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Jüdisches Volksblatt · 1901-11-15 · 46 (15.11.1901) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
46 (15.11.1901)
Date
1901-11-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 4-6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 15. November 1901 Seite 3 Gill jMsch-lirltillNirlcr 7^ „•*) Prossnitz, im November. Nach vollzogenen Neuwahlen der Cultnsvertretung hat am Sonntag den 3. November l. I. Re Cvnsütuierung des Cttltn-5-Aus'ch»sses staltgefunden. Hierbei wurde der bisherige bereits seit vier Wahlperioden verdienstvoll wirkende Cnltusvorsleher Herr Josef Singer einhellig wiedergewählt. Ebenso wurden in den Cultnsvorstand als Stellvertreter Herr Samuel Hirsch und zu Beiräthen die Herren Marens N e u m a n n, Sigmund Reiner und Dr. Gustav Zweig neuerlich berufen. Auß-'r deik Genannten werden im Cultus- Ansschusse die Herren Moritz Altar, Eduard Blau (neu), Jogues Mayer, Adolf Pollak jun. (neu), Daniel Steinschneider, Emanuel Türkei und Friedrich Zweig als Mitglieder wirken, während der verstärkte Cultus- Aueschuss ans den Herren Hermann Altar, Moritz Brüll Dr. Ludwig B r ü l l, Philipp Freiberger, Heinrich Glas, Max G o t t l i e b, Dr. Fritz Haas, Sigmund Hamburg«: r, Sigmund Pollak, Jakob Roeßler, Friedrich Wrnter mrd Sigmund Wolf besteht. Es dürfte nunm-hr in die während der letzten Wochen so aufgeregten Gemüther der Gemeindemi glieder wieder Ruhe einziehen. Alle Richtungen der hiesigen Jndenschaft finden in der nengewählten Cultusvertretnng ihre Vertreter, die ja im Grunde alle mcdts anderes anstreben wollen und können, als das Ansehen und die Interessen der Gemeinde im speciellen, wie auch diejenigen des gesummten Judenthums im allgemeinen zu' wahren. Die Zeiten, in denen w'-r uns als Schleppt: äger anderer bcthütigt haben, sind zum Glücke für das Judemhum hoffentlich für immer vorüber, und selbst diejenigen. welche bisher ängstlich jede Accentuiernng des jüdischen Nationalgefühles als eine Schädigung des Deutschthums vmpönten, müssen sich allmählich dazu bequemen, der jüdischnationalen Bewegung ihre Berechtigung zuznerkennen. Ein Wrhlkampf ist infolge des Entgegeakommens und der Nachgiebigkeit einiger Besonnener vermieden worden und uns allen das widrige Schauspiel erspart worden, dass Juden gegen Juden, wenn auch mir bei der Wahlurne, kämpfen. Als Folge eines derartigen Kampfes bleibt immer genug Bodensatz an Gehässigkeit und Feindschaft zurück, um unsere Reihen zu schwächen, die besonders in diesen schweren Tagen der Einigkeit mehr bedürfen denn je. Und so freuen wir uns, diese wiedergewonnen zu haben, umsomehr als uns mit derselben auch die schützenswerre Kraft unseres bisherigen Cultusvorstehers Herrn Josef Singer erhalten blieb, der, mag man an dcssen Thätigkeit Krirrk üben so viel man will, stets auf das nachdrücklichste für die bedrohten Interessen der Juden, für die Ehre und das Ansehen des Jndenthums eingetreten ist. In seinem eigenen Interesse und in jenem unserer Gemeinde möchten wir nur für die Zukunft an ihn die Bitte richten, Einflüsterungen unreifer Elemente kein Gehör zu schenken und auch auf jene nicht zu achten, die eigentlich Feldherr» ohne Armee sind. G-'gen Windmühlen will er und auch wir nicht kämpfen, und schließlich ist ja das sogenannte Partrigesüge der einen wie der anderen nur eine leer gehende Windmühle, i>te vielleicht nur durch ihr Klappern zeitweilig einen störenden Lärm hervorruft, sonst aber der uns zu Lande herzlich wenig Beachtung findet. L. KM ans. Das Creditiustitut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte, dessen