Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1903-09-15 · 39 (15.9.1903) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
39 (15.9.1903)
Date
1903-09-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2432763-2432970-2433009--2113-2435944
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

38 * beeid. > Patentnnwalt mtlber dem Patentamts int s starkem sing. Dieso entltzt als dieselben u. poliert, . . K 4.- . . „5.- . . ,7.- . . ,6.- gratis und eur-Ateller is$e 80 i! les und; e n tsufifi S rtare liffe ieselben mismus omatisch. lassen. Für die -ändern;se 29 424 ich. adet 1871 illeur bis zur 407 I 432 schäften, gnriseber — Autt" •ü I 90. Ilt in Lrd«rtton: ii/3. Lropoldsgaffe 49. •twedkfbntiettt S« Wochentagen von 4 btt 5 Uhr nachmittag-. piMi: ««Stiche» «»NSdlitt, »te», »1». Brschtvrrdr« wesen verspäteter oder gar nicht erfolgter gtHellnng erbitten wir Alt» dringend. - Mmmfervle cherde» «tcht znröagestelll. Yostspareafsm-Sonio 847087. In bol «bonnement kann «an täglich eiatreten. OHM jeden Freiing «tnfög MMvirKrmg drr vom Mttsttzrn VolKsvrrew rrwshttrn Pttssrommifston. «aftMie übernehmm die Firmen; I. Danneberg, M. DukeS, -aasen« »ein A «ogler, Rudolf Mosse. «. Oppeltk. M. Pozsonyi, «. Schaler in Wien, ferner all« Annoncen-Expedittoneu tm «Mande. Gi»zel-Rm»«er i» Wie» I« Heller. RdminMrstton; n/3. Leopoldsgaste 49. Telephotr-Nr. 14723 NbounemeutSpreiö r TelePhon«Nr. 14723 ch- Sür «je» ». Oesterreich'Uugar« fammf Francozustellung. Ganzjährig valbjäbrig . ierteljährig. . Kr. 8.— - S:= Für daS gesammte Ausland fammt Francozustellung. Ganzjährig . . . Halbjährig . . . «ierteljährig . . . .Kr. ».- , I SO „ 2Ä5 Ur. 39 Wien, 25. Deplemüer 1903 (4. Tischri 5664). V. Jahrgang. Zur Eröffnung des Reichsrates. Während in anderen Staaten die Bevölkerung der Eröffnung des Reichsrates stets ein gewisses Interesse entgegenbringt, ist dies in Oesterreich fast nie der Fall. Dieser Mangel an jeglichem Interesse für die Verhandlungen der Herren am Franzensring ist leicht daraus zu erklären, daß in der sogenannten »Volks "Vertretung entweder ein wüster, chauvinistischer Lärm herrscht oder vollständige Teilnahmslosigkeit.. Viele Jahre hindurch hat das Abgeordnetenhaus als Budget-Bewilligungsmaschine funktioniert, in den letzten Jahren dagegen, seitdem die famose Obstruktion sich im Abgeordnetenhause als integrierender Bestandteil eingebürgert hat, war der parlamentarische Apparat so unbrauchbar, daß sogar das Budget auf Grund des § 14 oktroiert werden mußte. Ist es also nicht natürlich, daß einem Reichsrate mit einer solchen Vergangenheit die österreichische Gesamtbevölkerung, besonders die österreichischen Juden, apatisch gegenüberstehen und von der begonnenen Saison ebenso wenig, wie von den früheren Saisonen erwarten. Wenn trotz alledem gerade der diesmaligen kurzen Tagung einiges Interesse entgegengebracht wird, so ist die einfache Begründung die, daß es sich diesmal m die Regelung der Rekrrrtenfrage handelt, eine Frage, die die vitalsten Interessen des Volkes betrifft und welche durch die ungarische Obstruktion akut geworden ist. Wenn der Reichsrat seine diesbezügliche Pflicht erfüllt hat, dann wird er aber auch schon alles geleistet haben, was er zu leisten imstande ist. Es mag dies eine traurige^Tatsache sein, allein man muß mit ihr rechnen. Das Parlament mit seiner momentanen Parteigruppierung ist eben vollkommen unfähig, auch nur die dringendsten Reichs- und Volksnotwendigkeiten zu erledigen. Wohl harren noch immer der österreichisch-ungarische A us g l e i ch, die deutsch-tschechische Frage, so wieZdie wichtigsten wirtschaftlichen Probleme ihrer Erledigung, allein das in einige Dutzend Fraktionen zerrissene Abgeordnetenhaus, im Abgeordnetenhaus ohne Majorität, in dem die einzelnen Parteien bar jedes realisierbaren Programmes sind und sogar in ihren eigenen Reihen die entgegengesetztesten Anschauungen sich bekämpfen, ein solches Parlament kann im besten Falle so lange vegetieren, bis es der unausbleiblichen Auf- Feuilleton. Psalm 48. Ein Könighochzeitslied im alten Israel, übersetzt von Herma« Gnnkel. Das Herz wallt mir über von begeisterten Worten, Ich will singen; — meine Lieder gelten dem König! Aieine Zunge wie der Griffel geschwinden Schreibers. * Schön