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Jüdisches Volksblatt · 1901-11-29 · 48 (29.11.1901) · page 1

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
48 (29.11.1901)
Date
1901-11-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Levsclwn: *ili/ . toaiiCHstuatfc t». Eh»r««Kmade»t (Ui Woonuayin oon 4 bts 0 Uhr nachm«»«». p»ff*»ufl»: JLdttche« vsUSdlatl, «Sie«» Vlll|l. etbttten »tt Brsttzwerdr« »egen »etlpAlem oder ^ar nicht erfolgter tfnflellimg erbt an» dringend. - mmurfttifete «erbe« «ßcht intficffltteHt. Voftsparcaiien-Lonto 0*7087 In da» Abonnement kann nun täglich etntretm. Grsldkiut jede« Freitag unter MMmrkung der vom iLdlpyrn Volksverein erwählten Vressronmrtslton. 9«fcr«ttt Übernehmen »ie Airwen: g. Damirbag. M. Duke», Haafen. »ein * «ogler. Mdolf Moffe. «. Opprltk, M. Pozfonyi. «. Schalek in Wien» ferner alle Anuoncen-Lrpedittonen t» klnölande. Gt»ze1-N««mer in Wie« 16 Heller. Kvmlnlltrslion: VUL/t. KrhlStzetgaflie U. UbonuementspreiS r Für Wie» n. Oesterretch-Nugaru fantntl grancozastellung. . . Kr. 8.— E :: 1:= »lbjLhrtg Stertefiflbrig Für das gefammte NnSlamb farnmt Francozustellung. Ganzjährig . Halbjährig . Bierteljährig Kr. . 4L« . »LS Ar. 48 Wie«- SS. November 1901. III. JahrganK. >>»>Ktziü'Wl7' ritiiiT iüiiTiffTSiii Vom Tage. Das Zanur-Sestcht der Parlamentarier. Endlich! Endlich hören wir von nichtjüdischer Seile die Berufung auf die Staatsgrundgesetze, auf die Gleichberechtigung aller Confessionen und Nationen:, auf die gleichen Rechte aller Bürger. Und gerade von jener Seite hören wir es, welche diese Gesetze für uns Juden als quafi nicht bestehend angesehen haben, tvir hören es von den A l l * deutschen, lvir hören es von deir Clerikalen! Aber nicht unseretwegen werden alle diese Reden gehalten, es berührt ihre eigenen Lebensbedingungen, es trifft ihre eigenen Interessen. Die „Los-von-Rom"-Partei klagt, .dass die staatlichen Organe den Ueberläufern vom Katholizismus zum Protestantisnnls nur Schwierigkeiten in den Weg legen, die Clerikalen: wieder können es nicht begreifen, wie der Niederlassung fremder Congregationen. in Oestei'- reich Schwierigkeit^ geniacht werden. Und die Studenten- ^haft in K r a k a u demonstriert, tveil ihre Connationalen m Preu ßisch-Schiefien und irr Poleir unterdrückt lverdeir. Und alle diese Sprecher berufen sich auf die freiheitlichen. Gesetze, sie sprechen .iin Namen der civilisierten Menschheit, der consütutionellen Verordnungen, der Humanität urrd der Gerechtigkeit — aber alle verleugnen sie ihre eigenen Worte, wenn von den Rechten der Juden die Rede ist, alle erklären sich offen als Antisemiten und predigen die Verfolgung des Judenthums. , In derselben. Zeit, Ivähreird die Clerikalen die politische Freiheit für die religiösen Orden und religiösen Vereine im Namen des Gesetzes fordern:, rvährend die Alldeutschen auf Grund desselbeir Gesetzes die Beförderung des Nen- Protestantismns verlangen, in derselben Zeit verfolgen sie die jüdische Religion,^ lvelche gleichfalls gesetzlich anerkannt ist. Dieselben Polnisch-Nationalen, welche für ihre Nation nn Ausland soviel Alarm schlagen, lassen sie in ihrem Heimatlande, in Galizien., wo sie die Herren siird, die