Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 46 (14.11.1902)
- Date
- 1902-11-14
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 14. November 1902 Nr. 46 ergriff der wohlbekannte Volksredner Hr. Löbl T a u 6 e § das Wort. Mit grellen Farben schilderte derselbe das tragische Lebensgeschick, das sielte Wandern, das Weben und Streben und hauptsächlich das Schaffen und Tun Brandes. Hr. Taubes hob einige Stellen B r a u d e s, in der von ihm redigierten Zeitschrift hervor und bewies, daß letzterer die Verkörperung der jüdischen Nationalität ausschließlich und nur in der hebräischen Sprache sah. Redner benützte auch diese Gelegenheit, indem er sich an die Zuhörerschaft, besonders aber an die Jugend, mit folgenden Worten wandte: „Wenn ihr wirklich das Andenken Brauch es, ehret, da müsset ihr euch bestreben, dies zu befolgen, was euch derselbe vorschrieb, in den vom Verstorbenen gebahnten Wegen fortzuschreiten, Eure Nationalität tu B r a n d e s, Sinn zu verkörpern, nämlich Hebräisch zu lernen, zu fördern, zu denken und zu fühlen." Nachdein „a\am gesungen wurde, verließen die Versammelten, vom Tode des ewig verehrtet! Brandes stark betroffen, den Saal. — Den vorausgegangenen Feiertagen zufolge mußte die für den 25. v. M. in diesem Blatte angekündigte feierliche Eröffnung der hiesigen jüdischen Toynbee - Halle verschoben werden und nun fand dieselbe erst Sonntag den 2. Marcheschwan im Vereine „Beth Israel" unter folgendem Programm statt. Vize-Präsident dieses Vereines Hr. L. Taubes hielt die Eröffnungs- und Begrüßungsrede. 2. Orchester unter Leitung der Herren H i r o m und Zeiger. 3. „Plötzliche Unglücksfälle und deren momentane Behandlung". Referent: Stadtarzt Herr Dr. Salomon 9! o s e n h e ck, Präsident obgedachten Vereines. Während der Pause wurde Tee verabreicht. -kt ja Budapest. Die lobenswerte Institution des Jugendgottesdienstes für die Schüler der Mittel- und Bürgerschulen bewährt sich von Jahr zu Jahr als heil-und nutzbringend für die religiöse Erziehung der schulbesuchenden Jugend. Die Schülerzahl aber nimmt von Jahr zu Jahr in dem Maße zu, daß der Jugendgottesdienst in mehrere Tempel verteilt werden muß. Gestern waren wir auch Augenzeugen bei Eröffnung eines erhebenden Gottesdienstes, welcher zum erstenmale in dem großen Prachtsaale der israelitischen Dtädchenbürgerschule abgehalten wurde. Der weihevolle Verlauf dieses Gottesdienstes verdient in den Spalten Ihres geschätzten Blattes ausgenommen zu werden. Es versammelten sich zirka 400 Schüler aus den Anstalten, an welchen der Religionsprofessor Herr Dr. G o nd a den Religionsunterricht leitet. Das Gelingen dieses schönen Gottesdienstes ist in erster Reihe dem rühmlichst bekannten Komponisten und Chordirigenten der Pester israelitischen Religionsgemeinde, Herrn Alfred S z e g f i, zu verdanken, der in einigen Tagen einen Schülerchor organisierte und die Jugend im gesanglichen Teile vorbereitete. Herr Kantor Brust mit seiner herrlich klingenden, mächtigen Stimme hat das Mincha-Gebet vorgetragen. Nach dem Thora-Vorlesen, welches Herr H. Weiß in seiner gewohnten Geübtheit versah, hielt Herr Dr. G o n d a die Weiherede, in der er in schwungvollen Worten die Wichtigkeit und Heiligkeit des Tempels und des Gottesdienstes den Zuhörern erklärte, auf Grund passender Bibel- und Talmudstellen. Er schloß mit dem Segen Gottes, welcher nach dem dieswöchentlichen Wochenabschnitt an Abraham ergangen. Die Schuljugend verließ in sichtlich gehobener Stimmung in größter Ordnung das Gotteshaus. Zboröw. Vor einigen Monaten, führte der Wiener „Hilssverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien" auch hier einen Kurs