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Jüdisches Volksblatt · 1902-12-12 · 50 (12.12.1902) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
50 (12.12.1902)
Date
1902-12-12
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 50 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 12. Dezember 1902 Seite 7 uns, obzwar in Europa, obzwar in einem konstitutionellen Lande, das wir nur zu ßeut hatttcn, so verlassen, so hilflos . . . Und dann? Dann wissen Sie die Geschichte weiter. Wir sind jetzt ebenso hilflos, ebenso verlassen ... v. l. Bücher-Emlaus. Die moderne Vastitle oder die geheimen Verhandlungen der Aerztckammer. Von Dr. Ludwig Ernst, Wien. Pol.-anthropol. Revue. Dezember 1902. Karl Wenle: Völkerkunde und Urgeschichte im 20. Jahrhundert. Christian von Ehrenfels: Zuchtwahl und Monogamie, 2. A. Ruppin: Der Einfluß des Alters und die Entstehung des Geschlechtes. Willy Hellpaeh: Darwinismus und Sozialpsychologie. Robert Michels: Das unerlöste Italien in Oesterreich. Wilhelm Micßncr: Der Wert der Religion für das Leben. Berichte, Besprechungen. 28 ms Kathreiners Kneipp- =r HalzKaffee. Keine Hausfrau säume länger, dies gesunde u. schmackhafte Kaffeegetränk elnzuführen. 88 „wir", so spreche ich nicht von den Willenlosen oder von denen unter uns, die sich ins Joch beugen und sich fürchten, ein Wort des Tadels auszusprcchen. Diese würden freilich unserem Wunsche nickt bei stimmen. Aber diese sind nicht maßgebend, dem: sic verdienen zum Teile ihr Los. Ich spreche von denen, die sich noch entrüsten können die eine Ungerechtigkeit nicht als selbstverständlich hinnchmeu, die noch so „naiv" sind, lvcun nicht zu hoffen, doch wenigstens an di Möglichkeit denken, die Frevler zu strafen, die noch genug nationalen Stolz besitzen, um sich den Gegnern als gleichwertig — wenn nicht mehr — gegenüberzustellen. Nach dieser Parenthese, die einem Teile meiner cingeschlafencn Brüder in Rumänien gelter, soll, kehre ich zu meinen Betrachtungen zurück. Also, die rumänische Thronrede flimmert sich weder spontan um die Judenfrage, noch reagiert sie «uf die in letzter Zeit im Arrslande wachgeworderre diplomatische Kritik. Und wer trägt die Schuld daran? Dieselbe Diplomatie bic eben kritisiert hat. Könnte diese etwas tun? Ja, wenn sie sich nicht begnügen würde, uns wie den Hunden einen Knochen zuzu werfen, um uns und alle Welt zu zwingen, an ihre Gutherzigkeit und an ihren Humanitarismus zu glauben, weirn sie sich nicht begnügen würde, „ihre Schuldigkeit zrr tim", sondern wenn sie die Sache ernst nehmen und so lange nicht Nachlassen möchte, bis irgend «in Resultat erfolgen tvürdc. Warum tut das niemand? Weil -er Diplomatie nicht an der „Humanität" liegt, weil sie kein Interesse hat, den rumänischen Juden behilflich zu seiu. — Das ist auch die Erklärung, warum die rumänische Thronrede über die Judenfrage ruhig hinweggehen darf, ohne sie zu erioähnen, ohne die diplomatischen Noten zur Kenntnis zu nehmen. — Wie gesagt, es fehlt die tüchtige Ohrfeige! Es gibt Leute, die, in voller Wut, so um sich herumschlagen, daß sie sich selbst verletzen. Das ist vor einigen Tagen dem rumänischen Staate geschehen. Ein rumänischer Bürger von ch r i stl i ch - o r th o d o x e r Konfession, dessen Adern« strotzend mit „römischem, Trajan'schein Blute" gefüllt sind — tvie sich unsere feurigen Nationalisten ausdrücken — der alle rumänischen Tugenden und Eigenschaften besitzt (er ist sogar ein eifriger Be suchcr der nationalen Gefängnisse), also ein Rumäne im vollsten Sinne des Wortes, ist aus seinem Vaterlande a il s g e w i e s e n worden. — Bekanntlich ist das Ausweisuugsgesetz eine der schönsten "Perlen in der Krone des rumänischen Antisemitismus, für uns allerdings eines der schärfsten Schwerter. Das