bist du, ja schöner — als Menschen es sind; Holdseligkeit ist über deine Lippen ergossen. Drum hat dich Gott — für ewig gesegnet. * Gürte das Schwert — um die Lende, o Held, Deine herrlichen Waffen — Glück auf! fahre hin Für die gute Sache; — dem Gedrückten gib sein Recht! Furchtbare Taten lehre dich dein Recht! * Deine Pfeile geschärft! — Nationen unter dir! Jus Verderben stürzen des Königs Feinde! Dein Thron, 0 Gott — steht immer und ewiglich. Ein gerechtes Szepter — ist das Szepter deines Reiches. Du liebst das Recht — und hassest den Frevel; Drum hat dich Jahve, — dein Gott gesalbt Mit Freudenöl vor deinen Genossen. * Nach Myrrhen und Aloe duften — alle deine Kleider, Von^ Elfenbeinharfen — erfreut dich Saitenspiel. Königstöchter sind in deinen Wänden, Die Königin dir zur Rechten — in Ophirgold. lösung verfällt (die ja auch nur eine Frage der Zeit ist). Zu einer positiven Arbeit ist dieser Reichsrat auch ohne Obstruktion — ebensowenig geeignet als der ungarische Reichstag. Dies scheint tatsächlich der einzige Punkt zu sein in dem alle Parteien übereinstimmen. Der beste Beweis, daß der gegenwärtige Reichsrat und die ganze Verfassung lebensunfähig sind, ist der Umstand, daß die Deutschnationalen aller Schattierungen das Losungswort ausgeben „los von Ungarn, von Galizien und von den Tschechen", diese wieder die föderalistische Umgestaltung der Reichsverfassung begehren, und von allpolnischer Seite lauter denn; je die S 0 nderstellung Galiziens gefordert wird. Für die österreichischen Juden liegt keinerlei Grund vor in das sinnlose Geschrei all dieser chauvinisten Cliquen einzustimmen, umsoweniger als sie alle ihren Antisemitismus gerade in der jüngsten Zeit ostentativ zur Schau tragen. Wenn man die all-, oft- und deutschvolklichen Blätter besonders in Böhmen liest, so wird man paralell mit einem wüsten Chauvinismus einen gesteigerten Raffenantisemitismus konstatieren können, der sich aber nicht etwa nur auf die assimilatorischen Juden beschränkt, sondern auf die politische Entrechtung und wirtschaftliche Boykottierung aller Juden hinzielt. Letzteres wird besonders auch in G a l i z i e n mit großem Erfolge von all polnischer Seite ausc-er'ibt, ..wie überhaupt die gesamten Verhältnisse Galiziens, besonders die wirtschaftlichen, trostlos sind. Anläßlich der letzten Anwesenheit des Monarchen wurden demselben Potemkinische Dörfer vorgeführt, so daß der Monarch nicht Gelegenheit hatte, während seiner kurzen Anwesenheit die „Segnungen" des Regimes der polnischen Schlachta kennen zu lernen. Die Bewohner Galiziens besonders die Juden und Ruthenen fühlen es an ihrem Leibe. Die wiederholten Judenexzesse in Galizien, die vielfach an Kischenew erinnern zeigen, daß die galizische Verwaltung nicht einmal den primitivsten Anforderungen Genüge leistet, Leben und Eigentum der jüdischen Bürger zu schützen. Unter solchen Verhältnissen wäre es ein direkter Selbstmord für die galizischen Juden der allpolnischen Propaganda nach einer Sonderstellung Galiziens Vorschub zu leisten, wie es überhaupt ein nicht oft und genug zu verurteilender Fehler ist, wenn galizische Juden B e st r e b u n g e n fördern, die auf B efestigung der polnischen Hegemonie in Galizien gerichtet sind. Höre, Tochter, blick hin — und neige dein Ohr! Vergiß dein Volk — und deines Vaters Haus, Laß den König deine Schönheit begehren, Es ist ja dein Herr — du fall vor ihm nieder! So tütrb Tyrus mit Gaben kommen, Die Reichsten im Volke huldigen dir! * Ganz von Pracht überdeckt— ist die Königstochter (drinnen, Aus Goldwirkerei ihr Gewand! — In bunten Kleidern werden die Jungfraun — zum (König geleitet, Ihre Freundinnen folgen ihr — werden zu ihr gebracht, Werden mit Jubeln und Jauchzen geleitet, Treten ein in des Königs Palast! -X An deiner Väter Stelle — mögen treten deine Söhne! Setze sie zu Fürsten — im ganzen Land! Ich will deinen Namen verkünden — in allen (Geschlechtern, Drum sollen die Völker dich preisen. Die Stadt wogt vom Getümmel festlicher Menschen. Die Königsburg oben erbraust vom Jubel; der junge König hält Hochzeit. Aus fernem Land ist dte Braut gekommen, sie selbst eine Königstochter; d»r neue Bund soll die Freundschaft der Staaten fester schließen. Schon ist die Braut zum Schloß