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Jüdisches Volksblatt · 1901-05-03 · 18 (3.5.1901) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
18 (3.5.1901)
Date
1901-05-03
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Jüdisches Volksblatt 3. Mai 1901 Wien, Freitag Nr. 18 was Du vorhin von dem Spruche unserer Chachomim gesagt hast: Ihr Weisen, gebet wohl acht aus Eure Worte: ich möchte Dir nur noch dazu den Rath ertheilen: Gib Du nicht minder acht aus Deine Handlungen." Hierauf trennten sie sich, urd der neue Freundschastsbund hatte eine unerschütterliche Grundlage erhalten. XIII. Enttäuschung. „Ich will wissen, was er Dir ins Ohr gesagt hat!" Das war die Frage, die Gumpel endlich an Rösele stellte, nachdem er lange Zeit ihr gegenüber die Sprache verloren zu haben schien. Mit dieser Frage schien sich seine Zunge wieder zu lösen. Zwischen dieser Frage aber und jenem Zeitpunkte, auf welchen sie sich bezog, liegt noch manches andere, und wir müssen sehen, wie Gumpel zu dieser Frage getrieben wurde. Seit dem Tage, an dem man sich in Löb Franks Hause versammelt hatte, um den angekommenen jungen Doctor zu begrüßen, schien Gumpel ein ganz anderer Mensch geworden zu sein. Es hätte einer blind sein müssen, dem dies nicht ausgefallen wäre. Am meisten betrübt waren hierüber zwei Herzen, und gerade diese waren es, gegen die er am meisten zürnte und welche die Ursache seiner Veränderung waren: Felix und Rösele. Felix sah mit Wehmulh, dass Gumpel, sein ehemaliger Freund, den er so herzlich liebte, sich absichtlich von ihm entfernt hielt, und wusste sich dies Betragen nicht zu erklären. Er war sich keines Unrechts bewusst, das er ihm zugefügt hätte, und doch hielt ihn eine eigene Scheu zurück, den ersten Schrill der Annäherung zu thun und den Freund offen zu fragen, dass er ihm Rede stehen solle. Gewohnt, still zu dulden, nahm Felix auch dies als eine Schickung; ein Mensch, der Aurelien entsagt hatte, musste auch den Verlust des Freundes mit Gleichmuth ertragen können. Rösele befand sich in einer sehr ähnlichen Lage mit Felix. Auch sie konnte sich Gumpels Zurückziehen lischt erklären; hatte sie ihn doch mit keinem Worte beleidigt und ihn von jeher vor allen anderen Männern ausgezeichnet; denn er war der Freund von Felix. Dass Gumpel etwas anderes für sie fühlte als Freundschaft, und zwar jene Freundschaft, die aus der Begeisterung entspringt, von welcher ergriffen zwei Seelen sich mächtig zu einem dritten Gegenstände hingezogen fühlen, dass Gumpel sie liebte, wie der Mann das Weib liebt, daran hatte sie nie gedacht. In ihren Augen war es genug, dass Gumpel der Freund von Felix sei, um ihm herzlich zugethan zu sein. Sie meinte bei sich, dass sie und Gumpel gleichsam eine stille Gemeinde bilden und dass Felix der Gegenstand ihrer beiderseitigen Verehrung und Liebe sei. Wenn sie dies gegen Gumpel niemals ausdrücklich betont hatte, so geschah es deshalb nicht, weil sie dies für selbstverständlich hielt, zudem war ja Felix ohnehin immer der Gegenstand ihrer Gespräche; man spricht doch am liebsten von dem, was einem zumeist am Herzen liegt und was man am meisten liebt. Sie konnte sich also ebensowenig wie Felix irgendwelchen Vorwurf machen und war unfähig, sich Gumpels Benehmen zu erklären. Warum fragte sie ihn aber