Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 27 (4.7.1902)
- Date
- 1902-07-04
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 4 Wien, Freitag •Indisches Volksblatt 4, Juli 1902 Nr. 27 verbundenen Affront nicht besitzt, so muh dies tief bedauert werden, weil nicht dieser, sondern die große Masse der Juden es ist, die die schlimmen Folgen davon zu ertragen und zu erdulden haben. Die Eroberung von Olmütz. Die „.Neue Freie Presse" enthält folgende Berichtigung, die sie in ihrer sauersüßen Manier abdruckt: An die geehrte Redaktion der Zeitschrift „Neue Freie Presse" in Wien. Auf Grund des 8 19 des Preßgesetzes ersuchen die gefertigten Vertreter der Holleschauer' Christen- und Israeliten-Geineinde um die gefällige Einschaltung nachstehender Berichtigung, und zwar: In der Zeitschrift „Neue Freie Presse", Nr. II 686 vom 21. Juni 1902, im Artikel „Die Eroberung von Olmütz" stand es unter anderem: „Bei beit Wahlen zur Handelskammer im heurigen Frühjahre entfaltete sich eine noch nie dagewesene Agitation, bei lvelcher die tschechischen Gemeindevertretungen sich rücksichtslos in den Besitz der Wahllegitimationen der deutschen Wähler in den gemischtsprachigen Orten setzten und die jüdischen Wähler in Holleschau, Prerau und anderen Orten durch die Drohung einer Wiederholung der Exzesse vom Jahre 1899 gezwungen wurden, mit den Tschechen zu wählen." Die gefertigten Städtevertreter sehen sich bemüßigt, dieser: Satz als eine erdichtete Unwahrheit zu bezeichnen, zumal gelegen! lich der Sarnmlung der Stimrnzettel bei den jüdischen Wählern eine derartige derbe Drohung niemanden! eingefallen ist. Wohl ist es aber wahr, daß man bei dieser Gelegenheit mit den israelitischen Wählern ein Kompromiß in dem Sinne abgeschlossen hat, denselben hiefür mit Gegendiensten im Interesse der Geschäftsleute, namentlich betreffs Verlegung des auf den israelitischen Versöhnungstag zutreffenden Holleschauer Jahrmarktes bereitwillig entgegenzukommen. Zugleich wird bemerkt, daß die Stinrmzettel von zwei angesehenen Israeliten gesammelt wurden und erst dann im ganzer: dem Bürgermeister der Christengemeinde übergeben worden sind. Achtungsvoll für das Bürgermeisteramt der Christengemeinde Holleschau: Pokorny, Bürgermeister: der Jsraelitengemginde Holleschau: Jg. Vaumgarten, Bürgermeister. Holleschau, am 26. Juni 1902. Aus den Blättern für ostdeutsche Moral. (Wolf und Herzog.) Letzten Samstag fand K. H. Wolf die Icmgersehnte Gelegenheit, sich wieder einmal zu entrüsten; die moralische Attitüde war die Lieblingspose der „Ostdeutschen Rundschau"; sie entrüstete sich in ihren guten Tagen über die schlimmen Hebräer, über die unsittlichen Pfaffen, über die heuchlerische Lignori-Moral, über die korrupten Christlich-Sozialen, kurz und gut, sie kam nicht aus der Entrüstung heraus. Umso reiner strählte das blanke Schild der „Ostdeutschen", bei ihr war keine Spur von der Schlechtigkeit der Hebräer, von der Untsittlichkeit der Pfaffen, von der Heuchelei der Lignori-Moral, von der Korruption der Christlich-Sozialen zu finden. Rein wie ein Engel stand sie da, bis endlich der Sündensall kam. Der Dreck, in den der ostdeutsche Engel siel, wardst tief, daß es ihm auf einige Zeit jede Rede verschlug, aber ein Hochstapler verliert nicht leicht den Mut und so ergriff er Samstag die Gelegenheit beim Zopfe, um sich über seinen einstigen Klubgenossen Herzog zu entrüsten. Wir müssen ihm aber bei aller Freundschaft sagen, daß er lieber ein bißchen hätte warten sollen; die Geschichte des Herzog hatte verfluchte Anklänge an die Tetscheuer Affäre, mit der Tochter des Abg. Tschan. Auch dorten kam die Verführung einer deutschen Jungfrau vor, der Unterschied ist nur der, daß Herzog damals