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Jüdisches Volksblatt · 1901-09-13 · 37 (13.9.1901) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
37 (13.9.1901)
Date
1901-09-13
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 13. September 1901 Nr. 37 Schulchan Aruch citicit erscheinen. In diesen Fälschungen heißt es, Gott habe die Juden zu Herrschen: ausersehcn.und ihnen alle anderen Völker ausgeliefert, damit sic ihnen dienen; iver einen Juden beleidige, der beleidige Gott u.'dgl. 5iun ist demgegenüber ein jüdischer Gelehrter in den „Nowosti" ausgetreten, welcher behauptet, er besitze sämmtliche 'Ausgaben des Schulchan Aruch, und in keiner befinden sich die Stellen, welche Piatkowsky citiert hat. Letzterer wieder vertheidigt die Richtigkeit seiner Citate in der „Nowoje Wremja" und beruft sich hierbei auf das von dein Ministerium des Innern herausgcgebene Werk des Fürsten G a l i tz i n „Geschichte der russischen Gesetzgebung über die Inder:" :u:d auf das Werk „Gin Staat in: Staate" von S. A. Dinünsky, lauter conrplicatorische Werke. Der Streit, der auf beiden Seiten mit größter Heftigkeit geführt ivird, ruft in den weitesten Kreiser: sehr lebhaftes Interesse hervor. Petersburg, (E i n c R a z z i a a n f d i e I u d e n.) Aus Petersburg wird uns berichtet: Seit einiger Zeit werden die Vorschriften betreffs der Erlaubnis zun: Aufenthalte der Inder: nüt großer Strenge gehaudhabt, und werden die Inder: nur arr der: Orten geduldet, für welche sie einen Erlaubnisschein besitzen, aus allen arrderer: Orten aber unnachnchtlich fortgeschafft. So wird der hiesigen „Nowoje Wremja" aus Kiew telegraphiert: „Tie Polizei hat den Inder:, rvelche sich in Kiew aufhalter:, ohne eine ausdrückliche Erlaubnis hierfür zu Haber:, die Reisepässe abgenommcu und sie angcwieser:, ar: dieOrte zurückzukehren, wo die Reisepässe ausgestellt wurden. Da diese Weisungen nicht zun: Ziele führten, so hat die Gubernial-Verwaltung sämmtliche zun: Aufenthalte nicht berechtigten Juden vertungsbereich des Herrn Schönstedt bemerkbar rnache, sobald ’ 'rüttelst w: ihre:: Conscriptiorwort es sich um jüdische oder rüchtjüdifche Anwärter hai:dele.! transportieren laßen, ^hre Reliepasse werden ihnen ept Herr Schönstedt durch den germnnter: Jnterpcllanter: ganz ^rn: auogeMgt, b:s ße wegen^der Uebertretung de^>Geaugcnscheinlich in eine peinliche Verlegenheit gebracht, über den Aufenthalt der Juden zur ^erantworhmg n:erkte unter ar:dererr: in seiner Erwiderung, dass es in! l^OQL'Hjem Zierden. .Gleichzeitig wird au» der ^oiuruerseinem Ressort verhältnismäßig noch an: günstigsten ^irnatoschn: be: K:ew gemeldet, das» dajelbll der stellt sei, denn die übrigen Verwaltungen lehnten einfach ^sAver Arzt Tr. Brod»ky verhaftet und per Schub nach „die israelitischen Herren" ab. Wir haben schor: darnals auf „Moes chitim" (Unterstützung zur Anschaffung von Mazzoth) anzunehmen, betrug im reichen Odessa 40 000, in Wilna 22 000 Seelen und in Minsk 1200 Familie». In Warschau können nur fünf Procent aller Juden Gemeindesteuern zahlen, und über die Hälfte aller Sterbenden müssen auf Gemeindckosten beerdigt werden. Das sind alles die Folgen der barbarischen Maigcsctze, welche eine Schmach für Russland genannt werden müssen. Allein die Ungerechtigkeit gegen die Inden rächt sich bitter an den Urhebern selbst. Denn nicht nur Schimpf und Schande, mich grotze materielle Schäden haben die schmachvollen Maigesehe über Russland gebracht. Es ist eben undenkbar, dass ein Theil der Bevölkerung eines Landes in schwere Noth geräth, ohne dass auch die übrigen Thcilc des Volkes darunter leiden. Bis 1800 galten die 23 Gouvernements des Ansiedelungsrayons als ein Gebiet, das im raschen Aufblühen begriffen ist. Die Erträgnisse aus den Steuern waren verhältnismässig