Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 43 (24.10.1902)
- Date
- 1902-10-24
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 24. Oktober 1902 Nr. 43 Religion oder Abstammung oder Herkunft wegen znrückgcsetzt und von einzelnen BcrnfSzweigen ganz ausgeschlossen wird und spricht die Erwarrnng auS, das; die Abgeordneten der Partei energisch dafür eintreten werden, das; endlich die Bestimmung der Verfassung und des Gesetzes vom 3. Juli 1809 befolgt tverde und bei Besetzung der Ae in rer lediglich die Tüchtigkeit den Ausschlag gebe. Heiden und Christen. Selbst die äujjcrfte Spitze Ollcisiens, die von tzglbwilden Heiden bevölkerte eiskalte und von feuchten .Nebeln eingebüllte Halbinsel^ Korea, kann bereits eine jüdische Bevölkerung anflveisen. Die Juden Koreas sind freilich nicht in Korea selbst, sondern in lveit davon entfeinten Ländern geboren, ihre Wiege stand einst in den Ghettis von Russland, Galizien und Rllmänien, und^ nur durch eine Verkettung von sonderbaren Umständen sind sie nach dem fernen Osten verschlagen worden. Die meisten von ihnen kamen über London und Indien, andere über Neiv-Pork, ^an Franeiseo und Japan, einige glich über das weglose Sibirien nach ,\?mva, wo sie in Sollt und Masainpo bereits znwi kleiue Gemeinden gegründet haben. Sehr interessant ist das Schicksal mancher Juden, lvelche über Shanghai nach Korea gelangt sind, da sie erst in China, Sumatra, Borneo lmd Java gewesen sind und erst nach manchelli Mißerfolg und zahlreichen Schicksalsschlägen in Korea eine Zuflucht gefunden haben. Gegenwärtig dürfte Korea 300 jüdische Familien aufweisen, die unter den „gottlosen Heiden" weit 'ruhiger und glücklicher leben als früher in den Ländern der „Religion der Liebe". Die Koreaner erkannten nämlich sehr bald in den Juden ein lvertvolles Element, das den .Handel belebte und dem Verkehr in den Plätzen ihrer Niederlassung einen, nie geahnten Aufschwung gegeben, in Korea den russischen Zucker, Spiritus und Petroleum eingeführt und die Koreaner mit den ErzeuMissen der Lodzer Industrie bekanntgemacht hach Außerdem haben die Juden eine große Anzahl von bis dahin in Korea gänzlich unbekannt gewesenen Handtvercken ringeführt, so daß sie im edelsten Sinne des Wortes Kultur nach dem Osten getragen haben. Kein Wunder; auch, daß Volk und Negierung von Korea die Juden mit Freunden begrüßen und es geine sehen, wenn die beiden Gemein dein sich durch neue Einwanderungen immer mehr vergrößern. Eine größere Propaganda fiir die Emigration der Inden nach Korea wird von dem Vou steher der. jüdischen Gemeinde in Söul betrieben, einem ö st e r r e i ch i s ch e n^Juden, der vor kaum 12 Jahren j über Hongkong nach eöul kam und durch rastlose Be-! mühungtzn es dahin gebracht hat,, daß die Juden dieses Ortes sich zu einer regelrechten Gemeinde mit Synagoge' und Beamten! organisiert haben. A. Z. d. I. j Aus _ London wird berichtet: Die Wahl von Sir Marcus. Samuel, einem führenden Mitgliede der jüdischen Gemeinde, als! nächster Lord Mayor, ist so gut wie bestimmt. Sir Marcus Sa- TDiiel wurde 1868 geboren; er ist seit 1891 Alderman und als, Rheder, Großkaufmann und Präsident der Shell Transport Com-' pany bekannt. — Mr. B. Lyonet Abrahams, der soeben an Stelle Sir Henry Watcrfields zum Finanzsekretär des Jndia Office ernannt worden ist, gehört