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Jüdisches Volksblatt · 1902-09-26 · 39 (26.9.1902) · page 1

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
39 (26.9.1902)
Date
1902-09-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ÄE&srtton: ii/3. Lrvpvldsgaffe 49. WpveSlItilMtnt Sn WoHkritasrn vvn 3 biS « Uhr nachmittags. BSrNHe» «oNSblatt, Wie«. IIL3. erbitten wir Brsthtvr'-deu wegen i-rripätetrr oder gar nicht erfolgter Zust« uns dringend. — Mn«»srrtvte werde» nicht znrüagrflem. Voftsparcoftni'«on»r,!^n ba» »bonnrment kann man täglich eintreten. -ch MM leben Freitag Mrrwtrkung de« vom Kdischen VolKsversin errvSHUen Prefsrommtrston. Hrrleraie übernehmen die Firmen: I. Danneberg. M. Duker, Haasen» »ein A «ogler. Rudolf Masse, H. Oppelik. M. Pozsonqi, Sl. Schale! in Kien, ferner alle Llnnoncen-Lrpedüionen im AuSlande. Güszel»N«Mmer in Wie« IS Heller. Administration; 11/3. Leopoldsgaste 49. Telephon-Nr. 14723 AbonuemeutSpreiS: Telepho»-Nr. 14723 Für Wien u. Oesterretlh.Ungarn lammt Francozustellung. Ganzjährig Halbjährig . vierteljährig. . Kr. 8.- „ 4.- . »- Fiir daS gelammte AnSland sammt Francozustellung. Ganzjährig . Halbjährig . Bierteljährig Kr. 9 - „ 4.50 " 2.25 Wr. 39 Wien» 26. September 1902 (24. Glut 5662), IV. Jahrgang. gjjjwiwMwmHmmi „»«»»»»"''«M nnsvll>s„„MsUN,mn»» Au unsere Leser! Am 1. Oktober beginnt ein neues Quartal und wir laden unsere Freunde zum Bezüge des „Jüdischen Volksblatt" ein. Das „Jüdische Volksblatt" wendet sich an alle diejenigen, welche das jüdische Volk aus seiner Erschlaffung erwecken und die Selbftemauzipation der Juden auf national-sozialer Basis vorbereiten wollen. Es sind die politischen I d e a l i st e n, die wir rufen. Nach verhältnismäßig kurzer Zeit hat sich das „Jüdische Volksblatt" einen großen Kreis von Lesern und Freunden geschaffen. Aber noch immer stehen große Massen des Judentums beiseite, teilnahmslos, fremd gegenüber dem eigenen Volke. Das „Jüdische Volksblatt" ist kein auf Gewinn ausgehendes Unternehmen. Es ist ein Agitationswerkzeug für die nationale Eigenart, für die nationale Einigung unseres arg geschmähten Volkes; es ist eine Waffe — und wie es sich erwiesen hat — eine wirksame Waffe gegen unsere Feinde ringsumher. Das „Jüdische Volks blatt" hat stets das nationale Programm in seinem vollen Umfange und mit ganzem Freimuts vertreten. Darum kann und soll jeder Freund unseres Volkes das „Jüdische Volksblatt" verbreiten helfen; jeder Leser, den er zuführt, ist bald eine Streitkraft für unsere heilige Sache. Eine Kampfgemeinschaft, die schon vier Jahre Sonnenschein und Sturm mitein a n de r g e t r a g e n hat, tritt 'vor die jüdische L e s e r w e l t. Juden, leset und verbreitet das „Jüdische Volksblatt". Ungarn am hundertsten Geburtstage Kojsuths. (Noch ein „Hungarischer Brief".) Budapest, in der Kossuth-Woche. Das Fest ist vorüber, die ungarische Nation ist von einem Alpdruck befreit, man ist in allen Lagern mit dem Ausgange dieses politischen Unternehmens zufrieden. Man ließ das magyarische Volk aus der nie versiegenden Quelle Feuilleton. Mose auf Nelro. Und ich muß sterben lind die Riosen sehen, Die an Jerichos Bergen niederblüh'n, Mein Fuß wird nie die Sounenstraßen gehen, Die mit dem. Wolkengruß zu Nacht verglüh'n. Und alle Blumen, die auf Wüstenwegen De»n. Nimermüden stmhlenrot erstanden, Wenn