Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 9 (27.2.1903)
- Date
- 1903-02-27
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seit?; 2 Wien, Freitag ,1 ü rl i sc * h g s vr r) I ks b 1 all 27. Februar 1903 Nr. 9 aiicn, daß die Juden infolge ihrer Erwerbsbetätiguug und der damit verbundenen teiltveiseu tvirtschaftlicheu Uuabhi.mgigkeit freiheitlich gesinnte Elemente sind. Leider i st d a S bi e g e u 1 e i l de r F all. Die I u d e u, i M groß e u u n d g a n z e n g e u o in in e n, b ildc n e ine S t ü Hede r P a s eh a tv i r t s eh afid st r p o ln i s eh e n S eh l a eh z i z e n und der galt z i f eh e n B e zirk s h a uptl e u t e, w a s a in d e lt 11 i cfj ft c lt b eiden W a h l e n z u in A n s d r u ek g e l a u g t. D i e U r s a ch e dieser E r s eh e i n u n g liegt darin, d aß der größte Teil der Juden poIitis etil n r e i f i st u n d d a ß d i e tv i r t s ch a f t l i eh e U n - a b h ä n g i g k e i!t der I u d e n u u r e i u c s eh eiu - b a r e i st. Der kleinstädtische, galizische Jude empfindet, wenn er von irgend einer iui Gesehc vorhergeseheuen Bestimmung. Gebrauch machen will, nicht, daß er nicht, mehr verlangt, als sein Recht ist, sondern er glaubt, daß ihm der Bezirkshauptmann ein Gnadengeschenk gemacht hat, für das er sich ihm für ewig verpflichtet fühlt. Dieser Mangel an Erkenntnis seiner bürgerlichen Rechte, und andererseits die feindliehe, oftmals antisemitische Stellung der Behörden, namentlich der a n t o n o in e n, machen den Juden, der verhältnismäßig noch auf einer niedrigen Kulturstufe steht, zu einem demütigen, willenlosen Menschen. Er glaubt oftmals, daß sein Leben nur von der Gnade der hohen Obrigkeit abhängt. So ist die Mehrzahl der Juden in Galizien. Allerdings ist seit kurzer Zeit infolge des Eindringens dev zionistischen und sozialistischen Agitationen eine merkliche Veränderung eingetreten, namentlich in den größeren Städten. Natürlich ist dieser Prozeß erst im Werden begriffen, und es ist die berechtigte Hoffnung vorhanden, daß die Zustände dadurch mit der Zeit eine Besserung erfahren werden. d Die Ursache, warum sich die Juden in den letzten Dezennien zu einer Aktion aufgerafft haben, liegt hauptsächlich in der Haltung der ch r i ft l i ch e n Bevölkerung gegenüber den Juden. Nach langjährigen Erfahrungen sind die Juden endlich zur Einsicht gelangt, daß ihr fetziges Verhalten nicht dazu beigetragen hat. ihre Lage gründlich zu verbessern. Obwohl es viele unter den Juden gab, die sich um ihr Vaterland Polen gewisse Verdienste, sogar auf dem Schlachtfelde während der polnischen Aufstände erworben haben, wie z. B. Iossel JBerkowicz und im Jahre 1863 Dr. Bernhard G o l d m a n n, Karlsbad und andere; obwohl die schönsten Typen des Judentums, wie z. B. der bekannte I a n k e l in Mickiewicz' Epos „Herr T h a - d e u s" verherrlicht wurden, obwohl viele von den Juden in der polnischen Literatur einen bedeutenden Namen sich erworben haben z. B. I u l i a n K l a c z k o, Kraushar usw., obwohl endlich viele Inden die Vorkämpfer der Assimilation waren, hat sich ihre Lage gegenüber der christlichen Bevölkerung im wesentlichen fast gar n i >h t! geänd.ert, sie wurden immer als ein fremder V o l k s st a m m, a l s E i n d r i n g l i n g e behandelt. Mit der Assimilation der Juden, in Galizien wurde eigentlich! ein g r o ß e r S ch w i n d e l g e t r i e b e n. Der Höhepunkt dieser