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Jüdisches Volksblatt · 1902-10-31 · 44 (31.10.1902) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
44 (31.10.1902)
Date
1902-10-31
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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31. Oktober 1902 u'ite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt Nr. U fern, au dem der „Bund der Landwirte" adwickscbaften und der deutsche Bauer begreifen iverde, das; der Großgrundbesitzer seine Natur nicht ändern und der Freund und Beschützer der Banenn interessen sein könne." Erkennt aber der deutsche Bauer erst, das; auch seine Wohlfahrt an das Blühen hon Handel und Industrie gebunden ist, dann ist kein Natun mehr für die Agitation der bei dem „Bund der Landwirte" Unterkunft suchenden Antisemiten. Aber auch zweite gewerbliche städtische .Streife beginnen sich jetzt non den Antisemiten abzittvendcn, die sich als Beschützer des Mittelstandes ausgespielt und schwungvolle Beden über Sozialreform gehalten, in der kritischsten Zeit jedoch alle Hebel in Betvegnng gesetzt haben, um den Agrariern ein weiteres Hinausschranben der Preise der nötigsten Lebensmittel zu ermöglichen. Der sammlimgsbrrichie. Das dritte Jahr jüdischer Toynbee-Halle. Die jüdische T o h u bee - H a l l c, 20. Bez., Karajangasse 20, bat das dritte Jahr ihres segensreichen Wirkens Samstag den 25. ds. in vielverheißender Weise begonnen. Gleich dem ersten Vereinsabende wohnte ein zahlreiches Auditorium an, so zahlreich, das; ein Grossteil der Besucher nicht Platz fand. Ausfallend >var die Beteiligung ans den offiziellen Kreisen, die sich in der Jugend der Toynbee-Halle ostentativ fernhielten. Man bemerkte unter anderen Notabilitäten: den Vizepräsidenten der Wiener israelitischen Knltnsgemeinde, Landesschulrat Dr. Gustav K o h n, kais. Rat Dr. L leben, Bezirksschulinspektor Dr. Markus Spitzer, Baurat S t i a ß n h, Oberfinauzrat Dr. R a p a p p o r t, Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Adolf S t e i n, Richard Rappaport, die Rabbiner Dr. A bete s, Dr. B a ch, Dr. R o s e n m a n n , Dr. T a g l i ch t, Scho r r, den Sekretär der Baron Hirsch'scheu Stiftung Dr. A s ch e r, Professor Dr. B ü chle r, Religionsprofessor A n s ch e r l usw. Von hohem Interesse getragen war die Eröffnungsrede des Obmannes der Toynbee-Halle, Seminar- Rektor Professor Dr. Adolf Schwarz, der national-jüdische Töne erklingen ließ, die sich stellenweise zu mächtigen Akkorden verdichteten und von so autoritativer Seite in Wien bislang noch nicht zu vernehmen gefvesen sind. Zu unserem Leidwesen sind wir mtr imstande, von der ebenso bedeutsamen als bemerkenswerten Rede des Rektors Dr. Schwarz'ein kleines Exzerpt zu liefern, das jedoch genügen dürfte, die Leser zu informieren, behalten uns jedoch vor, aus diese Aufsehen erregende Rede gelegentlich noch zurückzukommen. Rektor Dr. Schwarz führte ans, daß die moderne Institution der Toynbee-Halle mit einem Prinzip des ältesten Judentums verwandtest, und zwar mit dem Prinzip des Ausgleiches der sozialen Gegensätze. Weil das jüdische Volk von jeher eine festgeschlossene Einheit bilden sollte, suchte es die