wir auf blütenlosen Tränenstegen. Den dornenreichen Gang zur Heimat! fanden, Sie nmsseir sterben, wo die Todesmatten, Am Lichte schlürfend, neu* das Leben ahnen, Und die kein Recht! all Rast und Frühling hatten, Sich neu den Weg zum Mutterherde bahnen. -Hiib ich muß sterben: hart am Wegesenlde, Wo ich nur Früchte tiefer Freude sah. Doch du, mein Volk, heb himmelwärts die Hände Und sei nur bei dem letzten Worte nah. Und eide mir, wenn dn ins Land gegangen. Wo deine Hand mir wichen Segen baut. Und spät dein Ang in» ruhelosem Bangen Nach neuem Heim und neuer Nnh'statt schaut: Eh' deine Füße fremde Wege gehen, Sieh einmal noch zurück auf diesen Stein, Dann lvilt ick hier in lauten Klagen stehen Und meinem Land ein guter Hirte feilt. Und wie das Früh rot leuchten meine Trä nen Und singen euch ein nie gekanntes Lied, Daß ihr mit nenerwachtem Kindersehnen In eure alten Strahlenhütteu zieht. Max Eisler. 1 ''2, , seines Chauvinismus nach Herzenslust schöpfen, der ungarische Kabinetsschef hat sich zur rechten Zeit eine Sehnenzerrung bestellt, es war also jeder Mißton im Feste beseitigt und K o s s n t h war wieder einmal acht Tage Diktator über Ungarn. Es war ein großartig arrangiertes Fest, aufgebaut auf Widersprüchen, war es selbst ein großer Wiederspruch. Mau bekam da eine echt magyarisch gefärbte, politische Fontaine illumineuse zu sehen, die ihre vielfarbigen Strahlen in die Höhe trieb und der uneingeweihte Beobachter mochte wohl an eine verborgene Wunderkraft, an einen Urquell glauben, dem diese blendenden Strahlen entspringen. Die Verdienste K o s s u t h s um die „Neugestaltung" Ungarns hervorzuheben haben ja die magyarischen Blätter aller Kuleurs in mehr als ausgiebigem Maße besorgt, das eine mit mehr, das andere mir weniger Uebertreibung. Was uns an dem ganzen Rummel zumeist interessiert, ist der Rahmen, innerhalb dessen das Andenken an den „gewaltigen Kämpfer für Freiheit und Recht" gefeiert wurde. Gesetzt, daß K ossuth wirklich der Mann war, der die Gleichheit aller Menschen, auch der Nichtmagyaren gewollt und angestrebt habe, gesetzt, daß das Gefühlsfeuerwerk, das am letzten Freitag in Ungarn abgebrannt wurde, echt ist, dann entsteht die Frage, wie kommt es, daß nirgends in der Welt, wo der Konstitutionalismus auch nur zu dämmern beginnt, mit der auf den Papier gesicherten Gleichberechtigung aller Nationalitäten ein solcher Unfug getrieben wird wie gerade in Ungarn? Wer aber die Verhältnisse in Ungarn die Unstetigkeit und politische Unoerläßlichkeit des Magyaren genau kennt, wird sich über solche Widersprüche nicht sehr wundern können. In unserer Nr. 31 vom 1. August d.J. schrieben wir in unserem „Hungarischen Brief": „Man sagt von Oesterreich — mit Recht oder Unr-rcht — daß dort ein durch Schlamperei gemilderter Absolutismus herrscht, mit größerem Rechte kann man von Ungarn sagen, daß heule ein durch Korruption gemilderter Absolutismus herrichtA Und die Ereignisse in Sz ab ad k a, Munkäcs, der Fall Szterenyirc. haben unsere Behauptung bestätigt. Es ent'pricht auch ganz den politischen Usancen, wie sie seit Jahr und Tag in Ungarn gepflogen, daß man zu der eben verrauschten Gedenkfeier für den „großen Freiheitshelden" eine Introduktion wählte, die angetan war, einerseits die nationalistischen Elemente Ungarns für Der Priester und der Prophet. Von Achad-Haam. Autorisierte