Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 35 (28.8.1903)
- Date
- 1903-08-28
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 28. August 1903 Nr. 35 New-AorS. Hier hat sich aus hervorragenden amerikanischen Persönlichkeiten, darunter Präsident R o o s e v e l t, Expräsident C l e v e l a n d, Staatssekretär John H a y, Bischof P o t t e r und dem Schatzmeister August B e l m o n t bestehendes Komitee konstituiert, um dem Ehepaare Baron und Baronin Hirsch im Zentralpark von New-Pork ein Denkmal zu e-- richten. Das Denkmal, dessen Pläne bereits ausgearbeitet sind, soll eine die Wohltätigkeit darstellende allegorische Figur aufweisen und zwei Medaillons mit dem Relissbildnis des Baron und der Baronin Hirsch. Die auf 200.000 Mark veranschlagten Kosten sind teils durch Beiträge der Komiteemit« glieder, teils durch eine von dem „New-Pork Herald" eingeleitete öffentliche Sammlung gedeckt. Die Errichtung des Monumentes erfolgt mit Rücksicht auf den Umstand, daß durch die Munifizenz des Baron Hirsch philanthropischen Institutionen New-Aorks und Chicagos große Summen zugeflossen sind. Mostreal (Kanada). Jüngst war eine Bestimmung getroffen worden, durch welche die jüdischen Kinder von gewissen Vorteilen beim Unterricht ausgeschlossen waren. Hiefür ist jetzt in befriedigender Weise Remedur eingetreten. Mit Zustimmung der protestantischen Schulkommission und mit Genehmigung der gesetzgebenden Körperschaft der Provinz find die jüdischen Kinder in den öffentlichen Schulen im Besitz aller Rechte und Privilegien, die die protestantischen Schüler genießen. Von allen Beschränkungen befreit, erwerben die jüdischen Kinder nunmehr eine Auszeichnung nach der anderen und werden von den Lehrern für die nichtjüdischen Schüler als Muster hingestellt. Eine Stimme über die Exzesse iu Kischenew. Ein Ein- ^.xvohner von Kischenew, der offenbar ein Deutscher ist, sendet uns einen Brief, zu dem er sich — wie er schreibt — durch die vielen Unwahrheiten und Entstellungen veranlaßt sah, die er in deutschen antisemitischen Blättern über die Vorgänge in Kischenew und deren Ursachen gelesen hat. Wir geben den wesentlichen Inhalt dieses Briefes nachstehend in derselben Form, wie er uns zugekommen ist, wieder. Der Kischenewer Einwohner schreibt: „Ich bin kein Beamter und hänge nicht vom Vizegouverneur oder Polizeimeister ab, aber ich sage nur, daß das die besten Leute sind. Strenge im Dienst, gerecht in allem Tun; beide sind nie zu kaufen gewesen. Die Strenge des Polizeimeisters hat ihn zu Falle gebracht. Wir hatten noch nie einen solchen strengen Polizeimeister, und wäre derselbe vor der Judenprügelei hier gewesen, so wäre vieles Unglück nicht geschehen. Dieser Polizeimeister wurde, als der Vizegouverneur die Stelle des abgesetzten Gouverneurs vertrat, von demselben hieher berufen. Wir, die Einwohner von Kischinew, konnten ruhig schlafen, denn die beiden wachten für uns. Die Beamten aber konnten sich dieser Strenge nicht fügen und es kam zu einem Skandal zwischen dem Polizeimeister Bronikowski und einem Unterbeamten, und der Polizeimeister bekam unversehens eine Ohrfeige; hierauf mußte er Urlaub nehmen. Die Polizeibeamten waren froh des Geschehenen, wir Einwohner ließen die Köpfe hängen. Aber die Vorsehung schickte uns einen Gouverneur, namens Fürst Urussow. Ein junger Mann, energisch, kräftig, fein und sehr vernünftig, .und wir sind wieder ruhig. Fürst Urussow beweist, daß ihm Jude oder Christ gleich sind, jeder ist für ihn vor allen Dingen ein Mensch. Weiter las ich in den Zeitungen, daß der Vizegouverneur U st r u g o w und Polizeimeister Bronikowski von den Juden Geld bekommen haben. Ich kann Ihnen, Herr Redakteur, mein Wort geben, daß diese zwei Männe« mit keinem Geld zu