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Jüdisches Volksblatt · 1902-03-21 · 12 (21.3.1902) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1902)
Issue
12 (21.3.1902)
Date
1902-03-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Kr. 12 Wien, Freitag Jüdische« Tolksbl&tt 21. März 1902 Seite 7 „D«malS", setzte JJUJtl« fort, „baden Sie sich auch dit Haridlun-Swtife der beiden Kinder ausgesprochen, und ich erinnere mich genau an Ihre Worte, wie wenn eS gestern geschehen wäre. „Man muss", haben sie gesagt, „seine Handlungen so einrichten, dusS die Menschen nichtdaran auSzusetzen haben. In- Herhinein sehen können einem die Menschen nicht, daS kann nur Gott allein, dawaS der Mensch aber thut, daS steht jedermann, und nur darnach wird man beurtheilt. Wie Sie das gesagt haben, war «S mir, als ob Sie mir hätten einen Stich ins Herz ««geben, ich wär' gern' aufgefianden und hält' Ihnen widersrochen, ich hält' Ihnen damals gern gesagt, wenn man nur bet sich selber weiß, dasman recht gehandelt hat, so ist das mehr als wenn dir Menschen dies nur glauben, weil man ihnen zu Gefallen lebt; aber ich Hab' enicht gewagt, ich war ja noch ein Kind, wie hätt' ich mir das erlauben sollen, dem Lehrer zuwiderzureden. Aber nun erklären Sie mir, seit wann Sie Ihre frühere Ansicht aufgegeben und was Sie dazu bewogen hat? Denn ohne Grund wird daS nicht geschehen sein, das setze ich bei Ihnen voraus." „Bei meinem Leben, Sie haben ein Gedächtnis, Fräulein Rösele," sagte Reb Sawel, „wie — kurz, ich kenn' nur einen, der ein solches „Likören" (Gedächtnis) hat. Aber waS Sie mich da fragen, das ist eine lange Geschichte, liebes Kind, und lässt sich mit kurzen Worten nicht erzählen. Aber um Ihnen doch irgend eine halbwegs zufriedenstellende Antwort zu geben, sag' ich Ihnen nur, dass ich diese neue Ansicht vom Doctor gelernt habe." „Halbwegs zufriedenstellend?" rief Rösele in freudigster Begeisterung. „Sie haben mich ja viel mehr als ganz zufriedengestellt. Also das ist seine Ansicht, das habe ich mir aber auch gedacht, dass er darin nicht anders denken kann; aber wieso haben Sie sie angenommen? Das müssen Sie mir doch noch erzählen." „Wenn man einen Menschen so genau kennt, wie ich Felix kenne, wenn man weiß, was das für eine „Naschoweh toiweh" (gute Seele) ist, wenn man sein Herz so vor sich aufgeschlagen hat, wie ein „Sepher" (Buch), aus dem man herauslernen kann, was drinnen geschrieben steht, und hört dann, wie die Leut' von ihm reden, weil er sich manches erlaubt, was sie sich nicht erlauben, dann muss man sich doch die Frage stellen, wer ist hier im Recht: Ist er es oder sind sie es? Ist die Handlung, die äußere That, die Ausübung einer „Mizweh" (Gebot) die Hauptsache ohne Rücksicht auf die Gesinnung, oder ist es die Gesinnung selbst, aus die alles ankommt." „Sie billigen also die Lebensweise des Doetors," sagte Rösele. „Ich entschuldige sie," antwortete der Lehrer. „Entschuldigen sie bloß?" sagte das Mädchen weiter, und ihr Gesicht nahm dabei einen schmerzlichen Ausdruck an, „dann halten Sie sie innerlich doch für unrecht! und die Leute, die gegen ihn reden, wären somit im Recht?" „Die Leute sind dabei jedenfalls im Unrecht," erwiderte der Lehrer, „und wenn ich mit dieser Meinung jemand verletze, der Ihnen, Fräulein Rösele, sehr nahe steht, so nehmen Sie mir's nicht übel." Bei diesen Worten wischte sich das Mädchen zwei große Thränen aus den Augen, die eben herunterzufallen das Bestreben hatten. Der Lehrer, der dies bemerkte, ergriff mitleidig Ihre Hand und sprach: „Beruhigen Sie sich, liebes Kind, und bedenken Sie. dass jeder eigentlich handelt, wie er muss. (Fortsetzung folgt.) Stimmen ans dem Publicum. Die Möbelindustrie hat in jüngster Zeit, um dem verfeinerten, geradezu raffinierten Geschmack des