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Jüdisches Volksblatt · 1903-05-08 · 19 (8.5.1903) · page 1

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
19 (8.5.1903)
Date
1903-05-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Äjbatfton: n/8. Leopol-sgsssr 49. Gvrrchstn«öe«r Kn MochaUageo non 4 btt 5 llhr nad)mtttaal, P«S«fc«!51; JSStsche« «orrSblatt, »te», tt» Vokchwrrdr« wegni »erspüteter oder gar ntiht erfolgter Zustellung erbitten »ir »n» dringend. -- MmivstttSle MerSe» »Ich« znrLkloeftellt. Vostjparraffen-ikonto «47017. An dar Wonn-Ment kann «an täglich eintrnen. -S- Erscheint jeden Freitag ««rer WirwirktUNg ver vom jüdiMperr Volksvrrsin srkratzttr« Prrfsrommlfston. SaTeente übernehmen die Firmen; ADannsberg, M. Duker, Haafenstein » Vogler, Rudolf Moste. «. Oppelik. M. Pozsonyi. kl. Schale! w Wien, ferner alle Annoncen-Txpedittonen tm SluSlande. M«ze1.N«WMer i» Wie« I« Heller. UdminMration: n/3. Leopoldsgasts 49. Telephon-Nr. 1472» Ubo«»e«eutSpreiSr Telephou-Nr. 1472» Für Wie» «. Oesterreich-Nngar» fammt grancozusteüung. «anzjährtg ^ier/el?äbrig Kr. 8.- :fc Für das gelammte AuSlauh sammt grancozustellung. Ganzjährig . Halbjährig . Vierteljährig .Kr. ».- „ 4.50 . 225 Ur. 19 Wien. 8. Mai 1903 (11. Jjar S663). V. Jahrgang. a Gemeinbürgschaft wider Gemeinbürgschaft. Abgeordneter Dr. P e r g e l t, Vorstandsmitglied der deutschen Fortschrittspartei, hielt jüngst in Rumb u rg eine Wähleroersammlung ab, in der er nicht umhin konnte, die sehnlichsten Wünsche seines Herzens zu offenbaren. Er sagte : In allen Fragen findet sich die deutsche Fortschrittspartei mit der deutschen Volkspartei in derselben Gesinnung (!) und Position beisammen und es besteht ein wesentlicher Unterschied nicht mehr(!) Er richte an die Wähler die Aufforderung, daß sie auf die Abgeordneten einenDruck ausüben, daß sich die beiden Parteien vereinigen". Wir wollen nicht mißverstanden werden; wir hätten es nur mit Freuden begrüßt, wenn sich die deutsche Volkspartei zu den freiheitlichen Prinzipien entwickelt hätte, die die Fortschrittspartei allerdings nur in der Theorie und in den „Judenblättern" vertritt. Aber davon ist keine Rede. Schon die Person des Einigkeits meiers Dr. Pergelt, der seinerzeit gegen die Aufnahme jüdischer Mitglieder in die deutsche Fortschrittspartei stimmte und deshalb aus dem Klub austreten wollte, ist der beste Beweis dafür, daß die Volkspariei sich nicht zum Liberalismus, sondern die Fortschrittspartei zum fakultativen Antisemitismus entwickelt hat. Allerdings nur dort, wo es etwas nützt, wie z. B. in Deutschböhmen; in Wien, wo sie nur von den Stimmen der jüdischen Wühler und von dem Gelde der jüdischen Kapitalisten lebt, tut sie judenfreundlich. Diese Versuche, die Deutschen unter Preisgabe jeder freiheitlichen Gesinnung auf dem Boden des Chauvinismus zu einigen, stehen nicht vereinzelt da. Sie haben auch in der Konstituierung eines deutschen Volksrates in Trebnitz für Böhmen bereits ein Ziel gefunden. In Mähren und Schlesien besteht ein solcher schon längere Zeit und neuerlich ist wieder ein Fortschrittsmann, der Freiherr d'Eloert, Abgeordneter von Brünn, für die Vereinigung der Fortschrittlichen mit den nationalantisemitischen Parteien eingetreten. Die neueste Blüte dieser Bündeleien ist die „Nationale Vereinigung