Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 17 (26.4.1901)
- Date
- 1901-04-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2432763-2432864-2432881--0971-2434678- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
siUuVfi ViS!/>, >'!. dticr^Wnateist?V.t JHüiitiiuiyn. von 4 bk 6 Uhr nachmittags. potüiin,;t. Aüdt'che^ RJof.Mftla«« LÄt»c«, Vlllji. VrsrHtorrdei! wvq-:n »eopüteter oder c>ar nicht erfolüter U'iNeNung erbiiten wir ans bringend. — MauuieLttite werden nicht zurLügesleNt. Poflspar:aIsm-'Lo!l'.o '4M7. Zn das Abonnement rann inan täglich etiitreeni. Erscheint jeden Freitag nrctLr- Mtkwtrknrng drr vorn jüdischen Volks ueretn erwrrtzlLeir Prrk»rommisstor».?tn»evo,te übernehmen die Firmen: I. Lannederg, M. DukcS, Haasen» & Begier, Jiubolf Masse, W. Oppclik, M. Po.^onyi, A. Schale! in Men, ferner alle Llurloneen-lkxpeditionen im UMande. GtNzel-NnmMer irr Wien 18 Heller« Admtntllratwn: YIII/1, Schlöltelgassc li. AbonnementöpreiS: Für Wien n. Oesterretch-Nugar» i Fiir daS gesamnrte AuSMuv sammt Francoznbellang. J sammi Francozustellung. GaiMhrig . . Kr. H.~ I Gunzjälirig ... Kr. ' . 4.- Halbjährig.. 4.50 2.— I «icrteljährig.„ ÄÄ8 Halbjährig 3!crteljährig ,<'T>^Arm+*iir+u*'<4g%.t+*snt*,2jae4g#ßiAMntmemmrA»kX*ic*<nkMUn*ff; wr tmm■amimruMi'i Ur. 17 Item 26. April 1901. Ui. Kahrgang. Ms neugegrnndetk „Creditinßitut für jüdische Geinerbetreibende nnd Kanfiente". Von Dr. Arnold Ascher. Wie bereits an dieser Stelle berichtet wurde, ist in den ( letzten Tagen in Wien von dem „Jüdischen Volksvereine" ein Creditinstitut gegründet worden, das berufen erscheint, dem kleinen jüdischen Gewerbetreibenden und Beamten, der unter der Ungunst der Verhältnisse heute den doppelt schwierigen Kampf um seine Existenz führt, zur Seite zu stehen. lieber das dringende Bedürfnis, dem hierdurch Rechnung getragen werden soll, auch nur ein Wort zu verlieren, sollte eigentlich für jeden, der einen offenen Blick für diese Verhältnisse hat, überflüssig sein, und doch muss man es als nothwendig bezeichnen, auf einzelne Bedenken, die hie und da geltend gemacht werden, näher einzugehen. Vor allem ist es im Titel das Wort „jüdisch", das viele nicht gern in den Vordergründe gestellt sehen, und das sie auch hier als inopportun, als manchmal nachtheilig erklären. Solchen Anschauungen entgegenzutreten, muss nicht bloß als überflüssig, sondern geradezu als aussichtslos gelten. Wem der immer mehr zunehmende wirtschaftliche Boycott es nicht zum Bewusssein gebracht, dass zwar alle Geschäftsleute, alle mit bescheidenen Mitteln wirkenden Handwerker, alle kleinen Beamten bei den gegenwärtigen Verhältnissen hart bedrängt sind, dass aber die Juden unter ihnen zum großen Theile, weil sie Juden sind, in noch viel schlimmerer Situation sich befinden, dem kann es natürlich nicht klar gemacht werden, dass eine specielle Organisation für diese nothwendig war. Wurde sie aber geschaffen, dann war es auch ein Gebot der Selbstachtung und des berechtigten Stolzes, mit diesem ausgesprochenen Zwecke offen hervorzutreten, schon im Titel die Absicht der Begründer deutlich auszusprechen, und nicht, im Bestreben, die eventuell anzuwerbenden Personen im Unklaren zu lassen, einen bedeutungslosen Namen anzunehmen. Die gedankenfaule Masse, welche bei dem Worte „Jude" stets an einen Millionär denkt, sieht nicht oder will vielmehr^nicht sehen, wie der kleine jüdische Gewerbetreibende von all den Rächtheilen, von der Ungunst der Erwerbsverhältnisse, von den nationalen Streitigkeiten und confefsionellen Hetzen noch viel mehr betroffen wird, als sein nichtjüdischer Concurrent. Jeder odjecliv Denkende aber wird die Gründung eines specifisch jüdischen Institutes begreiflich finden. Dass die Form der Genossenschaft, und zwar einer Neugründung, gewählt werden musste, war von vornherein klar. Ist auch in Wien die Anzahl der registrierten Meinem Volk war ich entfremdet, Diente