emporgeleitet, jetzt steht sie dem König zur Rechten, das Gold ihrer Kleider leuchtet. Alles huldigt. Da tritt der Sänger in den festlichen Kreis; in dieser Stunde der Begeisterung hat er das Lied gesungen. Jene Menschen sind längst dahin. Niemand iveiß den Namen des Sängers mehr, und selbst bcu König, auf den er gedichtet, kennen ivir nicht, Aber das Lied, das er gesungen hat, ist geblieben. Aus dein Kommentar des Uebersetzers. „ Deutsche Nntrdschau." Die polnischen Hegemonen lassen ihre Herrs chaft i gleich brutaler Weise Juden wie Ruthenen fühlen und nur politische Torheit kann es genannt werden, wenn nhcht in Galizien die beiden unterdrückten Stämme sich im Zeichen der nationalen Autonomie verständigen und einen. (Das hier Gesagte gilt nicht nur für Galizien, sondern für alle gemischtsprachigen Teile der Monarchie, ganz besonders für Ungarn.) Dort steuern die Verbältniffe immer mehr einer Katastrophe zu, und immer will noch ein großer Teil der ungarischen Juden nicht begreifen, daß s i e das Opfer sein werden, wenn sie nicht in 12ter Stunde die Bahn des magyarischen Chauvinismus verlassen, den sie in so unvernünftiger Weise gegenüber den berechtigten Forderungen der nicht magyarischen Völker fördern. In Cis wie Trans richtet der dir Gleichberechtigung negierende Chauvinismus den Parlamentarismus zu Grunde, verhindert jede vernünftige parlamentarische Arbeit, ebnet aber dem Antisemitismus die Wege. Neue Exzeffe gegen die Juden in Rußland. Wie der offiziöse „Regierungsbote" im nichtamtlichen Teile meldet, entwickelte sich in Homel (Gouvernement Mohilew) am 11. d. M. im Bazar aus einem Streite zwischen einem Bauern und einem jüdischen Händler eine erbitterteSchlägerei zwischen Juden und Russen. Als die Polizei die Ordnung wieder Herstellen wollte, warfen die Juden mit Steinen auf dieselbe. Auch wurde aus ihrer Mitte ein R e v 0 l v e rschuß abgefeuert, worauf die Polizisten mit Schüssen in die Luft antworteten. Bei der Prügelei wurde ein Russe von einem Juden durch einen Messerstich in den Leib tödlich verletzt. Ein Jude und sieben andere Personen trugen leichte Verletzungen davon. Am 14. d. wiederholten sich die Unruhen. Russische Arbeiter fingen aus Rache für eine ihnen am 11. d. zugefügte Kränkung an, im Jude nviertel Buden zu zerstören. Bei dem Zusammenstöße mit den Juden wurden auf beiden Seiten etwa 20 Personen verwundet. Als Truppen erschienen, wurden sie von den Juden mit Schüssen empfangen. Infolgedessen mußte von der Feuerwaffe Gebrauch gemacht werden. Gegen Abend war die Ruhe wieder hergestellt. Anthropologie nnd Zionismus. Bon Dr. Paul Weisengrün. Die gewaltige Renaissancebewegung des modernen Judentums bedarf in erstrr Linie der theoretischen Gr¬ und Begründung. Rur in sehr dürftigen und kümmerlichen Ansätzen scheint diese Ansicht in den beiden Lagern der Zionsfreunde und Zionsfeinde durchzusickern. Man hält vielfach Betrachtungen für abgeschlossen, die kaum begonnen, man verwechselt Keime ' wissenschaftlicher Anschauungsweise mit Reifeprodukten. Es muß daher betont werden, daß auf dem Gebiete der theoretischen Erfassung nationaler Bewegung noch fast alles oder zumindest sehr vieles kontrovers ist. Eine jede vorsichtige Behandlung wissenschaftlich-zionistischer Probleme ist daher mit Freuden zu begrüßen. So treten wir schon aus diesem Grunde einer Schrift des Dr. Sandler sympathisch gegenüber, der es unternommen hat, die Wechselbeziehungen zwischen Anthropologie und Zionismus übersichtlich zu ordnen*). Der allgemeine Gedankengang dieser Schrift ist leicht wiederzugeben. Unser Autor wendet sich zunächst gegen D r i e s m a n S, ohne den relativen Wert mancher Untersuchmrgen dieses jetzt so vielfach überschätzten Schriftstellers^zu leugnen. Er bekämpft die Blutmischung. Nicht sie ist es, meint er, welche die Völker veredelt und den Nasseneigentümlichkeiten mancher Völker eine fast welthistorische Weihe verleiht. Die Einheit der Raffen, die Reinheit des Blutes, diese Eigenschaften entscheiden in erster Linie. Es gibt unzweifelhaft eine jüdische „U rrasse", und was mir heute noch nach jahrhunderte-, *i Dr. Aron Sandler Anthropologie und Zionismus. Brünn 190i, „Jüdischer Buch- und Kunstverlag".

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.