Juden zu keinem öffentlichen Amte zu; wo ist da die Logik? Aber es ist lächerlich, Logik von den Antisemiten zu verlangen! Sagt. man doch, dass die Politik im Mgeineinen keine Logik kennt, und keine Politik ist so verderbt und unlogisch wie die antsemitische. Ihre Grundpfeiler find aus die schmählichste Jnteressenpolitik aufgebcuck und ihr ganzes Verfahren beruht auf Feindseligkeit und Versolgling ... Der Hirtenbrief, den: jüngst die Versammlung der Bischöfe gegen „Los-von-Rom" herausgegeben hat, be- Scibbalh-Ruh'. In meines Lebens wilde Stürme Bricht oft ein Fnedensklang herein. Da muss ich meiner M >tter denken, Und alle Schmerzen schlafen ein. Und mild seh' ich's von ferne leuchten, Ich ziehe aus die Wanderschuh' Vor meiner Kindheit heil'gem Boden, Willkommen, süße Sabbath-Ruh'! Vom kleinen Zimmer strahlt die Lampe, Die siebenarm'ge, hell hinaus, Und vor ihr steht die Mutter betend Und breitet ihre Arme aus. Des Lebens staubbedeckte Sorgen Verschloss sie in des Werktag's Truh', Und frei und fröhlich jauchzt die Seele: O Licht und Freud' und Sabbath-Ruh'. So hoffte sie von Woch' auf Woche, So gieng sie ihren Prlgerpfad, So trug sie leicht die schwerste Bürden Und als der Tod sich ihr genaht. Ein Lächeln überflog ihr Antlitz, Sie schloss die müden Augen zu. Und sang — that sich schon auf der Himmel? O Licht und Freud' und Sabbath-Ruh'. In meines Lebens wilde Stürme Bricht oft ein Friedensklang herein, Da muss ich Dein, o Mutter, denken, Und alle Schmerzen schlafen ein. Und mir auf's Haupt, wie einst vor Jahren, Legst linde Deine Hände Du, Und mich umfängr wie Muttersegen Ern Ahnen ew'ger Sabbath-Ruh'l Ru« hem Buche: „Aus jüdischem Herzen" von Löwenberg. sagt, dass „Los-von-Rom" soviel wie los vorn Christenthum bedeutet; aber wissen denn die hochwürdigen Bischöfe nicht, dass die Bewegung gegen die Juden soviel wie los von der Bibel heißt, also in letzter Linie gleichfalls los vom Christenthum bedeutet? Und doch erhebt kein.Cardinal, kein Bischof seine Stinune gegen dm Antisemitismus und alle jene, tvelche für ihre nationalen Interessen in Oesterreich kämpfen, begreifen sie denn nicht, dass dieselben Argumeiitc auch für die Jude.e, welche für ihre Nationalität einstehen, maßgebend siird? Dock), es fällt uns nicht ein, allen diesen streitenden Parteien Logik zu predigen:, sondern lvir wollen sie bloß mrseren eigerrerr Brüdern in Erinnerung rufen. Wiederholt tvurde es an dieser Stelle bereits gesagt, aber es ist nicht überflüssig, es bei jeder Gelegenheit nochmals zu sagen, dass so tauge wir nicht, in Oesterreich wenigstens, eine Organisation aller Juden in nationalem Sinne hergestellt haben, so lange nicht eine jüdische Jnteressen-Vertretung im Parlament bestehen wrid, um als eigene Nation unter den anderen arrftreten zu können, so lange werden wir immer wieder ben Janus-Gesichtern im Parlament begegnen, welche von Verfassung, Gerechtigkeit und Humanität wettern, wenn es sich um i h r e Interessen handelt, aber zu jeder Verfolgung und Beschränkung bereit sind, wenn es gegen die Juden geht. Macht gegen Macht! Nationalität gegen Nationalität! Religion gegen Religionh Wenn ihr nur eure Nationalität und e n r e'Religion in