Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 15 (11.4.1902)
- Date
- 1902-04-11
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 11. April 1902 Seite 7 eine Schwester des verstorbenen Baron Hirsch ist (Gutsbesitzer Taikowitz), lies; sich sammt seiner Fran, ebenfalls chic geborene Goldschmied ans Wien, taufen, trotz des jüdischen Geldes, das er vor seiner Taufe von Baron Hirsch, und trotz des Gutes, das er von seinem Ontcl, dem bekannten Wohlthäter Ritter von Schnapper, geerbt hat, und ist jetzt ein strammer Antisemit, trotzdem er, tute ermähnt, der Liebling des Herrn v. Dormitzer, des Präses der Prager ^Gemeinde ist. Wenn also tu diesen Kreisen das Jndenthum so mit Füszcn getreten wird, >vas soll also der arme Dorfjnde thnn, der von lauter Judenhass umgeben» leben muss und durch solches Vorgehen höher stehender Inden dem gemeinen Lnndvolke gleichsam eine Ancifernng gegeben wird, denn sie sagen: Wenn sich ein Millionär und Reffe eines Baron Hirsch taufen lässt, sein Onkel, ebenfalls ein Millionär, dieses gntheisst und derselbe, obzwar Jude, trotzdent die Inden öffentlich verachtet, so ist es klar, dass das Jndenthum verfolgt lverden muss. Ich bitte, -diese Zeilen nach Fhrem Gntdünken zu veröffentlichen, vielleicht dürfte einer oder der andere dieses zur Kenntnis nehmen. Im vorhinein besten Dank, zeichne N. 9f.*) *) Der Alaine ist der Redaction bekannt. Der Schlüssel. Erzählung von Eduard K u l k e. (Fortsetzung.) Wenn Gott ein „Aressed" (Gnade) uitd ein „Netz" (Wunder) thnn wollt, und möcht machen, dass der „Posche" eine mitze meschüne" (einen plötzlichen Tod) einnehmen möcht, das wär eine Hilfe. Schad ivär so nit für ihn, int Conträr cs wäc ein „Masel" (Glück) für die Näsele und besonders für mich. Ich soll kein „Newereh" (Sünde) reden, ich halt es für eilte „Mizweh" (Gebot), etttett solchett Menschen, der die Welt nur verderben thut, stat auf die Seit zu schaffett. Die Zeiten, ivo man eilten solchett Menschen in „Cherem" (Baitit) gelegt hat, dass er ist, „metvueh" (verachtet) gewesen bei alleit, siitd leider Gottes vorbei; hentzntag müsst man sich von solchen Menschen auf eilte andere Art „Memtcheh" (Ruhe) schaffeit. Ich tvill mein Maul nit anfinacheit, denn das Blatt dom Bannt hat Ohren und hört und kann einen verrathcit, aber soll ich leben und gesund sein, und Ivenn es nit wahr is, tvill ich mt erleben zu sterben, tute ich das Herz hätt, an dein „Schegcz" (schensol) „mekadesch haschem" zu sein (GotteS Namett zu verherrlichen)." Es war bereits dunkel, als Bärl Lederer unter diesen düsteren Betrachtungen auf die Thürklinke drückte uitd in seine Stube trat. Wie staunte er aber, als er hier nttstatt seiner Tochter Näsele niemand anders als roth Chanele antraf. „Was ivillst Du schon wieder. Du „Parch" (Schäbige)?" schrie Bärl Lederer, „ivillst Du mir schon lviedcr eilte Plekgc" (Ohrenblüserci) bringen?" „O tvch," sagte roth roth Chanele, „fresst mich nur nicht auf, Reb Bär, tver nichts tvill sehen, kamt bliitd werden. Ich komm ja nicht zu Ihnen, ich kotnm ttur ztt Ihrem Nachtmahl." „Hab ich efkcher den „Sartver" (Diener) nach Dir geschickt?" „Was braucht Ihr den „Sartver" nach mir zu schicken, weint mir Näsele selbst sagt, dass ich hergehn soll?" „Ich versteh Dich nit uitd ich versteh Näsele nit; mach ich denn heut eine Sude" (Mahlzeit)?" „Ah," sagte die Magd lachend, „Ihr meint, ich bin eingeladen, mit Euch ztt essen? — Kochen soll ich für Euch, weil Nösele leine Zeit hat." „W'eil Nösele keine Zeit hat?" wiederholte Bärl Lederer fragend. „Was hat sie denn ztt thnn?" „Sie ist doch bei Jittel," sagte roth Chanele. - „Was heitzt, sie ist bei Jittel?" fragte Bärl Lederer mit einem sehr verdutzten Gesicht. „Jittel hat daS „Gedoches" (Fieber) bekommen, tind Nösele thut sie abtvarten," erzählte roth Chanele. „Das heitzt auch eilte verkehrte Welt. Kann Nösele nit daheim kommen uitd Dtt bei Jittel bleiben?" „Warum nicht." sagte roth Chanele, „tveitit mich aber "Nösele „betsen" (bitten) thtit, ich soll herübergehen?" „Nn, jetzt siehst Du," sagte Bärl Lederer, lute von einem plötzlichen Gedanken erleuchtet, „tvas Du für eilt bös Maul hast. Wenn Nösele bei Jittel ist, warum hast Dtt gesagt, sie ist bei Neb Sawel?" „Ich meiit," sagte roth Chanele, „es