nicht mehr lange dauern und Chicago wird mehr Kroaten hoben, als Agram. Die Gründ'e der Auswanderung sind wirtschaftlicher Natur. Die überwiegende Mehrzahl der Auswanderer zieht aus dem Küstenlands und den kroatischen Komitaten aus. Vereinzelte Fälle nur aus Slavonien. Die Bevölkerung wächst. Industrielle Unternehmungen gibt es sehr wenig. Der Boden nur teilweise wirtschaftlich auszunützeu, Handel und Verkehr minimal. Die Arbeiter ungeschult. Nach Arbeitskraft wenig Nachfrage, großes Angebot. Das kroatische Kapital in toter Hand. Anders die Verdältnisie in Slavonien. Fruchtbarer Boden. Intensive Bearbeitung. Reger Handel, großer Verkchr. Flüssiges Kapital. Beide Teile des Königreiches haben eine gleich günstige geographische Lage. Richtiger könnte man Kroatien noch eine günstigere zusprechen. Hier Oesterreich, Ungarn, Bosnien und das Meer. Dort Ungarn, Bosnien und Serbien. Die Kroaten aber finden aus Bequemlichkeit für ihre Mißwirtschaft keine anderen Gründe als — die Juden. Die gesamte kroatische Presse — die serbische reicht ihr hierbei hilfreich ihre Bruderhand — klagt über den übergroßen Einfluß der Juden, wie auf wirtschaftlichem so auf politischtiu Gebiete. Durch die Ausbreitung dieses fremden Elementes steht zu befürchten, daß binnen kurzer Zeit Kroatien ohne Kroaten dastehen werde. Wer ist schuld? Wen soll man da verantwortlich machen? Antwort bekannt. Der größere Teil der Juden wohnt in Slavonien. Vom kleineren Teile wohnen die Meisten in den größeren Städten. Insgesamt nicht Fin ganzes Perzent der Einwohner Kroatien-Slavoniens sind Juden. Etwa 20.000. Aus Kroatien, wo nur wenige Juden wohnen, wandern die Kroaten aus. Aus Slavonien, wo die meisten Juden wohnen, wandert man nicht aus. Wie es denn aber immerhin sein mag — der Jude ist schuld. Man kann da in der kroatischen Presse recht komische Ermvände finden. Der ganze Handel liegt in jüdischen Händen. Die Straßen in den Städten sind schon nicht mehr kroatisch. Lauter G l ü ck's, B e ck's, Klei n's, Krau s', dann die — B a u m's — Z w e ig's — H e i m's rc. Die Juden sind mit nichts, höchstens mit alten Hosen, zu uns gekommen. Binnen kurzer Zeit sind sie zum Wohlstände gelangt. Die Kroaten sitzen schon Jahrhunderte auf ihrem Boden und haben das nicht erreicht. In allen Stadien, wo viele Inden wohnen, blüht der Handel, hebt sich der Verkehr. Die Industrie schreitet fort. Liest man kroatische Blätter, möchte man glauben, alle Juden in Kroatien seien zumindest Millionäre und es gebe keinen einzigen reichen Kroaten. Außer dem Handel betreiben aber die Juden auch Gewerbe und sind tüchtige Oekonomen. Auch in diesem Kostüme gefallen ihnen die Juden nicht. Durch ihre Nüchiernheit, Fleiß und Unternehmungsgeist schlageu die Juden ihre Konkurrenten leicht aus dem Felde. Der praktische Landwirt nützt jede Gelegenheit aus, sucht sich billige Arbeitskraft und einen teueren Markt. Abgesehen davon, daß der Jude seinen staatsbürgerlichen Pflichten in jeder Weise nachkommt, wie viele Kroaten leben vom jüdischen Handel, wie viele kroatische Arbeiterfamilien finden in jüdischen industriellen Unternehmungen ihren Lebensunterhalt. wie viele kroatische Bauern haben als Pächter jüdischer Oekonomen ihr anständiges Anskoinmen, wer