der Deutschen im Abgeordnetenhause", eine Wurstkesselpartei, bestehend aus Alldeutschen, Volkspartei und Fortschrittlichen unter Führung S ch ö n e r e r s. Es ist kein Wunder, daß sich analoge Bestrebungen auch bei den Tschechen geltend machen, die zur Bildung eines aus Alt- und Jungtschechen bestehenden „Narodni rad" führten. Bei den Polen besteht ein Volksrat schon längere Zeit. J~L~~ .JOT' ~ -• " '- Feuilleton. Der ewige Znde.") von Moritz Rappaport. Der ewige Jude wandert ohne vasten Ermüdet fort, Er schleppt der Jahre, schleppt des Jammers Lasten von Ort zu Ort, Und trifft sein Volk auf allen seinen Pfaden von l)ohn erdrückt, mit bitt'rem hasi beladen, Da tönts von seiner Lippe bang und schwer: „Du gleichest mir, du selbst bist Rhasver! Mein armes Volk, bist wirklich das erwählte Volk Gottes du? Ich sollte meinen, du bist das gequälte Volk ohne Ruh! Erwählt bist du, zu leiden und zu dulden Und achtzehnhundert Jahre alte Schulden So schwer bezahlt! — und doch verlangt man mehr! O Israel, du armer Rhasver! „was willst du, Fremdling?!" schallt es dir entgegen, was suchst du hier! willst du der Heimat, des Gesetzes Segen, So zahl' dafür! Ein Iudenzoll, das beste wär's der Lande, Du lernst im Zahlen Liebe zu dem Laude, Und lernst du's nicht, so droht dir hohn und Speer, O Israel, du armer Rhasver! :') £lus „Deutsches Dichterbuch aus Oesterreich". Leipzig 1903. Wir lenken die Aufmerksamkeit unserer Volksgenossen auf diese Gefahr. Denn gefährlicher als das Geheul eines Schneiders, Gregorig oder Herzog sind diese Organisationen; sie bedeuten nichts anderes als den systematischen, organisierten und beharrlichen Boyeott. Ihre Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, daß in allen freigewordenen Stellen, ob es nun Aerzte, Advokaten, städtische oder Landesbeamte betrifft, nur Deutsche, selbstverständlich Arier einrücken. Jedes Volk hat seine Art. Der Tscheche macht mit seinem „Svujlr svomu" ein großes Versammlungs¬ und Zeitungsgeschrei. Der Deutsche organisiert still und leidenschaftslos, aber umso gefährlicher den Boykott. Gerade die Deutschen sind aber den Juden zu höchstem Danke verpflichtet. Wir verweisen auf die österreichische „Statistische Monatsschrift"; Dr. Fr.v.Meinz i n g e n unterzieht in ihr „Die binnenländische Wanderung und ihre Rückwirkung auf die Umgangssprache" einer eingehenden Untersuchung. Die günstigen Ergebnisse für die Deutschen ergeben sich hauptsächlich aus dem jüdischen Zuzuge. Nach M e i n z i n g e n passen sich die Juden am vollständigsten der Sprache ihrer Umgebung an. Von den 146.926 Juden im Wien sind 28.151 in Böhmen und Mähren geboren, wo gerade tschechische Gegenden sehr viele Juden zählen. Aber nur 73 haben tschechische Sprache angegeben. Die Juden ans Schlesien bekennen sich ausnahmslos zur deutschen Sprache, von 18.776 in Galizien geborenen Juden bedienen sich nur 6 der polnischen Sprache. In Galizien haben sich in Lemberg 20.409 Personen zur deutschen Spräche bekannt. Davon 19.032 in Galizien geboren, demnach meist Juden. In Czernowitz hat sich über die Hälfte des Zuzuges zur deutschen Sprache bekannt. Es sind meist Juden. Genug der Daten. Die Hinneigung der Juden zum deutschen Volkstum ist hinlänglich bekannt, sie hat ihnen aber nur den Haß der slavischen Völker eingetragen. Dank