kann eines so gut sein, wie das andere. Wenn man bei Neb Satvel von dem Doetor hört, dass die laitge Jittel krank ist, dann lässt matt Neb Satvel stehn und liegen!und geht zu lang Jittel." „Non dem Doetor hört?" sagte Bärl Lederer, „uttd der kommt auch ztt lang Jittel?" „Wer soll denn kommen?" fragte roth Chanele, „soll ich ihr Medicin verschreiben?" „Neun Millionen, Milliassen, Neuntnusend, nennhnndertundnennnndtteuttzig „KrieS" (Trauerzcichen) soll man ttach alle „Meschemodem" (Abtrümtige) tragen!" schrie Bärl Lederer in heftigster Leidenschaft und stürzte fort, roth Chanele mit ihrem Eifer, das Nachtmahl ztt besorgen, allein ztirücklasseitd. „Gar keine Bildung nicht," sagte roth Chanele, nachdem sie sich vott der Ueberraschung eilt wenig erholt hatte. _ „Wie schickt sich mit „Kries" (Trauerzeicheit) zu schelten? lind heisst das daher „geratz" (gerechitet); in die Millionen und in die Milliassen hinein, da tttüsst einer sich für alle „Oberdedes" (llrgrotzväter) und „Obcrbabes" (Urgrotzmütter) von der ganzeit Khille und für alle Geschwisterkinder und Vettern und Muhmen „Kries" schneiden tmd da hätt' er auch noch nicht genug; er müsst' sich für den Vetters Fuhrmanns Beitsch Knall atich noch eine „Krie" schneiden. Das Hab' ich in mein' Leben nicht gehört, tvas das für ein wilder Mensch ist. Und was hat ihit nur so in „Noiges" (Zorn) gebracht? Ich weitz mir das gar tticht zu erklären. Jetzt weis; ich nicht, soll ich ja kocheit, soll ich tticht kochen? Eilte schwere Wirtschaft daS. Soll ich leben, ich bin Nösele nicht „mekaneh" (neitufO, die machet auch besser, wenn sie trachten möcht, bald unter die Hanb' zu kommen, dass sie beit da „pvter" (los) tvird. Ich tveitz gar nicht, wie sie es mit ihm aushnlten kann. (Fortsetzung folgt.) Stimmen aus dem Undlieum. ' Die Möbelindustrie hat in jüitgstcr Zeit, um dem verfeinertet!, geradezu raffinierten Geschmack des Publicums Rechnung tragen zu können, die grössten Anstrengungen machen müssen, i Thatsächlich ücbrbicten sich die Möbelfabrikanten in der Herstellung von modernen und modernsten Möbelgegenständen. Dass, hierbei der wirklich feine Geschmack nicht immer auf seine Nechnung ‘ kommt, ist nicht ztt vertvundern. Und so sieht man Kauflustige oft von einem Etablissement zum andern wandern, ohne sich in dem grotzen Chaos von marktschreierischer Secession und Geschinacklosigkeit znrechtzufinden. Als einen treuen Wegweiser auf dem Gebiete des feinen Geschmackes iit Möbeln aller Art müssen tvir daher das reich illustrierte Albuin des Möbelhauses I a e q u e s H e i tz, 9. Bez., Porzellangassc 20, begrützen. Man findet hier tvirklich moderne, discret ausgeführte Gegenstände, bei denen das Moderne nicht auf Kosten der Dauerhaftigkeit hervorgekehrt tvird. Ein Besuch in diesem Etablissentent, auf dessen Inserat tvir hier besonders aufmerksam machen, tvird sich stets als lohnend erweisen. Gute, billige Möbel sind jetzt in der Zeit der Vcrlicbnngen, Verlobungen und Verbindungen ein gesuchter Artikel. Das reichassortierte Möbcllager von,Hermann Hoffmann, 2. Bez., Stefaniestratze 13, bietet allen Möbelbedürftigen die reichste, gediegenste Auswahl. Man versäume es nicht, bei Bedarf dasselbe zu besichtigen. Briefkasten. H. K., Stanislnu. Wir bitten um Geduld. M. S., Seidlgasse. Bestätigett den Empfang des Mannscriptes. Wir werden Ihrem Wunsche entsprechen. Tr. E. F. W. Wird demnächst erscheinen. Reichhaltiges Xager von in Grabmonumenten Granit, Sienyt, Porphyr, Marmor und Sandstein. friedländer I leutsch MR oOovPQöb ^oo^oqa sfijw&sas u OOM-iO ooo ’oOOO 'o9oqp o°g§& M. EI AE Ei ^sthreinerL KneippnälzMflee Keine Hausfrau säume länger, dies gesunde u. schmackhafte Kaffee getränk einzuführen. Aipton)iel-lel- DyAeyieop (Ohbrn1k6r) ausgcbildet in der Erzaufbereitung, Quecksilber- Production und Hochofenbetrieb, niit mehr jähriger Praxis in 6inem der grössten Werke des Continents, mit Kenntnis der französischen und zweier slavischen Sprachen, sucht sobald als möglich Anstellung. Anträge sind zu richten an die Redaction dieses Blattes unter der Chiffre „L. P. 16.“ nc3 bw *va’3 Erste Nikolsburger rtLQ bttf ZUCKERBÄCKEREI. Die ergebenst Gefertigte beehrt sich hiermit, dem P. T. 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