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Jüdisches Volksblatt · 1901-11-08 · 45 (8.11.1901) · page 1

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
45 (8.11.1901)
Date
1901-11-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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»edsrtwn: Kchlök-tgalsr U. GvreckMmde»» (lt> «üo«ema,n> von 4 bis 6 Uhr nachmittag«. Jüdische« «oUSbiatt, «1e». vni|l. »eldjtoer&Ht «egm «eeuAtetn ov« gar nicht erfolgter Zustellung erbMen wir un« dringmd. - Mannfertdte »erde» nicht,»rü«oefteltt. voftiparcaiien.Lonto utios') Zn da« «wonnement kann man täglich eintteteu. erMrr Mitwirkung der vom jüdischen Volks- Verein erwählten Pressrmmnisston. Inserate übernehmen dt« Firmen: I. Danneberg, M. Duke«, Haasen. stein «r Bögler» Rudolf Moste» K. Oppelik, M. Pozsonhi, El. Schaler in Wim, ferner alle vnnoncen'Lrpedttionen Im tluSlande. Gi»zel«N«mmer i« Wie» I« Heller. Administration: YU1/1, Kchlötzelgalse 11. AbounemeutSpreiS r Für Wien n. Oesterreich-Ungarn lammt Francozustellung. . . Ar. 8.— '■»■»»B'WWWJBaWBf-'W J.!S!IWMWH8BULJ,!.»U.?llUilU ierteljährig Für daS gefammte Ausland lammt Francozustellung. Sunzjährig ... Kr. v — Halbtägig.. 4.50 BierteljLhrig.2Ä5 »r. 45 Wie«, 8. Uooemvrr 1S01. LII. Jahrgang. Vom Tage. 3um socialdemokratischen Parteitage. I. Es ist eftie charakteristische Eigmthümlichkeit aller österreichischen Parteien (die sehr viel zu den österreichischen Wirren beiträgt), die großen Massen weniger durch klare, in Oesterreich realisierbare Programme als durch dehnbare Schlagworte und den Parteiterrorismus, genannt Purdisciplin, zusammenzuhalten. Wohl tritt diese Erscheinung auch in anderen Staaten zutage, aber lange nicht in dem Maße, als in Oesterreich. Zu diesen Betrachtungen wird man unwillkiirlich gedrängt, wenn man die Verhandlungen des eben stattgefundenen Parteitages der österreichischen Socialdmrokratie, mit den: letzten Parteitage der deutschen Socialdemokratie in Lübeck vergleicht. Eine ausführlichere Besprechung des Parteitages der österreichischen Socialdemokratie ist nun, so weit es der beschränkte Raum unseres Blattes gestattet, aus zwei Gri'mden nothwendig: 1. weil ein großer Thcil unserer jüdischen Volksgenossen auf das marxistische Programm der Socialdemokratie schwört, und weil 2. sowohl die sogenannte Judenpresse als auch die antisemitische Presse in ihren verschiedenen Schattierungen in allen die Socialdemokratie betreffenden und mit dem Socialismus zusammenhängenden Fragen eine ebenso große Unwissenheit als Einseitigkeit an den Tag legen. Ein klares Erfassen der verschiedenen socialen Strömungen in und außerhalb der Socialdemol kratie ist aber gerade für die österreichischen Jrrden und insbesondere für unsere engeren Gesinnungsgenossen uniso nothwendiger, als einerseits die wirtschaftlichen Fragen in Oesterreich immer mehr und mehr in den Vordergrund treten und andererseits unser jüdisch-volkliches Gegenwarts- Programm, wie wir ja bereits des öfteren ausgeführt haben, vorwiegend ein wirthschaftliches sein muss. Und nun zum Parteitage. Wenn diese Zeilen in den Druck gehen, ist das endgiltige Resultat des Parteitages noch nicht bekannt, so weit man aber die bisherigen Verhandlungen übersieht, so beweist die Zerfahrenheit in den Anschauungen über die principiellen Grundlagen der Partei, nicht etwa nur über das Endziel, sondern selbst über die brennendsten Fragen der 8 Socialreform, dass