Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1902-07-11 · 28 (11.7.1902) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
28 (11.7.1902)
Date
1902-07-11
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2432763-2432917-2432945--1551-2435320
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 11. Juli 1902 Seite 7 Nr. 28 der Nebbe dem Kinde wieder die Buchstaben und benennt sie ganz anders, als er es gestern gethan. Wie satt das Kind da etwas begreifen, fragt der Ungläubige, der van der Tradition nichts lvissen wollte, wenn Du es verwirrst und es heute sa und morgen so unterweisest. Der Ncbbe aber antwortete: Muss nur das Kind denn glauben, dass ich chm die Buchstaben gestern richtig benannt habe; vielleicht Hab ich es gestern getäuscht und sag ihm heute die Wahrheit. Aber ich bin ja selbst dabei geivesen, wendete jener tviedcr ein, lind Hab ja selbst gehört, dass es richtig!var. Und woher weißt Tu es, fragt der Rebbe lveiter, dass ich gestern das Richtige gelehrt habe? Weiht Dn es doch atieh nur, tueil man cs Djr einmal so gezeigt hat. Und Dn schwacher Mensch, der Du selbst bei der Erlernung des Olcph-Bess den Glauben nicht entbehren kannst, Du willst die Tradition berlverfen, weil Du unseren Nabbouim, die große Männer geivesen sind, nicht glauben willst? Glücklicher Neb Satvel Kormuehl, dem die Beiveiskraft seines witzigen „Mosehels" so fest steht, >vie das Eintreffen von Tag und T'acht. Berufeil sich deiiil die Verfasser des Nclieil Testaineiltcs llicht auch auf Zeugnisse. Da stehe ich wieder ganz vor der früheren Frage, nur ist sie verschoben. Eiltweder Zeugnisse sind glaubwürdig, ivariun solleil es die des Neuen Testameiltes minder fein, wie die des Alteil. Verdienen diese Zeugilisse aber feixten Glauben, so gilt dies tvieder vom Alten Testamente ebenso gut, ivie von dem Neuen. Der Zufall ist bielvermögend. Oder sollte cs göttliche Vorschnllg seiil, dass der Aiiblick des Ncgerknaben, dem ich heute im Prater gesehen habe, meiner Gedankenivelt eine so. mächtige Erweiterung gegeben? Ich habe mich bisher imnler in dem engen Kreise zwischen Christen lind Jtidcu hcrinngedreht. Die Frage, die ich als Knabe an meinen Lehrer stellte: Warnrn gibt es Christen und Juden? Sie stand bis heute noch immer in derselben Form in lireillem Geiste. Ich suchte innner ilach dem wesentlichen Unterschiede, llicht bei txtcincr Frage, vcrrnochte mehr über mich als Homer und Virgil, als Plato, Demosthelles und Cicero I So werde ich denn eintretcn in die Hallen der eigeutlichen Wissenschaft. Ich bin miil Hörer der Philosophie I Philosophie — eigentümlicher Zauber, der in dem Worte liegt! Ist dies die Wissenschaft, die mir Antwort geben wird auf meine Frageil? Oder wird sie nur neue Fragen mir anrcgen, deren Beantwortung vielleicht gar llicht gtt finden ist? Wird mir diese Wissenschaft der Schlüssel werden zur Lösuilg des großen Rätsels oder ivird sie mich nur noch mehr verwirren? Bei Schalleilsteins behandelt mail mich, wie mir scheint, seit ciiliger Zeit gerne ailders, mit mehr Respekt. Sie heißen mich: Herr Philosoph! Was denken sich die Lenke dabei, Ivenn sie dieses Wort aussprechen. Das Wort scheint ihnen sehr zu impoliierell. Oder sollte das Spott sein? Ich muß Herrn Btumenthal doch fragen, ob ich mich gestern gut benommen habe und ob ich in ureinen Aeußeruugeu llicht zu weit gegangen bin. Der Telifel auch, wer kann rllhig bleiben, wenn mail ein solches Gespräch hört. Die magere Hofrätin mit. ihrem ewigen Ich ttitb Nicht-Ich, wovon ich gar nichts verstehe, ist mir höchst unleidlich. Sie gibt sich das Anseheix einer Philosophin und tut groß, als ob sie die ganze