kaufen sind. Was den Vizegouverneur anbelangt, so haben wir genug deutliche Beweise hiefür. Er war arm, als er kam, und geht arm ab.. Dann heißt es, daß die Frau des Vizegouverneurs eine getaufte Jüdin ist. Das ist eine Lüge; sie ist eine echte Russin. Weiters las ich noch, daß viele Christen bei der Judenprügelei erschlagen worden sind. Das ist auch nicht wahr; ich persönlich sah zwei erschlagene Frauen, aber bis heute kann man nicht sagen, ob sie von Juden oder von Christen erschlagen worden sind, denn die Christen steinigten alles, was ihnen in den Weg kam. Verwundete Christen gab es sehr viele, aber alles war so betrunken und dem Wahnsinn nahe, daß niemand sagen kann, wer ihnen die Wunden beigebracht hat. Daß viele Juden erschlagen, gequält, verwundet wurden, ist Tatsache: wir waren in diesem Augenblick keine Christen, sondern nur Barbaren, und Barbaren erster Klaffe. Ich schämte mich, ein Christ zu sein, obwohl ich keinen Anteil an der Judenprügelei genommen habe. Im Gegenteil, als freiwilliger Feuerwehrmann hatte ick genug zu tun, die angezündeten Judenwohnungen zu löschen. Aber ich schäme mich der Christen, die noch heute mir größtem Vergnügen erzählen, wie die Zähne aus. dem Judenmunde heraussprangen. Der Handel ist hier in Judenhänden. Wer verbietet uns aber, den Handel selbst zu betreiben? Die Deutschen machen ja hier ebenfalls brillante Geschäfte. Wir Christen ärgern uns, wenn wir einen kleinen Judenjungen sehen, der schon perfekt lesen und schreiben kann, während unsere Kinder noch kaum vernünftig sprechen können. Und auf diese Art entsteht der Judenhaß. Wir Christen meinen, der jüdische Kaufmann schwindelt, man muß bei ihm doppelt zahlen, ich bin sehr oft bei christlichen Kausleuten hineingefallen. Man muß eben nicht dumm sein. Die Juden, sagte man/ betreiben Wuchergeschäfte; bei uns betreiben dieses Geschäft musterhaft auch die Christen. Viele Juden ziehen nach Amerita, denn Kischenew hat wenigstens auf zehn Jahre seinen Wohlstand verloren. Die Juden brachten die Stadt sehr empor, bauten schöne Häuser, die Geschäfte gingen gut, und Juden und Christen lebten gut. Jetzt ist alles vorbei. Die Stadt ist in voller Trauer, alle Gesichter sind traurig, die Taschen sind leer, kein Theater wird besucht, die Restaurationen sind ganz leer und nur Christen sind jetzt wieder aus di« Juden wütend, weil sie uns Christen durch ihre Trauer zu Bettlern machen. Auch können wir ihnen nicht verzeihen, daß sie so schnell auf die Beine gebracht wurden durch die Geldsendungen, die von aller Welt hieher kamen. Ein Christ meinte: „Wir hauten die Juden, und sie schrien so laut, daß man es bis nach Amerika hörte", denn in zehn Tagen nach dem Vlutbade kam schon von dort Hilfe. Hochgeachteter Herr Redakteur, ich wende mich an Sie mit der Bitte, diesen Brief in Ihre Zeitung setzen zu lassen, obwohl, wenn man meinen Brief hier lesen wird, man gewiß finden wird, daß ich wenigstens tausend Rubel von den Juden genommen habe." Samuel Schorr. Am 11. d. M. starb in Lemberg der Führer der zionistischen Handelsangestellten Galiziens, Samuel Schorr im Alter von 27 Jahren. Schorr war der erste, der den Kampf gegen die Sozialdemokraten in Galizien ausgenommen und systematisch geführt hat. Ihm ist es auch zu verdanken, daß sich ein großer Teil der jüdischen Handelsangestellten Galiziens aus zionistischer Basis organisiert haben. Sein Leichenbegängnis fand unter überaus großer Teilnahme am 13. d. M. statt. Die neue Aera in Serbien. (Orig.