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Jüdisches Volksblatt · 1901-08-02 · 31 (2.8.1901) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
31 (2.8.1901)
Date
1901-08-02
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 2. August 1901 Nr. 31 g) Nach Ablauf dieser Frist dürfen leine Pachtverträge mehr errichtet werden. Selbstredend können wir uns über die innere Organisation der Genossenschaft, ihre Geschäftsordnung :c. nicht weiter aussprechen; das sind Angelegenheiten, die in den Vorstandssitzungen discutiert werden müssen. Und so wären wir denn am Ende unserer Ausführungen angelnngt. Wir sehen schon einige Zweifler den Kopf schütteln und sagen: „Das sind Utopien, Zukunftsmusik. Eh bir-n!" Dann ist wohl auch der von den Soeinldemokraten neugegründete Verband der Consumvereine, dem bereits circa M Vereine angehören, auch Zukunftsmusik. Die Kaufleute haben eS jetzt in der Hand, entweder unterzugehen oder sich zu organisieren. Wir haben unsere warnende Stimme noch rechtzeitig erhoben und stellen unsere ganze Kraft gerne in den Dienst dieser Idee. Es hieße Eulen nach Athen tragen, Kaufleuten, die bei dem Geschäfte ausgewachsen sind und dessen Bedürfnisse kennen, wie nur irgend einer, die Vortheile noch weiter nuseinandersetzen zu wollen; die eine einheitliche Leitung und die Ccntralisation des Einkaufes für jeden Einzelnen mir sich bringen müsste; aber auch für den Eonsumenten ließen sich bei solcher Gestalt der Sache Vortheile schassen und Neueinführungen treffen, welche alles bisher Dagcwescne geradezu in den Schatten zu stellen berufen sein dürsten. In einem nächsten Artikel soll die ungeheure Attractionskraft, welche ein solches Unternehmen auf das consumierende Publicum auszuüoen imstande sein würde, eingehend besprochen werden. D. j. G. Schauspiel voll Heyermans. Aus dem französischen des „L'Lfnivers Israelile“ von S. Half f, Paris. Das Stück des Herrn H. Heyermans ist die neueste Frucht, welche die Judcnsrage gezeitigt hat und der Plan, dieselbe in einem schön gemachten Schlussacte zu tosen, ist, wenigstens was die dramatische Seite der Sache anbelangt, gar nicht übel. Der Autor behauptet in drei Acren, welche manchmal sogar etwas lang find, dei: Zauberschlüsscl, das und wirksamste Mittel zu geben, um reltgiösen Hass zu bannen und ,.,.jc Streitfragen zu lösen; das heißt, um es in einem Worte zu sagen, eine Fusion aller Religionen in eine Religion des Friedens, der Gerechtigkeit und Barmherziglcu, tvelchcr jedes Dogma fremd sein soll. Er denkt sich die Sache folgendermaßen: Lange verfolgt und verachtet, haben die Inden gezwungen abgesondert gelebt und uiucr dem Drucke der Verhältnisse Fehler angenommen, welche man ihnen dann zum Vorwurfe gemacht hat. Heute noch tragen sic an dtescr Last uns obwohl sich seither die Pforten des Ghettos geöffnet haben, sind sie nicht imstande, dasselbe zu verlassen. Man hat ihnen Zutritt zum Lichte gegeben, sic haben sich in Finsternis gehüllt, stc fuhren fort, diejenigen mit Misstrauen zu beobachten, welche sie so lange mit ihrem Hass verfolgten. Sie fuhren fort, sich zusammcnznscharen, sich zu vereinigen und abgeschieden zu leben, die Christen als Fremde zu behandeln. Diese hatten und haben noch unrecht; aber jene, haben sic es nicht auch? Die Mauer ist stehen geblieben, welche zwei Kategorien menschlicher Wesen trennt, welche geschaffen sind, um zusamnien zu leben. Man muss diese Mauer schleifen, und darum gibt es nur die Mischung der Nassen, die