hohlen Tagesgötzen, Selbstvergessen und gefühllos. Wenn auch leise Klage tönte In den Tiefen meiner Seele, Leise, leise — immer lauter. Und es fielen heiße Tropfen Fieberschauer überkam mich, Auf die Eisschicht meines Herzens, Dass sie schwand; die Thränen stürzten Brennend aus den rothen Augen; Und mein Herze schrie laut auf. Ich gieng in mich, ward ein andrer. Aus dem stumpfen, kalten Herren Fließt jetznnd ein Quell von Liedern Und am Grab der alten Götter, Blühet nun die schönste Blume: Liebe seines Volks trotz allem. Leo S o f e r. Das jüdische Leven und seine ui. Viel interessanter sind die Lieder, welche direct das Lcben berühren. In den Wiegenliedern, welche ans älterer Zeit stammen und fast alle mii dem Refrain: „Unter dem Kinds Wiegele Steht a gülden Ziegele. . Spar- und Vorschussvereine im steten Steigen begriffen — es bestanden: 1894 mit beschränkter Haftung 00, mit unb. Haftung 13 1895 „ „ „ 66 „ ., „ 12 1896 „ „70 ., .. „ 12 1897 „ „ „ 75 „ „ 12 1898 „ „ „ 79 „ „ „ 12 so hat sich doch keine einzige speciell der Interessen angenommen, die hier in Frage kommen. Ungeachtet in den hier angeführten Jahren die gewährten Credite seitens.der 1897 registrierten Genossenschaften mit beschränkter Haftung immer mehr zunehmen. 1894 . . . . 21.399.664 1895 . . . . 30,276.107 1896 . . . . 35,625.290 1897 . . . . 38,292.117 1898 . . . . 45,280.724 haben die Darlehen und der Escompte für kleinere Geschäftsleute und Beamte verhältnissmäßig geringe Ausdehnung gefunden. Am bemerkenswertesten muss es bezeichnet werden, dass diese registrierten Genossenschaften, welche ja berufen sein sollten, zumeist ihren Mitgliedern, hernach auch Nichtmitgliedern. kleinere, jedenfalls aber nur kurzfällige Darlehen zu gewähren, plötzlich dem Hypothekargeschäfte sich zuwandten. Die angeführten 79 Genossenschaften mit beschränkter Haftung hatten Außenstände in Hypotheken: 1894 .... 1.154 fl. 1895 .... 1.023 „ 1896 .... 4.081 ., 1897 .... 57.715 „!! 1898 .... 60.810 „ Bei den 12 registrierten Genossenschaften mit unbeschränkter Haftung stand die Sache vom Hause aus noch schlnnmer. Sie hatten an Außenständen in Hypotheken: 1894 . .... 104.636 fl. 1895 . .... 193.223 „ 1896 . .... 194.723 , 1897 . .... 194.723 „ 1898 . . . . . 475.207 Die Folgen konnten nicht ausbleiben, und der Zusammenbruch der „Vindobona" und des „Nussdorfer Sparvereines" — beide Genossenschaften mit unbeschränkter Haftung — brachte hunderten Personen empfindliche Verluste. Eine schwer zu beseitigende Folge solcher Katastrophen ist aber die Scheu und das Misstrauen, welches durch solche Vorgänge bei der großen Menge gegenüber derlei anfangen, finden wir die Wünsche der jüdischen Mutter jener Zeit. Sie hofft, dass „Das Kind wird lernen Thoire, Sfvrim wird erschreiben. A guter Jüd wird er bleiben, (Nr. 60.) In einem andreen Liede geht der Wunsche noch weiter: „Schaloth wird er paskenen, A Drösche wird er darschenen, Die Drösche wird gefällen der ganzen Welt." (Nr. 64.) Und wie naiv-fromm klingt der Vers eines ähnlichen Wiegenliedes, wo es heißt: „Wirst doch sein ein groißinker, Wirst doch sein a Thane, Wirst Deine Eltern Vezieren und bescheinen —" Passt doch noch for Dir, Sollst pischtschen und weinen." (Nr. 63.) So sangen unsere Großmütter zu ihren Kindern im Ghetto, das war ihre Hoffnung und Sehnsucht, und auch den Töchtern wünschten sie: „Unter Sureles Wiegele Steht a gülden Ziegele Sureles Chosen wird lernen Thoire, Sforim wird er schreiben, A Güte, a Frimme wird Surele bleiben." (Nr. 67.) Für das Mädchen weiß also die alte jüdische Mutter kein höheres Glück, keinen höheren Segen, als dass ihr Bräutigam „Thora lernen" und „Sforim schreiben" soll. Allein, in manchen Liedern wird bereits bezüglich der Tochter ein ganz anderer Ton angeschlagen. Eine Mutter singt: Genossenschaften wachgernfen wird, und es ist zweifellos dass auch das neue, in Rede stehende Institut hiervon anfangs