vermittelt den Waienumtausch, wer kauft altes Eisen, alte Hosen rc.? Ja und dann fahren die Juden nach Monte Carlo und verspielen dort das kroatische Geld, wofür sich der Kroate gerackert und geplagt. Plötzlich sahen die Kroaten die Gefahr, die ihnen von den Juden droht. Es ist aber beileibe nicht das kroatische Volk. Es sind Schreier und Hetzer, die auf diese Art in der Politik eine Nolle spielen wollen. Diese bedienen sich eines allbeliebten Mittels, des Prügelknaben: Juden. Die kroatische, klerikale, antisemitische, oppositionelle, fortschrittsfeindliche Partei will das kroatische Volk retten. Sie weist auf den Juden hin. Der Jude hat unseren Handel, der Jude hat unser Kapital. Ec hat unser bestes Land. Er ist unser Feind, weil er die Negierung unterstützt, die unsere Juteresien nicht wahrt. — Die kroatische Regierung ist liberal. Haben da die Juden eine Wahl, wen sie unterstützen sollen? Seit kürzester Zeit kann 'man bemerken, daß auch die liberale oppositionelle Partei, die reine Rechtspartei, langsam und langsam in dasselbe antisemitische Fahrwasser geraten ist. Man warf ihr vor, sie fördere jüdische Interessen. Sofort wird reines Wasser angeschafft und man wäscht sich die Hände in Unschuld, indem man in gleicher Art über die Juden schimpft. Das den Juden gegenüber liberale Organ des getauften Juden Dr. Frank kann sich nicht besser verteidigen als — ebenfalls antisemitisch zu sein.! Die Juden Kroatiens teilen sich in drei Lager: in kroatische Juden, in getaufte und noch nicht getaufte jüdische Kroaten. Die Antisemiten machen natürlich keinen Unterschied.! Sie sehen alle Inden zu hoch, zu reich, zu stark. All dies auf j Kosten des kroatischen Volkes. Sie sehen darin ihre alte | Sünde, die sie jetzt schwer zu büssen haben. Sie ziehen hie-! bei die patriotische Aufopferung der jüdischen Kroaten nicht in Rechnung. Zur Verherrlichung des kroatischen Heimes in Essek, fuhren z. B. jüdisch-akademische Kroaten auf einem Wagen, der mit sechs Ochsen bespannt war, durch die Strassen. Die Bilanz, die die Kroaten ziehen, weist auch dadurch Fehler auf, daß sie die Namensänderungen nicht berücksichtigen. Ferner nicht die Folgeerscheinungen, die eine Namensänderungsbewilligung fast kraft zwingender Logik nach sich zieht: die ans diesem Anlasse zu kroatisch-patriotischen Zwecken freiwillig gespendeten Gelder. Diese aufopferungsvolle, patriotische Tätigkeit der jüdischen Kroaten ist nicht in Rechnung gezogen. Die wirtschaftlichen und politischen Ursachen für die gegenwärtige Lage der Kroaten werden nur infoferne berücksichtigt, als man für dieselbe die Juden verantwortlich machen kann. Ihre heutige Lage sei nichts als eine notgedruugeue natürliche Konsequenz ihrer alten Sünde, die sie durch ihre Liberalität begaugen haben. Sie gestatteten vor nicht langer Zeit die freie Einwanderung der Juden und gewährten ihnen volle bürgerliche Freiheit. Wie sich die Deutschen und besonders die Serben in Kroatien verhalten, sehen die Kroaten nicht! M. Lederer. Eingesendrt. Jüdische Kommilitonen! Unser Ansuchen um Anerkennung der jüdischen Nationalität wurde von Seite des Wiener akademischen Senates mit dem Bescheide beantwortet, daß es der jüdischen Studentenschaft niemals verwehrt gewesen sei, „innerhalb