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Jüdisches Volksblatt · 1903-08-28 · 35 (28.8.1903) · page 1

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
35 (28.8.1903)
Date
1903-08-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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August 1903 (5. Glul 5663). V. Jahrgang. Der sechste Kongreß. (Von unserem Spezial-Korrespondenten.) Sonntag, den 23. August, wurde in Basel der sechste Kongreß eröffnet. In der Eröffnungsrede schilderte Dr. Herzl, mit lebhaftem Beifall begrüßt, zunächst die allgemeine Lage der Juden, welche immer mehr und mehr prekär und unhaltbar wird. Die Erkenntnis dieser Tatsache jedoch genüge nicht, es sei vielmehr notwendig, daß das ganze jüdische Volk Schulter an Schulter an der Erreichung des gemeinsamen Zieles arbeite und zwar nicht durch Wohltütttzkeitsakte, deren Wirkung nur von momentaner Dauer snen. Doktor Herzl berührt dann die anhaltende Auswanderungsbewegung, mit welcher der Kongreß sich auch zu beschäftigen haben wird und hinweisend auf die Untersuchungsergebnisse der englischen Einwanderungskommisfion bemerkt er, daß auf diese Weise den in ihrer Heimat bedrängten Juden allmählich alle Länder verschlossen werden. Uebergehend auf die diplomatischen Aktionen gibt Dr. Herzl bekannt, daß er seit dem letzten Kongresse zweimal vom Sultane in Audienz empfangen wurde, welche jedoch nicht den gewünschten Erfolg hatten, da die Zugeständnisse, welche der Sultan ihm machte, mit dem Baseler Programme, von welchem nicht um eine Fußbreite abgewichen werden dürfe, nicht vereinbar waren. Nichtsdestoweniger aber verfolge der Sultan die zionistische Idee und die Bestrebungen der Juden mit unveränderter Sympathie. Bezüglich der Erwerbung der Sinai-Halbinsel W a d - e l - A r i s ch wm den mit der englischen und ägyptischen Regierung eingehende Unterhandlungen gepflogen. Das Aktionskomitee hat die Idee im Prinzipe akzeptiert und wurden auch anerkar.nte Sachverständige zur Prüfung des Landes entsendet. Das Ergebnis dieser Untersuchung fiel jedoch so ungünstig für Wad-el-Arisch als Kolonisationspunkt aus, daß diese Idee fallen gelassen werden mußte. Die englische Regierung hat sich auch bereit erklärt, in B r i t i s ch - O st a s r i k a für eine jüdische Kolonie mit e i g e n e r A u t o n o m i e entsprechendes Land zur Verfügung zu stellen, an deren Spitze ein Jude stehen soll. „Das neue Landgebiet hat nicht den geschichtlichen, poetisch-religiösen und zionistischen Wert, den auch noch die Sinaihalbinsel besessen hätte, aber ich zweifle nicht, daß der Kongreß als Vertreter der jüdischen Masse auch das neue Anerbieten mit wärmster Dankbarkeit entgegen¬ Prolog. Wer bist du, die ailfs Herz mir legt die Hand, Bist du die Fee, die Blätter welken rnacht, Bist du die Gellte der verträulllten Nacht? Du rufst in mir ein Sehnen nach dem Land Wenn rillgs im Herbst die Trauerbirken schlveigen, Hub längst verschollne Lieder kliilgen leise Durch lneine Seele bann so seltsam-eigen. Und küilden dumpf Nlir voll der Väter Weise. Ulld aus deil Wipfelll, die der Sturm belvegt, Daß mächtig sich die Stännlle uiederlreigen, Tönt ein Triumphgesang, und regt Die Schlvachen ans, die Müden rvach zrr bleibell: Konlint mit zulll siegeSfrohen Neigeri Aus Not und Kanlpf ilnd stählenden Beschwerden Empor zunl Herzen soll die Kraft ull§ steigell. Ein Wachsen, Knospen, blühendes Geberden. Hört ihr die ballgeil Herbstesivetter rollell, Das lllächt'ge Tönen alls ben Zeitensarkophagen? Die sonnenslutend Flammenlichter sollen Als glorreich Siegeszeichen llicht versagen. Deilll llicht begreifen kleine Kinderohrell In denen noch der Hauch voll Liedern liegt, Die heiß rmd lachend, lvie die Svllile siild geborcll, Daß nur durch Ka lupf das ewig Wahre siegt. .. Drilul Brüder schwört in dieser heil'gen Stunde, Daß tausendfältig es mm wiederklingt: Wir halteil fest unb treu zum alteil Bunde Nicht Feilld noch Mißgunst llils je niederriilgt. B e r l i 11. Max N a ch e r. nehmen würde. DerVorschlag bedeutet eine autonome jüdische Ansiedelung in Ostafrika mit jüdischer Verwaltung, jüdischer Lokalregierung und einem jüdischen