Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 25 (21.6.1901)
- Date
- 1901-06-21
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 21. Juni 1901 Nr. 25 Damals hatte das Reichsgericht das Urtheil aufgehoben und den Process zur erneuten Verhandlung dem Konitzer Schwurgericht übertragen, welches anerkannte, dass eben ein und derselbe Vorgang von vielen Zeugen bemerkt worden war. Allein das war einmal! Das heutige Könitz, durchtränkt von der „antisemitischen Nächstenliebe", hat den Blick verschleiert, der grüngelbe Tropfen Gift des Menschenhasses hat in den klaren Spiegel des Auges eine gefährliche Trübung gebracht. Wohl wollte das Konitzer Schwurgericht die Wahrheit finden; wohl strebte es danach, Gerechtigkeit zu üben. Aber dieses Streben misslang und musste misslingen! Als die Freunde des verstorbenen Winter, die Freunde des Moriz Lewy, die Nachbarschaft desselben, die Lehrer Winters uns gesagt hatten, dass sie von einem Verkehre der beiden nie etwas bemerkt, und doch, wenn ein solcher stattgefunden hätte, ihn bemerkt haben würden; nachdem Polizeicommissär Wehn bezeugt hatte, dass bei den zahlreichen Verleumdungen gegen die Familie Lewy der unglückliche Moriz Lewy sich stets durch seine Wahrheitsliebe auszeichnete, stets allein mit der Waffe der Wahrheit das Lügengewebe, in welches man ihn verstricken wollte, zerriss — nachdem dies alles den Geschwornen durch die Vertheidigung des Moriz Lewy überzeugend dargelegt war, da schien es, dass doch Einsicht Einkehr halten sollte, da wuchs die Hoffnung auf einen Freispruch der Geschwornen! Und was geschah? Der Vertreter der Anklagebehörde erhob sich, um nun auch seinerseits den Verdacht aufs neue anzufachen, dass die Familie Lewy am Morde Winters vielleicht irgendwie betheiligt sei. Da war es um Moriz Lewy geschehen: Moritz Lewy galt nun als der Mörder, der sein Verbrechen so schlau begangen hatte, dass man es ihm nicht klar Nachweisen konnte. Dafür sollte er büßen. Gelang es nicht, ihn als den Mörder dem Schaffot zu überliefern, so sollte er doch wenigstens ins Zuchthaus! Jetzt war für die Geschwornen der Meineid L e w y s festgestellt: Lewy hatte den Winter gemordet, und deshalb bestritt er, Winter gekannt zu haben. Hatte er ihn aber ermordet, so muss er ihn doch gekannt haben! Das war der in sich ganz logische Gedankengang. So hart auch die Vertheidigung die wunderliche Mordverdächtignng seitens der königlichen Staatsanwalt geißelte, nun war alles verloren. Die Familie Lewy war wirklich des Mordes verdächtig. Niemand musste dies besser wissen, als die königliche Staatsanwaltschaft, und so fiel Moriz Lewy ein Märtyrer, des Judenthums, ein Opfer der Volksverhetzung. Und das Reichsgericht verwarf die Revision! Hat es damit, wie die antisemitischen Blätter geschäftig ausschreien, den Spruch des Konitzer Gerichtshofes billigen wollen? Nein, nimmermehr! Das Reichsgericht hat nur anerkennen müssen, dass sich formale Versehen nicht Nachweisen ließen! Moriz Lewy ist verurtheilt. Das Gelehrten-Gericht in Könitz musste ihn verurtheilen, nachdem die Geschwornen ihr Schuldig gesprochen hatten! Aber mussten sie aus vier Jahre Zuchthaus erkennen? Nein, sie mussten es nicht, und sie hätten es nicht thun sollen! Angenommen, Moriz Lewy habe wirklich einen Meineid geleistet, dann that er es, wie der Staatsanwalt selbst anerkannte, aus Furcht davor, dass er wegen Mordes angeklagt werden könnte. Stur im Verzweiflungskampfe, zur Abwendung eines Mordprocesses gegen