Welt in sich altfgenommen hätte; im Gram de aber versteht sie von der Philosophie gerade so viel, wie die lange Jittel zuhause von der Medizin. Gawriele Stuffer, wenn er sie hören könxxte, Ivürde sagen: die ganze Welt ist ein „Mokem". Was kümrnert es sie, was ich werdelx soll. Warum haben xnir meine Eltern, die doch inehr Recht dazll hätten, eine solche Frage lloch llicht vorgelcgt? Meine Eltern sind gilt lind setzen in xnich ein unbegrenztes Vertrauen; sie scheinen das für Nebensache zu halten, Ivas ich werde, wenn ich das, was ich werde, nur recht werde. Oder sind meiile Eltern vielleicht der Meiming, daß ich den Plan, Rabbiner Zll werden, lloch ininxer in mir herumtrage und stellen deshalb keine Frage an mich? Ja, es Ivar ein schöner Traum. Ich dachte mich schon als Lehrer des Volkes in der Synagoge; ich stettte xnir das Reformieren aber ein bißchen leicht vor. Was stellt man sich iil der Jligeild denn nicht leicht vor? Welche Schwierigkeiten sieht ein Knabe, der den Kinderschuhen kaum entwachsen ist? Aber Sokrates, Christus und Luther haben xnich eines anderen belehrt. Ich mag keinen Giftbecher leeren lind habe feilte Lust, ans Kreuz geschlagen zxl werden lind auch beit Schutz eines Fürsten mag ich nicht, um der Wut der Menschen zu entgehen. Mein Denken und Fühlen ist doch nur mein, auf die Menge kann ich nicht wirken. Ist dies aber nicht Egoismlls? Soll sich der Mensch nicht freudig opfern, iveilil er der Menschheit die Hinimelsfackel entzündet? Hat Sokrates nicht mit Gleichmut den Giftbecher getrunken? Ist Jesus ilicht aus Liebe für die Menschheit gestorben? Hub hat Luther nicht xnit llnerschrockenem Mute auf dem Reichstag zll Worms sein: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen!" gesprochen, ohne des Schutzes, den er genoß, im vorhinein sicher zu sein? Und ich wollte feige mich verkriechen! Ja, wenn ich wirklich die Wahrheit in der Hand hätte! Weiln ich beit Schlüssel gefunden hätte, hinansgehen wollt ich auf die Straße und Weisheit predigen? Aber Ivas bin ich denn und was weiß ich denn? Was sollt ich reformieren? Mein Traum war eine Torheit. Ich könnte ja doch nur die Summe von Möglichkeiten um eine neue Möglichkeit bereichern! Heißt aber das, Klarheit in die Sache bringen? Oder sollte ich vielleicht gar die Hände in den Schoß legen lind in die Geleise eintreteu, die vor mir ailderc Rabbiner breitgetreten haben? Kanil das für ulich eineil Silin, kann es für mich einen Reiz haben? Wer ein Rabbiner, ein Neligionslehrer des Volkes Iverdeu will, der muß in seiner Religion lind ilicht alißerhalb derselben steheil, an den dürfeil jene Zweifel, die nur die Brust zerwühlen, gar nie heraiigetreten sein. Die alten Rabbiner erscheiilen l»ls nur darinn so ehrwürdig, weil sie voll von ihrem Glauben sind. Ein gläubiger Mensch, der voll ist von seinem Gotte, ist für jedes uuverdorbene Gemüt ein erquickender Anblick, auch für den, der mit ihm ilicht mehr auf demselben Boden steht, denn eS gibt nichts Schöneres als die ans niemals angefochtener tteberzeugnngStreue entspringende Kraft und Sicherheit. Ein Mensch, der innerlich etwas anderes für wahr hält, als daS, IvaS er öffentlich lehrt, weil er es zu lehren seinem Berufe schuldig ist, erscheint mir hingegen sehr verächtlich. Einen Stand, in welchem ich mir selber notlveiidig verächtlich und nichtswürdig erscheinen muß, werde ich nicht wählen. Herr Blumenthal meint, die magere Hofrätin habe es nicht bös gemeint. Sie wollte mir mein Judentum nicht vorwerseu und ich hätte nicht nötig gehabt, dasselbe ihrem positiven Christentume gegenüber so hartnäckig zu verteidigen. Mir auch recht; aber ich bin einmal