Mischheirat. Diese Lösung ist im Grunde nicht neu. Was hat man nicht schon über die Frage geschrieben, und die Kreuzungen sind doch isolierte Fälle geblieben, zum Beispiel das traurige Privilegium irgend eines Aristokraten, welchen der Spieltisch zwingt, sein Wappen durch die Heirat mit einer jüdischen Erbin frisch zu vergolden. Sehen wir trotzdem, wie der Autor, geleitet von einem edlen Gedanken, versucht hat, diesen Gegenstand zu dramatisieren und!vie er es verstanden hat, Charaktere zu zeichnen und die ganze Sache hübsch in Scene zu setzen. Es gibt in seinem Stück gewissermaßen zwei entgegengesetzte Lager von jüdischen Gestalten. Die alte Generation, verbissen m ihren engherzigen Dogmatismus und in ihre Ueberlieferungen. die junge Generation, trunken vor Humanitäts-Enthusiasmus, bei welcher die kaufmännische Speculation einer rein philosophischen Platz gemacht hat, und welche zugleich einen tiefen Hass gegen den Geschäftsgeist empfindet. Diese letztere hat das Ghetto verlassen, sie ist auf dem rechten Wege, und man ermuthige sic, aus demselben auszuharren. Sache!, der alte blinde Trödler, ist der Typus eines alten Juden, wie ihn die Jahrhunderte erlittener Ungerechtigkeit gemacht haben. Er ist ein Scheusal in moralischer Hinsicht, und dennoch möchte man ihm keinen Vorwurf daraus machen, dass er das ist, wozu man ihn gezwungen hat. Mit Gewalt und List, ja selbst mit nicht ganz lauteren Machinationen hat er sein Vermögen erworben. Er hält jeden Heller „wie mit Zangen", argloöhnisch und misstrauisch, überall Diebe sehend, selbst in seiner nächsten Umgebung. Die Anstrengungen des Erwcrbens sind die Quelle seiner Freuden und das, was er angehäuft, ist der Grund seiner Sorgen. „Mein armer Handl", ruft er aus, und wie Harpago», verlangt er nach seiner thcuren Cassette. Eine rohe Natur, ist er unempfänglich für jedes Gefühl gegen Unglückliche. Auch seine Sprache ist uns zuwider; sie ist zu sehr mir unflätigen Schwüren durchsetzt und mit Flüchen, die auch nicht immer am Platze sind. Er sucht seine Härte durch die Leiden zu rechtfertigen, welche er selbst in seiner Kindheit erduldet hat, in seiner Familie, wo er mit seinem Bruder um eine Brotkruste kämpfte, und auf der Straße, lvo er sich nicht zeigen durfte. Er entwirft ein Bild bou seinem praktischen Leben, ime von einem philosophischen Vertheidigungsshstem und citiert den Sah: „llcmw llomini lupus“, wenn er ausruft: „Um nicht voll den anderen gefressen zu werden, muss man selbst ein wildes Thier sein! Ohne Geld ist man allem vreisgegeben, ist man verloren; ohne Geld ist man ein Nichts." Durch die magische Gewalt des Goldes wird er auch gelcüer werden, wenn er seinen Sohn verheiratet, einen Sohn, der sich, ivie wir sehen werden, gegen jeden solchen Handel anflehnt. Und der Weg, den er dabei verfolgen wird, ist 'typisch für diese Seele,^ die nur von Handelsgeist erfüllt und in welcher jedes Gefühl erstorben ist. „Ich weiß," sagt er zu seinem Sohne Raphael, „eine Frau für Dich, welche Dir etwas zubringen wird und welche auch später noch etwas zu ertvarten hat." Und dieser Mensch ist fromm oder er glaubt es wenigstens zu sein und er murmelt alle Gebete des Tages, ohne ein Wort davon ztl verstehen. Eilt Seitenstück zu ihm und seiner würdig ist der alte Aron, welcher schüchtert, wie jener nur zwei Ziele hat, Wollabfälle zu verkaufen oder seine Tochter anzubringen. Er haitdelt, um eine Mitgift ztl erwerben. Früher hat er mit anderen Waren Geschäfte gemacht, jetzt thut er