zur Erlernung der Haarnetz-Industrie für die hiesigen unbemittelten Frauen und Mädchen ein, welcher aber leider keinen Erfolg aufzuweisen hat, indem die hiesige jüdische Bevölkerung gegenüber dieser bewährten Institution anz indolent sich verhält. Demzufolge sah sich der Leiter der ierortigen Baron Hirsch-Stiftungsschule Herr Isidor G ez elt veranlaßt, am vergangenen Samstag den 8. d. M. in der hiesigen Synagoge vor einem Publikum eine Agitationsrede zu halten, wobei er an der Hand der aus dem letzten summarischen Berichte des Hilfsvereines entnommenen Daten die Wichtigkeit dieser heil- und segenbringenden Institution für unsere armen Glaubensgenossen nachwies, und ermahnte die Eltern in warmen und beredten Worten, ihre Kinoer zu reger Theilnahme an dieser Hausindustrie anzuhalten. Mögen die Worte und Bemühungen des geehrten Redners nicht fruchtlos bleiben und den erwünschten Zweck erreichen. — Samstag am 1. November fand in der hiesigen Synagoge die Eidesleistung der Rekruten jüdischen Glaubens der hier stationierenden Garnison statt. Die neuen Waffenträger erschienen unter Führung eines Offiziers zum Morgengottesdienst, wobei unser neugewählter Schächter Herr Israel Joses Winter, der zugleich ein tüchtiger und stimmbegabter Vorbeter ist, das „Hanausen teschuch" stimmungsvoll und feierlich rezitierte. Nach Vorlesung des Wochenabschnittes bestieg unser Rabbiner Se. Ehrwürden Herr David Kleinhändler die Kanzel und richtete an die jungen Vaterlandsverteidiger eine schwungvolle, patriotische deutsche Rede, wobei er ihnen die hohe und heilige Bedeutung des Schwures sowohl als auch ihres Ehrendienstes in beredten Worten auf, Zitate aus der Bibel, Talmud und Midrasch bezugnehmend, hervorhob. Bei offener Bundeslade nahm ihnen der sie führende Offizier den Eid der Treue ab. Dieser feierliche Akt, besonders aber auch die gelungene Rede unseres Herrn Rabbiners, übten auf die andächtige Gemeinde einen mächtigen Eindruck und verließ dieselbe tief gerührt das Gotteshaus. Ladiner. Eine Eingabe an den Czernowitzer Kultnsvorstand. Löblicher Kultusrat! Da mir seitens der Verwaltung des hiesigen israelitischen Friedhofes ein großes, unerhörtes Unrecht zugefügt wurde und ich trotz seit 6 Wochen von mir eingebrachter Beschwerde kein Recht finde, appelliere ich im Namen und über Aufforderung Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Weiß an den löblichen Kultusrat, sich der gerechten Sache anzunehmen, für Wahrheit und Gerechtigkeit einzutreten und' den Friedhof fernerhin vor solchen unerhörten Vorkommnissen z«V schützen.' Der Fäll ist folgender: Vor ungefähr 4 Monaten wurde auf dem Grabe meines Bruders Abraham Balsam ein neues Grab ohne irgendwelchen Namen, nur mit einer Holztafel mit Nr. 19 versehen, errichtet. Auf die Frage, wer in diesem neuen Grabe liege, bekam ich vom Wächter Mezger die Antwort : „Fürchten Sie sich nicht, das ist ein negidisches Kind." Als ich dann Beschwerde über diesen Vorfall bei der löblichen Kultusgemeinde führte, wurde diese Holztafel mit der Nr. 19 entfernt, der neue Grabhügel wurde zugedrückt und vom Verwalter Kassner behaupret, dass dieses frische Grab schon 7 Jahre alt ist,'und jede weitere Auskunft, wer in diesem Grabe ist, bisnun verschwiegen. Ich bitte daher den löblichen Kultusrat zu untersuchen: 1. Mit welchem Rechte wurde das Grab meines Bruders geschändet? 2. Auf wessen Veranlassung wurde dieses Grab gegraben? 3. Wer ist dieses Kind, welches auf dem Grabe meines Bruders beerdigt wurde? 