Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 6 (6.2.1903)
- Date
- 1903-02-06
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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YVien, Freitag Jüdisches Voikshlatt (>. Februar l'.KKJ Seile 7 Nr. 6 Ihr würdet euch schon nicht verlieren." Indem der wunderliche Philosemit so sprach, tat sich langsam die Türe auf und ein halb erfrorener, in Fetzen gehüllter Zigeuner mit einigen Hufeisen- Nägeln in den dicken, widerlichen Händen, trat, einige einschmeichelnde Bücklinge machend, schüchtern ein und bot, da er uns in der Stube bemerkte, seine Ware zum Kaufe an. ftlonnan!? högy van, Ziguny?-1 iWoher und wie geht's dir, Zigeuner!) fragte der freundliche Seelenhirt den sich jetzt freier aufrichtenden Zigeuner. „Köszönöm idos. tokint.otes Kötisztelendö ür, jöl, nagyon jöl vagyuk" (Danke, süßer, gnädiger, hochehrwürdiger Herr. Sehr gut), antwortete der Zigeuner in seiner eigenartigen Mundart. -De mbg jobb völna ha.“ (Es wäre mir aber noch besser, wenn.) „Mikor jobb völna?‘‘ (Wann wäre dir besser?) rcnterbrach ihn der Geistliche lachend. „Ha ezt az arut ifcfceu eladhatnäm“ (Wenn ich diese Ware hier verkaufen könnte.) entgegnete er schelmisch. Wir kauften dem Zigeuner etwas von den Nägeln ab und er entfernte sich, immerfort segnend, dankend und Komplimente nmchend. „Nun?" frug mich mein Politiker triumphierenden ToneZ, „fühlen Sie etwa Bedauern mit diesem Zigeuner la rumänischen Juden?" „Ja!" war natürlich meine Antwort. „Ich", sagteer entschieden, „nicht im mindesten. Warum sollte ich ihn auch bedauern? Weil er von.der Gesellschaft verbannt, aus dem Vordergründe des öffentlichen Lebens verwiesen I ist? Weil ein Zigeuner kein Kaufmann, kein Industrieller ist? Weil der Bauer sich dagegen sträubt, mit ihm im Dorfe zu wohnen? Weil er verachtet und verstoßen ist etwa? Nein, Darum ist er noch immer so wenig bedauernswert wie der rumänische Jude. Dieser wie jener haben ihre Leidensgeschichte, kennen das Unglück und deshalb sind ihm die gegenwärtigen Leiden auch erträglich. Die europäischen Regierungen können deshalb mit ihren Totschweigen für ihre schutzbefohlenen Juden der rumänischen Regierung gegenüber ganz so tolerant sein, wie es die ungarische Regierung ist, trotzdem sie mit ihren Zigmnern nichts tut." In diesem Momente, ich wollte eben eine Fülle von Erwiderungen Vorbringen, kam der Briefträger und brachte unter anderem einige Tagesblätter. Der liberale Mann zerriß wie mechanisch das Streifband und entfaltete eines der Blätter. Doch etwas ganz Unerwartetes, seine ganze politische Ansicht Zunichtemachendes, sprang ihm da aus der Zeitung in die Augen. Ein langer Leitartikel mit der fetten Spitzmarke: „Regelung der Zigeunersrnge in Ungarn" war da schwarz aus Weiß abgedruckt. Der Minister des Innern S z 6 11, so schrieb das Blatt, habe auf vielseitige humane Anregung hin und aus eigener Initiative die wieder aktuell gewordene Zigeunerfrage in die Hände genommen und habe verfügt, daß nunmehr der Naturalisation der Zigeuner durch alle zugebote stehenden Mittel Geltung verschafft werden solle. Die einzelnen Stadtbehörden und Dorfgerichte, wo Zigeuner sich aufhalten, sollen ebenso gezwungen werden, den Zigeunern freies Ansiedlungsterrain zu überlassen und ihnen Schule und alles, was einem Bürger von Rechtswegen zukommt, zu eröffnen, wie btc Zigeuner selbst gezwungen werden sollen, von ihrer schmutzigen Lebensweise zu lassen, um anständige und nützliche Mitglieder der