Agitation fällt in die Jahre von 1876 bis 1890. Die Juden, namentlich die Intelligenten, glaubten damals, daß, wenn sie sich ihren Stammesgeuossen ganz entfremdeten, würden sie mit offenen Armen seitens der arischen Bevölkerung ausgenommen werden. Sie erhielten^ selbst während dieser Zeit ein Agitationsblatt, um der Afsimilationsbewegung rascher zum Durchbruch zu verhelfen. Sie gründeten Agitationsvereine, sehrieben Zeitungsartikel, schwärmten überall. Aber vergebens! Alle Hoffnungen, welche sie daran gesetzt hatten, erwiesen sich als eitler Trug. Ihre Lage hat sich bis heute in nichts geändert, selbst der primitivste, aber sehr ersehnte Wunsch Ein Brief mit einhunderlundzwanzig Reichsmark und fünfzig Pfennigen fand sich — Gott's Wunder! heute auf meinem Tresen; Kein Name, kein Stempel, doch deutlich zu lesen. Die Aufschrift: Zu geneigtem Empfang, Herrn Moses Goldstein im Stintengang. Kommt von der Frau Levi, von Josephs die Gunst? Rebeckchen und ich, wir raten umsunst. Und also verzeihen Sie — erlauben Sie mal. Daß ich sogleich meine Maasser bezahl' Und dem Bruder gebe, was sich gebührt; Denn der Herr hat mich ans Egypten geführt." »„Ei, Mauschel, das macht ihr gut! Die Gaben,— Ich kenne genug, die sie nötig haben."" „Ich auch, Herr Doktor, doch auf den Mann An sich kommt es dem Gesetz nicht an. Nun frag' ich: War es ans Ihren Händen Dem alten Herschel nicht zuzuwenden? Er wohnt mir gegenüber und geht Den ganzen Tag mit seinem Paket Die Twieten entlang im ewigen Trab: Und was denn wirft ihm der Trödel ab: Vom Militär das bischen Kommiß? 'Ne alte Uhr nud ein falsches Gebiß? Davon soll der Mann mit Familie leben? Nun möchten Sie dem meine Maasser geben: Ich meine, so kleine zehn Perzent Entsprechen ja wohl dem Testament; Hier zwölf Mark fünfzehn. Ich bitte sehr: Er soll aber nicht erfahren, woher." („Nation".) A. F i t g e r. auf Erlangung von Stellen bei den autonomen Behörden, blieb e r so l g l o s. Zum Beispiel ist beim ganzen, Laudesausschuß von Galizien bisheute!k e in ei n z i g e r I u d e o n g estellt und die Statuten fast aller Gemeinden (mit wenigen Ausnahmen) b e s i tz e u e i u e a u s - d r ü ck l i ch e B e st i m m u u g , n a ch w e l ch e r e s verboten ist, Juden als Beamte anzust eile u. An der Spitze dieser Städte steht natürlich die Hauptstadt Lemberg! — Ja selbst in den privaten Anstalten, z. B. Versicheriitigsgesellschafteii, wie K r a k a u e r „F l o r i a n k n", d a n n g a l i z. S p a r k a s s a oder g a l i z. B o d e u k r e d i t a n st a l t und i u v i e l e n a u d e r e n I u st i t u t e u werden die Juden trotz ihrer Assimilieruug n i ch t a n g c st e l lt. Wenn es aber trotzdem gelungen ist, daß einzelne im Staatsdienst Stellung fanden, so ist es nicht irgend einer Toleranz zuzuschreiben, sondern lediglich dem Umstande, daß der Betreffende durch seine bedeutenden geistigen Zähigkeiten alle anderen Bewerber tuest überragt hat. Allein allzuviel sind es auch hier nicht, denn als ich seinerzeit mich selbst für die Annahme eines jüdischen Jünglings zum Postdienst verwendet habe, hat man mir ganz klipp und klar erklärt, daß dies unmöglich sei, d e n u e s b e fl e h t e i u W u n s ch vonO b e n, daß n i ch t m e h r I n - d c u als 1 Pe r z e n ti vond e r G e s a m t z a b l d e r B e a m t e n a u g e st e l l t!v e r d e li d ü r f e n. Unter solchen Ilmständen mußten endlich! die