es mit seiner Tochter, lvelche für ihn auch mu eine Ware ist. Er wird uns dann in einigen Sceiten borgeführt, welche uns für den Lauf der Handlung von geringerem Nutzen zu sein scheinen, tvic diejenige, wo er sich sozusagen für seine Tochter interessiert, mit alleit Einzelheiten einer Küchemaktik, tvelche -nr Bereitung eines guten Kuchens gehören; nitd bei dieser Gelegenhell können wir dem Autor den Vorwurf inehrerer Wiederholungen nicht ersparen, mehrerer sceitischer Vorgänge, die ein bischen veraltet sind lind welche einem talentierten Werke nicht zum Vortheil gereichen. Die weiblichen Figuren des Stückes, Esther, die Schtvecher Sachels, welche wie er, mir für den Handel Sinit hat, und Rebecca, die Tochter Aarotts, das Schicksal Sachels, möchten lvir sagen, ein liebes Kind, welches nicht viel gelesen und itvch weniger gedacht hat, sind ' insgesattlrnt minderwertig. Der Rabbiner Haezer, tvelcher auch die Ueberlieferting bertheidigt, aber schon als Menfch mit toleranten Anschauungen, welcher verinittelil Ivill, wird zivar unserc Aufmerksamkeit zu fesseln wissen, aber sie Ivird ilumer lvieder ans die Haupipersonei, deck Schauspiels gelenkt lverden, ans Rosa, die christliche Dienerin ltnb auf Raphael, tvelcher das Ideal des Autors verbildlicht, auf diesen Sohn, welcher nichts seinem Vater verdanken tvill. (Fortsetzung folgt.) Kries m der Gemeinde Groß-KrinG nn der Schnulyllm. Im Monate Ab 5661. Sehr geehrter Herr Schriftleiterl Sie verlangen von mir einen Bericht über die inneren und äußeren Verhältnisse unserer theuren, heiligen Gemeinde Groß- Bnmissl. Sie rührnen meine interessante, allerdings etwas spitze Feder, von der Sie ertvarten, sie werde lvcder in allzu rosige, noch allzu schloarze Tinte getaucht sein, Sie versprechen mir ein anständiges Honvrar und zwei Freiexemplare, Sie bieten mir sogar einen Vorschuss an, vorausgesetzt, dass ich in ein Seebad oder in die Alpen verreisen Ivill, Sie rühmen meine Verdienste um das Judenthlnn, ich aber bin bescheiden, weise Ihren Vorschuss zurück, meine Verdienste um das Judenthum soll man erst nach meinem Tode, der hoffentlich noch lange ans sich tvird lvarten lassen, zum großen Aerger meiner zahlreichen Freunde, preisen, uitd tvill Ahrem Verlangen entsprechen. Ich ivill Ihnen von Groß-Btunissl berichten, was ich höre, was ich erfahre, ich tvill es thnn „ohne Groll und Eifer", denn die Galbas, Othos und Vitellins meiner Gemeinde sind rnir weder durch ein Unrecht noch durch eine Wohlthat bekannt gctvordcn. Für weniger Geschichtskundigc merke ich hier an: Galbv, Otho und Vitellins waren drei römische Kaiser, und der große Geschichtsschreiber Tacitns hat diesen drei regierenden Herren von ctivas zweifelhafter Facon die Ehre angethan, ihre Geschichte zu schreiben. Warum sollen lvir dann nicht über die Galbas, Othos und VitelliuS unseres Groß-Bnmissl berichten? Die Herrschaft besagter Kaiser dauerte freilich kaum ein Jahr zum Glücke für Rom und die damalige Welt; unsere Galbas e tntti qunnti haben ein zäheres Leben, ob zum Glücke oder Unglücke für Groß- Vumissl — ich will es nicht entscheiden, das soll die Nachwelt thun. — Galba war eine soldatische, autokrarischc Natirr. Sie meinen, sehr verehrter Herr Schriftleiter, solche Menschen gebe es nicht in unseren heiligen Gemeinden. Man sieht, Sie sind und bleiben eine unverbesserlich optimistisch veranlagte Persönlichkeit. Otho^ tvird als eine Art Gigerl geschildert. Auch diese Auswüchse einer sccccssionistisch-moderncn Zeit