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Jüdisches Volksblatt · 1901-10-25 · 43 (25.10.1901) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
43 (25.10.1901)
Date
1901-10-25
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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W "1 IM Seile 6 Wien, Freitaf Jftdfcirhoi. VoMabl&tt 25. Oetober 1901 Nr. 43 nicht anzunehmen, dass dieselbe allzubald einer frischeren Bewegung Platz machen wird. * Auf Grund einer Interpellation des kais. Rathes Kammerrath Heinrich Klinger begab sich der Präsident der Wiener Handelskammer vor wenigen Tagen zu den bezüglichen Ressortministern, um ihnen eine Bitte der Jndltstriellen vorzutragen. Dieselbe gieng dahin, bic auf Grund der in der letzten Zession beschlossenen Investitionen nothwendig gewordenen Arbeiten rnoglichst rasch zu vergeben, um wenigstens die bethciligtc Industrie zu beschäftigen, da fast alle Industrien schwer unter der allgemein herrschenden Beschäftigungslosigkeit zu leiden haben. Die Minister haben denn auch versprochen, die Bitte zu erfüllen und ist zu hoffe«, dass bald wieder etwas Leben in die verschiedenen Fabriken einzieheir wird. Inzwischen hat der Eisenbahnminister, um der nothleidenden Industrie aufzuhelfcn, bei verschiedenen Waggon- und Loconwtivfabrikeu circa 4000 Waggons und 4ÖÖ Locomotiven bestellt — aber nichts der österreichische, sondern der deutsche Eisenbahnminister; ^(zur Nachahmung bestens empfohlen). * Eine für die gesummte Geschäftswelt ebenso angenehme als zweckmäßige Neuerung hat der Handelsminister süngst im Postsparcassenverkehr eingeführt, indem er den Betrag der Stannneinlage von 200 K. auf 100 K. herabfetzte. Dadurch wurde der Einrichtung des Clearingverkehrs, die ja ohnehin in den weitesten Kreisen bereits Eingang gefunden hatte, auch der Weg zum kleinen Geschäftsmann geöffnet. * Jm Staatsvoranschlage fehlt Heuer eine Ziffer von 2,6 Millionen Kronen, welche in den letzten Jahren fortdauernd vorhanden war; es ist dies der Antheil des Staates an dein Reingewinne der Kaiser Ferdinands-Nordbahn. Heuer erreicht der Gewinn der Actien nicht einmal die für die Theilhaberschaft des Staates festgesetzte Maximalhöhe von 100 Gulden. Der letzte Abschluss der Nordbahn weist ein Minderergebnis gegenüber dein Vorjahre um 6,23 Millionen Kronen aus, woraus sich für diesen Höchstgewiust der Actie von 100 Gulden ein Deficit von circa 2,46 Millionen Kronen ergibt. Bei um 2,6 Millionen Kronen verminderten Einnahmen haben die Betriebsausgaben ein Mehrerfordernis von 2,74 Millionen Kronen ergeben. Trotzdem besteht die Regierung noch immer auf einer Herabsetzung der Tarife, was bei diesen Verhältnissen eine immense Schädigung der Actionäre bedeuten würde. * In der letzten Woche sind die Course der Südbahn- Actien und -Prioritäten wieder unr mehrere Percent gefallen. Die verminderten Betriebseinnahmen und die mit nöthige Aufklärung über die Ursache der Verlegung des Markttages; wir glauben nicht recht an die Judenfrenndlichkeit des Herrn Statthalters; wir haben bis heute noch sehr wenig davon zu verspüren bekonnnen. Charakteristisch für die Persönlichkeit des Herrn Hüttcr, der diese gar nicht