Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1902)
- Issue
- 8 (21.2.1902)
- Date
- 1902-02-21
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Freitag -Jüdisches Volksblatt 21. Februar F.K>2 Nr. 8 hoffen konnten, eine Zuflucht zu finden, so kann man die Zahl der ruffisehen Juden, die in den letzten neunzehn Jahren ihre Heimat verlassen haben, auf 800 000 schätzen. (Bericht der „Alliance israclite" 1800.) Eins der beliebtesten Vornrtheile der Antisemiten ist der Glaube, dass cs den Inden, die sich seit mehr als tausend Jahren nur mit Handel abgegeben haben, unmöglich sei, Landtvirte zu werden. Die Thatsaehen widersprechen dieser Behauptung. Es gibt in den Gonverneinents Cherson, Iekaterinoslaw, Wilna, Gradno, Kiew usm. (13 Gouvernements) 825 jüdische landwirtschaftliche Colonien. Die Anzahl der Colonisten und jüdischen Arbeiter beträgt 95-830 („Wosehod", Jänner 1807). Zn dieser Zahl muss man nach 6 502 jüdische Arbeiter hinzuzählen, die sich mit Gemüse- und Gartenbau beschäftigen und 10 27-1, die in den Tabakss Dass wir einer solchen Epoche - n.,ugengehen, fühlen wir! bei unseren heutigen .Künstlern. Der u immnden großen Blüte -arbeiten voran die geitialeit Werke L sje> ,,rys und die phanlaj stischen Einfälle Liliens. > Die jüdische Kunst ist die letzte, größte That unseres! nationalen Geistes. In ihr beginnt sich unser Ziel zu offenbaren. Unser Geist wird schöpferisch. Ein Wunder für den Zuschauer, i ein Gluck für tins. ewiger Zeit arbeiten tausende von jüdischen Arbeitern tvährend der Ernte auf den Feldern christlicher Besitzer. Sic verdienen täglich 30—35 Kopeken. Wenn man von jüdischen Laitdtvirten spricht, sagt Leonty Solotveitschik, muss rnan auch die Inden in Kankasien erwähnen, deren Existenz wenigen bekannt sein mag. Ihre Anzahl beträgt nach v. Eckert 30—40 000 oder nach den Angaben Aniximows 21 000. -sie beschäftigen sich hauptsächlich rnit der Laudwittschaft, der Waffcnfabrieation, dem Gartenbatl und der^ Anlage von Weinbergen und Tabakspflanzungen. (Unter diesen Juden existiert noch die Vielweiberei. Sie sind lvcgen ihrer Gastfreundschaft betannr.) Kurz, es ist klar, dass die Inden die Landtvirtschaft nicht verschmähen, dass sogar der Minister der Domainen von den jüdischen Landwirten in Sibirien sagen konnte, dass überall, wo sie sich als Landwirte einrichtcn konnten, sie es gethan haben, und zwar mit Erfolg. Fügen wir noch hinzu, dass das landwirtschaftliche Werk der Alliance eine ziemlich bedeutende Ausdehnung annimmt, was genügend beweist, dass die Juden der Boden.-n'b.Kk eben io lvenig Widerwillen entgegcnbringen wie jeder anderen?) *) Um Qenau zu sein, fuhren wir nach den landwirtschaftlichen Schulen in Jaffa und Djedeida. Die erste zählt augenblicklich 200 Schüler und die letztere mehr als 130. Augenscheinlich ist das wenig genug in Anbetracht dessen, was noch gethan werden muss. . Wenn wir diese Beispiele anführen, wollen wir beweisen, dass die Juden den Abscheu vor der landwirtschaftlichen Arbeit, den man ihnen zuschreibt, nicht haben. Im Monat -Oktober 1807 richtete eine große Menge jüdischer Handwerker eine Petition an die Königin Victoria, worin sie die Erlaubnis erbaten, auf der Insel Eypern eine landwirtschaftliche Eolonie gründen zu dürfen. (Fortsetzung folgt.) Jüdische Kunst. Von Dr. Theodor Zlocisti (Aus dem „Roczuik