Publicums Rechnung tragen zu können, die größten Anstrengungen machen müssen. Thatsächlich überbieten sich die Möbelfabrikanten in der Herstellung von modernen und modernsten Möbelgegenständen Dass hierbei der wirklich feine Geschmack nicht immer auf seine Rechnung kommt, ist nicht zu verwundern. Und so sieht man Kauflustige oft von einem Etablissement zum andern wandern, ohne sich m dem großen Chaos von marktschreierischer Secession und Ge> schmacklosigkeit zurechtzufinden. Als einen treuen Wegweiser auf dem Gebiete des seinen Geschmackes in Möbeln aller Art müssen wir daher das reich illustrierte Album deL Möbelhauses Jacques Heiß, 9. Bez., Porzellangasse 20, begrüßen. Man findet hier wirklich moderne, discret ausgeführte Gegenstände, bei denen das Moderne nicht auf Kosten der Dauerhaftigkeit hervorgekehrt wird. Ein Besuch in diesem Etablissement, auf dessen Inserat wir hier besonders aufmerksam machen, wird sich stets als lohnend erweisen. Gute, billige Möbel sind jetzt in der Zeit der Berliebungen, Verlobungen und Verbindungen ein gesuchter Artikel. Das reichassortierte Möbellager von Hermann Hoffmann, 2. Bez., Stefaniestraße 13, bietet allen Möbelbedürstigen die reichste, gediegenste Auswahl. Man versäume es nicht, bei Bedarf dasselbe zu besichtigen. Mittheiluiigen des Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis. Der Verein fflr unentgeltliehen Arbeitsnachweis, Wien, II., Tabsr- Itrasse 59 (Telephon Nr. 13.920.) bietet den P. T. Arbeitgebern seine kostenfreien Dienste an. Brieflicher oder telephonischer Auftrag genügt, um männliche und weibliche qualificierte Arbeitskräfte, sowie Hilfsarbeiter, ferner kaufmännische Angestellte und Lehrkräfte beiderlei Geschlechtes zugewiesen zu erhalten. Am 15. März 1902 standen in Vormerkung: I. Classs: Manuelle Arbeiter. 9 Anstreicher. — 1 Aufpapper. — 4 Bäcker. — 1 Buchbinder. — 2 Buchdrucker. — 1 Destillateur. — 7 Drechsler. — 1 Elektromonteur. — 1 Fleischhauer. — 4 Friseure. — 6 Glaser. — 14 Goldarbeiter. — 1 Gürtler. — 33 Haus- knechte, Geschäfts- und Bureaudiener. — 41 Hilfsarbeiter. J — 2 Holzbildhauer. — 2 Hutmacher. — 2 Kellerarbeiter.! — 9 Kellner und Marqueure. — 1 Kürschner. — 8 Kutscher. — 4 Laufburschen. — 12 Lehrlinge. — 1 Lithograph. — 7 Magazineure. — 4 Maschinisten und Heizer. — j 9 Mechaniker. — 5 Metalldreher. — 10 Monteure. — 3 Photographen — 33 Schlosser. — 1 Schmied. — 10 Schneider. : — 3 Schriftsetzer. — 1 Schuhmacher. — 20 Spengler. —! 15 Tapezierer. — 1 Taschner. — 23 Tischler. — 7 Uhrmacher. — 3 Zeichner. — 6 Zimmermaler. II. Classe: Kaufmännische Angestellte. 6 Brantweinverschleisser. — 17 Buchhalter und Correspondenten. — 63 Commis diverser Branchen. — 19 Comptoiristen und Strazzisten. — 4 Incassanten. — 4 Kanzlisten und Schreiber. — 5 Manipulanten und Expedienten. — 3 Platzagenten und -Vertreter. — 3 Praktikanten. — 2 Reisende. Weibliche Abtheilung. 1 Bedienerin. — 3 Bonnen und Kindergärtnerinnen. — 33 Comptoiristinnen und Kanzlistinnen. — 10 Expedientinnen und Manipulantinnen. — 2 Hilfsarbeiterinnen. — 2 Cassafräuleins. — 2 Pflegerinnen. — 2 Praktikantinnen. 35 Verkäuferinnen. — 4 Verschleisserinnen. — 8 Wirtschafterinnen und Stützen der Hausfrau. III. Classe: Geistige Arbeit. 45 Hauslehrer und Hofmeister (meistens Hochschüler, welche Gymnasial- und Realschüler unterrichten). 