nicht, waS er eigentlich habe'? So hätte sie es ja aus seinem eigenen Munde hören können! Ach, das ist ja in den meisten Fällen daS Unglück der Menschen, dass sie nebeneinander hergehen, den Groll im Herzen und der Sprache beraubt, als ob sie sich fremd wären und nie ein Wort miteinander gesprochen hätten, während sie gestern und vorgestern noch in herzlicher Eintracht einander die Hand drückten übergar zärtlich einander am Busen lagen. Auch Rösele überließ es der Zeit, eine Sache aufzuhellen, die ihr innerlich viel Kummer bereitete. Gumpel aber fasste die Sache anders auf. Rösele war in seinen Augen treulos, und Felix noch mehr als dies, ein Räuber, der ihn des theuersten Schatzes auf Erden beraube. „Was hat sie sich von ihm in die Ohren einraunen zu lassen?" so fragte er sich in seiner Eifersucht, „und was kann das gewesen sein, da sie darüber so rolh geworden ist? Und was hat er mit ihr Geheimnisse zu machen gleich am ersten Tag, so schnell, als ob sie von jeher immer miteinander gewesen wären? Er denkt sich, jetzt ist er wieder da, und er muss überall der erste sein, so wie er es im „Cheder" gewesen ist, und sie — sie ist kein Haar besser als wie andere, was ich bis jetzt immer gemeint Hab'; die „Gaiweh" (Stolz) ist ihr aufgestiegen, dass sie die einzige ist, auf die er sich umgesehen hat. und deshalb hat sie gleich mit ihm Heimlichkeiten gemacht, um der Welt zu zeigen, wie gut bekannt sie schon mit ihm ist; wär' ich gescheit, so möcht' ich ihr ihre .Gaiweh" über dem Hals lassen; denn was erleb' ich mir an ihr, wenn ich ihr heute gar das „Kiduschinfingerl" (Trauungsring) anstecke und man hinter uns die feinste Schal' zerbricht, die Bärl Lederer in seinem Schrank stehen hat; ich werd' keine ruhige Stund' haben, ich werd' immer in Furcht und Schrecken sein, Felix kommt herein und zerstört mir mein Glück. Wie könnt' ich mit ruhigem Gemüth einem Geschäft nachgeh'n, wie mich vom Haus entfernen und sie darin zurücklassen, wenn nur jeden Augenblick der Gedanke kommt: jetzt sind sie beisammelt urd machen sich luftig über meinen schlechten Kopf, als wie wenn jeder Mensch auf der Welt müsst' einen guten Kopf haben. Und mir ist mein schlechter Kopf noch lieber als wie sein guter. Denn was bringt man heraus mit dem guten Kopf? Ein schlechter Mensch wird man damit, der den anderen nur auf Schaden ausgeht und die ganze Welt nicht zufrieden lässt. Muss er gerad' auf Rösele sein Aug' werfen? Drinnen in der Stadt hat er gar kein Madel gefunden, das ihm hätt' gefallen können? Muss er zum „Schlemasel" (Unglück) gerad' jetzt herauskommen und wir mein Glück zerstören? Und sie hat mich so gern gehabt, Rösele wär' für mich in Feuer gesprungen, wenn ich's verlangt hätt', wie ich für sie. Wenn sie mich nicht so gern gehabt hätt', warum hätt' sie alleweil mit mir nur von ihm gesprochen? Was geht er sie an? Rur, sie hat gewusst, daß er mein Freund ist, und hat mir zeigen wollen, wie sie das zu schätzen weiß. Nun aber meiss ich gar nicht, was ich mir denken soll, noch weniger weiss ich, was ich machen soll. Wenn ich mich nicht vor einer „Newereh" (Sünde) fürchten möcht', wär' das Beste, ich passet' ihm auf, wenn er bei stacht von einem Patienten nachhaus geht und zerbrech' ihm Hals und Leib und Leben; dann wär' alles abgemacht, dann könnte