tlebersetzung von Moses Horowitz (StcmiSlcm). (Schluß.) Auch die Völker hatten ihre Propheten, die gleich lebendiger, körperlichen Ideen auf der Erde wandelten. Als sie aber die „Mittelbeivegnng" in,ehr oder weniger auf ihre Seite hinüberneigten, hörte ihre Prophetie auf und das Resultat ihrer Tätigkeit überwiesen sie deir Priestern zum ewigen Aufbewahreu'. Mehr aber als bei allen blühte die Prophetie im Attertume bei Israel, nicht zufällig gleich eurer vorübergehenden.' Erscheinung, souderir ohne Unterb rech trug im Laufe vieler Geschlechter, als wären sie eine wirkliche Eigerrschaft, die im Volkscharakter steckt. ■ Die Grundidee der hebräischen Prophetie war: d a s W alte,n> d e r a b soll! t e n G e r e ch t i g k e i t i n d> e rgau z e ir N a t u r. Jur Himmel regiert das Recht bimi)| „den gerechten Herrn der Welt", der des Richteramtes waltet und alte Geschöpfe gerecht urteilt, und auf der Erde durch, den Menschen, der im Ebenbilde Gottes erschaffeu wurde, sich daher seine Eig-enschafteni aneignen und ihm gewissermaßeni iir der Führung der Welt durch gerechtes Nickten behilflich sein soll. Die Idee mit allen ihren religiösen und moralischen Konsequenzeir!var der Inhalt des Lebens der Propheten Israels, in ihr saheu> sie alles und außer ihr war ilmen nichts von Bedeutung. Die Gerechtigkeit ist das Schöne und Gute, die Weisheit und Wahrheit und außer ihn ist alles eitel. Wenn der Prophet das Uebertreten des Rechtes durch! einen Menschen oder eine höhere Behörde sah-, forschte er nicht lauge nach den Ursachen' dieser Erscheinung, wollte nickt die.Notwendigkeit verzeihen und den Sünder mild zu seinen Gunsten Beneteilen, auch resignierte er nickt und zweifelte nicht! an der Macht der Gerechtigkeit und ihrem, wahrscheinlichen Siege, er eUipörte sich mim und klagte in feurigen Worten, ging seines Weges weiter, kämpfte für sein Ideal und sein Herz die Zeit, wo sich der magyarische Chauvinismus austoben wollte, einzuschüchtern, andererseits aber im Auslande die schon längst gehegte Ansicht zu bestätigen, daß die Freiheitsliebe und der Liberalismus in Ungarn nur die eine Bedeutung besitze, daß sich die Magyaren die Freiheit usurpieren, die anderen Nationalitäten mit Gewaltmitteln zu unterdrücken und der Liberalismus sich böchstens in der Freigebigkeit betätige, mit welcher man Maßregeln zur künstlichen und gewalttätigen Tötung jedes nichtmngyarffchen Selbstbewußtseins schmiedet. Wir sind gewiß frei von dem Verdachte, in der Affaire der gemaßregelten Alldeutschen Cr am er und Korn zu ihren Gunsten parteiisch zu sein, wir bekämpfen den alldeutschen Chauvinismus ebenso wie den magyarischen der Magyaren. Aber es ist ihnen ein himmelschreiendes Unrecht geschehen, es ist ihnen ihr gutes und natürliches Recht auf Rede- und Preßfreiheit geraubt worden und die Magyaren, die nicht zurückschrecken, mit Geld und Flintenkugeln ihr Magyarisierungsprogramm durchzusetzen, sind gewiß nicht berechtigt, ungarische Staatsbürger deshalb zu verfolgen, weil sie sich gegen die Tötung ihrer nationalen Individualität mit allen ihnen zugebote stehenden Mitteln wehren. Und am allerwenigsten dursten sie dies mit der Lüge im Munde, im Namen des Liberalismus, als Introduktion zur Kossuth-Feier tun. * Das Verhalten Kossuths in der Judenfrage wird durch einen Brief, den der damals achtzigjährige