gesellschaftlichen Unterschiede in seiner Mitte zu überbrücken. Das geschichtliche Judentum kennt keine Enterbten und auch der ärmste Jude braucht nicht den Vergleich mit dem ans derselben sozialen Stufe stehenden Nichtjuden zu fürchten. _ Es soll gewiß nicht geleugnet werden, daß wir einige Reiche in unserer Mitte haben, aus die wir mit Stolz blicken können; aber wenn man den Unterschied, ivelcher zwischen dem jüdischen Volke und den anderen Nationen nun einmal besteht und jede Assimilation unmöglich macht, in seinem Wesen erkennen will, dann darf man nicht den reichen Juden mit dem reichen Nichtjuden, dann muß mm: die armen Juden mit den armeu Nichtjuden vergleichen. Die unzerstörbaren, triebkräftigsten Wurzeln unseres Stammes liegen in jenen Volksschichten, die zu unterst gebettet sind. Das Streben, in geistiger Hinsicht zur Höhe empor zu kommen, gewährleistet uns ans die Dauer die Verji'mgungsfähigkeit des jüdischen Stammes. Das sinaitische Grundgesetz mit seiner demokratischen Unterlage, die jüdische Staatsverfassung, welche keinen Unterschied zwischen Mensch und Mensch kennt, hat dafür Sorge getragen, daß auch der, welcher nichts hat, etwas ist. Die jüdische „Zedakah" ist mehr als Wohl- und Mildtätigkeit, mehr als werktätige Menschenliebe, . denn das jüdische Geben war ein gegenseitiges. Durch das Prinzip der Gegenseitigkeit sollte das jüdische Stammesbeivußtsein gesteigert werden. Das Ziel Arnold Toynbees, die Errungenschaften und Schöpfungen von Wissenschaft und Kunst zum Gemeinbesitz aller Stände zu machen, weist viele verwandte Züge aus mit jenem, welches die Juden seit llahrtausenden anstreben. Deshalb muß unsere Toynbee-Halle vor allem und nach allem eine jüdische Institution sein. Das ist sie durch den Geist und das Gemüt des Mannes, der sie hier in Wien ins Leben gerufen hat (Professor Kellner) und der trotz aller Bescheidenheit, mit welcher er sich Ziirückzieht, an ihrer Spitze steht und ihre eigentliche Seele bildet. Das ist sie durch das harmonische Zusammenwirken fein- und kunstsinniger jüdischer Frauen mit Willensstärken, tatkräftigen jiidischen Männern von jeher gewesen und das wird sie auch in Zukunft bleiben. Sie will die sozialen Gegensätze in unserer Volksgemeinschaft ansgleichen, umsomehr, als, wie es scheint, in ben letzten Jahrzehnten bei dieser Ausgleichung nicht immer die rechte Methode angewendet wurde. Sie ist zwar von einer zielbewussten Partei gegründet worden, hat sich aber von vorneherein dem Wöhle der Gesamtheit ohne Unterschied der Partei gewidmet. Sie muß, um ihre Aufgaben ganz zu lösen, sich zu einer Gemeindeinstitution im altjüdischen Sinne ausgestalten. Rektor Dr. Schwarz erzielte mit seiner einstündigen, großangelegten, formvollendeten Ansprache vollen nachhaltigen Erfolg, der in brausendem Beifall zum Ausdrucke gelangte, namentlich die Stellen der Rede, welche aus die nationale Äugehörigkeit, das volkliche Bewußtsein des jüdischen Stammes zielten, verfehlten nicht, tiefsten Eindruck zu hinterlassen. Das „Jüdische Volksblatt", dessen oberster Grundsatz ist, das Interesse für die jüdische Nationat- Idee zu wecken, darf sich wohl ein kleines Verdienst vindizieren, das; dessen