Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 34 (21.8.1903)
- Date
- 1903-08-21
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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FVo? t fl t Jüdisches Vn'ksblatt 21. August 1903 Ni. 34 werbe daher dem Parlament cm Amendement in dein von der Deputation gewünschten Sinne bvrlegcn. Gleichzeitig ersuchte er die Mitglieder der Abordnung, ihren ganzen O'-'nflnß aufzubieten, um zu verhindern, das;" Leute vhne M»ttl und ohne Handwerk jetzt schon nach Südafrika answandern. Die antisemitische Campagne in Rnßland. Dem radikalen „Morning Leader" wird ans Moskau gemeldet, daß der russische Minister des Innern nichts Geringeres als eine neue antisemitische Campagne vorbereite. Der Generaldirektor der Polizei, Lopuchin,"hält sich seit 10. b. mit vier Räten in Odessa ans und die Ankunft des früheren Gouverneurs in Kischeuew, Generals v. Wahl, war angeknndigt. Lopuchin hielt täglich zwei Sitzungen int „Hotel - recbt verbaut ,;n mache», n»d sorgt dafür, das; inan die Juden, sobald inan anneiunen dürste, sie hätten wieder etivaZ Geld und Gilt angesanunelr, dnrcv Exzesse gründlich Plündert. — Um uitn diesen Druck endlich abznschntteln, beschlossen 100 größtenteils dein Dniidlverkerstaa'x' angehörig'- Israeliten, >i n ch Amerika ansn rv a » d c r n. Ans dem '-ege soll sich ihnen ein zweiter Zug lüden Antisenniismns von sich fern zu halten und ihni, wenn es notlnt. auch einmal die ''>ähiie ,;n zeigen; der kleine Mann in der tieinen Stadl leidet unter der Misere Tag für Tag und Stunde für Trnnde, unsere Lage erinnert an die Leidenszeit im finsteren fa- . u.ii.r:» Miuelalier, die den Bekennern des Judentums anferlegt loar. Man ersinnt in raffinierter Weise alle inögliebeil Mittel, deii armen geplagien Anden den mampf nmS Dasein nach Möglichkeit .'.n erschiveren, ja in manchen Aalten ihn schier zu unterbinden. Zu den gransainsten Mitteln gehört unstreitig die Ausschließung der Inden von allen gelverblichen Betrieben. Durch diese Masznahinen lvaren sie lediglich ans Hansirhandel und auf Geldgeschäfte angelviesen. Alan zivingt sie, hohe Zinsen zu nehmen, um sie beim Bolle Petersburg" ab, wozu die lokalen Polizeibehörden und Geheimpolizisten zugezogen wurden. Politische Verhaftungen fanden am Tage und des Nachts statt. Die Polizei will endlich die Autoren und Drucker der revolutionären Literatur entdeckt, welche den Süden seit längerem überflutete und auch Listen der Revolutionäre Odessas gefunden haben, lieber; anschließeu, ebenfalls 1000 arbeitsfähige, leider aber auch zum Teil neunzig Prozent der als politisch verdächtigt infolge der Verfolgungen und antisemitischen Strömung erlverbslos Verhafteten sind Juden. Der Korrespondent erklärt, gewordene Israeliten. Wie groß das Elend unter den israelitischen diese Mitteilung ans Grund unantastbarer Information Handwerkern ist, fällt einem sehlver, zu beschreiben. Hier in nnmachen zu könucn. Damit habe Herr v. Plehwe die längst scrcm Städtlein sind 5 0 bis 6 0 Familien absolut mittellose sehnlich begehrte Waffe in die Hand bekommen. Bereits zir- und arbeitslose israelitische Klempner, Allstreicher und kulieren in Moskau dunkle Gerüchte von der sofortigen An-! Zimmermaler, Tischler, Schlosser, Schiiliede nild Maurer, welche veranmung einer Sondersitzung des Ministerkomitees zum! einschließlich ihrer Frauen und .Kinder eine Bevölkerungsziffer von Zwecke der Ausarbeitung neuer drastischer F r e i h e i t s-. 