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Jüdisches Volksblatt · 1901-02-15 · 7 (15.2.1901) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
7 (15.2.1901)
Date
1901-02-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seit» e Wien, /reitng Jüdisches Volksblatt 15. Februar 1901 Nr. 7 was er sich einbildete, das hielt er für ausgemacht, und was er für ausgemacht hielt, daran ließ sich nicht rütteln. Als ernoch jung war, hat man ihm viele „Schiduchim" (Partien) geredet, denn er war der Sohn oemittelter Eltern und bat sich im Geschäft ausgekannt. Er aber hat keinem »Schadchen" (Vermittler) zügehört, denn er sagte: „Ich muß schön Pessele kriegen!* Aber nichts Aergeres konnte man ihm anthun, als wenn man ihm erzählte, daß sich jemand verliebt habe; denn wie er sagte, ist er gar nicht verliebt gewesen in schön Pessele, sondern er ist darauf bestanden, sie zu bekommen, weil er es gerade so gewollt hat. Pessele ist wirklich einmal eine große Schönheit gewesen, aber er hat nicht lange mit ihr gelebt; denn einige Jahre nach der »Chassene" (Hochzeit) ist sie gestorben. Nun haben sich die »Schadchonim* (Ehevermittler) wieder über Barl Lederer hergemacht; denn sie glaubten an ihm keinen schlechten Braten zu haben. Er aber hat wieder keinem zugehört, sondern er sagte: »Pessele soll in „Genedem' (Paradies) ruhen, und solang' ich leb', Hab' ich mein Rösele; die ist ihrwie aus die Äugen herausgeschnitten. Ich könnt' das Kind gar nicht ansehen, wenn ich ihr eine Stiefmutter ins Haus herein nehmen möcht'. Wartet mir mit Eure »Schiduchim", bis mein Räscle zu Gesund eine große Mad sein wird, dann könnt Ihr für mein' Rösele einen „Chossen" (Bräutigam) heraussuchen; aber jetzt lasst mich in „Menuche" (in Ruhe)/ So wuchs Rösele aus ohne mütterliche Pflege und, streng genommenohne Erziehung; sie hatte sich, wie Felix, eigentlich selbst erzogen, Bärl Lederer hat das Kind sehr gern gehabt, aber viel umsehen konnte er sich nicht auf sie, denn er musste sein Geschäft versorgen. „Und soll ich ihr „efscher" (vielleicht) wie die Reue-Mode-Leut' in Wien eine „Kuperenant" (Gouvernante) aus Paris verschreiben? fragte er, wenn man ihn darüber belehren wollte, „das versteh' ich besser." Freilich hätte Rösele verwahrlost werden können, aber die schutzlosen Kinder stehen, wie Bärl Lederer sagte, in Gottes besonderem Schutz, und Gott nimmt sich der „Jessoimim" (Waisen) selbst an. In Wahrheit hatte die Natur das Kind mit allen schönen Gaben ausgestattet. Sie hat dem Rösele ein gutes Gemüth gegeben, und das Mädchen war nicht nur schön, sondern auch gut und gescheit. Niemand hat ihr etwas zu sagen gebraucht. Vielleicht ist ihr in ihren Träumen Pessele erschienen und hat ihr gesagt, was sie thun und was sie lassen soll, meinten die Leute. Genug, sie wusste es. Wenn der „Schames" Freitag Abend iu Schul gerufen hat, deckte sie den Schabbes-Tisch und deckte für drei Personen. Dann sagte sie zu Bärl Lederer: „Du kannst auf Schabbes einen „Oirech" (Gast) mit nachhaus' nehmen; ich Hab' für einen mehr gekocht." Das hat sie frei gethan, so dass es Bärl Lederer sehen konnte.; wa§ sie aber erst hinter seinem Rücken gethan hat, das war noch viel mehr, und davon wissen die armen Leute, besonders die „Almoneh's" (Witwen) zu erzählen, denen sie heimlich Geld und Speisen zufteckte; denn sie konnte es nicht sehen, dass jemand in der Gemeinde Hunger leide. Gegen die „Orchim" (Gäste), die an ihrem Tische gespeist hatten, war sie sehr liebreich und hat mit ihnen gesprochen, wie eine Erwachsene. Nach allen möglichen Dingen hat sie dieselben ausgefragt, und da diese in der Regel viel in der Welt herumkommen und daher auch viel zu erzählen wissen, so häufle sich Rösele nach und nach einen großen Schatz von Lebenserfahrung an und wusste Bescheid über Dinge, dass man darüber staunen musste; denn mau konnte sich nicht erklären, woher sie das alles weiß und wie sie so gescheit „daher" reden kann. Besonders im Ausfragen hat sie sich dadurch eine so große Geschicklichkeit