berührt werden wird. Und doch wäre dies aus den mannigfachsten Gründen ganz unberechtigt. Die Cautelen, welche bei der Gründung hier geschaffen wurden, bieten den ausreichendsten Schutz. Zunächst ist hervorzuheben, dass das neue Institut, nicht wie die genannten zwei verkrachten, eine Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung ist, bei der jedes Mitglied für die Schulden der Genossenschaft mit seinem ganzen Vermögen haftet; das „Creditinstitut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte" ist eine Genossenschaft mit b e s ch r ä n k t e r H a f t u n g, das heißt, das Mitglied soll, wie es nicht allein in den Statuten, sondern auch im Gesetze über Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften vom 9. April 1873, Nr. 70R.-G.-Bl. (§ 2, Absatz 2), lautet, nur bis zu einem bestimmten, im voraus festgesetzten Betrage haften. Dieser ist nach § 76 dieses Gesetzes in der Höhe seines Geschüftsantheiles, welcher 100 Kronen ausmacht, bestimmt. Es ist ausgeschlossen, dass jemals eine Aenderung hierin eintritt, denn die Umwandlung einer Genossenschaft mit beschränkter Haftung in eine solche mit unbeschränkter Haftung ist nach den Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes vom 21. September 1875 Z. 10.040, AC. 613, und vom 16. Februar 1892, Z. 1843, AC. 1646 unzulässig. Auch jede andere Abänderung des Genossenschaftsvertrages muss nach § 9, Abs. 1 des Gesetzes schriftlich erfolgen und dem Handelsgerichte unter Beilegung einer Abschrift des Genossenschafts-Beschlusses angemeldet werden. Dieser Beschluss hat nach § 9, Abs. 3 keine rechtliche Wirkung, bevor derselbe beim Handelsgerichte in das Genossenschaftsregister eingetragen ist. Ist hierin schon in vollkommen ausreichender Weise für die Sicherheit der Genossenschaftsmitgliedrr gesorgt, dann wird es umso leichter verständlich, wenn allgemein vorgebrachte Bedenken als unbegründet bezeichnet werden dürfen. Die vorstehenden Ziffern über die Hypothekargeschäfte der Genossenschaften wurden auch zu dem Zwecke angeführt, um selbst bei oberflächlicher Beurtheilung erkennen zu lassen, worin der Fehler einzelner Genossenschaften bestand, ein Fehler, der natürlich hier schon deshalb nicht begangen werden kann, weil Belehnungen von Hypotheken statutengemäß ausgeschlossen sind, Darlehensgewährungen nur gegen Wechsel erfolgen. Es ist nun allerdings selbstverständlich, dass auch bei solchen Darlehen größere Symmen dubios werden können; allein gegenüber solchen Bedenken muss wieder betont werden, dass so wie Darlehen an ereditunwürdige Personen mit zu kleiner Sicherheit nicht gewährt werden sollen, auch Personen, welche einen zu bedeutenden Credit „Schlaf, mein Kind, gesünd. Du wirst lesen Büchelech. - Dü wirst stricken Tüchelech, Derweile schlaf, mein Kind. Dort in a Saal Wird sein amol a Ball. Du wirst machen mit Dein Kleedele a Wind, Schlaffe, schlaffe Mamele, Du wirst sein amol a Daniele, Derweile schlaf gesünd." Oder: „Schlaf in Freuden, Da weißt nicht kein Leiden, Du wirst sein geladen auf die Ballen, Wirst tanzen in Saaten, Wirst sich drehen aher ün ahin. Wirst gefällen weren Zwischen alle Herzen, Derweile schlaffe aus, mein Kind." (Nr. 70—71.) Wie man sieht, wurde auch in jenen Zeiten das Mädchen zum Tanzen und „Gefällen alle Herren" erzogen. Die reichen Juden waren eben zu allen Zeiten bestrebt, ihre Töchter nicht nur als zukünftige Nabbinersfran, als angehende Frau eines Mannes, welcher predigt nnd Bücher schreibt, sondern auch für den Tanz, für den Salon zu erziehen . .. Leider ist es nicht möglich, mit Sicherheit anzugeben, in welcher Zeitperiode die einzelnen Lieder entstanden sind. Doch ist aus manchen Angaben zu entnehmen, dass die letztcitierten Lieder in Lithauen (Grodnoer und Kownoer Gonv.) im Bolksmnnde heimisch waren, woraus zu ersehen ist, dass die dortigen wohlhabenden Inden in den Salons und Tanzsälen des polnischen Adels'