von den Deutschen haben sie nie geerntet, im Gegenteil, die Deutschen haben den Antisemitismus erst in ein System gebracht. Der einzige Fortschritt, der in dieser Beziehung zu verzeichnen ist, ist der, daß selbst die „Liberalen" mit dem Antisemitismus kokettieren, um den vollständigen Bankerott der Partei zu verhindern. Allerdings ohne Erfolg. Die letzten Wahlen in die Wiener Bezirksausschüsse zeigten den unaufhaltsamen Niedergang der Freisinnigen, sie haben die letzten Positionen in der Inneren Stadt und Döbling verloren, und die christlich-soziale Partei hat, mit Ausnahme der L e o p o kd st a d t, in „Nur Undank ist's, so schallt es dir entgegen, Sprichst du von Recht! Ist nicht genug schon unsrer Gnade Segen Für dein Geschlecht? Du darfst ja atmen, darfst auch lieben, hassen, Rm liebsten freilich in beschränkten Gassen, Du bleibe fern, dein Geld darf näher her!" O Israel, du armer Rhasver! „wie Sage klingt die Runde nun der Zeiten Der Barbarei, Und deiner Brust muß heute noch entgleiten Ein Iammerschrei! O fügt zum lfasi nicht auch den hohn der Lüge Des Geistes und der Bildung hohe Siege Sie lösten deine Fesseln nimmermehr O Israel, du armer Rhasver! Und Lüge ist ein gar geschmeidig Eisen Bequem und scharf, Man formt die Rette in verschied'nen weisen Je nach Bedarf, Und fest und freudig ward sie dir geschmiedet, Ls war die Welt im hämmern unermüdet, In unsren Tagen, wie von Rlters her, Du gleichst mir, du selbst bist Rhasver!" Salonichi. Anläßlich der Unruhen iu Salonichi veröffentlichen wir folgenden Bericht des offiziellen I-nchberichlerstntters des Handelsministeriums Dr. Josef Grunzet: S a l vu i ch i ist ein äntzerst wichtiger Handelsplatz, deuu eS bildet kommerziell die Pforte zu dem weitaus grötzten Teil der europäische» Türkei. Das Hinterland Talonichis reicht im Dfieu — auf der Linie gegen1 allen Bezirksausschüssen die Mehrheit. Wir Juden können auf die Bestrebungen durch Konzessionen an den Antisemitismus Deutsche oder Tschechen oder Polen in einer Partei zu vereinigen, nur eine Antwort geben, und diese lautet: „Jüdische Gemeinbürgschaft." Wir müssen der deutschen und der tschechischen Gemeinbürgschaft die „Jüdische Gemeinbürgschaft" entgegensetzen, wollen wir nicht dem wirtschaftlichen Ruin verfallen. Unsere Politik. Wie verlautet versprach Dr. v. Koerber dem Abgeordneten Dr. Straucher für den Fall, daß er auf die sofortige Beratung seines Dringlichkeitsantrages verzichte, nach Ostern die Interpellationen betreffs der Lage der rumänischen Juden zu beantworten. Es ist also ein Verdienst des Abgeordneten Dr. S t r a u cf) e r, den Ministerpräsidenten zu einer Aussprache gedrängt zu haben. Die Antwort Koerbers entspricht sicher n i ch t unseren Wünschen. Jedoch wird jeder zugeben, müssen, daß ein himmelweiter Unterschied besteht zwischen der Antwort Goluchowskis in den Delegationen und der Antwort Koerbers im Parlamente. Das ist ein Erfolg einer langen mühseligen Aufklärungsarbeit, die sicher nicht in letzter Linie vom „I. V." besorgt wurde. Umsomehr muß es befremden, daß der letzte Rechenschaftsbericht der „Israelit. Allianz" soviel Worte über die Interpellation Skedl verschwendet, ohne anderer zu gedenken. Den Dringlichkeitsantrag Dr. Straucher tut sie mit ein paar Worten ab, indem sie sich hinter die Ausrede