Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 33 (15.8.1902)
- Date
- 1902-08-15
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 15. August 1902 Seite 7 er mich. Von mir selbst Ivill ich vor der Hand schweigen, das Mittel, das mir Trost gewähren soll, ist bereits gefunden. Cr abcrl Versprechen Sic mir es?" „Ich verspreche cs," sagte Vlnmcnthal, „und das Zweite?" „Das Zweite ist folgendes. Ich habe Felix beim Scheiden das Versprechen abgcnonnncn, nicht nach mir zu forschen. Glücklicherweise hat er es unterlassen, ein Gleiches zu tun und hätt' er's getan, ich hätt' ein solches Versprechen, ihm nimmermehr gegeben, denn der Fall ist nicht derselbe. Er soll in seiner Laufbahn, die eine große sein muß, nicht gestört lverden durch Bilder ciitcr geschwundenen Zeit. Sie lverden sich ihm oft genug ungebeten einstellen und sotten 'nicht noch absichtlich durch Nachrichten über mich hcrvorgcrnfen lverden. Ich aber lverdc mir einen stillen Winkel der Erde zum Schauplatz einer bescheidelieu Tätigkeit wählen und die Erinnerungen an ihn lverden die Lichtpunkte in dem einförmigen Laufe meines Lebens sein. Er darf von mir nichts erfahren, ich aber, ich darf alles wissen, lvas ihn betrifft, das Kleinste wie das Grösste »nd wer anders soll mich hierüber unterrichten als Sie feilt Freund? Versprechen Sie mir auch dieses? Uebcrlegeu Sie es, lvas Sie auf sich nehmen, es ist keine kleine Aufgabe, so leicht sic auch scheinen mag, denn ich lverde eine strenge Mahnerin sein, wenn ich bemerken sollte, das; mein geehrter Korrespondent nicht fleisstg genug ist. Ich lverde mit Eifersucht auf jede Kleinigkeit achten und sollte es der Zufall, das; mir einmal eine Nachricht auf anderem Wege früher zukommt, als durch Sie, dann gebe ich Ihnen keinen Pardon. Ueberlegen Sie also, vb Sie mir auch dies zusageu wollen!" „Ich verspreche cs und lverde es halten." Aurelic reichte ihm die Hand. Sie hielt es nicht für nötig, ihm zu versichern, wie fest sie ans seine Zusage baue und lvie sie überzeugt sei, sich darauf verlassen zu können. Ihr Vater fand sie zu seiner Ueberraschung munterer und lebhafter, als er nach dem Vorgefallenen erwarten mochte und dies mag in Wahrheit mehr dazu beigetrageir haben, ihn zu trösten, als die Hilfe, die sich Aurelic von: Herrn Vlnmenthal versprach, denn so, lvie sie mehr um den Vater, als um sich selbst besorgt war, so hatte er wieder sich selbst vergessend, nur ihren Zustand im Auge und was ihm den grössten Schmerz bereitete, war weniger der Verlust, den er selber erlitten, als vielleicht die Frage, lvie seine Tochter diesen Fall überdauern werde. „Anrcliel Wollen lvir wieder reisen?" fragte der Vater nach einigen Tagen. „Reisen nicht, wohl aber abreiseul" erwiderte die Tochter. Der Vater verstand die Wendung sehr wohl und schwieg. Bei sich aber dachte er: Diese Antlvort war fertig, sie schien vorbereitet und meine Frage so erlvartct, das; sie bereits mit sich fertig, das; sie bereits irgend lvelchen Entschlns; gefasst haben muß. Sie lvill nicht reisen, lvie bisher, ohne bestimmtes Ziel, da sie auf ihrem Lebenswege keinem Felix mehr zu begegnen hoffen darf, aber sie will abreisen. So lveis; sie auch wohin? Also hat sie ein bestimmtes Ziel im Auge. Dieses Argument lvar gründlich und das; er sich nicht täuschte, darüber sollte er bald belehrt werden. „Ich habe," sagte der Vater, „vor unserer Abreise noch eine merklvürdige Elitdeckung gemacht." „Ei!" „Ich habe einen vortrefflichen Mann, Herrn Blumenthal nämlich, erst jetzt recht kennen und schätzen gelernt. ES sollte mir lieb sein, wenn auch Du ihn, ehe lvir gehen, noch näher kennen lerntest. Er ist ein praktischer Kopf und weis; vortrefflich Rat in Dingen, die das Leben und die Welt betreffen." „Bedurfte mein Vater dessen?" 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