Programm Eingang auch in Kreise geftniden. die vor noch nicht langer Zeit vom nationalen Judentum ziemlich weit entfernst waren. Dem Vortrage des Rektors Tr. S ch!v a r z reihten sich musikalische und gesangliche Produktionen an, ausgeführt von den Kornpositeuren Professor Josef S u lz e r und Ignaz B r ii ll, dem Cellisten S. Au der und den Oberkantoren Bela G u t m a u u und Don F u ch s, die sich ungeteilten Beifalles erfreuten. Nachdem die obligate Jause gereicht war, appellierte Dr. Gustav Köhn au die Anwesenden, die Humanitären Ziele und Zwecke der Toynbee- Halle geistig und materiell zu fördern, damit die Absicht, Zweiganstalten auch in anderen Wiener Bezirken zu errichten, zur Ausführung gelangen könne. Aufruf. Der „Verband der I sr a e l i l i sch en Handln e r k e r für das K ö n i er r e i ch B ü b m e n mit dem Sitze in Prag" versende! nachfolgenden Ausruf: An unsere Glaubensgenossen! Der „Verband der Israelitischen Handwerker", dessen vornehmste und wichtigste Ausgabe darin besteht, für den Aufschwung lind die Ansgestaltung des Handwerkerstandes zu wirken, wendet sich an seine Glaubensgenossen mit der Bitte, recht zahlreich dem Verbände beizutreten und so mitzuwirken, daß es demselben möglich werde, sein angestrebres Ziel mit bestem Erfolge durchznfnhren. Jahrzehnte hindurch ist das Bestehen eines jüdischen Handwerkerstandes den Juden fremd geblieben. Es verdient ganz besonders darauf hingewiesen zu werden, daß gerade die besser situierten Glaubensgenossen verpflichtet sind, diesem Stande die größte Aufmerksamkeit zuzuwenden, weil dieser Stand den größten Kampf tun seine Existenz zu führen hat. Wir können schon auf den Erfolg Hinweisen, daß weite Kreise sich dessen bewußt werden, wie zielgemäß und wichtig, nicht nur für den Handwerker allein, sondern auch für das gesamte Judentum, die Gründung dieses Verbandes geworden ist. Es ergeht daher an alle Juden die Aufforderung, sich des bedeutsamen Jüdischen Handwerkerbundes tatkräftig anzunehmen. Wien. (I ii d i s ch er Verein j u g e n d l i ch e r A r - beite r, 2. Bez., Untere Augcnstenstr. 19.) Ordentliches Mitglied dieses Vereines kann jeder jüdische Arbeiter (Angestellte) im Alter von 14 bis 24 Jahren iverden. Monatsbeitrag 20 Heller. Der Verein besitzt eine reichhaltige Bibliothek, veranstaltet wöchentliche Vereiiisabende (jeden Sonistag um 6 llhr) solvie Versammlungen und größere Veranstaltungen. Die Tnrii-Sektion errichtete einen Turn-KurS und fiudeu jeden Somstag von 3—5 llhr nachmittags llcbmigeu im Saale des Ersten Wiener jüdischen Turnvereins (t. Bcz., Mölkerbastei 5) stakt. Die Organisation der jüdischen jugendlichen Arbeiter gründet derzeit Ortsgruppen in den einzelnen Bezirken, Ivie Brigittenau (Proponenk Moriz Tolcziner, 20. Bez., Iägerstraße 101, Ottakring (Proponent Karl Weiß, 10. Bez., Bnmnengasse 00) „sin. Ferner soll ab Jänner 1003 ein monatlich erscheinendes Fachblakt „Die arbeitende Jugend" die Vereinsinteressen fördern. Spenden für den Preßfonds dieser Zeitschrift übernimmt auch die Administration des „Iiid. Volksblatt". Prag. (V e r c i u jüdis ch e r H cr n d e l s a n g e st e l lt e v, Cafe Randnitz, Altstädterring,) Obiger Verein besitzt eine Stellenvermittlung (für Mitglieder und Prinzipale kostenlos), reichhaltige Bibliothek, Lesezimmer, veranstaltet interessante Vorträge, usw. Wien. (I ü d i s ch er Verein jugendli ch e t A r - beiter, 2. Bez., Untere Augartenstr. 