Assimilatiousbestrebuugen — die selbstverständlich in. Den breiteren I Massen nicht durchgedruugeu sind — für bankerott erklärt > werden. Und das ist ganz natürlich!. Die Assimilation, ohne vorherige wirkliche und tvahro Gleichberechtigung für die Juden, ist und bleibt eine Utopie. M a u v e r l a u g t e Do n b e it Juden, daß sieihrerNationalit ä t, i h r e r R e l i g i o n, j a s o g a r i h r e n h e r r - l i ch e n T r n d i t i o n e n e.n t sage u , u u d bot i h n e n als E r s a tz — tt t ch t s! U n d e n d l i ch frage i ch, i st d i e A s s i m i l a t i o n w i r k l i ch m i t d e m Geiste des F o r t s ch r i it! t e s v e r e i n - b ao? D e r w a h r e Fort s ch r i t t g a rantiert u i ch t n u r j e d e m V o l k e, e i n e r jede n N a t i o n, s o n d e r n j e d e m e i n z e l u e n e i n. e v o l l e F r e ih e i t sei n e r Ent w i ck l u u g. Aus dieser Assitnilationswut ist aber den galizischeu Juden eine Lehre geblieben — nämlich: eine kolossale Enttäuschung. Die Juden sind zu der Ueberzeugung gekommen, daß trotz der Rechte, die in der Verfassung enthalten sind, trotz ihrer Assimilatibuswut, sie immer gesellschaftlich als Menschen anderer und niederer Gattung von den ' Christen betrachtet werden, daß die christliche Bevölkerung mit den Juden gesellschaftlich fast gar nicht verkehrt, daß überhaupt ihre verfassungsmäßigen Rechte vielleicht einen theoretischen, aber gar keinen praktis ch e u Wert Ocfiücn können. Trotz dieser theoretischen Gleichberechtigung ist doch der Unterschied zwischen den arischen mehrwertigen und den jüdischen minderwertigen Bürgern geblieben! Als die Juden in Galizien von diesem Assimilatiousfieber geheilt waren, kam die Zeit! des Zionismus und d er Soz i a ldem o kra t i e. Der beste Förderer der Enlivicklung des Nationalismus .war erstens die Enttäuschung, die nach der Afsimilatiousbewegung geblieben ist, dann der plumpe galizische Antisemitismus und endlich in den letzten Jahren das Auftreten der allpolnischen Idee. Ich tvcrde nur ganz kurz über die zuletzt genannte Idee sprechen. Tie allpo-luische Idee strebt nach dem Ziele der Wiederherstellung des alten schlachzizischen Großpolen vom Baltischen bis zum Schtvarzen Meer und nach der E n t - n a t i o u a l i f i e ru n g a l l e r aud e re n in diesen L ä n d e r tr tv o h n e n d e n Völker, Haupts ä ch l i ch d e r Nut h e n e n u n d Jude u. Die Parole der Vertreter dieser Idee ist: E u t tv e d e r e i u A l lp o l e o d e r — h i n a u. s! Diese Parole tvurde zwar nicht offen propagiert, aber sie tvird ztvischen den Zeilen in allpolnischen Blättern verbreitet. Die Rutheueu trerden dort als Feinde und die Juden als ein fremdes Element bezeichnet. Davon könueni Sie sich jeden Tag überzeugen, wenn Sie z. B. „Slowo PolSkie" oder „Przeglad Wfzechpolski" lesen. Dem Judentum in Galizien bringt diese chauviuitliscbe allpolnische Propaganda einerseits großen Nachteil, andererseits hat sie jedoch getvisse Vorteile an sich. In der arischen Bevölkerung uiituut ztvar der Aistagonismus gegen die Juden immer zu, damus ergibt sich jedoch für die Juden eine andere Konsequenz, nämlich es beginnt bei ihnen das Gefühl der Zusammengehörigkeit mehr rege zu tverden, sie schließen sich enger aneinander und bekennen sich schau heute öffentlich als eine volltständig selbständige Nation. Die zionistischen Vereiüe tvurdeu in den letzten Jahren fast in allen