größer, die rückständigen Steuern geringer. Die Provinzial- und Communalsteuern wesentlich höher und die in den Dörfern aufgespcicherten Getreidevorräthc für den Fall einer Missernte weit reichlicher, als im übrigen europäischen Russland. Auch der sittliche Zustand der Bevölkerung war in den Ländern des Ansiedelungsrayons ein weit höherer als in den 35 Gouvernements des übrigen europäischen Russland. Das Verbrechcrthum war wesentlich und die Trunksucht gar um das Vierfache geringer als im Innern Russlands. Jetzt haben sich alle diese schönen Umstände wesentlich verschlechtert. Mit der Austreibung der Juden aus dem Innern Russland sind die Handelsbeziehungen zwischen dem Centrum und der Peripherie des Reiches sehr zurückgegaugen, die Verdrängung der Juden aus den Dörfern hat die Bauern einer Anzahl christlicher Vampyre ausgeliefert, die auf ihr Christenthum fußend und ohne die jüdische Concurrenz, den Bauern das Leben aus die Dauer geradezu unerträglich machen. Das ist der Segen der Maigesetzei Zum Schlüsse seines Artikels fordert Herr Subotin dringend eine umfassende Revision der Maigesetze. Berlin. hJ ü d i s ch e R i ch t e r.) Das „Berl. T." schreibt: „In der vergangene:: Landtagssession brachte bekanntlich der Abgeordnete Landgerichtsrath Peltasohn die ungleiche Vertheilung von Licht und Schatten zur Sprache, welche sich bei allen Anstellungsangelegenheitcn in: Verwalsich gegenwärtig 500 in Johannesburg, Kimberleh und Prätoria befinden, wo sie thcilwcise in städtischen Polizeidiensten stehen, theilweise in den Gold- und Dimnantewmincn arbeiten. Eingesendet. Nationalgcfühl bei Juden. Die höchsten jüdischen Feiertage sollten schon als Fest, dasvon allen Juden auf dem Erdenrund gefeiert wird, von jedem Judeir in Ehren gehalten sein. Wenn reiche Kauflcute dem Zusammengehörigkeitsgefühl nicht das Opfer (?) dreier Geschäftstage bringen können, ist das ihre Sache; dass aber solche Leute ihre Angestellten, bei denen nicht alles religiöse und nationale Gefühl erstorben ist, mit Entlassung bestrafen, wenn sie am Rosch Haschanah und Jom Kippur dem Geschäfte fcrnbleibcn, das kann nicht scharf genug gerügt werden, und sollte:: diese Leute, die durch die Größe ihres Etablissements allgemein bekannt sind, von jedem Juden, der Gefühl und Anstandbesitzt, boycottiert werden. Einer für Viele. den merkwürdigen Standpunkt hingewiesen, den unsere Herren Minister der preußischen Verfassung und den: Reichsgesetz von: 3. Juli 1869 gegenüber cinzuhaltcn für gut befinden. In der soeben ansgegcbcnen Nr. 35 der „Allgem. Ztg. des Judenthmns" lesen wir folgende, ihr von „hochgeschätzter Seite" zugcgangenc Mittheilung: „Die Lage der jüdischen Richter gestaltet sich inuner schwieriger, jüdischen Landgerichtsräthen wurde mit rühmlicher Offenheit erklärt, dass sie auf Beförderung zu Landgerichtsdirectoren oder zu Oberlandesgerichtsräthcn „wegen ihrer Confessio::" nicht zu rechnen haben. Und das in offenem Widerspruche zur Verfassung! Ja selbst eine Versetzung, die die Herren wünschten, un: nicht jüngere Collegen sich direct vorgezogen zu sehen, wird „wegen der Confession" rundweg abgeschlagen. Man sucht offenbar die jüdischen Richter so zu stellen, dass sie sich aus der Laufbahn Zurückziehen und in den Rechtsanwaltstand untertauchen. Auch das Aergcrnis, dass jüdische Landgerichtsräthe die Schwurgerichts- Verhandlungen gegen „christliche" Verbrecher leiten, wird jetzt vermieden; ein ministerielles Rundschreiben ordnete an, dass nur Landgerichtsdirectoren künftighin mit der Leitung der Schwurgerichte betraut werden sollen. Nun ernennt man keinen Juden zum Dircctor Kiew zurückgeschickt wurde. Das gleiche geschah einige Tage darauf mit seiner Frau und seinen Kindern. Die Juden besitzet: zwar, wenn sic Doctoren sind, ein