zydowki" übersetzt von Moses Horowitz.) Bekannt und viel citcert ist der Satz: „Die Griechen sind das Volk der Kunst, die Juden das der Religion." Dies ist eine künstliche Vergleichung, seichte Construction von der Zeit, als man noch nicht die historischen Ereignisse genetisch behandelt hat. Man vergaß, dass Poesie und Musik die wesentlichsten, vielleicht wichtigsten Theile der Kunst sind. Die Bibel ist nicht nur ein Buch, mit dem sich dir philologischen Kritikaster abgeben, auch nicht nur ein Lehrbuch für Ethik oder eine Sammlung socialer Gesetze, sondern in erster Reihe ein Kunstwerk, in dem in höchster Vollkommenheit und Reichhaltigkeit alle Theile der Kunst vertreten sind. Bildhauerei und Malerei, Poesie und Musik sind nur verschiedene Sprachen, mit denen die Knust sich bedient. Diese Formen stammen von einer Quelle, die auf Grund unerforschter Ursachen uns einmal so und das anderem«! anders erscheinen. Dieselbe Erscheinung sehen wir in. der Natur. Elellricuät, Licht und Wärme sind nur formelle Erscheinungen des ungesehenen Wechsels der ätherischen Atome. Elektricücll kann Licht, Licht Wärme schaffen. Im Augenblicke, wenn der unbegrenzte Einfluss der theatralischen Weltanschauung auf uns gebrochen nourve und wir nicht mehr unter oem Joche von äußeren, unsere Seele erdrückenden Dogmen standen, wurden die jüdischen Maler und Bildhauer geboren. Plötzlich geboren? Dies ist undenkbar. Ja, es fand auch nur eine Umwälzung, eine formelle Veränderung der wesentlichen Kraft — der Kunst statt. Die Kunst, die sich bisher im Psalme oder im erotischen Liede offenbarte, klang bald wie ein Heldengedicht oder glänzte wie ein schimmernder Aphorism, offenbarte sich irr ocn pharrtastischen Fabeln der Hagada oder endlich schuf das Lebenspoem des Chassidcsmus. Diese Kunst machte sich, nach Beseitigung mancher Hindernisse, in einer neuen Form Luft. Die ersten zeitgenössischen .Künstler unseres Volkes waren noch nichtjüdische Künstler. Zu sehr standen sie unter dem Einflüsse der neuen Form, und als sie sich derselbe,, bemächtigten, erweiterten sie ihre Grenzen, damit sich auch der jüdische Geist bethäligen könnte. Zuerst leiteten sie die Kuustgrnndsätze eines akademischen Professors, jetzt aber führen Pinsel und Meißel daö Martyrium des Ghetto. Von unserem Martyrium begann die .Kunst ihre Stoffe zu nehmen. Moritz Göttlich ist der größte und stärkste Repräsentant dieser Art jüdischer Kunst. Bon den Banden der Assimilation befreite ihn die Judennolh. Nachher schuf cc eine Reihe von Musikwerken. In einer Selbstbiographie lesen wir darüber folgendes : , In der Schule von großen Meisterwerken umgeben, strebte ich Großes zu schaffen. Ich wuchs und mit mir auch die Kunst. Ich fühlte die Vocurtheile der Jahrhunderte zusammenbrechen, die Mauern des Ghetto zuscunmenstürzen. Ich wurde nun frei, ein unbegrenzter Herr der Zeit, Materie und Umgebung. Einmal zankte ich mit einem College». Es gieng um eine Kleinigkeit. In der Aufregung warf er nur einen Blick voll Verachtung und rief mir das Wort „Jud" zu. Ein einsilbiges Wort und der es aussprach, betrachtete es als die größte Ironie, Verachtung und Beleidigung. Damals sprang eine Saite meines Herzens, wie eine Seifenblase zerrann der vieljährige Traum. Es sollte sich sogar in mir eine Idee, eine Weltanschauung verdichten, da fühlte ich. dass