den Vordergrund stellt, so miiffcn auch wir der imserigen uns annehinen, und so wie ihr euch nach beiden Richtungen hin orgamsiert, so müssen auch lvir eine Vereinigung schaffen, eine wahrhafte und gerechte Vertretung aller Juden, aber ohne das Janus-Gesicht gewisser Parlamentarier; denn wir. verlangen nichts für uns, was wir nicht a u ch andere n gönnen! . Nemesis. Zu dm charakteristischesten Erscheinungen des österreichischen Parlamentes gehört es, dass man daselbst nahezu alle nationalen, religiösen und wirtschaftlichen Fragen in irgend einen Zusammenhang mit den Jrrden bringt und künstlich Angelegenheiten in die Debatte zerrt, die mit der Tagesordnung iü gar keinem Zusammenhänge stehen, lun nur antiseinitische Hetzreden halten zu können. So geschah es wieder eiinnal anlässlich der Congregationsdebatte im Abgevrdnetcnhause, obwohl gerade anlässlich derselben die jüdischen Abgeordneten, soweit man überhaupt von solchen im österreichischem Abgeordnetenhan.se reden kann, sich vollständig passiv verhielten. Würde es Pessimistische Gedanken im Iudenthnm. Von Max Siebet. Motto zum Buche K o h e l e t: „Eitelkeit aller Eitelkeiten, alles ist eitel und nichtig." -!- „Wo viel Weisheit, ist viel Kummer-, und die sich inehrende Erkenntnis vermehrt den Schmerz." „Sei gar sehr demüthig, denn was des Sterblichen harret, ist die Erdscholle." (Rabbi Lcvitas aus Jabnetz.) Diese Welt gleichet einer Vorhalle der künftigen Welt, rüste Dich in der Vorhalle, dass Du würdig werdest, in den Palast einzutreten. * Die Seligkeit einer Stunde im künftigen Leben ist mehr wert als alle Freirden des Lebens. (R. Jakob.) Dies ist der Weg zur Wissenschaft: Brot mit Salz musst Dt esseit, Wasser mit Maß trinkeu, auf der Erde niusst du schlafen, alle Eittbehrungeii und Kümmernisse des Lebens eickragen, damt wird es Dick wohl ergehen. (R. Levitas.) Wer: seinen Körper vermtehrt, vermehrt Würurer in seinem Leibe und je nrehr Besitz, desto mehr Kuntuier rmd Sorge. (Hillel.) ■ Es wäre besser gewesen, dass der Mensch nicht geschaffen worden wäre, als es ist, da er geschaffen worden. (Erubin 13a.) * Die Leiden dieser Welt lösen jede Schuld derselben. : und wer von Eck-merzen. ^Aimmernissen und Gefahren sich ausschließlich um die Rede des Abg. Schneider handelir, der es sonderbar fand, dass man in der ganzen Debatte nichts von Antisetnitismrls zu höreir bekam, so würden lvir fein lveiteres Wort darüber verlieren. Der Mamr ist pathologisch. Wir irehlnen es daher gar nicht tragisch, wenn Herr Schneider die Judentaufe s o durchführerr lvill, dass er „die Jtlden mindestens fünf Minuten unter Wasser halten lvill", oder lvenn er behauptet, „Spmrien sei von den Juden für ein neues jüdisches Reich ausersehcn worden, und deshalb sei dort die Inquisition entstanden"^ Dagegen müssen lvir eine Weile bei eineni anderen Ausspruche des Herrn Schneider ve'Nveilen; „man spreche gegen die Einlvanderung französischer Congregationen, während alle Tage rrissische und rrunänische Juden nach Wien importiert werden —" ein Steckenpferd, das auch veftchiedene andere und ernster zu nehmeifde Redner der:tsch-clericaler und czechisch-clerikaler Färbung zu reiten für gut fantzen. Wir meinen