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Jüdisches Volksblatt · 1901-07-19 · 29 (19.7.1901) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
29 (19.7.1901)
Date
1901-07-19
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 19. Juli 1901 Nr. 29 gegeben hat, so trefflich gekennzeichnet, dass wir uns nicht versagen können, es hier zu folgen zu lassen: „Mannigfache Erfahung lehrt, dass das jüdische Publicum sich nur schwer dazu bewegen lässt, von seinen Gepflogenheiten abzugehen, auch da, wo sich nicht zu verkennende Mängel bemerkbar gemacht haben. Daher kommt es, dass Vorschläge zur Verbesserung von religionsgesetzlichen Zwecken und Institutionen dienenden Einrichtungen häufig ohne praktischen Erfolg geblieben sind. So hat z. Vder Stempelfabrikant I. Bergeon zu Gelnhausen von seinem Rollenstempel (S. 23) allen Rabbinern und Schächtern Kenntnis gegeben, hat die Sache durch Inserate in jüdischen Blättern wiederholt dargclegt, ohne einen nennenswerten Erfolg erzielen zu können. Desgleichen ergieng es dem sehr einfachen und praktischen Niederlegeapparat des sel. Rüben Stern zu Fulda, von dem Dembo in seincnl Buche: „Das Schächten im Vergleich mit anderen L-chlachtmethoden"(S. 47) schreibt, er sei von allen ihm bekannt gewordenen Vorschlägen die beste Methode zum Niedcrlegen der Schlachtthiere. Ungeachtet des gerade wegen wirklicher oder angeblicher Mängel des üblichen Verfahrens beim Niederlegcn gegen das Schächten selbst erhobenen Widerspruchs ist die Nachfrage nach dem vortrefflichen Apparat, dessen auch der Landrabbiner Dr. Gronemann in seinem Buche: „Siwche Schlomim", S. 139, rühmende Erwähnung thut, nur eine äußerst geringe geblieben. Es soll daher nicht unterlassen sein, auf das in Cap. 4 dieser Schrift behandelte neue Verfahren des Koscherzeichnens vermittelst des Blechstreifens hier nochmals hinzuweisen, weil durch dasselbe die tausendfach vorhandene Gefahr, durch die betrügerischen Manipulationen nichtjüdischer Metzger religionsgesctzlich verbotenes anstatt des koscheren Fleisches zu erhalten und zu genießen, thatsächlich beseitigt ist. „Man lasse sich von der Einführung desselben durch die Meinung, cs sei zu schwer, zu umständlich in der Handhabung, oder durch welche Argumente immer, in deren Erfindung der Geist des Schlendrians eine merkwürdige Routine besitzt, doch nicht zurückhalten. Die Methode hat sich seit fünf Jahren auf's Vortrefflichste bewährt. Möchte es m. G. H. durch ihre Verbreitung gelingen, die in unglaublichem Maße betriebenen Fälschungen auf dem Gebiete des Koscherfleisch-Verkaufes dauernd zu beseitigen." Jüdisches Gefühl. Zeitschrift für die Jugend. Erscheint alle 14 Tage. Bezugspreise: mit Postzusendung 4 K. jährlich, 2 K. halbjährlich. Deutschland 4 Mk. jährlich, 2 Mk. halbjährlich. —. Russland 2 Rbl. jährlich. Balkanstaaten 5 Frcs. jährlich. — Einzelnummer 15 H. Redaction: Smeckagasse 7, 1. St. — Administration: Mhslikgasse 14 n. Manuscripte werden nicht zurückgestellt. Inhalt: Der Bettler. — Der Hofmeister und sein Zögling. — Stammbuch. — Der schwarze Haman. — Der jüdische Kalender. — Sprechsaal der Kleinen. — Uebersetzungsaufgabe. — Räthsel. — Räthselauflösungen. — Briefkasten. Von der „Neuen Zeit" (Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 41. Heft des 19. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Der Fall Kauffmann. — Der südafrikanische Krieg und der Niedergang des englischen Liberalismus. Von Th. Rothstein. — Erkenntnistheoretische Marx-Kritik. Von Heinrich Cunow. II. — Fürstenschule. Von D. Bach. — Auch ein Beitrag zum Arbeiterinnenschuh. Von Gustav Hoch. — Die Seeschlange. Von K. Kautsky. — Literarische Rundschau: Pierre Bertrand, hes Atrocites de'la guerre de Chine. Dr. Edmund Biernacki, Die moderne Hcilwissenschaft, Wesen und Grenzen des ärztlichen Wissens. — Feuilleton: Die Barmherzigkeit der Gemeinde. Ein Bild aus Hottingen. Von Maria Konopnicka. Deutsch von W. Lopuszanski. (Fortsetzung.) Israelitische Rundschau. Organ der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Aufruf! Am 29. v. M. hat ein furchtbarer Brand das jüdische Stadtviertel in Sokal (Galizien) eingeäschert. Dreihundert von der ärmsten Bevölkerung bewohnte Häuser liegen in Schutt und Trümmern. Gegen dreitausend vom Kleinhandel uud Handwerk sich ernährende Menschen sind nun obdachlos, ohne eine Erwerbsstätte, eine Beute des Hungers, dem Unwetter und Krankheiten ausgesetzt. Der unversicherte Schaden beläuft sich auf mehr als 1,600.000 Kronen. Die furchtbare Noth der armen Abgebrannten ist unmöglich zu schildern. Dreitausend ohne eigenes Verschulden verarmte, vom Brande heimgesuchte Juden stehen um Mitleid. Dreitausend Menschen, welche bisnun einen ehrlichen Erwerb hatten, müssten zum Bettelstäbe greifen, wenn ihnen nicht schleunigst geholfen wird. Das Unterzeichnete Comitä, das sich behufs Hilfeleistung würdiger Dürftigen gebildet hat, stellt an alle Barmherzigen die ergebenste Bitte um gnädigen, der ernsten Lage entsprechenden Beistand. Edle Herzen! Wollet Euch gnädigst der armen Abgebrannten der Stadt Sokal annehmen. Gefällige Gaben sind an Herrn Ladislaus Korosten ski, k. k. Bezirkshauptmann, oder an Herrn Eugen Wysoezanski, Bürgermeister in Sokal, zu senden. Für das Comite: Ladislaus K o r o ft e n s k i, k. k. Bezirkshauptmann, Doctor V. Kranis ki, Bezirksmarschall, Dr. Samuel Fraenkel, Landesadvocat, Eugen Wysoczanski, Bürgermeister, Edmund Doening, k. k. Finanzrath i. P., Leon Rauch, Josef Kraus. Briefkasten. Dr. Sp., Csscgtz. Wir halten mit dem'veröffentlichten Briefe die Angelegenheit für erledigt und bitten Sie, vielleicht selbst authentische Nachrichten aus dem Gemeindeleben zu senden, was derartige Vorkommnisse unmöglich macht. M. Perlbcrger, Lemberg. Wir verstehen nicht, wie Sie zu solchen Ansichten kommen. Lesen Sie z. B. aus letzter Zeit die Nummer 27 vom 5. Juli. Dorten steht wörtlich: „Während , der tionismus dazu berufen ist, denjenigen Juden, welche im Osten urypas keinen wirtschaftlichen Halt mehr haben und haben können, eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina zu verschaffen, muss es Aufgabe der Jüdischnationalen sein, für die wirtschaftlichen, culturellen und polnischen Interessen der in Europa verbleibenden Juden zu sorgen." Das ist doch deutlich genug. Nur böser Wille kann eine Gegnerschaft bei uns annehmen. Ezernowitz. Erscheint in nächster Nummer. Walter Honigseim, Ischl. Ihre letzten Berichte sind sehr schwach. Was macht unser Gesinnungsfreund? Ter Sdjliiiicl. Erzählung von Eduard Kulke. (Fortsetzung.) „Was willst Du da?" fragte Berech Krupp, „das ist eine Red' von Reb Sawel. Neb Sawel ist auch schon ein „Aufgekrellter" (Aufgeklärter), und wenn er noch ei» paar Jahr zum Doctor wird in Cheder gehn — jetzt ist er der Talmid (Schüler) und der Doctor ist der Rebbe (Lehrer) — wird man in der Khille können Wunder hören." „In allem hast Du Dein ungewaschen Maul," sagte Salme Gloser. Berech Krupp aber erwiderte: „Warum, bin ich denn nicht dabei gewesen, wie man von der „Lewaie" (Leichenbegängnis) zurückgegangen ist? Und Hab' lch efscher (viellelchl) nicht gehört, was Reb Sawel Kornmehl zu Dem' Schwager Reb Bären gesagt hat?" „Man muss stumm und krumm und blind sein," sagte Reb Bär, „wenn man gehört hat," und hlerbei applicierte er seinem Vorredner eine so derbe Maulschelle, dass alles erschrocken aufblickte. „Roscho, lomo ßaken reecho?" (Bösewicht, warum schlägst Du Deinen Nächsten?) sprach eine Stimme, und alles wendete sich um gegen den Frager, welcher in der Person Reb Sawels, plötzlich, wie aus dem Boden emporgewachsen, dastand. Chawele Sparzierstöckel übernahm es, statt seiner die Antwort zu geben: „Harbe Schelichim lemolem," (Gott hat viele Boten) sagte sie, uub was einmal „eim haschomajim" (vom Himmel) ist, das bleibt nlcht aus. Gott beschert dem Spinner sein Flachs und dem „Ases Ponim" (dem Frechen) sein Frass. Der Frass war ihm einmal bestimmt, und wenn er ihm von Reb Srohl Hühnerberg schon früher bekommen hält', wär es noch besser gewesen. Er kann noch Gott danken und darf sagen. Gam se letawoih! (Auch das ist zum Guten!)" „Reb Bär," sagte Sawel Kornmehl, „was sie sagt, ist wahr, aber wissen muss man auch, wenn man so ein Lamden (Gelehrter) ist, was in Perek (Sitlensprüche) steht: Weil Du ertränkt hast, wirst Du ertränkt, und die Dich ertränkt haben, werden auch ertrinken. Wenn Ihr also meint, dass sie recht hat und dass Ihr bloß als Scheliach (Bote) Gottes gehandelt habt und Euch damit beruhigt im Gewissen, so muss ich Euch sagen, dass Gott sich als Scheliech für einen Frass nur einen Menschen heraussucht. für den er noch einen größeren Frafs aufgehoben hat. Wollt Ihr mir folgen, Reb Bär, ich will Euch „Eze" (Rath) geben, wartet nicht erst auf Jom Kippur, sondern betet gleich auf der Stell' um „Mechileh" (Verzeihung)/ //Ich — den Krupp?"'fystgte Reb Bär. «.Ja." erwiderte Reb Sawel, „Ihr den Krupp!" „Erst", sagte Reb Bär, „müsst Ihr selber mich „Mechile" beten; denn Ihr habt mich letzhin „mewase bifne rabbime" gewesen (beleidigt in Gegenwart vieler), und ich bin „muwtech" (versichert), dass Ihr kein „Chelek olem habbe" (theil an der zukünftigen Well) haben werdet." „Reb Bär, was ich Euch gesagt Hab' ist wahr und ich kann es nicht zurücknehmen," sagte Reb Sawel. „Der Frass," erwiderte Bärl Lederer, „den ich ihm gegeben Hab', ist auch wahr, und ich kann ihn auch nit zurücknehmen." „Ich kann ihn Euch aber zurückgeben," schrie Berech Krupp, durch Reb Sawels Dazwischenkuuft ermuthigt, und sprang wie ein Hund an Reb Bär Lederer empor. In demselben Augenblicke aber war er durch die Hand Reb Sawels zu Boden gedrückt: „Lo ß-kom weloi ßttor" (Du sollst Dich nicht rächen!), fagie Reb Sawel; „auch hast Du Dir nicht allein Recht zn verschaffen; dieses „Mischpet" (Process) muss ein anderer, ein Höherer ausmachen." „Meint Ihr den „Rom" (Rabbiner)? fragte Bärl Lederer spöttisch. „Seid ein „Onew" (demüthig)", sagte Reb Sawel, „so braucht Ihr keinen „Dajen" (Richter) und Ihr versündigt nicht die Khille." „Gescheiter wäre gewesen", erwiderte Reb Bär, „wenn Ihr keine „Talmidim" ausgestellt hält', die die Khille versündigen, und ich, geb' Euch Euren „Posche Jisrol" (Abtrünniger) von neulich jetzt zurück. Ihr seid ein solcher Posche, wie jener Talmid, den Ihr verlheidigt. und ein solcher hergelaufener Ases Ponim, wie der Krupp, für den Ihr Euch jetzt wieder in die Schanz' schlagt. Em „Chochem" (Weiser) aber seid Ihr aber auch nicht, denn wenn Ihr nur ein bisserl früher gekommen wärt, so halt' Ihr hören können, was der Krupp grab von Euch gesagt hat; wenn Ihr nit derlebt hält', in unsere Khille zu kommen, wäre alles anders gewesen; die zwei Jünglech hätten einen schärferen Bocher gehabt, drr ihnen "den „Jezerhore" (bösen Geist) ausgetrieben hält', sie wären beide ehrliche Juden geworden, und wir „steheten" nit jetzt da vor seinem „Chorben Brß hamikdasch" (zerstörtem Heiligthum), auf dem Platz, wo man soll Gott anrufen, und müssten nit sehen mit unseren Angen, wie man das Holz von dem .Beß hakneßes" (Synagoge) thut „mewase" sein (verächtlich behandeln)." Hiebei deuteteeraufdiebeidenKnaben, welche während dieserganzenUnterredung nicht müde geworden waren, ihr Reiterspiel auf dem Querbalken fortzusetzeu; ja, sie schienen sogar immer mehr ins Feuer gekommen und den rechten Vortheil erst recht aufgefunden zu haben; denn die schwingende Bewegung des Querbalkens gieng jetzt mit einer Raschheit vor sich, dass die beiden Knaben abwechselnd jeden Augenblick wie von einem hohen Thurme herunterzufliegen schienen. „Seht Ihr," sagt Bärl Lederer, ans die Knaben dcutend. „seht sie Euch gut an, die Gassenjungen, das ist Euer Werk!" „Notele! Notele! gehst nit herunter, Du wirst Hals und Leib und Leben zerbrechen!" tönte es plötzlich von fern, und das Weib, dem die Siimme angehörte, rannte wie wüthend herzu. Kaum halte Notele, so hieß der stärkere der beiden Knaben, der am kürzeren Hebelarme saß, die Stimme seiner Mukter vernommen, so sprang er ohneweiiers rasch von dem nach seiner Seite sich senkenden Balken, und lief so viel er eilen konnte, davon. Auf dev anderen Seite des Querbalkens halte sich inzwischen ein P vcess vollzogen, der so in der Naiur liegt, dass der Leier ihn schon errathen haben muss. Von dem Gewichte befreit, schnellte die leere Seite des Querbalkens pfeilschnell, empor, und ebenso schnell stürzte das überraschte Froimele ans der andern Sette herunter, fiel aber dabei so unglücklich mit dem Kopse an einen der daliegenden Steine^ dass er bemussilos liegen blieb, während eu» Strom von Blut aus mehreren Wunden des Kopfes hervorquoll. „Das heißt eine Gotl'splag', was nran mit die Kinder," hat sagte die inzwischen herbeigekommene Mutter Noteles. „Du sieht man, was Gott imstande ist," sagte der unerschütterliche Bärl Lederer — „,k-gen^ (dagegen) sagen die Leut', es geschehen heut' keine „Nlssim" (Wunder) mehr. Nu haben wir jetzt in kurzer Zeit schon das zweite „Neis" (Wunder) erlebt." Während dieser Ausrufungen von Bärl Lederer und Noteles Mutter n'ar Neb Srohl Hühuerberg damit beschäftigt, fein F'vimel aus der Blutlache, in der dasKmd lag empoczuhebeu, unterdessen aber war Reb Sawel Kornmehl, der einzige, welcher den Math hatte, den Schauplatz des unglücklichen Ereign-sses zu verlassen, anstatt wie die anderen müßig dazustehen, zum Doctvr Frank geeilt, und nach wenigen Minuten kehrte er mit diesem zurück. Noteles Mutter rief noch immer: „Das heißt eine Gotr'splag!" und Bärl Lederer ward nicht müde, das wunderbare Eingreifen der göttlichen Macht zn preisen^ als