-Korr. des „Jüd. Volksbl.") „Hunde müssen einen Maulkorb tragen und sind an der Leine zu führen. Läßt man sie frei, läuft man Gefahr, gebissen zu werden. Aber lasset sie beißen — das liegt schon in ihrer Natur." M. L. Im Balkankessel kocht's. Genaueres weiß man kaum. Auf den Bergeu und in den Tälern lodern die Flammen des Aufruhrs, Bulgaren, Albanesen, Armenier, Arnauten, Serben, Türken und Griechen trachten einander nach dem Leben, rauben und morden. Bis in das Gebiet der europäischen Mezopotaniens — Kroatien, Slavonien — schlagen die Feuerflammen. Der serbische Volksstamm, zerstreut in Altserbien, Mazedonien, Bulgarien, Serbien, Bosnien, Herzegowina, Dalmatien, Kroatien, Slavonien und in den drei südlichen Komitaten Ungarns, befindet sich in Aufregung. Durch die traurige Nachricht von jener Schreckensnacht, in welcher durch serbische Hand die serbische Dynastie buchstäblich hingeschlachtet und hingemordet wurde, unangenehm berührt, haben sie sich bald erholt. Erholt durch die glücklich getroffene Wahl eines neuen Königs, der mit einem Palmzweige über die noch warmen Blutspuren den serbischen Thron bestieg. Die Treppen und den Fußboden reinigte das Wasser. An der Krone aber und dem Palmzweige haften noch nun schon getrocknete Blutstropfen. Und Blut ist es, und rot wie Menschenblut, menschliches Blut, serbisches Blut an serbischer Krone! Länger konnten es die Serben schon nicht dulden. Man griff zum Aeußersten. Die Mörder geboten Ruhe. Alles schwieg. Man gab sich mit ihnen zufrieden. Billigte man hie und da schon ihre verdammenswerte Tat nicht, lehnte man sich doch nicht dagegen auf oder zumindest versetzte man der serbischen Justitia einen derart furchtbaren Schlag ins Gesicht, daß sie voll und ganz erblindete. Mit allen Festlichkeiten und Herrlichkeiten empfing man den Palmzweigträger. Friede und Fortschritt! An den Pforten Belgrads sind diese Losungsworte der neuen Aera zu lesen. Die Welt kennt bereits die Früchte, welche die neue Aera gezeitigt. Eine herrliche Frucht des Fortschrittes und des Friedens ist unstreitig die Preßfreiheit. Diese repräsentiert das vom 23. Juli a. S. zweimal wöchentlich in Belgrad erscheinende Blatt „Narodnjak", „Organ zum Schutze desSerbentums, das getaufte und u'ngetaufte Juden exploit i e r e n". Dies sein Name, dies sein Ziel. —„Nichts ist geeigneter uns weise zu machen, als der Anblick von Torheiten, an denen,, wir uns nicht beteiligen". Wir wollen uns an Rousseüu halten. Aus diesem Grunde wollen wir auch nicht das ganze serbische Volk für die Schandtaten eines EinzPen oder Einiger verantwortlich machen. Allein, der Bestand des Blattes schon an und für sich, woraus auf eine ansehnliche Anzahl von Abonnenteu. zu schließen ist, Artikel, die gewiß nicht aus der Feder eines verkommenen Individuums, wie es der Herausgeber und Redakteur ist, herrühren, die Ueberzeugnng, daß das Blatt nicht die subjektive Meinung dieses Redakteurs — eines gewesenen Winkelschreibers — wiedergibt, sondern das Sprachrohr sehr einflußreicher Belgrader Persönlichkeiten ist — all dies in Erwägung gezogen, haben wir nicht bloß mit Einzelnen, sondern mit einer wenn auch bisher nicht organisierten Partei — d. h. serbischen antisemitischen Partei zu rechnen. Vor den Augen eines fortschrittlichen, intelligenten, liberalen und friedliebenden Herrschers — ich will nicht sagen unter seinem Schutze und Protektion — erscheint ein Blatt, das mit blödsinnigen, perfiden und infamen Verleumdungen, Verdächtigungen, Entstellungen, Lügen und Gemeinheiten eine wilde Hetze gegen die Juden inszeniert. Diese radikalen Antisemiten erklären den Juden einen Krieg bis aufs Messer. Das Redaktions-Komitee erläßt einen Aufruf mit der Ueberzeugung, den Wünschen einer großen Majorität nachzukommen und in der Hoffnung, eine Clique mit seinen Gesinnungsgenossen zu bilden, um die bereits auch in Serbien akut gewordene Judenfrage mit einem Schlage zu lösen. Wird es dann unter ihnen keine Juden mehr geben oder doch nur welche