Gesellschaft zu werden rc. re. „Nun," frug ich im Siegesbewußtsein den mäuschenstill gewordenen Herrn. „Was halten Hochwürden jetzt von der Humanität der Signararmächte?" „Daß sie alle mitsamt Menschenfresser sind," war seine Antwort und er reichte mir lachend seine philosemitische Hand. 91 b o I f Altmann, Rabbinats-Kandidat. „Politisch-anthropologische Revue". Februarheft. Inhalt: G. Marina: Anthropologische Untersuchung an jugendlichen Personen. — R. K u c z y n ski: Einwanderungen und Bevölkerungsbewegung in den Bereinigten Staaten. — Fritz Flechtner:Die Bedeutnng der .Kartelle für das wirtschaftliche Leben der Völker. — Alexander Koch: Soziale und anthropologische Ideen in der Hygiene. — Gustav Fritsch: Bekleidung und Sittlichkeit. — W. Kinkel: Der philosophische Idealismus. — Berichte, Besprechungen. Leono re Frei: „Der neue Gott". Verlag Hermann S e e m a n n Nachfolger. Em herzhafter Versuch einer talentierten Schriftstellerin, die granitne Gestalt unseres Lehrers Moses in Worte zu formen. Wie >vir erfahren, erscheint vom Jahre 1003 ab im Berliner Verlag S. Calvary eine neue „Bierteljahrsschrift für historische Wissenschaft des Judentums". Gebete der Israeliten bei Kranken- und Sterbefällen. Der hebräische Text, ungarisch übersetzt vom Direktor der israelitischen Gemeindebürgerschule Nathan Halasz in Budapest 1903. 8° 401. Seiten. Preis: Prachtband 3 Kronen. .Die vorliegende Arbeil ist eigentlich ein Auszug aus dem großen -i-nya, die der Herr Uebersetzer mit einer gelungen guten, sehr leicht faßlichen und verständlichen Uebersetzung versehen hat. Außerdem war Herr H a l ä § 5 bemüht, zu jedem Abschnitte, zuweilen auch zu einzelnen Kapiteln kurz gefaßte historische Rückblicke vorauszuschicken, womit er sein umfassendes Wissen auf dem Gebiete der halachaischen Literatur bekundet. In dieser Beziehung folgte er dem seligen L a n d s h u t in seiner trefflichen Arbeit „Bikkur Cholim", Herr Halasz ging aber um einen Schril weiter, erstens verteilte er den Stoff auf den Platz, wohin er gehört und unterzog sich zweitens der großen Mühe, alles Mitgeleilte zu übersetzen, um auch den Unkundigen darüber aufzuklären. Die schwierige Arbeit vollendete Herr Halasz im Aufträge der Budapester „Chewra Kadischa" und wahrlich ohne Voreingenommenheit und jedwedes Interesse erkläre ich es hier öffentlich, die "Chewra" konnte keine bessere Wahl treffen, denn Halasz ist zufolge seines Wissens dazu berufen und das Buch macht der „Chewra" nur Ehre. Das mir vorliegende Buch enthält 0 Abteilungen, die, wie rch schon eingangs erwähnt habe, davon Zeugnis ablegen, daß Herr Halüsz die Skuellenliteratur auf diesem Gebiete sehr gut kennt. Die l. Abteilung umfaßt lO Kapitel, wo die Vorschriften und Gebete Vorkommen, die in den verschiedenen Phasen, die mit der Krankheit in Verbindung stehen, teils vom Kranken selbst und teils von den Angehörigen oder Umstehenden zu verrichten sind. Die H. Abteilung umfaßt 9 Kapitel, wo wieder die Borschristen und Gebete, die während der Agonie zu beobachten sind und beim Hinscheiden von der Umgebung verrichtet werden sollen. Die 111. Abteilung umfaßt 5 Kapitel, wo die Vorschriften des Leichenbegängnisses und die für bie Leidtragenden und Teilnehmer zu rezitierenden Gebete sich vorfinden. Die IV. Abteilung umfaßt 10 Kapitel, die umständlich die Vorschriften der Trauerwoche, des Trauermondes und des Trauerjahres sehr umsangreich behandeln. Die V. Abteilung behandelt in einer leicht faßlichen Sprache das