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Jüdisches Volksblatt · 1903-04-03 · 14 (3.4.1903) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
14 (3.4.1903)
Date
1903-04-03
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Saite Z Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 3. April 1903 Nr. 14. im „Hotel Central" in würdevoller Weise die Gefühle des Volkes zum Ausdrucke gebracht hatte und in der Versammlung der Vertrauensmänner die gegnerischen Lager gegeneinander losgelassen wurden unb einander weidlich beschimpft hatten, gelangte die leidige Rabbinerfraae endlich in die Kommissionen mtb in das Vertreterkollegium, welches dem Plenum des Kultusvorstandes Vorschläge zu unterbreiten hat. Nun denn, das Vertreterkollegium hat sich mühselig zu einem Ternovorschlage durchgerungen, nachdem Dr. G ü d e m a n n sich energisch dagegen verwahrt hatte, daß ihm ein Koadjutor zur Seite gestellt werde, wodurch die Bestellung eines vierten Rabbiners (Innere Stadt) überflüssig wurde. Du bist wohl lieber Leser neugierig, ans welche drei Rabbiner sich das Vertreterkollegsum „geeinigt" hat? Wenn du nach den bisher beobachteten Intrigen, nach dem deinem Auge unsichtbaren Kesseltreiben einer Clique und trotzdem du die Höllenangst des Vorstandes vor dieser Clique und deren Häuptling kennst, noch immer im Zweifel darüber sein solltest, so nimm doch eine beliebiige Nummer des „Jüdischen Volksblatt" aus den letzten drei Monaten und du wirst daun die drei Namen verzeichnet finden zu einer Zeit, als man noch die ganze, als Statisten mißbrauchte, Kaninchengarde aufmarschieren ließ und ihre in Angst und Bangen vorgetragenen Reden mit einem Ernste allhörte, als käme es wirklich darauf an, was und wie sie etwas zu sagen haben. Und diese drei vorgeschlagenen Rabbiner — sogar die Knaben in der Schule wissen es schon auswendig — sind: Dr. Grunivald, Dr. F e u ch t w a n g und Dr. David. Die „Einigung" auf diese drei schon seit Urbsginn Auserwählten ist — der Wahrheit die Ehre — nicht gar so leicht" zustande gekommen. Es hat heiße Kämpfe gegeben, Kultusvorsteher, die weder zur Kommission, noch zum Vertreterkollegium gehören, wurden als Hilfstruppeu herbeigeholt, eine große Fraktion der „Union" und der in und aus Dr. F i a I I a bestehende „Politische Volksverein" mußten in Kontribution gesetzt werden, und enbiici) mußte noch der Vorstand des Fünf- Hauser Belhauses in aller Eile „beschließen", daß er nicht leben und ruhig schlafen könne, wenn er nicht die Zusage erhalt, daß ihm Dr. Gruuwald als Rabbiner geschenkt wird. Alle diese Geheimmittel mußten in Anwendung gebracht werden, um die Einmütigkeit im VertreterkoÜegium und in der Komifsion zugunsten der drei Favoriten herzustellen. - Obgleich es nun klar ist, daß dieser Vorschlag im Ein Verständnisse des größeren Teiles jener Faktoren zustande gekommen ist, welche in der der Rabbinerwahl zu lUtU iHCllUCH; %r vmuü \ij i fl v » i v* k fl Lj v* »i y &Z Kultusvorstandes ihr Votum abzugeben haben werden, und obgleich wir wissen, daß das in den Cafes „Fetzer" und „National" residierende liberale Z e n t r a l - W a h l k o m i l e e auch bereits in Aktion getreten i st, um Dr. G r u n w a l d für die Leopoldstadt zu reklamieren, mit einem Worte: trotzdem wir wissen, daß die Rabbinerfrage so gut wie erledigt ist, so kämpfen wir dennoch unseren durch die Erfahrung gezeitigten