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Jüdisches Volksblatt · 1901-06-07 · 23 (7.6.1901) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
23 (7.6.1901)
Date
1901-06-07
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 7. Juni 1901 Nr. 23 Die „Jca" oder die Pariser „Allianze" oder beide zusammen haben das nölhige Geld zum Baue einer Gewerbeschule für Mädchen gespendet. Nachdem der Bürgermeister seine Volksgenossen unterstützt hat, was wäre natürlicher, als dass die ungebetenen und falschen Führer der Juden auch ihre unglücklichen, doppelt verfolgten Glaubensgenossen unterstützen... So wäre es natürlich, aber was natürlich ist. das thun einmal die Mitglieder der hiesigen jüdischen „Aristokratie" nicht. Der Bau der Schule wurde au ciueu Italiener vergeben, welcher nunmehr keine jüdische» Arbeiter anstelle» will. Auf den Protest der jüdischen Arbeiter wurde erwidert, der Italiener sei billiger, anderen Protesten gegenüber wurde erklärt, jeder jüdische Arbeiter werde angestellt, es kämen aber keine. Als aber dennoch eine Versammlung von hundert protestierenden Arbeitern zustande kam, da riesen die Herren nach der Polizei, und die heilige Herman« dad Bukarests beeilte sich, jüdische Arbeiter, auf das Verlangen jüdischer „Fruntaschl" (hervorragender Juden) zu verhaften. Dieses Vorgeh-n richtet diejenigen, welche, obwohl offenbare Verräther an ihrem Volke, noch über zwanzig Jahre nach 1878 das Vertrauen der „Allianze" genießen. Es gefchieht aber nicht zum erstenmale, dass sie so vergehen, denn wir wissen es ganz genau und aus guter Quelle, dass diese Verräther den früheren Polizeipräfecten Alpin, direct aufgesordert haben, gegen rebellierende Juden, welche die Herrschaft der F o c s ch a n e a n u, Beck, Stern u. s. w. nicht ertragen wollten, das Ausweisungsgesetz zur Anwendung zu bringen, jenes Gesetz, welches das infamfte unter all den vielen gegen uns gerichteten ist. Darauf werden wir noch zurückkommen. Die Körperliche fiitnriuttg der Juden, ihre Machen und ihre KeKiimpfung. Von Hermann I a l o w i c z. (Schluss.) Der Staat und die Juden selbst arbeiten am Ruin des eigenen Volkskörpers, ersterer durch sogenannte „Gesetze", letztere durch ihre unvernünftige — wenn auch hrstorisch begreifliche — sogenannte „Erziehung". So hat sich alles verschworen, den körperlichen Rückschritt, d. h. Degeneration zu befördern; Gegenbestrebungen waren bis vor kurzem kaum vorhanden, erst in der neuesten Zeit har man den Versuch unternommen, ein wirksames Heilserum gegen die Miasmen der verpesteten Ghettoluft zu brauen — es ist der Zionismus mit seinen aus die nationale Regeneration gerichteten Bestrebungen. Man wird von einer Entartung der Ghettojuden sprechen dürfen, auch ohne die Schriften russischer, nichtjüdischer National- und Socialotonomen studiert, auch ohne Professor Mandel st am ms glänzendes Referat gelesen zu haben, in dem er vor dem vierten Zionist en-Congresse und damit vor dem Forum der Oeffentlichkeit ein schauerliches Gemälde von Elend und Siechthum enthüllte, diesmal aber keine Darstellung einer Allegorie, sondern nackte, grausame Wirklichkeit — eine photographische Wiedergabe des Ghettodaseins. Wären diese Juden nicht degeneriert, so ständen wir vor einem Wunder, das alle Naturgesetze auf den Kopf stellen würde, vor allem jenes Fundamenlalgesetz, dass jede Ursache eine Wirkung, jede Wirkung eine Ursache haben müsse. Die Erscheinungen, die sich in den osteuropäischen Landen zeigten, waren vor wenigen Generationen