so. Dem positiven Judentum gegenüber bin ich Christ, dem positiven Christentum gegenüber bin ich Jude, und zwar ganz einfach aus dem Grunde, weil ich weder Christ noch Jude bin und weil es mich empört, weiui der eine dem anderen gegenüber auf sein Besserwissen pocht. Da muß ich nun dem einen wie dem anderen zeigen, daß die relative Berechtigung auf beiden Seiten gleich groß ist, daß sie beide nichts lvissen, sondern im Finsteren hermntappen. Ja, wenn jemand gläubig ist und glaubt ohne zu fragen, ohne sein inneres Gefühl für die allgemeingiltige Wahrheit ausgeben zu wollen, dann ist es freilich etwas anderes. Seinen innern Glauben werde ich keinem Menschen zu erschüttern suchen. Ich werde meinem Jugeildfreunde Gmiipel nicht als Christ entgegentretrn; aber die magere Hofrätin will ja eine Philosophiii sein und ärgert sich, daß man Fichte des Atheismus beschuldigt hat. Sie will in Fichte den positiv gläubigen Christen rette»; das kann ich nicht vertragen. (Fortsetzung folgt.) . Pomllangasse 1, Ecke Berggasse Telephon Nr. 14.328. Elegantes modernes Cafe. — 5 neue Billards. — Separierte Spielzimmer. — Clubzimmer im 1. Stock. — Kegelbahn. — Angenehmer Zusammenkunftsort für Familien. — Sämmtliche jüdischenBlätter liegen auf, ebenso die meistgelesenen in- und ausländischen Journale. Aufmerksame Bedienung. Civile Preise. Emma Ceranke, Cafetiere. Reise-Körbe eigener Erzeugung, in bester und solidester Ausführung, kauft man am billigsten nur bei Heinrich Tpeinrich) IX., Althanplatz ila-i-vls dem Franz osophs-Bahnholo und V/,, Nikol sdorferstrasse 24—26. falaphon 6170. — Preislisten gratis. w Aufzüge aller Arten für Handbetrieb beim Erzeuger Fritz Forchtner Wien, I., Eschenbachgasse Nr. 5. Permanente Aufzugsrevisionen billigst. F ahrradßestandtheiie v/// \>/ “ v/r und Zubehör, wie Pnoumntic, Lampen, Glocken, Pumpen, Ketten, Pedale, Siittel, Taschen, sännntliclie Werkzeuge, Lenkstangen, Grille etc. concurrenzlos billig. Verlangen sie Proiscourant auch über Lawn-Tenis- und Foot-Ball-Artikel. Versandtgeschäft »REELL«, Wien, VI., Gumpendorferstrasse 34. ^ooeoooooc Bestand seit 1871! Bettfedern-, Flaumenu. Bettwaren Widerlege Josef Schöbe«8 Wien XVI., Ottakringerstrasse 17 (Trannvay-Haitostelle.) Rmpfiehlt sein grosses Lager echt böhmischerBettfedern,Flaumen, fertiges Bettgewand, Matratzen, Betteinsätze, Strolisänke, Steppdecken, Flanelldecken, Ciiarnier - Eiaenbetten, Kastenbetten, Betteinsätze, Drahteinsätze, Kinderwagen und Kinderbetten. 0, ernafser Uhren- Reparatur-Anstalt des Ludwig Mossler Uhrmacher Jede Uhrreparatur 90 kr, unter einjähr. schriftlicher Garantie. Verkauf aller Gattungen Uhren zu Fabriks-Preisen. Wl&n XVII., Hernalser Hauptstr. 78 nächst dem Elterleinplatz. Mitteilungen des Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis. Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien, II., Taborstrasse 59 (Telephon Nr. 13.920) bietet den P. T. Arbeitgebern seine kostenfreien Dienste an. Brieflicher oder telephonischer Auftrag genügt, um männliche und weibliche qualifizierte Arbeitskräfte, sowie Hilfsarbeiter, ferner kaufmännische Angestellte und Lehrkräfte beiderlei Geschlechtes zugewiesett zu erhalten. Vorgemerkt sind: I. Klasse: Manuelle Arbeiter. 1 Anstreicher, 4 Aufpapper. 3 Bäcker, 5 Buchbinder, 3 Buchdrucker, 2 Kartonnagearbeiter, 5 Drechsler, 5 Elektromouteure, 4 Fleischhauer, 2 Friseure, d Glaser, 6 Goldarbeiter, 2 Gürtler, 24 Hausknechte, Geschäfts- und Bnreaudtener, 36 Hilfsarbeiter, 3 Hutmacher, 4 Kellermeister, 10 Kellner, 4 Kürschner, 8 Kutscher, 3 Laufburschen, 4 Lehrlinge, 3 Magazineure, 2 Maschinisten und 1 Heizer, 4 Mechaniker, 5 Metallarbeiter, 12 Monteure und Jnstallaj teure, 43 Schlosser, 24 Schneider. 