Pessimismus nieder, erfüllen unsere publizistische Pflicht und richten an den löblichen Vorstand der Kultnsgemeinde noch in zwölfter Stunde den Appell: die in Vorschlag gebrachten Kandidaten abzulehnen. Wir begründen dieses im Namen Vieler gest.llre Ansuchen mit folgenden Daten: daß das Primäre, das Entscheidende, das Schicksalsbestimmende unser R as s e n ch a r a k t e r ist. Es ist kein bloßer Zufall, daß alle Rasseittheoretiker, ob sie nun dem Juden freundlich oder feindlich grgenüberstehen, in ihren Ausführungen sich immer auf die Geschichte der Juden berufen. Der Autor ober bringt das Kunststück zuwege, selbst den Ausstand des Bar Kochba als einen nationalen Berzweiflungskampf pur c-xcelenee aus „wirtschaftlichen Verhältnissen" zu ererklärcn. Er leistet sich den lapidaren Satz: „Bar Kochba ließ Münzen prägen, da das Land von den Römern ausgesaugt war." Wir schlagen ihm ver, auch die Weltgeschichte m dieser Wei e zu bearbeiten. Zum Beispiel: Die Engländer nahmen Nap-Keon gefangen, da er die Kontinentalsperre verhängt hatte. Er mag es sich gesagt sein lassen, daß die Juden die Aussaugung geduldig ertragen hätten, aber die Verhöhnung ihrer religiösen und «nationalen Gefühle trieb sie zum Aufstande. Das Programm unserer Gruppe, der jüdisch-volk- U ege ii, fußt auf der Nasscntheorie und es ist sehr bedauerlich, daß der Autor gerade bei der Dürftigkeit des wissenschaftlichen Materials auf diesem Gebiete dieses Programm nicht kennt. In diese Weltanschauung reiht sich die nationale Idee ganz har-uvuiich ein, sie braucht nicht „hereingepreßt" zu werden. Die „Theorie" des Autors besteht darin, daß die ab-> norme Loge der Juden mit der Völkerwanderung beginne und dieser Zustand aus dem Altkapitalismus resultiere, „den die Juden aus dem Altertum herübernahmen, und ans der Unmöglichkeit, sich den herrschenden Zuständen, Wirtschaftsformen anznpusscn. Somit ist das Rätsel, wie die Juden sich während des Mililulters erhalten konnten, gelöst. Nicht die heilige Thora, nicht ihre Auserwähltheit befähigte sie dazu, sondern ihre wirtschaftliche Ueberlezeuheit." Bestechend ist die Behauptung, daß die Verschiedenheit in der ökonomischen Struktur die Ursache ihrer abnormalen Lage nach der Völkerwanderung war. Aber daun müßte logischerweise, in dem Maße als die Verschiedenheit der ökonomischen Struktur abnimmt, auch der Judenhaß abn? huren. Der Autor findet auch, daß in Spanien mit dem Voe-'Bügcu des Kapitalismus durch den Gvldzusluß von den * 1. Bezüglich Dr. Grunwald: Wir haben über c genannten Herrn in Breslau Erkundigungen eingeholt, r die im wesentlichen folgendes besagen: Herr Grunc wald erhielt im Jahre 1895 am Breslauer Seminar - das Absolutorium, meldete sich noch im selben Jahre zur - Nabbinerprüfung, der er jedoch nicht entsprach. Erst im ' Jahre 1897, als er schon in Stellung war, erhielt er - vom Breslauer Seminarrabbiner ein Schreiben, welches : nicht nur die wichtigsten Merkmale eines Rabbinerdiploms ) (Hatarath Horaah) vermissen läßt, sondern gewissermaßen » ein Dokument seiner Unwissenheit auf rabbinischem Ge- - biete darstellt. Herr Dr. Gruuwald hat einige Merkchen geschrieben. Die Reklame, welche mb diesen Büchern zu- ‘ gnnsten Grunwalds geschlagen wird, steht in gar > keinem Verhältnisse zu ihrem wissenschaftlichen Werte , und wird dies hauptsächlich hinsichtlich jenes s Büchleins behauptet, welches von der