auch im Westen Europas zu beobachten. Die Sonne, die in Osteuropa noch heute Ghettomauern und Ghettogestalten bescheint, beleuchtete vor noch nicht d'llzu ferner Zeit dasselbe Bild im Westen Europas. Auch auf der heutigen Generation lasten noch, einige Steine der ehemaligen Zwingmauern — die Vergangenheit lässt sich so schnell nicht fortwischen. Jahrhundertelang konnte uns das Ghettolebcn Wunden schlagen und degenerieren, zur Heilung und Regeneration standen uns erst einige Decennien zur Verfügung. Wie lange ist es her, dass jüdischen Kindern der s e g e n s r e i ch e Zwang des Turnunterrichtes zutheil wurde? Wer weiß, ob sich wohl die Juden nicht innerlich widerstrebend der ihnen aufgezwungenen Pflege der Leibesübungen hingegeben haben? Das entspräche nur dem natürlichen Laufe der Geschichte, und es wäre daher sehr thöricht, die erste Emancipations-Generation wegen ihres geringen Verständnisses für Leibesübungen mit Spott oder Tadel zu strafen, denn sie waren ebenso gut Kinder ihrer Zeit, wie wir Kinder unserer Zeit sind. Ganz allmählich musste dem krankhaft durchgeistigten Judenvolke die Erkenntnis von dem Werte der Leibesübungen erwachsen. Sobald dies geschehen war, warf rs sich mit dem seinem Temperament eigenen Feuereifer auf die emsige Bethätiguug körperlicher Hebungen, ein Gebiet, das für ihn nun auch den Reiz der Neuheit besaß. Der gute Kern des jüdischen Stammes, den seine in der Religion gegebenen hygienischen und sanitären Gebote und Lehren in vorsorgender, prophylaktischer Weise von Gefahren bewahrten und Entbehrungen aller Art leichter ertragen ließen, kam jetzt zum Vorschein. Das eben erst dem Ghetto entronnene Volk versuchte es, sich an sportlichen und turnerischen Wettkämpfen aller Art zu betheiligen, und hat die Palme körperlicher Tüchtigkeit öfter errungen, als es seinen hämischen Neidern angenehm sein konnte; indes die Massen halten noch die matten Ghettoherzen ihrer Vorfahren. Wenn auch noch heutigen Tages tausende jüdischer junger Leute sich von allen Leibesübungen ängstlich fernhalten, so ist doch Vieles besser geworden und gerade die Gegenwart lässt Günstiges erhoffen, in der mit dem Verständnis sur Nationalismus auch das Verständnis für die edle Turnkunst sich Bahn zu brechen beginnt. In der Geschichte des jüdischen Volkes vollzieht sich seltsamerweise derselbe Process, den wir bei den Einheitsbestrebungen der deutschen Nation zu beobachten Gelegenheit hatten: sie setzte ebenfalls mit einer nationalen Turnbewegung ein. Wir fassen unsere Meinung dahin zusammen, dass die oft europäische Jude n heit sich im Stadium der Degeneration befindet, w ährend die Jude:: der übrigen Länder die Entartung bereis zum Theile überwunden haben undder körperlichen Wiedergeburt z «streben. Diejenige physische Minderwertigkeit der Juden, welche von den Einwirkungen des Ghettos meist in Verbindung mit drückender Armut herrührt, in zu beseitigen durch Aufbesserung der allgemein ökonomischen Lage; erst wenn erträgliche Zustände hergestellt sind, kann man au die Errichtung von Sport- und Turnvereinen gehen. Vor allem ist die unsinnige, in jeder Hinsicht schädliche Erziehungsmethode, die die Kinder der osteuropäischen Juden in geradezu unglaublicher Weise geistig überbürdet, »inrr gründtlchen Resonn zu unterziehen, damit der Wnklichleitssinn geweckt werden und die moderne Cullur ihren Weg selbst tief in Russlands Herz hineinfinden könne. Für die übrigen Juden empfiehlt es sich, besonders Turnvereine mit fest geprägter nationaljüdischer