10.) Sonntag den 2. November Vereinsabend mit folgender Tagesordnung: 1. Nachwahlen in die Vereinsleitung. 2. Vortrag des Gesinnungsgenossen Doktor Egon Michael Zweig über: „Emile Zola". 3. Eventuelles. Beginn 0 Uhr. Von Mitgliedern eingesührte Gäste willkommen. Allgemeiner jüdischer Arbeiterverein Wien. Bei der am 25. d. M. staÄzefuudenen außerordentlichen Plennrversamiulmist wurden folgende Gesinnunqsqenossen in den Ausschuß gewählt: 1. Obmamii Herr Eleasar Brod, 9. Bez., Rothe Löwengasse 2. 2. Obmann-Stellvertreter Herr Bernhard G uünhut, 7. Bez., Lindengasse 24. 3. Kassier Herr Efraim E d e l st e i n , 2. Dez., Hermincw qasse 13. 4. Erster Schriftführer Herr Wilhelm Berger, 2. Bez., Kleine Pfarrqasse 12. 5. Zkveiter Schriftführer Herr Nathan Groß, 2. Bez., Miesbachstasse 14. 6. Bibliothekar Herr Samuel Weißblüt'h, 2. Bez., Untere Augartenstraße 23. 7. ZeÜtnngsverweser Herr Salomon B r a i n i n, 2. Bez., Mathildengasse 2. 8. Ersatzmänner: die Herren Leopold Bienen st o cf, 2. Bez., Taborstraße 46, Samuel G u ttenbevg, 2. Bez., Rembraindtstraße 28, Nathan Weiß, 20. Bez., Traunfelsgasse 7. 0. Revisoren: die Herren Samuel Bock, 13.Bez., Anhofstraße 222, Jakob Hammer, 2. Bez., Pratei> straße 13. — Gleichzeitig bringen wir! zur Kenntnis, daß wir unseren Tanzkurs im großen Saale des Weilaudhofes, 20. Bez., Klofternenbnrgei-straße 33, bereits eröffnet haben. Negiebeitrag für Dainen und Herren 30 Heller. Tie Lese- und Ncdehalle jüdischer Hochschüler in Wien hielt am 25. ds. ihre 17. ordentliche Plenarversammlung ab, ivelcher niedrere Vertreter der jüdischen Skndenkenvcreintgnngen und als Vertreter des Indischen Volksvereines Herr Dr. Leo Sofer beiwohnten. Herr Richard Rapvaporl, Ehrenmitglied des Vereins, Platte sein Fernbleiben entschuldigt. Ans dem Rechenschaftsberichte de? Obmannes cand. iur. Joses Mareo geht hervor, daß der Verein im abgelanfenen Semester 00 Mitglieder hafte und durch Abbalinng der verschiedenen Lektionen den Zielen, die er sich gesteckt hatte, nähemelömmen ist. So wurde in einer juristischen Sektion den Rechts'hörern Gelegenheit geboten, ihr Fachwissen zu vertiefen; eine literarische Sektion hatte das Interesse für die Literatur unter besonderer Berücksichtigung der Moderne nt wecken, in besonderen Kurien wurden Svrachen und Steiwgraphie gelehrt und auch für die körvcrliche Ausbildung der Mitglieder wurde durch einen rege, besuchten Fechtknrs gesorgt. Ganz besonders ivnrde nncrfnimt das hingehende Wirken des Sbakesveare-Forschers Dr. 9fboTf Gelber, der durch einen im Nereinslokal abgehaltenen Kursus über Shakesveare-Literatur sich den besonderen Dank der Teilnehmer erwarb. In Würdianng dieser Verdienste hmrbe auch Herr Dr. Gelber mittels einhelligen Beschlusses der Plenarversammlung zum Ehrenmiialiede ernannt. Durch Abhaltung von Vorträgen in der Universität wurde mtäi eilt Prograinlnvnnft des Vereins erfüllt: es hielten Vorlräae: Herr Prof. Dr. Benedikt über „Kriminalaiithropölögie", Herr Martin Bnher über „Kunst und Gesellschaft", und Herr Dr. Arthur Bader über „Hygiene des Judentums". Daß das Wicken der Lesehalle die gebührende Anerkennung in der Aitßenwelt gesunden hak. heineist die große Zahl derer, die den Verein durch materielle Unterstützung in seinem edlen Streben förderten und best'ärkten. Nur so ivnrde es möglich, die übergroßen AnSgaben des Vereine?