Oberbeamten an ihrer Spitze, alles natürlich unter britischer oberhoheitlicher Ueberwachung. Da dieser Vorschlag gemacht wurde, fühlte ich mich nicht gerechtfertigt, im Hinblicke auf die Verfassung des Judentums und die Notwendigkeit, sofort irgend ein Mittel zur möglichsten Besserung der Lage zu finden, etwas anderes zu tun, als die Erlaubnis zu erlangen, den Vorschlag dem Kongresse zu unterbreiten. Damit die Sache indes für uns alle ein hinreichend greifbares Interesse habe, war es notwendig, den Vorschlag in eine Form zu bringen, der auf unsere uns allen so teueren nationalen Bestrebungen Rücksicht nehmen würde. Unser Vertreter führte daber einige Zeit hindurch mit den Mitgliedern des britischen Kabinetts und mit den Ressortsschefs eingehende Verhandlungen, die einen günstigen Fortgang nahmen. Ich möchte den Anschauungen des Kongresses über die Politik, die die zionistische Bewegung diesen Vorschlägen gegenüber befolgen will, nicht vorgreifen, allein obschon selbstverständlich das jüdische Volk kein anderes Endziel haben kann als Palästina, und obwohl, was immer das Schicksal des Vorschlages sein mag, unsere Anschauungen über das Land unserer Väter unabänderlich sind und bleiben müssen, so wird der Kongreß doch erkennen, wtzhche außerordentliche Förderung unsere Bewegung dürch die UnteMändlungen mit der britischen Regierung erfahren hat. Ich darf sagen, daß unsere Anschauungen inbetreff Palästinas mit voller Offenheit und Ausführlichkeit den Mitgliedern des britischen Kabinetts und den in dieser Angelegenheit zuständigen hohen Regierungsbeamten auseinander gesetzt worden sind. Ich glaube, daß der Kongreß Mittel finden kann, von dem Anerbieten Gebrauch zu machen. Dieses Arrerbieten wurde uns in einer Weise entgegengebracht, die dazu beitragen muß. die Lage des jüdischen Volkes zu bessern und zu erleichtern, ohne daß wir irgend etwas von den großen Grundsätzen aufgeben, auf welche unsere Bewegung gegründet ist. Die Einzelheiten des Vorschlages, auf den ich Ihre besondere Aufmerksamkeit aufs ernstlichste hinlenken möchte, dem gesamten Kongresse vorzulegen, würde mir nicht praktisch scheinen. Es scheint mir richtiger. Sie zu bitten, daß Sie einen kleinen Sonder-Ausschuß wählen, der sich mit der ganzen Angelegenheit zu befassen Hütte. Was immer beschlossen werden mag — so viel kann ich getrost sagen, daß wir alle im Herzen nichts als das tiefste Gefühl Lieder in Prosa. Von S. T s ch e r n o w i tz. Ans dem Hebräischen von F. B r e n n e r. Wißt Ihr, woher er den Stoff zu seinen Erzählungen nahm? Er t r a n k aus dem Munde eines Löwen frisch h e r v o r q n e l l e n d e s Wasser. Das Wasser drang in seine Glieder, vermischte sich mit seinem Blute, stählte seine Nerven und er ward ein anderer .... Und alles ward lebendig, atmete Lebens, alles, seine ganze Umgebung .... Und die schöne, herrliche Natur, die vom Regen betauten Rosen, die gewaltigen, in langen Reihen gepflanzten Bäume, die hohen Riesenstatnen, die jedem Beschauer majestätische Furcht cinflößlen, sie alle lebten, fühlten . . . Dann ging er durch die Länge und Quere des Gartens, und wo er g ng, fand er Leben, Leben . . -. Dann schien es ihm, daß die Riesenstatuen sprechen, daß ihre Brust sich hebt, die Hände sich emporstrecken gegen ihn, und seine Augen Gnade finden von dem Bilde, das vor ihm stand. Und der Statue gegenüber stand die Gestalt einer schönen Jungfrau: Ihr K rper no[c^mctb:g. das Haupt oval, die Augen zur Hälfte offen und voll Liebreiz, der Hals, in die Höhe gerichtet, alles iti majestätischer Pracht. Damals suchte er und fand eine brennende, andauernde Liebe in den Herzen der Statuen. Und wenn die Schatten des Abends herabstiegen, die Nacht die Natur in ihr schwarzes Gewand hüllte, ui:d die Menscheil sich zur Ruhe begaben — die beiden Statuen wachten noch, näherten sich und umarmten einander und sangen Liebeslieder bis zum frühen Morgen . . . Die sonst von Zweig zu Zweig hüpfenden Vögel blieben jetzt ruhig und stimmten Lieder an, die Rosen hüpften, und auch die hohe», gewaltigen Bäume tanzten und sprangen, wie b zaubert von dem schönen Liebesgesang. Der Gesang aber der Dankbarkeit