Thema „der Unsterblichkeit". Es ist selbstverständlich, daß der Verfasser den historisch-traditionellen Standpunkt einnimmt. Die VI. Abteilung enthält die Vorschriften und die Gebete währenddem der Dahingeschiedene eingesargt wird. Dann folgt ein Anhang, wo die Gebete, die in solchen Fällen zu verrichten sind, ausschließlich in ungarischer Sprache mitgeteilt sind, denen einzelne religiöse Betrachtungen folgen, um die Betenden sür die Vaterreligion ivieder zu gewinnen. Das Buch empfiehlt sich wegen feines reichhaltigen Inhaltes von selbst, ich erlaube mir nur die „Chebroth" in Ungarn und die Freunde der jüdischen Literatur auf dasselbe aufmerksam zu machen. —t- L öbli ch c R e d a k t i o n l Sie erlauben, daß ich in Jhrenr Iv. Blatte den Religionsnuterricht in unserer Knltnsgenieinde beleuchte: Eines schönen Tages hat der Bezirkshanptmnnn in den Bezirksschulrat einen Vertreter des Judentums berufen, der sich um die .Knltusgeineinde nicht kümmert; derselbe ist weder im Ausschuß, noch sonst mit einer Funktion der Knltusgemeinde betraut und drohte - bei etwaiger Erhöhung der Kuktusgemcindesteuer — mit Konfessiousloserklärung. i Ans diesbezügliche mündliche Beschwerde beim Herrn Präsidenten des Landesschulrates Zabusch in Prag ist die Gegenfrage gestellt worden, „das; die Knltusgemeinde diesbezüglich vor der Crnenernng gefragt sein müsse", und als der Kultnsvorsteher erwiderte, das; eine diesbezügliche Gesetzesbestimmung nicht existiert, sagte der Herr Präsident: „Das iveis; ich, aber Usus ist daS, das; man die KnttnSgemeinden befragt". Eine diesbezügliche Beschwerde an die k. l. Slatthalterei in Prag wurde mit dem Vermerk abgewiesen, „das; nach dem Gesetze der Bezirksschulrat den berufen kann, ivcn er will. — Nun hat früher der Religionslehrer jährlich Kronen 240.— fixr erteilten Religionsunterricht b o in Land e s s ch u trat bezahlt erhalten, und während früher die Kinder zlvci nud drei Stunden wöchentlich Religionsunterricht genossen haben, ist jetzt vom Landesschulrat der Auftrag erteilt worden, es möge in 14 Tagen eine Stunde Religionsunterricht erteilt werden." — Die Kultnsgemeiude hat in die entfernteren Orte (Zebrak und PraSkoles) wöchentlich einmal den Religivuslehrer geschickt, nachdem in diesen zwei Orten ,'e 5 Kinder in die Schule gehen und keinen Religionsunterricht geniesten. Eines schönen Tages hat der Bezirksschulrat den betreffenden Schuldirektoren anfgerragen, dem jüdischen Religionslehrer nicht zu .erlauben, in den dortigen Sehnten Religionsunterricht zu erteilen, nachdem „laut Vorschrift" diese Kinder alle 14 Tage nach Horowitz zum Religionsunterricht erscheinen müssen. Ich bemerke gleich hier, das; diese Kinder klein sind, die Eltern nicht vermögend und das; hier oft 8 Monate lang das Wetter ein solches ist, das; die Kinder in den seltensten Fällen zum Religionsunterricht zu Fnst erscheinen können. Ja, es gibt Orte :— und diese nicht mir bei uns — wo Jndcnkinder überhaupt keinen Religionsunterricht geniesten. Meine früheren Bitten und Beschwerden beim Vertreter des Judentums im Landesschulrat Herrn Ritter von Jnwald in Prag haben stets die schönsten V e r s p r e chu n gen zur Folge gehabt — einmal sogar wollte er direkt bei Sr. Exzellenz dem Statthalter Vorstellungen gemacht haben — ich konstatiere jedoch, daß trotz aller Bemühungen cs beim Alten geblieben - ist. Warum ich dieses veröffentliche? Wir Juden, die wir Juden bleiben wollen, und deshalb auch die Pflicht haben, für Religionsunterricht