die Krise, welche alle bürgerlichen Parteien Oesterreichs längst erfasst hat, auch vor den Thoren der marxistischen Socialdemokratie nicht Halt macht. Die socialistische Opposition der Neunzigerjahre, welche bei all ihren zahlreichen Fehlern iN principieller und tactischer Hinsicht immerhin das Verdienst hatte, dm Marxismus, sowie die verschiedenen politischen und ökonomischen Unterlassungssünden der officiellen Partei kritisiert zu habm, sie Sabbath. I Sonnenfäden liegen auf den Blüten, 8 Gelbe, weiße Schmetterlinge brüten 8 Hoch im Ast auf maiengrünen Blättern, 8 Wo im Nest die Kehlchenjungen zetern — I Sachte kühle Mittagswinde streichen I Ueber schlanke Birken, stolze Eichen, 8 Ueber dünnes Gras und rothe Sterne.- H Süße Lieder klingen in der Ferne I Und ein Mädchen kommt ben Berg herunter, H Morgenfrisch, wie Frühlingsruf so munter, 8 Feurigschwarz das Haar, die Augen, 8 Die zum Kosen nur, zun: Träumen taugen. 8 Air der silberweißen Birke steht der Knabe, 8 Steht, als ob er sich des Frühlings labe, 8 Sieht die süße Maid voriibereilen 8 Durch der laugen, lichten Stännne Zeilen. — Horcht! Dort oben in den hohen Bäumen Thut ein heilig-reiner Sabbath trämnen, Alles schlägt so voll dem Herrn entgegen, Der jetzt wandelt auf den lichten Wegen!-— Max Eisler. ist wohl verschwunden vom Schauplatz des öffentlichen Lebens, aber ihr Geist wandelt in dem Berathungssaale der österreichischen Socialdemokratie, und vieles von dem, was die verschiedenen oppositionell-socialistischen Gruppen Deutschlands und Oesterreichs in den letzten 10 Jahren in Wort und Schrift gegen den Dogmatismus der Marxisten, gegen die Theorie und Taktik der officiellen Socialdemokratie vorbrachte, fand Wiederhall auf dm: letzten Parteitage. Eine organisierte Opposition war dort allerdings nicht vorhanden, aber jeder Redner sagte so ziemlich das Entgegengesetzte von dem, was sein Vorredner gesagt hat. Der Hauptzweck des Parteitages hätte die Revision des Parteiprogramms sein sollen. Daran, dass das Parteiprogramm der Socialdemokratie und besonders der österreichischen, einer Revision äußerst bedürftig ist, könnm nur orthodox-marxistische Zöpfe zweifeln. Eine gesunde internationale — socialistische — Partei in Oesterreich muss ein klar formuliertes, nicht nur auf dem Papier stehendes Nationalitätenprogramm besitzm, auf Grundlage dessen sie unbeugsam für die Neuorganisation Gesammtösterreichs, für die ausnahmslose Autonomie aller seiner Völker, auch der Juden, gegenüber allm nationalm Chauvinisten und Propagandisten der Völker- und Rassenhetze eintritt. Aber nicht nur auf die Nationalitäten- und Judenfrage hat ein modern socialistisches Programm in ganz anderer Weise als das alte Hainfelder Programm Rücksicht zu nehmen. Die Revision des Programms muss sich auch mit dem vollständigen -Bruch mit dem Marxismus, nicht nur auf den partiellen, wie. es bei Bernstein geschieht, erstrecken, der keineswegs, wie selbst Pernerstorfer am Parteitage zugestand, mit den: Socialismus identisch ist. Die Revision endlich aber darf sich nicht nur auf das Endziel beschränken, sondern muss sich auch auf das wirthschaftliche Gegenwartsprogramm ausdehnen. Die Bedeutung der Gewerkschaften und Genossenschaften wird so lange unterschätzt Werwen und die Stellung zum Gewerbe und Bauernstände wird so lange eine verfehlte bleiben und eine gesunde Wirtschaftspolitik hindern, als die Socialdemokratie nicht mit den: Marxismus