Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 35 (29.8.1902)
- Date
- 1902-08-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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m und spen no Wuchskopf .'inner-,Kindermd Kürschner igsten Preisen Erzeuger Löftler , Geibelg. 23. -Haltestelle rondor.. Preiscourant nd franco. d Nummer beachten. seitlgt vordenen Kopfsumatismusff, nach •ungl >iffeur um. Inns. tt sgefollt in zus enden. Ätbaxtuan: II/3. Leopoldsgaffe 49. GprechstM»de>ir «n Wochenlaaru von 3 bis « Uhr nachmittags. JübifcheS »oUSblatt, «Sie», II». »rlchwrrdru wegen verspäteter oder gar nicht erfolgter Zustellung erbitten wir uns dringend. — Krmmsrrtvte werde» nicht zurückgestellt. Vostsparcaffm.Lonto 7S70S7. In das «Sonnement kann man täglich eintreten. Erscheint jeden Freitag Mttvrirkung drr vom Mrivtzrn Volks- Verein erwählten Prefsrommifston. Nirferate übernehmen die Mrmen: I. Danneberg, M. Dukes, Hasser» Kein » Bögler, Rudolf Moffe, kl. Oppelik. M. Pozfonqi, «. Schale! io Wien» ferner alle Snnoncen-Trpeditionen im AuSlande. GLuzel-Nrrrrrmer i» Wien I« Heller. Ldmtnittrakivn: u/S. Leopoldsgaste 49. Telephon-Nr. 14723 AbottttemetttSpreis: Telcphou-Nr. 14733 gür Wie« u. Oefterreich-Ungaru sammt Srancozustellung. Für baS gefammte AuSlaud fammt Francozustellung. Ganzjährig . . . Halbjährig . . . Vierteljährig . . . .ftt. 0.- „ 4.5« „ 2.25 r erregt >n. ift vom n letzen en. fonnatli markt 9 I0SEN Ur. 85 39. August 1903 (26. Ab 5663), IV. Jahrgang. rfTOgRISgaClBIHW» «0S«ES« |pe Minutanten — die Förderer des Antisemitismus. In Nr. 33 des wir in rinem Artikel: Jüdischen Volksblatt" lieferten .... . .. „Die jüdisch-nationale Bewegung und die arischen Völker" den Nachweis, daß die assimilatorische Politik „der Verleugnung des jüdischen Volkstums" den Antisemitismus fördere und das jüdische Volk isoliere. Wir zitierten bei dieser Gelegenheit aus einem „Völkerundank" betitelten Artikel des ,Ernstes Wollen" von Heinrich D r i e s m a n n',s im z u st im m e nd e n Sinne folgende Stelle: „Wirklich sittlich und geistig tüchtige und gesunde Juden brauchen die Aufrollung der Nassensrage nicht im geringsten zu fürchten, sie können ihr vielmehr getrost und fest ins Auge schauen. Ist es doch gerade die jüdische Rasse, die von allen Anthropologen als Musterbeispiel, wie es kein zweites mehr in der Weltgeschichte gibt, für Rassenerhaltung und Nassenstolz hingestellt und zumal den mit so schwachem Rassengesühl begabten Deutschen als Muster vor Augen gehalten wird. Wirklich vornehme Juden wissen sehr wohl, daß sie ihrerseits ebenso wertvolle Rassenqualitäten den Germanen entgegenzustellen haben, wie diese ihnen, und daß eine Aufrollung der Rassenfrage nur geeignet sein kann, die gute Seite ihrer Natur in ein helleres Licht zu stellen und umso schätzbarer zu machen. Mit ihnen gibt es darüber keinen Streit. Die anderen aber, die die „Gefahr" wittern zu müssen glauben, die verdienen aber, auch ihrerseits gründlich beleuchtet und in allen Winkeln ihres Herzens durchgeleuchtet zu werden." Diese Stelle hat, wie wir aus einer „Entgegnung" des Dr. Paul Ri ege r, Prediger am israelitischen Tempel zu Hamburg ersehen, die sittliche Entrüstung dieses „jüdischen Theologen"!! erregt. Sie hat Dr. R i e g e r zu einer Antwort veranlaßt, die eine wahre Schmach für jene jüdische Gemeinde bildet, die sich des traurigen Ruhmes erfreut, einen solchen „jüdischen Theologen^ als — Prediger zu besitzen. Dieser Mann entblödel sich nicht in Nr. 70 des „Ernsten Wollen" in einer „Entgegnung" gegen Herrn Driesmanns folgende kühne Behauptung aufzustellen: „In Wahrheit (?) aber gibt es ebensowenig eine jüdische Nationalität oder Rasse» wie es eine katholischeNationalität oder k a t h o l i s che Rasse gibt!!!! 0 sunetu simpjieitas!) Feuilleton. Detlev v. Liliencron. Bon Anton Lindner. Der Frühsommer guckt durchs Fenster auf Schreibtische uud Tapeten. Züudet der Strahl seiner großen Augen, daun kommt irgend etwas — in uns, um uns — in leise Schwingung. Das Starre löst sich, Hüllen fallen ab, uud es ist eine ewig wunderliche, ewig rätselhafte Erscheinung» daß uns plötzlich ein unsäglich holdes Gefühl die Seele füllt: als klänge irgendwo in den Dingen und in den Herzen der Menschen, der guten lvie der schlechten, eine heimliche Melodie, die das Entfernteste wie daS Nächste geschlvisterlich oerbindet und das gesamte All im Innersten bewegt. An solchen Tagen wird die Dichtkunst (nicht die brettlhafte) eine^ fast notwendige Institution. Man gesteht ihr — auch dem Aschenbrödel unter den Kunstgattungen: dem lyrischen Gedicht — eine gewisse „Aktualität" zu, weil die Natur Aktualität geworden. Und selbst die ewige Spezies jener „Wohlbeleibten mit runden Glatzen und die nachts gut schlafen" wird sich urplötzlich einer kleinen seelischen Indigestion bewußt und sieht in der Liedknnst nicht mehr ausschließlich eine Belästigung der Oeffentlichkeit mit den Privatangelegenheiten sensibler Individuen. In diesem Sinne mag es „aktuell" sein, heute in wenigen Worten von einem Dichter zu sprechen, der nach Veröffentlichung von zirka fünfzehn Bänden gesammelter Werke und nach Vollendung seines fünfzigsten Lebensjahres zu dem verdiente» Ruhme gelangt ist, der bedeutendste deutsche Lyriker unserer Zeit zu sein. Als Detlev Freiherr v. Liliencron inmitten seiner yolsteinschen Einsamkeit die erste» Lieder anstimmte, die unter dem Gesamttitel „Adjistantenritte" un Jahre 1S8:> in Buchform aufgelegt wurden, tanzte der Hexensabbat der jüngstdentschen „Literat» r-Revolntion" (das Schlagwort stammt von Bleibtren) just seine ersten Wiirbel. Die deutsche Literatur, die niemals franenzimmerlicher als eben damals war, schien durch Blutleere und Hysterie bis zur Bewußtlosigkeit erschöpft. Die statistischen Kataloge der Leihbibliotheken und Verlagshänser, namentlich aber! die illustrierten Journale jener Tage geben über den literarischen Geschmack der Zeit, so lveit er sich i» der Majorität des Lesepnblikums spiegelte, den bündigsten Aufschluß. Die Lyrik zumal war auf ein trostloses Niveau herabgekommen. Verse wurden gemacht, die ihr Entstehen lediglich der traditionellen und gleichsam selbsttätigen Sprach- und Reimkultnr; der Deutschen zu. verIianken hatten. Allenthalben drehte sich eine minnig-sinnige Dideldnmdei-Weis' um die be- Das Judentum ist einzig und allein eine religiöse Gemeinschaft (!!!) Mit dem Sturze seines Tempels und mit der Unterdrückung des Aufstandes der Bar-Kochba hat es aufgehört, Nation zu sein.