die beiden Männer ankamen. Rasch wurde nun das kleine Froimel auf Befehl des Doctors nachhause getragen und eine Blulspur von dem. Orte der eingestürzten Synagoge bis zuReb Srohl Hühnerbergs Wohnung bezeichuele den Weg, den der Zug genommen, wett sicherer, als irgend ein anderes Merkmal, denn der Men chenhaufe, der dem Zuge bis dahin gefolgt war,, hatte sich wieder zerstreut und nur Reb Schimme Lcyunder, der Freund Reb Srohls war mit dem Doctor dem betrübten Vater des unglücklichen Kindes bis in das Innere der Wohnung gefolgt. Der Schrecken der Mutter, welche von dely Zustande gar nichts wusste und plötzlich eine so erschütternde Ueberraschung erfahren hatte, lä>sl sich leichter und lebendiger vorstellen, als mit Worten schildern; denn dass sie sich dem Doctor zu Füßen warf, als wollte sie von Gott Die Heilung ihres Kindes erflehen, äst das Geringste, .was wir zu erzählen hätten. Der Arzt halte aber keine Zeit, - die Mutter zu beruhigen, und überluß dieses Geschäft ihrem Munne Reb- Srohl und dessen Freund Reb Schimme, während er selbst die Wunden des Kindes untersuchte und seine- Mußregeln traf. Erst nachdem dies vorüber und alles getyan war, was sich im ersten Momente thun ließ,, tröstete er die erschütterte Frau, indem er versicherte, dass die Wunden nicht lebensgefährlich feien, und dass mau der Sache jetzt nur Zell zum ruhigen Verlause gönnen müsse. Hieraus wollte er sich entfernen, aber Reb Schimme fasste ihn an der Hand und bat ihn, noch ein wenig zn verziehen. „Mein Anwesenheit, guter Mann, ist für den Augenblick nicht nölhig, und auch von keinem Nutzen," sagte der Arzt, „denn jetzi kann gar nschls mehr augewendet werden,, als was angewende! worden ist. Die Bewuistlosigkeil war ,11111: vorübergehend; mit kaltem Wasser müssen Sie freilich immer zur Hand sein, und wenn sich irgend eine plötzliche Verändeiung — was jedoch kaum der Fall sein wüd — ereignen so Ule, so lassen Sie mich rufen." , „Das Kind ist irr guten Händen," sagte Reb Schimme, „und ich mein' nicht anders als es mülst' schon w.eder gesund sein, wenn Sie nur zum Krankenbett treten; aber wir haben mit Jhrien noch etwas zu reden," flüsterie er leise und nnufie mit den Augen nach der F.au hinüber, die, nun ruhiger geworden, am Bette des Kindes saß und jeden Alyemzug belauschte, als wollte er undeuteu, dass er in ihrer Gegenwart nicht sprechen könne. Hierauf zog er den Doctor und Reb Srohl in das andere Zimmer hinein und begann: „Herr Doctor, wir zwei, ich und Reb Srohl, wir beten Sie „Mechile;" wir haben Sie gekränkt uud bereuen es." Reb Srohl sowohl, der von dem seltsamen Borhaben, des Freundes nichts wusste, als auch der Doctor, schauten den Sprecher ijm Verwunderung an. „Gottesplage!" sagte Neb Schimme, als er das Slannen der beiden Männer wahrliahm, und Reb Srohl, der nun zu begreifen aufleng, was in derSeele seinesFreundes vorgieng,sprach reumüthig: „Felix. Verzeihung!" Der Doctor reichte nun den zwei Männern seine beiden Hände, starrte sie aber noch immer sprachlos an. Es war an Reb Schimme, welcher die merkwürdige Scene eingeleitet hatte, auch das Schweigen *u brechen. „Als wir noch Mitschüler waren bei Reb Sawel Kornmehl," begann er, „da beneideten wir Gumpel, dass er mit Ihnen die größten Freiheiten genoss, wir aber im Cheder eingesperrt, die ganze Woche „knellen" (büffeln) mussten.

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