4. Bitte ich das von Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Weiß am 28. Oktober 1901 an die Kultusgerneinde-Kanzlei abgesandte Gutachten über die Vorgänge am Friedhofs zur Verlesung zu bringen, damit der gesamte löbliche Kultusrat Kentnis habe, welche haarsträubenden Vorfälle am hiesigen Friedhofe verkommen. Ich bitte daher den löblichen Kultusrat, eine neue Ordnung in der Friedhofs- Verwaltung zu schaffen, da sonst der Frredhof gegen weiteren Unfug nicht gesichert ist. H e r s ch B a l s a m. Theologischer Verein der Hörer an der isr. theol. Lehranstalt in Wien. In der Generalversammlung am 6. November 1902 wurden folgende Herren in die Vereinsleitnng gewählt: M. G. M e h r e r, Präses, G S i ch e r, Vizepräses, M. T a u b er, I. Schriftführer, H. A l p e r i n, II. Schriftführer, V. Kurrein. Kassier, S. A r j e, A. Beck, I. S t ö ß l e r, Ausschüsse. Gestmnmgsgenofsen! Montag den 17 d. M. abends 8 Uhr findet die offizielle Kultnswähler-Versammlnng im Hotel „Zur Post",!., Fleischmarkt, statt. Gesinnnngsgenofsen! Erscheinet in Massen! Ausland. H. S. Das angesehene römische Journal „II Giornals Q’ltalia“ bringt in seiner Montag-Nummer vom >0. d. M. spaltenlange Berichte über den Euipsang des berühmten Staatsmannes und Parlamentariers Sidney Sonnino. Die Sonnino sind Livorneser Juden, deren es gleichen Namens sehr viele in Livorno gibt. Schreiber dieses befand sich mit Sonnino zu, gleich in dessen Absteigequartier im „Hotel Londres" in Neapel und war Zeuge der großartigen Ovationen, ivelche mau S o nn i n o brachte. Das Publikum begleitete den Wagen, in dem Sonnt« o, von der in der königlichen Akademie abgehaltenen Konferenz nach dem Hotel znrückkehrte, mit begeisterten Evvivas. Italien, dessen Kredit gerade unter D e p r e t i s und C r i s p i fast ruiniert wär, dessen Valuta ein zehnperzentiges Disagio aufivies, ist heute, dank einer zielbewußten Politik, eines der bestgeleiteten Länder, dessen Finanzlage so günstig ist, daß das Agio nicht nur ganz geschwunden ist, sondern effektives Gold um V.70 unter dem Papiergeld steht. Die Industrie geht einer blühenden Zukunft entgegen und nur zu bald werden wir in vielen Zweigen die rührige Konkurrenz der oberitakletlischen Fabriken verspüren. Bekanntlich war einer der Hauptreforinatoren und Regeneratoren der Schatzmeister L u z a t t i (Jude), noch heute die angesehenste Finanzgröße Italiens. Wie steht es bei uns aus? Wir marschieren unter den Klängen des Luegermarsches einem neuen Königgrätz entgegen. Der Kunsthistoriker Müntz, Mitglied des Institutes, Vizepräsident der Akademie der Inschriften, ist in Paris gestorben. Er hat viele Arbeiten historischen mtd archäologischen Inhalts hinterlassen. Zu seinen Hauptwerken gehören die „Geschichte der Kunst während der Renaissance", „Die Vorläufer der Renaissauce", „Raphael, sein Leben, sein Werk und seine Zeit", „Leonardo da Vinci, der Künstler, der Denker, der Gelehrte", „Florenz und Toscana", „Petrarca" (gemeinsam mit dem Fürsten von Egling). Müntz erfreute sich in der Gelehrtenwelt einer großen Autorität. Daß der große Polendichtcr Adam Mickiewicz, mit dem die eigentliche große Epoche der polnischen Poesie anhcbt, der Schöpfer des einzig in seiner Art dastehenden polnischen Nationalepos „Herr Thaddäus", der glühende polnische Patriot, nach Sprache, Gesinnung und Kultur ein Pole gewesen ist, unterliegt natürlich keinem Zweifel. Mar er es aber auch der Abstammung nach? In seinen späteren Jahren stöberte Adam Mickiewicz in alten Familienpapieren und kam zu dem Schluß, daß fctrfc Mutter einer zum Christentum iibcrgetretenen Judensmnilie entstammte. Diese Entdeckung soll auf 'den Dichter, der damals bereits stark ßu Mystik hinneigte, einen großen Eindruck gemacht haben. , Er war nicht wenig stolz auf seine allerdings ziemlich weitläufige