150 Seelen repräsentieren. Die Not ist also nirgends so groß als b e s ch r ä n k u n g e u, wodurch die Juden aus dem'in Rußland, lvo infolge des Alifhörens jeglicher Tätigkeit und des damit verknüpften Niederganges zahlreicher Gewerbe Tausende von Familien im Kiewer Gorvernement dem Elend preisgcgeben sind. Gebe der Ltllgütige schnelle Hilfe l Ein alter Achtundvierziger, Herr Leo Eloesser, ist in senior zweiten Heimat, in San Francisco, Catifvrnien, int Alter von 86 Jahren gestorben. Herr Eloesser war nach dem Zeugnis der „California-Staatsztg." einer der bekanntesten und angesehensten Inden in San Francisco, dessen höchster Lebenszweck während eines Menschenalters die Förderung aller hmnanitärclr Bestrebungen war. In Bischofswerder in Preußen am 16. Dezember 1816 geboreli, studierte Leo Eloesser an der Universität zu Königsberg. Nach seiner am 23. März 1847 in Marienwerder erfolgten Verheiratung mit Fräulein Jda Friedländer siedelte Herr Eloesser mit seinerjungen Gattin nach Berlin über. Wegen fetuer Teilnahme an der Achtundvierziger-Bewegung mutzte er das Heimatland verlassen uird, nachdem er längere Zeit in London gelebt hatte, siedelte er nach San Francisco über, wohin ihm seine Familie folgte. In San Francisco nahm er an den Bestrebungen und Unternehmungen der Bcvölkerrmg, wie der „Allgemeinen deutschen Unterstützungsgesell Lande vertrieben werden müßten. Die 160.000 Juden Odessas befinden sich in großer Besorgnis über die Folgen des Lopuchin'schen Berichtes. Aus Palästina. Die russischen „Chowewi Zion" haben in Palästina eine Bewegung zur inneren Kolonisation der einheimischen Judeuschait eingeleitet. Die Juderiarrsivanderung. Aus Bukarest wird berichtet: Der Korrespondent des „Adverul" in Jassy halte eine Unterredung mit dem Bürgermeister jener Stadt, dem Abgeordneten Penesku. Auf die Frage des Korrespondenten, wie er die ökonomische Lage betrachte, antwortete der Bürgermeister: „Nicht nur, daß ich keine Besserung erblicken kann, sondern unsere Stadt geht immer mehr zurück. Niemand kann das besser wissen, als wir, die wir sehen, daß die Gemeindeelnnahmen in stetiger Abnahme begriffen sind. Die Ursachen sind nur allzu bekannt. Es hat dazu viel die Notwendigkeit beigetragen, in welcher sich Staat und Gemeinde befinden, alle Arbeiten einzustellen. Viele Leute expedierst werden, wo sich oft 50 60 Personen mit ihren Pinkeln und Koffern befinden. Dort wird ihnen das Nationale abgenonnnen, nach kürzerer oder längerer Zeit werden sie weiter expediert, um einem unbestimmten Elende meist entgegenzugehen. Bei dieser Gelegenheit soll gleich darauf hingewiesen werden, unb amerikanische und englische jnd. Blätter berichten hierüber genügend, welche Notlage unter den Einwanderern dort herrscht und wie sie oft bis auf die Knochen a n S g e b e u t e t dort ankommen. Ich bin von der Notlage unserer armen Brüder im Osten überzeugt und weiß, daß ihre Lage dort eine sehr bedauerliche ist, kann aber doch wicht umhin, dieselben vor überstürztem Auswandern zu warnen, weil der größte Teil weist zu spät einsieht, welchem Unglücke er in die Arme fällt. Gleichzeitig erlaube ich mir einen Vorschlag an die Vorstände der jüdischen Vereinigungen. Da leider die wirtschaftlichen Zustände im Osten derartige sind, daß unser« Brüder gezwungen sind, zum Wanderstabe zu greisen, so wäre cs an der Zeit, daß Männer sich zusammenscharen, um durch Gründung eines schaft", dem „Deutschen Altenheim" u. a. m. bis ins hohe Alter erwarben i re3cn Anteil. Seit vielen Jahren war er Ehrenmitglied der „?lllg. dmch di°I- Arbeiten ihr Br°. und ««!