verschanzt, daß er erst während der Drucklegung des Berichtes ihr zukam. Gut, aber wie kann die Allianz es rechtfertigen, daß sie der Interpellation Breiter-Straucher (Oktober 1902), die sechs Monate vor der Interpellation Skedl eingebracht wurde, mit keiner Silbe gedenkt! Dr. Straucher verlangt als Jude keinen Dank, er ist sich bewußt, seine Pflicht zu tun. Wohl aber hätte es sich gebührt, dem Christen Breiter für seine Anteilnahme zu danken. Oder gebührt nur den Christen von Seiten der „Allianz" Dank, die der deutsch-fortschrittlichen Partei angehören? Die Antwort Koerbers lautete: „In den Sitzungen des Abgeordnetenhauses vom 11. und 31. März d. I. haben die Herren Abgeordneten Dr. Skedl und Genossen, beziehungsweise Tr. S t r a n ch e r und Genossen Interpellationen, betreffend die r u m ä n i s ch e I n d e n f r a g e, an mich gerichtet, in welchen dem Gedanken Ausdruck verliehen wurde, das; die derzeitige Lage der rumänischen Inden eine diplomatische Intervention bei der königlich rumänischen Negierung erfordere. Konstantinopel — bis nach Tedengatsch, im Westen bis zu denKnstenstädten Albaniens, die sich direkt in Tester re ich oder Italien versorgen; der Ansbau des jetzigen Eisenbahnnetzes ans der Balkanhalbinset hat dieses Hinterland freilich einigermaßen geschmälert, da sich viele Plätze, die nun durch ein Schienengeteise an die europäischen Industriezentren und Handelsplätze angeschtossen sind, von Salonichi zinn Teil wenigstens emanzipieren. Die Jahresumsätze SalonieliiS im Import und Erport werden auf 120 bis 150 Millionen Iranes ge schätz» Im allgemeinen ist der Handelsverkehr und namentlich der Importhandel ans den einzelnen Levnnteplätzen ein ziemlich gleicharliger, die Geschäftstätigkeit Salonichis weist jedoch gewisse charakteristische Eigentümlichkeiten ans, nicht so sehr in den Waren, die gehandelt werden, als vielmehr in den Irwinen, in denen sich das Geschäft vollzieht. I h r b e s o n d e r e s G e p r ä g e e r h ä k t die Stadt n i ch t n n r t >t k o m m e r z i e l l e r, sonder n n » di in sozial e r H insi cb t d n r ch die S p a g n o l e n. die in der Jahrhunderte langet! Isoliernng ihre Eigenart and Sprache — einen jüdisch-spanischen Dinlett.vollständig bewahrt haben und die Mehrheit der Stndtbebölkernng bilden. Man findet sie als Lastträger tmd BoolSlenie, als Handiverler and Industriearbeiter, ihre spezielle Domäne ist aber doch der Handel, in ivelchem sie eine tanm zn übertresseiide Rührigkeit und ,Findigkeit entfalten. Tie besitzen in der Siegel kein oder kein nnmhnfres .Kapital, verfügen nicht über tiefere kommerzielle Bildung, haben sich aber eine gründliche Wnrenkenntnis und Geschäftsersnhrnng ungeeignet, kalkulieren tlngemein rasch, wissen sich allen Verhältnissen anzupassen and verachten auch den kleinsten Antzen nicht. Tie gehen selbst bis ans die letzte Eintnussgnelle zlirück, suchen selbst den kleinsten Erzeuger in dein Herknnftslande des veiresfenden Importartikels auf and wissen jede günstige Ehnnee schnell ansznnützen. In Wirkwaren beispielsweise, die in groszen Menge» gehen, werden in Ehentititz selbst ganze Dtocks von Ansschnspvaren zusammeugctnnfl and verlnnfofähig ge »lacht, indem ans Sirumpftvaren fehlerhafte Stücke durch bessere

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