Gesetz wurde — wenn ich nicht irre — im Jahre 1880 für einen Juden*) geprägt und nachher immer, und zwar sehr oft, meistens gegen Juden angewendet. Eigentlich ist es gegen „Fremde" gerichtet. Da aber in Rumänien niemand „fremder" als der einheimische, seit Generationen in und für das Land lebende Jude ist, so ist es selbstverständlich, daß dieser meistens getroffen wurde. Ja, das genannte Gesetz ist sogar ein Mittel geworden, um dem Juden den Mund zu verschließen, und ihm jedes Beschweren unmöglich zu machen. Denn dieses Gesetz kennt keine Richter; es genügt das Mort des Präfekten, um binnen 24 Stunden an der Grenze zu stehen und alle traurigen Geschehnisse, die aus dieser Maßregel erfolgen, über sich ergehen zu lassen. Wie Sie sehen, bei uns heißt «s brav sein — fast so wie in Rußland. Sonst wird man über die .Karpathen — hinausgeknutet. Nun ist dieses Gesetz, das den Rumänen gegenüber nie in Kraft treten, kann, aus Versehen einem Bürger zweimal appliziert worden, weil er das Unglück Hatte, einen nach „jüdischem Knoblauch" riechenden Namen, Moisescu, zu haben. Dieses F a i t - d i v e r s, bas sonst bedeutungslos ist, möge den Rumänen fühlbar machen, wie viel Barbarei im besprochenen Gesetze steckt. Mögen sie sich oster selbst verletzen und zerbeißen, vielleicht spüren sie mit der .Zeit, wie so ein Biß weh' tut! b. l. * Der 27. November (alten Stils) 1897: Ein trauriger Jahrestag! Ein Tischa Beab, an welchem kein wirklicher Tempel eingeäschert wurde, sondern die letzten Trümmer des großen Assimilationstempels, welchen sich sowohl die uneigennützigen, naiven, sentimentalen, wie auch die interessierten Juöen Rumäniens in; ihrer Phantasie ausgebaut hattteu, diese letzten Trümmer tvurden! für immer von der antijüdischeu Jugend vernichtet. Seitdem sieht! feder von uns, daß er von unserem früher so heiß geliebten Ru-! mänien nichts mehr zu erwarten hat. Alle Hoffnungen sind erloschen . . . Das kam so: Der verstorbene Kriegsminister Berendci wollte die Juden vom Militärdienste ausschließen; das war mit der "Auffassung, daß wir „Fremde" sind, konsequent. (Das Gesetz ist bann aus anderen Gründen nicht vorgeschlagen worden.) Die Juden, die sich damals noch vieles für die Zukunft versprachen, sträubten sich gegen den Vorschlag Berendeis; sie waren ja heiße Patrioten und gaben gerne die Blutsteuer. Der junge, aber sehrstarke, energische Verein der Reservisten, „Drepturile", dessen Zweck eben der Kampf für die Bürgerrechte war, führte damals die Bewegung. Aber schon die Einberufung einer öffentlichen Protestversammlung gab unseren Gegnern das Zeichen. Die rumänische Studentenschaft ging natürlich mit dem Beispiel voran, und mittels sehr verbreiteter, ungemein heftiger, wie Brandfackeln in die Menge geschleuderter Flugblätter, durch feiwige, an den wildesten und rohesten Bukarester Plebs gehaltene Predigten, durch Versprechungen, die die niedrigsten Gelüste leicht gewinnen konnten, inaugurierte sie die Reihe der Kreuzzüae. Devastationen des jüdischen Viertels, Blutvergießen — wirkliches, reichliches Blutver- , gießen, keine Metapher! — Plünderung und Zertrümmerung unzähliger jüdischer Häuser und Läden, das sind grosso nwdo die glorreichen Taten einiger tausend Rumänen, an deren Spitze sich die ' Elite der — rumänischen Studentenschaft befand. (Das ist keine> Verleumdung; es ist auch in einem Prozesse festgestellt worden.) {■ Leider kann ich in diesem engen Rahmen nicht die Einzelheiten; dieses denkwürdigen Tages erzählen. Jedes Detail ist ein herzzerbrechendes Drama, und ich habe viele solcher Details miterleben müssen .... Es waren traurige Tage in welchen man so weinte, wie unsere Vorfahren während der mittelalterlichen Kreuzzüge, Tage, in welchen sich jüdische Frauen und