«- Stadt ha. ihre! Elnstelllmg besonders hart getroffen. Dre ^ndenauvwandernng . deren Sekretär er 30 Jahre hindurch war. Außerdem war er 28 trägt gleichfalls zu dieser schlechten ökonomischen Lage bei. > Jahre lang Sekretär des Israelitischen Franenvereins und des Aus Jassy sind mindestens 7000 Juden ausgewandert (bei Israelitischen Waisenhauses. Herr Eloesser war bis zum Jahre einer Gesamtbevölkerung von 60.000. Anm. d. Ber.). Da von hat sich heute jeder überzeugt. Wenn wir annehmen wollten, daß jeder dieser Leute nur ein-en Franken täglich verbrauchte, so sind doch dem Konsum über zwei Millionen entzogen worden." Der Bürgermeister antwortete auf eine Bemerkung des Korrespondenten, daß er nicht die Möglichkeit habe, die Auswanderung einzudämmen, da die Leute eben hingehen, wo sie ihr Brot finden. Herr Penesku ist früher selbst Antisemit gewesen. Vielleicht hatten diese auswandernden Juden, die bn einem an Bevölkerung so armen Lande wie Rumänien einen doppelten Verlust bedeuten, das Stück Brot doch in einem der vielen Berufe gefunden, die ihnen durch gegen die „Fremden" gerichtete Ge-! setze verschlossen worden sind. Jelisawetgrad. Nach dem „Kirwljanin" nimmt die Emigration der Juden aus Jelisawetgrad und dessen Gebiet immer größere Dimensionen an. Das Ziel ist Amerika. Im Laufe des Juni sind 300 Familien davongezogen. Im Juli emigrierten täglich 10 bis 20 Familien. Unsere Lage. Aus Nadomisel (Rußland) wird uns geschrieben. Auch in unserer verlassenen Stadt haben wir Juden den Eindruck, daß wir uns nur einer halben Gerechtigkeit zu erfreuen haben. Aufreizungen zu Haß und Verachtung oder zu feindseligen Handlungen gegen die jüdische Religionsgemeinschaft sind in unserem verlassenen Städtlein auch nicht mehr selten und wir sind auch hier gegen die antisemitischen Beschimpfungen und Verleumdungen nicht besser geschützt als im ganzen Reiche. Wir sind auch Tank dem energischen Eingreifen unseres Bürgermeisters vor ernster Gefahr kaum bewahrt worden: Gegen Ende des Monats Mai waren die Mauern mit Plakaten beklebt, welche die Bevölkerung aufforderten, die jüdischen Häuser zu v e r w ü st e n. Diese Hetze war deshalb umso gefährlicher, weil ein Jahrmarkt gerade stattfinden sollte und die CUeiftcr der Bauern da ganz besonders erregt sind. Wir wußten es ganz genau, daß Unruhen gegen uns vorbereitet sind. Ans Anregung einiger hiesiger Bürger wurde eine Bitte an den Kiewer Gouverneur per Draht gesendet, daß der Bürgermeister angewiesen tverden möge, die zum Schutze der Juden notwendigen Maßregeln zu ergreifen. Der Bürgermeister rief den Juden, welche die Straßen füllten und ihn um schnellsten Schutz baten, zu: „Fürchtet nichts, es wird euch nichts Böses geschehen, so lange ich in Nadomisel bin. Kehret zu euren Geschäften zurück, und wenn jemand euch angreift, wird er die höchste Strafe büßen müssen." Die religiösen Behörden der Stadt wurden von dem „Sprawnik" (Bürgermeister) für etwaige Ausschreitungen verantwortlich gemacht und alle in diesem „Ujezd" (Rayon) befindlichen Häscher tvurden berufen und am Tage des Jahrmarktes in den Straßen aufgestellt. Die von dem Bürgermeister ergriffenen Vorsichtsmaßregeln waren geschickt und Wohl überlegt. Dank dieser Vorsichtsmaßregeln ist bisher die Ruhe nicht gestört, der seit lauge vorbereitete Aufstand gegen die Juden von Nadomisel rechtzeitig verhütet worden, lieber den Antisemitismus hier in unserem Städtlein kann gesagt werden: der wohlhabende Jude in dcvchgrös^- ren Stadt hat manches Mittel an der Hand, um den gesell,schaft- 1870 in San Francisco auch an einer deutschen Zeitung in leitender Stellung tätig und war einer der Gründer der dortigen Akademie der Wissenschaften. Bücher-Emlaus. Anthropologie und Zionismus. Vo» Dr. Aron Sandler. Brünn. Jüdischer Buch- und Kunstverlag. Topographie des alten Jerusalem. Von Dr. thsol. Karl Mommert. Erster Teil. „Zion und Akra." Die Hügel dev Altstadt. Preis Mk. 8.