zu den hervorragendsten jüdischen Persönlichkeiten in London. Er ist ein Neffe Mr. Israel Abrabams, der vor kurzem als Nachfolger des Dr. Schlechter nach Cambridge berufen wurde. Sein schnelles Avancement im jugendlichen Alter ' von 33 Jahren ist eine außerordentliche Auszeichnung, da dieser Posten, mit dem ein Jahresgehalt von 1200 Lstr. verbunden ist, gewöhnlich mir an Leute vergeben wird, die bereits einflußreiche Aemter in Indien selbst verwaltet haben. In seinen Mußestunden beschäftigt sich Mr. Abrahams mit literarischen Arbeiten und tut auch sehr viel für die indische Kolonie: er gehört auch zu dem berühmtesten jüdischen Klub Londons, dem „Macabäus". Mr. Abrahams hat die erste Geschichte der Juden in England sehr eingehend studiert und wiederholt Auüätzc über dieses Thema in der „Jewish Ouarterly Review" veröffentlicht. , Eingesendet. Löblich e Redaktion! > Ich bitte Sie um Aufnahme folgender Zeilen: Anläßlich der von der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" im „Hotel Continental" einberufenen Versammlung, zu der auch ich geladen war, fand ich es für notwendig, in die Debatte cinzugreifen. Trotzdem ich mich nun als einer der ersten zum Worte meldete, fand es der 'Vorsitzende der Versammlung für gut, mich als vorletzteu Redner zu vermerkein Ich will davon absehen. Als ich nun das Wort ergriff, war es meine Absicht — und ich befinde mich darin in Uebereinstimmung mit meinen Parteigenossen — die Juden aufzufordern, nochmals aktiv in die Wahlaktion einzugreifen. Dabei war es jedoch immer meine Ueb'erzeugung, daß die Inden die Pflicht hätten, bei allen Wahlen die Kandidaten wohl zu prüfen, ob sie den Willen haben, die Interessen des jüdischen Volkes zu vertreten. . Ich betonte daher, daß wir Juden mit der früheren liberalen Majorität im Gemeinderate in dieser Beziehung sehr traurige Erfahrungen gemacht haben. So gab der frühere Bürgermeister Prix, als man sich bei ihm für die Aufnahme eines sehr fähigen Doktors im Magistrate verwendete, zur Antwort. „Ja, meine Herren, wie kann ich das tun, der Mann ist Jude, was wird Dr. Lueger sagen?" Bei diesen Worten entstand im Hintergründe des Saales, der von den Parteigängern der sozialdemokratischen Partei besetzt war, eine lebhafte Unruhe, die mir die Fortsetzung meiner Rede unmöglich machte. Ich überlasse es der Oeffentlichkeit, darüber zu urteilen, ob es „freiheitlich" gehandelt ist, einen Redner, kaum daß er die Tribüne betreten hat und gegebenenfalls gegenteilige Ansichten vertritt, zu unterbrechen. Während dieses Tumultes zeigte mir der Vorsitzende die Tagesordnung mit dem Bedeuten, das; ich das Wort zu Punkt 4 (Anträge und Jrüerpellationen) habe. Ich antwortete ihm darauf, daß ich sofort eine Anfrage an das Präsidium stellen werde. Während dieses Zwiegespräches dauerte der Tumult fort. Dies ivar dem Vorsitzenden ein angenehmer Vorwand, die Versammlung zu schließen. Ta mir die Fragestellung in der Versammlung nicht möglich war, stelle ich auf diesem Wege die öffentliche Anfrage an die „Union": „Wie finden es die Herren von der Oesterr. Israelit. Union vereinbar, daß sie im Jahre 19.01 erklärten, „ans deutscher Seite bekämpfen sich Fortschrittliche und Volkliche und Völkische mit einer wahren Berserkerwnt. gemeinsam aber hauen sie auf den Juden los", während sie heute als liberale