sich, seine Eltern, seinen Bruder, kann er den angeblichen Meineid geleistet haben — niemandem zuleide, nur zum Schutze gegen eine nicht verdiente Todesstrafe! Und dafür vier Jahre Zuchthaus! Der M a s l o f s, die Roß, die beide aus Geldgier eine Familie zu Tode bringen wollten, erhielten der erstere ein Jahr, die letztere zweieinhalb Jahre Zuchthaus. Moriz Lewy wird aber mit vierJahren Zuchthaus bestraft! Wir werden uns nicht irreleiten lassen, wir wissen, Moriz Lewy ist ein Märtyrer. Wir werden die Erkenntnis weiter verbreiten, welch schweres Unrecht ihm widerfahren ist. Er, seine bejammernswerten Eltern, wir selbst werden wegen des neuen Triumphes unserer Widersacher nicht gegen Gott murren. „Alles hat Gott für seine Bestimmung geschaffen, so auch den Frevler für den Unglückstag." Diejenigen, die vor dem Schwurgerichte in Könitz den Angeklagten wissentlich des Meineides verdächtigen, die von langer Hand hetzten und schürten, auch sie haben ihre Bestimmung von Gott erhalten. Aus dem Werke der Bösen wird die Erkenntnis ersteigen, aus dem Martyrium des Glaubensstarken wird die Duldung erblühen, und Moriz Lewy, der einfache Schlächtergeselle, er wird für die Allgemeinheit, für die Gesittung und ihren Fortschritt leiden und dulden. Bücher-Emtsuf. Jüdisches Gefühl. Nr. 20. Zeitschrift für die Jugend. Erscheint alle 14 Tage. Bezugspreise: mit Postzusendung 4 Kr. jährlich, 2 Kr. halbjährlich. Deutschland 4 Mk. jährlich, 2 Mk. halbjährlich. — Russland 2 Rbl. jährlich. — Balkanstaaten 5 Frcs. jährlich. — Einzelnummer 15 Heller. Redaction: Smeökagasse 7, 1. Stock. — Administration: Myslikgasse 14 n. Manuseripte werden nicht zurückgestellt. — Inhalt: I. L. Perez. — Die heilige Rolle. — Der Hofmeister und sein Zögling. — Der Glücklichste. — Moderner Geisterspuk. — Perlen aus dem Talmud. — Dies und Das. — Sprechsaal der Kleinen. — Lustige Ecke. — Uebersetzungsaufgabe. — Räthsel. — Räthselauflösungen. — Briefkasten. Von der „Neuen Zeit" (Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 37. Heft des 19. Hahrganges erschienen. Aus dem Inhalte heben wir hervor: Vom Rechte der Revolution. — Blanqui und der Blanquismns. 2. Blanquis Lehre. Von Paul Louis. — Die Bedeutung der Marx'schen Werttheorie. — Herr Dr. Ludwig Pohle und die Fabrikarbeit verheirateter Frauen. Von Therese Schlesinger- Eckstein. — Ein Blick auf den Weberstrike in Cunewalde. Von Franz Fricke (Dresden). — Literarische Rundschau: Lynkeus, Phantasten eines Realisten. Von D. Bach. — Notizen: Zurück auf Moses! — Feuilleton: Schopenhauer über den Tod. Gemessen an der Lebensphilosophie des Socialismus. Vortrag, gehalten von Adolf Hepner, St. Louis. Briefkasten. Wir ersuchen alle auswärtigen Leser unseres Blattes, uns Nachrichten aus dem Gemeinde- und VereinSlcben der dortigen Jndenschaft zu geben. Besonders erwünscht ist die Einsendung antisemitischer Localblätter, welche Angriffe gegen die Juden enthalten. A. G. in L. Nicht verwendbar, M. F. in Sarajevo. Im allgemeinen sollen Begräbnisse am ersten Tage des Festes nicht staltfinden. Ob eine Leiche zu tragen oder zu fahren i., darüber sind die Gelehrten, die wir befragt haben, nicht einig Vielleicht entscheidet Ihre Gemeinde im eigenen Wirkungskreise. Ein Jude, Wien. Sie belästigen uns mit stets gleichlautenden Briefen. Wir haben für S:e die stets gleichlautende Antwort: Anonym ist namenlos gemein. Eifriger Leser. Besten Dank für die Mittheilung. Glauben Sie nicht, dass die Einwanderung der galizischen