—. Verlag und Druck von E. Haberland, Leipzig-R. „Das Prätorium deS Pilatus" oder „Der Ort der Verurteilung Jesu". Bon Dr. theol. Karl Mommert. Preis Mk. 4.50. Verlag und Druck von E. Haberland, Leipzig-R. „Palästina und Syrien." Untersuchungen zur Wirtschaftspolitik von Lazar Felix Pinkus. Mit einer Vorrede von Doktor D. P a s m a n i k, Privatdozent an der Universität Genf. Genf, Verlag der Zionistischen Monatshefte, 1603. Der Zionismus und die Judenfrage. Oekonomisch und ethisch von Dr. jur. David Färb stein. Bern, Verlag von S t e i g e r u. Ko. De» Reichstag für 60 Pfennige. Die Resultate der letzten Wahlen zeigt in übersichtlicher Weise G. Freytags Reichstags-Wahlkarte des Deutschen Reiches 1903 (Verlag von G. Freytag u. Bern dt, Leipzig und Wien, V1I/1, Schottenfeldgasse 64, Preis mit Postzusendung 65 Pfennig«, auch gegen Einsendung von Briefmarken!. Alle Wahlbezirke koloriert nach der Partei-Avgehörigkeil und mit Namens-Angabe des Gewählten, die Anzahl der für jede Partei abgegebenen gütigen Stimmen, Größe der Parteien, Verteilung der Reichstags-Mandate, Wahlbeteiligung re. re. sind in sehr interessanter Weise auf der unseren Lesern zum Ankäufe bestens empfohlenen Karte dargestellt. Achad Haam, ein Denker und Kämpfer der jüdischen Renaissance. Von Mathias Ach er. Berlin SW. 47, Jüdischer Verlag. MeyerJeremi^S. Mk. 2.50. Verlag I. G. O nke n. Kassel. Jüdische» Volkskalendev für das Jahr 5664 (1903/04). II. Jahrgang. Redigiert von Dr. Theodor Zlocisti. 1 Krone. Jüdischer Buch- und Kunstverlag. Brünn. Eingesendet. Wiener jüdisches Auswailderurrgsburearr. Geehrte Redaktion! Ich bitte um Aufnahme nachfolgenden Schreibens: Wenn man Zeit hat, rin wenig Umschau zu halten und sich für jüdische Angelegenheiten interessiert, so findet man oft herzzerbrechende Zustände, welche abzustellen höchste Zeit wäre. Eines der schrecklichsten Dinge dieser Art sind die sogenannten Auswanderungsbure >us in Wien. Da werden von den Bureaus Agenten nach Galizien und der Bukowina ausgesendet, welche den Leuten geradezu goldene Berge versprechen, um sie zum Auswandern zu veranlassen. Sie verkaufen ihren kleinen Besitz, um einen neuen Lebenslauf ,;u beginnen. Diese Leute werden nach Wien geschickt; man kann scheu loie die armen Leute, wenn sie bei der N o r d b(a h n ankominen, von hiezu bestellten Agenten und Auspassern abgefangen werd> n und in die einzelnen Bureaus Unglücklichen in der bereitwilligsten und liebvvollsten Weise, und, da nicht auf Gewinn berechnet, unentgeltlich mit allen nur möglichen Ratschlägen an die Hand zu gehen. Schöne Beweise für das Gelingen einer solchen Organisation haben wir an dem unentgeltlichen Arbeitsnachweis etc. etc. . Jubein ich ihnen im Interesse der hiervon Betroffenen für die Ausnahme danke, zeichne Hochachtungsvoll Herrin an P l a s ch k e s d. z. Vizepräsident des Jüd. V. V. Alle südischcn Blätter, insbesondere die Jargon-Blätter, merbe» um Avdruck gebeten. * Löbliche Redaktion! Am 8. August, „SchabeS-Naclumi", wurde in der „Husiatyner Klaus", das ist das Aethaus der Anhänger des Husiätiaer Wunderrabbi afischiert, daß diejenigen Väter, welche ihre Kinder m die Hiesige Volksschule schicken, von dem genannten Bethause ansgewiesen werden. Düse Tatsache illustriert die Gesinnungen eines großen Teiles der hiesigen Bevölkerung. K o h n. G e e h r t e Redaktion! Der gegenwärtig in Krakau tagende R a b b i n e r k o n g r e ß "weckte gleich am Anfang in allen Schichten der jüdischen Bevölkerung das lebhafteste Interesse, und jeder, welcher für die Vorgänge im Judentum Sinn hat, verfolgte alle Phasen dieses Kongresses mit der größten Aufmerksamkeit. Ich habe ans diesen Kongreß große Ertvartnngen gesetzt und cs erfüllte inich mit Genugtuung daß sich endlich das So'lidaritätSgefnhl zwischen den Inden zu regen begann und daß diesmal eS die „Leuchten" der Juden find, welche eine derartige Aktion herbeirnfen. Eine Enttäuschung ersiihr ich, als der Kongreß nur von einem kleinen Häuflein Rabbiner besucht wurde, und das Gros derselben nach tvie vor in ihrer durch nichts gerechtfertigten Zurückhaltung