finden sich in Groß-Bumissl. Vitellins war ein tapferer Esser. Sie lverden doch nicht leugnen wollen, dass wir derartig tapfere Helden in unserer Mitte besitzen? Sehen Sie sich gefälligst das Datum an, wir schreiben jetzt den Monat Ab, das ist unserc stille Zeit, unsere tobte Saison. Unser Herr Rabbiner Dr. Jeschestel Schreier weilt in Trcncsin, um sich daselbst von seinem Zipperlein zu befreien und sich über die „neun Tag".und das Andenken an die Zerstörung Jerusalems" hinwegzuhelfcn. Unser allverehrter Herr Vorsteher, eine Art Galba- Natür, wandelt mit seiner etwas beleibten, sonst sehr gutmüthigen Gemahlin, die sich vom Herrn Rabbiner und dem Herrn Ober- Contor-gerne die schneeweiße Hand küssen läßt, in den Gefilden von Marienbad. Er denkt dort, wenn er sonst nichts Besseres zu thun hat, und ihn nicht gerade die so geliebte Tarockpartie beschäftigt, über die Rettung des Judenthums nach, bei welcher Beschäftigung ihn seine beleibte und so beliebte Gemahlin ehrlich unterstützt. 28k. wir hören, will er jetzt die Mädchen-Confirmation in Groß- Bumissl einführen, um den alteu-Friedhof eine Mauer aufführen, die Koschcrfleisch-Frage cndgiltig regeln, dafür Sorge tragen, dass während des „Leienens" weniger geschwätzt werde, eine Angelegenheit, in welcher ihn seine Gemahlin mit ihrer reichen Erfahrung kräftiglich unterstützt, er will die „Mikwefrage", eine für Groß- Bumissl brennende Tagesfrage, und die Frage des Religionsunterrichtes lösen, will dafür Sorge trage, dass die „Chorknaben" neue Kutten bekommen und der Schammes die nöthigen Weisungen erhalte, seinen Amtswirkungskreis nicht zu überschreiten, — wie Sic sehen, verehrter Herr Schriftleiter, sind dies lauter Hindernisse, lvelche der Rettung unseres arg bedr—äugten Judenthums im Wege stehen. So gönnt sich selbst in Marienbad unser allverehrter Herr Vorsteher keine Ruhe, und vergeblich mahnt ihn seine Gemahlin, doch auch an seine Gesundheit zu denken, welche durch das Abschneiden von Coupons arg erschüttert sein soll. Der liebe Gott erhalte uns noch lange, lange Zeit unseren Herrn Vorsteher, und seine t h e u r e Gemahlin. Ich mache Sic nämlich — das sei unter uns gesagt — darauf aufmerksam, dass die Frau Vorsteherin etwas aus Toiletten hält; jeder Mensch hat seine Schivächen, loarum soll diese nicht auch die Frau Vorsteherin haben? Dadurch wird sie ihrem Herrn Gemahl doppelt theuer; weiß Gott, die Schneiderinnen-Rechnungen sind heute etivas hoch. Der Herr Vicc-Borsteher, Großhändler und Mitglied des fortschrittlichen Wahl-Comitecs für Groß-Bumissl und Umgebung, weilt während der stillen Zeit in einem Seebade. Er ist eine etwas aufgeregte Otho- oder Gigerl-Natur, hält sehr auf ein elegantes äußeres Auftreten, spricht die deutsche Sprache mit kleinen poetischen Liccnzen, liebt daS Elvig-Weibliche, und hat noch keinen Concurs angesagt, sondern sich nur „im Stillen verglichen". — Er geht zwar nie in dem Tempel, seine weit ausgebreiteten Geschäfte erlauben ihm bicg_ nämlich nicht, sorgt aber dafür, dass beim Gottesdienste alles „ans den Pflanz" Ziergerichtet sei.. Entschuldigen Sie diese dichterische Licenz, sie rührt nicht von dem Schreiber dieser Zeilen, sondern vom Herrn Vice-Vorsteher selbst her, und ich möchte mich des Plagiates nicht gerne schuldig machen. Der Herr Vice-Vorsteher gedenkt demnächst das Judenthum damit zu retten, dass er beantragen wird, die Synagoge von Vumissl — pardon Groß-Bnmissl — elektrisch beleuchten zu lassen, und ferner soll darauf