es ein Phantom ist. Die vernarbte Wunde öffnete sich und das Blut unserer Märtyrer quoll heraus. Ein neuer Inhalt offenbarte sich mir in jener Zeit. Diesem schwor ich von nun an zu dieuen. Und als der traurige, düstere Versöhnungstag herannahte, habe ich denselben auf einem großen Bilde dargestellt." Die Veränderung in der Seele des Malers hat dieses Bild geschaffen, rvie auch andere irnrner größere, vollkommenere. Den „Ahasver" und „Die betenden Juden". Der Märtyrer malte Märtyrer. Aber größer als unser Schmerz ist unsere Sehnsucht. Die Lebensfreude soll wieder zu ihrem Rechte kommen. Wir wollen tief unsere Wurzeln einlassen und in der Erde steckend ein Heimatslied singen. Veremsnachnchten. General-Bersanrrnlrmg deö Vereines „Marpe lanefesch", Wien. Dieselbe fand Sonntag abends in der Vereinssynagoge im 1. Stock bei mäßiger Betheiligung der Mitglieder statt. Obmann Sal. Steiner begrüßte die Erschienenen, unter denen sich auch Herr Dr. Arnold Ascher befand, dem specieller Dank votiert wurde für das lebhafte Interesse, das er bisher den Vereinsangelegenheiten entgegenbrachte. Schriftführer Wilhelm Morgenstern beantragt, von der Verlesung des Jahresberichtes, der ja ohnehin bekannt sei, Umgang zu nehmen, und wurde dem Vorstände einstimmig das Absolulorium ertheilt. Weiters wurde bedauert, das kein Vertreter der Eultllsgeinei-.de anwesend sei, was als Symptom der unfreundlichen Gesinnung angesehen werden könne, zumal diese Animosität sich bereits bei mehreren Anlassen manifestierte. So habe der Schriftführer ui Sachen einer würdigen, aber bedürftigen Familie aus Pressburg mit einer Empfehlung seitens des Herrn Dr. Th aler von der „9!. Fr. Pr.', an Herrn Vicepräsidenten Dr. Alfred Stern gerichtet, zu diesem sich begeben, und dabei wäre auch die Schechlte-Affnire aufs Tapet gekominen, wobei die Eoncession zugestanden wurde, den Vereins- Chasen als Maschgiach anzustellen, was aber nicht aceeptiert wurde — dagegen winden auch zwei Aspiranten aus die Schechita vorgeschlagen, vom Vereine nicht autorifiert — es sei daher eine Beschwerde an eine höhere Instanz nöthig. Znnl Schlüsse ergreift! Dr. Ascher das Wort, der Befriedigung Ausdruck gebend, dass der Verein nory halbwegs existiere, der von minimalen Anfängen unter schwierigen Verhältnissen sich allmählich emporgerungen habe, und sei er auch fortan gerne bereit, einem solch löblichen Vereine nach Möglichkeit fördernd zur Seite zu stehen. Dasselbe gelobten auch die Herren vorn Vorstande, die p»-r ncclaimUionnai wiedergewählt wurden. Zum Schluffe wird noch der Munifieenz Sr. Excellenz des Miliisters am allerhöchsten Hoflager, Graeu Szechönyi, dankend gedacht, ebenso der übrigen Gönner und Wohlthäter, nicht minder der Stifter, die durch wohllhätigs Widmungen für diesen Verein thättg sind; es fiub dies sogenannte Geberstlstungen für verstorbene Mitglieder. Jüdische Toynbee-Halle. Wir erhalten folgendes Schreiben : Hochgeehrte Redactiou ' In der letzten'Ausgabe des „Jüdischen Volksolcul" findet sich eine Notiz, dahingehend, dass der Vorstand der Jüdischen Toynbee-Halle am 22. März u. c., im „Hotel Eemral" eine Pnrimfeier veranstaltet. Ich stelle nun an die hochgeehrte Redactiou das höfliche Ersuchen, diese Notiz in der Weise richtigstellen zu wollen, dass der erwähnte Vorstand dieser Veranstaltung vollständig ferne