Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 32 (8.8.1902)
- Date
- 1902-08-08
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. Wien, Freit n< Jüdisches Volksblatt 8. August 1902 Seite 7 EiMscnÄet. Zttur .AapLLe! der Tanferr (Güdemarrttiatta). Wer nennt die Namen — zählt die Fraktionen und Fraktiönchcn, Nnnireen und Schattierungen, in die das Judentum geteilt ist und die sich alle untereinander bekämpfen? Nationalsuden und Assimilanten. Orthodore und Neologe, praktische Zionisten und unpraktische. Dann kommen noch die Differenzen, die auf allgemeinen politischen Ansichten und Parteiungen beruhen; auch wir habe» Konservative, liberale, Sozialpvtitiker, Demokraten und Sozialisten in unserer Mitte, bei deren Kämpfen die indische Solidarität beinahe in Fransen geht. Eine Scheidung der Inden nach Landcsangehörigkeit wurde bis nun nie ernst genommen, und die jüdische Wohltätigkeit äußerte sich in der Regel ohne Rücksicht auf Zuständigkeit und kein wcstenropäischer Jude sprach berächtlich bon dem osteuropäischen. Am wenigsten Berechtigung hat wohl eine Scheidung der Juden nach „Nationalitäten" in Wien, dessen Jndenschaft znur größte» Teile östlichen Ursprunges ist und dessen autochthonc Jüdische Bevölkerung an Zahl verschloindend klein ist. Was »ns diese bekannten Verhältnisse ertvähnen lässt? In der in Nusstand erscheinenden t a l m n d i s ch e n Z e i ts cy r i f t „Hapeles" erschien ein Artikel, der an die bonr „H a m e l i z" gebrachte stiachricht, eS hätten in Wien binnen Jahresfrist 1000 Jndcntanfeu stattgefnnden, ziemlich scharfe Betrachtungen knüpfte. Diese Betrachtungen hatten das Unglück, Mißfallen zu erregen und Herr Dr. OS ii d e m a n n sah sich veranlasst, an den Herausgeber einen Brief folgenden Inhalts zu richten: „Herr Redakteur I In Nr. 10 Ihres Blattes Seite 401 i steht eine handgreifliche Lüge, deren Urheber mir unbekannt ist;! die Lüge hat aber heutzutage Fnste, die bon Blatt zu Blatt eilen,; und so fand die Lüge auch im „Hapeles" Nainn und zwar: Es hätten in Wien im Laufe des berflosseneu Jahres 1000 Inden die Taufe genommen. Hieran knüpft der Autor des Artikels seine! Betrachtungen. Ich (Dr. Güdemann) aber sage: Lösche die j Tausende und mache daraus Hunderte. Und auch bon denen sind! die meisten keine K i u d e r Wiens, sondern Bewohner Wiens, darunter sind U u g a r n, sind Pole n u n d R u s s e u, auch solche, die aus anderen Ländern stammenI Was haben die mit Wien zu tun? Und weil ich den „Hapeles" (das schärfste antizionistische Blatt» lese und schätze. Ivill ich den Irrtum berichtigen, der eine groszc, gottgeiveihte Stadt, in der die Liebe zu unserem Stauben lebt ivie in polnischen und russischen Städten, als abschreckendes Beispiel hiustellt." Sv weit das Schreiben des ehriv. Herrn Oberrabbiners. In einer Fnspiote konstatiert der Herausgeber, das; in Wien in 0 Jahren n u r 2080 Tauf e u stattgefunden haben. Eine solche Lappalie kann den Schlaf unseres geehrten Oberhirten nicht stören, umsomehr, als nicht gar zu biele bon den Höchftbestenerten austraten. Wir möchten nur folgendes konstatieren: Erstens sind unter den Konvertiten lveit mehr deutsch-österreichische Juden als polnischrussisch-ungarische. Zweitens sind 90 Pellzent der. Wieneir Juden und sogar 90 Perzent der Wiener Kultusborsteher (so das ganze Präsidium) und der Herr Oberr a b b i n e r in höchst eigener Person aus lt ugar u, Polen und anderen Ländern eiugctvandertc Inden. Drittens erklärt unser Bischof die nichtdeutschen Juden für Juden zlveiter Güte und behandelt sie so, wie etwa die Antisemiten die Gesamtindenschaft behandeln. Was die Liebe zur Religion, bon der der ehrwürdige Hirte spricht, seit den vierzig Jahren seines Pontifikates für Fortschritte gemacht hat, ist in diesen Blättern iviederholt konstatiert worden. Znm Schlüsse noch die eine Bemerkung:, Wenn diese bielgeschmähten „zugereisten" Inden nicht wären, müsste Herr Dr. Güdemann, ivenn er auf semitisches Publikum reflektiert, seine Predigten in der Stefanskirche halten. Ein Konservativer. EiSlcr. Bericht abgedruckt, Ivörtlich tvie erhalten. Ihre Gedichte und Feuilleton konnte zu meinem eigenen Bedauern bis jetzt nicht bringen. Also Geduld! M. H. Stauislau. Erhalten. Mitteilungen lies Vereines für unentgettlioüen Arbeitsnachweis. Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien, II., Taborstrasse 59 ff e 1 e p h o n Nr. 13.920) bietet den P. T. .Arbeitgebern seine kostenfreien Dienste an. Brieflicher oder telephonischer Auftrag genügt, um männliche und weibliche qualifizierte Arbeitskräfte, sowie Hilfsarbeiter. ferner kaufmännische Angestellte und Lehrkräfte beiderlei Geschlechtes zugewiesen zu erhalten. V o r g e m e r k t sind : I. Klasse: Manuelle Arbeiter. 5 Anstreicher, 3 Aufpapper, 8 Bäcker, 4 Buchbinder, 3 Buchdrucker, 2 Karton»agearbeiter, 0 Drechsler, 5 Elektromonteure, b Fleischhauer, 2 Friseure, 2 Glaser, 4 Gold- und Silberarbeiter, 1 Gürtler, 34 Hausknechte, Geschäfts- und Vnreaudiener, 34 Hilfsarbeiter, 3 Holzbildhauer, 1 Hutmacher, 4 Kellerarbeiter, 3 Kellner, 1 Kürschner, 0 Kutscher, 0 Laufburschen, 4 Lederzurichter, 10 Lehrlinge, 2 Magazineure, 1 Maschinist und Heizer, k> Mechaniker, 3 Metallarbeiter, 8 Monteure, 38 Schlosser, 20 Schneider, 3 Schriftsetzer, 7 Schuhmacher, 18 Spengler, 10 Tapezierer, 2 Taschner, 22 Tischler, 8 Uhrmacher, 3 Zeichner, 2 Zimmermaler, 2 Zuckerbäcker. II. Klasse: Kaufmännische Angestellte. 0 Bra>>nt!veiuberschteis;cr, 10 Buchhalter und Korrespondenten, 112 Kommis diverser Branchen, 00 Kontoristen und Strazzisten, 1 Inkassant, 13 Kanzlisten und Schreiber, 9 Manipulanten und Erpedieuten, 0 Platzagenten und -Vertreter, 21 Praktikanten, 8 Reisende. Weibliche Ahtheilunq. 3 Bonnen und Kindergärtnerinnen. 47 Kontoristinnen und Kanzlistinuen, 2 Eppedientinnen und Manipnlantinnen, 4 Hilfsarbeiterinnjen, 1 Kassafränlein, 2 .Kellnerinnen, 20 Praktikantinnen, 21 Verkäuferinnen, 2 Verschleisterinnen, 4 Wirtschafterinnen und Stützen der Hausfrau. III. Klasse: Geistige Arbeit. 7 Hauslehrer und Hofmeister (meistens Hochschüler, welche Gymnasiasten und Realschüler unterrichten), 3 Lehrerinnen und Erzieherinnen. Offene 8te!Ien. Gesucht werden von männlichem Personal: 1 Hausmeister, 1 Drechsler (Holz), Lehrlinge, 1 Zimmermaler, 1 Metallarbeiter, 1 Metallschletser, 1 Kontorist (mit französischer und deutscher Korrespondenz). Von weiblichem Personal: 1 Kontoristin (mit böhmisch), 1 Pflegerin (zu einer alten Dame). ahne von I 11. aufwärts. Vollständig schmerzt. Plomben von 50 kr. Sofortige Reparaturen von 801er. Besond.Specialität: Umfassungen schlecht passender Gebisse von 1 fl. (Ordination täglich, auch an Sonnu. Feiertagen v. 9—7 Uhr.) Provinzkunden werden in einem Tage abgefertigt. II., Glockengasse 8a,Ecke Rothensterngasse. -i:Bitte die Hausnummer zu merken. lasbuchstaben - Erzeugung und jjlasschleifertf Leopold Hirsch WIEN, IX., Türkenstrasse 6 jg|| empfiehlt sich zur Uebernahnio aller in dieses Fach einschlagenden Arbeiten; Reparaturen hoi feinster Ausführung und angemessenen Preisen, -g- Wappen und Schriften in Glas. *-g~ Facettenschleiferei in allen Dimensionen, Schutzplatten, Elektrisierscheiben etc. öbel in denkbar bester Ausführung, altdeutsch und politiert, zu sehr billigen Preisen bei Isc. Heiss Wien, IX., Porzellangasse Nr. 20 Gegründet 1890. — Provinz versandt streng reell. Mein neues Album summt genauesten Abbildungen gegen 30 kr. in Briefmarken Langjähriger Lieferant des Vereines der k. k. Staatsbeamten etc. etc. Das Blas; unseres Elends war noch nicht Noll, und so hat und die Vorsehung mit einem schrecklichen Unglück heimgesncht. Unser kleines Städtchen, das unter der Last des täglichen Kampfes um das trockene Brot kaum aufznatmeu iinstande war, wurde am 22./4. 