- zu decken. 4mit Schlüsse hob noch der Obmann das erfolareicbe Wirken des L e k t i o n e n - V e r m t 11 l n n g s - K <i m i i e e s hervor, welches einer oroßen Zahl von iinliemittelien Mitgliedern znmfte kam. Nachdem der Vorsitzende nocknnaks allen jenen den Dank des Vereines ansgesvrochelt hafte, welche den Ausschuß in seiner Tätigkeit nnterstntzien, und nacltdent dem abtretenden Ausschüsse per Akklamation daS Absoltiiorinm erteilt worden ivar, ivnrde znnt nächsteit Pyitkt der Tagesordnnng. der Neuwahl des?l"s,'ch!,>>'-'s übernegangen. Ans dicke Mahl gingen hervor: cand. jtlr. Earl Schächter als Präses, als dessen Stellvertreter mcd. Geza Salier und med. Alexander Lichtendorf; seriier Würben aewäbli jnr. Otto Faltin. teclm. Jakob Meißner, med. Ostas Snrecher. med. Eduard Kälber, jnr. Abraham Eidinger, med. Earl Goldenthal, med. Otto Schwarz. Nacltdent noch einige Anträge und Aitregmtgen der Mitglieder zur Svrache gekommen wareit, ivnrde die 17. Pleltarversainmlnng geschlosseit. Wien. Der 1. W i c u e r j ü d. Turnverein (1. Bez., Möllerhastei 5) hielt Montag den 20. Oktober seine ordentliche Haiivtversantntlting ab. Aus den Berichten der Mitglieder des TiirnrateS ging einerseits ber-vor, daß der Tiirnbesuch sich während des abaelansenen Vereinsjahres bedeutend gehoben bat, ein Beweis, »nie allgeniein das Bedürfnis nach körperlicher Hebtkng ttnseres Volkes elnpfnnden ivird, andererseits, daß die Schwierigkeit, zur Er- Haltung des Vereines und namenlkich ztlr Bestreitung der höhen ' Miete die Mittel herbeiztischaffen, die alle gebliebeit ist. Trotzdem ivnrde unter Ablehtumg aller Ahäitdenutgsaitlräge an dem ittederen Mvnalsbeilrage von 2 Kroneit, beziv. für Sittdeitlen und Handelsangestellte, die sich als Mitglieder eines anderen jndischett Vereittes atlsiveisen, von 1 Krone festgehalten, um so möglichst alle Volksschichten zum stähleitdeit Ttirnbetrieb heraitznzieheu. Ferner wurde beschlossen, .gemäß Referat Pollak ab 1. Mai ein neues Tnntlokal ztt mieten, gemäß Referat Dr. Werner alle Turner bei der 1. österr. allgem. ftnfallversicherniigsgesellschaft zu versichern, gemäß Referat Dr. Ziveig dem vom Berliner Brudervereiit „Bar Kochba" zu kreierendeu alljüdischen Tnrnverbatid beizntreten und schließlich gemäß Aittrag I. Katz als Vereinsabzeichen ein blati-iveißeS Fähnchen mit der Vereinsinschrift im Knopfloch zu tragen. In den neuen Turnrat wurden einhellig geivählt: als Obmann Dr. Ludwig Werner, Stellvertreter Karl Plowitz, als Schriftführer Dr. Josef Weinreb und Frl. Thtlda Frankfurter, als Tnrnivarte Rudolf Pollak ilitd Dr. Mar Jerusalem» als Kassiere Richard Pollitzer und Alex. .Katz, als Zeugwart Ing. Isidor Löweustein und als Ersatzmänner Hugo Spitzer, Ittg. Enterich Loewy tntd Gustav