steht. Es hat sich em aus Besuchern der Toyubee-Halle bestehendes Comilö gebildet, welches diese Akademie arrangiert. Indem ich Sie bitte, diese Richtigstellung freundlichst veröffentlichen zu wollen, zeichne ich in aller Hochachtung für das Festconnrö: S. Wert Herrn. Israelitischer M' mren-Wolftlhärigkeitöverein für den SV. unb V. Bezirk. Das rührige Damencoinils dieses eminent wohlthätigen Vereines, weicher alljährlich bei hundert arme Kinder nut Winterkleidern lind Schuhen beschenkt, veranstaltet auch Heuer, wie seit einer Reihe von Jahren, wieder sein so beliebt gewordenes Tanzkränzchen, weiches für den 24. Februar a. o. in Ronachers Pracht;aal anbcrauuir ist. Ein am 5. d. Dt. ftattgehabtcs Vorkränzchen rin Saale des Kaufmännischen Vereines, welches glänzend besucht rvar, versammelte daS junge Damen- Uiid Herrenconuts und gab ein prächtiges Präludium für das kommeitüL Kränzchen. Für die Ballnrnstc wurde die Kapelle tonen! Jeder bei uns ist willkommen. Kommt zu uns und Ihr werdet dos finden, was noch den Mühen der Arbeit ollen wohl thut: Frohes Zusammenwirken für ein gemeinsames Jdeol, und dos Bond einer Freundschaft, die olle verbinde. Bcrcin jüdischer Studenten in Wien, 9., Seegaffe 7. Ein angesehenes, wohlhabendes Ehepaar, dessen Ehe kinderlos ist, wünscht ein israelitisches, doppelt verwaistes oder vollständig verlassenes Mädchen im Alter von höchstens zwei Jahren zu adoptieren. Das Ehepaar ist in einer großen deutschen Residenzstadt ansässig. Näheres Montag und Dienstag den 24. und 25. Februar von 3—4 Uhr bei Herrn Kran s, I., Seitenstettengasse 2, t. Stock. Wcher-Emlmsf sein wird und den humanen Zwecken tu: reiches Erträgnis zusührt. Akademie. Der humanitäre F r a u e n - B c r e i n „Krankenpflege", mit dem Sitze in Wien, 2. Bez., Schisfanitsgasse 5, veranstaltet am 8. März in Guths Lokalitäten, 2., Stcphanicstraffe 6. eine Akademie mit Tanzkränzchcn. Karten werden verkauft bei Fran Amalie Blech, 2., Reinbrandtstratze 22, bei Fran Fanny Siederer, 2., Kleine Schiffgasse 26, unb im Cafe Angartenbrücke, 2., Obere Donaustratze 47. Dpt 'Hi;V %■ %■ f stz L- $.« 4J1 I Jüdische Conunilitoncn! Immer stärker tritt die Nothwendigkeit on die jüdischen Studenten heransich gegen die Hochflut!) feindlichen Anpralles zu vereinigen. In ollen, die gesaminte Studentenschaft betreffenden Fragen suchen die uns feindlichen Elemente unsere Rechte zu verringern und zu schmälern. Jüdische Studenten! Nur durch Einigkeit ist es luögtich, kräftigen Widerstand zu leisten und Erfolge zu erringen. Erfüllt von diesem Gedanken, finb wir ait die Gründung unseres Veveiues gegangen, welcher alle gleichgesinnten jüdischen Studenten verbinden soll. Unsere Tendenz ist: Stellllngnahme zu ollen wichtigen Fragen auf akademischem Boden und vor allem warme Liebe zu unserem Volke. Diese Liebe wollen wir nicht dadurch bethätigen, dass wir einem Ideal huldigen, dessen Verwirklichung in fernen Zeiten liegt, sondern nur dadurch, dass wir, soweit es in unseren Mästen steht, die Lage unserer unglücklichen Brüder jetzt zu bessern trachten, sowohl in geistiger als auch materieller Hinsicht, und sie nicht zugrunde gehen lassen bei bloßer Vertröstung auf bessere Zeiten. Zugleich ist es unser Streben, tiefer in die Seelen unseres Volksthums einzndringen, seine innere Größe kennen und verstehen zu lernen. Diese Ziele suchen wir zu erreichen: I. Durch Abhaltung wissenschaftlicher Vorträge mit besonderer Berücksichtigung der modernen Wissenschaft, speeiell der Ergebnisse der socialwissenschaftlichen Disciplin. 