noch nicht verheiratet war und daß er nicht die Tochter seines Gastfreundes umgarnte; man sieht also, daß Herzog dem Wolf die sittliche Entrüstung wieder zurückgeben kann. Die Stellung, die beide germanische Helden einnahmen, um die unerwünschten Folgen ihrer heißen Minne zu vertuschen, wollen wir mit Rücksicht auf den guten Ruf unseres Blattes nicht näher beleuchten, nur so viel können wir sagen, auch in dieser Beziehung haben sich beide nichts vorzriwerfen. Es gleicht sich aus. K. H. Wolf wird bei längerem Nachdenken einsehen, es wäre klüger, er hätte geschwiegen, denn er macht seine Sache nicht besser, wenn er erklärt, daß er bei der Verhandlung erst verschiedene Dinge erfuhr, die ihn „unangenehm" überrascht haben. Erstens sollte er nicht mit einer solchen Prüderci protzen, das steht ihm nicht mehr gut zu Gesicht und zweitens glaubt ihm doch kein Mensch, daß er die Schmutzereien des Herzog nicht kannte, nachdem sie bereits jahrelang in der österreichischen Presse herumgetragcu wurden. Wolf meint, „daß aber Herzog angesichts dieses Veweismaterials vor die Geschworenen ging, deutet darauf hin, daß der Mann auf ein Wunder rechnete." Wir gestehen ebenso höflich, wie bestimmt, daß wenn Wolf vor die Geschworenen geht, es auch darauf deutet, daß er auf ein Wunder rechnet. Wir sehen schon im Geiste, wie die Verhandlung „einen regelmäßigen, für den Privatkläger ganz unheimlich regelmäßigen Verlauf nehmen wird". Es ist mich nicht kollegial, daß Wolf fragt, ob der A b g e o r d n e t e Herzog aus seiner Niederlage die Konsequenzen ziehen wird? Herzog jvar doch immer so kameradschaftlich, daß er den Abgeordneten W olf nie darnach fragte, ob er „nach seiner Niederlage die Konsequenzen ziehen werde"?! Daß er dem Herzog offiziell die Freundschaft kündigt, nimmt uns nicht ipunder. Es gilt für Herzog dasselbe, wie für Guttmann. „Mein liebes Kind, blamier mich nicht und grüß mich nicht unter den Linden. Wenn wir nachher zuhause sind, so wird sich alles finden." Wir raten also dem Jung-,Hermann a. D., er solle noch einige Zeit mit seinen Entrüstungen warten; die Oesterrcicher sind gemütliche Leute und in einem, Jahre haben sie alles vergessen. Wer spricht noch heute von deni „Beuschelreißer und Herrgottspfänder"? Also Geduld I Aber während des Jahres hübsch stadsein, damit die Leute nicht zu allerlei unangenehmen Vergleichen gedrängt werden. Mischehen. Man schreibt uils aus Budapest: Der jüngsten Nummer der vom Direktor des kommunal-statistischen Amtes Dr. Joseph v. Körösy vorzüglich redigierten „Statistischen Monatshefte" entnehmen wir die folgenden interessanten Daten: Im Jahre 1901 betrug die Zahl der Eheschließungen in der ungarischen Hauptstadt 0441; auf 10 000 Einwohner entfallen 80. Die Anzahl der gemischten Ehen nimmt von Jahr zu Jahr zu, sie betrug zur Zeit der Vereinigung der Hmiptstadt 399, im Vorjahre 16-17. Bei den Katholiken gehen die Männer seltener eine Mischehe ein als die Frauen: bei den Protestanten ist das Verhältnis ein mngekehrtcs. Von den israelitischen Bräutigamen ehelichten 6,6 Perzent Bräute anderer Konfession, ebensoviele israelitische Bräute wählten sich Ehegatten fremder Konfession. Bezüglich der Konfession der aus Mischehen hervorgehenden Kinder halten am ehesten die Römisch-Katholischen (61,7 Perzent) und die Evangelischen H. K. (43,1 Perzent) an ihrem Glauben fest, weniger die Evangelischen A. K. (31,4 Perzent) und am allerwenigsten die Israeliten (10 Perzent). Diese traurige Tatsache dokumentiert die erschreckende Dekadenz des religiösen Beivußtseins inmitten der fortschrittlichen Juden. Sollten die Religionslehrer der Pester israelitischen Religionsgemeiude hierbei von jeglicher Schuld frei sein? Und kann