Loebl. — Herreisturnen nach wie vor Montag und Dontierstag von halb 8 bis 0 llhr abends, Damenttlriten Mittwoch und Samstag von 7 bis halb 0 llhr abends. Atißerdcm Kinder-, Lehrlings-, Norttlriierftlrnen mtd Fechten. Der Allg. Krnnkcn-NnterstützungS-Bcrein „Menschenliebe" veranstaltet am 8. November d. I. im Saale des „Bayrischen Hofes", 2. Bez., Taborstraße, eine Wohltätigkeits-Akademie, verlmttdeu mit Tauzkränzche», zugunsten des Witwen- und Waisenfonds. —■ Programm: 1. Konzert der Kaiser-Jäger. 2. Prolog, versaßt vom Herrn Redakteur Jakob Kraus. 3. Gesangsvortrag des Herrn Oberkantor Don Fuchs. 4. Deklamatorische Vorträge des Frl. Marianne Rnb, Mitglied des k. k. Hofbtlrgtheaters. 5. Heitere Vorträge des Herrn Popb, Regisseurs des Raimund-Theaters. 0. Gesangsvorträge des Frl. Mayerhofer, Mitglied des Raimnnd-Theaters. 7. Vorträge des Klavier-Humoristen Herrn Lippa. Entree pro Persott 2 Kronen. Familienkarten (4 Persotien) 0 Kronen. Beginti 8 Nhr. Wochen-Programm der „Jüdischen Toynbee-Halle", 20. Bcz.. Karajangasse 20. Sonntag den 2. November: Hermann Berliner: „Heber Buchhaltung" 1. Mbistag den 3. November: Max Eisler: Die Inden in Babhlonien im 3. Jahrhundert". Dienstag den 4. November: Diskussion über „Fraueitberufe", eingelestet von Anna Kellner. Mittwoch den 5. November: Hopmaver: „Die jüdische Frau in der Knust und Literatur". Donnerstag den 6. November:?ldvlf Steinschneider: „S. H. Mosesthal". 2. Dichterabend. Freitag den 7. November: M. G. Mehrer: Bibel, Erklärung der Sidra. Samstag den 8. November: Konzert. — Anmeldungen zu Vorträgen beliebe man zu richiett an Dr. I. Sadger, 0. Bez., Liechteufteinstraße 15. Wien. „V e r e in jüdis ch c r H a n d e l s a rt g c st e t ltcr" Betitelt sich eine neue Organisation, deren Statuten bereits bei der niederösterreichischeii Statthalterei überreicht ivurden. Die Propvitt'itten veranstalteten bereits einige gut besuchte Versammlungen, in welchen einstimmig die Notwendigkeit eines solchen Vereines betont ivnrde. Neben der Hebung des Zusammengehörigkeitsgefiihles unter den jüdischen .Haudelsangestellten bezweckt der Verein u. a. die Errichtung einer kostenlosen Stellenvermittlung, Anlage einer entsprechenden Bibliothek, Abhaltung von Vorträgen und Versammlungen zur Besprechung über Fachststeressen, Veranstalfting von Ilnterrichtsknrsen ni allen Fächern, Gewährung von Rechtsschutz sowie HeranSgabe eines eigenen Fachorgans. Kollegen und Kolleginnen, tretet der Organisation bei und agitiert für dieselbe. Beitrittsanmeldungen und Anfragen übernimmt Kollege Gustav Kohn, 2. Bez., Große Sperlgasse 21. Wien. (Jüdisch-nationaler Arbeiterverein, 0. Bez., Schmalzhofgasse 3.) Die Tätigkeit dieses Vereines erstreckt sich auf die westlichen Bezirke, insbesondere ans den 6., 6., 14. und 16. Bezirk. Trotzdem seit der Konstituierung noch nicht ein Jahr verstrichen ist, weist der Verein eine stattliche Anzahl von Mitglieder» ans. Nähere Auskünfte erteilt der Obmann David Hasterlik, 0. Bez., Windmühlgasse 30. MilLeiittNgen aus drm Vnlrliknm Herr und Frmi Ludwig Fürth und Herr und Frau Bernhard Jerusalem beehren sich, von der am 2. November a. c., nachmittags halb 2 Uhr, im israelitischen