angeeignet, daß man sie für einen Untersuchungsrichter oder Polizeicommssär hätte galten können. An jenem Tage, an welchem Felix in die Fremde gieng und auch zu ihrem Vater »b'urlauben" kam, hat sie den dem Tode ihrer Mutter, die sie sich im Himmel unter seit Engeln weilend vorstrllte, den ersten tiefen Schmerz erfahren. Die Worte, die Bärl Lederer damals sprach, haben ihr einen Stich ins Herz gegeben, und es gewährte ihr einige Beruhigung, dass sie dem scheidenden Knaben noch vor seiner Abreise zu verstehen geben konnte, sie habe mit dem, was ihr Vater gesprochen, nichts gemein und nichts zu schaffen Gegen den Vater beobachtete sie seit jenem Tage ein auffallendes Stillschweigen, was aber Bärl Lederer, der ohnehin nicht viel Worte zu machen gewohnt war, nicht sonderlich auffiel; desto fester und inniger schloss sie sich seit der Zeit au den Knaben an, der sie damals, als sie vor Thräueu kaum sich halten konnte, auö Löb Franks Haus zurück in ihre Wohnung geführt. Zwischen Rösele und Gumpel bestand seit jenem Tage ein stilles Emverständnis. Die ganze Woche war Gumpel im Dorf; Schabbes Nachmittag aber, wenn die Jungen und Mädchen spazieren gehen, konnte mau die beiden immer nebeneinander sehen. Gumpel ist zwar noch immer kein sehr aufgeweckter Mensch geworden, aber soviel Verstand sein Geschäft erforderte, besaß er. Auf sein Geschäft verstand er sich, und was er sonst noch wusste, benützte er dazu, Röseles Fragen zu beantworten. In der Khille war er ein vielbeneideter Mensch; seine ehemaligen Mitschüler, die nun auch schon je nach ihren Mitteln Geschäftsleute oder Dorfgeher waren, platzten vor Galle, wenn sie bei Rösele gar nicht zu Worte kommen konnten. „Er hat mehr Glück als Verstand!" sagte der eine. „Der Dumme hat's Glück!" sagte der andere. „Die größte Sau kriegt den besten Bissen!" meinte ein dritter. „Ein goldener Nasenring an den Rüssel eines Schweins!" war die Bemerkung eines vierten, der sich noch vom „Cheder" her an einen Vers aus „Mischleh" Sprüche Salomos erinerte; und nur einer meinte bescheiden: „Theile be'idne ssagrd lei!" „Der Fuchs in seiner Zeit — soll man ihm | Ehre erweisen," fügte er in deutscher Uebersetzung hinzu, womit er seinem Vorredner zugleich den Beweis lieferte, dass auch er noch nicht alles vergessen und dass ihm sogar noch ein Stücke! „Raschi" (Commentar zur Bibel) geläufig sei. Diese bescheiden resignierende Denkweise blieb aber nicht unerwidert. Denn die Gegner derselben meinten, der Fuchs bleibt doch immer ein Fuchs und wird sein Lebtag kein Löwe, und wirf die Katz', wie Du willst, fällt sie auf die Füß'. Er ist aber ein glücklicher Mensch von der frühesten Kindheit bis herauf auf den heutigen Tag. Im „Cheder" schon hat ihn Felix so gern gehabt; schon damals habe er wegen Felix mehr Freiheiten gensssen als alle anderen und konnte im Wald herumgeh'n, wenn sie bei der „Gemoreh" schwitzen mussten, und jetzt hat er noch mehr Glück, jetzt ist gar Rösele in ihn verliebt. Jeder von ihnen möcht' sich nach ihr die zehn Finger ablecken, aber sie sieht sich auf keinen Jung' um, g'rad' als wie wenn Gumpel der schönste oder der gescheitste oder der reichste oder gar der einzige Jung' in der „Khille" wär'. Und sie seien doch auch keine Hundsfötter; Gumpel aber ist ein ganz besonderer „Bal Masel" (Glückspilz) und muss unter einem eigenen „Koichew" (Sternbild) geboren sein. „Beständig fort reden sie miteinander," sagte nun wieder der eine, „ich möcht' wissen, was sie in einemfort miteinander zu reden haben." „Ich hält' in meinem Leben nicht geglaubt," meinte wieder der zweite, „dass ein todter Mensch auf einmal so lebendig werden kann." „Und ich", meinte der dritte, „Hab' mir's nicht träumen lassen, dass ein Schläfer auf einmal so wach sein kann." (Fortsetzung folgt.) Wir ersuchen alle auswärtige« Leser unseres Blatte-, u«S Nachrichten auS dem Gemeindennd Vereinöleben der dortigen Judenschaft zu geben. Beso»derS erwünscht ist die Einsendung antisemitischer Lokalblätter, welche Angriffe gegen die Juden