Tendenz zu begrün den und in diesen Vereinen eine energische Thätigkeit zu entfalt en — d enn mit der Gründun g allein i st es nicht g e t h a n. Falls mit Ernst und mit Eifer in diesem Sinne gearbeitet wird, dann werden bei der nahezu wunderbaren Regenerationsfähigkeit unserer Stammesgenossen die Ghettogestalten bald einen historischen Wert erlangt haben, und wir werden unter unseren Augen ein freiheitliebcndes und kühn blickendes Geschlecht der That beranreifen sehen, erfüllt von edlem Nationalstolz, mit starkem Körper unde kraftvollem Willen. Vücher-Einlauf. Tr. Alfred No ssig, Revision des SocialiSmrtS. I. Das System des Socialismus. Berlin, 1001. Akademischer Verlag für sociale Wissenschaften (Dr. John Edelheim). Jüdisches Gefühl. Zeitschrift für die Jugend. Erscheint alle 11 Tage. Bezugspreise: mit Postzusendung 4 Kr. jährlich, 2 Kr. halbjährlich. Deutschland 4 Mk. jährlich, 2 Mk. halbjährlich. Russland 2 Rbl. jährlich. Balkanländer 5 Frcs. jährlich. — Einzelnummern 15 Heller. — Redaction: Smeölagasse 7, 1. St. — Administration: Myslikgasse 14 n. Manuseriple werden nicht zurückgestellt. — Inhalt: Massada. — Der Haushofmeister und sein Zögling. — Der Jude von Trient. — Aus der Werkstatt des jüdischen Gefühls. — Samuel den Adija. — Perlen aus dem Talmud. — Fuchs und Kater. — Uebersetzungsaufgabe. — Räthsel. — Räthselauflösungen. Rosa Po m eranz. Im Lande der Noth. Breslau 1901, Schlesische Verlagsanstalt vorm. S. Schottlaender. l-'univerg Israelite. Journal des Princip conservateurs du Judaisme, fonde par S. Bloch. Paraissant tous les vendredie. Nr. 37, 31 mai 1901. Sommaire: Calendrier de la semaine. La ligue pour la sincerit^. La portee hygitfnique des prescriptions alimentaires. Une Initiation reJigieuse au moyen äge. Le mysticisme juif. Propos sabbatiques. Necrologie. Bibliographie. Dons en faveur des oouvres de la communaute de Paris. Nouvelles diverses. Redaction: 13, rue Montyon. Von der „Neuen Zeit" (Stuttgart, Dictz' Verlag) ist soeben das 35. Heft des 19. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalte heben wir hervor: Mit einem blauen Auge. — Blanqui und der Blanquismus. 1. Blanquis Lebensgang. Von Paul Louis. — Die Lage der Textilindustrie und ihrer Arbeiter. Von einem Textilarbeiter. — Bernsteins alte Artikel und neue Schmerzen. Von K. Kautsky. — Die deutsche Städteverwaltung. Eine Selbstanzeige von C. Hugo. — Aerzte im Gewerbcaufsichtsdienste. Von Helene Simon. — Literarische Rundschau: Eduard Fuchs und Hans Krämer. Die Caricaiur der europäischen Völker. — Feuilleton: Tschechows Novelle „In der Schluchc". Von Professor Qwsjaniko- Kulikowskij. Aus dem Russischen übertragen von Eugenie Kliorin. Das eben erschienene Heft der „Doeumente der Frauen", herausgegcben von M. Lang, vom 1. Juni ist vornehmlich dem Stande der Frauenbewegung in Ungarn gewidmet. Ein Artikel „Die Frauenfrage in Ungarn" von Malwine Fuchs berichtet insbesondere über die Entwicklung der höheren Ausbildung, ein zweiter von Dr. Sternberg bespricht den Entwurf eines ungarischen Familienrechtes; Dr. Max Pollak referiert über „Kinderschutz in Ungarn". Sehr reichhaltig und voll interessanter Mittheilung sind dre Rubriken „Zur Frauenbewegung"; den Schluss bildet die Fortsetzung der schwedischen Erzählung „Nach fünfundzwanzig Jahren" von Ellen I d st r ö m Die „Doeumente der Frauen" sind zum Preise von 3 Kr. vierteljährlich, die einzelne Nummer für 60 Heller in allen Buchhandlungen und in der Administration, Wien, VL, Magdalenenstraße 12, zu haben. Vom Verlage „Tuschija" in Warschau: : V sn n. n k x i n ,nnay n p ’ m ’ b a ’ s .oap) D"nn mm podts .