der Grenzen der akademischen Gesetze ihren Anschauungen in Bezug ans ihre Nationalität Ausdruck zu geben". Im Sinne dieser Erledigung unseres Ansuchens hat die Vertretung der Zionistischen Studentenschaft beschlossen, eine Aufforderung an die gesamte jüdische Studentenschaft Wiens ergehen zu lassen, schon im kommenden Sommersemester die Rubrik „Muttersprache" beziehungsweise „Nationalität" iin Nationale mit „jüdisch" auszufüllen; denn nur ans diese Weise können wir, im Nahmen der akademischen Gesetze verbleibend, verhindern, das; ivir gegen unseren Willen, unter Zugrundelegung der in unserem Falle nicht ausschlaggebenden Muttersprache anderen Nationen zngezählt werden. Jüdische SiominiUfoncn! Diesen Schritt müssen ivir unternehmen, wollen ivir nicht auf halbem Wege stehen bleiben. Was wir von euch verlangen, ist nur ein weiterer notwendiger Schritt unserer ans Grund der Massenversammlung vom 27. November und 4. Dezember 1002 cingeleitcten Aktion. Jüdische Kommilitonen! Wer von der Wichtigkeit dieser Aktion überzeugt und durchdrungen ist, ivem die berechtigten Forderungen unseres Volkstums am Herzen liegen, wird uns auch jetzt folgen, um den akademischen Behörden auch fernerhin durch die numerische Stärke 'unsere Solidarität in dieser Frage zu bciveisen. Jüdische Kommilitonen! Wir setzen unser vollstes Vertrauen in eure lleberzeuguiigstreue I Vereinigung jüdischer Hochschüler „Bar Giorn", „Var Kochba", „Erez Israel", „Leo Pinsker", „Theologin", Jüdisty-akad. Verbindung „Kadimah", „Jvria", „Unitas", „Libanonia", Makkabaea", „Vereinigung Zionistischer Hochschüler." Aufruf! Wygoda bei Dolina, 5. Oktober 1903. LöblicheNedaktiondes„JüdischeSVolksblatt" Wien. Ju der Nacht vom 4. auf den 5. d. M. find in unserer Gemeinde 30 Häuser einem verheerenden Feuer gnm Opfer gefallen, wodurch eine große Anzaht armer jüdischer Bewohner, zumeist Mitglieder unseres Vereines, aufs schwerste betroffen und geschädigt worden sind. Auch ist uuser vor vier Jahren ueuerbautes Bethaus, sowie unser rituelles Dampfbad ein Raub der Flammen geworden. Wir zählen leider 260 Seelen (darunter 125 Kinder) zu den obdachlos und drodlos gewordenen Opfern der Brandkatastrophe, die heute aller Habseligkeiten entblößt, zum großen Teile im Freien kampieren und zunächst ausschließlich auf die öffentliche Mildtätigkeit angewiesen find. Das Elend unserer hart betroffenen Glaubensbrüder ist groß, der Jammer unbeschreiblich. Obwohl die hiesigen Jndustrial-Verwaltungen und Gesellschaftskreise zur Linderung der Not alles ausbieteu, was in ihrer Macht ist, muffen wir der cingeleitcten Hilfsaktion doch weitere Grenze» ziehen und gestatten uns auch an Sie die herzhafte Bitte zu richten, durch Veröffentlichung eine- Aufrufein den Spalten ihres geschätzten Blattes und anderer gleichgesinnter Orgarre, eine Sammlung für die Verunglückte« gütigst einleiten zu wollen. Wir glauben annehmen zu dürfen, daß unser Appell an den oft bewährten Wohltätigkeilssin» ihrer Loser nnd Anhänger uicht wirkungslos verhallen wird und bitten Sie, eventuell einlangeude Spenden an den ergebenst gefertigten Verein gütigst überweisen zu wollen. Die Not ist groß. Die geringste Spende, die ei«fließt,! dient dem gottgefälligen Werke der Mildtätigkeit