Aufitchlsrath Herr k. k. Hofraty Kar eis präsidiert, hat wie der letzte Ausweis zeigt, großen Zuspruch seitens der Creditwerber, die nach Maßgabe der verfügbaren Mittel coulamest befiiedigt weiden. Das Institut hat sich als eine wirlichafrliche Nolhwendigkeit erwiesen. Um allen creditwücdigen Juden helfen zu können, sollte jeder Jude es als Pflicht betrachten, dem Institute als Mitglied mit Subvention und Spareinlagen — Zinsfuss 4—5% — beizutreten. DaS Uebcr-Parlament. Wenn ein ahnungsloser Fremd ling, von der Bellaria kommend, den Griechenbau erblickt, der sich zwischen Justizpalais und Nathhaus ausbreitet, fo denkt er wohl in feinem Innern: Aha, das ist sicher das Kunstmuseum - er wird nicht wenig erstaunen, wenn man ihni bedeutet, dass er das Parlament vor sich habe. Was, dieses fremdartige, steife, feierliche Gebäude mit den bedeutendsten Historikern und Philosophen — der Römer und Griechen ist das österreichische VolkShaus? Steht denn dieses Volk (im Auslande lässt man sich ein österreichisches Volk nicht ausreden) so tief, dass es gar keine halbwegs berühmten Staatsmänner oder Politiker hervvrgebracht hat, die es wenigstens vom patriotischen Standpunkte aus verdienen, der Vergessenheit entrissen zu werden? Ueberall bildet das Parlament den Stolz des Volkes, die Krönung seiner tiefsten Hoffnungen und Wünsche, die es oft mit seinem Blute erkauft hat; deshalb stellt es dorten die Büsten seiner Vorkämpfer auf. Armes Volk, armes Oesterreich! So spricht wohl der Fremde; aber er thut uns Oesterreichern bitter unrecht. Für das jetzige Oesterreich ist das Parlament der richtige Ausdruck. Was haben die Völker Oesterreichs denn mit der Komödie zu schaffen, die das Revertoire der Buhne am Franzensring bildet? Das große Wort führt abwechselnd der Hofrath und Monsieur Chauvin; scheinbar stehen sie sich spinnefeind gegenüber; aber in den dunklen Couloirs drücken sie sich freundschafllich und vielsagend die Hände. Um recht vernünftig zu erscheinen, lässt man hie und da einen Tollhäusler los, der mit schäumenden! Munde vor der erstaunten Gallerte ein paar lebende Juden verzehrt, *) Wir verweisen ans die iu der vorigen Nummer gebrachte Nachricht aus Prossnitz, dass wir bei den jüngsten Cultuswahlen in Prossnitz einen durchschlagenden Erfolg erzielt haben. besser als der Schwerlschlucker oder ein Scherbensresser im Orpheum. Mit drohenden Fäusten und blutunterlaufenem Gesichts stehen Wenzel und Michel in offener Sitzung gegenüber; dem biederen Teutonen pocht das Herz über den Mannesmuth, mit dem Hermann dos deutsche Volk vertheidigt; wie würde er aber die Augen aufreißen, weint er nach der Sitzung Hermann und Bketislav sähe, wie sie sich einträchtig beim Buffet die neuesten Kalauer erzählen; beide sind gerührt — über ihre gegenseitigen Heldenthaten; der eine ist dem anderen unentbehrlich; die Roheiten des einen garantieren dem anderen das Mandat. Weshalb sollen sie einander zürnen? Und dazwischen retten die rothen Revolutionäre in aller Geschwindigkeit den Staat, und die Vertreter der k. u. k. Amtsdiener drohen mit Obstruction; S e m, als Clown gekleidet, tanzt zwischen den Aufgeregten, schillert bald schwarz, roth und gold, bald blau, roth und weiß, und bald roth in allen Nuancen, er schüttelt seine Narrenkappe und sorgt für allgemeine Heiterkeit. Katholische Priester machen sich über die Taufe lustig, und getaufte Juden protzen mit ihrer Taufe. Aber die Völker kommen in diesem Hause nicht zu Worte; deshalb ist der griechische Stil nicht störend; er passt gerade so gut und schlecht ivie