das hochehrwürdige Rabbinat dabei seine Hände wohl in Unschuld jvaschen? Abhilfe wäre dringend geboten .... AnSÜMd. Die „Confervative Correspondenz" und die Jndenfragc. Die „Eons. Corr.", das offizielle Organ der konservativen Partei, schreibt: „Es lvird bekanntlich von liberaler Seite stets mit größten: Nachdruck behauptet, die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens würden ihre Sonderstellung längst aufgegeben haben und sich mit den Deutschen verschmolzen haben, wenn sie nicht durch antisemitische Anschauungen zurückgeftoßen loürden. Neuerdings haben sich aber schon verschiedene Symptome gezeigt, aus denen hervorgeht, daß die Judenschaft gar nicht daran denkt, ihre Sonderstellung aufzugeben, sondern daß sie in: Gegenteil daran mit großer Zähigkeit festhält. Eine solche Kundgebung finden wir in dem Blatte, das sich die vrganisierten jüdischen Akademiker unter den: Titel „Der jüdische Student" geschaffen haben. Dort heißt es: „Wir aber, die Zvir jüdischer Organisation das Wollt rebenl, die wir alle jüdisch denkenden Studenten hinter uns haben, wir erklären hiermit: „Alle Hochachtung vor den: Deutschtum und deutscher Kultur! Aber von unseren: Judentum werden lvir zu Gunsten des deutsch-nationalen Gedankens und in Erwartung des Entgegenkommens der arischen (!) Kommilitonen auch nicht ein Titetchen aufgeben." Auf dein Finkentag wurde erklärt, das Judcntun: habe den Willen, im Deutschtum aufzugeben. Nun denn: Wille gegen Wille. Und der Wille zum Leben wird mächtiger fein als der Wille zum Untergang." — Wenn das die „Blüte" des jüdischen Nachwuchses erklärt, so wird man sich danach richten und die in den vorstehenden Worten _ enthaltene Kampfansage beachten müssen. CharakterWsch^ist, daß auch die jüdischen Studenten! ebenso ivie die Sozialdemokraten in dem „Agrarickrtum" die bete noire erblicken, die vornehmlich zu „vernichten" sei. Der agrarische Damm muß doch für alle antinationalen Bestrebungen immer das allerstärkste Hindernis bilden." Das ist ein neuerliches Dokument für die absolute V e r st ä n d n i slosigkeit der regierenden konservativen Kreise für die jüdisch-nationale Bewegung. Marschau. Dr. Lawiagin teilt in dem offiziellen „Warschawski Dnjclvnik" die traurige Tatsache mit, daß unter den Juden Warschaus der Hungertyphus immer weiter um sich greift. Anfangs nur an der Peripherie der Stadt auftauchend, dringt er immer mehr nach dem Zentrum vor und fordert namentlich unter der änneren jüdischen Bevölkerung zahlreiche Opfer. Schon im Jahre 1900 gab cs in Warschau 99 .Hungertyphuskranke, darunter nicht wemger als 72 Juden. Im folgenden Jahre stieg die Zahl auf 243, davon 143 Juden. Ein Erfolg des Herrn Stnrdza: die Anlecho gescheitert! Herr Deiuoter Sturdza hat endlich einen Erfolg errungen, freilich nicht in Rumänien, wo ihn nicht nur die Juden verwünschen, sondern im Baterlaudie. Freilich nicht in unserem Batlerlande, das hat an Koerber genug, sondern nur im Vaterlande mit Anführungszeichen.' Das Wiener „Vaterland" enthusiasmiert sich für Sturdza; es bringt ein Interview mit ihm: R u m ä n i e n s n ä ch st e Z u k u n f t. Im ersten Teile: gesteht Sturdza unter allerlei Verbrämungen ein, daß die 175 Millioncn-Anleihc gescheitert ist. Das i st d i e S i t uati o n. Sturdza mag pathetisch erklären: Wenn uns einige B a n - k i e r s i in A u s l a n d e dro h e n , da ß sie de n r u m ä n i s ch e n S t a a t s k r e d i t boykottie - r e n w erden, so a n t w o r t e i ch i h n e n : „Rumänien braucht kein Geld; für das, was notwendig ist, besitzen wir Geld genug; und das, was wir haben, wollen wir mit großer Vorsicht gebrauchen." — so glaubt ihn: das niemand, und jeder Kenner der Verhältnisse weiß, daß