zur Sache gehörende Frage, die übrigens die Versammlung nicht im mindesten interessierte, in recht antisemitischer Weise aufbauschte und übertrieb, war seine weitere Haltung als Referent in dieser Versammlung. Herr Hütter hatte noch nach diesem ganz ungerechtfertigten und bei den Haaren herbeigezogenen Ausfall gegen die Juden, die Unverfrorenheit, der Versammlung mit dem Brustton der Ueberzcugung (das hat er von seinem Herrn und Meister gelernt) die Erklärung abzugeben, dass er beileibe deshalb nicht etwa für einen Judenfresser gehalten werden wolle. Er sei kein Antisemit, betheuerte er ein um das anderemal, und lebe mit seinen jüdischen Standcsgenossen, die er alle hochachte und schlitze, sowie er jeden anständigen Menschen achte, gehöre er , welcher Confession immer an —■ im besten Einvernehmen; er bringe . die Sache nur deshalb zur Sprache, weil ihm nichts anderes einge-; fallen sei, und er als Referent doch etwas sprechen müsste. j Ein netter Referent und ein schönes Geständnis das. Zum Schlüsse lvurde noch nachfolgende vom R.-R.-Abgeordneten Axmann vorgeschlagene Resolution einstimmig angenommen: j „Die heute Freitag den 18. Oetober 1901 in der Volks- ' halle des neuen Wiener Rathhauses tagende Versammlung von mehr als 8000 Kauftcutcn, Handels- und Gewerbetreibenden, welcher Zustinunungcn der Handels- und Gewerbe-Genossenschaften aus allen Theilen Oesterreichs in Vertretung von mehr als 176 000 selbständigen Handels- und Gelvcrbctreibcnden zugekommeu sind, verlangt unter Hinweis auf die soeben erstatteten Referate die Aufhebung der Consum-Vereine, Lebensmittel-Magazine, sowie aller derartigen Unternehmungen, ebenso die unbedingte Einschränkung der landwirtschaftlichen Casinos, Lagerhäuser usw. auf ihren eigentlichen statuarischen Zweck, weil alle derartigen Institutionen in ihrer heutigen Wirksamkeit der Allgemeinheit keinerlei Vortheile bringen, dagegen den unausbleiblichen Ruin der Handels- und Gewerbetreibenden herbeiführcn." D. i. G. Bücher-Einlaus. „Eine Orientreise" von Hermann Götz, Verlag von A. E. Seemann, Leipzig, 1901. Preis 7 Mark. Der Verfasser dieses unlängst erschienenen, prächtig ausgestatteten und reich illustrierten Werkes (280 Textillustrationen und 8 Aquarellblcittcr) ist bereits todt. Als Leiter der großherzoglichen Kunstgewerbeschule in Karlsruhe und als schöpferischer Künstler hat er sich um ganz Deutschland und insbesondere um sein engeres Vaterland Baden unvergesslich verdient gemacht und sich einen Namen als Mäcen der.Künste erworben. Im Jahre 1897 bereiste Götz die alten und für jeden Künstler einen anziehenden Reiz besitzenden Culturländer Aegypten, Syrien und Palästina. Die Fülle von Eindrücken, die er von dieser Reise mitbrachte, legte er in dem uns vorliegenden Werke nieder. Mit seiner „Orientreise" tritt Götz als Schriftsteller, Illustrator und Aquarellist auf. Es ist ein Werk aus einem Gusse, das sich aus der Fluth der Altagsreisebeschreibungen vorthcilhaft heraushebt. Götz reist mit offenem Auge und klarem Blicke. Und lvas so viele Orienttouristen nicht besitzen oder alsbald unter dem Einflüsse kleiner Widerwärtigkeiten verlieren, besitzt und bewahrt sich Götz in erfreulichem