1902 eine Beute der Flammen. Die letzten Habseligkeiten, der einzige Rest für ihre Erhaltung sind zu Ascbe geworden. Das- Städtchen Szezucin, dessen jüdischen Bürger in nicht gros;er Zahl sind, stehen nach inuner in banger Verzweilting da tmd sind ratlos, was sie anfangen sollen. Daher bitten wir mit nnsgcbreiteten Armen und appellieren an die altbekannten jüdischen Herzen mn gütige Unterstützung und Mitleid. Die etwaigen Spenden sind anzuweisen an Herrn Jakob Leimann und Naftali Lipschütz in Szczncin bin Tarnow (Galizien). Mit voransgehendem Dank tmd inbrünstigem Segen zeichnet ntit vorzüglicher Hochachtung Das Komitee der Abbrändler. Jakob Leiinann. Naftali Lipschütz. Wahrheitsgetreu bestätigt: Jsak Horowitz, Rabbiner, Szczncin. Mendel Weis;. Vorstand der israelitischen KnltnSgemeinde Szeztiein. pittettungm ans dem Publikum Die Möbelindustrie hat in jüngster Zeit, um dein verfeinerten, geradezu raffinierten Geschmacke des Publikums Rechnung tragen zu können, die grössten Anstrengungen machen müssen. Tatsächlich überbieten sich die Möbelfabrikanten in der Herstellung bon modernen und modernsten Möbelgegenständen. Das; hierbei der lvirllieb feine Geschmack nicht immer auf seine Rechnung komtnt, ist nicht zu verwundern. lind so sieht man Katiflnstige oft Non einein Etablissement zum anderen Ivander», ohne sich in dem gros;en ChaoS bon marktschreierischer Sezession und Geschmacklosigkeit znrechtznfinde». Als einen treuen Wegweiser aus dein Gebiete des feinen Geschmackes in Möbeln aller Art müssen loir daher das reichillustrierte Album des Möbelhauses Jacques Heist, 9. Bez., Porzellangane 20, begrüben. Blau findet hier wirklich moderne, diskret ausacfiihrte Gegenstände, bei denen das Moderne nicht auf Kosten der Dauerhaftigkeit herborgekehrt tvird. Ein Besuch in diesem Etablissement, auf dessen Inserat ivir hier besonders aufmerksam macben. wird sieh stets als lohnend erweisen. Gute, billige Möbel sind jetzt in der .Zeit der Verlobtmgen und Verheiratungen ein gesuchter Artikel. Das reichassortierte Nlöbellager non Hermann Hoffmann, 2. Bez., Stefaniestraste 13, bietet allen Möbelbedürftigen die reichste, gediegenste Ausivahl. Äriefüastrn. R. Wnldviertel. Das; der „Bote ans dem Waldbiertel" von Gemeinheiten strotzt, darf Sie nicht wundern; er gehört zu den „dentschs.reiheitlichen" Blättern; das; er seine politischen Informationen bei einem „hebräischen Hausierer" holt, darf Sie bei dem Bildungsniveau dieser Leute nicht tvundern. S. M. Lemberg, Bereits vor Ihrem Brief in Ihrem Sinne erledigt. Erhaltend Dr. Binch. Erhalten, ^-o bald als möglich. B. Es ist allerdings beschämend, wenn eine jüdische Firma, Herz seid u. Berger, in ihrer Annonce betont, das; sie nur einen C h r i st e u als Kommis nimmt. Hier ntus; der jüdische Konsument energisch Stellung nehmen. K e i n K a u t s ch u k.! B u r b e r r y! A b s o l u t w a s s e r d i ch t, f e d e r l e i cht, Raglan fl. 21.—, Ulster fl 18.—, Jagd an zu g fl. 18.—. Alleinverkauf bei Jakob Rothberger k. u. k. H v f l i e f e r a n t, Wien, I., S t e f a n s p l a lz 9. » <t— 11 nny ngntf vfMfBnntminTrM^ »TWgfTfr.»iiiT>i~ Ehemaliger Kaufmann, der durch ungünstige __Verhältnisse seine Selbstständigkeit verlor, sucht Stelle als Magazineur, eventuell Geschäftsdiener. Anträge an M. Jellinek, Wien, XX., Bäuerlegasse 16, Tür 24. Bittgesuch. Im Krankenhause in Elbogen befindet sich ein jüdischer junger Mann schon vier Wochen, der an einem Bein verunglückt ist. Nach seiner Entlassung vom Krankenhause wird derselbe weiter arbeitsunfähig sein und hat daher keine Stellung in Aussicht. Da er weder Angehörige noch sonst eine Beihilfe zu erwarten hat, so wendet er sich vertrauensvoll an seine Glaubensgenossen um Zuweisung einer Unterstützung irgendwelcher Art. Im Vorhinein bestens dankend Jalcob Reinharz Krankenhaus, Elbogen. „Erster Wiener Jüdischer Turnverein“ i., Mölkerbastei Nr. 5, nahe der Universität. 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