der jüdischen Kinder am Lande Sorge zu tragen, müssen uns einigen: Ein j ü d i s ch e r S ch n l v e r e i n, ohne Rücksicht ans die Nationalität soll geschaffen werden. Wenn wir hunderttausend Inden in Böhmen nur eine Krone pro Kops jährlich beisteuern, so werden!vir schon mit diesen hunderttausend Kronen Erkleckliches leisten. Wer ist sür die Gründung eines I ü d i s ch e n S ch u l Vereines in B ö h in c n? Ich will hiermit sehen, wie sich diejenigen Herren zu diesem Anträge stellen werden welche an der Spitze des Judentums stehen und heute noch: „Ich bin ein DeutscherI" „Ich bin ein Tscheche!" laut in die Welt rufen. Wir werden sehen, ob die Herren auch offen sagen: „Wir sind Juden, Nur wollen, das; unsere Nachkommen unsere Religion Hochhalten und das; sie genügenden Religionsunterricht genießen. I d n o b. L ö b l i ch e R e d a k t i o n I Arische und jüdische Name«. Seine Exzellenz von Friedbcrg-Mirohorsky heißt — Satomon; ein königlich preußischer Prinz — Joachim; eine englische Prinzessin — Rachel; der nächstens mit dem österreichischen Kaiserhause durch Heirat sich verbindende Prinz von Parma — Elias u. s. f. Also lauter Ur-Arier und Hochadelige, welche alttestamentarische Namen führen. Wenn aber Börsenjobber zu Gelde kommen, verwandeln sie ihren „Satomon" in „Salo", ihren „Samuel" in „Samn" oder „Sami", ihren „Simon" in ein bloßes „S.", so daß auf ihren Adressen bei Strafe des größten Unwillens des reichgeivordenen Börsenjobbers oder des vielleicht nicht ganz einwandfreien .Kommerzialrates der Vorname nicht ausgeschrieben werden darf.. Söhne und Töchter von Börsenjobbern, KultuSräten oder Kommerzialräten, welche sich früher für Dentschfortschrittliche, jetzt für Deutscyvolkliche, ia sogar für Alldeutsche, auch Heuldentsche, geben, heißen wiederum trotz ihrer rabenschwarzen Haare, ihrer kohlschwarzen Augen und ihrer sichtbar jüdischen Nasen meistens: Benno, Eberhard, Erich, Guido, Ewald, Erwin, Marecll oder Gertrnde, Aloisia, Hildegarde, Rikarda usw- Das; jüdische Finanzgenies mit der eisernen Stirne und eisernen Kassa in ihrer Assimilationssncht bei der Beilegung „tentscher" Namen, deren Sinn ihnen natürlich unbekannt war und im krassen Widerspruche zum Habitus der Nachkommen der Golns- Jnden steht, manchmal so ungeschickt waren, daß sie den gebildeten Menschen direkt zum Lachen reizen, ist eine verdiente Schicksalstücke. So heißen z. V. Arnnls (Wolfsadler), Eberhard (stark wie ein Wildschwein), Benno (Bärenstark) engbrüstige Bürschchen mit rhachitischen Beinen. Burkhard (bnrkfest) ein Jüngling wie ein Lawu- Tenuies-Slöckl u. a. m. Reichgeivordene Kattnndrncker oder „Verwaltungsräte", deren Gesellschaftsbncher sich vor Jahrzehnten ztvecks Untersuchung benn Strafgerichte befunden hatten, heißen ihre Kinder ebenftiell: Eugen (hochgeboren), Dietrich (Bolkshcrrscher), Alfons (durch Geburt hervorragend), Albrecht (hoher Geburt sich rühmend) nsw. Die Jünglinge der reichgeivordenen Polaks (mit oder ohne „ll", mit oder^ohne „ck",mit oder ohne Nebennamen) heißen z. B.: Günther (Heerführer), Bernard (stark wie ein Bär), Hermann (Krieger), Arnold (adelige Kraft besitzend), Gerhard (kämpfender Held), Egbert (mit dem Schwerte glänzend), und ihre Schwestern: Hildegard (vom Gofte des Kampfes gehütet). Adele (im Adel erglänzend), Hedwig (Kämpferweib), Hermine (b'olkskräftige). Da ist die Ironie des Schicksals voll und inan iveis; nicht, soll inan mehr Ekel empfinden vor diesen Assimilanten oder mehr Mitleid mit