-;- -Das einigende Ban für die Juden in der Diaspora ist allein die Religion (!). — Daß „alle Anthropologen" die Juden als besondere Rasse betrachten, ist mir neu (sie!). Nur ein utopiftischer Schwärmer (!!) oder ein mit der Geschichte des Judentums völlig Unvertrauter, kann von einer jüdischen Rasse sprechen- Nicht das Rassegefühl hat das Judentum erhalten, sondern das Selbstbewußtsein seiner besseren Moral gegenüber seinen Prinzipien und die heilige Ueberzeugung, für eine große gerechte Sache zu streiten und zu leiden. Von gewissen, mit der angeblichen (!) jüdischen Nationalität „verwachsenen Gepflogenheiten des geschäftlichen und sozialen Lebens" zu sprechen, ist die Gepflogenheit gewisser antisemitischer Kreise. Jedenfalls sollte sich eine mit dem Namen Eg i dys geschmückte Zeischrist vor derartigen Gepflogenheiten scheuen." Diese auszugsweise wiedergegebene Entgegnung des „jüdischen Theologen" Dr. Rieger, der wahrscheinlich wegen seiner ungarischen Abstammung als „Patentdeutscher"' sich aufspielt, zeigt von ebenso großer Uno e rs ch ä m t h e i t, wie Unwissenheit und verdient als Beispiel assimilatorischer, das Judentum prostituirender Niedertracht aufs schärfste gebrandmarkt zu werden, wir identifizieren nns vollständig mit der Antwort des Herrn D r i e s m a n n s, die wir hier abdrucken, und bedauern nur, daß sie so höflich ist. „Jüdische Theologen" die derart auftreten werden nicht mehr lange ihr Unwesen treiben. Die stets anwachsende jüdisch-nationale Strömung wird sie in nicht ferner Zeit als d i e ärgsten Sch.ädlinge unssr.es Volkes wegfegen. Herr Driesmanns, dem wir bestens danken für seine ehrlichen, mannhaften Worte, antwortet mit Recht Dr. Rieger folgendes: jahrtesten Spiclmann-, Fiedel-, Dorfschulzen- und Mäidmotive. Geibel, dessen Todesjahr (1884) die hundertste Auflage seiner Gedichte gebracht hatte, war der unfreiwillige Schulmeister einer ungezählten Nachbeter-, Nachtreter- und Verballhvrncr-Horde geworden. Die „Butzenscheibenlyrik" (der Terminus stammt merkwürdigerweise von Heyse) stand im blendendsten Bleiglanze und zierte insbesondere die zahllosen Familienblätter, die als geistiger Nährqnell des intellektuellen Bürgertums einer anmaßlichen Geschmacksbarbarei reichlichen Vorschub leisteten. Auch erwachte allerorten die spezifisch-deutsche Land- und Leibplage der Anthologien, Blütenlesen, Dichterstimmen, Blumenkränze, Hansbrünnlein, Blätter im Winde und ähnlicher Sammelsurien, die als bequeme Miped- PickleS (in usum Delphini scilicet familiae angemacht) dem Leser jede selbständige Umschau, jede peinliche Enttäuschung konlantest zu ersparen suchten. DaS jungferliche Treiben wucherte fort, das G v e th e schon fünfzig Jahre vorher getadelt und als eine künftige Gefahr erkannt hatte. Man denke an die Aufzeichnung, die über das Gespräch des Altmeisters mit Gräfin Egloffstein erhalten ist: „Goethe scherzte über die deutschen Almanache und andere periodische Erscheinungen, alle von einer lächerlichen Sentimentalität durchdrungen, die an der Ordnung des Tage? zu sein scheine. Die Gräfin bemerkte, daß die deutschen Romanschreiber den Anfang gemacht, den Geschmack ihrer zahlreichen Leser zu verderben, und daß nun wiederum die Leser die Romanschreiber verdürben, die sich jetzt ihrerseits dem herrschenden schlechten Geschmacke des Publikums bequemen müßten." Oder man erinnere sich au die Äeußerungen Goethes ans dem Jahre 182b: „Mögen doch unsere Dichterinnen immer dichten und schreibe», so viel sie wollten, wenn nur unsere Männer nicht wie die Weiber schrieben! Man sehe doch nur unsere Zeitschriften und Taschenbücher, wie das alles so schwach ist und immer schlvächer wird!" Diesen Geschmacksstatns muß man sich vergegenwärtigen, wenn man heute, am Anfänge des neuen Jahrhunderts, da der Spiritus „Jüngstdeutschlands" bereits in den Glaskransen der Archive schimmelt, das Rätsel begreifen will, daß der Vormarsch der lyrischen „Neutöner" .