Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 23 (6.6.1902)
- Date
- 1902-06-06
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Jüdisches Volksblatt 6. Juni 1902 Seite 7 Wien, Freitag Jpiemit war der Bediente einverstanden. Während der Schäme-? abwesend war, suchte die Schamestin den Wnjt ans ihre Weise zu unterhalten. Sie glaubte dies sehr gut zu leisten, indem sie ihm allerlei neugierige Fragen stellte, ivie znm Beispiel, vb das gnädige Fränle eine Witwe sei, und lver ihr Mann gelvescn, ob sie vielleicht von Inden abstammc, ob sie als Christin geboren oder vielleicht gar getauft sei, weil sie auf einen jüdischen Friedhof gehen lvill, ob sie auch in die Schul gehen werde und mehr dergleichen Fragen, über welche der Bediente lachen musste, iveil er sie für verrückt und widersinnig hielt. Mit Ungeduld erwartete er die Rückkehr des Schames, welcher endlich gute Botschaft brachte. „Der Rabbiner hat gesagt, es darf sein," berichtete der Schames, als er in die Stube trat. „Dann lautet mein Auftrag weiter, zu ivelcher Zeit cs geschehen kaiin und wer das gnädige Fräulein führen wird?" „Muss man sie denn führen?" fragte der Schames. „Ah, Du verstehst ihn nicht," erklärte die Schamcstin, „meint er denn führen an der Hand, ivie man einen „Krumpen" führt?" „Ah so," sagte der Schames, „ich bin der Führer, wer soll cs denn anders sein, als ich; ich bin ja der Shnagogendicnec, und fein kann cS zu jeder beliebigen Zeit, mcintstvegen „tekef" — —" „Gleich jetzt," verbesserte die Schamcstin. Der Bediente übcrbrachte seiner Herrin das günstige Resultat der schwierigen Sendung. Kurze Zeit darauf lvurde der Schames von dein Bedienten wieder abgeholt und in den Meierhof geführt, und nun gieng die Besitzerin des Mcierhofcs, begleitet von ihrem Bedienten und geführt von dem Schames, welcher den Weg zeigte, nach dem jüdischen Gottesacker. Als sie daselbst anlangten, sperrte der Schankes ein kleines Pförtehen auf. Sie traten ein und er schloss von innen das Pförichen trieder zu. Die edle Frauengestalt lies; nun den Blick über den weiten Friedhof schweifen, dann tvendete sie sich au den Schames und fragte: „Kann er, mein Freund, mir Einiges erklären?" Ec führte sic irr das kleine Häuschen, welches das Aussehen einer Wagcnremise hatte und dem Pförtehen, durch welches sie eingetreten waren, zunächst lag. „Dieses ist das „Hazurtomim-Häusel" sagte der Schames. „Was versteht man darunter?" fragte das Fräulein. „Hier wird das „Mess" niedergelcgt und . . . ." „Mess" — das ist wohl die Leiche?" „Ja, die Leiche," fuhr er fort, „man spricht für den Todten ein Gebet in hebräischer Sprache, welches anfängt mit den Worten: „Hazur tomim pooloi-" „Was heißt das?" „Auf deutsch, meinen Sie? — Auf deutsch heißt es: Der Schöpfer, vollständig ist sein Werk!" „Also von diesem Gebete hat das Häuschen den Namen?" fragte das Fräulein. „Ja," erwiderte der Schanres, „und wenn der Tobte ein frommer Mann geweseir ist, oder wohlthätig, oder ein Lam . . . . eb . . . . Gelehrt — oder sonst ein berühmter Mann, so sagt der Rabbiner über ihn." „Ich verstehe schon," sagte das Fräulein, „der Rabbiner hält dann eine Leichenrede." „Nichtig, und das hier heißt wem die „Miteh", erklärte der Schames weiter. „Das ist die Bahre," sagte das Fräuleikk, „das nennt man also „Miteh"; sind hier viele berühmte Männer begraben?" „Ich habe gehört," erwiderte der Schames, „dass Euer Gnaden in Prag den jüdischen „guten Ort" besucht haben. Dort liegt der hohe Rabbi Lob, der den „Goilem" gemacht hat und noch viele andere berühmte Männer-" (Fortsetzung folgt.) Miiiheilungen des Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis. Oer Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien, II.. Taborstrasse 59 (Tp I p p h o n Nr. 13.920) bietet den P. T. Arbeitgebern seine kostenfreien Dienste an. 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Klasse: liautmännisobe Angestellte. 4 Bramrtwciuverschleißer, 21 Buchhalter rmd Correspondenten, 119 Commis diverser Brauchen, 62 Comptoiristen unb Strazzisten, 6 Jncassanten, 9 Kanzlisten und Schreiber, 4 Manipulanten und Expedienten, 6 Platz-Agenten und -Vertreter, 10 Reisende. Weibliche Abtheilung. 2 Bedienerinnen, 7 Bonnen, 30 Eomptoiristinnen und Kanzkistinnen, 7 Expedieiltiiknen und Maikipulantinnen, 3 Praktikantinnen, 22 Verkäuferinnen, Verschleißerinnen, 3 Wärterinnen, 10 Wirtschafterinneir rnld Stützeik der Hausfrau. NI. Klasse: Geistige Arbeit. 20 Hauslehrer und Hofmeister (meistens Hochschüler, welche Ghmnasiastei! und Realschüler unterrichten), 4 Lehrerinnen und Erzieherinllen. Offene Stellen Gesucht werden von männlichem Personal: 1 Stauzenmacher, 1 Hausbesorger (Anstreicher, kinderlos). Von weiblichem Personal: Schneiderinnen, Seidenstickerinnen, Correspondentin (Remington- Schreiberin), Corespondentinnen (Böhmisch, Ungarisch, Italienisch). Bestand seit 1871! 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