Aufenthaltsrecht für die/Städte. Da aber Swiatoschin ein Dorf ist, so darf kein Jude sich daselbst ohne specielle Erlaubnis aufhalten, auch wenn er ein Doctordiplom. besitzt. Petersburg. (Officielle Hemmung der jüdischen Mehreren Bildung.) In der Behandlung der russischen Juden entwickelt ’ die Regierung eine Art macchiavcllistifches Princip. Es ist wiederholt selbst in den Spalten des Rcgierungsanzeigers darauf hingewiesen worden, dass Schritte gethan werden müssten, um die Unbildung der jüdischen Bevölkerung zu beseitigen und diese den: Russenthum mehr zu assimilieren. Entgegen dieser Theorie weist aber jeder praktische Schritt der Regierung darm:f hin, dass sie alle Mittel auwendet, um das Bildungsniveau der Juden möglichst niedrig zu erhalten. Es ist allgemein bekanjit, dass für die mittleren Lehranstalten, Gymnasien, Realschulen, technischen Schulen, Universitäten und anderen höheren Special-Lehranstalten der Proccntsatz der jüdischen Schüler ein streng beschränkter ist, von 5—10 Percent, und nur in einzelnen wenigen Schulen (besonders in Commerzschulen, die im jüdischen Ansicdlungsrayon liegen und notabene zu einem großen Theil durch jüdische Geldspenden ermöglicht sind) mit Aufruf! An die altgläubige I u d e n s ch a f t Wiens. Seit Jahrzehnten machen wir Anstrengungen, diejenigen Juden Wiens, die in ihrer Lebensweise das jüdische Religionsgesctz beobachten, und jene, die zumindest in ihrem Hause streng religiössind, zu einem Ganzen zu vereinigen, behufs Förderung und Erhaltung unserer Richtung. Das Anwachsen der jüdischen Bevölkerung Wiens hat unsere Zahl zu einer derart imposanten erhöht, dass unsere Organisation nicht länger verzögert werden darf. Wir können von der Cultusgemeinde nicht verlangen, dass sic für einen Bruchtheil, der nur ein Fünftel der Gemeinde beträgt^ große pecuniärc Opfer bringe. Demnach müssen wir selbst für unssorgen, und um dies zu können, muss jeder Jude, der die Erhaltung. dcS Judenthums in der unverfälschten Form, wie cs unsere Voreltern seit Jahrtausenden gepflegt, wünscht, den: „Verein zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judenthums" beitreren. Dieser Verein soll alle Anstalten, die das altgläubige Judcnthnm braucht, für ganz Wien errichten, und zwar in der Sclbstberwaltnng der Orthodoxen, die allein Sinn und das nöthige Verständnis hicfür haben. Möge der Schofarton alle Gesinnungsgenossen anfrufen, ihre Pflicht zu thnn und nicht nur diesem Vereine beizuireten, sondern auch dessen Zwecken zu dienen, ohne Rücksicht ans Opfer an Geld, Zeir und Mühe. Ein Orthodoxer. Bücher-Einlius. Von der „Neuen Zeit" (Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 49. Heft des 10. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalte heben wir hervor:-Der- Parteitag und der Hamburger.Gewerkschaftsstrcit, Von Rosa Luxemburg. — Kritisches zur Gewerkschaftsbewegung. Von Wilh. Düwell. — Jugendschriften und Bildungswesen in der Partei. Von Julian Borchardt, Königsberg i. Pr. — Jahresberichte Von Helene Simon. der sächsischen Gewerbeaufsichtsbeamten Literarische Rundschau: Dr. Carl Bücher, Die Entstehung der Volks Wirtschaft. Dr. Ernst Fr. Wyncken, Das Ding an sich und das Natur besonderer ministerieller Ermächtigung ein höherer sein darf. Dcrlgesetz der Seele. Eine neue Erkenntnistheorie.