verharrte. Aber auch ein kleines Häuflein kann — bei gutem Willen — großes vollbringen dachte ich mir und wartete der Dinge, die da kommen sollen. Der Anfang ließ sich auch ernst und würdevoll an, sämtliche Rabbiner legten einen feierlichen Protest gegen die entsetzliche und nicht genug verabschennngswürdige Blntlnge ein, tvelche geeignet ist, einen starken und nachhaltigen Eindruck zu erwecken. Doch, was höre ich weiter? Ein unbekannter Rabbiner ans einer unbekannten Stabt in Rußland stellte den Antrag, daß über alle diejenigen Juden, ivclehe sich an der revolutionären Bewegung in Rußland beteiligen, ein moralisches Verdammnngsnrteil ausgesprochen werde, daß sie alle in Acht und Bann gelegt werden, angeblich deshalb, iveil die Freiheitsbewegung den Inden schadet und die Religion Furcht vor den Fürsten gebietet. Wie? fragte ich mich, ist das ein j ü d i s ch er R a b b i n c r, der das spricht oder ein r n s s i s ch er P o l i z e i m e i st c r? Wie kann ein jüdischer Rabbiner die Stirne haben, ein Verdammnngsurteil gegen diejenigen zu beantragen, tvelche für die Freiheit der Inden, für bie Erkämpsnng einer besseren Zukunft für dieselben ihr Leben so mutig in die Schanze schlagen. Verdienen nicht vielmehr diese tapferen Märtyrer, tvelche für ihre Freiheitsidee die schrecklichsten Qualen heldenhaft ertragen, auch die Sympathie und Dankbarkeit ihrer Glaubensgenossen? lind erst die Begründung dieses famosen Antrages. Die Freiheitsbewegung schadet den Inden, das heißt, tveil die Inden zur Einsicht gekommen sind, daß ihnen die Menschenrechte gebühren, tvelche mau ihnen bisher vorenthalten hat, tveil sie diese Menschenrechte jetzt fordern, deshalb tverden sie verfolgt, kann uns vielleicht der Herr Rabbiner sagen, ob die Lage der Inden früher besser tvar, als eine revolutionäre Bewegung noch nicht existierte? Wer in den Annalen der jüdischen Geschichte blätterst, findet auf jeder Seite ein Kischenetv verzeichnet, überall lvnrden die Inden verfolgt, gebrandschntzt, geplündert und gemordet. Waren die vielen Märtyrer ans Spanien, Deutschland, Frankreich cttva auch Revolutionäre? Verdanken die Inden die Handvoll Rechte, tvelche sie zur Zeit besitzen, nicht eben diesen „revolutionären Vetvegnngen"? Die Religion gebietet Furcht Vörden Fürsten, begründet weiter der Rabbiner. Jawohl: Ehrfurcht und Liebe einem Fürsten, der u»S liebt, uns schützt, aber einen Fürsten, oder dessen Negiernngssystem, Ivelches uns nur für Siindenböcke gut hält, welcher uns zu gemeinen Sklaven proklamiert, tvelcher rnis physisch und moralisch zu Grunde richten tvill, einen solchen Fürsten lieben und ehren, das gebietet die Religion nie und nimmer und nur in dein Polizeigehirn dieses Rabbiners konnten solche Begründungsmotive entstehen. Der Kongreß hatte nicht den Mut, den Antrag dieses famosen Rabbiners, gegen welchen übrigens der Vorwurf erhoben wurde, daß er für russische Rubel gekauft wurde, mit gebührender Verachtung zu verlverfcn, lvar aber so weit gerecht, ihn nicht zu beschließen und der parlamentarische Ausweg, ihn einer Kommission znznlveisen, ist einer Verwerfung gleichbedeutend. Die Rabbinerkongresse könnten viel Gutes für die Inden schaffen, es müßte aber früher ein Geist, tvie ihn der berüchtigte Rabbiner ans Rußland hereinbringcn wollte, gründlich ansgejätet werden. G o r l i c e. D e s i d e r H a r l i g. MMeiliMAtrr au» dem Uubttlmim Keine Stuhlverstiipfnng mehr! Dein Echt-Nürnberger Leüknchenfabrikanten H. Huß in Wie», 18. Bez., Ladenburggasse 46, ist es gelungen, einen außerordentlich schmackhaften Lebkuchen herznstellen, durch dessen zeittveiligen Genuß au Stuhlverstopfnng Leidende, ob Kinder oder Erlvachsene, davon sicher und schmerzlos befreit tverden. 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