Wiener Rappaport- : Stiftung, deren Kuratorium auch Herr Dr. B l o ch ange- : hört, preisgekrönt wurde. Aber die Arbeiten Dr. G r'un-! walds stehen auch in krassem Widerspruche zu dem i Konservativismus, den er zur Schau trägt, da sie alle i eine solch unjüdische Richtung einschlagen, daß sie d>e , christlichen Gelehrten deshalb zur Begeisterung hinreißen. Dr. Gruuwald ist kein Kanzelredner. Die von l ihm hier gehörten Probepredigten waren, trotz des eigen- , tümlichen Bravo-Rufes, genau so wie seine Arbeiten, nichts : als momentane Effekthascherei und haben die vollkommen unabhängigem und unparteiischen Beurteiler vollständig unbefriedigt gelassen. Die Reparation dieses Mißfallens durch einen gar zu leichten, kompilierten und nichts Selbständiges verratenden Vortrage in der „Union" ist vollständig mißlungen. Nach allen diesen Vorausschickungen begreifen wir cs wohl, daß Herr Dr. Gruuwald seine Hatharah erst nach vielem Drängen vorgelegt hat, daß es ihm ferner bis heute nicht gelungen ist, im großen Deutschen Reiche einen Rabbinerposten zu erlangen, und wird auch jeder vorurteilsfreie Mensch begreifen, daß wir ihn auch in Wien, der zweitgrößten. Gemeinde der Welt, ablehnen müssen. Sollte er dennoch ausgenommen werden, so müßten wir dies ausschließlich dem Einflüsse des Dr. Bloch zuschreiben, von welchem sich der Kultusvorstand noch immer nicht zu emanzipieren vermag. Also n icf) t abgelebur wird er wegen seiner V erw a n d t s ch a f t mit Dr. Bloch, sondern seine Anstellung würde aus diesem Grunde erfolgen. 2. Dr. Feuchtwang hat seine Studien im Berliner Hildesheimer - Seminar gemacht, erhielt aber daselbst kein Rabbinerdiplom. Seine jetzige Gemeinde ehrte durch fc«t2 QTfS.-jtt&m iv*3 prlstlpn 9intf»r3.. stünss Vorgängers. Vor noch nicht langer Zeit erhielt Herr Dr. F e u ch t w u n g von dem Leipziger Peivatrabbiner S. H o r o w i tz die Erlaubnis, Rabinatssunktionen zu versehen, und hat sich diesen Erlaubnisschein von seinem Onkel, Rabbiner Dün er in Amsterdam, bestätigen lassen. Als Prediger gehört Dr. Feuchtwang zu den Unfertigen, die noch mit der ungenießbaren Phrasenhaftigkeit des Anfängers zu kämpfen haben und die, wie es scheint, diesen bei einem Kanzelredner sehr bedenklichen Fehler nie mehr abzulegen vermögen. Die wissenschaftliche Bedeutung ist eine minimale. Dr. Feuchtwang wird aber von Dr. Güdemann gewünscht, trotzdem man ihn vor zwei Jahren schon einmal abgelehnt hat. Dr. Feuchtwan g wird aber u n s e r e r s e i t s, wie eben Kolonien die Stellung der Juden sich „zusehends" besserte. Sie besserte sich bekanntlich so lange, bis sie in Autodafes und Zwangstaufen und Vertreibungen ihren Höhepunkt erreichte. „Ja, daran war die Habsucht der Spanier schuld." Mit Verlaub, entweder — oder. Einmal beweist uns der Autor haarscharf, daß der Unterschied der beiden Wirtschaftsformen, der Naturalwirtschaft und des Altkapitalismus, die Ursache ihrer abnormalen Lage ist, das auderemal sehen wir in Spanien und Frankreich, daß ihre Lage eigentlich erst dann kritisch wird, als sich diese Unterschiede zu verwischen begannen. Folglich rönnen diese wirtschaftlichen Unterschiede nicht der springende Punkt sein; das Entscheidende waren die Nassengegensätze, die lange unter der Asche glommen, bis sie endlich emporschlugen. Der Autor schreitet auf dem cingeschlagenen Pfad mutig weiter. Da heute auch die abnorme Lage