— Notizen: Con neue Minister der Volksaufklärung, Generaladjutant Wannowski,, stunvereinswesen in Sachsein Untcrnehmergewinne und Arbeits hatte sogar geplant, den Procentsatz der jüdischen Schüler ans 2 bis 3 Percent zu reducieren. Als diese Nachricht unter den etwa fünf Millionen Juden, die Russland hat, eine ungeheure Erregung herborrief, beeilte sich die Negierung, zu erklären, das Gerücht sei — un» t!tl9ia unbegründet, cs solle alles beim Alten bleiben. Dass cs sich aber Ziel ist damit erreicht, jMlher patzen Eentrum Ultb^ Nakeineswegs um ein „Gerücht" gehandelt hat, sondern um sehr ernst tionallitzerale die Gleichberechtigung der Juden vertheidigt.! verfolgte Pläne Wannowskis, die nur zeitweise zurückgestellt sind, Jetzt atzcr haben Abgeordnete des Centrums und der natio-1 beweist am besten der Umstand, dass fortgesetzt Circulare des Mina,liberale,, Partei, didar. den wegen ihres Bekenntnisses benachtheuigten indischen Richtern um Hufe angegangen ' ' " ~ . - — - wurden, dies rundweg abgelehnt." In diesem Verfahren liegt unbedingt eine schwere Versündigung gegen den Geist unserer Verfassung vor, gegen die man nicht oft und nicht eindringlich genüg Verlvahrung einlegen kann. Auch in diesem Betracht gilt das Wort von.der steinaushöhlende:: Kraft des fallenden Tropfens. Aber noch eines! Man legt heutzutage in den maßgebenden Kreisen ein so ungemein starkes Gewicht auf das Positive im religiösen Bekenntnis. Wie verträgt sich diese Auffassung mit dem oben gekennzeichneten Verhalten der Staatsbehörden? Wir wären auf eine bündige Beantwortung dieser von uns gestellten Frage in hohen: Grade neugierig. In einen: Punkte müssen wir die seit einiger Zeit geübte Praxis der Staatsverwaltung, speciell des Justizministeriums, vollständig gutheißen. Die „Neophytcn im Glauben" müssen nämlich neuerdings das Datum ihres Bekcnntniswechsels angeben. Das lässt tief blicken — würde der einstmalige Reichstagsabgcordnete Sabor bei dieser Gelegenheit ganz gewiss ausgernfen haben." Petersburg. Dem Beispiele der Bäcker, Maler und Tabakarbeiter folgend, haben sich nunmehr auch die jüdischen Schneider in Kischinew zn einer Productiv-Genossenschaft zusammcngeschlossen, Ivelche, trotzdem ein Eintrittsgeld von 200 Rubel erforderlich ist, bereits zwanzig Mitglieder zählt. — Unter dem zweijährigen Nothstande, welcher Südrussland heimsuchte, haben von den zweiundzlvanzig jüdischen Ackerbaucolonien im Gouvernement Cherson achtzehn sehr empfindlich gelitten. Wenn cs ihnen gelang, diese Calamität zu überstehen, so verdanken sie cs in erster Linie der Regierung, welche ihnen 40.056 Rubel znm Ankäufe vou Saatgetreide und Brennmaterial bewilligte, und der Jewish Colonisation Association, von der sie 20.222 Rubel zum Lebensunterhalte erhielten. Petersburg. (S ch u I ch a n A r n ch.) Gegenwärtig ist, wie man uns atis St. Petersburg schreibt, der Streit um den Schulchan Aruch dort entbrannt. Anlass hierzu gab das von Alexander Piatkowsky heransgegebene Werk „Jewrejsko Earllwo" („Die I u d e n h e r rschaf t" ), worin angeblich zahlreiche Stellen ans dem löhne in der amerikanischen Coaksindustrie. — Feuilleton: Wie die Heimat stirbt! Bilder aus dem Osten v. Fritz Skowronnck. (Schluss.) Stimmen aus dem UnbUrnm. Gcschäfts-Nebcrnahme. Das bisher im 9. Bcz., Porzellangaise 10, bestandene koschere Gasthaus, verbunden mit einem Sclchwaren-Verschleitz der bcstrenommicrtcn Firma Carl Lustig, wurde von Herrn Emanucl Grün käuflich erworben und wird derselbe . . _ . _ bestrebt fein, durch Verabreichung vorzüglicher Speisen (Specialität wenigstens in der Praxis der Gymnasien die humane Auffassung I zweimal täglich Ung. Gnlyas), Ausschank von Biersorten aus den gewaltet, dass auch einen: jüdischest Schüler, der ei::mal den Eintritt! besten Brauereien, sowie vorzügliche österreichische und ungarische n, imiio fyimitmimfpfrtff«* «M-fmmt 'Rwfu' hi<»'TOiirtTirfifi»:: npliivfp,, tnnw Söcuic sich das Vertrauen seiner P, T. Gäste zu erwerben. in eine Gymnasialclasse erlangt habe, die Möglichkeit geboten wer den müsse, den Glnnnasialcursus zu beenden. Es bestehen nämlich in Russland viele'Progymnasicn, welche nur vier oder fünf Classen haben, nach deren Absolvierung bisher auch jüdische Schüler anstandslos in ein