den: Fuchs die Trauben zu sauer sind. Wie lächerlich klingt es, wenn er versichert, „daß er an die Tür keines Bankiers im Auslande zu pochen gedenkt"; denn er vergaß hinzuzufügm, daß seine Abgesandten überall verschlossene Türen finden! Sich einschränken, sparen will Stnrdza, man sieht, er ist an: Ende seiner Weisheit. Ein Rmnäne und sparen, das kann in ganz Europa nur Heiterkeit erregen. Er mag getrost auf den König als Muster Hinweisen; der hat allerdings zu sparen verstanden und seine Millionen sicher in derBank vonEngland angelegt; aber der König von Runüinien ist ja auch ein F r e n: d e r. Nach diesen: heroischen Anlauf klingt die Fortsetzung ziemlich matt. _ Herr Sturdza verlegt sich aufs Ableugnen, getreu den: Grundsätze: Si feeilli, nega. Nach den Schilderungen dieses Herrn ist die Lage der Juden in Rumänien die rosigste, die sich denken läßt. Jnsbesonders Demeter Sturdza ist der väterlichste Freund der Israeliten, znnial derjenigen, die ihn: Geld borgen, wie z. B. des Herrn Plank von: Bankhause Plant u. Marmarosch. Wir raten den: Herrn Plank, seine Taschen zuzuknöpfen, denn wenn Demeter jemanden lobt, so bedeutet dies, daß er ihn anznpumpen gedenkt. „Die Israeliten" sollen! e i n z e l n naturalisiert werden"; dank dieser Methode sind von 800 000 Inden glücklich ein Dutzend der reichsten für die Verdienste, die der rmnänische Staat ihnen schuldet, rumänische Bürger geworden und diese Auserlesenen — man höre und staune — n u r f ü^r ihre Person, ohne dieses erhabene rmnänische Staatsbürgerrecht auf ihre Kinder vererben zu können. Der liebe Sturdza meint entschuldigend, „die Kammer ermüdet leicht, wenn zehn Ballotagen auf der Tagesordnung stehen und wird beschlußunfähig." Das heißt aus dem romanischen Lügenstil ins Deutsche übersetzt: die Kannner funktioniert anstandslos, so lange neun Griechen/Bulgaren oder Arinenier zu naturalisieren sind; s o b a l d d a n n als Zehnter e i n I u de an di e R e i h e ko m n: t, ermüdet sie plötzlich und wird beschlußunfähig. Sturdza findet den Artikel 7 des rumänischen Staatsgrundgesetzes, deinzufolge Fren:de keinen Grundbesitz erworben dürfen, notwendig, damit die Bauern nicht Heloten der Fremden werden. Wir finden ihn bei aller Achtung vor dem Prinzip überflüssig. Denn die Bauern sind schon heut e H e l o t c n d e r F r e m d e n n a ch A r t des Deineter. Zum Schlüsse versichert Sturdza, daß das Handwerkergesetz nicht gegen die „jüdischen Schutzbefohlenen" gerichtet sei. Er ilt ganz gekränkt, daß inan seinen loyalen (er sollte sagen: lojolen) Versicherung nicht traut. W i r e r k l ä r e n i h n: g a n> z o f f e n, R u n: ä n i e n hat sei t d e m B e r,t i n e r Bert r> a g e s y st e - :n a t i s ch alle seine V e r p f l i ch t u n gen g e - b r o ch e n und das Vertrauen Europas verloren. So lange Rmnänien nicht das jüdische V o l k a l s Ganzes emanzipiert, wird es in Rumänien nicht Ruhe geben.- Dem lieben Demeter geben wir aber den Rat, daß er sich über die niißlungene Anleihe nicht zu sehr ärgern solle, sonst wird ihm die Karlsbader „Kur" nicht viel nützen:. Da ihn: das „Vaterland" so grün ist, so ist ja Hoffnung, daß ihm die katholischen Fürsten, Bischöfe und Fürsterzbischöfe das Geld, das er eigentlich gar nicht braucht, leihen werden. Jüdische Künstler. „Tolstoi im Kreise seiner Familie" betitelt sich ein Gemälde des russisch-jüdischen Malers Leonid Pasternak. das vom Alexandermuseum in Petersburg erworben wurde. Der Schöpfer des Bildes ist Professor mp der Kunstschule in Moskau und war in München ein Schüler Pilotys. Samarkand. Hier wohnen 250 jüdische Familien, von denen 15(- alteingesessene aus Buchara stammen, der Rest, welcher ans Kanfleuren 1. Gilde, Handwerkern