besteht, die Wirtsvölker aber doch nicht mehr Naturalwirtschaft betreiben, so konstruiert er für die Neuzeit den Unterschied zwischen dem Altkapitalismus, den die Juden nach Pink ns also vom grauesten Mittelalter bis in unsere Zeit zähe und unveränderlich festhalten, und dem Spätkapitalismus der Arier. Dies ist eine vollständige Fiktion. Die Inden haben die kapitalistische Entwicklung, die unleugbar vor sich gegangen ist, ebenso mitgemacht, wie die anderen; sie sind sogar auch bei dies; in Gange initiierend und organisatorisch tätig, wie auch bei der Stellung der Juden in der Sozialdemokratie nicht anders zu erwarten ist. Konsumverein und Krämer, das sind zwei Gegensätze, die den Kurzsichtigen verwirren; flugs setzt er dafür Arier und Inden. Wer aber ein bißchen hinter die Kulissen schaut, der sieht, daß die Beamten der Konsumvereine ■— die früheren zugrunde gegangenen Krämer, also Juden sind und der Finanzier des Konsumvereines oft ein jüdischer Kapitalist ist. Aber der Nassengegeilsatz zwischen Juden und Arier besteht. Wir laden den Autor ein, auch einen Blick nach Ungarn zu werfen, das überhaupt noch nicht die spätkapitalistischen Wirtschaftsformen aufweist, sondern gerade sich in der hochkapitalistischen Epoche befindet, die nach Sombart und P i n k u s gerade den Inden adäquat ist. Und trotzdem beginnt der Antisemitismus dort seine Orgien zu feiern.! Es würde uns zu n>cii führen, wenn wir die einzelnen e v tu t e f e tt, n i ch t nur w e g e n d e r P r o t e k t i o n des Dr. G ü d e m a n n a bgelehnt, wahrend seine Berufung nur zufolge dieses Oktrois d u r ch gese tz t w ird. 3. Dr. David bat sich nie wissenschaftlich betätigt. Seine bisherige Tätigkeit gibt uns keinen Anlaß, uns für ihn besonders einzusetzen, ©einen Versprechungen für die Zukunft stehen wir mißtrauisch gegenüber. Das sind die Rabbiner, die euch Juden Wiens aufgehalst werden sollen, gegen euren Wunsch und gegen euren Willen 1 Das aber darf nie geschehen! Möge es doch der Kultnsvorstand einmal darauf ankommen lassen, daß das Volk, gleichlvie die Protestanten ihren Pastor wählen, sich den Rabbiner, unbeeinflußt durch Visükarten oder Drohungen, selbst wähle, möge er doch die Rabbinerdiplome dieser Kandidaten, voll denen zwei Ausländer silld, die schon seit Jahr und Tag vergeblich irgendwo ill Deutschland anzukommen versuchen, veröffentlichen und er würde zur Ueberzengung gelangen, daß das Volk zu ungunsten dieser Kandidaten entscheiden ivürde. Nach unseren Informationen soll ein Häuptling in einer der vielen Kominissionssitzungeu die Versicherung gegeben haben, daß von Seite der Opposition nichts zu befürchten sei, sie werde nichts unternehmen, und ebenso soll Herr Präsident kaiserl. Rat Kling er erklärt haben, die Opposition habe gegen die Kandidaten nichts einzuweuden. Was die Versicherung betrifft, so erklären wir schon heute im Namen unserer Gesinnungsgenossen daß wir, falls diese Wahl wirklich erfolgen sollte, alle Rechtsmittel in Anwendung bringen werden, um die Annullierung derselben herbeizuführen, bezüglich der Behauptung des Herrn Präsidenten hingegen erklären wir, daß dieselbe zumindest auf einem — Mißverständnisse beruhe. Wir lehnen diese Kandidaten ab, weil sie nicht den religiösen und nationalen Anforderungen entsprechen, ihnen nützt in unseren Augen kein Revers, sie würden den Unfrieden in der Gemeinde nur noch vermehren