jeder andere. Quosque tandem .. . Sollten aber einmal die Völker Oesterreichs wach werden und ihre echte Stimme ertönen lassen, dann allerdings würden selbst die marmornen Philosophen auf der Rampe aus ihrer Ruhe geschreckt werden; dann würde endlich auch Sem sein Clowngewand abwerfen und in eigener Sprache sein eigenes Volk vertreten. Vortrag. Mittwoch den 14. d. M. sprach Rabbiner Dr. Lazarus im großen Festsaale des „Jüdischen Völksvereines" über „das Humanitätsprincip in der socialen Gesetzgebung Israels". Indem er davon ausgieng, dass jenes Problem, welches die Ausgleichung socialer Gegensätze zur Aufgabe hat, so alt sei, wie die Menschheit selbst, bewies er, dass ein Volk des Alterthums die Welt mit einem vollständig ausgebildeten socialökonomischen System beschenkt habe, und zwar das jüdische. Die Propheten tadelten die Gewaltthätigkeiten der Reichen und riefen das Mitgefühl für das das darbende Volk wach. Durch eine Reihe gesetzlicher Vorschriften wurde die Nothlage der Armen gelindert, so namentlich die Ernte und die Weinlese betreffend. Alle drei Jahre wurde der Zehnte eingehoben, um als Armenunterstützung zu dienen. Aber schon damals erstand die Erkenntnis, dass besser als Wohlthat eine sociale Gesetzgebung sei, welche die Volksgenossen bewahrt, Wohlihaten zu beanspruchen. Er vergleicht die Stellung der Sclaven bei den Juden und bei den anderen Völkern. Dieselben Züge weist die Fremdengesetzgebung auf. Es bestand das Verbot des Zinsnehmens, eine Einschränkung des Executionsverfahrens, das bei Griechen und Römern mit größter Schärfe gehandhabt wurde. Schließlich besprach der Vortragende die humanen Institutionen der Geulah, des Sabbaths und des Jubeljahres. Dr. Lazarus schloss seinen mit stürmischem Beifall aufgenommenen Vortrag mit einigen anerkennenden Worten für den „Jüdischen Volksverein", der in bedrängter Zeit das Princip der Selbsthilfe aufgestellt hatte. Einige junge Leute versuchten den nachhaltigen Eindruck, den der ausgezeichnete Vortrag hervorgerufen hatte, zu beeinträchtigen, wurden aber von der Versammlung energisch zur Ruhe gewiesen. Losvereine. Einige Mitglieder des „Creditinstitutes für jüdische Gewerbetreibende und Beamte" haben die Gründung eines Losvereines beschlossen. Mit dem gleichen Plane trägt sich eine größere Zahl von Mitgliedern des „Jüdischen Volksvereines für den IX. Bezirk". „Jüdischer Volksverein". Mittwoch den 20. d. I 8 Uhr abends ffndet im großen Festsaale ein Vortrag des Herrn Dr. Carl Lifczis, Hof- und Gerichtsadvocat, über das Thema „Napoleon I. und die Juden" statt. Eine Seufzergallerie. Wer Juden wohlthun will, der braucht nicht lange zu suchen. Er gehe nur einmal in eine der großen „koscheren" Selchereien, T h e u m a n n, Löwy oder welche immer. Ich will für keine Reclame machen, denn dieses Schauspiel ist überall gleich. Kaum hast Du Dich niedergesetzt und in den Genuss einer „Raaber" vertiefst, so steht plötzlich, wie aus dem Boden gewachsen,' eine ärmliche Gestalt vor Dir, tu der ausgestreckten Hand einige Schachteln Zündhölzchen. Es ist eine ältliche Frau mit abgehärmten Gesichtszügen. Du bist noch Neuling, nimmst eine Schachtel und legst ihr Deinen Obulus hin. „Das erste Geld," murmelt die Frau und geht wieder von Tisch zu Tisch. Ohne aufzuschauen, schieben ihr die Gäste einen Kreuzer hin und lassen die dargebotenen Zündhölzchen unberührt. Du bist eben beschäftigt, die letzten Neste der „Raaber" in ein besseres Jenseits zu befördern, als sich plötzlich eine Hand drohend zwischen Dich und Dein Opfer schiebt. Es ist diesmal ein alter Mann mit einem