gesehen werden, dass die Besucher der Synagoge den Tallis zusammengelegr, in Art eines Kragenschoners, tragen. Das Lesen der „Neuen Freien Presse" und anderer Zeitungen, sowie das Studium der Courszettel während der Predigt möchte er gerne abgeschafft scheu. Nehmen Sie ihm dies übel, verehrter Herr Schriftleiter? Der Prediger verkündet das Wort Gottes — und Sie sollten hören, luie dies unser Rabbiner Dr. Jecheskel Schreier thut, lvie er die Frauen ermahnt, nicht im Tempel von Köchinnen und Toiletten zu schwätzen, lvie er die Männer erinnert, lvcuiger inS KaffeehanS und mehr in die Synagoge zu gehen, die Herren Buben anffordert, lveniger m Zionismus zu machen und Cigaretten zu rauchen und Bier zu rrmfcn, dagegen fleißig Tephillin zu legen und Hebräisch zu studieren — und ivähreud der Herr Prediger sich mit dem ganze Schweiße seines Angesichtes für daS Judenthum ms Zeug legt, ivagt cS Herr £. dem Herrn I. schaudernd zu erzähle», dass Credit lvieder um ein paar Percent gefallen sei; ist daS ein Benehmen während einer heiligen Handlung? Hat da der Herr Vice-Vorsteher nicht recht? — Sie sehen, es gibt recht Interessantes ans Groß-Bnmissl zu erzählen, aber das Interessanteste kommt erst. Hören und erschrecken Sie nicht. Gründen da einige junge Herren, welche das Judenthum gepachtet zu haben glauben, einen jüdischen Verein zur Hebung, lvie sie sagen, des jüdischen Gefühls, hallen Commerse ab. retten die armen Arbeiter in Palästina und Umgebung, und — aber jetzt werden Sie aus dem Staunen nicht herauskommeu — gebe» sogar eine Zeitung heraus, sie nennt sich „Indischer Volkssrennd", Organ für die Interessen des Zionismus in Groß-Bnmissl. Was sagen Sie dazu, verehrter Herr Schriftleiter! Und erst wenn Sie den „Jüdischen Volkssrennd" nälzer teunen möchten! Cs ist ein Grans. Da wird geschimpft auf nuferen allberehrten Herrn Vorsteher, Seine Ehrivürdcn den Herr Rabbiner, ans den Herrn Secrctär der Gemeinde Groß-Bumissl, auf den Religionsunterricht, auf die allgemein beliebte Frau Vorstehersgattin, auf die weitansgrcifeudcn Pläne des Herrn Vice-Vorstehers, auf die noch ganz ungelöste Friedhofs- und Ko sche rf l e i sch - F rage, ich glaube, sehr verehrter Herr Schriftleiter, nächstens lverden sie sogar ans Sie schimpfen. WaS sagen Sie zu unseren inneren und äußeren Verhältnissen? Regt eS sich nicht im Judenthum Groß-Bumissls? Freuen Sie sich nicht darüber? Nächstens bekommen lvir auch noch cine Rabbiuerfrage. Der „Jüdische Volksfrcund" nämlich meint, unser Herr Rabbiner stehe nicht auf der Höhe der Zeit, auch sei er infolge seines Zipperleins, wegen dessen er eben jetzt in Trenscin tveilt — der Allmächtige kräftige ihn — nicht imstande ordentlich zu „fnnctionicren". — So Ivird selbst das Allcrheiligste heute in Groß- Bnmissl nicht geachtet. Wir sind im Monate Ab und wir wollen unser Klagelied anstimmcu über die Degeneration der heutigen Generation. Mögen der Herr Vorsteher, sein Herr Vice und der Herr Rabbiner, letzterer geheilt von seinem Zipperlein, nach Tischobe-Ab lvieder rüstig ins Zeug fahren, mögen die genannten Persönlichkeiten, und auch die Frau Vorsteherin, mit ihren maßgebenben Toiletten uns noch lange erhalten bleibe», znm Wohle für das Judenthum, znm „Heile" für unsere nlteyrlvürdige heilige Gemeinde Groß-Bumissl. Womit ich bin Ihr wohlaffectionierter Dr. C h a j i m Cohens oh n. Hütet* der großen Hitze leiden besonders die Großstädter. Die Chronik verzeichnet jeden Tag Hitzschlage. Zur Verhütung empfehlen wir