einerseits den. früheren Präsidenten des Abgeordnetenhauses, den Abgeordneten Dr. Fuchs und den Führer der katholisch-natiwralen Partei in Mähren, den Abgeordnetem Dr. H r u b a n. Wir geben dem Abgeordneten D. Fuchs infoferm vollkoiumen recht, als er meint, lvas bei den Juden und Protestanten recht, muss bei den Katholiken billig sein. Wir wünschen ebenfalls den confessionellen Frieden und nicht den confesfionellen Streit, aber diese Dringlichkeitsanträge betreffs der Cmrgregationen, über die man von katholisch-clerikaler Seite so entrüstet, ist, nchren sie von Seiten der Juderr her? Hat man das Princip „was für den einen recht ist, ist für den andern billig" je voirseiten des deutschen oder czechischen Clericalismus gegenüber die Juden geltend geniacht? Hat man.nicht vielmehr den delltfchen und czechischen Autiscnütismu.s von clerikaler Seite auch danrr gegen die Juden gefördert, selbst wenn er anticlerikal lvar, wenn er gegen das Christmthum ebenso wie gegen das Judeiithum anftrat, wenn er gleichzeitig durch eine chauvinistische Hetze die Kluft zlvischen Deutschen und Czechen erweiterte, ja sogar gegen den 33effcinb der österreichischen Monarchie sich richtete. Die Früchte dieser Politik eriüet nun der Katholicismus und der österreichische Staat. Die Los von Rom- Beiveguug und der Kawpf gegen die Einwandermrg der französischen Congregationen sind bekanntlich nicht von, jüdischer, svndem von antisemitischer, ertrem nationaler Seite ausgegangeu, einerseits oa:u Anhänge Schönerers und Wolfs lind aiwerersoits von der. czechfch-radicalen Klofac-Gruppe, die in rührender Uebereinstimmring die Pagrallsalner Veftolgung umringt ist, der darf sicher sein der Anwarckschaft ans selige fvvcirbcn der Zukunft. iTalmud u. Midrasch.) Die Menschen gleichen den ©reifem ans dem Felde. Diese grünen, jene verlvelken. (Talmud.) Der lreitgeborene Mensch gleicht einem auslaufenden Schiffe, der sterbende einem landenden Schiffe. (Talmud.) * Flüchtig ist des Mmschen Leben, wie der Schatterr eines Vogels im Fluge. (Talmud.) Ein Talmridist sagte einst in Bezug auf den ersten Meirschen: „Er hat den Todestag wahrgenomnlen imd stimmte ein Lied an." Ein Weiser sagte: „Bei seiner Geburt streckt der. Meirsch die Hände vor sich hin, als wollte er sagen: De ganze Welt gehört nur; bei feinem Tode lässt er die Hmrde bangen, als wollte er sagen: Nichts folgt von dieser Welt mir nach!" Ein Rabbi erzählte von einem Diebe, der nachts in einen Palast einbrach und dessen Fuß, gefesselt vom Anblicke der herrlichen Kostbarkeiteil, dessen Augen im Genüsse des Anschauens so vieler Edelsteine, die Wahl des Gegoilstandes, den er ergreifen sollte, schwer lmwde. Er stürzt von einen: schönen Gemache in ein schöneres imd plötzlich hört er Schritte. — Es ist Tag gelvorden. Er rettet sich, froh, das Leben davongetragen zu haben:. „So ist der Mensch!" sagte der Rabbi, „Gott schenkt ihm das Leben. Er tritt in die Welt, in den reichsten und herrlichste:: Palast. Aber der Mensch taumelt von Gemrss zu Genuss. Wie der Dieb in: Palaste, so wirft er die Perlen fort, um nach Dian:anten zu jage::. Und tväbrend der Mensch so gierig nach

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