und Nächstenliebe. Hochachtungsvoll „Verein AgndaS Achim Wygoda". H. Schwarz, Sigmund K v r n g u t, Sekretär. Obmann. KirltirS-Bakfchisch. Bei den letzten Kultuswahlen war ein Kampfruf der Opposition: „Beseitigung aller Korruption, allen Geschenkenehmkus aus dem Gemcindeleben. * Die Machthaber waren tief entrüstet über so ungerechten Vorwurf, haben jedoch zugleich allen Kultusbeamten und -Bediensteten das Verbot des Geschenkenehmens eingescticirft, vor allen Herr Ritter v. Pollak als Obmann des Friedhofskomitees. Dieses Verbot scheint indeS keine nachhaltige Wirkung gehabt zu haben. Mir wenigstens ist ein Fall bekannt, wo zu Jomklppur beim Seitenstetteutempel ein Diener, der die Frauen nur gegen Karte einznlassen hatte, einer mir dem Namen nach bekannten Dame und ihrer Tochter gegen Darreichung eines Zweikronenstttckes sogleich die Pforten zum Heiligtum öffnete. Zur Beschönigung seiner Handlungsweise vor den außen Harrenden rief der Diener noch nach: „Ja, ich weiß schon, Sie haben Ihre Karte zuhause vergeffen, ich kenne Sie ja. Gehen Sie nur hinein!" Dem armen Teufel soll nicht wehe geschehen, trägt er ja nur ein Drittel der Schuld. So tief eingewurzelte, durch jahrelang vom Vorstand und vom Publikum geduldete Uebelstände lassen sich uicht auf einmal ausrotten. Der Kultusvorstand aber soll wissen, wie er daran ist und unentwegt auf eine Sanierung hiuarbeiteu. Von der kapitalisierten Summe solcher Bestechungsgelder hätten gewiß schon einige Tempel erbaut werden können und die Platzuot wäre behoben. Hochachtend Dr. E. M. Zweig. Wien, IX., Berggasse 20. * Towarzyatwo zyd. akad. „Vcritas* w Stryju. Daß Resultat der für das Wintersemester vorgenommenen Wahlen ist: Präses stuck, jur, Wolf Bd)moxat, Aizepräses «tun. jur. Heinrich Landesst e r g, Schriftführer »tun. jur. Leon Lauser, Kassierstuck, ju^. Jonas Becher, Biblioihekar stuck, jur Herman Herzig. Als Stellvertreter: H. D a m in, D. Eckstei n. Als Kassarevisoren: D. H. R o s e n b er g und A. Herschdörfar. * Theorie und Praxis. C z c r n o iv i tz , 8. Oktober 1003. Löbliche N e d a k t i o n I Am Ncnjahrsfeste war es, da hielt einem althergebrachten Usus folgend Oberrabbiner Dr. R o s e n f e l d eine Predigt an daS jüdische Volk und diesmal drückte ein ganz besonderes Ereignis seinen Worten den Stempel ans. Eine verachtungswürdige Schar junger, kaum den Kinderschuhen entwachsener Gesellen hat —■ wahrscheinlich um Karriere zu macheu — dem Judentum den Rücken gekehrt. Mit der ihm eigenen Eloquenz drückte der Oberrabbiuer auf der Kanzel seine Mißbilligung über eine derartige Masseutaufc ans und richtete mahnende Worte au die Jungen und Alten. Wer diese ioarmeu Worte hörte, mußte in Heller Begeisterung entflammen — und auch aus mancheur Auge sah man eine nasse Träne fließen. Kurz darauf ist in den Annalen der Geschichte der Czeruowitzer Kultusgemeinde ein Ereignis berzeichuet worden, das, mit dein genannten Vorfall in Zusammenhang gebracht, den Dingen eine ganz andere Wendung gibt. Jüngst starb nämlich daS 16 Monate alte Knäblein des hiesigen Mühlenbesitzers M a n n h e i m e r. Dasselbe ivar, obwohl von jüdischen Eltern stammend, dennoch nnbeschnitten; und jeder Jude weiß, daß ein nicht beschnittenes Kind, wenn es