Volt-Gymnasium übernommen wurden. Dies aber hat das grösste Missfallen des Herrn Wannowski erregt. Die Gymnasialdirectoren sind streng angewiesen worden, jüdische Schüler, die ein Progymnasium absolviert haben, nur daun znm Beziehen des Voll-Gtnnnasinms zuzulassen, wenn damit der gesetzmäßige Proccntsatz der jüdischen Schüler des betreffenden Gymnasiums in keiner Weise überschritten Ivird. Die Circulare an und für sich sind aber noch nicht das Schlimmste. Die Provinzialbehördcn ersehen ans denselben natürlich, wie der Wind in Petersburg weht, und bei ihrem Anpassungsvermögen an die Wünsche der „höheren Obrigkeit" beginnen sic jetzt von sich aus das denkbar Möglichste zu leisten, um überhaupt jüdische Schüler von den Lehrmistalten fernzuhalten. Die gebildete jüdische Gesellschaft Russlands ist bereits so sehr von dem Gefühl durchdrungen, dass es ihr zur Zeit unmöglich ist, ihrer Heranwachsenden Jugend eine entsprechende Bildung zu verschaffen, dass in vielen Städten jüdische Kreise zusammengctrcten sind, um die Mittel aufzubringen, private mittlere Lehranstalten spcciell für jüdische Schiller zn gründen. Solche Bestrebungen zeigen sich z. B. in Warschau, Wilna, Jelissawetgrad und anderen Orten. Aber auch hier hat man die Rechnung ohne die — russische Regierung gemacht. In Jelissalvetgrad sind heute bereits die Mittel für die geplante jüdische Schule vorhanden. Als min ein Dr. Phil. Schirrnann um die Genehmigung zur Eröffnung der Schule bat, wurde ihm dieselbe verweigert, mit der Motivierung, dass einzelne Conccssionen nicht eher ertheilt werden könnten, bevor nicht die allgemeine Frage auf dem Wege der Gesetzgebung entschieden sei, welche Rechte Juden hätten, Lehranstalten für ihre Glaubensgenossen zn eröffnen. Natürlich wird sich die Negierung mit der Entscheidung dieser „allgemeinen" Frage nicht sonderlich beeilen. Jerusalem. (Russisches P o st a m t.) In besonders feierlicher Weise wurde hier ein russisches Postamt eröffnet. Jassy. ( (Die Jude:: a u s w a n d e r u n g e n aus R u m n n i c::.) Nach einer officiellen Statistik des statistischen Bureaus in New-Aork sind in: Laufe des Jahres 1900 nach den Vereinigten Staaten von Nordainerika 9553 Juden aus Rumänien, und zwar 5900 Männer und -1053 Frauen ausgewai:dert. — Das Vudapester Blatt „Magyar Szö" theilt nüt, dass von den in: vorigen Jahre aus Ruinäniei: ausgewandericn jüdischen jungen Leuten Kriefkaste«. M. Scherlag. Wir danken für die Glücklvnnsche und erwidern sie auf's herzlichste. Siebe!, Oftrau. Das Gedicht ist gut, doch hat auch Ludwig. August Frankl ein gleichlautendes gedichtet. Wir wollen nicht entscheiden, wer der Plagiator ist. Der F^CSt- SGüJ im Hotel Metropole sieht dem P. T. Publicum zur Veranstaltung von Jtankcttcn, Hochzeiten und Familien-Soupers zur Verfügung. Hochachtungsvoll ÄIpllOHS HCl'old, Restaurateur. Conditorei Eduard Becker Wien, I, Franz Josefs-Quai 25 vis-ä-vis der Stefaniebrücke. Filiale: Wien, II., Praterstrasse 13. Bestellungen für Feiertage, Hochzeiten und Sudes werden entgegeilgenommen und mit Service ins Haus gestellt. Eistorieu, Crüme uue Theegebäck wie auch die feinsten Bonbons und Dessert zu jeder Zeit frisch zu haben, t Barches ä 1.—, 1 6V, 2.—, 6.— n. Soden» Boles, But erteig und Karlsbader a 7 u,!r, Gugelhupf & 1.-, 1 60, 2.— si., mit Chocoladeguss 2« kr mehr. Torten 1'20 u. 160 fl. Telephon 12568. Telephon 12568. isr.f heol. lehransf alt lien Das Schuljahr 1901/1902 nimmt Sonntag den 13. Oct. seinen Anfang; die Aufnahmeprüfungen, zu welchen nur die früher schriftlich Angemeldeten zugelassen werden können, finden Sonntag den 13. und Montag den 14. Oct. statt. Die Vorlesungen beginnen Dienstag den 15. October. Der Rector: Prof. Dr. A. Schwa z.

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