mit äußerst beschränkten Rechten, dann, aber auch nur daun werden sie ihre Aufgabe gelöst, ihr Ziel erreicht haben. Ein Blatt, daß Hetz- und Brandartikcl gegen die Juden schreibt, das nicht das ärgste Schimpfwort im Gebrauche gegen die Judenverschmäht, das schon in seiner ersten, derProgrammnummer, als Feuilleton „die talmudische Lehre" Rohlings in serbischer Uebersetzung bringt, das seinen Lesern in den folgenden Nummern eine „Geschichte eines Kindes" zu bringen verspricht, worin noch schrecklichere Szenen als jene in der Geschichte der Esther Solimosy Vorkommen sollen, dieses Blatt kann wahrlich am besten die neue Aera in Serbien, die Aera des Fliedens und des Fortschrittes, illustrieren. „Dieses Arbeitsgebiet ist bis nun in unserer Journalistik nicht vertreten gewesen und diese Lücke bewog uns als Serben, diese Bürde uns aufznladen, wovon nur der Staat und die Gesellschaft Nutzen ziehen können." So heißt es im Aufrufe. Die serbische Schriftsprache wird durch dieses Blatt eine bedeutende Bereicherung erfahren. Ausdrücke, deren sich nur der gemeinste Pöbel bedient, erhalten hier in fett und breit gedruckter Form eine Ehrenstelle. Chefredakteur D. M. I g n j a t o v i c: ist ein würdiger Gesinnungsgenosse K rusche w ans, Graf Pücklers, Tu sk ans, Negis' rc. Er ist nicht deren Schüler, sondern Meister in seinem Gewerbe. Belgrader Inden, denen sich die neugegründete sozialdemokratische Partei anschloß, protestierten auf einem Meeting gegen die Herausgabe des Blattes. Posito sed non concesso, daß dieser Protest auch nützen sollte, wird damit auch der Judenhaß, wird die Judenhetze, der wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Boycott schwinden? Dis Juden exploitieren doch das Land, die Juden sind doch die Ausbeuter des serbischen Volkes, unter der jüdischen Geldmacht seufzt doch das serbische Volk mehr, denn unter dem türkischen Joche! Und warum? Weil die seit mehr als einem Jahrhundert ansässigen spanjolischen, sowie die nachher eingewanderten sogenannten „deutschen" Juden, durch den Aufkauf von Lumpen und Fetzen, von Landes- und Rohprodukten, unter das serbische Volk Geld bringen. Weil durch die alljährlich nach Serbien ziehenden Juden, die die Pflaumen vom Volke kaufen und sie dortselbst zu Lequar oder Branntwein, Slivovitz oder Kognac verarbeiten, das serbische Volk ansgesaugt und ausgebeutet wird. Weil die jüdischen Kaufleute den Export von serbischen Produkten, wie Obst, Häute, Felle, Eicheln, Knoppern rc. betreiben, wodurch das serbische Volk verarmt und der serbische Staat geschädigt wird. Weil die in Serbien alljährlich durch einige Monate weilenden jüdischen Kanfleute, die zum Leqnarkochen oder Branntweinbrennen oder Knoppernsammeln Arbeiter benötigen, diese aus China oder von den Sundainseln mitbringen. Weil dieselben während ihres Aufenthaltes in Serbien von der serbischen Luft leben und durch ihren Aufenthalt dortselbst kein Mensch was verdienen kann. Weil schließlich die aufgekauften Landesprodukte oder dort gewonnenen Erzeugnisse mit der Pacificbahn und mit dem Hapag oder mit der sibirischen Bahn und der Mesagerie maritime transportiert werden! Fraget den serbischen Handelsminister, fraget den serbischen Finanzminister, ob nich! auf die eben geschilderte Art des Warenumsatzes das serbische Volk ausgebeutet, der serbische Staat geschädigt wird? Wird nicht auch die neue Aera in Serbin den serbischen Juden Neues bringen? Fraget D. M. I g u j a t o v i c! M. Lederer. * In einem Leitartikel kehren sich die „Beogradske novine“ gegen die neue antisemitische Strömung in Serbien. „Unter den gegenwärtigen Verhältnissen noch auch diese Frage aufzuwerfen, sehen wir für unnötig ein. Wozu noch auch iu diesem Wirrwarr die Fackel des religiösen