auch noch so fromme jüdische Eltern hat, nicht als jüdisch gelten kann, iveil es nicht i n b c'ii Bund ber Silben ansg e n o m IN e n ist, insolange es nicht beschnitten ist. Erst durch die Beschneidung erfolgt die Aufnahme in den Bund der Juden. Dessenungeachtet nahm unser Obcrrabbincr an dem Begräbnisse dieses nnbeschnittenen Knäbleins mit dem bekannten nnd gewöhnlichen Pomp teil nsiv. — anstatt, wie es seine Pflicht war, zu verhindern, daß das Kind ans dem jüdischen Friedhof beerdigt werde. Daß ein deraickigeS, geradezu provozierendes Anstreten des Rabbiners in sämtlichen jüdischen Kreisen Unwillen hervorgerufen hat, ist selbstverständlich. Heißt es ja doch allgemein, ein n n b e s ch n i t t e n e s Kind jüdischer Eltern i st sozusagen zur Taufe prädestiniert. Wenn nun daS Oberhaupt der Jndenheit für das „Nicht Beschneiden" geradezu — ivir möchten sagen — Reklame macht nnd — für Geld — seine religiöse lleberzengung nnd Glnnbenstrene verkauft, was sollen dann diejenigen sagen, ivelche eine religiöse lleberzengung — die sie übrigens nicht haben — nicht um Geld, sondern um ihre Existenz, um ihre Zukunft anfgeben? Wenn dieser Schritt der überzeiigimgs l o s e n Jünglinge allgemein verdammt wird, in welchem Maße verdient dann die Handlungsweise des Dr. Rose »feld mißbilligt zu werden, eines Mannes, der für alle Ewigkeit versorgt ist, nnd dazu auch noch ein hübsches, jn beträchtliches Privaivermögen besitzt? Wenn ein solcher Mann um ein paar Gulden für den jüdischen Glauben derart widersprechende Sächelchen, Propaganda nnd Reklame macht, so begeht er — gelinde gesagt — eine Sünde an sich und seinem Gewissen. Viele Czeruowitzer lverden sich noch erinnern, daß ein ähnlicher Fall unter der Patronanz des seligen Rabbiners Dr. Jgl vorgelommen ist, daß dieser Mann aber keineswegs seine Hand dazu bieten Ivvllte, die Bestattung eines Unbeschnittenen ans dem jüdischen Friedhofe znznlassen. Mit aller Macht —i wie es seine Pflicht Ivar — hat er sich dagegen gesträubt und es auch dnrchgesetzt. Jn einem Graben in der Nähe des Friedhofes wurde über Verfügung deS Rabbiners I g l ein Unbeschnittener bestattet. Und es gehört sich auch so -— als abschreckendes Beispiel. Im übrige» sind wir überzeugt, daß sich auch Dr. N o s e u f e l d geradeso verhalte,i häüe, wenn es sich um — einen Arme» gehandelt hätte. Angesichts dieser Tatsache kommt den Czernowitzern die Begeisterung nnd Schneidigkeit des ObeirabbiuerS am Neujahrsfeste geheuchelt — um nicht zu sagen komisch — vor. Eine derartige Verletzung des religiösen Gefühles muß in der ganzen Jndenschaft den' schärfsten Protest Hervorrufen. So schauen bei nnserem Dr. Rosen feld die „religiösen Grundsätze" in der Theorie und Praxis ans. Ignatz F i n k e l st e i n. Die seit 185,9 bestehende Fabrik R. Rigl u. Comp., Wien, 2. Vez., Fran.zeilsbrückeustrnsie 20, empfiehlt Betten in jedem Genre zu den billigsten Preisen. Wir verweisen unsere Leser auf das heutige Inserat in nnserem Blatte. Nene und überspielte Klaviere zu den billigsten Preisen lieefrt die renommierte Fabrik Brüder M i k u l a, Wien, 0. Vez., Währingerstraße 08. Daselbst lverden auch Klaviere auf bequemste ZahlungSiveise geliefert. (Siehe Inserat auf der ersten Juseratenseite, unten.)