und wenn der Unfriede in der Gemeinde ein Unglück ist, so wäre diese Wahl ein Unglück für die Wiener jüdische Gemeinde. Die Distrikts Präsidentelt hielten im Gebäude der Pester israelitischen Religionsgemeinde ihre ordentliche Jahresversammlung. Anwesend waren : Emauuel Donath (Trencsen), Martin Schweiger (Budapest), Dr. Philipp Szilasi (Sznbadka), I. M. Deutsch (Szombathely), Alexander Leopold (Szegzard), Armin W e r t h e i m (Szökessehörvür), kön. Rat Ignaz Schreiber (Györ), kön. Tafelrichter Wilhelm Lippe (Szolnok), Dr. Franz B e r k o v i t s (Nagyvürad), Dr. Jzsö Rosa de Vürhcly (Szeged), Salomon S t e r n t h a l (Temesvür), Moriz Weiß (Kolvzsvür), Dr. Viktor Schul (Szäszvüros) und kön. Rat Dr. Josef Simon als Referent. Znm Präsidenten der Landeskanzlei tvurde Martin Schweiger und für den Fall seiner etwaigen Verhinderung Vilmos ©utimaitn de Gelse gewählt. Nach der Konstituierung legte Dr. Josef S i m o n den Bericht der Landeskanzlei vor, welchem wir Folgendes entnehmen. 1. In der letzten Versammlung wurde die Kanzlei be- Jrrtümer des Autors widerlegen wollten. Nur zwei krasse Unrichtigkeiten müssen angeuagelt werden. P i n k u s behauptet, daß in Rumänien kein Ansiedlungsgesetz existiert. Dies ist reicht richtig, da den Juden das Wohnen in den Dörfern überhaupt verboten ist und in den Märkten es dem Belieben des Präfekten überlassen ist, sie zu dulden oder sie auszuweisen. Erheiternd kann es ferner nur wirken, wenn er meint, daß die Heftigkeit des Sprachenkampfes in Oesterreich ebenfalls durch die Wirkung der „Konzentrations-Tendenzen" bedingt ist. Doch Pinkus behauptet das nur „nebenbei" und wir wollen uns hier mit der Judenfrage und nicht mit der österreichischen Frage beschäftigen. Pink u s wäre ein schlechter Marxist, wenn er uns nicht mit neuen „Terminalpagoden", um ein Goethe'sches Wort zu gebrauchen, beglückte. Damit schafft man glücklich Verwirrung auf einem Gebiete, das ohnedies schwierig zu behandeln ist. Wir leiden in der Judenfrage unter einem übertriebenen Dogmatismus; es fehlen uns nur noch die marxistischen Wortaubeter und wir werden die Judenfrage so „erklärt" und „beantwortet" haben, daß auch nicht einem Juden damit geholfen ist. Geschwindigkeit ist keine Hexerei; ehe wir uns versehen, wird ein neuer Geßlerhut anfgerrchtet, vvr dem jeder sich beugen muß, will er nicht als Ketzer verschrien werden. Aus tvirtschaftlicheu Gelegenheitsursacheu werden Theorien geprägt und stimmt die Sache nicht ganz, hängt mau ganz unorganisch noch einen zweiten Teil an, in dem man der psychologischen, antimaterialistischen Geschichtsauffassung einige Konzessionen macht. Damit glaubt man alle zu befriedigen. Wir müssen aber ans Reinheit und Schärfe der Denkweise bestehen, einem der schönsten Züge des jüdischen Geistes. Enttveder materialistische oder antiniaterialisiische Geschichtsanffassnng, aber nicht ein Ragout von beiden. Eine solche Vermengung ist allerdings sehr praktisch; im ersten Teile will der Autor den materialistischen und im zweiten den antimaterialistischen Kritikern gefallen. Der entwicklungsgeschichtliche Standpunkt gestattet eine Synthese der materialistischen und der psychologischen Weltanschauung. Aber zuerst sich als orthodoxer Marxist geberde», um Plötzlich den „führenden Geistern" Weihrauch zu streuen, das geht doch nicht an.

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