Städten und Städtchen gegründet und haben sofort eine intensiv rege Agitation enitvickeU Die sotvohl im Jnlattd wie int Ausland geschriebenen jüdischluatioualen Brosstüren imd Zeitschriften wurden! in großer. Zahl verbreitet und auch stark gelesen. An der Spitze dieser Betveguug standen junge, aber energische Leute, tvie z. B. Dr. Malz, Gerschon Zipper, Dr. Gabel, Dr. Schreiber, Gebrüder Stand, Dr. Vierer und viele andere, und das Organ „Przyszlosc", d. h. „Die Zukunft", tvelches sie in Lemberg Herausgaben, halte sehr viele Leser nicht nur unter der Intelligenz, sondern auch uister den' Volksmassen, und war oft Gegeustaud einer heftigen Zeituugspolemik. Heute gibt die zionistische Partei in Galizien ein neires Wochenblatt „Wschod" genannt, d. h. „Osten", heraus, tvelches aber — meiner Ansicht nach — in einem zu akademisch gehaltenen Stil geschrieben ist, tvoduvch auch die Wirkung des Blattes ein tvenig geschträcht tvird. Außerdem fehlt es heute der zionistischen Parltei in Galizien an tüchtigen Wauder-Agitatoreu, die die kleinen Städte bereisen würden, um neue Kräfte und neues Material der Partei zuzufühi'en. Das eine aber muß ich koustatiercu, daß die uatiouale^Jdee in der letzten Zeit mehr in die Massen eingedruugeu ist. Getvissermaßen als Konkurrent dsr zionistischen Partei tritt bei uns die sozialdemokratische Partei ziemlich stark aus und findet auch unter den Juden in den kleineren Städten ihre Anhänger, und es kam auch deshalb ztvischen den beiden Parteien, namentlich in früheren Zeiten, öfters zu Reibereien und zu heftigem Meinungsaustausch. Es läßt sich jedoch nicht leugnen, daß diese beiden Parteien gegenseitig aus ihre Anhänger einen bedeutenden Einfluß geübt haben und noch heute ausübeu. So haben tvir z. B. früher viele jüdische Sozialdemokraten gehabt, die aber keine Zionisten waren, heute jedoch sind die meisten jüdischen Sozialdemokraten auch gleichzeitig Zionisten. Die Zionisten dagegen haben ihr politisches Schiff in ein mehr radikales, oft sozialdemokratisches Wasser gelenkt. Es klingt ztvar sehr paradox, aber doch sprechen die Tcst'sachen für die Richtigkeit meiner! Behauptuugeu. Eharakteristisch ist es zum Beispiel, daß, tvähreud noch vor einigen Jahren die jüdische Jugend fast durchtvegs, uameutlich in den Hauptstädten, sozialdemokratisch gesinnt tvar und in allen Vereinen den Verkehr mit den anderen Sozialdemokraten pflegte, sich jetzt in jüngster Zeit eine Bewegung bemerkbar gemacht hat, die darauf abzielt, e i u e v o l l st ä u d i g e T r e. n u u u g ztvischen den j ü - d i s ch e n und arischen Sozialdemokraten herbeizuführen, jiidische Sazialdemokraten haben das Verlaugeir gestellt, eine g e s o n d e r t e, a u s s ch l i e ß l i ch j ü d i s ch e s o z i a l d e m o k r a t i s ch e Organisation öu bilden. Ich spreche jetzt als ganz objektiver! Beobachter dieser Verhältnisse und beurteile sie dahin, dab für den allgemeiueu Fortschritt der .Kampf ztvischen Sozialdemokratie und Zionismus nicht ertvünscht erscheint. Es besteht zwar ein ziemlich großer Uutierschied ztvischen diesen beiden Programmen, allein in der gegeutväAigen Zeit erachte ich es für wüufchenstvert, tveuu sich diese beiden Parteien nicht bekämpfen, sondern gemeinschaftlich den Kampf gegen die Reaktion, die bei uns schrecklich zunimtnt, führen. Der kteiustädtische und ländliche Jude ist für die sozialistische Idee noch nicht genügend reif, ihm