grauen Patriarchenbart, der ohne Commentar Dir die Zündhölzchen hinhält. Du bist inzwischen belehrt und verstehst die verschämte Form des Bettels, die dah'«ler steckt, Du gibst ihm das Almosen. So geht das in der Viertelstunde, während Du die Beobachtungen anstellst, durch kleine Kunstpausen unterbrochen, weiter. Bald sind es Gestalten, denen man den Hunger und das Elend von dem Gesichte abliest, bald sind es mehr Professionals »der Dilettanten. Ekelhast sind junge Burschen, arbeitsfähig, aber zum Betteln dressiert, die manchmal auftauchen. Sie machen böses Blut, während die Unterstützung des wirklichen Elends als selbstverständlich von den meisten angesehen wird. Nur hie und da hört man unwillige oder boshafte Bemerkungen: „G'rad' waren zwei Concurrenten da von Ihnen." „Ich führ' den Artikel selbst" u. s. w. Streng zu scheiden von diesen verschämten Bettlern sind die Hausierer; sie sind Capitalisten im Vergleichestnit den Zündhölzchen- und Seifenbändlern. Sie würden auch ein Almosen mit Entrüstung zurückweisen. Sie stehen und feilschen wohl eine Biertelstunde, um ein Geschäft zu macken, aber mit Bettlern lassen sie sich nicht verwechseln. Und die Gäste selbsOzeigen die verschiedensten Typen. Neben dem dicken Bourgeois und seiner noch dickeren Gesponsin, der bei dem dritten Gange hält — eben kommt seine Leibspeise, eine Lungernvurst — sitzen zwei blaffe, aufgeschossene Praktikanten vom Quai, die hastig ihr Paar Würstel verzehren, hie und da neidische Blicke auf die Delicatessen ihres Nachbars iverseu und sich dann eilig auf die Beine machen, um noch vor Thorspcrre nachhause zu kommen, denn ein Sperrsechserl bringt ihr ganzes Budget in Unordnung. Inzwischen hört man von den Nachbartischen die animierten Gespräche zweier Reisenden, die sich die neuesten „Witze" erzählen, dann gehen sie auf das Gebiet der Hohen Politik über und sprechen über die letzten Nachrichten vom südafrikanischen Kriegsschauplätze. „Aber diesen Antisemitismus in Ungarn", fängt der eine an, „kann ich mir nicht erklären." Ja, wenn man die Welt nach der „Sitten Freien Presse" benrtheilt, dann findet man sich in dem „liberalen' Ungarn nicht mehr zurecht. Und dazwischen huschen junge Mädchen in weißen Schürzen, sorgsam auf die verschiedenartigen Wünsche der Gäste achtend. Sie stammen zumeist aus armen Familien der nahen mährtschen Judengemeinden. Ost heiraten sie von den Posten weg, da mancher Gast in diesen fleißigen Arbeiterinnen das Ideal einer Hausfrau sieht. Ich zahle und gehe. Gedrückte Luft, ein gedrücktes Volk. Draußen athme ich tief aufi „Jüdischer Volksverein für den VIII. und IX. Bezirk." Am Donnerstag den 14. d. M. findet die feierliche Eröffnung der neuen BereiuslocaUtälen in W e n d l i n g e r^s Restaurant, IX., Seegasse 7, statt. Programm: 1. Ansprache des Präses Dr. Kellner. 2. Vortrag des Herrn Rrdacteurs Alois M u n k. 3. Zwanglose Discussion. — Am 23. d. MI. findet in dem Soutertainlocal desselben Restaurants ein Vortrag des Dr. Sofer statt: „Inden einst und jetzt." Gäste, auch Damen, h>',zlich willkommen. 