Maße, nämlich Humor. Seine Feder hat Geschmack und enthält-sich dankenswert jedes Redeprunks, jeder aufdringlichen Gelehrsamkeit. Sein Aquarellpinsel ist in die Farbengluth des Orients getaucht, er gibt circa 2.8 Millionen Stumm veranschlagten Mehrausgaben | £ ’Ätf UUW UL.. Ä lassen es fast als gewiss erscheinen, dass die Actionäre Heuer > unser Verfasser eine Fülle von sehr gelungenen Bildern eilcheimste, ganz leer ausgehen werden. Was Wunder, wenn sich! wodurch das Gesammtreisebild uns auf Lebenszeit der Erinnerung alle ibres Besitzes an diesem Vaoiere entlediaon wallen eingeprägt wird. Vor unseren Augen führt Götz das bunte, btcl* aue 19«» an mesem Papiere enrieolgen woucn, gestaltige Treiben des Orients, die uralten Bauwerke Aegyptens. die imposanten Reste Syriens und — last not least — die heiligen Stätten Palästinas vorüber, Cairo und der Nil, Beirut, Damaskus, Jreusalem und das todte Meer, die Fellachen, Kopten, Araber nnd Juden, uralte, ewig stillstehende Vergangenheit und eine reiche, vielgestaltige, lärmend-bunte Gegenwart, alles schiebt sich wie Bilder einer Zauberlaterne im Götz'schen /Reisewerke durcheinander und weckt die Sehnsucht, die alten Culturstätten aufzusuchen. Von der Wiener Wochenschrift „Die Zeit" (Herausgeber: Prof. Dr. I. Singer, Dr. Max Burckhard, Dr. Heinrich Kanner; Redaction für bildende Kunst: Prof. Dr. Richard Mnther) ist soeben das 368. Heft erschienen. Aus dem Inhalt desselben heben wir hervor: Finanzpolitische Geheimfächer. Von K. — Die ultramontane Moral. Von Gras v. Hoensbroech. — Die böhmischen Landtagswahlen im czechischen Lager. Von Gustav Zalud. — Oesterreich-Ungarn und die Vereinigten Staaten. Von A. G. Raunig. — Venezuela und der augenblickliche Krieg mit Columbien. Von Ernst von Hesse-Wartcgg. — Neue Romane und Novellen. Von Richard Die von uns in der vorletzten Nummer angekündigte große Maria Werner. — Russische Kunst. Von Rainer Marie Rilke. — Demonftrationsversammlung der Handeltreibenden aller Approvi- Die Woche: Politische Notizen; Volkswirtschaftliches; Kunst und sionierungsgewerbe hat Freitag den 18. Oetober halb 8 Uhr abends Leben. — Bücher. — Revue der Revuen. — Eine venezianische unter außerordentlich starker Betheiligung der Interessenten in der Nacht. Von Paul Hehse. Was natürlich nicht ohne große Opfer geschehen kann. Nunmehr sind wieder Verhandlungen mit den Prioritären im Zuge, um dieselben eventuell zu dem Zugeständnisse zu bewegen, die Amortisationsdauer der Prioritäten — bei denen es nicht ohnedies der Fall ist — bis zum Ablauf der Eoncessionsdauer, d. i. bis 1968 zu verlängern und die Tilgung durch freihändigen Rückkauf statt durch Verlosung vorzunehmen. Zwar verlieren dadurch die Prioritäre die Verlosungschance, doch werden sie durch die größere Sicherheit der Titres entschädigt. Durch die so geschaffene Entlastung der Jahresrechnung kämen eventuell auch die Actionäre einmal zu einer annehmbaren Dividende. Acttrn gegen die Eonsumvereine. Bolkshalle des neuen Wiener Rathhanses stattgefunden Wir wollen uns aus opportunitätsgründen in die einzelnen Details dieser Versammlung nicht einlassen, schon aus dem Grunde, weil ja ohnehin sämmtliche