2. Durch intensives Studium altjüdische Geschichte und Literatur, durch Pflege jungjüdischer Kunst, ll. Durch Heranbildung tüchtiger Redner, die uns instand setzen soll, später, nn öffentlichen Leben, durch praktische Wirksamkeit unserer Idee zum Siege zu verhelfen. Jüdische Cornmili- Von der „Neuen Zeit" (Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben kdas 20. Heft des 20. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalte heben Ivir hervor: Etil parlamentarisches Canossa. —. Socialdemokratische Connnunalwahlprogrammc. Kritische Bemerkungen von Paul Hirsch. — Englische Frcmcnprivilegien. Eine Entgegnung an Bebel von E. Belfort-Bax. — Technische Fortschritte im Eisenbahnwesen. Bon P. M. Grcmpe. — Die Hanspslege. Von Henriette Fürth. — Die Ausgaben der Schulärzte. Von Robert Albert. — Literarische Rundschau: Fr. Kohlrausch, Die Energie der Arbeit und die Anwendung deS elektrischen Stroines. — Feuilleton: liebe* Goethe. Von Theodor Lcssing. (Schluss.) Jung-Juda. Inhalt: Lehrgedicht. — Simon. 143—136. — Die Reliquien Wallcnsteins. (Schluss.) — Aeutzerllchkeitcn. ■—■ Bann Chaiüar. (Fortsetzung.) — Verschiedenes. — Räthsel. — Räithselauflösnngen. — llebersetzungsaufgabe. — Aufsätze aus unserem Leserkreise. — Briefkasten. Die Weltwirtschaft im 19. Jahrhundert. Von Richard Ealwer, Mitglied des Reichstages. (Am Anfang des Jahrhunderts, VI. Heft.) 1002. Berlaq „Ausklärnna", Berlin W. 35. Preis 30 Pfg. Man spricht heuzutage so viel von Weltpolitik und Weltwirtschaft, ohne sich über die beideic Begriffe genau Rechenschaft ablegen zu können. In den soeben erschienenen Schrift: „Die Weltmirtschafl im 10. Jahrhundert" zeigt der Verfasser nun, welche Voraussetzungen mit Nvthwendigkeir zu einer Ausdehnung der nationalen Wirtschaftsgebiete, zu einem engeren Zusammenschlüsse der Vocksmirlschattchintreiben. Was in dieser Beziehung daL 10. Jahrhundert auf dem Gebiete des Velehrswesens, der Production und des Handels geleistet hat, wird kurz, aber übersichtlich geschildert. Au die Darstellung der Entwicklung des Welthandels knüpft sich eine Grupvierung der wichtigsten Ansätze der im Werden begriffenen Weltwirtschaft, auf deren Gestaltung die Politik der Arbeiterclasso von großem Einfluffe sein wird. „Die bisherige Entwicklung der Voraussetzungen und Ansätze der Weltwirtschaft", schließt der Verfasser seine Ausführungen, „sind das Werk des Unternehmungsgeistes und der technischen Wissenschaften, befruchtet und getrieben von dein irach Mehrwert drängenden Capital. So bewundernswert auf der einer, Seite die Fortschritte sich uns darstellen, io gehen sie doch Hand in Hand mit der Unterdrückung der socialen Selbstständigkeit breiter Bevölkerungsschichten, rnit der Degradierui'g der Politik, Wissenschaft icnd Kraft zu Bediensteten der großer» capitalistischen Jnteressenwirtschaft. Der Arbeiterelaffe' aller Länder fallt die Aufgabe zir, die privatcupitalistischen Sehrarrken, die sich dein Fortschritte und der kosmopolitischen Ausbreitung der Cultur eiitgegeiistelleu, zu beseitigen. Es ist eine ideale Aitfgabc, ober an ihrer Lösung ardettei, ebenso die materiellen