Verwandtschaft mit dem Propheten Jeremias, dessen Schicksal dem seinigen so auffallend ähnlich war; auf Grund tfieser.MsiTr-legendären Abstammung erklärte Mickiewicz zürückgreffendFs'elne' Vorliebe für atttestämcntarische Bilder und Metaphern, von denen seine Dichtungen durchtränkt sind, wie auch die warme. Zuneigung für die Juden seines Vaterlandes, der erZn der prachtvollen Figur des jüdischen Zimbelspielers Jankel Ausdruck gegeben hat, dessen „Konzert" zum Schluffe des „Herr Thaddäus" eines der .schönsten Stücke der polnischen Poesie bildet. Von dem kürzlich verstorbenen russischen Bildhauer Marc Antokolsky ist ein Meisterwerk zurückgeblieben: „Die Inquisition". Der Petersburger .Kunstkritiker W. .Stassow schildert in der erschienenen Trauerrede aus Antokolsky die von diesem nicht mehr ganz zum Abschluß gebrachte plastische Gruppe. Ein fettleibiger spanischer Kardinal, der Inquisitor, steigt in einen Koller'hinunter; wo die versammelten Marannen das Osterfest feiern. Einige erschrecken und eilen in ein Versteck. In der Verwirrung werden Tische umgeworfen, Tischdecken heruntergrifsen, das Gerät des festlichen Mahles auf den Fußboden gestreut. Da erscheint eine hohe Gestalt, ein mittelalterlicher Führer seiner Glaubensgenossen, der den Zitternden zuzurufen scheint: „Wohin eilt ihr? Flößen euch die Hellebarden und Schwerter der Inquisition Schrecken ein? O, nein! Gehet mutig dem Scheiterhaufen entgegen!" Antokolsky hat diesen dramatischen Mbment in der ergreifendsten Weise festgehalten und dargestellt. Prozesse gegen den Antisemiten Graf Pückler. Eine ganze Anzahl von Prozessen gegen den. antisemitischen Agitator Grafen Pückler wird am 22. ds. vor der neunten Strafkammer des Landgerichtes 1 zur Verhandlung gelangen. Durch seine wiederholten Vcrtagnngsanträge hat Graf Pückler es erreicht, daß nunmehr alle bei der Staatsanwaltschaft des Landgerichtes gegen ihn anhängigen Veleidigungs- und sonstigen Prozesse auf einmal zur gerichtlichen Aburteilung gelangen werden.. Der erste dieser Prozesse betrifft die vonr Grafen Pückler im November 1.902 in den Concordia- Sälen gehaltene Rede, in welcher er seine Erlebnisse in Dresden und Berlin schilderte, wo er wegen Aufreizung zum Klassenhaß verurteilt worden war. Bei der Schilderung der beiden Gerichtsverhandlungen soll nun Graf. Pückler 'namentlich die Berliner Richter in einer Weise kritisiert haben (er sprach unter anderem von den „Kerlen, die vor ihm unter den grünen Tisch kriechen müßten"), daß eine Anklage wegen Beamten-Veleidignng gegen ihn erhoben wurde. Die ztveite Anklage betrifft die durch die „Staatsbürger- Zeitung" begangene Beleidigung' des Geheimen Sanitätsrates Dr. Reumann in Glogau. In dieser Sache sitzt neben Graf Pückler auch der verurteilte Verleger-Wilhelm Bruhn -mit auf der Anklagebank. Eine dritte Anklage betrifft wieder eine Versammlungsrede des Grafen, in der Aufreizungen zu Gewalttätigkeiten gegen die Juden erblickt werden. Diesem, Verfahren , haben sich mehrere jüdische Personen als Nebenkläger angeschlossen, da sie einzelne Wendungen der Rede auf sich bezogen und sich dadurch beleidigt fühlen. Der vierte Prozeß hat die Veröffentlichung dieser Rede in Forin eines Flugblattes zum Gegenstand. Mitteilungen aus dem MukLilrurrr Laura Löwy und Emanuel Klappholz beehren sich, von ihrer am 16. November 1902 stattfindenden Vermählung Nachricht zu geben. * „Verein der Kinderfreunde" zur Bekleidung armer Schulkinder für den XVI. und XVII. Bezirk. XVI., Hubergasse Nr. 8. Der Verein der „Kinderfreunde" veranstaltet anläßlich der Bekleidung von 160 armen Schulkindern mit vollständigen Winterkleidern am Mittwoch den