Tagesblätter, darunter am ausführlichsten das „D. V.", über dieselbe berichteten. Unsere Leser, die sich für diese Frage interessierten, brauchen übrigens nur die Nr. 26 bis 32 des «I. V." zur Hand zu nehmen, wo sie dieses Thema ebenso gründlich als gemeinverständlich besprochen werden finden können. Dass cnrch die Christlich-Socialen, die zu dieser Versammlung ihre besten Kämpen ins Treffen führten, dieser Frage keine neue Seite abgewiunen konnten, ist der eclatanteste Beweis für die Nichtigkeit unserer damaligen Ausführungen. Wir wären demnach mit unserem Referate eigentlich schon zu Ende, wenn wir nicht noch zu berichten hätten, tvas die christlich-socialen Parteiblätter aus naheliegenden Gründen zu verschweigen für gut fanden. Wir meinen die gehässigen Ausführungen des Herrn Hütter, seines Zeichens Vorstand der Fleischhauer-Genossenschaft. Während alle Referenten ohne Ausnahme sich in dieser, tvie in allen derartigen von der christlich-socialen Parteileitung veranstalteten Versammlungen rein wirtschaftliche Charakters einer bei Christlich-Socialen seltenen Objectivität befleißigten, glaubte Herr Hütter. wie er zu seiner Entschuldigung selbst hervorhob ans Mangel an sachlichen Argumenten, ein Uebriges thun . und über die Juden schimpfen zu müssen, was aber auf die Versammlung ohne nachtheiligen Einfluss blieb, da dieselbe auch weiterhin ihren neutralen, rein wirtschaftlichen Charakter wie bei Anbeginn der Versamrnluirg beibehielt. Herr Hütter hielt sich darüber auf, dass der Statthalter entgegen den einstimmigen Beschlüssen der Fleischhauer-Genossenschaft, des Gemeinde- und Stadtrathes, den Markttag, der auf den Versöhnungstag der Juden fiel, auf den nächstfolgenden Tag verlegte, wie Herr Hütter der Versammlung glauben machen tvollte, rein nur um den paar jüdischen Vichcommissionäreu gefällig sein zu können und nicht etwa, um einen geringen Auftrieb —• der eine künstliche Preis-- steigerung und eine ganz unberechtigte Uebervortheilnng der Consnmenten zur Folge gehabt hätte — zu verhindern; wir tvollen mit Herrn Hütter an dieser Stelle darüber nicht rechten, haben auch gar keinen Anlass, den Herrn Statthalter in Schlitz zu nehmen. Vielleicht gibt uns ein Standesgenosse des Herrn Hütter oder einer der jüdi- Abonnements , auf diese Wochenschrift, vierteljährlich 6 Kronen — 6 Mark, nehmen die Post, alle Buchhandlungen und die Administration, Wien, 9. Bez. 3, entgegen. Einzelnummern zu 60 Heller 50 Pfennig. — Probenummern gratis und franco. Von der „Neuen Zeit" (Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das dritte Heft des zwanzigsten Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Eine Bündnisfrage..— Die Revision des Programms der Socialdemokratie in Oesterreich. Von K. Kautsky. — Epilog zum amerikanischen Stahlarbeiterausstand. Von I. L. Franz. —- Strömungen im deutschen Genossenschaftswesen. Von H. Fleihner-Dresden. — Feuilleton: Dem neuen Jahrtausend entgegen. Eine naturwissenschaftliche Umschau von Dr. Friedrich Knauer. (Fortsetzung.) DaS freie Wort. Frankfurter Halbmonatsschrift. Herausgegebcn von Carl Sänger. Heft Nr. 14. Inhalt: Die geistige Bedeutung Frankfurts in der Gegenwart. 1. — Das österreichische Problem. 