gebrochen hat. Die Nothwendigkeit, das Hainfelder Programm in dieser Richtung zu revidieren, hat aber am Parteitage nicht ein einziger Redner zum Ausdruck gebracht. Die verschiedenen Redner sind wie die Katze un: den heißen Brei herumgegangen. Alle Redner fürchtete:: Wohl, dass etwas faul ist im Staate Dänemark, die meiste:: gaben auch einzelnen richtigen Gedanken Ausdruck, aber Ucbereinstimmung herrschte nur in dem einen Bestreben, eine radicale Umgestaltung des Parteiprogramms zu — verwerfen. Bebel sagte am Parteitage: „Eine Revision kann einen Umsturz bedeuten, inden: man ein ganz neues Programm macht; man kann aber auch bloß Schönheitsfehler Das Neueste ans der hebräischen Kteralnr. 1. In der neueren hebräischen Literatur hat sich eine „Moderne" eingebürgert,, die, obwohl kaum ein Decenniuu: alt, sich bereits ziemlich bemerkbar gemacht hat. Ihrer Geburt ist ein großes „Bergkreißen" vorangegangen. Eine kleine Schar beherzter Kritiker trat mit großem Feldgeschrei gegen die „Alten" in der neuhebräischen Literatur auf. Wie Hagelschlosse:: fielen kräftige Worte der Kritik auf die „Alten" nieder und diese konnte:: nichts anderes thun, als den „Jungen" zuzurufeu: „Lasst sehen, was Ihr selbst schaffen könnte, bevor Ihr das Alte zerstört, zeigt Eure positiven Leistungen, bevor Ihr alles Ueberlieserte niederreißt." So entbrannte ein heftiger Federkrieg, der paar wenig Originelles hervorgebracht hat, aber doch neue Züge aufwies, die die Geschichte der Entwicklung der neuhebräischen Literatur verzeichnen wird und denen daher eine vorläufige Besprechung nicht vorenthalten werden soll. Die Schriftsteller-Generation der „:: e u e::" wie auch der „a l l e r n e u e st e::" Richtung in der neuhebräischen Literatur gieng aus den: Beth-Hanndrasch hervor, aus der starrten Orthodoxie nahmen beide ihre Entwicklung. Während jedoch die ersten Autodidakten lvaren und auch nach der „Aufklärung" in: Volke verblieben, genossen bereits die anderen regelmäßige Schulbildung, wurden Doctoren und Nnlchsen quasi, über das Volksmilieu hinaus. Durch diesen Unterschied 'sind beide Generationen s p r a ch l i ch sotvie auch inhaltlich scharf gekennzeichnet. Ein kurzer Blick auf die neuere Geschichte dieser Literatur beweist dies klar. aus dem alten Programm beseitigen ... In der ganzen internationaler: Socialdemokratie gibt es nicht einen einzigen bekannteren Genossen, der ein Dogmenfanatiker in dem Sinne wäre, dass er sagte, alles, was wir einmal als richtig erkannt haben, muss für alle Zeiten als richtig gelten. Die Kritik an uns selbst und unseren Grundsätze:: zu üben liegt im Wesen unserer Partei ..." Diese Worte Bebels, die von ungeheurem Beifall gelohnt waren, stehen nicht etwa nur in: Widerspruche mit der Haltung der herrscher:den Richtung der marxistischen österreichischen Socialdemokratie, sondern auch mit den an: Parteitage diesbezüglich gehaltenen Reden, mit der Art der Discussion, wie sie auf den: socialdemokratischen Parteitage, sowohl über die Revision des Parteiprogramms als auch über andere Punkte stattgefunden hat. Besonders trat dies bei jenen Redner:: hervor, die Bernstein in die Debatte hineinzogen. Nach der „Arbeiterzeitung" sagte Brod: „Gewiss, das Hainfelder Programm ist vielleicht veraltet, eine Abänderung ist nöthig, aber ein Aenderung muss ja keine Verwässerung sein. Dr. Adler leugnet, von Bernstein beeinflusst worden zu sein .... Dr. Adler ist ein ausgezeichneter