15. Plenarversammlung der „Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien". Am 31. October d. I. . tagte in Khuners Restaurant die 15. ordentliche Plenari -Versammlung der „Lese- und Redehalle jüdischer Hoch- . schüler". Punkt cinhalb acht Uhr eröffnete der Vorsitzende! Cand. jur. Robert Glesinger die Versammlung, bewillj kommnete die Erschienenen und begrüßte insbesondere die ' anwesenden Gäste, Herrn Richard R a p p a p o r t, Herrn Chefredacteur Alois Munk und den alten Herrn des Vereins, Herrn Med. Dr. Arthur Bade r. Er legte hierauf! den Rechenschaftsbericht ab, in welchem er etwa Folgendes ansführte: Unter besonders ungünstigen Verhältnissen habe I der jetzige Ausschuss die Vereinsbildung übernommen. Zur j finanziellen Noth gesellte sich die Nothwendigkeit einer unter i schwierigen Umständen durchzuführenden Uebersiedelung . und die im Sommersemester zu erwartende geringere Betheiligung der Mitglieder. Trotzdem habe der Ausschuss den Verein um einen tüchtigen Schritt vorwärts gebracht. Ansgetreten seien im letzten Semester 16 Förderer, dafür aber neu angeworben 26, was eine jährlichen Mehrbetrag vor: 146 Kronen bedeute. Zu Beginn des Semesters wurde ein Jahresbericht in Druck gelegt und an alle Förderer und Freunde des Vereins versandt. Vorträge wurden abgehalten von den Herren Schriftsteller Dr. Karlweis, Dr. Bernhard Münz, Schriftsteller Heinrich Uork-Steiner, Richard Rappaport und Dr. Marco Vrociner. Course hielten ab die Herren jur. Arthur Brill: Stenographie; jur. B. Schapira, Glesinger und Dr. Arthur Fischl über juristische Fächer und Herr Dr. I. Sadger über Hydrotherapie. Am 25. Mai 1901 wurde eine außerordentliche Plenar-Versannnlung einberufen, welche die Vorberathungcu für eine vorzunehmende Statuten-Aenderung pflog. Warnte Nachrufe widmete der Redner drei im Berichtssemester Verstorbenen, dem Förderer des Vereins Herrn S. Glas, dem Dichter C. Karlweis, welcher sich inr März d. I. der Lesehalle für einen Vortragsabend zur Verfügung gestellt hatte und dem ordentlichen Mitgliede Herrn Sind. Med. Verthold Bodanski. Herr Glesinger schloss mit einenr warmen Appell an die Mitglieder, auch. fürderhin dem Vereine treu zu bleiben und ihn nach Kräften zu fördern. — Hierauf ergriff der erste,Kassierer des Vereins, Herr Cand. Med. Abr. Feuerring, das Wort zur Erstattung seines Referats. Cassier der Lesehalle zu sein, führte er ans, sei eine schwierige Kunst. Denn leider besitze die Lesehalle noch immer kein Grnndcapital, sie gehöre zum Proletariat, müsse von der Hand tu den Mund leben und zwar sei dieser Mund bei weitern größer als ihre Hand. In drastischer und überaus humorvoller Weise schilderte er dann, wiederholt von stürmischer Heiterkeit unterbrochen, „einen Zug aus derrr Leben des Cassiers der Lesehalle". Ans der speciellen Rechiumgsablegung entnehmen wir, dass eine Schuldenlast von 297 Kronen 45 Heller getilgt wurde, dass die Einnahmen inr abgelaufenen Semester aus 1740 Kronen 77 Heller, die Ausgaben dagegen auf 1629 Kronen 40 Heller sich beliefen, somit ein barer Cassavorrath von 111 Kronen 37 Heller verbleibt, lieber das Zeitnngswesen referierte Herr jur. Ernst Kätscher. Zur' Erhaltung eines guten Zeitungs-Lesesaals, sagte er, brauche man ivie zum Kriegführen drei Dinge: Geld, Geld und Geld. Da der Ausschuss sich in diesem Semester besonders mn Begleichung aller Schulden bemühte, so sei das Zeitungsbudget dabei etwas zu kurz gekommen. Doch rathe er den: künftigen Ausschuss, sein besonderes Augenmerk ans diesen Punkt zu richten, damit die Lesehalle den schon in ihrem Nameitri ausgesprochenen Zweck erfüllen könne, ihren Mitgliedern Lesegelegenheit im weitesten Ausmaße zu bieten. Der Bibliothekar, Cand. Phil. Ernst Müller, konnte über eine Reihe von Neuanschaffungen berichten, darunter Kant, Shakespeare und Liebknecht. Bücherspenden liefen ein von der Jsr. Cultusgemeinde Wien, Herrn Dr. Alfred Gelber, Herrn Heinrich Aork-Steiner,. Universitätsprofessor Dr. L. Strisower, Prof. Dr. Benedikt und von einem ungenannt sein Wollenden. An der Debatte 3822

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