8. — Einführung des Moral-Unterrichts in die Schule durch Plebiscit. Von Dr. Rudolf Penzig. — Die Conflictlosen unserer Tage. Von Georg Schneider. — Ein Priestergeheimbund in Sicilien von Dr. Albert Zacher. — Congresse. — Büchertisch. Jüdische Turnzeitung. Herausgegeben vom Jüdischen Turnverein „Bar Kochba"(Berlin). Inhaltsverzeichnis: Conflict zwischen dem israelitischen Cultnsvorstand und den jüdischen Turnvereinen zu Bielitz (Oesterr.-Schlesien). Die jüdischen Turner tti Rumänien. Von Nachtal. Was leistet ein jüdischer Turnverein? Von Elias Auerbach. Aus der .„Jüdischen Turnerwelt". Freiübungen. Lehrbuch der samaritanische» Sprache und Literatur. Von I. Rosenberg, Professor für moderne und semitische Sprachen. 13 Bogen. Octav. Geb. 2,20 K. (2 Mark). Eine leichtfassliche Darstellung der samaritanischen Sprache und Literatur ist ein längst gefühltes Bedürfnis. Das alte und neue Testament, die Kirchenväter und der Talmud befassen sich oft und eingehend mit bcn Samaritern, den Pentateuch besitzen die Samaritaner in einer älteren Recension als unser massorethischer Canon, in der samaritanischen Literatur hat sich die hebräische und aramitaische Sprache ganz unabhängig und abweichend vom massorethischen Hebräisch entwickelt, Ursache genug, um dieReligionslehrer, Theologen und Orientalisten für diese merwürdiae Sprache und schen Viehcommissionäre, die diese Zeilen zu Gesichte bekommen, dieLiteratur zu interessieren. Und dennoch ist die Zahl derer, die sich nrrt dresem Literaturzweig befassen, verhältnismäßig gering, tvohl nur deshalb, weil das Material, in seltenen und kostspieligen Werken und Zeitschriften zerstreut, schwer zugänglich ist. Im vorliegenden Werke ist nun für den Anfänger alles Nöthige übersichtlich und leichtfasslich dargestcllt, und eine ausführliche Bibliographie wird den Lernenden in den Stand setzen, feine samaritanischen Kenntnisse nach jeder Richtung zu erweitern und zu vertiefen. Der Verleger hat keine Kosten gescheut, um das Buch nett und gefällig auszustcrtten und der am Ende des Buches beigefügte Brief des gegenwärtigen Hohenpriesters der Samaritaner zu Nablus wird gelviss auch als eine interessante Beilage seitens des Lernenden freudig begrüßt werden. Da8 Eherecht ist eine der compliciertcsten nnd in das bürgerliche Leben ticfeinschueideudcn Materien der Gesetzgebung. Deshalb werden die diesem Gegenstände gewidmeten Capitcl in den soeben erschienenen Heften 22—24 des Volksthümlichen Handbuches des österreichischen Rechtes von Dr. Ingwer nnd Dr. Rosner ganz besonderes Interesse wecken. Ehehindcrnissc und deren Aufhebung, die Form der Eheschließungen, die dabei in Betracht kommenden vennögensrechtlichen Bestimmungen, die Vorschriften über Ungiltigkeitserklärung, Trennung und Scheidung der Ehe, über confessionslosc Ehen uftv. finden ausführliche und durch zahlreiche Formulare unterstützte Erörterung. Daran anschließend werden in populärer Weise die sonstigelt familieurechtlichen Gesetze erörtert: Großjährigkeit, Uneheliche Killder, Alimentationspflicht, Vormundschaft uild Curatel, ferner das Erbrecht (mit etiler praktischen Anleitung zur Abfassung von Testamenten) usw. Das