Juden in P. die Lage der einheimischen Juden erheblich gefährden würde? Hier stehen wir eben vor der oft aufgeworfenen Frage: Wo hinaus? aus die eine praktische, raschest durchführbare Lösung nicht gesunden ist. Prof. S. in B. Herzlichen Dank für die Anerkennung! Die Sprechstunden des Heimatsrechts- Bureaus des „Jüdischen Volksvereines4 sind jeden Montag und Mittwoch von '/,8 bis '/2O Uhr abends. Auskünfte in Heimatsrechts - Angelegenheiten ertheilt weiters die Nedaetion dieses Blattes. Die Frei-Lesehatte ist an Wochentagen von 12 bis 3 Uhr mittags nnd von 6 bis 10 Uhr abends, an Sonntagen von 0 bis 2 Uhr, an Samstagen und jüdischen Feiertagen von 10 bis 1 Uhr mittags geöffnet. Der Schlüssel. Erzählung von Eduard K u l k e. (Fortsetzung.) Das Buch wurde gebracht und Reb Selke suchte die Kinne „Arse halwonon, Adireh hatoireh" (Cedern des Libanon, Staminhalter des Gesetzes), und da er sie gefunden und vorzulesen begann, streckte Gawriele Stuffer den Zeigefinger der Rechten und sämmtliche Finger der Linkeir aus, in Erwartung der Namen, die er vernehmen werde; bei Nennung des Rabbi Simon legte er den Zeigefinger der Rechten auf den Daumen der Linken und sagte: „Eins!" Reb Selke las weiter. Gawriele ließ ihn fortlesen bis zum Namen des Rabbi Akiba. Hier legte er den Zeigefinger der Rechten auf den Zeigefinger der Linken und sagte: „Zwei!" „Drei!" sagte Reb Sawel Kormnehl, der sich bisher ruhig verhalten hatte. Reb Selke aber sagte: „Macht einen nicht „mewabel" (verwirrt). Einer schreit: Zwei! Einer schreit: Drei! Was soll das? Einer zählt. „Ich Hab' zwei," blieb Gawriele Stuffer fest. „Und ich Hab' drei", sagte Reb Sawel, „den Koin (Priester) habt ihr „Überhuppert" (übersprungen), weil sein Name nicht dasteht, aber wenn ihr's wissen wollt, heißt er Rabbi Jischmoet." „Hopsa, da hat man's", lächelte Schloime Klatschkopf und hob dabei vor Freude einen Fuß in die Höhe, „dann will er zählen, wenn er die „Koinim" (Priester) vergisst. Wie wird es erst mit den „Lewijim und Jißrölim" (Leviten und Israeliten) aussehen." Während dieser Betrachtung Schloime Klatschkopfs hatte Reb Selke Morcne inzwischen die „Kinne" zu Ende gelesen und sagte: „Kinderlech-Leben, soll man sehen, was eine Sach' ist. Gawriele ist gerecht, cs sind zwar nicht siebeiff auch nicht alle zehn da. Wenn man den „Koin" (Priester) mitzählt, kommen erst achte heraus." Und mm setzte er seine Finger in Bewegung, ganz wie cs vorhin Gawriele Stuffer gethan, und begann: „Rabbi Simon, der „Koin"; wie heißt er, sagt Ihr?"Diese Frage war an Reb Sawel gerichtet, welcher erwiderte: „Rabbi Jischmoel." „Ist zwei," sagte Gawriele Stuffer. Reb Selke Morene zählte weiter: „Rabbi Akiba." „Ist drei," secundicrte der Stuffer weiter. Aber nicht zwei," belehrte ihn jetzt Schloime Klatschkopf. Und wieder fuhr Reb Selke fort: „Rabbi Juda den Baba, Rabbi Chananjah ben Taradjon, Rabbi Jeschewow, Rabbi El'asor ben Schamua. Mehr sind nicht da. Wer sind die zwei anderen?" „Und Ihr stellt Euch in „Emens" (Ernst), wie wenn Ihr es nicht wissen möcht?" fragte Reb Sawel. „Schade, dass Ihr ein „Bal Tfille" (Vorbeter) seid. Nehmt Euch das „Jomkipper Machser" (Gebetbuch für den Versähmmgstag) her und suchte Euch auf in „Minche" (Abendgebet) die „Slicheh-Ele eskere" (Anfangsworte eines bestimmten Gebetes), so werdet Ihr noch finden den Rabbi Chanina ben Chachinoi und den Rabi Jehuda ben Domo." „Wie an den Tod Hab' ich an die zwei vergessen," entschuldigte sich Reb Selke, „jetzt fallen