Interessen, wie es bei allen Fortschritten der Cultur gegangen ist. Die Arbeiterclaffe verfolgt genau so ihre eigensüchtigen Ziele und Forderur,gen, ivie jede andere in öen Kampf um§ Dasein hinerngestellte BevölkerungSschichle. Aber vermöge ihrer Scruernr, vermöge oer Tbarsache, dass ihr socialer Fortschritt bei der Massenhaftigkeit des ProlLtariats eine allgemeine Hebung des Culturzustandcs eines ganzen Volkes und nicht nur einer Minderheit bedeutet, venoietlichr die nur reale Vortheile ringende Arbeiterelaffe eine nllerdiagS ideale Aufgabe. Die kleine Schrift zeigt nach jeder Richtung, dass sie von einem Fachmanne gcschriebei, ist. Sie verdient es, in ulten Kreisen unseres Volkes geiesen zu werden. Dos vierte Heft der von Dr. Ludivig Bauer herauSgegebenen Kampfschrift „Don Quixote" erschien soeben. In einem leitenden Aufsatze „Der Dreihunderter" lverden die staatsanivaltlicheic Ver-! solgungen satirisch glossiert, i» einem Briefe, „KoerberS Antj wort'H wird bem Minister zu einer Entgegnung auf die in den ' früheren Heften an ihn gerichteten Schreiben die Hand geführt. Der Essay „Jndenfragcn" erörtert dieses wichtige Problein. Ein concreter Vorschlag zur Befreiung deS Richterstandes von jeder Beeinflussung ivird in dem Aufsätze „Oesterreichische Richter - Abhängigkeit" gemacht. Ferner erwähnen ivir noch daL Gedicht „Die unmoralische Anstalt" von Max Grube, dein Oberregisseiir des Berliner königlichen Schauspielhauses, als Antwort ans die Rundfrage des Herausgebers, soivie einen als Erziehungsproblem originell anffassenden Dialog „Der Lehrer".^ Den Beschluss macheu aetnelle Notizen „Kampfspiele", sowie Sancho Panza, der die übertriebene Devotion der Oefsentlichteit in einer der Todtgeburt eines Erbprinzen gctvidmeten kleinen Zeitung aufß ergötzlichste geißelt. — Abonnement _ für Oesterreich-Ungarn, ganzjährig, portofrei, .K. 14.—, halbjährig, portofrei, K. 7.---; für das Deutsche ikteich, ganzjährig, portofrei, Mk. 12.—, halbjährig, j portofrei, Akt. 0. für die übrigen Länder des Weltpostvereines «ganzjährig, portofrei, Mk. 14.—, halbjährig, portofrei Mk. 7.—-. Einzelne Hefte 40 Heller (35 Pfennig). — Man abonniert in allen Buchhandlungen, Zeitinigsbnreanx und Postanstalten sowie beim Verlage: Wien, 1. Bez., Bauernmarkt 3. Von Hermann K a h a n i» Stanislan (Galizien), Lindengasse Nr. 1, 2. Stock, ist erschienen und gegen Vareinsendnng von Mk. 1.— (1 K'. 20 H.) z„ beziehen: Hat Moses Maimonides dem .Krypto-Muhanimedanismns gehuldigt? Nach geschichtlichen Quellen uiltersucht, z»cit Anmerkungen hebräischer Noten nub einem alphabetisch geordneten Index der bedeutenderen jüdischen Gelehrten aus Spaniel, und der Provence. Eingehende Besprechungen sind in folgenden Zeitschriften erschienen: „Ungarische Wochenschrift" 1890, Nr. 25. „Israelitische Wochenschrift" 1800, Nr. 30, „Ungarischer Israelit" 1800, Nr. 27, „Die Wahrheit", 1000, Nr. 0, „Jüdische Volksstimme" 1000, Nr. 14, „Jüdisches Volksblatt" 1000, Nr. 2, „Dr. Vlochs Wochenschrift" 1001. Nr. 12. „Die Neuzeit" 1001, Nr. 30, „Nahmers jüdisches Litcraturblatt" 1000,?tr. 8, „Dr. VrüllS Monatsblätter" 1001, Nr. 4 u. i. b. a. Jedem Buche ist eine Beilage „Stimmen der Gelehrten" beigegeben. Adolf St.. 2. Bez., Ncmbrandtstratze. Die Artikel sind richtig eingelangt und lverden zu successiven,?lbdr»lck gelangen. Besten Grußl