enthalten. ,Dr. Finkler-Abend." Der Autor des besagten Artikels ist Herr cand. jur. Walther Nagelstock, VIII., Lammgasse 6, an den Sie sich freundlichst wenden wollen. Besten Gruß! ft W in Czortkow. Woferne Sie sich nicht verpflichtet haben, die Raten pünktlich einzuzahlen, können Tie klagbar werden, sobald die Firma dre Nachzahlung nicht nnnimmt. I. W., XIV., Echwrglerstraße. Wollen Sie freundlichst noch einige Tage Geduld haben. Wir haben bereit? daS Nöthige veranlasst. Der »Jüdische Volksverein" hat den Zweck, überall dort, wo die politischen und wirtschaftlichen Interessen der Juden geschädigt werden, helfend und schützend einzugreifen, den Geist der Zusammengehörigkeit unter den Juden zu fördern und zu heben und alle Theile zu einem festen Ganzen zu vereinigen. Wer nur einen Funken Gefühl für die politische Drangsalierung, wirtschaftlichen Boycotts und gesellschaftlicher Missachtung, unter denen wir Juden zu leiden haben, hat, muss einsehen, dass unser Verein nur dann Ersprießliches zu leisteu vermag, wenn in unseren Reihen das gesammte jüdische Volk steht. Es ist daher nothwendig, dass ei« jeder Jude dem jüdische» Volksvereine als Mitglied beitrete. Die Höhe des Mitgliedsbeitrages wird dem eigenen Ermessen jedes Einzelnen anheimgestellt. Anmeldungen werden im Vereinslocal II., Leopoldsgasse 49 entgegengenommen. X r/ir.nAirwV'<wwir.‘Y*‘iiv-in-i*•*~*i*i*»*i«i*i*r%* ***«^ >,,j Nskntseitlichk AtllkMmittluW des Ha«delra»geftellte»'Verei«e- „Emunah" in Brüun. (Den P. T. Thefs sieht diese Rubrik unentgeltlich zur Verfügung.) Keurstr Vaecknzen-Kiftr: (Eii««lllche Offerte ff«d ch« den Verei« z« richte«.) Mehrere jüdische Mädchen werden als Kindermädchen und Dienstboten gesucht. Mehrere jüdische Lehrburschen für verschiedene Handwerker ges«cht. Comptoirist, deutsch, böhmisch, Stenograph, für Mähren. Comptoirist, deutsch, böhuusch, Prag. Tomptoirist, deutsch, böhmisch, Stenograph, für Böhme«. Comvtoir - Praktikant, absolvierter Handelsschüler, mit schöner Schrift, Stenograph, Brünn. Uhrmacher, mit 60 Gulden Monatsgehalt, selbständiger Xebeiter und Berkäufer, Mistet. Comptoirist, deutsch, böhinisch, Wischa«. Mehrere Schnhmachergehilfen für Brünn. Kommiß, Seide, Wien. KommiS, Manufaktur, Lundenburg. Komptoirist, Stenograph, Mähren. Auslage-Arrangeur, Manufaetur, Bielitz. Mehrere Komptoiristinnen, deutsch, böhmisch. TommiS der Leder-, Eisen-, stur-, «nd Spezeveihranche wird für Luhatschowitz gesucht. KonemiS, Spezerei, Pardubitz. KommiS, Galanterie, Wien. Commis, deutsch, ungarisch, Neutra. „Als Stütze der Hausfrau" wird ein anständiges Mädch« (kann auch aus Rumänien sein), der deutschen und französischen Sprache mächtig, für Eger gesucht. CommS der Spezereibranche für Miste! gesucht. Komptoiristin, die stenographieren, französisch lesen uub schreiben kann, wird für ein HauS in Brünn gesucht. Komptoiristin, der Stenographie mächtig und im Schreit-- maschinenfach gut bewandert, für eine AdvocaturSlanzlei m Brünn gesucht. Mehrere jüdische Goldarbeiter werden gesucht. Commis, Spezerei, nach der Auslehre, Ung.-Hradisch. Praktikant, Uhrengeschäft, Mistet. Maschinenschlosser findet in einer Maschinen- und Eisen» constrnctions - Werkstätte in Prag Aufnahme. Offerte unter „A. N.", Prag. Tüchtiger Reisender der Herren- und Damen-ConfeetionSbranche, der bereits in Mähren, Schlesien und Böhmen mit Erfolg gereist hat, wird ausgenommen unter „S. P.". Lehrerin (Jüdin, Zionistin bevorzugt), der deutschen und französischen Sprache mächtig, die auch Piano unterrichtet, wird gesucht unter „A. B.". Zwei tüchtige, selbständige Verkäufer der Galanteriebranche werden gesrcht. Anträge unter „ft 5a". Zwei Praktikanten der Spezereibranche werden ausgenommen. Anträge unter „A. H. 3a". Praktikant der Lederbranche wird ausgenommen. Anträg» unter „E. R." Ktellen-Gesrrche. Aelterer Mann der Gisenbranche, gewesener Kaufmanx, sucht dauernden Posten als Magazineur oder ähnlich in dieser Branche. Anträge unter „Vogel". 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