(K"bp—rvsp) rrenbrmcn nnic .n .2 .(n„bp—2"bp) ra’jn ■nb1’ rb'iirn .(»■p—rbp) D'DriD :ps »b Mittheilrmgen ans dem Publicum. „Triumph." Noch keine Neuerung auf dem Gebiete der Fußbekleidung hat so nachhaltige Anerkennung gesunden, wie der von der Firma S. E. L H. Michelstädter eingeführte „Triumph"- Stiefel. „Triumph" ist der bequemste Stiefel der Gegenwart; ohne lästiges Schnüren und Knöpfen ist derselbe mit einem Griff zu öffnen und zu schließen, daher für alle Gebrauchszwecke unübertroffen. Centralverkaufsstellen: VII., Mariahilferstraße 58; I., Rothenthurmstraße 19; VII. Schuhschwemme Nsubaügasse 57. Zusammenlegbare Kisten. Kaufleute, Gewerbetreibende, Privatpersonen, in höherem Maße jedoch Militärcommauden können oftmals die Uebelstände beobachten, welche die Rücksendung ebenso wie die Aufbewahrung von leeren leisten vor und nach deren Verwendung beansprucht. Diese Uebelstände sind nun gänzlich beseitigt durch die k. k. patentierten zusammenlegbaren Kisten, welche von der Firma „Wiener Holzindustrie mit Dampfbetrieb. Altmann L Karasek", Wien, XlV/l, Hütteldorserstraße 95, hergestellt werden. In wenigen Seeunden ohne Werkzeuge und Nägel sind diese Kisten zum Gebrauche aufzustellen, und nach dem Gebrauche ganz flach zusammenzulegen, so das sie nur ganz geringen Raum in Anspruch nehmen. Srieflursteir Wir ersuche» alle auswärtige« Leser unseres Blattes, uuö Nachrichten a«S dem Gemeinde- und VcreinSleben der dortigen Judenschaft zu geben. Besonders erwünscht ist die Emsendung antisemitischer Loealblätter, welche Angriffe gegen die Juden enthalten. Peter. Ein Artikel „E. A. f. G." ist uns nicht zugekommen. Warum übrigens anonym? H. H. in Ober-Tiebenbrnnn. Wenden Sie sich an das Heimatsrechls-Bureau des „Jüdischen Bolksocreines", Wien, II., Leopoldsgasse 49. Die Sprechstunden des Heirnatsrechls- Bureans des „Jüdischen Bolksvereines" sind jeden Dienstag, Donnerstag nnd Samstag von '/2V bis 8 Uhr abends. Auskünfte in Heimatsrechts - Angelegenheiten ertheilt weiters die Redaktion dieses Blattes. Die Frei-Lesehalle ist an Wochentagen von 12 bis 3 Uhr mittags nnd von O bis 10 Uhr abends, an Sonntagen von O bis 2 Uhr, an Samstagen und jüdischen Feiertagen von 10 bis 4 Uhr mittags geöffnet. Der Schliisiel. E r zähl u n g Don Eduard K ulke. (Fortsetzung.) Nach ihm kam Nabbi Juda den Baba, der gicug mit gebrochenem Herzen und ahnungsvoller Seele in den Tod; ein Greis von siebzig Jahren, fiel er durch verruchte und verfluchte Hand; ein frommer Büßer, der stets gefastet und sich selbst kasteit; ein Mann von reinem Sinne nnd lauterem Wandel, fromm und bieder, der emsig stets und eifrig Gottes Wort betrieben. „Nabbi Chananjah Ben Taradjon kam nach ihm; der hatte Schulen gestiftet, Jünger in Scharen versammelt, nnd wie er saß nnd lehrte, ward er ergriffen, und die Sefer Thora hatte er bei sich; und sie wickelten ihn in die Thora ein, schichtetenWeinlanb undNanken auf um ihn herum und zündeten das Feuer an. Schwämme von Wolle legten sie ihm ans die Brust, um ihm das Herz zu kühlen, dass er nicht so eilends sterbe. „Es schlugen auch die Gottlosen den frommen Nabbi Jeschcwow, den Schriftkundigen, und lvarfen ihn den Hunden vor, dass er nicht bestattet werde und im Grabe ruhe. Von ihm gieng eine Gottesstimme, dass er von allem was von Moses' Lehre und Gesetz geschrieben stehe, keines je unbeachtet nnd unbefolgt gelassen habe. „Nach ihm fiel Nabbi