Wahlmachcr auftreten und „unbesehen" die fortschrittlichen Kandidaten akzeptieren. Was ist eigentlich ihre wahre Meinung? Ferner muß ich den Kandidaten des 1. Bezirkes, Baumeister Zifferer, fragen, was für einen Sinn seine Aenßerung, „er sei deutsch und freisinnig, und zwar nicht, weil er Jude sei, sondern trotzdem er Jude sei",! habe. Besteht vielleicht zwischen Judentum und Freisinn ein Gegensatz? Ich hätte noch vieles am Herzen, um aber nicht den Mandatschmclierer zu einer billigen Ausrede zu verhelfen, wenn sie unterliegen. behalte ich cs mir vor, in der nächsten Nummer darmif znückznkominen. H ermann P l a s ch k e s. Aufruf NN alte Herren Kinltnsvorsteher des Königreiches Böhmen. Tie Unterzeichneten 20 Kultnsvorsteher fordern alle Kn l insgemein den von Böhmen auf, ihre Zustinunnng zu einer gemeinsamen Aktion, die die Verbim dnng aller Kultus gemeinden zu einer israelitischen Landciskamnieu bezweckt, zu erteilen. Die Zusammenkunft wird den angemeldeten Herren, schriftlich bekannt gegeben werden und werden diejenigen 'Herren,, lvelche persönlich nicht erscheinen können, sodann ersucht! werden, ihre Vollmacht eventuell einem anderen Herrn Kultusvvistieher cin^m senden. — A r n st,e!i! n I., Kiolin, Asche r m a n n E., Klucenitz, Be ran B., Luze, Beran V., Kuttenberg, B i n d e r S., Lichtenstabt!, B o n d y I., Horowitz, D ok - t e r S., Dnrrmaul, Tis ch l L., Blatnia, Getreue r A., Libochowitz, Kohn M., Pribram, Kohn I., Pilgram, Komp ert F., Münchengrätz, Kosera k E., Ouval, L ö w n e r A., Schlau, L n st i g E., Czaslau, M e n d l M., Bilm,, Mohr L., Falkenau a. Eger, Mora lv e tz cm rc-r. ctyj rr .„n u cv ai - c. Treichlinge r I., Klaittall, W e i g n e r M., Nem Bienatek, Z e l e n k a M., Michle, L.e derer L., Tereschan. r Offener Brief an einen Prager I. N. Dr. (Zur Vereinigung der K u l t u s g e m e i n d e n in Böhmen.) Tue Recht und scheue niemand I ' Dieses Sprichwort ist der Grundgedanke des Proponenten zur Vereinigung der Kultusgemciuden in Böhmen zu einer israelitischen Landcskammer. Es muß vor allem bemerkt werden, daß letzterem nicht bekannt war, das; ein Gcmeindebund der israelitischen Kultusgemeinden existiert und daß ihm auch nicht bekannt war, daß Herr I. U. Dr. R. aus Prag Präses eines Bundes ist. Der Proponent war sich nur. bewußt, daß durch den bis in llie höchsten Schichten sich sukzessive einlebenden Antisemitismus in Böhmen eine Gegenwehr geschaffen werden muß, die durch die Verbindung aller wehrfähigen Kräfte unserer Glaubensgenossen, d. i. vor allem der Kultusvorsteher, möglich ist. An wen sollte sich der Proponent wenden, daß eine so notwendige Aktion bekannt wird? Nur an die jüdische Presse, nachdem bekanntlich die Tagespresse für die Juden inbezug ihrer allgemeinen Vereinigung zum Schutze des Judentums keinen Finger rührt. Hätte er geahnt, daß Herr.I. U. Dr. R. in Prag dieser Aktion seine Hilfe angedeihen lassen würde, er hätte sich gerne an ihn gewendet, denn dieser Herr I. U. Dr., der ja an der Spitze so vieler jüdischer Vereine steht und auch an der Spitze der großen Kultusgemeinde, könnte ja vieles Gute für alle Kultusgemeinden leisten. Dieser Herr versendet nun an alle Kultusgemeinden einen Auszug aus der „Oesterr. Wochenschrift", laut welchem in der jüdischen Fachpresse gegen den Gemeindebund „eine Rüge