sie mit ihm Heimlichkeiten machen und roth werden bis über die Ohren hinüber. Zu ihr selbst hinzugeh'n und ihr zu sagen, was ich meine? Sie ist imstanü' und wirft mich bei der Thür heraus, und Bärl Lederer schickt mir noch ein paar „Kloles" (Flüche) nach, und ich werd' nur ausgelacht, wenn es bekannt wird. Oder soll ich zu Reb Löb und Jentel hinaufgehen und ihnen sagen, was sie vielleicht nicht wissen? Was kann inir das eintragen? Was thu' ich, wenn mir Jentel Pelitekopf dvauf „Maseltow" sagt (gratuliert) und sich bedankt für die gutle Parte, dann h ab' ich zum Schaden nur noch den Spot. Eher möcht' ich mich noch darauf verlegen, Bärl Lederer etwas in die Ohren hineinzusetzen, was chn drinnen ein bissel kitzeln könnt'.) denn soviel er von Felix meint, glaub' ich, hält er ihn für keinen Dragoner vom alten Regiment, und ich glaub' nicht, dass er sein Rösele gutwillig einem ausgemachten »Pasche Jisrol" (Sünder) ansliefern wird. Was nutz' ich mir aber damit? Kann ich wissen, ob Löb Franks Geldsack dem „Thillimsager" (Psalmenleser) nicht doch noch lieber ist wie sein „Thillim" (Psalmen) mit sammt dern „Manrodes" (eine Art Gebete)? Was thu ich, wenn Bärl Lederer, der von mir auch nicht allzu große Stücke hält, zu mir sagt: „Lieber wie Dir geb' ich sie ihm!"? Am allerbesten wär' noch, ich redet' mit Reb Sawel. Er war unser beider Lehrer und ist fast chereinzige, mit dem Felix viel umgeht; „efscher" (vielleicht) wär' er imstande, die Sache aufzuklären und mir meine Ruhe wiederzugeben." Aber auch dies verwarf er wieder, kaum dass er es gedacht hatte. Voll solchen Gedanken wurde Gumpel gepeinigt und hin- und hergewälzt; er war unfähig, einen Entschluss zu fassen, und es wäre sein Schweigen gewiss nicht gebrochen worden, wenn ihm nicht die Zunge von Rösele gelöst worden wäre, die ihrerseits wieder endlich zu einem entscheidenden Schritt gedrängt wurde. Gumpel ist nämlich krank geworden; sein Körper musste endlich unter der Last der Gemüthsleiden, voll denen er gequält wurde, zusammenbrechen; aber um alles in der Welt wollte er sich den Dr. Frank lüchl rufen lassen. (Fortsetzung folgt.) Edelhofers Leopoldftädter Volks-Orpheum fand bei seiner Eröffnung die denkbar beste Aufnahme. Die galizische Truppe ist eine vorzügliche, das Programm ebenso interessant als amüsant. Das Haus ist bisher stets ausverkauft gewesen. Nächstens soll eine Goldfaden'sche Oper zur Aufführung gelangen. Jüdischem Zuckerbäcker, ledig, wird Gelegenheit geboten, sich zu etablieren. Auskünfte ertheilt die Red. des Blattes. Zur Beachtung. Hauslehrer (Correpetitoreu, Jnstructvren). Hofmeister (Erzieher), Vorleser, Schreiber (Stenographen), Zeichner, Musiker, durchwegs israelitische Studierende an Wiener Hochschulen, empfiehlt bereitwillig und unentgeltlich auf schriftliche Anfragen hin Dr. Friedrich S. K r a u s s, W ien, I., Weihburgg a s s e 10, I. Stock. . Sr reflr asten. Chefredacteur Alois Munk ist von seiner Erholungsreise zurückgekehrt und hält täglich (init Ausnahme von Samstag und Sonntag) zwischen 4 und (> Uhr nachmittags Sprechstunden. Erez Israel, Stanislan. fl-i.jedood,/, Editional Offices 0, Tenter Street, North Goodimmsfields, London, E. P. iu ft. Wurde veranlasst. Kies in Friedck. Das Nöthige veranlasst. Wir ersuchen alle auswärtigen Leser