die Benützung oer Strom bäder von Holzer au der Kronprinz Rudolf-Brücke. Sie sind bequem mit der Stadtbahn und der elektrischen Tramway zu erreichen. Nach einem neuen chemischen Verfahren werden die bekannten Kaltwasserseifen von Blaickfield s erzeugt, sie sind in allen Droguen-, Specerei- und Colonialwarenhandlungen undin der Fabriksl'.iederlage XVIII., Währingerstraße 116 erhältlich. Man achte auf die Marke: „Jgn. B a u m gartue r's k. k. privilegierte Universal Blaickfield's Kaltwasserseife." Für die Feiertage empfehlen wir allen gesetzestreuen Stammesgeuossen die Ethrogim von Hermann .Rüth, Triest. Besonders machen wir auf die Palästinenser- Marke aufmerksam. S. Br. in Trzcbinic. Wir toürdcn eS für opportun halten, wenn Sie sich brieflich au die größten Firmen dieser Branche wenden. Deutsch in Fahrafeld Wir danken für die freundliche Er inncrung und erwidern Ihre Grüße. M. N. in Ostrau. Vorläufig ist noch nichts Neues in dieser Sache zu berichten. Tl. Land in Malaczka. Wir bitten um Geduld. F. L. in Nachod. Wurde uns bereits von anderer Seite zur Verfügung gestellt. Salem, Tarnopol. Die gewünschte Adresse ist 11. Negcrlegasse 7. Die Nedaction des ,/Vorwärts" befindet sich tu Berlin, Dr. Grünseld, Neutra. Besten Dank und collegialen Gruß. Pollak in Edlitz. Wurde dem Hcimatsrechtsbnrean überwiesen. Herzlichen Grttß und rasche Besseruttg! I. Pbg. in Lemberg. .Konnte nicht gebracht lverden, ineil lvir mit der darin empfohlenen Politik tticht übcrcinstinunen. I. St., Kimpolurrg (Bukowina). Von uns geht das Blatt pünktlich und regelmäßig ab, es kann also nur an der Post liegen, wenn es tticht pünktlich ankommt, fragen Sie doch einmal energisch beim dortigen Postamt nach. Auch die Briefträger „vergessen" bei unserem Blatte manchmal die rechtzeitige Zustellung. Reclamieren Sie j e d e s tn a l portofrei, vielleicht hilft daS? Füv die Abgebrautttsn ne Nerrbidschow! Moriz Lichtensieru in Witkowitz.Kr. r>-— I. Steiner, Pressburg.. 10.— iCMBIVUI rSÄOX» MWMiÄMM Sokal, am 22. Juli 1901. Ilm ÄÄ. v. M. hat cin furchtbarer Brand das jüdische Stadtviertel in Sokal (Galizien) eiugeäscheri. 300 von der ärmsten Bevölkerung bewohnte Häuser liegen in Schutt und Trümmern. Gegen 8000 vorn Kleinhandel und Handwerk sich ernährende Inden sind nun obdachlos, ohne eine Erwerbsstätte, eine Beute des Hungers, dem Unwetter und Krankheiten ansgesetzt. Der urrverficherte Schaden beläuft sich ans über Mus Million 600.000 Kronen Die peinliche Noth der Abgebrannten ist unmöglich zu schildern. 3000 ohne eigenes Verschulden verarmte, vom Brande heimgesnchte Juden stehen um Mitleid. 3000 Menschen, welche bisnnn einen ehrlichen Erwerb hatten, mussten zum Bettelstäbe greifen, wenn ihnen nicht schleunigst geholfen wird. Das nriterzeichuete Rettuugs-Eomitö, das sich behnsö Hilfelcistttug würdiger Dürftiger gebildet hat, stellt an barmherzige Seelen die ergebenste Bitte um gnädigen, der ernsten Lage entsprechenden Beistand. Edle Herren! Wollt Euch gnädigst der armen Abgebrannten der Stadt Vokal annehmen. Gnädige Gaben sind «nt die Nedaction des Blattes einzttsenden. Für das Contitü: Salomon Abgott m. p. Gemeinderalh. Josef Kraus m. p. Leon Nancy m. p. Dr. V. Krainöki tn. p. Bezirks-Marschall und Landtag Abgeordneter. u. Ladislaus Koroftenöki *na. p k. k. Bezirkshauptmann. Engen Wyzoczeniski in) p. Bürgermeister. Dr. Samuel Fraenkel tn. p. Landes-Advocat. - Eisig Byk m. p. Cultusvorstand. a. m.

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