l9.NovemberinGeorgGschwandners Saallokalitäten, Hernalser Hauptstraße Nr. 41, einen Vortragsabend mit Konzert, Tanzkränzchen, und Jnxbazar und erlaubt sich, seine ergebenste Einladung hierzu, zu machen, Da auch in diesem Jahre trotz der großen Anzahl bekleideter Kinder mangels nötiger Barmittel einige Petenten zurückgewiesen werden mußten, bitten wir um eine rege Beteiligung - bei diesem Feste, damit wir i:n «üchsten Jahre allen an uns gestellten Anforderungen genügen können. Die zur Bekleidung der armen Schulkinder angeschafften Kleidungsstücke sind am Mittwoch den >9. November l. I. von 2—4 Uhr nachmittags zur allgemeine!« Besichtigung in« obbezeichneten Lokale vorbereitet. Eintrittskarten sind bei den Vorstandsmitgliedern erhältlich. Wochen-Prvgvamm der „Jüdischen Toynbec-Halle", XX., Karajangasse* 20. Sonntag den 10. November: Adolf Gelber „Emile Zola". — Montag den 17. November: Max Annibert „Der Schlaf". — DienZtng den 18. November: Disknssion über „Frauenberufe" III. — Mittwoch den 19. November: Gustav Sicher „Geschichte des jüdischen Volkes im \ Altertum". — Donnerstag den 20. November: Dr. Egon Zweig: „Jehuda bei« Halevy", IV. Dichterabend. — Freitag den 21. Noveiuber: G M. Mehrer Bibel, Erklärung der Sidra. — Samstag den 22. November: Konzert. — Anmeldungen zu Vorträgen beliebe man zu richten an Dr. I. S a d g e r, IX., Liechtensteinstraße Nr. 15. , Der Verein der „Kinderfreil,«de" veranstaltet am 19. November d. I in G s ch w a n d n e r s Prachtlokalitäten, XVII., Hauptstraße Nr. 41, eine Akademie mit darauffolgendem Tanzkranzchen. In Anbetracht des humanitären Zweckes der Veranstaltungen dieses Vereines haben einige der hervorragendsten und populärsten Kunstkräfte Wiens ihre Mitwirkung HUgesagt und verspricht der Abend, dessen Programm überaus reichhaltig \.ePl J.e9c "uchnerter jlt werden. Am darauffolgenden Tage st"der d«e Beteilung von 160 armen jüdischen Schulkindern mit £o.mRIetter Wintergarderobe statt. Der Verein, der heute in dem 21. .^zahre seiner segensreichen und aufopferungsvollen Tätigkeit steht, verdient die Unterstützung aller, die sich für die Pflege der Humanität im Innern des Judentums interessieren. Eintrittskarten sind im Vorverkauf h Kr. 1.20 bei allen Vereinsmitgliedern und in der Kanzlei, XVI., Hubergasse Nr. 8, oder an der Abendkasse -! Kr. 1.60 erhältlich. Die Möbelindustrie hat in jüngster Zeit, nn« dem verfeinerten, geradezu raffinierten Geschmacke des Publikums Rechnung tragen zu körmen, die größten Austreilgniigei, machen iniissen. Tatsächlich überbieten sich die Möbelfabrikanten in der Herstellung von modernen und modernsten Möbelgegenständen. Daß hierbei der wirklich feine Geschmack nicht irmner auf seine Rechnung kommt, ist nicht zu verwundern. Ilnd so sieht man Kauflustige oft von einem Etablissenient zum anderen wandern, ohne sich in dem großen Chaos von marktschreierischer Sezession und Geschrnacklosigkeit zurechtzufntden. Als einen treuen Wegweiser auf dem Gebiete des feinen Geschmackes in Möbeln aller Art müssen wir daher das reichillustrierte Album des Möbelhauses Jacques Heiß, 9. Bez., Porzellangasse 20, begrüßen. Man findet hier wirklich moderne, diskret ausgcführte Gegenstände, bei denen das Moderne nicht auf Kosten der Dauerhaftigkeit hervorgekehrt wird. Ein Besuch in diesem Etablissement, auf dessen Inserat wir hier besonders aufmerksam machen, wird sich stets als lohnen erweisen.. (Hotel Guth.) Das seit dreißig Jahren bestehende bestrenommierte Restaurant Guth befindet sich seit dem 6. d. M. in dem modernen Neubau II., Stefaniestraße 14. MÄist vorzüglicher Küche und Kellerwerden den Gästen ginBumige, mit Eleganz und Komfort