für das staatsmännische Wohlwollen empstnden, das Großbritannien in diesen Verhandlungen dem jüdischen Volke gegenüber bekundet hat. Zion ist dies freilich nicht und kann es nie werden. Es ist nur eine Kolonisationsaushilfe, aber wohlgemerkt auf nationaler und staatlicher Grundlage. Das Zeichen zum Aufbruche können und werden wir unseren Massen daraufhin nicht geben. Es ist und bleibt lediglich eine Notstandsmaßregel, die der jetzigen Ratlosigkeit aller philantropischen Unternehmungen abhelfen und dem Verluste solcher versprengter Volksteile Vorbeugen soll. So lagen die Dinge, als die letzte Wendung eintrat, die erst einige Tage alt ist, aber eine sehr bedeutende Entwicklung vorstellt." Die wohlbekannten Ereignisse machten es notwendig, daß ich im Interesse des jüdischen Volkes nach Rußland reiste. Ich hatte die willkommene Gelegenheit, mit der dortigen Regierung zu verkehren, und ich kann sagen, daß ich einem gewissen Verständnisse unserer zionistischen Bestrebungen begegnete, sowie auch Aeußerungen des guten Willens hörte, etwas Entscheidendes für uns zu tun. Ich gestehe übrigens, daß ich bei dieser Gelegenheit nicht nur Parteimann war — Sie werden es mir nicht übel nehmen. Ich sprach nicht nur für die Zionisten, sondern für alle Juden in Rußland. Ich bemühte mich, einige Verbesserungen ihrer traurigen Lage zu befürworten, und erhielt auch die Zusicherung, daß solche Erleichterungen demnächst in Erwägung gezogen werden sollen. . Bedeutender waren die Zusicherungen, die ich für die zionistische Bewegung erhielt. Ich bin in der Lage, zu erklären, daß die russische Regierung dem Zionismus kein Hindernis in den Weg legen will, wenn er, wie bisher, einen ruhigen und gesetzlichen Charakter behält. Die russische Regierung ist ferner bereit, bei der Deckung der Gelderfordernisse einer von uns Zionisten geleiteten Emigration mitzuwirken. Endlich, und darauf ist wohl das allergrößte Gewicht zu legen, ist die russische Regierung bereit, unseres Bemühungen um die Erlangung von Palästina bei S. M. dem Sultan mit ihrem Einfluß zu unterstützen. Die Tragweite dieser Erklärung, die ich dem Zionistenkongreffe übermitteln darf, ist wohl iedem erkennbar. Ein solches Versprechen der russischen Regierung bedeutet einen diplomatischen Gewinn, der nicht zu hoch veranschlagt werden kann. Nicht nur ist ein enormes Hindernis' beseitigt, es ist auch plötzlich eine mächtige Nachhilfe vorhanden. Ihre Wirkungen sind allerdings stieg in die Höhe, teilte die Himmel, die die Erde in Liebe mnauuteu und sie iu das blaue Gewand hüllten, der Mond aber beleuchtete mit seinen Strahlen die Zweige der hohen Tannen. Damals erst empfand er und verstand die Macht der L'ebe, die selbst bis zum Himmel reicht. Und er nahm einen Sonnenstrahl, tauchte ihn in frisches Quellwasser, zog ihn über das Not der Rosen und erhielt — Tinte. Und er nahm einen Zweig vom Baum, teilte ihn in kleine Stücke, und machte daraus eine Feder. Und er nahm ein Blatt vom Baume, glättete es und es ward zu — Papier. Dann streckte er sich hin ans das grüne Gras, roch den Duft der Blumen, trank das klare, kalte Wasser, hüllte sich in ein Gewand grüner Blätter und — schrieb. Und er erzählte von dem grünen Grase, von Himmel und Erde, von den Sonnenstrahlen und Tannenzweigen, dem Wasser und den Blüten, den Statuen und der andauernden Liebe eines jeden Geschöpfes. llnd er erzählte von den Gefühlen, den schwellenden Busen, den beengten Herzen, gesenkten Augen und roten Lippen. Die Gefühle waren ihm ein Symbol für die starke, freudetrunkene Liebe; die gesenkten Augen — der stumme Ausdruck der Sehnsucht des Liebenden nach der Geliebten, die Steinlippen — lvie geschaffen, Liebesküsse zu empfangen. Und er schloß seine Erzählmigen mit folgenden Worten: alles ward zu Stein, von zu vielen Gefühls- und Liebesergüsseir... Seine Erzählungen waren angenehm, herzerquickend. Es lasen sie die schönen Evatöchter, liegend ans ihren Betten in ihren Gemächern; ihre Atome wurden von Liebe erfüllt, sehnsuchtsvoll strickten sie ihre Hände aus, um alles zu umarmen, alles zu lieben, alles . . .

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