unseres Blattes, unö Nachrichten ans dem Gemeinde- und Bereiusleben der dortigen Jndenschaft zn geben. Besonders erwünscht ist die Einsendung antisemitischer Localblätter, welche Angriffe gegen die Juden enthalten. Die Sprechstunden des Heimatsrechts- Bnreans des „Jüdischen Volksvereines" find jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag von '/27 bis 8 Uhr abends. Auskünfte in Heimatsrechts - Angelegenheiten ertheilt weiters die Nedaction dieses Blattes Die Frei-Lesehalle ist an Wochentagen von 12 bis L Uhr mittags nnd von v bis 10 Uhr abends, an Sonntagen von 9 bis 2 Uhr, an Samstagen und jüdischen Feiertagen von 19 bis 4 Uhr mittags geöffnet. Jüdijcher Msriem« in Wie». Der „Jüdische Volksverein" hat den Zweck, überall dort, wo die politischen und wirtschaftlichen Interessen der Juden geschädigt werden, helfend und schützend einzugreisen, den Geist der Zusammengehörigkeit unter den Juden zu fördern und zu heben und alle Theile zu einem festen Ganzen zu vereinigen. Wer nur einen Funken Gefühl für die politische Drangsalierung wirtschaftlichen Boycotts und gesellschaftlicher Missachtung, unter denen wir Juden zu leiden haben, hat, muss einsehen, dass unser Verein nur dann Ersprießliches zu leisten vermag, wenn in unseren Reihen das gesammte jüdische Volk steht. Es ist daher nothwendig, dass ein jeder Jude dem jüdischen Volksvereine als Mitglied beitrete. Die Höhe des Mitgliedsbeitrages wird dem eigenen Ermessen jedes Einzelnen anheimgestellt. Anmeldungen werden im Vereinslocal I!., Leopoldsgasse 4S> entgegengenommen. dR W die jüdische Bevölkerung der Stadt Wien! Am 1. Jänner 1901 trat das neue Heimatsgeseh zum erstenmale in Wirksamkeit. Die Wohlthaten, welche das neue Gesetz gewährt, dürfen und können den Inden nicht versagt werden, Rur die indolenten und glerchgiltigen Inden sind es, die sich jener selbst berauben. Namentlich für die unter der antisemitischen Wiener Gemeindeverwaltung lebenden Juden ist die Erlangung des Heimatscechtes von größter Wichtigkeit. Abgesehen von der hierdurch erfolgenden Vermehrung und Stärkung der bürgerlichen Rechte sind auch eine Reihe anderer materieller Vortheile mit dem Heiinatsrechte verbunden. Stiftungen, Stipendien. Ausnahme in Krankenanstalten, in Lehranstalten, Erlangung von gewissen Stellen erfordern nicht selten die Zugehörigkeit zum Wiener Gemeindeverbande. Was die Wiener Zuständigkeit für Arme und Subsistenzlose, für Witwen und Waisen bedeutet, das soll hier nicht erörtert werden. Es muss aber offen gesagt werden, dass derjenige Jude, welcher in der heutigen Zeit die Feststellung feiner Heimatsverhältnisse unterlässt, ein Verbrechen an sich und seiner Familie begeht. Der Jüdische volksverein, eingedenk der Wichtigkeit des Heimatsrechtes für die Juden, etablierte ein eigenes Uechtsschntzbureau welches allen, die Erlangung der Zuständigkeit anstrebenden Juden thatkräftig zur Seite steht. Auskünfte in Heimatsrechts-Angelegenheiten werden durch sachkundige Juristen im vereinslocale des „Jüdischen Volksvereines", l!., Leopoldsgasse 49. ertheilt. Sprechstunden find jeden Montag und Mittwoch von halb 8 bis 9 Uhr abends. wir wiederholen noch einmal: JWe Airgkt, MW Weiter, gedenket her Erlangung des Heiulntsrelhtes!

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