mangelt nach das Verständnis für den Wert des Sozialismus, dagegen ist er für die Idee des Zionismus umso leichter zu getvinueu, weil diese aufs Herz und Gemüt eintvirkt. Der Zionismus aber muß sich frei halten von manchen Utopien, die ihnr beigemengt werden, zu denen ich auch die Wiederherstellung des Königreiches in Palästina zählen muß, und darf nicht im reaktionären! Sinne gusgelegit! werden. Dann kann er wirklich für die galizische Bevölkerung von großem .Nutzen sein. Er kann die großen, in Elend und Not schmachtenden Massen des jüdischeir Volkes aus seiner Lethargie erwecken, er kann in ihnen das Nationalgefühl steigern, er kann sie auf eine höhere Kulturstufe bringen, kann sie gefellschoftlich heben, er kann in ihnen das fchlummerude Selbstbewußtsein zum Ertvachen bringen, daß auch sie Bürger sind, deueir dieselben. Rechte wie allen anderen zustehen, überhaupt er kann eine vortreffliche Vorschule für die sozialistische Idee sein! Was nun die allerneueste Zeit aubelaugt, so muß ich bedauerlichertveise konstatieren, daß für die galizischeu Juden tvirklich schtvere Zeitenheraubrecheu. Sie sehen, geehrte Bersmnmluug, daß die Zahl der jüdischen Emigrautieu ans Galiziqn nach Amerika und anderen WeWeileu von Jahr zn Jahr zunimmt. Natürlich ist dies eine Folgeerscheimlug der allgemeinen tvirtschaftlichen Depression und des allgemeinen Elends und der Not, die in Galizien herrschen. Aber es gibt noch eine andere Ursache, tvelche die galizischen Juden aus ihrer ztveiten Heimat zur Emigration zwingt. Das ist die planmäßige und systematische Entziehung des Getverbes und ihrje Verdrängung aus den Gebieten des Handels und der Industrie. Di>cster Feldzug gegen die Juden aus ihre tvirtschaftliche Eristeuz wird von ztvei Seiten unternommen. Einerseits von den g e s e tz g e b e n d e n K ö r p e r s ch asten, and e - r e r s e i t s v o n d e m a l l p o l u i s ch! e n La g e v. Unser Parlament steht! vollends unter dem Einflüsse von christlich-sozialeu, klerikalen und reaktionären Elementen. Alle getverblicheu Gesetze, tvelche in den letztem Zeiten beschlossen tvurdeu, richten ihre Spitze hauptsächlich gegen die ärmeren Klassen des galizischeu Judeutums, ich sage absichttich hauptsächlich „gegen das galizische Judentum!", tvoik nirgends eine größere Masse jüdisiheu Proletariatts existiert als in Galizicm. Zum Beispiel die Abänderung der §§ 59 und 60 der Getverbeordnung. Aber noch empfindlicher, als diese Gefetzesänderung ist die Schaffung des neuen Hansirgeseches, tvelches hunderte und hunderte galizischer Juden um ihr tägliches Brot bringt!. — Auch das im Werden, begriffene Gesetz gegen die Trunksucht hat seine Ursache nicht in denn Kampfe gegetr die Trunksucht, sondern in der Agitation gegen die kleinen Krämer, von denen die Mehrzahl bet uns in Galizien Juden sind. Unter dem Deckmantel der! Arbeit für das Wohl des Volkes tvill man Hunderte und Hunderte Kleiukrämer und Likör-Fabrikanten zugrunde richteir und tveiß dabei sehr genau, daß dadurch die Trunksucht! nicht abgeschafft tverden kann. Gerade das Gegeukeil tvird erzielt, denn ein jeder, tvelcher geistige Getmnke nach dem neuen. Gesetze kaufen tvill, itmß in das Preipinationshaus gehen tiinb dort seinen Bedarf kaufen, aber bei dieser Gelegenheit tvird er mehr trinken und, tvas selbstverständlich ist, der Schlachzize tvird als Propiuationspächter mehr verdienen als er heute vewdieut.