mangelnder Pflichterfüllung" erhoben worden sein soll. Es muß hier konstatiert werden, daß ein so scharfer Tadel gegen den Bund keinesfalls gebraucht wurde. Der Proponent, der, wie bereits erwähnt, von dem Bund nie etwas gehört und zwar weder als Mitglied des Gemeindeausschusses in Horowitz, sowie auch nie als Kultusvorsteher von Horowitz, hätte somit erwarten können, daß nach den ersten öffentlichen Aufforderungen sowie den Zuschriften an die Kultusvorstände, der hohe Herr I. U. Dr. ihm die Ehre erweisen werde, mitznteilen, daß ein solcher Bund besteht. Das Wte der Herr I. U. Dr. tvahrscheinlich unter seiner hohen Würde gefunden. Bemerkenswert ist, daß dieser Herr I. U. Dr. unter müderem schreibt, „daß leider nur 60 Kultusgemciuden vor 6 Jahren dem Bunde beigetreten sind und daß bis jetzt im ganzen nur 86 Gemeinden dem Bunde sich angeschlossen haben." Es muß.hier gesagt werden, daß über das Wort „leider" dieses Herrn nicht genug gestaunt werden kann. Wenn die Proponenten zur Errichtung einer israelitischen Landeskannner von Böhmen imstande sein werden, 00 Kultusgemeinden in diese Vereinigung zusammen zu bringen, so werden sie mit Freude au die Arbeit gehen, die im «Unabh. Journal" und im „Jüdischen Volksblatt" propagiert wurde. Wenn der Bunde an „Saalmiete", „Schreibkraft", „Druckerkosten", Lebensversicherung für die Gcmeindeangestellten (welcher? von Prag?), seine Einnahmen cnisgegeben hat, so mag er in Gottes Namen sich dieser Arbeit weiterhin widmen. Wir, die wir ein anderes, weiteres Feld propagieren, wir, die den Wnnsch hegen, das Judentum in Böhmen als ein Ganzes zum Schutze aller Glaubensgenossen zu vereinen, werden froh sein, wenn die bestehenden jüdischen Vereine uns nicht pekuniär, aber moralisch unterstützen werden. Daß jedoch dieser Herr I. II. Dr. zur Bekämpfung unserer Maßnahmen seine eigenen Verdienste in dieser Forin nun geltend macht, hat allseits verwundert. Uns wundert noch mehr, daß er in seiner Verteidigungsschrift bereits Einwendungen Voraussicht, und zwar bezüglich etwaiger 9000 Kronen, die der Bund erspart hat. Diese von dem I. U. Dr. zu erwartende Einwendung ist in Bezug auf seine im Laufe der sechs Jahre von ihm den Kultusgemeinden geleistete Arbeit charakteristisch! Wir erklären, daß wir es dem Herrn I. U. Dr. als sein einziges Verdienst anrcchnen, wenn er ans den geringen Einnahmen noch Ersparnisse erzielt hat. Das vom Herrn I. U. Dr. Angeführte, „was er für die 200 Kultusgemciuden durch den Bund in Böhmen im Laufe der sechs Jahre an Mehr geleistet hat", scheint gleich Null zu sein! Des Herrn I. U. Dr. eigener Bericht zeigt, daß es hoch an der Zeit ist, daß diesem Nichtstun ein Riegel vorgeschoben Ivcrden soll. Zwanzig Angestellte hat der Herr lebensversichern lassen — und das rechnet er sich als ein besonderes Verdienst an! Er veröffentlicht weiters: „Das Vorstehende dDtfte genügen, den Nachweis zu liefern, daß die Leitung des Gemeindebundes alles ge-, tan, was in ihren Kräften steht". Und weil lvir dieses als nicht genügende Leistungen uns zu bemängeln erlauben, kommt der Herr mit einer Bemerkung, die von frommen Juden, welche an der Spitze solcher Vereine stehen, nicht geschrieben werden sollte. Wenn Sie, Herr I. U. Dr.. die Personen nicht kennen, welche mich Gutes für das Judentum leisten und leisten wollen, so