Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 14 (3.4.1901)
- Date
- 1901-04-03
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2432763-2432864-2432878--0950-2434654- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 14 Wien, Millwocli Jüdisches Volksblatt Seite 7 April 11)01 hatte. Ein dritter war ein enthuasistischer Theaterbesucher und wusste über die Familienangelegenheiten der kleinsten Ballettänzerin mit größerer Genauigkeit Bericht zu erstatten, als über die Vorgänge in seinem eigenen Hause. Ein vierter war ein leidenschaftlicher Reiter und sah mit Stolz und Verachtung herab auf jedermann, dem die von ihm gebrauchte Sprache des Sports nichtgeläufig war. Der war ein Jäger, jener ein Tänzer, dieser ein Raucher, der andere ein Feinschmecker; so hatte jeder ein Steckenpferd, das er mit beneidenswerter Einseitigkeit pflegte und hätschelte, weil sich in diesem für ihn die ganze Welt coucentrierte. Und nun erst die Damen, die feinen Damen der guten Gesellschaft! Die eine ließ ihren Kindern nur von Franzosen und Engländern Unterricht geben, da man in Deutschland eigentlich doch nichts verstehe; die andere dressierte ihre Kinder für die Kunst, und ihre Leidenschaft war das Kindertheater, das sie in ihrem Hause eingerichtet hatte, und das zu nichts anderem diente als dazu, die Kinder um ihre Kindlichkeit zu bringen und Eitelkeit und Gefallsucht in die jungen Gemüther zu pflanzen. Eine dritte war sehr belesen, musste jeden neuerschienenen Roman auf ihrem Tische haben und hielt mich für sehr ungebildet, weil ich es bis dahin unterlassen hatte, mich irr die „Geheimnisse von Paris" einzuweihen. Eine vierte spielte gar die Philosophin, eine magere Hofräthin — sie kommt in meinem Tagebuche öfter vor — und hatte die Selbstverleugung, sich wöchentlich zweimal von einem Professor der Philosophie über Fichts „Ich und Richt-Jch" und über „Das Absolute Hegels" in einer Sprache, die sie nicht verstand, langweilen zu lassen. Eine anders sammelte Autographen berühmter Zeitgenossen und verkündete mit Jubel, dass sich ihr Album wieder um eine ansehnliche Zahl berühmter Handschriften vermehr habe. Alle aber strotzten vor Eitelkeit, und keine war Schmeicheleien unzugänglich. Die erwachsenen Söhne und Töchter passten genau zu ihren Erzeugern. Auf der einen Seite die abgeschmackteste Prüderie, auf der andern Seite die unzüchtigste Zweideutigkeit. Die Außenseite alles, nach innen gar nichts, alles hohl und leer. Vertrocknete Gemüther, aufgeputzte Gliederpuppen. Ich spielte in solcher Gesellschaft eine erbärmliche Rolle, da ich es übernahm, mich für die anderen zu schämen, und so kam ich aus der Schamröthe gar nicht heraus. Mein Glück war noch Herr Blumenthal, der sich meiner annahm und mir manche Verlegenheit ersparte. Nachdem ich mit meinen öffentlichen Studien fertig war und keinen Vorwand mehr hatte, mich von der Gesellschaft fernzuhalten, musste ich mich in diesen unseligen Strudel förmlich hineiuwerfen, und ich that es mit dem Gefühle des Schiffbrüchigen, der sich, da ihm kein Ausweg bleibt, in die tobenden Fluten hinabstürzt und seine Seele Gott empfiehlt. „So war ich denn eines Abends wieder bei Schauenstein im Salon und saß schweigend auf einem schwellenden Divan, das