ihrer Unbildung. Manche dieser jüdische» Assimilanten und Parvenüs fühlten zwar, förmlich instinktiv, daß sie steh durch „tcntsche" Namen lächerlich machen ivürden und legten ihren Kindern vermeintlich „christliche" Namen bei. Die „Ehristlichkcit" dieser Namen besteht aber nur in der Umbildung der betreffenden Anch-Jnden. Die Rainen sind nämlich sehr gut jüdisch, trotzdem, oder richtiger gesagt, weil sie im neuen Testamente Vorkommen. So ist Marie — Miriam „,,d heißt die „Herbe. Bittere"; Anna oder Hanne heißt ans deutsch die „Liebliche"; der jüdische Name Elisabeth heißt ans deutsch „gottgeweiht"; der jüdische i'iniiu’. Johannes und Johanna bedeuten „von Jehova geschenkt" ( wie vom Schlage getroffen wäre der reiche Webereibesitzer unter dem Christbaume stehen geblieben, wenn ihm jemand ans seiner „feinen" Gesellschaft gesagt hätte, sein Söhnlein heiße ans deutsch: von Jehova (I) geschenkt!); Michael und Michaela — „wer ist gleich Gott"; Martha — „die Wirtschaftliche" u. a. m. Manche Namen, denen das Volk religiös-sinnige Bedeutung beitegt, haben dieselbe gar nicht. Magdalena heißt soviel als „geboren in der ^tadt Magdala", Gatns ein „Bewohner von Galien", Barbara — „die Fremdländische"; der Name Marcell rst ein bloßer römischer Familienname; Moriz ist sogar sehr unarxsch und bezeichnet einen Mauren — Moren, d. h. Semiten (I); Paul heistt jo diel 10ie der „llnüe.deut'ende"; Norbert der „von Norden kommt", Franz, der „französisch Redende" nsw. Manche Namen sind alles andere als ein besonderer Schmuck für den Namcnsträger. Emilie heißt z. B. die Schmeichlerische; Gisela — die in Pfand Gegebene; Cäeilie — die Kurzsichtige; Malvina —- die mit den verliebten Augen; Odalrich oder Ulrich — durch Erbschaft reich; Erwin — der Liebhaber von Erzen; Philipp — der Pferdeliebhaber; Gustav — der Glückspilz. Manche Namen haben für den Träger heutzutage eigentlich keinen Sinn, z. B. Anastasia — die zum Leben ivieder Erstandene; Sidonie oder Zdenka — Fischerin; Therese — die Jugendfreundin; Emikian oder Emil — der Höfliche. Selbst unter den rnssenstolzen Inden befinden sich viele Narrten n»jüdischen Ursprunges, welche aber ihre Berechtigung insofern haben, als sie den Kindern zum Andenken an judcnfreundliche oder sie schützende Herrscher beigelegt wurden. Bekannt ist, daß Alerander der Große, dem die durch ihm geschützten Juden einer Stadt ein Ehrengeschenk anboten, dasselbe in der Gestalt verlangte, das; alle in dem Jahre geborenen Kinder nach ihm heißen sollten. Nach Julius Cäsar heißen eine große Anzahl von Juden fett Jahrhunderten. Ans demselben Grunde heißen in Oesterreich viele Juden Leopold, Franz, Josef, Ferdinand usw. Zum Nutzen und Frommen der nationalbewußten Juden und zur Abschreckung der „Auch"- oder „Noch"-Juden oder der „Teutschen mosaischer Konfession" mögen im nachstehenden noch einige arische und jüdische Ncnncrr »ach ihrer Bedeutung angefi'ihrt werden. Zuur Verständnisse sei aber vorauszuschicken, daß in den früheren Jahrhunderten der eigentliche Name oftinals nach einem Ereigniffe, nach einer Tat oder als Lebenskritik dem Betreffenden beigelegt wurde. Die von den Alten des Königs David belauschte reine und tngendsame Frau des alten Testamentes bekam eben ihren Namen Susanna (an Körper und Seele rein) erst nach jener Lauscherszene, die Römerin Lucretia (soviel wie Susanna) nach ihrem Tode durch die Hand des Vaters; Rachel (das geduldige Lamm), nachdem sie 14 Jahre als Braut auf Jakob warten mußte; Gideon (der