Kossuth zur Zeit der Tisza-Eszlarer Affaire an seine Parte: gerichtet hat, am besten gekennzeichnet. In diesem Briese heißt es: „Was ist der Beruf Ihrer Parlei? Unentwegt für die Rechtsgleichheit ohne Unterschied Der Nationalität, der Sprache oder der Religion Stellung zu nehmen. Nationale und volkswirtschaftliche Rücksichten mögen dafür sprechen, daß Ungarn nicht jedwedem heimatlosen Gesindel seine Tore öffne. L-chon die Pflicht der SelbsterhaUung gebiete: uns, Ansammlungen fremder Juden ebenso, wie fremderpanstavistischer panromanischer Elemente in Ungarn zu gestalten, daß aber dre Rechtsgleichheit auch nur eines einzigen jener angetastet werde, denen Ungarns demokratische GerechtigkeilBürgerrechte verliehen, das darf dce Unnbhängigkeilsparlec nie und nimmer gestalten. D e r B e r u f I h r e r P ar't e i i st es. mit aller E n e i g i e d a r a u s z n dringen, daß d i e I u d e n h e i t U n g a r n s mit der Bevölkerung sich verschmelze. T u i s i e d i e s m i t a l l j e n e m A n s e y e n, w e l ch e s d e r wahre, die In l e r e s s e n des Vaterlandes am Herzen tragende Liberalismus (?) ihr verleiht. war voll Hoffnung, daß endlich nach einer gewissen Zeit oder am „Ende der Zeiten" die Gerechtigkeit allein die Herrin der Weit werden ivird. „Dll bist gerecht, Einiger" — daran kann der Prophet nicht! zlveifeln, obwohl er mit feinen eigenen Augen sieht, „daß der Weg der Sünder gesegnet ist" (Jeremias 12, 1); das Gefühl der ethischen Notwendigkeit, die Gerechtigkeit auf den „höchsten Thron" Zl« setzen, ist in ihm so stark, daß es sein Auge vor dein Sehen der Wirklichkeit verdunkelt. „Nur nach dem Gesetze werde ich sie behandeln!" — ruft ohne Furcht und Schrecken die indische zur himmlischen Gerechtigkeit. Diese „Gesetze" lindern seinen Schmerz und er kehrt zurück, zu arbeiten und zu „leben in seinein Glauben". Diese Propheten d>er Gerechtigkeit, deren. Geilst? sich über die Grenzen der Völker und Länder eulporhob und dem ganzen! Menschengeschtechte von! Recht und Gerechtigkeit predigten, hörten nicht ans, allch treue Söhne des Volkes Israel zllsein", auch sie saheil in ihm da s a u s - e r iv ä h l t e Volk und wenn sie von ( ihm sprachen, scheinti's, als existierte für sie naiv er allein auf der Welt. Dennoch übtö ihre Neigung znm allgenieinen Ideal auch einen Einflllß ans ihr Nationalgefühl, so daß letzteres geivissermaßen nur die Konsegnenz ihres tlugedaukens war. Denn troü ihres festen Glalibens an den Sieg der absoluten Gerechtigkeit zeigt der Umstand, daß sie die Augen dem Ende der Zeiten znlvandten, daß sie „intuitiv" erkannten, wie groß lind schiver die nötige Arbeit ist, mn das Ziel zu erreichen, und daß man in dieser Arbeit sich nicht niit einzelnen und zerstreuten! Menschen, die besonders für das Ideal in verschiedenen Orten und Zeiten mit Unterbrechlnrgen eintraten, begnüaen kann: mir soll für diese Arbeit eine ganz besondere Gesellschaft eristieren, die immer ohne Unterbrechen „der beständige Träoer" der Kraft der Gerecktigkeit gegen andere in der Welt herrschende Kräfte sein sollte; eine Gesellschaft, die freiivillig diese „Kitechtischafi" annimmt, immer nntep dem abseilnten Herrschen ei","- Idee zn bleiben und für sie gegen die Ordnung d"r W> zu kämpfen. Diese große und erhabene, ivenn auch nicht

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