ausgestattete (für Festlichkeiten, geeignet) Speisesäle geboten. Für das reisende Publikum stehen vierzig elegant eingerichtete Fremdenzimmer zu mäßigen Preisen zur Verfügung. * Privat-Religionsschule des Vereines „Ada.si Jißroel". Wir beehren uns, mitzuteilen, daß unsere Religionsschule ab 15. N o v e m b er d. I. sich II., N e g e r l e g a s s e 2, I, S to ck^ befindet. Die Schüleraufnahme wird Ende November geschlossen. Wien, im November 1902. Der Vorstand. Briefkasten. D. B. Czern. Ungeeignet, weil schon besprochen. Prlbrg., Lemberg. Wir versenden prinzipiell keine Legitimations-Karten. Fleischer. Geeignet. Erscheinen unbestimmt. Kahan Miksa. Wir teilen Ihnen sowohl als auch anderen mit, daß die Redaktion für unverlangt eingesendete Manuskripte überhaupt keine Verantwortung übernimmt, wie auf dem Kopfe jeder Nummer ersichtlich ist. Was Ihre Arbeit betrifft, so werden wir Sie rechtzeitig von der Annahme oder Ablehnung verständigen. Für jeden Fall müssen Sie mit der Stoffüberfülle bei uns rechnen, die uns zwingt, selbst gute Arbeiten zurückzuweisen. N. N. Eine Polemik zwischen zwei solchen verschiedenen Weltanschauungen hätte keinen Sinn. Nur die Gesichtsf ä l s ch u n g, die Sie betreiben, wollen wir sestnageln. Sie behaupten, daß die Ritualmordgeschichte gegen die ersten Christen in Rom von den Juden erhoben worden wäre. Das ist eine Lüge und, wie man bei Ihrer sonstigen Belesenheit annehmen muß, eine bewußte Lüge. Damals faßten die Heiden beide, Juden und Christen, als eine Religion auf und betrachteten die Christen als eine jüdische Sekte; man sprach daher von „Judenchristen". Wenn Sie es sonst nicht wußten, daß diese Beschuldigung von den römischen Heiden kommt, so hätten Sie es aus dem in Ihrem Partei-Theater aufgeführten Stücke „Im Zeichen des Kreuzes" erfahren können. Im ersten Akte treten zwei Römer auf, die sich schaudernd davon erzählen, daß die Christen das Blut von Kindern brauche». Also, Hochwürden (entschuldigen Sie, wenn Ihnen ein höherer Titel zukommt), etwas weniger Räch st enliebe gegen Ihre „Feinde" und etwas mehr Gerechtigkeit gegen uns! W. M. Stanislau. Bitte den Passus betreffs unverlangter Manuskripte zu lesen. Neugieriger. Wir haben die Sache recherchiert und sind in der Lage, Ihre Neugier zu befriedigen. Herr Dr. Güdemann hat vor wenigen Jahren, als er — in zweiter Ehe — einem freudigen Familienereignis entgegensah, die Skrupellosigkeit besessen, den Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde um eine Gehaltserhöhung zu bitten. Er hatte damals ein Einkommen von etwa 12.000 fl. als Rabbiner und aus seinem bei Salo Cohn erliegenden Privatvermögen floß ihm eine JaHresrente von mindestens 15 000 fl. zu. Trotz des ganz respektablen Einkommens von 27.000 fl. fühlte sich Se. Ehrwürden außerstande, die finänziellen Lasten der Erziehung und Erhaltung des erwarteten Leibeserben zu tragen und motivierte sein Avancementgesuch mit dem bevorstehenden Familienzuwachs und der in Verbindung damit zu er w arten de n 'G-r. h ö h u. n g. seiner Haushaltungskosten. Die schmieritz-,'S,chnorrerer fand ein würdiges Gegenstück in dem Eifer, mit welchem Herr Salo Cohn, der das nach hunderttausenden v.a» Gulden zählende Vermögen des Oberhirten verwaltete, das Gesuch in der Vorstandssitzung vertrat. Selbstverständlich wurde das Gesuch — eine Unanständigkeit zieht immer die andere nach sich — bewilligt. Herr Dr. Güdemann bekam eine Gehaltserhöhung von tausend Gulden jährlich, während zugleich hunderte von Armengesuchen teils unerledigt blieben, teils wegen unzureichender Mittel abschlägig beschießen wurden. .Menschenliebe. .Wegen.Raummangels für nächste Nummer geblieben.