Streites anzuzünden?! Was für Gefahr droht uns von jenen 5000 Juden? Das haben unsere Juden nicht verdient! Anders stünde es, hätten die Juden gewisse Sonderrechte. Nach ihrer gegenwärtigen Lage zu urteilen, wäre es ein schweres, unverdientes Unrecht, einen derartigen Lärm zu schlagen und sich von ihnen zu separieren. Gegenwärtig sind sie uns durch ihre Zahl und ihren Einfluß auf die Börse und auf unseren Markt ganz ungefährlich. Ganz besonders muß man aus staatlichen und finanziellen Rücksichten eine vernünftige und aufmerksame Haltung gegenüber den Juden beobachten, da es doch unzweifelhaft seststeht, daß sie einen Einfluß auf den finanziellen Weltmarkt haben. Wie ziemt es sich einem freien Volke, Bürgern eines modernen Staates, daß sie sich gegen ihre r u h i g e n und w e rt en Mitbürger ohne reale Ursache und Veranlassung auflehnen?" M. L. Aus informierten Kreisen erhalten wir die Nachricht, daß das serbische antisemitische Organ ,,Narotlnjak“ in Belgrad zu erscheinen bereits aufgehört hat. Bücher-Einlauf. Richard Peter B a u m f e l d t. „Eine KörrlgSnacht." Drama in einem Akt. Karl Hans Strobl. „Die Weltanschauung in der Moderne." Verlegt bei Hermann Seemanns Nachfolger in Leipzig. „Literarischer Palästina-Almanach" für das Jahr 5064 (1903/1904). Mit Abbildungen. Herausgegeben von A. M. Lunez. IX. Jahrgang. Jerusalem 1903. Verlag des Herausgebers. „Der Weg." Jüdische Monatsschrift Nr. 1 u. Nr. 2. Inhalt: Die jüdische Bewegung v. Mathias Ascher. Zur Frage v. M. I. Verdyczewski. Die Landfrage im Zionismus v. Davis Trietsch. Rundschau. Im Verlag von Dietz' Nachfolger in Stuttgart ist vor kurzem unter dem Titel „Die Judenverfolgung in Kischenew" eine Broschüre in russischer Sprache erschienen, welche ein reichhaltiges Material über die Greueltaten von Kischenew enthält. Der Herausgeber des Merkchens, der bekannte russische, in Stuttgart lebende Publizist Peter Etruve, hat authentische Dokumcnta und Aktenstücke über die blutigen Vorgänge von Kischenew gesammelt, welche neues Licht über die Greueltaten in der Hauptstadt Bessarabiens verbreiten. Nebst den vielen erschütternden Einzelheiten über die Morde, Plünderungen und Entehrungen, welche das Büchlein enthält, find es Reden und Ansprachen russischer Staatswürdenträger vor der Katastrophe von Kischenew, welche die tieferen Ursachen und Greueltaten beleuchten. Der Korpskommandant Botjanow, der ehemalige Stadthauptmann von Odessa, Graf Schnwalow, und der Vizegouverneur von Mohilew am Dnieper, Fürst Wjasemski, richteten bei verschiedenen Anlässen Ansprachen an die Vertreter der Juden, welche darin gipfelten: „Lasset die Juden nicht an revolutionären Kundgebunden teilnehmen, sonst werde es allen Juden in Rußland sehr schlecht eagehen .. Auch unter dem Grasen Jgnatiew als Minister des Innern fanden die Judenkrawalle in Südrußland statt, weil man die Teilnahme der Juden am Nihilismus rächen wollte Dem Merkchen sind vier Abbildungen beigegeben, welche die Greueltaten erschütternd veranschaulichen. Auf einem Bild sieht man «inen Haufen von kleinen Kindern, welche mit zerschmetternden Gliedern und Schädeldecken tot liegen; auf einem andern Bilde sind es die erwachsenen Opfer der Katastrophe, welche verstüminelt und verkrüppelt regungslos daliege«. Das W.'rkchen ist ein Denkmal der Schreckenstage von Kischenew, geschildert und dargestellt von Augenzeugen. Briefkasten. Rationalist. Auch in Karlsbad ist lein Mangel an getauf ten jüdischen Arrzten : Dr. Töpfer, Dr. K o l i s ch, Dr. P i ck, Dr. L o r n n d, Dr. C h u r in ci tz, .Kais. Rat Dr. G r ü nberg (wurde bereits als Kind von seinem Vater der Taufe zugeführt), Dr. K e l e n, Dr. K o m a r o in y, Dr. G u t h imd Dr. Ri fees, der seilte Kinder taufen läßt.