sie mir ein; versteht sich, Rabbi Chanina ben Chachinoi und Rabbi Inda ben Domo fehlen hier in der Kinne." „Seht Ihr", sagte Mechol Pradenik, „Reb Gawriel hat doch nicht umsonst den „Chowcr" (Titel), er ist seit der Zeit ein „Lamden" (Gelehrter) geworden." „Sagt mir auch etwas, Reb Selke," begann jetzt Verl Lederer; „was ist mit all diesen „Rabbinim" (Rabbi- 11611) geschehen?" „Das ist doch Dein „Neß" (Wunder)", lachte Gawriele Stuffer, „Du hast doch gesagt, es sind uns so viel „Nisim" (Wunder) geschehen. Weißt Du es nicht, was man ihnen für „Geseres" (Leiden) angcthan hat? Umgebracht hat man sie alle." „In „Eines"(Wahrheit), umgebracht, und warum?" „Weil sie nicht haben gewollt „Awoide foreh" (fremden Götzen) dienen." „Reb Bär," sagte Reb Sawel Kormnehl, „wie er sagt, ist er gerecht. Es ist aber nicht wahr, es ist doch dabei ein „Netz" (Wunder) geschehen, und diese „Kedoischim" (Heiligen) sind alle lebendig in den Himmel gekommen." „Was?" fragte Reb Selke erstaunt, „Ihr getraut Euch die „Aßoreh harngeh Matches" (das Martyrium der zehn Heiligen) zu leugnen? Eine Sach', die ausdrücklich geschrieben steht in der „Kinneh" und in der „Jomkipper- Slicheh"? Mir scheint, die Welt hat recht mit dem, was sie von Euch sagt, dass Ihr auch schon ein halber „Apikoircs" (Gottesleugner) seid. So lang liegt der Bauer bei der Bünertin, bis sie kriegen einen Sinn." „Schreit nicht, Reb Selke, und hebt Euch diese feinen Sprichwörtlech auf ein andermal auf," erwiderte Reb Sawel gelassen. „Wenn Ihr das „Sepher Pirke hecholos" (ein selten vorkommendes altes Buch) oder gar den „Soihar" (ein kabbalistisches Buch) kennen möchtet, so würdet Ihr das ebenso gut wissen wie ich, und auf den „Soihar hakodesch" (heiligen Saihar) kann man sich „ßoimech" sein (verlassen)." „Was ist das? Was ist das?" schrien alle. „Wenn Ihr wollt," sagte Reb Sawel, „so will ich die Geschichte,!vie ich sie im „Sepher Pirke hecholos" gelesen Hab, erzählen." „Eine „Maiße" (Geschichte), eine „Maiße"! Ver- M)lt, verzählt!" schrien wieder alle durcheinander, und Reb Salvel Kormnehl setzte sich zurecht, wischte sich den Schweiß von der Stirn und begann: „Es ist gewesen an einem Donnerstag, wie die „Beßureh roch" (böse Nachricht) ist gekommen von dem heidnischen Kaiser Lupinus, dass man soll die allerhöchsten zehn „Talmide Chachomim" (Schriftgelehrte) nehmen, die unter „Jißrocl" (Israel) sind, nnd soll sie ums Leben bringen. Darunter soll sein der „Noßi" (Fürst) und der „Koin Godel" (Hohepriester) nnd Reb Elieser ben Domoh und Reb Jehuda ben Bobo. Wenn man aber diese vier nicht will herausgeben, so soll man nehmen zweitausend „Talmide Chachomim" (Schriftgelehrte) an ihrestatt." „Ei, ei, ei! Zweitausend! Das heißt ein „Rosche" (Büsewicht)!" sagte Berech Krupp staunend, und erst nachdem ihn Neb Selke mit der Redensart: „Schiwe deworim begoilem" (was so viel heißt als: ein Tölpel fällt jemand in die Rede) zur Ruhe verwiesen, konnte der Erzähler fortfahren. „Sobald als Rabbi Nechunjeh ben Hakoneh das gehört hatte, hat er ein „Schein" (heiligen Namen) gemeldet und hat den Rabbi Jischnwel „Koin Godel" (Hohepriester) in den Himmel hinaufgeschickt zu dem „Mallech" (Engel), der da heißt Szarr Haponim, ob „Haschemjisborech" (Gott, gelobt sei er) mit der „Gesereh" (Leid) übereinstimmt." „Und ist der „Koin Godel" (Hohepriester) wirklich in den Himmel hinauf gegangen?" fragte Berech Krupp voll Verwunderung. „Nu, nein, nie! Und was denn?" wehrte ihn Bärl Lederer ab, und der