wunderliche Treiben um mich her betrachtend. „Warumbegegnetmanin dieser Gesellschaft keinen Menschen?" fragte ich mich eben, als die Flügelthüren von einem Diener weit geöffnet wurden und an der Hand eines ehrwürdig' aussehenden älteren Mannes ein junges Mädchen in den Saal trat. Ich erbebte am ganzen Leibe und wußte nicht, wie mir geschah. Die Gestalt machte mir den unbeschreiblichen Eindruck einer Göttin, die zu den Sterblichen niedergestiegen war. Die Frau des Hauses empfieng die Ankommenden mit der ausgesuchtesten Höflichkeit, und nun wurde man gegenseitig vorgestellt. Die Reihe kam auch an mich. Das übliche „Herr Dr. Frank" wurde" mit ebenso artigem Ton gesprochen, als meine Verbeugung unbeholfen gewesen sein mag; denn ich vernahm, während ich aufblickte, dem würdigen Paar ins Angesicht zu schauen, hinter mir leise kichernde Mädchenstimmen. (Fortsetzung folgt.) VMsmm in Wir«. % Der „Jüdische Volksverein" hat den Zweck, überall dort, wo die politischen und wirtschaftlichen Interessen der Juden geschädigt werden, helfend und schützend einzugreifen, den Geist der Zusammengehörigkeit unter den Juden zu fördern und zu heben und alle Theile zu einem festen Ganzen zu vereinigen. Wer nur einen Funken Gefühl für die politische Drangsalierung wirtschaftlichen Boycotts und gesellschaftlicher Missachtung, unter Hellen wir Juden zu leiden haben, hat, muss einsehen, dass unser Verein nur dann Ersprießliches zu leisten vermag, wenn in unseren Reihen das gesummte jüdische Volk steht. Es ist daher nothwendig, dass ein jeder Jude dem jüdischen Bolksvereine als Mitglied beitrete. Die Höhe des Mitgliedsbeitrages wird dem eigenen Ermessen jedes Einzelnen anheimgestellt. Anmeldungen werden im Vereinslocal II., Leopoldsgasse 49 entgegengenommen. & Demnächst erscheint: Alk Ulmin nilißt tiiiilir Gin Kochbuch für das jüdische Haus von Ernestine Wilhelm. Enthaltend über 300 Neeepte der beliebtesten Speisen unter strengster veobachtung der jüdisch-rituellen ttüche. Da eilt Kochbuch dieser Art noch Nicht existiert, ist das Werk für jüdische Frauen und Mädchen üderaNS nützlich. Der s)reis des Buches wird sich auf circa 3 Kronell stellen. (Gebunden in Leinenband 6 Kronen.) Bestellungen aus das Buch werden jetzt schon entgegengenommen in der Administration des „Jüdischen Volksdlattes" und bei Frau Ernestine Wilhelm, Schriftstellerin, Wien, vm., Lenaugaffe 5. Grosser Saal 400 Personen fassend, im Gentrum der Leopoldstadt gelegen, sehr elegant ausgestattet, ist noch für einen Tag der Woche zu vergeben. Anfragen: II., .Leopoldsgasse Nr. 49. ri-a Tüchtige rvrrz' in Wien, Brünn, Prag, Budapest, Lemberg, Krakau und Czernowitz gesucht. Anträge an das „Jüdische Volksblatt“, Wien, VIII/1. Wiener Filiale der Zivnosfenska banka WIEN, I., Herrengasse Nr. 12. Spareinlagen auf Büchel 4%. — Wechselstube. — Börsenordres. — Darlehen auf Wertpapiere. — Eingezahltes Actiencapital K 20,000.000. — Reserve- und Sicherstellungsfonds über K 7,500.000. — Centrale in Prag. Inseratenagenten KRANKENFAHRSTÜHLE solid gebaut und in eleganter Ausführung v. fl. 3.60 aufwärts Eisenmöbel“ u. Kinderwagenfabrik Jfeopold Walter, W i ey V/a, Diehlgasse Nr. 19 (nächst dem Hundsthurmerplatz). Illustrierte Preiscourante gratis und franco. Die OA Israelitischer Bethaus-Verein Brigittenau. MO Bfl Tg*auungstaxen. H RI I. Classe .... Kronen 200.