Tempel, 1. Bez., Seitenstcttengasse, stattfindendeii Trauung ihrer Kinder Julie und Max Mitteilung zu machen. Wien, im Oktober 1002. Gratulation von 3 bis halb 6 Uhr im (tzrand Hotel, 1. Bez., Kärnthnerring. Verlobung. Unser Mitarbeiter Herr Desider Harlig ans Gorlice hat sich mit Frl. Sophie, Tochter des Herrn A. Horowih in Stanislan verlobt. Unsere Glückwünsche! Tic Möbelindustrie hat i» jüngster Zeit, um dem verfeinerten, geradezu raffinierten Geschmacke des Publikums Rechnung tragen zu können, die grössten Anstrengungeii machen müssen. Tatsächlich überbieten sich die Möbelfabrit'anten in der Herstellung von modernen und modernsten Möbelgegenständen. Daß hierbei der wirklich feine Geschmack nickst immer ans seine Rechnung kommt, ist nicht zu verivnndern. Und so sieht man Küiiflnstige oft von einem Etablissement zum anderen ivandern, ohne sich in dem großen Chaos von marktschreierischer Sezession und (steschniacklosigkeit znrechtzusinden. Als einen treuen Wegweiser ans dem Gebiete des feinen Geschmackes in Möbeln aller Art müssen Ivir daher das nstchillnstrierte Album des Möbelhauses Jacques Heiß, 9. Bez., Porzellangasse 20, begrüßen. Man findet hier ivirklich moderne, diskret ausgesührte Gegenstände, bei denen daS Moderne nicht auf Kosten der Dauerhaftigkeit hervorgekehrt ivird.^ Ein Besuch in diesem Etablissement, ans dessen Inserat wir hier besonders ansmerksam machen, wird sich stets als lohne» eriveisen. Srirfk asten. N- N. Lüften Sie Ihre Anonymität und »uir iverden gerne mit Ihnen polemisieren; das eine aber können ivir Sie versichern, daß ivir die Entscheidung darüber, wer reckst hat, mit mindestens ebenso ruhigem Geivissen erivarten, wie Sie hvfsentlieh besitzen. Leitmerib. Der neue S t a a t 3 a n in a l t L ö w ist ivahrsehcinlich durch den Terrorismus der vereinigten deiftsehen Radaubrüder so iveft eingeschüchtert, daß er es nicht ivagt, gegen A'nfwiegelnngen und Beschimpfungen des Judentums, ivie sie z. B. in der Nr. vom 11. Oktober des Schandblattes „L e > t m e r i tz e r W o ch e u. b I a 11" enthalten sind, anfzistreten. Wir erinnerte daher den Staatsanivalt daran, daß die Träume dieser Irredeittiste,, noch nickst zur Wahrheit geworden sind und ivir in Oesterreich noch G e se tze haben. I. N. Sie habe» recht; den Givfel der Gefühlsroheit erreichte das „Deutsche Dolksblati" und sein Komplize Ernst Schneider in jener Notiz, ivorin sie sich über eine Wiitwe in Jerusalem lustig machen, die eine Bitte um Unterstützung an Ernst Schneider richtete. Dieser Ehrenmann antwortete ihr, daß er ihr . . . ein Drahtseil senden iverde zur beliebigen Benützniig. Wir nageln diese Niedrigkeit an. Den Herrn Vergani aber erinnern ivir daran, daß Schönerer ihm seinerzeit denselben Rat gab. Socialist. Dr. Ellenbogen soll in einer Wäbleroersammlunq unter Ehrenwort erklärt haben, dass er Jude ist rncd dass die Nachricht des „Indischen Bolksblatt", er sei konfessionslos, eine Lüge ist. Dem gegenüber konstatiren wir nockocals, daß Dr. Ellenbogen nach autoritativen Auskünften seitens der jüdischen Kitttnsgemeinde! o n s e s s i o n s l o s ist. Wer lügt alsoj?

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