6 Lehrerinnen und Erzieherinnen. Das Bureau des Vereines hat seit seiner Eröffnung im November 1899 bis inclusive 15. März 1902 3735 Vermittlungen durchgeführt, und zwar: 1598 Vermittlungen in der I. Classe (manuelle Arbeiter) 926 „ „ „ II. , (Handelsangestellte) 1124 „ „ „ weiblichen Abtheilung 87 „ „ „ UI. Classe (geistige Arbeit). Reichhaltiges JLager von Grabmonumeirten Granit, Sienyt, Porphyr, Marmor und Sandstein. friedländer & leutsch XI., Centralfriedhof. Stadt-Niederlage: I., Seitenstettengasse 2. Gruftbelege, Gitter und Blumenkörbe. Ueberflihrungen, Nachgravierungen und Vergoldungen werden über* nomimm und bestens ausgeführt. ÖBEL J. Spira, ,Erster Wiener Jüdischer Turnverein4 I., Mölkerbastei Nr. 5, nahe der Universität. -SH= Turnstunden für Herren: Montag und Donnerstag '/,8—9 Uhr abends! für Damen: Mittwoch und Samstag 7—'/,9 Uhr abends; Fecht-Section: Dienstag '/,7—l/a9 Uhr abends, Samstag s/46—7 Uhr abends. Athletilc-Section. — Vorturnerturnen. — Geprüfte Lehrer. Eiutrittsgebür 2K; Monatsbeitrag 2 K; für Hoch- und Mittelschüler, Handelsangestellte und Arbeiter die Hälfte. JgJSjF"' Anmeldungan am Turnplätze. 'tM Briefkasten. S. S. in W. Die Vertretung befindet sich bei Herrn Fritz Pohl, 1., Heinrichsgasse. N. H. in R. Sie müssen auf Anempfehlung der Handelskammer beim Obersthofmeisteramt um die Bewilligung ansuchen. .SENSATIONELLE QELEQENHEITSK/WFE! 150 Kt Mein, bloss 48 K kostet die neueste, beste hocharmige Singer Nähmaschine f. Haus u. Gewerbe, starke Bauert, m. Fussbetrieb, Verschlüssle., allen Apparat, u.prakt. Neuerung e n 48K.IU#gschlflf m. Luxusausst.,*- Zugeh. u. Kaetan f. nur76K.Vork.unt, 5 J. Girant, n. geg. bar. Preis-Courante gratis. Gr. Kataloge für Fahrräder-Zubehör gegen 60 h in Marken. Fahrrad-u.NShmaiehlnanfabriks-Nlederlagi M. Rundbakin, Wien IX., Bergg. 3. TaliphonlS.SII. Blesen-Posten bek. Fahrräder ». 160 Kan. Gebrauchte, vorzüglich erhalten! Rider i 86, BO und 100 K. Pneumatic-Laufdocken 8 bla 0 K. Schläuche 6 K. Acetylenlaterne 4 ble 5 K. Fahrraditinder 2 K 60 h. Taleakoppumpen 2 K 60 h. Sattel 4 K. Pedale 6 K. Fuiapumpen4K. Cyklometer 4K., RadfahruhrenSK. F. 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Heinrich Kornmehl, Fleischhauer. Josef Pollak, Firma Pollak & Neuron, Obmann. Alfred Morawitz, Beamter Jacob Reichmann, Buchdrucker. Adolf Rakowski, Kaufmann. Zahnarzt Leon D r u b 1 o w i t z. Salo Klausner, Kaufmann, Obmann-Stellvertreter. Max Pappenheim, leitender Director. Moriz Pozsonyi, Schriftführer. Gottlieb Herrmann. Auszug aus den Statuten des „Creditinstitut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte“ (registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung). Gegenstand und Sitz der Genossenschaft. § 2. Die Genossenschaft hat ihren Sitz in Wien und bezweckt: a) bei ihren Mitgliedern durch Entgegennahme von Einlagen, welche verzinst werden, und den Anspruch auf Gewährung von Darlehen erhöhten Sinn für Sparsamkeit und Capitaisummiung anzuregen: b) den Mitgliedern entsprechende, leicht rückzahlbare Darlehen zur Förderung ihres Erwerbes oder zur Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage zu verschaffen. Qenossenschaftsfonds. § 3. Der Fonds der Genossenschaft wird gebildet: a) aus den von den Mitgliedern zu zahlenden Gescbäftseinlagen b) aus dem Reservefonds c) aus dem von der Direction zu beschaffenden Betriebsfonds. Derselbe kann durch Aufnahme von Spareinlagen beschafft werden; d) aus freiwilligen, nicht rückzahlbaren, einmaligen Beiträgen, welche der Genossenschaft, von welcher Seite immer, zur Verfügung gestellt werden. Personen oder Gesellschaften, welche solche Beiträge leisten, sind nicht Mitglieder der Genossenschaft und besitzen weder Rechte noch Pflichten in derselben. Geachftftsantheile der Mitglieder. § 4. Der Geschäftsantheil jedes Mitgliedes wird auf einen Betrag von 100 Kr. festgesetzt Das Creditinstitut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte, r. G. m. b. H., Wien, II., Leopoldsgasse Nr. 49 übernimmt Spareinlagen zu 37* Percent mit 14tägiger, zu 4 Percent mit monatlicher, zu 41, Percent mit dreimonatlicher Kündigung, bas birectorium. r >; i:: : -i J il : : l: r J ü

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