sollten Sie mit Ihrem Urteil vorsichtiger sein! Der Vorwurf „Suchet Institutionen und Personen anzugreifcn" fällt auf die Herren voll zurück! Diese Bemerkung des Herrn I. U. Dr. hat llargelegt, daß er selbst das Gefühl hat. daß außer seiner humanitären Tätigkeit — in vielleicht einseitiger Form. — er ansonst viel zu >vcnig für das allgemeine Wohl der Glaubensgenosse,' sich bemüht. Seine Anschauungen sind, das sieht aus seiner Streitschrift jeder, so veraltet, daß unbedingt Mittel und Wege gesucht werden müssen, damit neuere, zu den jetzigen Verhältnissen passende Ansichten in solchen Vereinignngcn platzgreifcn. Er will nur Geld, und mit dem Geld würde er uns vielleicht versichern. — Nein Herr! Nicht das Geld allein ist ausschlaggehcnd, cs muß dem Zuge der Zeit gefolgt werden und allen Glaubensgenossen klargclegt lvcrdcn, das; die Kultnsgemeinden auch ohne Geld einen Bund bilden müssen, welcher die Interessen jedes einzelnen Knltnsmitglicdes in Schutz nehmen soll. Die Kultnsgemeindcn am Lande haben es nötig, zu ihrem und zmn Schutze des Judentums im allgemeinen Landcskammern zu gründen, und zwar mit den jetzt allerseits an der Spitze stehenden Glaubensgenossen, oder auch ohne diese. Wir sagen cs dein Herrn I. It. Dr. offen und ehrlich: Es ist ein Unrecht, wenn Sie unsere Maßnahmen bckäinpfcn. Wir Ivollen den Frieden, wir suchen Freunde! Dieses als Antlvort auf Ihre Streitschrift. Es muß schließlich noch bemerkt werden, daß der I. It Dr. R., welcher nun. in aller Eile vor einigen Tagen eine Plenarsitzung des Gcmeindebundes von Böhmen einberuscn hat, nun das passiert ist, was er längst hätte fühlen sollen: „Wegen mangelnder Beschlußfähigkeit konnte diese so ersehnte Plcnarsitzmrg des Gemeindebundes nicht abgehalten werden!" Ist dieses etwa nicht ein genügender Beweis, daß die Tätigkeit der Bnndcsleistung gleich Null ist? Bücker-Einlanf. Predigt, gehalten am Vcrsöhmmgstagc in der Synagoge zu Brüx von Rabb. Dr. Adolf Biach, Prediger in Brüx. Nen-Jttdäa, Entwurf zum Wiederaufbau eines selbständigen jüdischen Reiches von C. L. K. Ein Beitrag zur Vorgeschichte des Zionismus, heransgegcben von Heinrich Loewe, Berlin, „Jüdische Rundschau". Mitteilungen aus dem Undliimm. Wochen-Prograinm der „Jüdischen Toynboe-Hallc^ 20. Bez., Karajangasse 20. Sonntag den 20. OK.: Dr. Arthur Horowitz: „Charlies Dickens" (1. Dichter- Abend) . — M o n t a fl den 27. Oft.: Dr. I. Sa dg er: „Kunst und Künstler". — Dienstag den 28. Okt.: Diskussion über „Fronenberufe", ein geleitet von. Anna Kellner. — Mittiwoch den 29. Okt.: Dr. Sicher: „Geschichte des Volkes Israel" (Altertum). — Donnerstag den 30. OÜ.: Prof. Dr. Leon Kellner: „Julius Caesar". — Fre<itag den 31. Oft.: Bibel, Erklärung der Sidm. — S a m stag den 1. Nov.: Konzert, Musik, Gesang. — Anmeldungen zu Vorträgen beliebe man zu richten an Dr. I. Sadger, 9. Bez.', Liechiensteinstmße 16. # „Tefilas Haneorim". Zwei Andachtsstätten waren es, an denen der Verband „Tefilas Haneorim" die Jugend an den hohen Feiertagen zum Gottesdienste versammelte, im 2. Bez., Leopoldsgasse 49, und im 6. Bez., Schmalzhofgasse 10. Die Vorbereitung Ivar umsichtig getroffen, wie es bei einer Ansammlung Halberwachsener notwendig erscheint, und so konnte sich der Festkultns ungehindert entfalten. Es war für den Pädagogen und wäre mich für den Laien