— HR §ffl ii. . . . . i3o.- HR Will. . . . . so.-RR HR iv. 40— RH Anmeldungen bei dem Vereins-Obmanne Herrn Herman WW Eltbogen, XX., Rafaelgasse 12. MW Credilgenoffenschnst für jüdische Gewerbetreibende und Beamte Wien, II., Leopowsgaffe Nr. 49 übernimmt s Spareinlagen zu 4 Percent mit 14tägiger, zu 4l/2 Percent mit monatlicher, zu 5 Percent mit dreimonatlicher Kündigung. Das Dirertvriuur. Erster Wiener Jüdischer Turnverein _=——- WIEN. Tumabend© finden statt: =---=———= für Herren: Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag von 71/*—9; für Damen: Mittwoch, Samstag von 67, —8V..!>; für Damen: Mittwoch, Samstag von 6 V,—81/., OTF* Schönste und billigste -WW Grabsteine... Marmorplatten in grosser Auswahl bei J®sef Siojan, Steinmetz, Wien, Vj„ Sonnenhofg. 8 bei der Marg'arethenbirche. Stadtbabnstation: Pilgramgass«. M OHE. JENNY Speciaiistin in Haarfarben und Nagelpflege! VI., Mariahilferstrasse Id, 1. stock, Casa picola. -*E*“Er~~"s Billigste Preise, min-- Solideste feinste Bedienung. Englische und französische Conversation. — Von 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends. mm Prämiiert auf internat. Ausstellungen, Carl Lustig “IvM Dampf-Wurst-Fabrik WIEN Hauptniederlage: II., Komödieng. 8. Die exquisitesten und allgemein best anerkannten Selchwaren aller Gattungen, in vorzüglichster Qualität. — Preiscourante gratis und franco. Filialen: III., Radetzkyplatz 1 und IX., Porzellangasse 8. Hotel und SÄ Restaurant Guth Wien, 13„ Stefaniestrasse Nr. 6 u. 8 für Diners, Hochzeiten u. festliche Veranstaltungen. Bestrenommierte Küche, grosse Speise-Säle und elegante Passagierzimmer. Elektrisch beleuchtet. Grosse Auswahl bester Gattungen Oesterreich., Ungar, und Ausländer Weine, Schwechater und Pilsner Biere. Trotz höchster Eleganz decenie Preise. Rössraerte Locais für Vereine u. geschlossene Gesellschaften. Prämiiert Weltausstellung Paris 1889 und 1900. J. Theumann älteste bestrenommierte “HID Wurst-u.Selchfleisch- — waren-Fabrik Fabrik und Hauptdepöt: Wien, II., Taborstrasse 32 im eigenen Hause —7empfiehlt ihr Sortiment ^>^2 Wurst-, Selchfieischwaren, Ungar, u. Veroneser Salami bester Qualität. Durch Aufstellung derneuesten Maschinen und Kühlapparate ist sie in der Lage, den weitestgehenden Anforderungen und Wünschen ihrer werten P. T. Kunden zu entsprechen. Preiscourante gratis u. franco. Für ne3 sind alle Gattungen Selchwaren zu haben. MUMEKOTEURL^S 8 8 f-NEUESTES-SYSTEMv i$F“5 DATUM; UNTERSCMRIFTS; Fl RMEN- AMTS - STEMPEL, SIEGEL. BRIEFMARKEN- PERfORIR-PRESSEN, BRENN-STEMPEL, SCHABLONEN. ERSTEu.RENOMMIRTESTE FABRIK IGNAZ HECHT. WIEN •25 Praterstrasse «25 - Eine Typendruckerei zum Süllistdruckeu kleiner Drudsorfen in eleganter Cassette inel. Farb|iolstor etc. kostet mit 80 Typen fl. 1.-1233 Typen fl. 2.40 130 „ 1.62 318 „ 3— 188 „ „ 2.201398 „ „ 3.00 Prospecte gratis u. franco. ln unserem Verlage erschien: Gesänge v. Börries Freih. v. Münchhausen mit Zeichnungen von E. Hl. Lilien. Preis in Original-Einband M. 8.—. Preis der numerierten Ausgabe auf echt Chinapapier M. 25.—. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. F. A. Lattmann Verlag, Goslar.