Genosse, er hat eine revolutionäre Ader, aber eine verfluchte Taktik, er glaubt dabei den Uebergescheite:: zu spielen und fällt dabei immner hinein. Er folgt de::: Ausspruch Auers: „so was thut man, aber sagt es nicht". Auf der einen Seite spricht er so, dass man Angst bekommen könnte vor seinem revolutionären Geist, aber in der Praxis steht er so weit rechts, dass man manchesmal nicht zu unterscheiden weiß zwischen dem Socialdemokraten und dem bürgerlichen Socialpolitiker. .. * Glauben;- und Gewissensfreiheit in Oesterreich. Wir habm wiederholt in diesm Blättern auf die verlogene Haltung der Alldeutschen im öffentlichen Leben htngewiesen. Mit jeder anderm Partei ist der Kampf leichter, weil die Parteien feste Grundsätze habm, die, wmn sie uns auch noch so feindlich gegenüberstehe::, doch zu fassm und zu beleuchten sind, nur die Alldeutschm habm die Principienlosigkeit ■ zum Princip erhoben. Mit jeder anderen Partei ist ein Compromiss oder wenigstms eine Verständigung zumindest dmkbar; nur mit dm Alldmtschen nicht, denn das Maß ihrer Postulate ist unverschämt, sie schillern in allm möglichm Farben, und keine scheint die letzte zu sein. Die Clericalm und Christlich-Socialen trage:: die schwarze Livree des Mittlalters ganz offm; sie erheben die Forderung nach einer Staatsreligion, von derer: Bekmntnis sie die Fähigkeit zur Bekleidung von öffmtlichen Aemtern abhängig nnrchen wollen; natürlich wollm sie die katholische Kirche zu diesem Range erhebm. Die Bekämpfung eines so veralteten, engherzigen rmd ungerechten Standpunktes ist leicht. Die ersten Pionniere erschienen in Berlin zur Zeit Mendelssohns und die erste Herausgabe, von welcher wir die neuhebräische Literatur füglich datieren dürfen, warm die „M ' A s p h i m". Wesel, Eichel und andere machten sich daran, die hebräische Literatur zu „belebe::" und debütierte:: mit Gedichten, kurzen Aufsätzen und mit tlebersetzungen von mehr oder minder wichtigen Werkm. Es Nur in: allgm:einen eine sehr harmlose geistige Nahrung, die man da vorgesetzt bekam, mehr süßlich als kräftig. Hieran schlossen sich in Deutschland Ausgaben von größerm Jahrbüchern wissen s ch a f t l i ch e n Inhaltes, besonders Vorarbeitei: zur Geschichte der Jude::; die Herausgabe von „Bikurei Jtiiu" von S ch u l e n: H a - k o h e:: und später „Keren: Chen:ed" von A. Goldenb e r g habe:: der Literatur neue Wege gewiesen. Mitarbeiter wie S. I. R a p a p o r t, S. D. Luzza11 o, I. S. R e g i u ::. a. auf den: Gebiete der Geschichtsforschung, sonne Gedichte und verschiedene moralische Aufsätze habe:: gmi'lgend gewirkt, un: die Leser, die noch alle im Beth- Hamidrasch wurzelte::, anfznrütteln und sie zur Aufklärung und Ausbildung anzurege::. In. Russland nahm diese Rick? tung viel mehr greifbare Gestalt an. Die Gedichte von A. B. Leb e :: s o h n , die Aufklärnngsschrifteu von I. B. L e b e n s o h n Hab:':: tief ins Lebe':: eingegriffen. A. M a p u führte bei: Roman in die neu hebräische Literatur ein und mit der Begründung der Wochenschriften „H a m a.- g i d" (Lyck in Preußen), „H a in e l i z" (Odessa) und „H a k a r m e l" (Wilna) wurde eine lebenskräftige Publicistrk zur Behandlung von Tagrsfrageu geschaffen. Daneben entstanden Dichter loie M. L e b e n s o h n und I. L. G o r d o n , die ganz neue Töne anschlugen und Kritiker wie A. R o w n e r und A. I. P a p i r n o , die sich gegm

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