1 Schriftsetzer, 1 Schuhmacher, 17 Spengler, 14 Tapezierer, 6 Taschner und Niemer, 32 Tischler, 2 Uhrmacher, 3 Zeichner, 8 Zimmermaler, 1 Zuckerbäcker. 11. Klasse: Kaufmännische Angestellte. 4 Brannttvetuverschleißer, 20 Buchhalter und Korrespondenten, 119 Kommis diverser Branchen, 59 Kontoristen und Strazzisten, 6 Inkassanten, 10 Kanzlisten und Scyreiber. 7 Manipulanten und Expedienten, 6 Platz-Agenten und -Vertreter, 12 Reisende. Weihliehe Abtheilung. 2 Bonnen und Kindergärtnerinnen, 28 Kontoristinnen und Kanzlistinnen, 4 Hilfsarbeiterinnen, 2 Köchinnen, 2 Näherinnen, 12 Praktikantinnen, 1 Säumchennähsrin, 1 Seidenstickerin, 2l Verkäuferinnen, <» Verschleißerinnen, 1 Wärterin, 10 Wirtschafterinnen und Stützen der Hausfrau. III. Klasse: Geistige Arbeit. 9 Hauslehrer und Hofmeister (meistens Hochschüler, welche Gymnasiasten und Realschüler unterrichten), 3 Lehrerinnen und Erzieherinnen. Offene Stellen. Gesucht werden von männlichem Personal: I Preßvergolder, 1 Qbxaveuv, 2 Tischler für Mahagoiiiinbbel, 1 Uhrmacher, selbständig, nach auswärts, 1 Kontorist (ungarisch) Korrespondenz), Kontorxxnd Lagerprakttkanten, l Manipulant für Tücherfabrik. Von weiblichem Personal: Kontoristinnen (mit Französisch für VII. und XIII. Bezirk). M öbel in denkbar bester Ausführung, altdeutsch und politiert, zu sehr billigen Preisen bei Fae. K^iss Wien, IX., Porzellangasse Nr. 20 Gegründet 1890. Provinzversandt streng reell. Mein neues Album sammt genauesten Abbildungen gegen 30 kr. in Briefmarken Langjähriger Lieferant des Vereines der k. k. Staatsbeamten etc. etc. bie schönsten und billigsten Grabsteine inosö von 15 fl. aufwärts bekommt man bei J. Ilaoiii Steinmetz- und SteingraYeur~/tfeistet II., Rothensterngasse 23. ,Erster Wiener Jüdischer Turnverein“ i., Mölkerbastei Nr. 5, nahe der Universität. Turnstunden für Herren: Montag und Donnerstag lltS—9 Uhr abends; für Damen: Mittwoch und Samstag 7—7*9 Uhr abends; Fecht-Section: Dienstag 7,7—'7,9 Uhr abends, Samstag 3/46—7 Uhr abends. Athletik-Section. — Vox turnerturnen. — Geprüfte Lehrer. Eintrittsgebür 2 K; Monatsbeitrag 2 K; für Hoch- und Mittelschüler, Handeisangestellte und Arbeiter die Hälfte. Anmeldungen am Turnplätze. lasbuehstaben - Erzeugung und (jlasschleiferei Leopold Hirsch WIEN, IX., Türkenstrasse 6 M empfiehlt sich zur Uebernahme aller in dieses Fach einf schlagenden Arbeilen; Reparaturen bei feinster Ausführung und angemessenen Preisen. -Z— Wappen und Schriften in Glas. —K» Facettenschleiferei in allen Dimensionen, Schutzplatten, Elektrisierscheiben etc. bas Credit-Institut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte, r. G. m. b. H., Wien, II., Leopold sg. 49 gewährt seinen Mitgliedern Credite zu coulantesten Bedingungen. Bezüglich Rimessen-Esscornpte werden seinerzeit die näheren Bedingungen bekanntgegeben. Ueberniniml Spareinlagen zu 3l/2 Percent mit 14tägiger, zu 4 Percent mit monatlicher, zn 4ya Percent mit dreimonatlicher Kündigung. In Anbetracht des eminent wichtigen Zweckes, den unser Institut verfolgt, erlauben wir uns, jeden Stammesgenossen dringendst zu bitten, dasselbe durch Beitritt zu unterstützen. Das Directorium. I ahne von 1 fl. aufwärts. Vollständig sehmerzl, Plomben von 50 kr. Sofortige Reparaturen von 80kr. Besond.Specialität: Umfassungen sehlecht passender Gebisse von 1 fl. (Ordination täglich, auch an Sonnu. Feiertagen v. 9—7 Uhr.) Provinzkundeu werden in einem Tage abgefertigt. II., Glockengasse 8a,Ecke Rothensterngasse. Hilt» diu Hausnummer zu merken. CK5 cn pta> P

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.