empfehlenswerte Werk ist in allen besseren Buchhandlungen zum Preise von 28 Heller pro Heft käuflich, und auch vom Verlag der Wiener Volksbuchhaudluilg Ignaz Brand, Wien, 6. Bezirk, Gumpendorferstraße 18 zu beziehen. Bereinsnachrichten. Wien. (Wählt hätigkcits- und Kranken- Unterstütznngs-Verein „Gemiles Chesed".) Der Vorstalld des Vereines „Gemiles Chesed" versendet folgenden Aufruf: Hochverehrte Glaubensgenossen! Seit 14 Jahren hat es sich der Wohlthätigkeits- und Kranken-Unterstützungs-Verein „Gemiles Chesed" in Hernals zur Aufgabe gemacht, Schulknaben in der hebräischen Sprache, in Hebräischschrerben, wie auch in der Religion unserer Väter unterrichten zu lassen. Der Verein hat in diesem Jahre die Vereiuslocalitätcu renovieren lassen, zwei separierte Schulzimmer mit einer vortrefflichen Beleuchtung geschaffen, so dass für eine große Anzahl Schüler hinreichend Platz ist. Der Unterricht in der Talmud-Thora-Schule im 17. Bezirk, Ortlicbgasse Nr. 8 wird von zwei bewährten, pädagogisch gebildeten Lehrern zwei Stunden täglich und zwar von 6—7 Uhr abends, an Sonntagen von 1—3 Uhr nachmittags ertheilt. Anmeldungen werden dortselbst entgegengcnommen. Hochverehrte Glaubensgenossen! Vcdcilket, was es für Mühe und Opfer kostet, eine solche nothweridig gelvordcne Institution zu erhalten. Der Religionsullterricht der Talmud-Thora- Schllle bedeutet eure Ergänzuilg für den Religionsunterricht an dev öffentlichen Schule. Es ist doch Pflicht der sehr geehrten Eltern, ihre i.Knder in ihrer eigenen Religion zu erziehen und dazu ist ihnen hier Gelegenheit geboten, daher ersucht der Verein alle P. T. Eltern, ihre Schulknabcn in die Talmud-Thora-Schule zu schicken. Unbemittelte sind vom Schulgeld enthoben und erhalten die nöthigen Bücher. Wir rufen Euch den Satz rmsercs heiligen Gebetes „Weschinantom lefonecho" nsw. usw. ins Gcdächti^is. Ferner wird den P. T. Eltern zur Kenntnis gebracht, dass der Verein unbemittelte Kinder zur Barnrizwa unentgeltlich unterrichten küsst. Wir-appellieren nochmals an Ihr edles jüdisches Herz, der guten Sache wegen und in Ihrem eigenen Interesse die Talmud-Thora-Schule sich angelegen sein zu lassen, damit die Kinder im Hebräischen etwas lernen. Wien, im Oetober 1901. Für den Vorstand: Heinrich Korirmehl. Für die Talmud-Thora-Section: Ignatz Rotter, S. Offner. I Allgemeiner BildungS- und DiScussions-Club. Samstag den 36. Oetober l. I. findet im „Cafü City", IX., Porzellangasse 1, 1. Stock, um 8 Uhr abends ein Discussious-Abeud statt, bei welchem die Herren Dr. Weisengrün, Tr. K a d i s ch und Dr. Landesberg über .Nevtsions-Bestrebuugen im Socialismus" referieren werden. Gäste, auch Damen, willkourmen. Vortrag. Im lit. Geselligkeitsverein jüd. Mädchen „Moria" findet Sonntag, den 27. d. M. um 3 Uhr nachmittags im Vereinslocale, 9. Bezirk, Berggasse 20 ein Vortrag des Herrn Dr. Marcel Weißmann über „Orthodoxie und Zionismus" statt. Gäste, Damen hcrzlichst willkommen. Wochenprogramm der Tohnbee-Hnlle. Sonntag 27. d. Con- ■ cert: Musik, Gesang. NLontag, 28. d. Dr. I. Sadger: Cyklus „Aus dem Gebiete der Naturwissenschaften". Dienstag, 29. d. Dr. Leopold Kahn: „Meine Erlebnisse in Spanien". Mittwoch, 30. d. Moriz