Kinder in bett Häusern versteckten und dieMänner unbewaffnet nicht ausgehen durften,Tage, in welchen ein rumänischer Student ein Hannibal ante portaS war! . . .Und die Kämpfe wiederholtn sich in Bukarest, wiederholten sich in Jassy, Braila, Foesani, Calarasi . > . und jeder Tag brachte eine tieftraurige, schmerzhafte Nachricht. Die rumänische: Jugend reiste von Stadt zu Stadt, es folgten Versammlungen auf!. . Versammlungen, man „klärte" tagtäglich das Volk über die Juden- , begannen am 1. Dezember neue Tages- und Abendkurse für gefahr aus, mau hetzte es und stachelte eS auf. lind wir fühlten Mädchen, Herren und Knaben (separ.) für Anfänger und Fortne Reklame verkaufen wir eine Anzahl von Winterröcken mit schiefen Taschen in dunkelgrau, schwarz und blau ä fl. 12.—, sage zwölf Gulden. Feinere und feinste fl. 20.— und fl. 24.—, Raglans und Ulster aus dickem Doublestoff fl. 18.-- und fl. 20.—, graue Coachman-Winter- Ulster, dasDauerhafteste, fl. 24—. Pelze, und zwar: Jenotten- Stadtpelz mit Prima-Seal-dl-Kragen fl. 50.—, Prima-Nerz- Murmel - Stadtpelz, mit schwarzem Prima-Seal-Kragen fl. 70.—, Prima-Biber-Stadpelz mit Prima-Persianer- Kragen fl. 86.— re. re., Pelzsakko mit Murmelfutter und Biberkragen fl.28.—Pelzsakko mitWallabyssutter u.Biberettekragen fl. 24.— rc., Schlafröcke fl. 6.50, fl. 9.— und fl. 12.—, Kamelhaar-Morgrnsakko fl. 11.—. Alle Sorten Knabenkleider geschmackvoll und billigst, z. V. Ulster aus Doublestoff fl. 10.—, Havelock für die Schule von fl. 5.25 an. Auswahlsendungen nach auswärts gegen Einlage des Betrages ohne Kaufzwang. Englischer Maßsalon für feinste Kleidung separat. Kommissionslager von M. & I. Mandl, Wien, I., Stephansplatz, Rothenthurmstraße 1, 3 und 5. ln der von der hohen k. k. Statthalterei konzessionierten Sprachschule der Frau O. KADISCH IX., Grüne Thorgasse Nr. 31, Mezzanin. Mitteilungen des Vereines für unentgeltlich. Arbeitsnachweis. Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien, II., Taborstrasse 59 (Tele p h o n Nr. 13.920) Vorgemerkt sind: I. Klasse: Manuelle Arbeiter. 5 Anstreicher, 13 Aufpapper, 8 Bäcker, 1 Buchbinder, 8 Drechsler, 2 Elektromontcure, 6 Fleischhauer, 1 Friseur, 4 Glaser, 10 Goldarbeiter, 30 Hausknechte, Geschäfts- und Bureaudicner, 40 Hilfsarbeiter, 3 Hutmacher, 2 Kellerburscheu, 8 Kellner, 6 Kutscher, 3 Laufburschen, 7 Lehrlinge, 2 Metallarbeiter, 7 Monteure, 30 Schlosser, 20 Schneider, 10 Schuhmacher, 15 Spengler, 1 Steinmetz, 11 Tapezierer, 1 Taschner, 27 Tischler, 6 Uhrmacher, 4 Zeichner, 7 Zimmermalcr, 3 Zuckerbäcker. II. Klasse: Kaufmännische Angestellte. 8 Branntwcinverschleißer, 22 Buchhalter und Korrespondenten, 92 Kommis diverser Branchen, 00 Kontoristen und Strazzisten, 6 Inkassanten, 13 Kanzlisten und Schreiber, 10 Manipulanten und Expedienten, 8 Platzagenten und -Vertreter, 10 Praktikanten, 6 Reisende. Weibliche Abtheilung. 9 Bonnen und Kindergärtnerinnen, 74 Kontoristinnen und Kanzlistinnen, 13 Expedientinnen und Manipulantinneu, 6 Hilfsarbeiterinnen, 4 Modistinnen, 33 Näherinnen und Schneiderinnen, 23 Praktikantinnen, 11 Sitzkassiererinnen und Verschleißerinnen, 69 Verkäuferinnen, 9 Wirtschafterinnen und Stützen der Hausfrau. III. Klasse: Geistige Arbeit 47 Hauslehrer und Hofmeister (meistens Hochschüler, welche Gymnasiasten und Realschüler unterrichten), 3 Lehrerinnen und Erzieherinnen. Offene Stellen. Von männlichem Personal: Mehrere Kontorpraktikanten und mehrere Lagerpraktikanten. Von weiblichem Personal: Mehrere Praktikantinnen und mehrere Lehrmädchen. f «32 interrock Pelzsacco K 135 Stadtpelz mit Shaw lkragen bei I a c o b R o t h b e r g e r, k. u. k. H o f l ie f e r a nt, Wien, I., Stefansplatz 9. Verkauf bis 12 Uhr nachts. 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