Erzähler setzte fort: „Fragt Rabbi Jischmol den „Mallcch". Sagt ihm der. „Mallech", das „Besdin schel meileh" (allerhöchste Gericht im Himmel) hat zehn ausgeschrieben und hat sie dem Semol, dem man die Gewalt gegeben, hat nian aber auch (der Planet) von Eßow, in seine Gewalt gegeben; und das geschieht darum, weil die zehn „Schwotim" (Stämme) haben Josseph gestohlen und haben ihn verkauft. Dem Semol, dem man die Gewalt gegeben ,hat man aber auch gleich gesagt, wenn er die zehn „Chachomim" (Weise) umbringen will, so wird man ihn mit anderen „Szorim schel Akenr" (himmlische Mächte der Heiden) tobten, wenn der „Jom hadin godel wenoire" (der große furchtbare Gerichtstag) einst kommen wird. Der „Mallech horah" (böse Engel)'hat sich aber geäußert, er will alles leiden, nur soll man ihm die zehn „Kedoischim" (Heilige) übergeben. Da drüber war „Haschemjisborech" (Gott, gelobt sei er) ganz „broiges" (erzürnt), und er befiehlt dem Schreiber, dass er soll schreiben bis auf sein „Uemmeh" (Nation), und Semol muss selbst schreiben, wenn der Tag wird kommen, so soll „Haschemjißborech" Rache üben an der Stadt Aram. Und eine Wolke wird stehen sechs Monate und wird bringen auf Menschen und Vieh Grind und Wehetag; selbst auf Früchte und Gold nnd Silber wird kommen die „Makeh" (Plage), nachher wird eine Wolke kommen und wird auch bringen „Negoim und Zaraas" (allerlei Plagen und Aussatz), dass niemand die Stadt wird kaufen wollen, nicht um eine Kleinigkeit. Rabbi Jischmol sagt nun zu seinen „Chawerim" (Genossen)" — „Wie hat Neb Jischmol können zu seinen „Chawerim" etwas sagen, er ist doch im Himmel gewesen?" fragte Berech Krupp, den Erzähler wieder unterbrechend. „Chammer!" (Esel), er ist doch wieder heruntergekommen!" belehrte ihn Selke Morene. Reb Salvel aber erzählte weiter: „Rabbi Jischmol sagt zu seinen „Chawerim", dass ihm der „Szarr haponim" gesagt hat, sie sollen das Verhängnis mit Liebe und Freude annehmen. So haben sie es auch gethan. Sie haben sich gefreut und haben den Tag zum „Joniew" (Festtag) gemacht, sie haben sich lassen Musik spielen und haben Wein getrunken. Zu derselben Zeit aber, wie Rabbi Jischmol den „Chachomim" (Weisem) die „Gesereh" (Verhängnis) hat verkündigt, hat „Haschemjißborech" (Gott, gelobt sei er) auf den Lupinus allerlei Unglücksfälle gebracht, und seine Weiber und Kebsweiber und Kinder sind alle im Palast tobt gelegen, und wer sich hat Wollen mit ihnen beschäftigen, um sie zu beerdigen, der ist eingesunken in die Erde. Darum mussten alle Leichen im Palast liegen bleiben, und der Geruch im Palast war nicht auszuhalteu. Dennoch wollte Lupinus die „Gesereh" (Leid) nicht aufheben. Da kam zu ihm ein Engel in Gestalt eines Menschen und sagte zu ihm: „Hebe auf dein Gebot, so wirst du die Tobten begraben können." Darauf sagt Lupinus: „Nein, es mag gehen, Ivie es will!" „Das heißt ein eigensinniger Tückischkopf, was der Lupinus gewesen ist," sagte Berech Krupp. „Ganz wie „Pareh" (Pharao)", bemerkte Mechol Pradenik. „Auch," fiel Neb Sawel ein, „es ist gar kein Unterschied. Rabbi Jischmol erzählt nun, dass ihm der „Szarr haponim" voransgesagt hat, Lupinus wird die „Gesereh" (Leid) nicht aufheben wollen, Weiler ein „Nizez" (eine Seelenverwandlung) von „Eßow Horoscheh" (von dem Bösewicht Eßow) ist. Auch hat ihm der „Mallech" (Engel) gesagt: Seid nicht traurig wegen eurer „Mitzeh" (Tod), denn „Haschemjißborech" (Gott, gelobt sei er) hat geschworen, an dem Lupinus Rache auszuüben. (Fortsetzung folgt.)