interessant gewesen, die von Andacht zu Andacht wachsende Teilnahme der jungen Welt zu beobachten. In Anbetracht der täglich immer größer Ivcrdenden Konkurrenz in Haarwuchs-Mitteln ist es ratsam, che man unnötig Geld ausgibt, die Marke „Komogen", Erfinderin: Hermine Winter, 9/1, Grüne Thorgasse 19, zu versuchen. — Dieses Präparat ist eineK der anerkennenswertesten und erfolgreichsten der Gegenwart. Hriefir asten. Bankmann. Beste Glückwünsche. Wenn Smolensky erscheint, so senden wir Ihnen Bürstenabzüge. Czernowitz, Balakan. Mr können uns erst nach Einsichtnahme in die Manuskripte äußern. M. L. Was bie Liguori-Moral lehrt? Wir wollen statt jeder Definition Alphons bon Liguori, den Jesuitenschüler und kanonisierten „Fürsten der Moralthcorie" selbst sprechen lassen. Er sagt wörtlich: „Wer auf dem Wege Olottcs fortschrciten will, der unterwerfe sich einem gelehrten Beichtvater und gehorche d i e s e m w i e Gott. Wer das tut, der braucht G o t t von seinen Handlungen keine Rechenschaft abz u l e g e n. Dem Beichtvater soll man glauben, denn Gott wird nicht zulassen, daß er irrt." Also der Beichtvater ist unfehlbar. Und da wirft das „D. V." den Juden ihren Versöhnungstag vor, weil sie sich ohne Vcrnüttlung eines Beichtvaters mit Gott versöhnen. Rzeszow. Ihre Beschwerden wären gerechtfertigt, wenn Sie den Artikel nntcrfeftigt hätten; da dies nicht der Fall ist und nicht einmal ihre schriftstellerische Eitelkeit verletzt sein kann, so verstehen wir wirklich Ihre dlnfrcgung nicht. Jede Redaktion behält sich bei K o r r e sp o n d e n z c n S t r e i ch u n g e n vor und Sie können sich wirklich nicht über uns bektagen, daß wir zu viel gestrichen hätten. E. N. Sicher ist an dem Mißerfolg der Wiener theologischen Anstalt auch das steife Benehmen der Professoren gegen die Hörer schuld, das seltsam absticht von dem liebenswürdigen Benehmen der Dozenten an theologischen Anstalten in Deutschland. Wolf. Es sind uns vor verschiedenen Seiten Klagen nber^ das rüde Benehmen der Diener und Beamten des Armenamtes der jüdischen Knltnsgemeinde zngekommen. Die Herren werden uns zwingen, namentlich gegen sie vorzngchen. Jüdischer Wühler. Es ist wirklich eine Unverschämtheit, zu verlmigen, das; ein Ellenbogen, geschweige denn ein Philippovic, Jordan oder Z c m a n n in eine jüdische Wählerversnmmlnng kommen. Denn erstens weis; ein solcher Fortschrittsheld nie, ob er nicht bei den nächsten Wahlen auf das Programm — der Deutschen Volkspartei kandidiert, die nebenbei den Antisemitismus im Programm hat, und zweitens erlaubt ein solcher arischer Kandidat gnädigst den Juden, das; sie fiir ihn stimmen, aber zu ihnen zu kommen, das ist doch zu viel verlangt. (Doktor Ellenbogen wird doch mir geschmeichelt sein, wenn wir ihn mit den arischen Kandidaten znsammcnwerfen. Ucberhanpt Ivar er zwar nicht dort, dafür war ein Parteigenosse dort, der selbst bei den bösen Jüdischnationalen für den sozialdemokratischen Wahsfonds schnorrte.) Vielleicht hätten sich Philippovic usw. entschlossen, zu kommen, wenn sie gewußt hätten, das; die liberalen Blätter am nächsten Tage die^ Tatsache, daß cs eine jüdische Wählerversmnmlnng war, einfach unterschlagen würden. E. R. Wamnn uns das „D. B." „sattsam bekannt" nennt? Weil cs uns für so bekannt hält, daß es uns oft zitiert, ohne die Quelle zu nennen.