Zobel: „Achad-Haam". Donnerstag, 31. d. Dr. Heinz Kohn: Cyklus „Ueber Schuld und Strafe". Freitag, 1. Nov. Dr. Grüll: Bibel, Erklärung der Sedra. Samstag, 2. Nov. Concert: Musik, Gesang. Anmeldungen zu Vorträgen sind zu richten an: Dr. Leopold Kahn, 7. Bezirk, Lindengasse 11. Au8 Linz wird uns gemeldet: Am 20. d. M. fand im hiesigen isr. Tempel die Trauung des Herrn Jaques Lötoy, Geschäftsführer der Confectiorcsfirma Abrahamer mit Frl. Milliy Bigler aus Wels statt. Schon lange vor Beginn der Trauring war der Tempel in allen seinen Räumen so dicht gefüllt, tvie mmt es noch selten bei einer Trauung gesehen hatte, denn tvie ein Lauffeuer verbreitete sich in lmserer Gemeinde die Nachricht, dass bei dieser Trauung dr allbekannte Ober-Cantor des türkischen Tenrpels in Wien, Herr Jakob Bauer, die cantoralen Functionen überirehmeu wird. Fünfundzwanzig Jahre sind es, seitdem der Nestor der Cmrtoretr, der Ober-Cautor Sulzer aus Wien, bei der Einweihung des hiesigen Tempels uns mit seiner gottbegnadeten Stimme und seinem künstlerischen Vorträge erfreute und entzückte. Seit dieser Zeit hatte die hiesige Gemeinde noch nie Gelegenheit, einen solchen herrlichen Sänger in unserem Tempel zu hören, bis bei obgenannter Trauung, tvo Hrr Ober-Cantor Bauer rins mit seiner bekannten Tenorstimme zeigt, dass er nicht nur Meister des moderneic Sylmgogengcsauges ist. sondern auch die traditionellen alten Weisen mit kunstsinnigem Bcrstäildnisse zum Vortrage zu bringen versteht; kein Wurider daher, wenn alles beim Verlassen unseres Gotteshauses ausrief: Einen solchen Cautor haben wir in unserem Tempel seit Sulzer noch nicht gehört. Aber nicht nur als Cautor ersten Ranges hatten wir Gelegenheit Herrn Ober-Cantor Bauer zu hörcic, sonderrc auch als vor-! züglicher Liedersänger entzückte er mu selben Tage bei dem im j „Hotel Frankfurt" stattgehabten Uuterhaltungsabcnde des Vereines „Unter uns" mit seinen Liedervorträgen die Gesellschaft. Er trug uns bloß zwei Lieder vor. aber mit diesen erzielte er euren derart frenetischen Beifall» dass sich der Obmann des Vereines veranlasst sah, dem wrmderbnren Säuger für den besonderen Genuss - den Dank dex ganzeir Gesellschaft zum Ausdrucke zrr bringen. Bei I dieser Gelegerrheit können wir nicht rmerwähnt lasserr, dass auch Frau Cautor PiSkaty au diesem Abend mit ihrer reinen, äußerst stunpathischen Sopraustimme durch den gediegenen Vortrag ztveier i Abt'scher Lieder ungetheilten Beifall fand; ebenso hatte Herr Cautor! Piskatv mit seinen herrlichen Liedervorträgen gezeigt, dass er eine ganz tüchtige Kraft des Vereines ist. Wie gewöhnlich, -so ermteten auch diesmal die Herren Schubert, Pollak, Bruder, Brandl und Adler mit ihren gelungenen humoristischeu Vorträgen einen reichen Applaus. Möge nun dieser neue Geselligkeitsverciu, der infolge der hiesigen antisemitischen Strönnmg durch die aufopfernde Bemühung des verdienstvollen Obmannes Herrn Gustav Töpfer und dessen Stellvertreters Herrn Schubert erst kürzlich ins Leben genrfen . wurde, und der ein factisches Bedürfnis der hiesigen jüdischen Getmeindemitglieder i-'ch eines recht laugen Dasein erfreuen.

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