(der Ausdruck stammt von Liliencron) in den ersten Jahren der Attacke als umstürzlerische Knnstrevolntivn in den ersten und mit Mapimgeschützen befehdet iverden konnte. Denn der Guerillakrieg der Achtigerjahre, den die lyrischen Insurgenten jener Zeit als Vorhut einer jungen und streitbaren Generation entfacht hatten, war im Grunde nur eine Erhebung der Mannschaften wider die Franenzimmerlichen, ein Stnrmlanf der Zeitgemäßen wider die Auswüchse eines überlebten, senilen und faden Geschmacks. Derlei kommt allemal in jedem Drittel eines Jahrhunderts vor und ist mntatis mntandis, lehrt die Geschichte, stets ein und derselbe Prozeß, der sich mit der Notwendigkeit natürlicher Evolutionen vollziehen muß. Daß er niemals als Selbstverständlichkeit empfunden ivird, sondern stets unter Jndianergeheul und „Wir glauben, diese Entgegnung (R i e g er s) vorwreg^ld für sich selbst sprechen lassen zu dürfen. Sie war unseres Erachtens überflüssig und kann nur zum Nachteile derjenigen ausschlagen, die sie verteidigen zu müssen meint. Es erübrigt sich zu erweisen, daß die Einwendungen durchweg verfehlt sind: das hieße soviel als einem Menschen mit gesunden Augen noch das Sehen lehren zu wollen. Nur zu einzelnem ser folgendes bemerkt: Eine jüdische Rasse im altt e st am entl i ch en Sinne gibt es freilich nicht mehr, wie es denn überhaupt reme Nasse nirgends mehr auf der Erde gibt. Aber daß die Juden als „Nationalität" t y p i s ch e R a s s e n m e r kmale aufm eisen, die sie unverkennbar m ach e n wie auch die anderen „Nationalitäten" ihre typischen Mercmale und Charaktere haben, durch welche sie sich erheblich voneinander unterscheiden — läßt sich doch nicht wohl hinwegleugnen. Der Verfasser hat nur bestätigt, wie recht ich damit hatte — nämlich, daß es Juden gibt, die nicht einmal mehr vertragen, rn durchaus sachlich-ruhiger, wissenschaftlicher Weise an ihre „Merkmale" erinnert zu werden, Auf den schieflen Vergleich m i t d e r „k a t h o l ischen Nationalität" einzugehen, überlasse n w 11 allen vernünftig denkenden Lesern sel bst. Es nt überflüssig, davon zu reden. Daß in den „Nationalitäten bis auf den heutigen Tag grundlegende Nassenunterschiede lebendig sind, leugnet gegenwärtig kein Mensch mehr, der einigermaßen Blick für die realen Verhältnisse hat. Die „Religion" eines Volkes ist im tiefsten Grundeauchnichts anderes, als Ausfluß seines Nassengei st es, seiner besonderen Lebensin st inkte. Daher es den n, w i s Egidy sehr richtig erkannte, eben.nur „Ponses s i o n e n", keine „Religion" bisher gegeben hat, uud zwar so viele, als Völker und Volksgemeinschaften vorhanden. Wenn der Verfasser davon keine Kenntnis hat, so kann ich das nur bedauern; man braucht nicht einmal, wie Schreiber dieses, seit Jahren in der anthropologischen Literatur zu stehen, um zu wissen, daß nicht nur „alle Anthropologen", sondern alle Menschen mit g e s u n d e n S in n e n d i e I u d e n s u r eine besondere Rasse halten müssen. Es ist rn diesen Blättern nie ein Zweifel an der Staat^- b ü r g e r s ch a f t d e r i n D e u t s ch l an d l e b e n d e n I ud e n geäußert worden; wir haben sie immer als vollberechtigte Deutsche anerkannt, auch wenn sie auf ihre Abstammung hielten, sofern sie sich als Deutsche suhlten. Wir