Faller des Götterbaumes), nachdem er die Befreiungstat im Götzenhaine vollführt hatte. Die Namen Hiob (der Dulder), Salomon (der Friedcnsliebende), Hagar (Flüchtling), Stephan (der mit dem Sicgeskranz Gekrönte), Judith (das jüdische Heldenweib), sind Namen, welche beweisen, daß sie erst post hoc beigelegt worden sind. . , Unter den noch gebräuchlichen Jndennamcn (und außer den Eingangs erwähnten) wären zu merken: Daniel (Gottesrichter); David (der Geliebte); Debora soviel wie das lat. Emma (die Biene, Muster der emsigen Weiblichkeit); Ephraim (der Wachsende oder Gedeihende); Gabriel (Gottesstärke); Elias (Gottesverehrer); Emamicl oder Jmauuel (Gott mit uns); Esther (Myrthe); Eva (die Mutter der Lebenden); Ezechiel (in Gott ist Stärke); Joachim (von Gott bestimmt); Jakob (der Nachgeborcne); Jonathan (der treue Freund); Josef (Gott führt ihn noch zu); Juda (der Ruhmreiche); Judas (Gottesbekcnner); Lazar (stärke Gott); Mathias (Gott geschenkt); Raum (der Erfreucr); Nathan oder Nathamel (soviel wie Theodor); Noa (die Friedensruhe); Rafael (Gott ist Arzt); Samson (stark wie eine kleine Sonne); Samuel (von Gott erhört); Sarah (die Fürstin); Simeon (der Erhörte); Saul (der Erflehte); Thomas (der Zwilling); Urias (GottcSlicht); Zacharias (Gottes eingedenk); Isaak (Kinder der Freude); Jesaias (Gott hilf). Der Lateiner pflegt zu sagen „nomen est omen", d. h. der Name weissagt das Schicksal des Kindes. Das lateinische Sprichwort möge beherzigt werden und man möge den Kindern einen Namen geben, der sie stolz gedenken läßt ihres eigenen Volkes und des eigenen Glaubens und sie arrfmuntert, jenen nachzuleben. zu deren Andenken sie den Namen tragen, nicht aber einen Namen, der sie als Nachäffer eines fremden oder gar ihnen feindlichen Volkes erscheinen läßt. Dr. I u st u s. Mitteilungen des Vereines für unentgeltlich. Arbeitsnachweis. Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien. II., Taborstrasse 59 (Telephon Nr. 13.920) V orgemerkt sind: s. Klasse: Manuelle Arbeiter. 0 Anstreicher, 12 Auspapper, 6 Bäcker, S Buchbinder, 1 Kartonagearbeiter, 4 Drechsler, 11 Clektromoitteure, 8 Fleischhauer, 3 Friseure,!", Glaser, 9 Goldarbeiter. 1 Gürtler. 41 Hausknechte. Geschäfts- und Bureaudiener, 42 Hilfsarbeiter, 1 Hutnracher, 2 Kellermeister, 8 Kellner, 1 Kürschner, 4 Kutscher, 6 Laufburschen, 1 Lederzurichter. 7 Lehrlinge, 3 Magazineure, 1 Maschinisten rmd Heizer, 12 Monteure, 36 Schlosser, 32 Schneider, 1 Schriftsetzer, 12 Schuhmacher, 20 Spengler, 1 Steimnetz, 21 Tapezierer, 6 Taschner, 18 Tichler, 10 Uhrmacher, 3 Zeichner, 2 Zimmermaler, tüchtige und verläßliche Hausmeister. II. Klasse: Kaufmännische Angestellte 7 Branntweinverschleißer, 28 Buchhalter und Korrespondenten, 118 Kommis diverser Branchen, 59 Kontoristen und Strazzisten. 5 Inkassanten, 15 Kanzlisten und Schreiber, 7 Manipulanten rmd Expedienten, 10 Platzngenten und -Vertreter, 40 Praktikanten, 12 Reisende. Weibliche Abtheilimq. 5 Bonnen und Kindergärtnerinnen, 09 Kontoristinnen und Kanzlistinnen, 2 Kravattennäherinnen, 14 Expedientinnen und Manipulantrnnerr, 1 Kassafräulein, 10 Näherinnen und Schneiderinnen, 15 Praktikantinnen, 63 Verkäuferinnen, 6 Verschleitzerinnen, 10 Wirtschafterinnen und Stützen der Hausfrau. Offene Stellen. Von männlichem Personal: Stanzengraveure, 1 Kommis der Wirkwarenbranche, . Engeos, 1 Buchhalter mit ungarischer Korrespondenz, 1 Kontorist mit perf. böhmischer Korrespondenz, mehrere Spezereikommis, mehrere Lager¬ und Kontorpraktikanten.