und sonstigen Privilegierten besteht, seit der russischen Herrschaft eingewandert ist. Bombay. Nach der letzten Volkszählung wohnen im gesamten Indien 15 848 Juden, davon über 11 000 in der Präsidentschaft Bombay. In Aden ist die Zahl unserer Glaubensgenossen ivährend der letzten zwanzig Jahre von 2121 ans 3059 gestiegen. London. Als Nachfolger Professor Schechtcrs ist Nev. Dr. Herrn. Gollanez zum Lektor des Hebräischen an der UniversiE Eambridge ernannt worden. Frankfurt a. M. Der p a l ä ft i u e u s: s ch e Hilf s v e r e i u „L cinctn n Z i o n" hot auch im abgelaufenen Jahre, dem vierzehuteu seines Bestehens, in ausgedehntem Uiufonge Hilfe und Untersuchung gewährt, manche Existenz aufrecht erhalten, manches Leben gerettet. Einen großen Theil seiner Mittel nahm abermals die Fürsorge für ariue kranke Handwerker und Gewerbetreibende in Anspruch. Die Gesamtausgaben für diesen.' Zweig der Tätigkeit, für die Sprechstunden des Vereiusarztes Dr. Krischewsky, für Besuche der Aerzte Friedmann, Löwenianner und Nagurny, für Klinik und Apotheke in I e r usalem betrugen 8600 Frcs. (gegen 7600 Frcs. im Vorjahre). Für ärztliche Hilfe in Safed wurden 260 Mark, für bei: Arzt in Hebron 116 Mark bewilligt, nach Jericho und R a m l e h gratis Arznei gesandt. In den Sprechstunden wurden 19 461 Kranke behandelt, Gratisbesuche sind \ 648 gemacht worden. Der arabische Unterricht tu Jerusalem und Hebron usw., die Abendschule und der Lehrlingsnnterricht erforderten 1668 Frcs., der Lehrer und Schächter, das Bad und die Synagoge in Ra ml eh 1010 Frcs. An Darlehen wurden in Jerusalem 968 Frcs., an Unterstützungen 881 Frcs., an Lehrgeldern für 88 Lehrlinge 910 Frcs. anfgewandt. Tie Gesammtansgaben beliefen sich auf 17421,70 Mk., denen Einnahmen in Höhe von 26 499 Mk. gegenüberstehen. Unter letzteren figurieren, neben den Jahresbeiträgen von 4407,26 Mk., Geschenke im Gesamtbeträge von 20 125,82 Mk., davon 10 000 Mark seitens brr Hinterbliebenen des Freiherr,: Wilheln: Carl von Rothschild, 1600 Mk. von Herrn Jacob H. Schiff in New-Dork ustv. Der Bericht gedenkt sodann des vor Kurzen: heiingegangenei: Henri: Dr. Th. Klein in Paris. Die Juden in .Kanada. In Montreal wurde vor kurzer Zeit der Rabbiner der dortigen Jndengemeinde. Nev. Jsak Landmann, auf mehrere Jahre wiedergelvählt. Das ii: Montreal erscheinende französische Blatt „ L n P a t r i e " äußert sich atis diesem Anlasse über die jüoische Kolonie in Kanada. Ivie folgt: „Mit offenen Armen heißen wir alle willkommen, wenn sie die Absicht haben, gute Bürger zti. sein, tinsere Gesetze zu befolgen tiud unsere Einrichtungen zu respektieren. Die Bedeutung der jüdischen Kolonie in Montreal limchst von Tag zll Tag; sie umfaßt Tausende von Bürgern, i n d e. r e n Besitz s i ch jedes Land gl ü ck l i ch s ch ä tz e n k ö n n t e. Kanada ist ein Land dev Freiheit, des gleichen Rechts für Alle." Die Gründung eines orthodoxe»: Nabbinerseminars ist jedenfalls das hervorragendste Ereignis innerhalb des amerikanischen Jndenthums in der letzten Zeit. Für die Orientierung europäischer Leser sei das Folgende bemerkt, schreibt die „Deborah": Als eine im November 1885 zu Pittsburg nbgehältene Nabblnerversammlung ein freisinniges Programm auf stellte , vereinigten sich einige conservative Rabbiner, um eine Pflanzstätte für orthodoxe Rabbiner z» schaffen. Dieselbe führte bis jetzt ein künnnerliches Daseil», da die voll Jsaac M. Wise 1875 geschaffene Schule in Cincinnati reichlicher fundiert, viel besser unterstützt linb im ganzen Lande populär ivar.nlld ihre Zöglinge zu bei: hervorragendsten Stellen des Landes berufen wurden. Nach Wises Tode, 26. März 1900, liiaebte sieb eine Belvegniig geltend, welche das Hebrew Union