Chuzpit an einem Unglückstage. Der Vogel, der in den Lüften flog, ward verbrannt durch seines Mundes Hauch und Odem (so feurig glühend und beredt war sein Wort). „Der letzte war Nabbi Elasor ben Sammua, der Fromme und Gerechte, der unter des Schwertes Schärfe fiel. Es ward gerade an einem Freitag-Abend, als er den Sabbath heiligte und den Kidusch sprechen wollte, und sie zückten gegen ihn das Schwert und ließen ihn nicht lebend enden das Gebet. Mit dem Wort: „Das Gott geschaffen und gemacht, Gott der Schöpfer und der Bildner!" gieng ihm die Seele aus. „So haben die Gottlosen viele und viele gemartert und geängstigt, gesteinigt und verbrannt, mit Schwert und Strang und Feuer gewüthet gegen sie. Wer könnte das alles beschreiben? Was übrig blieb, das ward zerstreut wie eine Herde Schafe, und die Schafe fraß des Löwen Gier, die gottgeweihten Opferstücke zerriss der wilde Leu. „Möge Gott uns gnädig sein und weiter uns vor solcher Züchtigung bewahren. Kräftige Du die schlotternden Kniee, Du Jacobs ewig Theil, Du unser Helfer und Erlöser in jeder Angst und Noth. Möge Gottes Reich uns cingehcn, er regiert über uns in seiner göttlichen Gerechtigkeit, daß erfüllt sei der Gottesspruch: Deine Trauertage sind zu Ende! Dass lvir in seinem Licht vorwärts schreiten nnd dem großen Ziel nachgehen nnd es erreichen." So lautet dieser jammervolle Gesang. Und wenn sie genug geklagt und getrauert haben, dann gehen sie hinaus auf den guten Ort und besuchen die Gräber der Verstorbenen. Sie giengen eben hinaus, Gumpel gieng auch und kam dann erschöpft nachhause. Für ihn waren diesmal die drei Wochen von ganz anderer Bedntung wie ehemals. Sein Gemüth war von ganz anderem bewegt als von der Trauer über die Zerstörung Jerusalems. „Bin ich wie er, oder bin ich nicht wie er?" so fragte er sich, als er endlich allein war,nachdem man in der Gasse loieder erzählt hatte, dass der Doctor Frank es sich zu Mittag eben sehr gut habe schmecken lassen. „Bin ich lvie er, oder bin ich nicht wie er?" wiederholte er sich. „Bärl Lederer sagt, er möcht' mir jein Näsele geben, lvenn ich nicht wär' wie er, und Näsele sagt, sie möcht' mich nehmen, wenn ich wär' lvie er. Bin ich „meschugeh" oder „metoref" (wahnsinnig oder verrückt)? Wer von ihnen hat recht? Bin ich wie er, oder bin ich nicht wie er?" sagte er sich zum drittenmale und stampfte dabei vor Wuth auf den Boden, als ob er hätte die Erde zerschmettern wollen. Wenn ich lvie er bin, warum fast ich heute, wenn er frisst? Und wenn ich nicht wie er bin, warum bin ich nicht lvie er, da sie es haben will? Ist es denn eine solche Kunst, lvie er zu sein? Ist es denn nicht leichter, zu fressen, wie zu fasten? Und Word' ich die Kunst nicht auch treffen? Dll sagst, ich mach' ihm nach, Du alter „Thillimpräppler" (Psalmenplärrer), ich mach' ihm nach alle seine Gassenjnngerein, die ich in der Kindheit von ihm gelernt Hab'. Du thust mir bitter unrecht; dem: bis jetzt Hab' ich ihm noch gar nichts durchgemacht; aber trau' nur nicht, sonst werd' ich Dir lveisen, dass ich es ihm auch noch vormachen kann, und dass ich kein bloßer Nachmacher bin. Sie will es, Näsele will es, ihr gefällt es also, und warum soll ich anders sein, als wie es ihr gefällt?" (Fortsetzung folgt.) Farrülierurater will arbeiten! Fachmann in der Eisenbranchr sucht Anstellung alö Magazineur unter bescheidener^ Bedingungen. Kann sofort den Dienst antreten. Gest. Anträge unter „Bescheiden" au die Redaction dieses Blattes.

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