müssen daher die diesbezügliche Aeußerung des Verfassers als gegenstandslos in diesem Zusammenhgnge zurückweisen. Die Schlußbemerkung bezüglich des „Selbstbewußtsems des Judentums u. s. w., sowie den Vorwurf „a n t i s e m t1i* scher Gepflogenheit" hätte der Verfasser, wie gesagt, im eigenen Interesse besser unterlassen. Wir wissen uns von der letztere n völligfrei; wir können aber den Verfasser wie manchen anderen seiner Stammesgenossen nicht sreisprechen von Mangel an Blick für die realen Verhältnisse und starker Voreingenommenheit. H' Janitscharenmnsik über Glatzköpfe und Zöpfe springt, macht sciii Kommen und Gehen interessant. Und es ereignet sich stets, daß die berserkerhastesten „Vorkämpfer", die nie ohne aufgeblasene iqre muiocu ijcguiu. i|i uu» ciunjc -cucuncMK“-*- Wicklungen und Verwicklungen, dessen Tragikomik im großen Herzen der Natur und im kleinen Herzen des Menschen gleich wundersam begründet ist. Darüber zu lächeln aber haben Wohl nun jene ein Recht, die inmitten des Tohuwabohu — von der Ellbogen- und Lungenkraft der Janitscharen gestützt — an sich selber gearbeitet und gleichsam in stillen Zelten an ihrer Seele gehämmert, wie Goldschmiede an edlen Geräten, indes sich die Negativisten rings an den Wällen des Lagers mit klotzigen Worten die Köpfe eingeschlagen. Zn diesen Feinschmieden gehört D. L i l i e n c r o n in erster Linie. Von Kämpfen und wirren Spielen umbraust, hat er sich bisweilen, wie CincinatiiS, vom Pfluge weg die Sturmhaube aufgesetzt, um wider die Plebejer zu jagen, oder er.hat manchmal, wir Simson, dreihundert Füchse mit brennenden Schwänzen zusammengetan, um sie auf die Fettweiden der Philister loszulassen — aber im tiefsten Innern seiner grundgütigen, friedfertigen Natur, im Allerheiligsten seiner lautere» Dichterseele ist dieser tapfere Künstler, der als königlich preußischer Offizier in zwei Feldzügen blessiert wurde, durchaus lein streitbarer Eraltado. Ist es nicht, wollte es niemals sein. Denn er ist jeder Zoll ein Gestalter. Hat also niemals theoretisiert, niemals ästhetisiert, niemals Prograimmo entrollt oder bengalische Streichhölzchen in genialischer Neibungsknrbe an der eigenen Stirne entzündet, lvie das die kleinen Lnziferi der modernen Lyrik in txn Achtziger- und Nennzigerjahren mit vielem Geschrei beliebt.haben. Wenn er gleichwohl von ganzen Schwadronen skandierender Talentchen zum Hauptmann der jüngstdentschen Lyrik ansgernfen Ivnrde (Gerhart Hauptmann ward demgemäß in zwiefach feiner Wendung zum Liliencron des Dramas proklamiert), so ändert dies an der sympathischen Tatsache nistts, daß er mehr nolens als volens die Epanletten der Schute und den Ehrenpallasch der Schüler entgegennnhm, im übrigen aber —• Freiherr in jeder inneren und äußeren Hinsicht — ganz nach den Normen seiner eigenen und selbstherrlichen Schöpferkraft zuwerke ging. Als die ersten Flintenschüsse des Vortrabes knatterten, die den Grenzkrieg cröffneten — Flintenschüsse, die sich selber wie Kartätschenschüsse vorlamen — ruhte Liliencron, damals vierzigjährig, bereits völlig in sich selbst. Als die „Modernen Dichtercharaltere" der lyrischen Trias Conradi-Henckell-Arent und Bleibtrens Prvgrammsymphvnie „Die Revolution der Literatur" den neuen Sturm ankündigten, hatte Detlev v. Liliencron zu Kelling-- hnsen seinen ersten Gedichtband bereits vollendet und weder stürmisch noch drangvoll zu Leipzig erscheinen lasse». Wie alle späteren